Death Race (2008)

Nachdem ich mich gestern kaum bewegen konnte und abends auch keinen Film durchgehalten hätte, wollte ich es heute zumindest versuchen. Eine bequeme Sitzposition zu finden war nicht einfach, so dass ich froh war mit dem Action-Remake „Death Race“ nicht auch noch einer komplizierten Filmhandlung folgen zu müssen. Spaß hatte ich dennoch. So irgendwie.

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Das Remake des von Roger Corman produzierten „Death Race 2000“ (bzw. „Frankensteins Todesrennen“ in der deutschen Fassung) stammt aus der Feder von Paul W. S. Anderson, was geneigte Kinogänger schon einmal abschrecken könnte. Anderson ist hauptsächlich bekannt für seine weichgespülten Adaptionen der „Resident Evil“-Reihe – 1997 hatte er aber auch den atmosphärisch dichten Sci-Fi-Horror „Event Horizon“ in Szene gesetzt. Von „Death Race“ erwartete ich mir nun nicht viel, erhoffte mir aber zumindest geradlinige Action-Unterhaltung.

Im Vergleich zum mir unbekannten Original empfinde ich es schon als Fehler, dass das Transkontinentale Straßenrennen räumlich auf einen Rundkurs begrenzt wurde. Somit atmet der Film weniger die Atmosphäre von „Mad Max“ bzw. „The Road Warrior“ als von Super Mario Kart. Dies ist zwar irgendwie auch witzig, doch letztendlich gleichen sich Schauplätze und Actionszenen doch zu sehr – bei einem Film, der so gut wie keine nennenswerte Handlung aufweist, ist dies leider kein gutes Zeichen.

Letztendlich hat mich „Death Race“ über seine gut 100 Minuten tatsächlich recht brauchbar unterhalten. Jason Statham passt in die Rolle des Einzelkämpfers, die Action ist gefällig inszeniert und eine gewisse Härte bietet der Film auch. Leider wirkt das alles (inklusive Geschichte samt deren Auflösung) so dermaßen glatt, dass die Härte nur umso aufgesetzter wirkt. Das alles ist ja irgendwie nett anzusehen, doch kann ich mich schon jetzt an keinen einzelnen Charakter mehr erinnern und morgen werde ich den Rest auch vergessen haben – und nein, das liegt nicht an den Schmerzmitteln: 5/10 Punkte.

The Raid: Redemption – OT: Serbuan maut (2011)

Früher habe ich gerne öfter mal Sammlereditionen von Filmen gekauft, doch in den letzten Jahren reichte mir stets die günstigste Veröffentlichung mit den besten technischen Daten. Da die Ultimate Edition zurzeit äußerst günstig zu haben ist, und der Film ohnehin schon lange auf meiner Liste steht, habe ich bei „The Raid: Redemption“ einmal wieder zum Luxuspaket gegriffen – durchaus riskant für einen Blindkauf. Was hat der Film nun also zu bieten, der die gesamte Riege an Actionfans (zumindest diejenigen abseits von „The Expendables“) in Ekstase versetzt?

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Während der ersten 10 Minuten ist es mir wieder schwer gefallen in den Film reinzukommen, da ich es nicht gewohnt bin nur asiatische Schauspieler zu sehen und eine Synchronfassung zu hören. Dies ist natürlich kein Fehler des Films, sondern mein Problem, da ich zu 99% Filme aus dem englischen Sprachraum sehe. Früher (sprich vor mindestens 10 Jahren) habe ich öfter asiatische Filme gesehen und teils eine Woche lang mit Wong Kar-Wai zugebracht oder John Woo-Filme nachgeholt. Inzwischen jedoch bin ich außer Übung – und doch hatte mich der Film schnell auf seiner Seite. Dialoge gibt es ohnehin kaum und die knackige Action reißt einen sofort mit. Wunderbar direkt und unmittelbar inszeniert – und doch gerade so übersteigert, dass man sich beim Zuschauen nicht schlecht fühlen muss. Ein Unterhaltungsfilm der anderen Art.

