Der Staatsfeind Nr. 1 – OT: Enemy of the State (1998)

An manchem Filmen sieht man erschreckend deutlich, wie schnell doch die Zeit vergeht. Tony Scotts „Staatsfeind Nr. 1“ aus dem Jahr 1998 gehört unzweifelhaft zu dieser Art von Film. Dabei erinnere ich mich noch, als wäre es gestern gewesen, dass ich vor inzwischen über 15 Jahren aus dem Kino kam und mich ob der Bilderflut ein wenig überfordert fühlte. Überhaupt war mir die ganze Inszenierung zu modern und das Drehbuch zu übertrieben. Wie sieht es 2014 aus?

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Das Actionkino der späten 90er Jahre stand ganz im Zeichen von Jerry Bruckheimer. Auch in „Enemy of the State“ ist deutlich sein Einfluss spürbar, wenngleich auch die Handschrift Tony Scotts zu erkennen ist. Was mir damals noch zu modern und schnell geschnitten vorkam, wirkt heute eher zeitgemäß. Einzig an der verwendeten Technik – Computer, Mobiltelefone, Speichermedien – lassen sich die vergangenen 15 Jahre nur allzu deutlich ablesen. Und inhaltlich, ja inhaltlich hat die schöne neue Welt den Film wohl überholt:

The government’s been in bed with the entire telecommunications industry since the forties. They’ve infected everything. They get into your bank statements, computer files, email, listen to your phone calls… Every wire, every airwave. The more technology used, the easier it is for them to keep tabs on you. It’s a brave new world out there. At least it’d better be. (Gene Hackman als Brill)

Aus heutiger Sicht wirkt der Inhalt des Films somit weniger paranoid und auch nachvollziehbarer. Natürlich bleibt „Staatsfeind Nr. 1“ auch weiterhin ein recht glatt gebügelter Actionthriller, doch besitzt er weit mehr Substanz und Inhalt als so manch moderner Film des Genres. Die Schauspieler machen ihre Sache gut (Will Smith) bis sehr gut (Gene Hackman) und es ist erfreutlich zu sehen, dass selbst kleinste Nebenrollen mit bekannten Gesichtern (u.a. Jason Lee, Jack Black, Anna Gunn, Seth Green) besetzt sind.

Erstaunlicherweise hat mir „Enemy of the State“ heute deutlich besser gefallen, als noch damals vor 15 Jahren. Das Actionkino der 80er und 90er Jahre ist eben durch nichts zu ersetzen und wirkt aus heutiger Sicht angenehm klassisch. Zwei wirklich äußerst unterhaltsame Stunden – danke Tony Scott: 8/10 Punkte.

Savages – Extended Version (2012)

Wir befinden uns im Jahre 2014 n. Chr. Ganz Deutschland ist im WM-Fieber… Ganz Deutschland? Nein! Ein von einem unbeugsamen Filmfreund geführtes Blog hört nicht auf, dem Fußballwahn Widerstand zu leisten. Somit lief bei mir natürlich nicht das Deutschland-Spiel, sondern Oliver Stones „Savages“ in der erweiterten Fassung. Nach der euphorischen Besprechung des Medienjournals, war ich auf jeden Fall sehr gespannt – und zumindest mehr als ein Unentschieden ist bei der Sichtung herausgekommen… Spoiler sind zu erwarten.

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Auch wenn Oliver Stones Stern in den letzten Jahren am Sinken ist, so hat er meine filmische Laufbahn doch stark geprägt: Besonders „The Doors“, „JFK“, „Natural BornKillers“ und „U-Turn“ hatten mich in meiner Jugend ziemlich beeindruckt. Doch auch in den letzten Jahren habe ich mit „Platoon“ und „Wall Street“ seine Klassiker zu schätzen gelernt. Das George W. Bush-Biopic „W. – Ein missverstandenes Leben“ fand ich auch weit besser als seinen Ruf. Umso gespannter war ich nun, wie er sich in einem – wenn man dem Trailer glauben mag – hippen Gangsterfilm schlagen würde. Style over substance? Tarantino-Anbiederung? Eine sozialkritische Komponente? Auf was konnte diese an sich nur allzu bekannte Geschichte unter Stones Regie nur hinauslaufen?

