Mission: Impossible 2 (2000)

Beinahe zwei Monate nach Sichtung des Vorgängers bin ich gestern nun endlich dazu gekommen, mir „Mission: Impossible 2“ anzusehen. Der Film hat ja bereits bei Erscheinen einiges an Schelte einstecken müssen. Ich wollte jedoch unbefangen an die Fortsetzung herangehen und habe mir im Vorfeld vorgenommen, dem Film trotz überzogener Actionsequenzen eine faire Chance zu geben. Gar nicht so einfach, zumal die Action noch das Beste an diesem Werk darstellt.

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Wo fange ich nun an? Am besten mit der Action. Diese ist – typisch für John Woo – bombastisch inszeniert. Der Mann hat tatsächlich ein Auge für solche Szenen. Das kann man ihm wirklich nicht nehmen. Ob die übertriebene Action nun zu „Mission: Impossible“ passt oder nicht, kann man finde ich schlecht sagen. Brian De Palma hat im ersten Teil gegen Ende ja auch bereits auf Action dieser Art gesetzt, weshalb ich John Woo an dieser Stelle nicht den Vorwurf machen will, den Film aufgrund seiner Actionregie an die Wand gefahren zu haben.

Das größte Problem von „Mission: Impossible 2“ ist ganz klar das verkorkste Drehbuch. Die Geschichte ist so unglaublich simplel, dass man sie locker in einer halben Stunde hätte erzählen können. Zusammen mit der Action wäre man nun bei einer Stunde Film. Was also passiert in der restlichen Stunde? Da gibt es endlose Gespräche. Sinnlose Gespräche. Langweilige Gespräche. Dieses Nichts an Inhalt wird von John Woo zudem mit der opernhaften Theatralik seiner Hongkong-Filme inszeniert. Ein Zusammenspiel, das hinten und vorne nicht passt. Da ich jedoch stets an das Gute in den Filmemachern glaube, habe ich einen Blick ins Making Of geworfen, um Begründunge für die Defizite in der Geschichte zu finden. Dort erzählt der Drehbuchautor dann tatsächlich, was für eine anspruchsvolle Arbeit es war, eine Geschichte um die vorab festgelegten Actionssequenzen zu basteln. Zudem ist er furchtbar stolz auf seine Idee mit dem Virus, den er allen Ernstes als MacGuffin bezeichnet. Hitchcock würde sich im Grabe umdrehen.

Ich war wirklich guter Dinge. Wirklich. Auch habe ich kein Problem damit, dass bei einer Fortsetzung neue Wege eingeschlagen werden. Doch „Mission: Impossible 2“ demontiert seinen Vorgänger. Ethan Hunt ist nicht mehr Ethan Hunt. Er ist nur noch Tom Cruise – und dieser Film ist das deutlichste Beispiel für den schlechten Ruf des Schauspielers. Gelackte Oberfläche und ein Grinsen. Mehr ist da – zumindest in diesem Werk – nicht zu holen.

„Mission: Impossible 2“ ist kein Totalausfall. Die Actionszenen machen wirklich Spaß, doch der Rest? Kann man getrost vergessen. Das Schlimmste ist: Ich habe nun nichtmal mehr groß Lust auf den dritten Teil. What did you do, John Woo? So sehr ich seine ersten Hollywood-Ausflüge („Operation: Broken Arrow“ und „Face/Off“) mag, so deutlich zeigt sich mit „Windtalkers“ und „Mission: Impossible 2“ nun der Untergang des besonderen Talents dieses Regisseurs. Schade: 4/10 Punkte.

16 Gedanken zu “Mission: Impossible 2 (2000)

  1. John Woos Hollywood-Ausflüge empfinde ich samt und sonders als misslungen und unansehnlich. Operation: Broken Arrow, Face/Off, Windtalkers und M:I 2 sind fürchterlich schlechte Machwerke und im besten Fall nur langweilig (Windtalkers). Mein Meinung. Bei diesen Actionklamotten war ich jeweils so genervt, dass ich hoffe, dass mir nie wieder ein Woo-Film unterkommt.