Im direkten Vergleich mit dem inhaltlich nahezu identischen „DREDD“ aus dem Jahr 2012, hat mir „The Raid: Redemption“ doch ein wenig besser gefallen. Auch wenn ich das Zukunftssetting sehr mochte, so hat mich die menschlichere Geschichte (obwohl es da auch nicht viel zu holen gibt) in der indonesischen Version doch mehr eingefangen. Vielleicht lag es aber auch an der Maske des Judges. Regisseur Gareth Edwards hat aus dem verhältnismäßig geringen Budget wirklich alles herausgeholt und beeindruckende Kampfwelten geschaffen. Auch wenn sich der Vergleich zu einem Videospiel aufdrängt, so fand ich gerade die körperlichen Leistungen imposant. Die Schauspieler haben bestimmt ebenso hart trainiert, wie die aktuellen Tanzsportweltmeister. Wirklich beeindruckend!

Inhaltlich hat der Film nicht viel zu bieten, aber mehr hätte meiner Meinung nach auch eher vom Konzept abgelenkt. Insofern bin ich sehr gespannt auf „The Raid 2“ bzw. „The Raid: Retaliation“, der ja eine deutlich komplexere Geschichte erzählen soll. Auch wenn ich mich den teils überbordenden Lobeshymnen nicht anschließen mag, so wurde ich jedoch über knapp 100 Minuten glänzend unterhalten. Ob ich mich morgen noch an den Film erinnern kann, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Actionkino einmal anders: 7/10 Punkte.

Beginners (2010)

Bei manchen Filmen weiß ich schon im Vorfeld, dass sie mir gefallen werden. Und dennoch zögere ich die Sichtung aus irgendeinem Grund hinaus. Auch Mike Mills‘ „Beginners“ ereilte dieses Schicksal: Obwohl ich den Trailer großartig fand und die Blu-ray bereits seit Monaten im Regal steht, habe ich mich nie überwinden können den Film tatsächlich einzulegen. Heute jedoch war es endlich soweit…

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Geschichten welche die Beziehung zwischen Vater und Sohn in den Mittelpunkt stellen, haben seit jeher eine starke emotionale Wirkung auf mich. Seit dem Tod meines Vaters vor nicht einmal drei Jahren umso mehr. Auch „Beginners“ stellt diese Beziehung in den Mittelpunkt der Geschichte. Der Film beginnt zudem damit, dass Oliver Fields (Ewan McGregor) die Wohnung seines verstorbenen Vaters ausräumt. Bereits während dieser ersten Szene hatte ich feuchte Augen – und das sollte sich über den Verlauf des Films nicht ändern, obwohl er alles andere als deprimierend oder hoffnungslos ist. Mills erzählt in seinem autobiographisch angehauchten Film eine Geschichte über das Alter, Neuanfänge und die pure Lust am Leben.

So herrlich absurd das Coming-out des 75jährigen Hal Fields (Christopher Plummer) teils wirkt, so schwingt doch beständig eine Ernsthaftigkeit mit, die uns die Last der gesellschaftlichen Konventionen stets vor Augen hält. Der Film umspannt Generationen, was uns durch wunderbare Stillbild-Montagen nahe gebracht wird. Zutiefst tragische Momente wechseln sich mit solchen der Glückseeligkeit ab, was zu Beginn – ebenso wie die unterschiedlichen Zeitebenen – ein wenig anstrengend wirkt. Doch mit jeder weiteren Minute zeigt sich, dass jede fragmentarisch angehauchte Erinnerung ihren Platz in der Geschichte hat. Der Film fügt sich letztendlich wie ein großes Puzzle der Emotionen zusammen.

Die drei vier Hauptdarsteller Ewan McGregor, Christopher Plummer, Mélanie Laurent sowie Hund Cosmo spielen allesamt fantastisch und es war eine Freude ihnen beim Lachen, Weinen und Herumalbern zuzusehen. Das Ende hat mich emotional noch einmal so richtig mitgenommen, wenngleich es auch eine positive Art der Traurigkeit war. Schwierig zu erklären. Schon lange hat mich kein Film mehr so im tiefsten Inneren packen können. Mike Mills hat mit „Beginners“ ein kleines Meisterwerk geschaffen, das auch aufgrund seiner naturalistischen Inszenierung zu packen weiß: 9/10 Punkte.

One Tree Hill – Season 1

Nachdem die letzte Serienbesprechung bereits über einen Monat zurückliegt, startet mit diesem Eintrag ein neuer Serienmarathon, den ich so eigentlich nicht geplant hatte. Wohlige Erinnerungen an eine der Serien meiner Jugend, ein guter Preis und und der Bedarf an entspannender Unterhaltung im Feierabend haben „One Tree Hill – Season 1“ in den letzten Wochen zur Serie der Wahl gemacht. Da müsst ihr jetzt durch, liebe Leser!