Am stärksten hat mich der Film wohl an „True Romance“ erinnert, ohne auch wirklich mit ihm vergleichbar zu sein: Im Zentrum steht eine ungewöhnlich Liebesgeschichte, die durch brutale Gangster akut bedroht wird. Die Erzählperspektive liegt bei der weiblichen Hauptfigur und sie spielt bereits zu Beginn auf ein eventuell düsteres Ende an. Das tatsächliche Finale ist dann – wider Erwarten – positiv und es gibt sonnige Strandbilder, die unsere Charaktere glücklich und zufrieden zeigen. Na, wem kommt das bekannt vor? Die Themen sind unabstreitbar ähnlich, doch Inszenierung und Ton unterscheiden sich doch ziemlich von Tony Scotts Meisterwerk.

„Savages“ sieht aus wie ein Film von Oliver Stone: schnelle Schnitte, eingestreute Schwarz-Weiß-Szenen und grobkörnige Bilder. Zwar nicht annähernd in der Deutlichkeit und Frequenz von „Natural Born Killers“ oder selbst „U-Turn“, doch fällt Stones spezielle Ästhetik nach wie vor auf. So unstet dadurch oft die Bilder wirken, so uneben wirkt auch die Handlung. Lockerleichte Spaßszenen wechseln sich mit brutalsten Folterszenen ab. Zwischendurch geht es immer wieder um Geld und Verhandlungstaktiken. Vielleicht keine Satire auf den amerikanischen Traum, doch auf jeden Fall mehr als die offensichtliche Handlung vorzugeben scheint.

Erwähnenswert finde ich noch die Schauspieler, allen voran Aaron Taylor-Johnson, der in „Savages“ so unglaublich viel dynamischer spielt als in „Godzilla“, dass ich ihn beinahe nicht erkannt hätte. Unglaublich! Auch Taylor Kitsch hat mir recht gut gefallen, wenngleich ich nach wie vor der Meinung bin, seine besten Leistungen bereits als Tim Riggings in „Friday Night Lights“ gesehen zu haben. Richtig beeindruckt hat mich Benicio Del Toro, der mit Lado wohl den ekligsten Typen der letzten Kinojahre spielen durfte. Ansonsten geben noch John Travolta und Salma Hayek ihr Stelldichein – und Emile Hirsch wirkt abermals total verschenkt.

Insgesamt hat mich „Savages“ stets am Ball gehalten und teils auch verblüfft. Ich wurde auf oft seltsame Art und Weise gut unterhalten; dies unterstreicht auch das kontroverse Ende des Films. Vielleicht ist es ein wenig zuviel des Guten, aber das Traumende davor wäre auch nicht das Wahre gewesen. Somit funktioniert es für mich zumindest als „True Romance“-Referenz und bleibt in seiner Aussage wunderbar ungreifbar. Hat mir insgesamt doch recht gut gefallen – mit deutlicher Tendenz nach oben: 7/10 Punkte.

Der Schatzplanet – OT: Treasure Planet (2002)

Aktualisierung: Ich habe „Der Schatzplanet“ am 22. August 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Für den gestrigen Abend hatte ich mir einen persönlichen Klassiker ausgesucht, der leider viel zu wenig geschätzt wird. Die modernisierte Literaturverfilmung „Der Schatzplanet“ ist einer der letzten klassisch animierten Disney-Filme, die vor der Ausrichtung auf 3D – und mit „Küss den Frosch“ aus dem Jahr 2009 der Rückkehr zu 2D – produziert wurden. Leider wird der Film oft gerne vergessen, wenn es um die großen Disney-Filme geht. Für mich gehört er allerdings unzweifelhaft zu meinen Lieblings-Disney-Filmen…

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Mit „Atlantis: The Lost Empire“ und auch der „Der Schatzplanet“ versuchte Disney einen etwas erwachseneren Ansatz bzw. schielte auf die Zielgruppe der Teenager. Das bedeutet auch kein Gesang und gleich mehrere Todesfälle – und hätte leicht in die Hose gehen können, doch haben die Autoren mit „Die Schatzinsel“ eine klassische Vorlage des Autors Robert Louis Stevenson genommen und sie erstaunlich originalgetreu in ein futuristisches Setting übertragen. Der jugendliche Held Jim Hawkins (gesprochen von Joseph Gordon-Levitt) ist ein typischer Draufgänger mit Herz, doch verzichtet Disney dankenswerter Weise darauf, eine zusätzliche Liebesgeschichte einzubauen. Der Film konzentriert sich ganz auf seine Beziehung zur Vaterfigur John Silver, durch die beide Charaktere definiert werden.