    Es ist etwas schade, dass du nun von Tom Cruise eine schlechte Meinung hast, denn das wird dich sicherlich beim dritten Mission:Impossible-Film negativ beeinflussen. Man kann von ihm als Schauspieler halten, was man will – und im allgemeinen mag ich ihn auch nicht sonderlich – aber es sind in den letzten Jahren doch einige sehenswerte Stücke von und mit Cruise gelaufen (Vanilla Sky, Collateral, Krieg der Welten, Mission:Impossible 3). Ich finde, diese lohnen sich, sind besser und in jeden Fall trotz Macken auch sehenswert (vor allem Mission:Impossible 3 😉 ). Aber natürlich drehen sich diese Filme auch um Tom Cruise und prinzipiell spektakuläre Action. Trotzdem macht’s Spaß und ich kann nur empfehlen, da nochmal unvoreingenommen ran zu gehen.

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  2. Da Problem bei Woo ist meiner Meinung nach, dass diese melodramatischen und ausschweifenden Inszenierungen nicht wirklich ins westliche Kino passen. Bei „The Killer“ o.ä. passt das wie die Faust aufs Auge. Doch hier? Es wirkt fehl am Platz. Und nimmt man das größtenteils weg („Windtalkers“) bleibt nicht mehr viel übrig.

    Die von dir genannten Cruise-Filme finde ich auch alle gut und da gefällt er mir auch als Schauspieler (wenngleich ich bei „Vanilla Sky“ doch das Original lieber sehe). In „Collateral“ fand ich ihn erstaunlich erwachsen und auch in „Krieg der Welten“ konnte er mich überzeugen. Mit etwas Abstand werde ich wohl auch „Mission: Impossible 3“ genießen können. Das Genre ist ja wie geschaffen für J.J. Abrams. Vielleicht hätte ich beim aktuellen Teil auch das Making Of weglassen sollen, denn hier hat Cruise fast so gut geschauspielert wie im Film („…so ein tolles Drehbuch mit echter Substanz bla bla…“). Werde deine Worte aber im Hinterkopf behalten. 😉

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  3. Mission Impossible 2 ist einer der ganz wenigen Filme, die ich nicht bis zum Schluss ertragen konnte. Hätte man aus den Actionsequenzen einen langen Videoclip gedreht und mit krachiger Musik unterlegt, ich wäre zufrieden gewesen.

    Die Story hat mich gequält, Grinsman Cruise angewidert, Love-Interest-Darstellerin Thandie Newton auch schnell angeödet (hey, man hängt sich an alles, um einen Film bis zum Ende zu sehen). Schade um MI1 und MI3, die ich wohl deshalb bis zum heutigen Tag nicht gesehen habe.

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  4. @ andreschneider: Meinst du den Soundtrack oder den Score? Letzterer ist wirklich erstklassig. Ungewöhnlich für Hans Zimmer und vermutlich deshalb so gelungen.

    @ Inishmore: Hört sich so an, als hätten wir tatsächlich den gleichen Film gesehen. 😉

    Zumindest dem ersten Teil – und nach thwidra auch dem dritten – solltest du gelegentlich einmal eine Chance geben, denn dieser hat mit der One-Man-Show des zweiten Teils wirklich nicht viel zu tun…

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  5. Kann dem nur zustimmen, was hier gesagt wurde. Der zweite Teil ist ziemlich schlecht, der dritte ist aber wirklich wieder recht gut gelungen, vielleicht kein Überhit, aber durchaus gute Unterhaltung 🙂
    Bloß nicht mit Vorurteil herangehen 😉

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  6. Pingback: Mission: Impossible 3 « Tonight is gonna be a large one.

  7. Ich hatte Dich ja bereits bei Deinem Review zu Teil 1 gewarnt! 😉

    Aber auch von mir nochmal der Rat an Ini: lass Dich von Teil 2 nicht von den anderen beiden Teilen abhalten – die sind wesentlich besser!

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