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Während der Sichtung dieser ersten Staffel habe ich eine interessante Korrelation zwischen dem Konsum von TV-Serien und meinem sonstigen Leben festgestellt: Geht alles seinen gewohnten Gang, sprich dominiert der Alltag Job und Privatleben, dann habe ich eine Vorliebe für aufregende Geschichten, die auch gerne spannend und düster sein dürfen. Stehe ich dagegen unter Anspannung, wie aufgrund der Hausplanungen zurzeit eigentlich dauerhaft, dann besuche ich gerne unaufgeregte Serienwelten – und um eine solche handelt es sich bei „One Tree Hill“.

Wenn man die Serie beschreiben mag, dann wohl als eine Mischung aus „Dawson’s Creek“, „Gilmore Girls“ und „Friday Night Lights“. Wie in der stilbildenden Jugendserie rund um Dawson Leery aus den späten 90er Jahren, steht eine Gruppe von Teenagern im Mittelpunkt, die versucht ihren Platz im Leben und der Liebe zu finden. Interessanterweise hatten etliche Darsteller von „One Tree Hill“ zuvor Gastauftritte bei „Dawson’s Creek“ und ihre Charaktere wirken, wie ihre Vorbilder, ebenfalls deutlich zu reif für ihr Alter. An „Gilmore Girls“ erinnert dagegen die Mutter-Sohn-Beziehung sowie die verhinderte Liebe zwischen Karen und Keith (analog zu Lorelei und Luke). Der starke Highschool-Sport-Fokus lässt dagegen an das drei Jahre später gestartete „Friday Night Lights“ denken.

Ich war bei der Sichtung wirklich erstaunt, wie altmodisch bzw. fast schon klassisch die Serie wirkt, wenn man sie mit neueren Produktionen vergleicht. Es schwingt eine gewisse Naivität mit, was Inszenierung und auch Dramaturgie angeht, die einem erst einmal bewusst werden lässt, dass seit der Erstausstrahlung bereits über 10 Jahre vergangen sind. Ich empfand das als angenehm, da das Zeitgefühl der frühen 2000er Jahre, unterstützt durch die passende Alternative-Rock-Untermalung, dadurch recht gut transportiert wird. Ist eben doch schon ein wenig her.

Was die Handlung angeht, so bekommt man das, was man auch erwartet: Coming-of-Age, Highschool, Sport, Sex und Liebe sind die beherrschenden Themen – und bilden damit auch den Rahmen für die Versatzstücke der gestreiften Genres. Erstaunlicherweise sind die jugendlichen Charaktere allesamt glaubwürdiger und besser geschrieben, als die Erwachsenen der Serie. Speziell Dan, der Vater der beiden Hauptcharaktere, wird so abgrundtief böse gezeichnet, dass es in seiner übertriebenen Klischeehaftigkeit manchmal schon unfreiwillig komisch wirkt. Dies besitzt jedoch einen erstaunlich großen Unterhaltungswert, dem man der Serie ohnehin nicht absprechen kann.

Ich für meinen Teil war bereits nach ein paar Episoden angekommen in Tree Hill. Die heimelige Kleinstadtatmosphäre, gepaart mit (größtenteils) sympathischen Charakteren und unterhaltsamen Handlungsbögen, verlockt stets weiterzuschauen – der berühmte Soap-Opera-Effekt eben, der für mich z.B. bereits bei „Brothers & Sisters“ funktioniert hat. Die erste Staffel von „One Tree Hill“ weiß glücklicherweise auch abseits ihres Guilty-Pleasure-Charmes zu unterhalten und macht Lust auf mehr: 8/10 (7.8) Punkte.

Elysium (2013)

In den letzten Jahren konnten sich Sci-Fi-Freunde über eine wahre Welle an Genrefilmen freuen. Zu diesen gehört auch „Elysium“ von Regisseur Neill Blomkamp, der bereits 2009 mit „District 9“ einen beeindruckenden Genrebeitrag abgeliefert hatte. Nachdem die Verfilmung des Videospiels „Halo“ unter seiner Regie nicht zustande kam, waren die Erwartungen für das Nachfolgeprojekt immens hoch. Kann das Ergebnis mit dem außergewöhnlichen Kinodebüt mithalten?

