Bubba Ho-Tep (2002)

Nach etlichen Jahren hat es „Bubba Ho-Tep“ nun endlich auch bei uns auf DVD geschafft. Der Film wurde mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht und hat dann doch viele Zuschauer enttäuscht. Was soll man auch erwarten von einer Geschichte, in der ein schrumpliger Elvis Presley und ein schwarzer John F. Kennedy eine seelensaugende Mumie in einem Altersheim jagen? Vermutlich eine Horrorkomödie im „Evil Dead“-Stil, zumal Bruce Campbell der große Name in der Produktion ist.

„Bubba Ho-Tep“ lässt sich allerdings nicht so leicht in eine Schublade stecken. Ist er ein Horrorfilm? Eine Komödie? Gar ein Drama? Erstaunlicherweise ist der Film tatsächlich oft näher am Drama, als an den anderen Genres. Das hat mich wirklich erstaunt und wurde von den meisten Zuschauern wohl auch nicht so erwartet und dementsprechend skeptisch aufgenommen. Ich war jedoch von Anfang an gefangen von der dichten Atmosphäre, sowie der Betrachtung des Alters durch die Augen des dahinsiechenden Elvis Presley. Teils – trotz derber Sprache – fast schon poetisch und wirklich ergreifend.

Die Geschichte um die Mumie – und damit der Horroranteil – dient eigentlich nur als Funke, die den letzten Lebenswillen der beiden geschichtsträchtigen Helden entfacht. Ihr Dasein bekommt wieder einen Sinn. Etwas, das den meisten alten Menschen in solchen Heimen wohl abgeht. Man kann sich – auch durch die Visualisierung der Erinnerungen – gut in Elvis hineinversetzen und ist sich des Verlusts der Jugend bewusst. Dieser Sehnsucht nach längst vergangener Zeit. Hier steckt weit mehr in „Bubba Ho-Tep“, als sich auf den ersten Blick vermuten ließe.

Neben den ruhigen, emotionalen Szenen gibt es dennoch genügend Albernheiten. Allein die beiden Hauptcharaktere sind so absurd, dass es eine wahre Freude ist. Ihre Erklärungen für das Auftauchen der Mumie und die dementsprechenden Nachforschungen sind teils irre komisch. Der Kampf gegen die Mumie ist dann noch auf typische B-Movie-Art inszeniert und verbreitet trotz offensichtlichem Gummianzug mehr Charme, als jegliches CGI-Gewitter. Dabei wird der Film von einem fantastischen Score unterstützt, der wirklich ins Ohr geht.

„Bubba Ho-Tep“ hat sich als viel mehr entpuppt, als ein simpler Horrorfilm. Er besitzt Tiefe und echten Charakter. Teils regt er sogar zum Nachdenken an. Sicherlich gibt es einige budgetbedingte Abstriche zu machen und die Dramaturgie könnte etwas ausgefeilter sein, doch all das trübt den Spaß nicht im Geringsten. Wer Freude an skurrilen Geschichten hat, sollte auf jeden Fall einmal im Altersheim von Elvis reinschauen: 8/10 Punkte.

9 Gedanken zu “Bubba Ho-Tep (2002)

  1. Bubba Ho-Tep! Jaha, ich hab ja sooo gelacht! Super Film! Allerdings hab ich ihn damals noch auf Englisch gesehen, weils den eben noch nich auf Deutsch gab und ich muss schon sagen, dass Elvis eeecht schwer zu verstehen is. Aber ich bin ja auch wirklich schlecht in Englisch, ich gebs zu :/

    Aber ich bin mal gespannt auf die deutsche Version, die werd ich mir wohl auch demnächst mal ansehen…

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  2. Bruce Campbell gibt wirklich einen grandios nuscheligen Elvis, das stimmt. Die Synchro ist aber – erstaunlicherweise – auch recht gut gelungen. Kann man sich demnach durchaus antun, so es denn zudem das Verständnis fördert. 😉

    Ich kann auch ausnahmsweise einmal wieder die Special Edition der DVD empfehlen, da die Extras wirklich äußerst unterhaltsam und interessant sind. Lohnt sich definitiv (wenn man etwas für das Independant-Kino übrig hat).

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  3. Der Film soll Zuschauer enttäuscht haben? Mitnichten mich! Ich meine mich vor allem über den finalen Kampf gegen die Mumie formidabelst weggekichert zu haben.

    Wenn du mal einen richtig schlechten Film mit Bruce Campbell sehen willst, dann schau dir „Man with the Screaming Brain“ an, der ist ganz großes Aua. Ansonsten lasse ich auf Bruce „The Chin“ aber sowas von nix kommen. Auf Ossie sowieso nicht, der spielt bei meiner Lieblingsweihnachtsmusik-DVD mit.

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  4. Ich wäre jetzt ja auch enttäuscht gewesen, wenn du bei den enttäuschten Zuschauern dabei gewesen wärst… 😉

    Ich denke viele haben einfach einen reinen Splatter-Schenkelklopfer à la „Evil Dead 2“ erwartet. „Man with the Screaming Brain“ sagt mir nun nichts. Bruce hat allerdings im Bonusmaterial von „Bubba Ho-Tep“ noch davon gesprochen…

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  5. Ich finde man muss auch immer im Hinterkopf behalten, dass es sich eigentlich um eine Low-Budget- bzw. No-Budget-Produktion handelt. Da kann ich über manche Schwächen hinweg sehen… und die Story ist wirklich genial trashig! 🙂

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  6. Pingback: John Dies at the End (2012) | Tonight is gonna be a large one.

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