Disney wäre jedoch nicht Disney, wenn es nicht eine Vielzahl an Nebencharakteren gäbe, die einen großen Unterhaltungswert besitzen: Aus dem Einsiedler Ben Gunn wurde z.B. der verrückte Roboter B.E.N. und John Silvers Papagei ist dem Formwandler Morph gewichen. Überhaupt strotzt das steampunkig angehauchte Sci-Fi-Setting nur so vor visuellen Ideen, dass es eine wahre Freude ist! Besonders die Kombination aus 3D-Hintergründen und 2D-Charakteren ist wirklich gelungen und lässt den Film sehr dynamisch wirken: eine audiovisuelle Pracht.

Meine Lieblingsszene ist wohl die Montage zu John Rzezniks I’M STILL HERE, die mich emotional jedes Mal aufs Neue mitreißt. Überhaupt schafft es der Film in kürzester Zeit uns seine Charaktere ans Herz wachsen zu lassen. Mein einziger Kritikpunkt ist wohl, dass die erste Hälfte von „Der Schatzplanet“ noch ein wenig stärker ist als die zweite, die zu sehr auf Effekte und eine Auflösung der Geschichte setzt. Da mochte ich die Charakterszenen auf dem Schiff doch lieber, wenngleich diese Struktur natürlich durch die Vorlage bedingt ist.

Wer Disney-Animationsfilme mag und aufgrund diverser Vorurteile bisher einen großen Bogen um „Treasure Planet“ gemacht hat, der sollte diese spätestens jetzt schleunigst über Bord werfen und auf der R.L.S. Legacy anheuern. Für mich 90 Minuten perfekte Unterhaltung – und neben „Titan A.E.“ der zweite große Sci-Fi-Animationsfilm, den ich immer wieder gerne sehe: 9/10 Punkte.

Raising Hope – Season 1

Mit „Raising Hope – Season 1“ habe ich einmal mehr eine Sitcom nachgeholt, die ich schon längere Zeit auf dem Schirm hatte. Okay, ich gebe zu, ausschlaggebend war hauptsächlich der Fokus der Handlung auf das Kind im Haushalt – und die Neugier, ob diese Prämisse besser genutzt wurde als in der Serie „Up All Night“, die ein Jahr später starten sollte…

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Schon in den ersten Minuten wird schnell klar, dass hinter der Serie die gleichen kreativen Köpfe stecken, die sich auch schon für „My Name is Earl“ verantwortlich zeigten. Ein ähnliches White-Trash-Setting, in dem die Figuren mit viel Herz und Sympathie gezeichnet werden. Die Handlung reicht von nett bis völlig abgefahren und der Humor ist doch eher speziell, was die Serie aber umso sehenswerter macht. Jeder, der die Geschichten um Earl Hickey mochte, wird wohl auch mit Familie Chance seinen Spaß haben.

Was die Handlung angeht, so zeichnet es sich schon bald ab, dass Baby Hope auch nur der Aufhänger ist und eher andere Charaktere und Gegebenheiten im Mittelpunkt stehen. Die Serie findet aber stets wieder zu ihrer Prämisse zurück, indem die Autoren Hope als moralische Instanz etablieren – für mich eine sehr gelungene Art, ein Baby als Handlungselement sinnvoll in eine Serie zu integrieren. Manchmal bringt ein Kind eben doch die positivsten Seiten der Menschen in seinem Umfeld hervor.

Auch wenn ich verhältnismäßig lange gebraucht habe, um mich in der Serie endgültig zu Hause zu fühlen, so hätte ich Familie Chance am Ende am liebsten gar nicht mehr verlassen wollen. Die Gastauftritte aller wichtigen „My Name is Earl“-Schauspieler haben zudem dazu beigetragen, dass ich mich in der Serie wirklich wohl gefühlt habe. Nach einem etwas holprigen Einstieg ein tolles, frisches Comedy-Erlebnis: 8/10 (7.7) Punkte.

Dexter – Season 8

Mit dem Finale von „Dexter – Season 8“ verlässt mich eine Serie, um die ich anfangs einen weiten Bogen gemacht hatte. Doch zum Glück kannte ich bereits damals das wunderbare Blog Inishmores Blick auf die Welt, dessen Autor unablässig die Werbetrommel für die Serie rührte – und ich wurde zum Fan. Über die letzten Jahre hatte die Qualität jedoch abgenommen und besonders das Finale wurde stark kritisiert. Wie ich dazu stehe, lest ihr in der folgenden Besprechung… Spoiler sind zu erwarten.

