Zombieland (2009)

Auch wenn es lange nicht so aussah, habe ich es im späteren Verlauf des Abends doch noch geschafft einen Film zu sehen. Auf Ruben Fleischers „Zombieland“ hatte ich mich schon lange gefreut. Nach „Braindead“ und „Shaun of the Dead“ endlich eine weitere Zombiekomödie mit Kultpotential. Doch kann sie zu ihren Brüdern im Geiste aufschließen?

Wenn man von „Zombieland“ liest, wird stets automatisch der Vergleich zu Edgar Wrigths „Shaun of the Dead“ gezogen. Ein Vergleich der Nahe liegt, aber auch ein Vergleich der nicht so richtig funktionieren will. Wrights Film ist eine liebevolle Hommage an den klassischen Zombiefilm. Die typischen Klischees werden aufgegriffen und mit eine Twist erzählt, wodurch der Film zu einem Fest für Genrefreunde wurde. Ruben Fleischer dagegen erzählt in „Zombieland“ eine recht beliebige Episode aus einem recht beliebigen postmodernen Zombieszenario – inklusive rennender Zombies. Der Humor ist eher platt und offenbart sich in überdrehten Actionsequenzen. Durchaus unterhaltsam, aber absolut kein Vergleich zur fantastischen RomZomCom von der Insel.

Ursprünglich war „Zombieland“ als Pilot für eine TV-Serie geplant und diesen Umstand sieht man dem Film leider in vielerlei Hinsicht an. Nicht unbedingt was Produktionswerte oder Schauspieler angeht – da stehen aktuelle TV-Produktionen ihren Leinwandbrüdern ohnehin kaum mehr nach – sondern was die Dramaturgie angeht. Der gesamte Film wirkt wie der Epilog zu etwas Größerem, wie eben einer gesamten Serienstaffel. Am Ende des Films hat man die Charaktere endlich kennen und lieben gelernt und könnte sich mit ihnen nun in weitere Abenteuer begeben. Doch dann war der nahezu handlungslose Film bereits zu Ende und ließ mich demzufolge etwas unbefriedigt zurück.

Trotz Schwächen in der Handlung und Dramaturgie weiß „Zombieland“ durchaus mit netten Ideen zu überzeugen. Die Regeln nach denen Columbus (Jesse Eisenberg) sein Überleben in der Apocalypse gestaltet erinnern dabei sehr an Max Brooks‘ Zombiesatire „World War Z“ und werden auf sehenswerte Art und Weise in den Film integriert. Getragen wird die schon unzählige Male erzählte Geschichte von ihren Darstellern. Besonders Woody Harrelsons Portrait  von Tallahassee ist ein Genuss. Jesse Eisenberg kam mir dagegen zu oft wie ein Michael Cera-Verschnitt vor und konnte dem Original in meinen Augen nicht das Wasser reichen. Gegen Ende hat sich das Ensemble jedoch zusammengerauft, was für mich erneut den Pilotfilmaspekt unterstreicht. Erwähnen sollte ich vermutlich auch noch Bill Murrays Gastauftritt, den ich sehr gelungen fand – wenngleich sein Abgang jedoch viel zu vorhersehbar war.

Für alle Zombiefreunde bietet „Zombieland“ natürlich astreine Unterhaltung. Ich habe mich zu keiner Sekunde gelangweilt und war gegen Ende enttäuscht, dass es das schon wieder gewesen sein soll. Für mich hätte die Geschichte als Serie wohl auch besser funktioniert, insofern freue ich mich wenn mit „The Walking Dead“ kommende TV-Saison tatsächlich eine Zombieserie unsere Bildschirme heimsucht. Nicht die erwartete Offenbarung, aber immerhin äußerst kurzweiliges Genrekino: 7/10 Punkte.

20 Gedanken zu “Zombieland (2009)

  1. „Zombieland“ fand ich in der Erstsichtung recht gelungen. „Die Vergleiche mit „Shaun“ stören mich aber auch, da „Shaun“ um Längen besser ist. Von Hommage ist bei „Zombieland“ nichts zu sehen und der Humor ist stellenweise schon viel debiler.
    Der Pilotvergleich ist interessant, wirkt wirklich ein wenig so und hätte definitiv Potential finde ich.
    Habe in der Erstsichtung 8/10 gegeben und gehe davon aus der der beim zweiten Mal richtig abstürzt, daher habe ich auch irgendwie keine Lust das auszutesten.

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  2. Ich fand ihn okay, im Nachhinein betrachtet stört vielleicht die Tatsache, dass der Film eher Komödie als Satire ist – im Vergleich zum subtileren, lustigeren, besseren Shaun. Aber geht insgesamt in Ordnung 🙂

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  3. @C4rter: Da decken sich unsere Eindrücke weitgehend. Ich kann mir eine Folgesichtung jedoch ziemlich gut vorstellen, zumal der Film sowieso nicht sonderlich lange im Gedächtnis bleiben und die Zweitsichtung demnach auch ziemlich frisch wirken wird. Anscheinend soll es ja auch einen zweiten Teil geben, was meinen Serieneindruck nur weiter verstärkt.