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Die Prämisse gefällt mir trotz der wenig subtilen Umsetzung nach wie vor: Die Erde ist drastisch überbevölkert, die Kluft zwischen Arm und Reich ist nicht nur soziopolitisch unüberbrückbar – die Reichen haben sich folglich auf eine im Orbit der Erde schwebenden Luxus-Raumstation zurückgezogen; die Armen dagegen hausen in postapokalyptisch angehauchten Slums in einer Art Polizeistaat. Alleine das Setting lässt Erinnerungen an die sozialkritischen Sci-Fi-Klassiker der 70er Jahre wach werden: „Soylent Green“, „Logan’s Run“ oder „Rollerball“ – die Filme waren inhaltlich relevant und dennoch unterhaltsam. Auch der 2011er „In Time“ hatte sich an einem ähnlichen Ansatz versucht, konnte die Kritiker jedoch nicht überzeugen. Mir hatte er dagegen ziemlich gut gefallen.

Auch „Elysium“ zeigt ein erschreckendes Zukunftsszenario, das größtenteils leider zum reinen Setting für brachiale Action verkommt. Man sieht wenig von den beiden Welten und die Eindrücke bleiben blass. Die Handlung rund um Max (Matt Damon), der nach einer tödlichen Strahlendosis die Heilung auf Elysium sucht, hätte durchaus Potential gehabt eine größere Geschichte zu erzählen, doch der Fokus auf die Konfrontation mit einem Söldnertrupp, die den Großteil des Films einnimmt, hat außer Krawall nur wenig zu bieten. Wirklich schade, denn die formalen Aspekte sind wirklich famos. Gerne hätte ich noch mehr vom Leben auf Elysium und der Erde erfahren.

Immerhin inszeniert Blomkamp die Action wunderbar roh und direkt; der Gewaltlevel ist hoch, was zum verzweifelten Setting passt. Dennoch ist die nicht enden wollende Verfolgungsjagd irgendwann ermüdend und selbst Sharlto Copley (bekannt aus „District 9“) als psychopathischer Söldner kann die fehlende Handlungstiefe nicht mit reinem Unterhaltungswert aufwiegen. Auch wenn man die Charaktere nicht so gut kennenlernt, wie ich mir das gewünscht hätte, so fand ich das vorhersehbare Ende doch ziemlich bewegend. Ich bin mit sowas aber auch immer leicht zu kriegen.

Letztendlich bleibt „Elysium“ ein imposanter Actionstreifen mit interessantem Setting und dem Gefühl nicht genutzter Chancen. Wie auch Genrekollege „Oblivion“ aus dem gleichen Jahr, kann der Inhalt mit der formalen Umsetzung leider nicht mithalten. Für Genrefans dennoch absolut sehenswert. Neill Blomkamp kann aber mehr, da bin ich mir ganz sicher: 7/10 Punkte.

Das ist das Ende – OT: This Is the End (2013)

Nach einem langen Tag (u.a. Fliesenmarkt, Terrarium und Freibad) sind wir auch heute wieder viel zu spät auf das Sofa gekommen. Filme jenseits der 120 Minuten sind somit schon einmal flach gefallen, was „Das ist das Ende“ mit seinen knapp 110 Minuten nach ganz oben auf die Liste der möglichen Filme katapultierte. Ich war mir der gewagten Wahl aufgrund des Spiels mit der Metaebene durchaus bewusst, was meine bessere Hälfte letztendlich auch schnell im Traumland verschwinden ließ. Wäre das auch für mich die bessere Wahl gewesen?

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Mit Humor ist das so eine Sache. Entweder er zündet, oder eben nicht. Besonders Komödien aus dem Dunstkreis um Seth Rogen funktionieren bei mir nicht immer, doch mag ich es wenn auch in diesem Genre die üblichen Konventionen gesprengt werden. Vielleicht hatte ich deshalb auch Gefallen am Genremix „Your Highness“ gefunden, an den diese Komödie teils erinnert. Doch zum Anfang: In „This is the End“ begleiten wir diverse Hollywood-Stars, die sich selbst spielen (u.a. Seth Rogen, James Franco, Jonah Hill, Jay Baruchel, Danny McBride, Craig Robinson, Michael Cera, Emma Watson), auf eine wilde Party, die plötzlich in der wortwörtlichen Apokalypse endet. Nun geht es um das reine Überleben. Sollte man meinen. Doch der Film bewegt sich so beständig am puren Wahnsinn, dass man sich als Zuschauer nie sicher sein kann. Eine Anarcho-Komödie par excellence!