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Der Einstieg ist mir in dieser Staffel tatsächlich nicht leicht gefallen, fand ich doch den Handlungsstrang rund um Dr. Evelyn Vogel ein wenig zu gewollt. Solch eine intensive Beziehung nach all den Jahren? Außerdem hatte ich den Eindruck, dass plötzlich jeder zweite Charakter von Dexters Doppelleben wusste, was die Spannung und Plausibilität in meinen Augen auf ein Minimum reduzierte. Auch wenn mich Debras Zusammenbruch nicht sonderlich begeistert hat, so machte er im Kontext der Handlung doch Sinn. Die Umsetzung dagegen hätte man durchaus stimmiger gestalten können – vor allem Dr. Vogels, ähm, interessante Ansätze für eine Familientherapie. Hatte ich schon erwähnt, dass Plausibilität nicht die Stärke dieser finalen Staffel ist?

Sehr gelungen fand ich dagegen den Handlungsstrang rund um Zack. Meiner Meinung nach hätten sich die Autoren in der finalen Staffel unter anderem auf diese Geschichte konzentrieren sollen. Mit Zack als Dexters Schüler gab es ein paar wirklich witzige und erfrischende Szenen, doch leider war nach ein paar Episoden schon wieder Schluss damit: Zack wurde dem Erzählstrang rund um Dr. Vogel geopfert. Schockierend und gewissermaßen überraschend – auch wenn mir schon zuvor klar war, dass der Brain Surgeon noch irgendwo da draußen sein musste. Die Verwendung von MAKE YOUR OWN KIND OF MUSIC als Erkennungsmelodie des Serienkillers zeugt zudem von akuter Ideenarmut, wurde der Song doch bereits prominent in „Lost“ eingesetzt – er hatte seinen Platz im kollektiven popkulturellen Gedächtnis somit schon sicher.

Bis zur letzten Episode war die 8. Staffel von „Dexter“ brauchbare bis gute Unterhaltung, die zwar qualitativ nicht mehr mit den ersten Jahren der Serie mithalten konnte, aber durchaus Spaß gemacht hat. Mit dem unerwarteten und – keine Überraschung an dieser Stelle – nicht sonderlich plausiblen Auftritt von Hannah McKay (Yvonne Strahovski) knüpfte die Serie direkt an das Vorjahr an, konnte jedoch nicht mit deren rundum positiven Eindruck mithalten. Somit reiht sich diese letzte Staffel noch deutlich hinter der 6. Staffel ein:

  1. „Dexter – Season 1“ (10 Punkte)
  2. „Dexter – Season 4“ (9 Punkte)
  3. „Dexter – Season 3“ (9 Punkte)
  4. „Dexter – Season 2“ (9 Punkte)
  5. „Dexter – Season 5“ (8.7 Punkte)
  6. „Dexter – Season 7“ (8.2 Punkte)
  7. „Dexter – Season 6“ (7.4 Punkte)
  8. „Dexter – Season 8“ (6.9 Punkte)

Nach dem endgültigen Finale, für das es von mir ganze 3/10 Punkte gab, scheint mir die Wertung der gesamten Staffel noch deutlich zu hoch, denn die Autoren haben in der letzten Episode so ziemlich alles falsch gemacht, was man auch nur hätte falsch machen können. Wirklich unglaublich. Meiner Meinung nach gibt es nur zwei Möglichkeiten, wie man die Serie zu einem zufriedenstellenden Ende hätte führen können:

  1. Das völlig übertriebene Happy End: Inhaltlich wäre dies wohl die schwächere Variante gewesen, die jedoch wunderbar emotional befriedigen bzw. verstören hätte können. Man stelle sich vor: Dexter sitzt mit Hannah, Harrison und Debra am Strand, Palmen wiegen im Wind, der Cocktail in der Hand strahlt in den buntesten Farben. Es ist die perfekte Idylle. Dazu noch ein spritziger Voice-over, der uns Zuschauer schlecht fühlen lässt, weil wir dem Serienmörder Dexter am Ende komplett verfallen sind – und der nächste Mord sich schon andeutet…
  2. Die Dekonstruktion des Dexter Morgan: Ich hätte schwören können, dass die Autoren diesen Weg einschlagen würden. Über den Verlauf der Staffel wäre die Schlinge rund um Dexter immer enger geworden – und am Ende hätten es alle gewusst: Batista, Masuka, Quinn, Matthews, Jamie, Harrison und seine Stiefkinder. Ich sehe die Zeitlupenfahrt über die entsetzten Gesichter quasi vor mir. Ganz am Ende dann natürlich Dexters Tod, sei es durch eine angedeutete Hinrichtung oder durch einen ehemaligen Vertrauten. Inhaltlich und emotional wäre diese Variante für mich wohl am bedriedigendsten gewesen…