    @christian: Ja, das sehe ich ähnlich. Es gab leider nur wenige Referenzen auf die klassichen Zombiefilme. Da ist „Shaun of the Dead“ tatsächlich von einem ganz anderen Kaliber. Dennoch eine weitgehend gelungene Zombiekomödie.

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  4. @Kaiser Soze: Ja, das lohnt sich als Zombiefreund auf jeden Fall. Den Survival Guide kenne ich allerdings noch nicht, aber er soll ja auch sehr gut sein.

    @Lars: Ahja, dann ist es also schon definitiv. Freue mich drauf. Zombiefilme scheinen sowieso immer eine sichere Sache zu sein: Relativ geringe Produktionskosten, eine treue und gut einschätzbare Zielgruppe und der Erfolg ist bei einem Mindestmaß von Qualität garantiert… 😉

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  5. Ich fand den damals im Kino schon sehr putzig, von mir also einen Punkt zusätzlich drauf. Wobei ich zugeben muss, dass er bei der Zweitsichtung doch ordentlich verliert. Natürlich hinkt der Vergleich zu Shaun of the Dead; der wird aber meistens halt nur für die Gemeinsamkeiten „Zombiefilm“ und „lustig“ verwendet.

    Auf „The Walking Dead“ freue ich mich auch bereits, daneben scheint ja der neue Michael Cera-Film so ordentlich Hype zu machen, dass ich mir den anschauen müsste, so er denn im Ami-Kino bei uns laufen sollte.

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  6. So langsam sehe ich einer potentiellen Zweitsichtung doch eher skeptisch entgegen. Wird aber sowieso nicht so schnell passieren. Vorbei sind die Zeiten, als man mindestens einmal im Monat in feuchtfröhlicher Runde „From Dusk Till Dawn“ und Konsorten geschaut hat… 😉

    Ja, der neue Michael Cera klingt sehr interessant. Zwar kenne ich die Vorlage nicht, doch Edgar Wright wird das Kind schon schaukeln!

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  7. Von mir gibt es einen Punkt weniger. Beruht aber vor allem auch daran, dass der ganze Hype um dem Film die Erwartungen bewusst oder unbewusst in die Höhe getrieben hat. Hätte ich Zombieland unbelastet gesehen wäre mein Urteil wahrscheinlich milder ausgefallen.

    Dass er eigentlich als Pilot geplant war wusste ich nicht, erklärt aber in der Tat einiges. Das sieht man mal was passiert wenn man die Extras der Scheibe außen vor lässt 😉

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  8. Somit liege ich mit meiner Bewertung ja ziemlich im Durchschnitt der allgemeinen Wahrnehmung des Films. Zwar hatte ich durchaus auch hohe Erwartungen, doch letztendlich hatte ich mit dem Film trotz seiner Schwächen ziemlich viel Spaß.

    Die Extras habe ich auch nur überflogen, was sich aber schon alleine für die Pilotfilm-Information gelohnt hat. Der Rest war typisches Gelaber zum Zombie-Make-up usw.

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  9. Ich hab dem Review eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Ordentlicher Film, sehr unterhaltsam, Zweitsichtung muss nicht sein. Hätte als Serie bestimmt besser funktioniert.

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  10. Nachdem ich den Film jetzt auch endlich gesehen hab, kann ich nur eines sagen/fragen:

    Warum will jeder (wirklich jeder!) diesen Film krampfhaft mit Shaun of the dead vergleichen? Weil Zombies darin vorkommen? Also bitte…
    Da ich das von Anfang an abgelehnt hab, lautet mein Ergebnis, dass ich verdammt viel Spaß mit dem Film und nicht mal wirklich was daran auszusetzen hatte. Und Bill Murray… wirklich zu recht an der Spitze der A-Liste 😉

    Und als Cera-Verschnitt empfand ich Eisenberg auch nicht wirklich. Aber naja, ist wohl Ansichtssache.
    (und nur zum Verständnis, ich liebe Shaun of the dead. Aber ich würde schon gar nicht eine englische mit einer US-amerikanischen Komödie vergleichen).

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  11. Wie ich bereits geschrieben habe, funktioniert der Vergleich auch nicht richtig, da – wie du bereits korrekt festgestellt hast – beide Filme einen gänzlich anderen Ansatz verfolgen. Dennoch wird man die Filme wohl immer irgendwie vergleichen, da sie eben die bekanntesten Zombiekomödien der letzten Jahre sind. Irgendwann wird sich das aber vielleicht auch ändern… 😉

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