In meinem Himmel – OT: The Lovely Bones

Gestern war ich endlich einmal wieder im Kino und habe mir Peter Jacksons Verfilmung von „In meinem Himmel“ angesehen. Bereits seit seiner Ankündigung habe ich mich auf den Film gefreut, wenngleich mir die Vorlage auch unbekannt ist. Ich mag Jacksons Stil und spätestens seit „Heavenly Creatures“ traue ich ihm auch ernstes Drama zu.

Die Bewertung des Films bringt mich in eine Zwickmühle. Einerseits hatte er grandiose Szenen zu bieten, welche mir auch immer im Gedächtnis bleiben werden, andererseits habe ich mich aber auch selten so über gewisse Szenen geärgert. Zu Beginn der Vorstellung war ich mir noch sicher einen der besten Filme des Jahres zu sehen, nach der Vorstellung war ich dagegen bitter enttäuscht. Heute Nacht jedoch hat mich die Geschichte selbst bis in meine Träume verfolgt, was wiederum für die emotionale Kraft des Films spricht. Doch was hat Jacksons Werk nüchtern betrachtet zu bieten?

Der Anfang des Films hat mir ausgezeichnet gefallen. Toll inszeniert, geschrieben und gespielt. Der grausame Höhepunkt war schließlich die Szene in der Susie Salmon auf ihren Mörder trifft. Ich glaube solch einen Kloß hatte ich im Kino nur selten im Hals. Wirklisch erschreckend gut gemacht. Auch die weiteren Szenen in der realen Welt haben bei mir Eindruck hinterlassen. Besonders die Spannungsszenen sind Peter Jackson famos gelungen, was wohl auch Stanley Tuccis beängstigendem Portrait des Serienkillers George Harvey zu verdanken ist.

Neben den wirklich spannenden und emotional ergreifenden Szenen gibt es allerdings noch die Szenen in Susie Salmons persönlicher Zwischenwelt. Die Szenen, die den Film eigentlich hervorheben sollten. Szenen, wie man sie noch nie gesehen hat. Leider jedoch sind gerade diese überflüssig, kitschig und mehr als nur holprig in die Gesamthandlung eingebunden. Ab und zu gibt es ein paar schöne Bilder zu sehen, doch der Rest verkommt zu brachialem CGI-Kitsch. Wirklich enttäuschend. Da hätte ich lieber nur Susies Voice-over gelauscht. Eine Erzählform, die bereits in „American Beauty“ tadellos funktioniert hat.

Neben den enttäuschenden Zwischenwelt-Szenen hat sich die Handlung auch noch einige Ausreißer erlaubt, welche für mich einfach nur unpassend wirkten. Das beste Beispiel ist hier der Kuss. Ich habe ja nichts gegen Kitsch, doch muss dieser auch angemessen in eine Geschichte integriert werden. Überhaupt hatte der Film teils das Problem die Waage zwischen Drama, Humor und Thriller zu halten. Hier hätten Peter Jackson, Fran Walsh und Philippa Boyens etwas mehr Fingerspitzengefühl beweisen müssen. Das Ende des Films war für mich schließlich auch unbefriedigend. Zwar weiß ich, dass es aus der Vorlage übernommen wurde, doch schien mir der CGI-lastige Absturz einfach nur platt und aufgesetzt. Wirklich schade.

Letztendlich hat mich „In meinem Himmel“ wirklich enttäuscht, besonders nach der wunderbar intensiven Eröffnung. Ich bereue die Sichtung jedoch nicht, denn in seinen besten Momenten liefert der Film famoses Drama sowie beklemmende Spannung. Dazwischen wirkt der Film jedoch wie eine billige Kopie von Vincent Wards „Hinter dem Horizont“, was leider nicht als Kompliment zu verstehen ist. Schade, dass man hier das Potential der Geschichte nur ansatzweise genutzt hat: 6/10 Punkte.

18 Gedanken zu “In meinem Himmel – OT: The Lovely Bones

  1. Das mag durchaus sein. Ich muss mich heute – so ich dazu komme – noch etwas mehr mit der generellen Auffassung des Films beschäftigen. Im Vorfeld habe ich ausnahmsweise keine einzige Kritik dazu gelesen. Wird von dir auch noch ein Eintrag dazu erscheinen?

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  2. Jup, stimme dem zu, obwohl ich aus den gleichen Gründen erheblich weniger Punkte vergeben hab. Besonders die Mutter (uhm, die Großmama) war extrem unnötig. Und das andere asiatische Mädchen in der Zwischenwelt war grausam nervig.

    @Flo Lieb: Dann solltest du mal zu inderzange oO 10/10, DAS war die wohlgesonnenste ^^

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  3. @Flo Lieb: Stimmt. Hatte ganz vergessen, dass du ja bereits mit seiner Verfilmung von „Der Herr der Ringe“ nur wenig anfangen konntest.

    @Khitos: Die Rolle der Großmutter fand ich an sich gar nicht schlecht, nur wie teils unpassend ihre Szenen auf Humor getrimmt wurden. Das Mädchen in der Zwischenwelt war wirklich absolut unnötig und nervtötend, stimmt. Ingsesamt fand ich den Film dennoch sehenswert.

    Dein Review zu dem Film ist aber noch nicht auf deinem Blog zu finden, oder?

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  4. Ich lese mir das später durch, möchte ihn mir eigentlich auch unbedingt ansehen, auch wenn er negative Rezensionen erhält (ich versuche, das zu ignorieren 😉 ).
    Was mich ein bisschen irritiert hat, ist, dass der Trailer schon so viel zeigt. Naja, abwarten.

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  5. Oh, neues Blog verehrte F.? Gleich einmal aboniert. Ich hatte im Vorfeld auch nichts über den Film gelesen und konnte mir somit eine eigene Meinung bilden. Wenn dich das Thema interessiert, dürftest du zumindest einen interessanten Kinoabend verleben. Bin auf deine Kritik gespannt!

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    • Danke, ich hoffe, ich schaffe es noch. Aber zur Zeit läuft so viel Interessantes an. Und dann noch die Oscars. Das wird knapp.
      Aber dann komme ich gern auf die Diskussion hier zurück. Ich habe das Gefühl, PJ kann im Moment jede Unterstützung gebrauchen. 😉

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      • Ich war schon froh es zu diesem Film einmal wieder ins Kino geschafft zu haben. Die Oscars werden dieses Jahr wohl einmal wieder an mir vorbeigehen. Würde ich aber auch gerne mal wieder schauen. Zeit, wo bist du hin?

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  6. Der Plot ist auch interessant und so schlecht wie der Film häufig gemacht wird, ist er auch wirklich nicht. Man sollte seine Erwartungen vor der Sichtung nur nicht zu hoch schrauben.

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    • Ein halbes Jahr später: Der Film scheint auf uns tatsächlich ähnlich gewirkt zu haben. Tucci toll, Effekte kitschig, unpassender Humor, teilweise ziemliche Tragik. Vielleicht braucht Jackson mittlerweile einfach die vollen drei Stunden, um einen gelungenen Film zu machen…? Man weiß es nicht 🙂

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      • Wobei hier mehr Laufzeit wohl kaum etwas geändert hätte. Vielleicht wäre es besser gewesen nicht so an der Vorlage zu kleben? Wer weiß. Weniger CGI-Kitsch und ein stringenteres Drehbuch hätten den Film auf jeden Fall nach vorne gebracht…

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