Was haben wir dagegen bekommen? Ein völlig konfuses Finale mit etlichen hanebüchenen Handlungssträngen. Der Tod von Debra ist nicht nur völlig sinnlos, sondern auch emotional überhaupt nicht involvierend – immerhin war sie ein Charakter, den wir über acht Jahre lang begleitet hatten. Völlig vergeigt. Dann Harrison mit Hannah: wirklich? Was für ein Leben mit einer gesuchten Serienmörderin! Doch ganz besonders Dexter benimmt sich so, als hätte es die Staffeln davor nie gegeben. Der völlig nichtssagende Epilog lässt die vorangegangenen Minuten dann in völliger Bedeutungslosigkeit verpuffen. Weder emotional, noch schockierend – einfach nur doof.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass man mit dieser letzten Staffel von „Dexter“ durchaus seinen Spaß haben kann. Logik und glaubwürdige Charakterentwicklung wurden zwar weitestgehend über Bord geworfen, doch ist die Serie weiterhin spannend, wendungsreich und nett gespielt. Gegen Ende der Staffel baut die Geschichte jedoch immer mehr ab und besonders das Finale ist einfach nur ärgerlich. Ich mag Fans der Serie dennoch nicht davon abraten reinzuschauen – die Erwartungen für den endgültigen Abschluss solltet ihr jedoch stark drosseln: 7/10 (6.9) Punkte.

Cloverfield (2008) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Cloverfield“ am 12. September 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Auch wenn mich Gareth Edwards „Godzilla“-Verfilmung nicht 100%-ig überzeugen konnte, so hat sie mir doch enorm Lust auf weitere Monsterfilme gemacht. Was war also naheliegender als mit „Cloverfield“ erneut der Zerstörung einer Metropole durch ein gigantisches Monster beizuwohnen? Spoiler sind zu erwarten.

Cloverfield (2008) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Cloverfield (2008) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Im Gegensatz zu meiner ersten Sichtung von „Cloverfield“ hatte ich dieses Mal tatsächlich realistische Erwartungen, die nicht durch eine großartig effektive Marketingkampagne in den Himmel geschraubt wurden. So wusste ich bereits im Vorfeld, dass der Film, um den im Vorfeld solch ein Hype geschürt wurde, letztendlich ein simpler Monsterfilm ist. Viel bessere Voraussetzungen also, als noch bei der Erstsichtung vor sechs Jahren. Ebenso spielt die Übersättigung an Found-Footage-Filmen – eine Genrebezeichnung, die es damals noch nicht gab – dem Film in die Hände. Man kennt die Mechanismen und weiß die J. J. Abrams-Produktion heute als ikonischen Wegbereiter zu schätzen.

Bei der heutigen Sichtung hat mich die Handkamera seltsamerweise überhaupt nicht gestört. Ich mochte die beinahe 20-minütige Introsequenz sowie die folgende Non-Stop-Action. Wenn man darauf achtet, ist es auch interessant zu sehen, wie minutiös Regisseur Matt Reeves („Let Me In“) den so spontan wirkenden Film durchinszeniert hat. Schon alleine die unzähligen anderen Schaulustigen, die das Geschehen filmen, fotografieren usw. verleihen dem Setting Glaubwürdigkeit, wenngleich man sich als Zuschauer natürlich auch auf die typische Found-Footage-Dauerfilmerei einlassen muss. Für mich ist dies allerdings ein ähnlich fester Bestandteil des Genres, wie z.B. der unverwundbare Held in Actionfilmen.

Fazit

Grandios fand ich erneut das Monster sowie die Mittendrin-Atmosphäre. Gerade in diesem Setting, das man bereits unzählige Male aus der Vogelperskeptive verfolgt hat, ist solch ein intimer Blick tatsächlich ein aufregender Twist. Einzig das Finale fand ich zu vorhersehbar und generisch. Vielleicht aber auch gerade deshalb passend, da der Film bereits zuvor plötzlich von lockeren Sprüchen zu panischer Ausweglosigkeit schwenkt. Insgesamt hat mir „Cloverfield“ noch einmal deutlich mehr Spaß gemacht, als bei der Erstsichtung. Auch wenn der Film nicht perfekt ist, sollten Monsterfilmfreunde unbedingt einmal reinschauen: 8/10 Punkte.

Godzilla (2014)

Aktualisierung: Ich habe „Godzilla“ am 24. April 2021 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Der Mai ist noch nicht einmal vorbei – und schon habe ich es zum ersten Mal in diesem Jahr ins Kino geschafft. Unglaublich! Mit der Neuinterpretation von „Godzilla“ fiel die Wahl auf einen Film, für den sich Kino auch richtig lohnt. Mit Dolby Atmos und 3D wurde folglich auch genug Schnick-Schnack geboten, um den Preis von 12 Euro(!) zu, ähm, rechtfertigen. Die Kritiken, die ich im Vorfeld überfolgen hatten, ließen entweder den Film des Jahrhunderts oder die größte Gurke aller Zeite erwarten – die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo dazwischen… Spoiler sind zu erwarten.