Wie bereits beschrieben war ich nach ca. 15 Minuten allein mit dem Film. Komödien leben jedoch oft vom gemeinsamen Seherlebnis – dennoch hatte ich unglaublich viel Spaß und mich oftmals weggeschmissen vor Lachen. Wie mag der Film erst zünden, wenn man ihn mit jemandem schaut, der, wie man selbst, alle Schauspieler und ihre Film- oder Serienrollen kennt? In dieser Hinsicht ist der Film so meta, dass man ihn dem normalen deutschen Kinozuschauer wohl kaum zumuten mag. Ich jedoch war schon aufgrund der Anspielungen entzückt, welche durch völlig abgedrehte Entwicklungen (z.B. Michael Cera oder Danny McBride mit Channing Tatum) auf die Spitze getrieben wurden.

Natürlich darf man den Film nicht ernst nehmen. Einige der improvisierten Szenen zünden nicht immer 100%ig, was durchaus zu Längen führt, doch andere Szenen haben mich vor Lachen nach Luft schnappen lassen. Der Film ist zotig und oft auch kindisch, doch weit nicht so platt, wie man dies eventuell erwarten würde. Die übersteigerten Versionen der Schauspieler harmonieren fantastisch miteinander und besitzen sogar so etwas wie Tiefe. Das Finale setzt dem zuvor Gezeigten zudem noch die Krone auf, was jeden Glauben an eine Botschaft, die der Film eventuell vermitteln will, hinfällig werden lässt. Wenn ihr euch so glücklich schätzen könnt und in eurem Freundeskreis Filmfans habt, die auch nur ein Drittel der Darsteller kennen, dann schnappt sie, legt „Das ist das Ende“ ein – und ihr werdet eine äußerst vergnügliche Zeit verleben. Unglaublich unterhaltsam. Wer hätte es gedacht? 8/10 Punkte.

Prisoners (2013)

Nach einer kurzen Nacht und einem noch längeren Tag hat der entspannte Teil des Abends eigentlich viel zu spät begonnen, um noch einen Film zu schauen. Dennoch wollte ich endlich den viel gelobten „Prisoners“ sehen, was mit einer Laufzeit von über 150 Minuten ein gewagtes Unterfangen war. Um 23:30 Uhr saßen meine Frau und ich schließlich wie gebannt vor dem Fernseher und mussten das Gesehe erst einmal verdauen. Ein besseres Zeichen kann es für einen gelungenen Film wohl nicht geben – doch lest selbst die spoilerfreie Besprechung…

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Glücklicherweise wusste ich zuvor kaum etwas über den Film, außer seiner groben Prämisse und dass er eben sehr gelungen sein soll. Ich bin jemand, der bei mehr oder weniger klassischen Whodunits beständig am Rätseln ist – und meist treffen meine Theorien dann auch ziemlich früh ins Schwarze. Auch bei „Prisoners“ hatte ich mir mehrmals eingebildet, den Film durchschaut zu haben. Fehlanzeige. Aaron Guzikowskis Drehbuch wartet mit etlichen Wendungen auf, die ich meist nur mit kurzem Vorsprung erkennt hatte – wenn überhaupt. Äußerst angenehm fand ich zudem Denis Villeneuves zurückgenommene Inszenierung, die den Schauspielern und den von Kameramann Roger A. Deakins‘ wunderbar trostlos eingefangenen Bildern entsprechend viel Freiraum gibt. Die letzte große Wendung, mag man sie als solche bezeichnen, wird zudem völlig nebenbei und im Sinne der Geschichte erzählt. Keine Effekte, kein Tusch, kein erzwungener Aha!-Effekt. Nur die Emotionen der Charaktere. Großartig!

Ich habe schon lange keinen Film mehr gesehen, bei dem ich unter solch konstanter Spannung stand. Dabei gibt es kaum Actionszenen oder Schockmomente. Der Film ist stets sehr nah an seinen Figuren dran und lässt uns Zuschauer an ihrer Innenwelt teilhaben, ohne jedoch jeden Gedanken auszuformulieren. Themen wie Glaube, Determinismus, Selbstjustiz und Schuld bestimmen die kargen Bilder, doch gibt „Prisoners“ weder seinen Figuren noch uns Zuschauern eindeutige Lösungsansätze an die Hand. Einzig das oft wiederholte Zitat ‚Pray for the best, but prepare for the worst.‘ scheint stellvertretend für den gesamten Film zu stehen und hat mich beinahe über die gesamte Laufzeit an der Sofakante sitzen lassen.

Da ich nicht mehr zum Inhalt verraten möchte – schaut euch den Film einfach selbst an! –, bleibt mir nur noch seine formalen Aspekte, die großartigen Schauspieler und das packende Drehbuch zu loben. Obwohl, oder gerade weil, die Geschichte sehr langsam erzählt wird, entfaltet sie einen Sog, dem ich mich nur schwer entziehen konnte. Solltet ihr dieses Jahr nur einen Thriller schauen, dann legt „Prisoners“ in den Player – ihr werdet es nicht bereuen: 9/10 Punkte.

Das Relikt: Museum der Angst – OT: The Relic (1997) (WS1)

Da ich zurzeit einmal wieder einen Roman des Autorenduos Douglas Preston und Lincoln Child lese, den Nachfolger von „Dark Secret“, verspürte ich große Lust mir mit „Das Relikt: Museum der Angst“ noch einmal die bislang leider einzige Verfilmung eines ihrer Romane anzusehen. Im Gegensatz zur letzten Sichtung konnte ich dieses Mal Vorlage und Adaption besser trennen, was die Qualitäten des Films für mich noch greifbarer machte…

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Auch wenn es mir nach wie vor unverständlich ist, wie man die eigentliche Hauptfigur der Vorlage streichen konnte, so muss ich doch gestehen, dass Peter Hyams atmosphärisch recht nah an diese herankommt. Ich liebe den langsamen Spannungsaufbau und die pseudowissenschaftliche Note samt der archetypischen Hauptfiguren. Im besten Sinne werden hier Erinnerungen an „Der weiße Hai“, „Alien“ und „Jurassic Park“ wach – Regisseur Peter Hyams („Outland: Planet der Verdammten“) hat die großen Genrevorbilder genauestens studiert und weiß die einzelnen Versatzstücke effektiv einzusetzen.

Inszenatorisch kann man „The Relic“ auch aus heutiger Sicht kaum Vorwürfe machen. Mögen auch die CGIs ein wenig angestaubt wirken, so wird dies durch die geschickte Kombination mit praktischen Effekten wieder wett gemacht. Leider sieht man diese Vorgehensweise inzwischen immer seltener, was den inzwischen auch schon 17 Jahre alten Film beinahe schon klassisch wirken lässt. Die Handlung des Buches wurde dagegen stark komprimiert, was Fans der Vorlage erzürnen dürfte, doch obwohl ich mich zu diesen zähle, habe ich meinen Frieden mit der Adaption gemacht.

Für mich ist „Das Relikt“ nach wie vor einer meiner liebsten Monsterfilme und ich entdecke bei jeder Sichtung neue Aspekte. Dieses Mal ist mir im Finale besonders die Nähe zwischen Ellen Ripley und Margo Green aufgefallen. Eine weitere Referenz, die ich als Pluspunkt verbuche. Mal sehen, was die nächste Sichtung so ans Licht bringt: 8/10 Punkte.

Girls – Season 1

Da ich seit einiger Zeit darauf verzichte TV-Serien live zu verfolgen, sammelt sich stets ein ziemliches Programm an, das es nachzuholen gilt. Auch die HBO-Produktion „Girls – Season 1“ gehört dazu. Zu Beginn war ich ein wenig skeptisch, denn teils habe ich durchaus so meine Probleme mit Judd Apatow, der Lena Dunhams Serie unter seine Fittiche genommen hat. Vielleicht war die positive Überraschung deshalb umso größer…

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Oft wurde „Girls“ im Vorfeld als „Sex and the City“ für eine neue Generation beschrieben. Auch dies hatte mich im Vorfeld abgeschreckt, konnte ich mit dem HBO-Hit der späten 90er/frühen 2000er Jahre nie etwas anfangen. Doch schon nach der ersten Episode kam mir Dunhams Serie viel wahrhaftiger vor, was auch dadurch unterstützt wird, dass es mit Shoshanna eine Figur gibt, die wie eine Satire auf die typischen „Sex and the City“-Fans angelegt ist. Überhaupt nimmt die Serie sich und ihre Figuren nie zu ernst und betrachtet ihre scheinbar ziellose Generation stets mit einem gewissen Augenzwinkern.