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Auch wenn ich zu Godzilla als Filmmonster keine besonders tiefe Beziehung habe, so erinnere ich mich doch noch gut an regnerische Sonntagnachmittage, an denen ich mich von den japanischen Originalfilmen habe berieseln lassen. An die Handlung der Filme kann ich mich nicht mehr erinnern, doch hatte ich Spaß an den Monstern und Effekten – zumindest bis ich 1993 „Jurassic Park“ im Kino sah. Auch mit Godzilla sollte ich 5 Jahre später noch eine Begegnung auf der großen Leinwand haben: Nachdem mich Roland Emmerichs „Independence Day“ 1996 in einen Actionrausch versetzte, ließ ich es mir natürlich nicht nehmen 1998 auch seine stark amerikanisierte Interpretation von „Godzilla“ zu sehen. Auch wenn der Film viel Kritik einstecken musste, so hatte ich doch Spaß mit der großen, albernen Monsterhatz. Gut 16 Jahre später wählt Gareth Edwards einen gänzlich anderen Ansatz, der das Düsterkino moderner Blockbuster, wie z.B. „The Dark Knight“, mit dem Setting und den Themen der klassischen „Godzilla“-Filme kombiniert.

Man merkt dem Film an, dass Edwards seine Vorbilder genau studiert hat. Der eröffnende Helikopterflug erinnert unweigerlich an Steven Spielbergs „Jurassic Park“ und lässt in Gedanken John Williams eingängigen Score erklingen. Welch Freude! Auch die Ankuft der Wissenschaftler an der Ausgrabungsstätte weckt diese Assoziation – herrlich altmodisch erzählt und auf Ereignisse anspielend, die ihren Schatten vorauswerfen. Auch der familienlastige Teil der Geschichte weiß anfangs zu gefallen: Bryan Cranston (Walter White, „Breaking Bad“) als Nuklearwissenschaftler, der seine Frau bei einem Unfall verliert und daraufhin manisch nach den Gründen für das Unglück sucht. Da hätte man wirklich etwas draus machen können. Leider lässt man mit ihm einen der wenigen interessanten Charaktere des Films viel zu früh (und ohne Grund oder emotionale Wirkung) sterben und verlagert den Fokus vollkommen auf seinen Sohn; dargestellt von Aaron Taylor-Johnson (Kick-Ass, „Kick-Ass“), der mit leerem Blick unter seinen Muskelbergen leider immer ein wenig dümmlich wirkt. Da ich leider nur die synchronisierte Fassung gesehen habe, mag ich aber auch nicht zu harrsch mit der Schauspielleistung ins Gericht gehen. Toll war es jedoch nicht.

Nach dem schönen Prolog ist der restliche Handlungsaufbau leider ein wenig schleppend. Auch der zweite große Handlungsstrang, der die Wissenschaftler um Ken Watanabe (in seiner Rolle leider völlig verschenkt) verfolgt, bleibt seltsam ereignislos, erinnert dabei aber stark an die Originalfilme um die Riesenechse. Ich hätte gerne mehr abenteuerliche und unterhaltsame Set Pieces gesehen, die der Film durchaus zu bieten hat (z.B. die Szenen auf der Eisenbahnbrücke), welche jedoch hinter etlichen bemüht wirkenden Dialogszenen hintenanstehen. Und jetzt komm mir keiner mit „Der weiße Hai“, „Jurassic Park“ oder ähnlichen Vergleichen, denn Spielberg spielte damals in einer ganz anderen Liga. Wenn es allerdings zur Sache geht, dann zieht Edwards wirklich alle Register und schafft unglaublich atmosphärische Bilder, die großartig komponiert sind. Die Action bleibt stets überschaubar und die Monster sind beeindruckend in Szene gesetzt. Ein audiovisueller Hochgenuss.

Insgesamt ist die 2014er Neuauflage von „Godzilla“ somit ein inhaltlich relativ flacher Actionfilm, der gerne mehr sein würde als er eigentlich ist. Wenn man über das schwache Drehbuch hinwegsehen kann und auch nicht mehr Anspruch erwartet, als bei den alten „Godzilla“-Filmen, dann sollte man sich zurücklehnen und ein mit ca. 2 Stunden Laufzeit etwas zu lang geratenes Bombastkinoerlebnis genießen. Auch wenn mir Guillermo del Toros vergleichbarer Kaiju-Klopper „Pacific Rim“ noch einmal deutlich besser gefallen hat, so haben sich mir manche Bilder des gestrigen Kinobesuchs doch eingebrannt. Kein Überflieger, aber für Monsterfreunde wirklich gute Unterhaltung: 7/10 Punkte.

Dexter – Season 7

Kaum gönnt man sich eine kleine Auszeit von einer Serie, so kann das die empfundene Qualität wieder enorm steigern. Bis zur Sichtung von „Dexter – Season 7“ sind über zwei Jahre ins Land gegangen und die Motivation weiterzuschauen war nach der doch ein wenig schwächelnden sechsten Staffel auch nicht allzu groß. Umso mehr freut es mich, dass es die Serie erneut geschafft hat mich zu packen… Spoiler sind zu erwarten.

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Nach dem teils sehr abstrusen Verlauf der sechsten Staffel, bot der Cliffhanger doch so einiges an Spannung in Bezug auf die weitere Entwicklung der Serie. Debra ist also hinter das Geheimnis ihres Bruders gekommen. Wie ihre Beziehung dadurch auf die Probe gestellt wird, ist auch eines der Hauptthemen dieser Staffel. Teils funktioniert dieser Handlungsstrang für mich sehr gut, teils dreht er sich auch ein wenig im Kreis. Dennoch fand ich es richtig, dass sich die Serie wieder mehr auf Dexter konzentriert hat. Aus der Gefahr des Erwischtwerdens nährt sich die Spannung einfach am besten – außerdem ist dies der einzig konsequente Weg, den die Serie in ihrem inzwischen siebten und vorletztem Jahr einschlagen kann.

Neben dem Haupthandlungsstrang gibt es einige Nebenschauplätze, die teils enorm klischeehaft geschrieben und mit zu vielen Zufällen angereichert sind, doch letztendlich viel Spaß machen. Der schwule Mafiaboss, der sich zudem noch als Dexters Bruder im Geiste entpuppt, war letztendlich ein wirklich nett geschriebener Charakter und die Mörderbraut Hannah McKay, gespielt von der hinreißenden Yvonne Strahovski (Sarah, „Chuck“), war eine passender Gegenpol zu Dexters Beziehung zu Debra. Auch wenn die Serie ihre besten Tage hinter sich hat, so hat mich doch ausnahmslos jede Episode erfreut und ich habe es genossen, mich wieder einmal in die dunklen Schatten des sonnendurchfluteten Miamis zu begeben.

Mit dem Finale gibt es erneut eine Wendung, welche die Weichen für das Finale neu stellt. Letztendlich bin ich froh die Serie nicht vorzeitig aufgegeben zu haben und freue mich auf den Abschluss, von dem ich bisher leider nur negative Meinungen (glücklicherweise ohne Spoiler) gelesen habe. Ich bin auf jeden Fall schon wirklich gespannt, was sich die Autoren haben einfallen lassen. Einfach dürfte es wohl nicht gewesen sein, diesen seltsam sympathischen Serienmörder aus dem Serienkosmos ausscheiden zu lassen, ohne gewisse Aspekte mit einem üblen Beigeschmack ausklingen zu lassen. Wenn das qualitative Niveau dieser siebten Staffel gehalten wird, bin ich aber mehr als zufrieden: 8/10 (8.2) Punkte.

Stichtag – OT: Due Date (2010)

Freitagabend, Zeit für einen Film. Dabei würde es unendlich viele andere Dinge zu erledigen geben. Hausplanungen vertiefen, Studienarbeiten bewerten. Solche Sachen eben. Aber da die letzte Filmsichtung schon wieder zwei Wochen zurückliegt, habe ich die Todd-Phillips-Komödie „Stichtag“ aus dem Regal gezogen. Übrigens verfasse ich mit dieser Besprechung erstmals einen Eintrag auf meinem neuen 23-Zoll-Monitor und alles sieht sehr anders aus, deshalb bitte nicht wundern, sollte die Kritik a) viel ausführlicher oder b) viel knapper ausfallen als sonst…

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Ich muss ja zugeben, dass ich Todd Phillips „Hangover“-Trilogie ziemlich gelungen finde (selbst dem dritten Teil konnte ich noch etwas abgewinnen). Auch Zach Galifianakis sehe ich ich spätestens seit der TV-Serie „Bored to Death“ sehr gerne und finde ihn, selbst in repetitiv angelegten Rollen, stets lustig. Da bin ich sehr einfach gestrickt. Insofern gute Voraussetzungen für „Stichtag“, in dem Galifianakis an der Seite von Robert Downey Jr. auf einen Roadtrip durch die USA geschickt wird. Eine simple Prämisse, unter 100 Minuten Laufzeit und starke Schauspieler. Was soll da bei einer Komödie noch schief gehen?