Vermutlich kann ich nicht richtig beurteilen, ob „Girls“ das Lebensgefühl junger Frauen Anfang 20 tatsächlich treffend wiedergibt, schließlich bin ich ein Mann und inzwischen auch bestimmt 10 Jahre älter als die Charaktere der Serie. Für mich fühlen sich gewisse Themen, Probleme und Zukunftsängste allerdings durchaus authentisch an, einzig der starke Fokus auf Sex wirkt – typisch für HBO – teils ein wenig forciert. Hinzu kommt ein Look, der direkt Instagram zu entspringen scheint und diese seltsame Art der beinahe schon zu perfekten Retro-Indie-Ästhetik trifft, die man heute eben schick findet – und es funktioniert auch hier tadellos.

Am meisten beeindruckt hat mich wohl Lena Dunham selbst, die nicht nur Serie und Charaktere erfunden hat, sondern sich auch für die Drehbücher verantwortlich zeigt, in den meisten Episoden Regie geführt hat und die Hauptrolle der Hannah Horvath gar wunderbar verkörpert. Ein echtes Multitalent. Großartig! Ich war wirklich oft überrascht, wie unkonventionell und überraschend so mancher Handlungsstrang doch weitergeführt wird. Die 10 Episoden à 27 Minuten mögen kurz erscheinen, jedoch sichert dieses Format auch die beständig hohe Qualität. Ich vermisse die „Girls“ bereits jetzt und freue mich unbandig auf die zweite Staffel: 9/10 (9.3) Punkte.

The Illusionist (2006)

Nachdem ich gestern Abend noch spontan laufen war, hätte ich danach eigentlich sofort ins Bett gehen können. Doch es war ja Freitag und der letzte Film lag auch schon wieder zwei Wochen zurück – somit haben wir, als dann die Kinder verräumt waren, gegen 20:30 Uhr „The Illusionist“ in den Player geschoben. Um 21:30 Uhr konnten wir dann auch tatsächlich damit beginnen, hatte uns zuvor ein stark verschnupfter Zwergofant noch davon abgehalten. Ob sich das lange Aufbleiben gelohnt hat?

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Auch wenn er im zugehörigen Plauschangriff nicht behandelt wurde, so ist „The Illusionist“ doch ein klassische Stief-Zwilling zu Christopher Nolans „The Prestige“ – beide Filme sind 2006 erschienen und haben Illusionisten zum Thema. Neil Burgers („Ohne Limit“) Film blieb damals jedoch die große Kinoauswertung verwehrt, was nichts bedeuten muss, aber dennoch eine erster Hinweis auf die Qualität des Films sein könnte. Zunächst einmal besticht die Atmosphäre der gezeigten Bilder: Jede einzelne Einstellung wirkt wie schwerer Samt und könnte der Stummfilm- bzw. frühen Tonfilmära entsprungen sein. Eine extreme Vignettierung und starke Sepiatöne dominieren den visuellen Eindruck, was perfekt zum Inhalt des Films passt. Dieser ist leider bedeutend schwächer als die beeindruckende Inszenierung.

Schon die ausgewalzte, aber nett anzusehende Rückblende (einmal mehr ist der zurzeit omnipräsente Aaron Taylor-Johnson als junger Illusionist zu sehen) innerhalb der ersten 10 Minuten lässt aufmerksame Zuschauer erahnen, worauf am Ende alles hinausläuft. Und so kam es dann auch. Ich war wirklich erschrocken, wie formelhaft und vorhersehbar Neil Burger seinen Twist konstruiert – ganz besonders im Vergleich zum ungleich raffinierter erzählten Stief-Zwilling „The Prestige“. Als am Ende dann der großartige Paul Giamatti seine Erkenntnis hat und diese auch noch so inszeniert wird, dass selbst der dümmste Zuschauer jedes Detail versteht, grenzt das schon an Satire.

Neben der für das Genre erschreckend vorhersehbaren Handlung, hat mich der Rest des Films durchaus unterhalten. Edward Norton gibt einen glaubwürdigen Illusionisten und Jessica Biel ist zumindest nett anzusehen. Die Liebes- und Dialogszenen zwischen den beiden wirken dagegen ungemein hölzern, was leider die inhaltlichen Schwächen betont. Somit bleibt am Ende ein wirklich schön anzusehender Budenzauber, der leider viel zu wenig aus seiner Grundidee macht und sich seinem Stief-Zwilling in jeder Hinsicht geschlagen geben muss: 6/10 Punkte.