Die Kritiken zu „Stichtag“ waren nicht sonderlich positiv, weshalb meine Erwartungen nicht besonders hoch waren. Letztendlich hat dies auch ziemlich perfekt zum Film gepasst, der tatsächlich nicht überragend ist. Ich musste ein paar Mal laut lachen, habe die tollen Landschaftsbilder genossen und ansonsten eine mehr oder minder mittelmäßige Komödie gesehen. Ganz nett, aber eben auch nicht mehr. Downey Jr. und Galifianakis harmonieren recht gut, es gibt ein paar schöne Gastauftritte, doch letztendlich ist der Film kurz nach dessen Ende auch schon wieder vergessen. Zum einmal Schauen durchaus geeignet, doch beim nächsten Filmabend lieber noch einmal „Hangover“ einlegen: 6/10 Punkte.

Homeland – Season 2

Als ich die erste Staffel der Serie verschlungen habe, hätte ich nie gedacht, dass bis zur Sichtung von „Homeland – Season 2“ weit über zwei Jahre ins Land gehen. Ich war damals wirklich schwer begeistert und mir sicher eine neue Lieblingsserie entdeckt zu haben. Wie man das als Serienfreund so kennt, wurde ich in der Zwischenzeit allerdings gut abgelenkt. Nun war es jedoch soweit: Sollte ich mit der zweiten Staffel erneut ein Highlight der Serienunterhaltung erleben? Spoiler sind zu erwarten.

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Bot die erste Staffel Spannungskino und Charakterdrama auf höchstem Niveau, so nähert sich das zweite Jahr eher der inhaltlich vergleichbaren TV-Serie „24“ an. Die soll nun nicht abwertend klingen, habe ich mit Jack Bauer doch auch einige großartige Staffeln erlebt. Es fällt jedoch deutlich auf, dass der Fokus mehr auf Effekte und Twists gesetzt wird. Selbst bekannte Charaktere verlieren über den Verlauf der Staffel immer mehr an Glaubwürdigkeit. All das macht noch lange keine schlechte Serie, doch mit dem intensiven Erlebnis, das noch die erste Staffel bot, kann „Homeland“ im zweiten Jahr leider nicht mehr ganz mithalten.

Die erste Hälfte der Staffel hat mir wirklich ausgezeichnet gefallen und ich dachte noch, dass man das hohe Niveau halten kann: Carrie wird einigermaßen glaubwürdig zurück ins Spiel gebracht und darf sich sogleich in einem Auslandseinsatz beweisen. Auch die erste Wendung rund um Brody hat mir ausgezeichnet gefallen, da ich es ohnehin unglaubwürdig fand, dass er nach dem umstrittenen Finale des Vorjahres genauso weitermacht wie zuvor. Insofern nur konsequent, dass er die Seiten wechselt. Leider wollte man seine Figur weiterhin möglichst ominös wirken lassen und als dann die Affäre mit Carrie wieder aus dem Hut gezaubert wurde, hatte die Staffel für mich ihren Tiefpunkt erreicht.

Gegen Ende wird wieder Fahrt aufgenommen und ein Verschwörungsplot ins Spiel gebracht. War irgendwie zu erwarten, hat mich aber dennoch ein wenig unbefriedigt zurückgelassen. Obwohl Schauspieler, Inszenierung, Look usw. der ersten Staffel in nichts nachstehen, so wirkt die Serie in ihrem zweiten Jahr über weite Strecken einfach nicht so ausgefeilt. Besonders was das Drehbuch angeht. Das Staffelfinale hat mich dagegen wirklich noch einmal überraschen können – und auch wenn ich nicht mit jeder Charakterentwicklung einverstanden bin, so hätte ich danach dennoch gerne weitergeschaut.

Letztendlich ist meine Kritik wirklich Jammern auf hohem Niveau, denn auch im zweiten Jahr ist „Homeland“ eine packende und hochwertig produzierte Serie. Nach der grandiosen ersten Staffel hatte ich mir aber einfach ein wenig mehr erwartet. Angefixt bin ich dennoch wieder und werde somit bestimmt auch irgendwann in die dritte Staffel reinschauen – nur ist das Bedürfnis nicht mehr ganz so groß wie damals:  8/10 (7.7) Punkte.