Savages – Extended Version (2012)

Wir befinden uns im Jahre 2014 n. Chr. Ganz Deutschland ist im WM-Fieber… Ganz Deutschland? Nein! Ein von einem unbeugsamen Filmfreund geführtes Blog hört nicht auf, dem Fußballwahn Widerstand zu leisten. Somit lief bei mir natürlich nicht das Deutschland-Spiel, sondern Oliver Stones „Savages“ in der erweiterten Fassung. Nach der euphorischen Besprechung des Medienjournals, war ich auf jeden Fall sehr gespannt – und zumindest mehr als ein Unentschieden ist bei der Sichtung herausgekommen… Spoiler sind zu erwarten.

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Auch wenn Oliver Stones Stern in den letzten Jahren am Sinken ist, so hat er meine filmische Laufbahn doch stark geprägt: Besonders „The Doors“, „JFK“, „Natural BornKillers“ und „U-Turn“ hatten mich in meiner Jugend ziemlich beeindruckt. Doch auch in den letzten Jahren habe ich mit „Platoon“ und „Wall Street“ seine Klassiker zu schätzen gelernt. Das George W. Bush-Biopic „W. – Ein missverstandenes Leben“ fand ich auch weit besser als seinen Ruf. Umso gespannter war ich nun, wie er sich in einem – wenn man dem Trailer glauben mag – hippen Gangsterfilm schlagen würde. Style over substance? Tarantino-Anbiederung? Eine sozialkritische Komponente? Auf was konnte diese an sich nur allzu bekannte Geschichte unter Stones Regie nur hinauslaufen?

Am stärksten hat mich der Film wohl an „True Romance“ erinnert, ohne auch wirklich mit ihm vergleichbar zu sein: Im Zentrum steht eine ungewöhnlich Liebesgeschichte, die durch brutale Gangster akut bedroht wird. Die Erzählperspektive liegt bei der weiblichen Hauptfigur und sie spielt bereits zu Beginn auf ein eventuell düsteres Ende an. Das tatsächliche Finale ist dann – wider Erwarten – positiv und es gibt sonnige Strandbilder, die unsere Charaktere glücklich und zufrieden zeigen. Na, wem kommt das bekannt vor? Die Themen sind unabstreitbar ähnlich, doch Inszenierung und Ton unterscheiden sich doch ziemlich von Tony Scotts Meisterwerk.

„Savages“ sieht aus wie ein Film von Oliver Stone: schnelle Schnitte, eingestreute Schwarz-Weiß-Szenen und grobkörnige Bilder. Zwar nicht annähernd in der Deutlichkeit und Frequenz von „Natural Born Killers“ oder selbst „U-Turn“, doch fällt Stones spezielle Ästhetik nach wie vor auf. So unstet dadurch oft die Bilder wirken, so uneben wirkt auch die Handlung. Lockerleichte Spaßszenen wechseln sich mit brutalsten Folterszenen ab. Zwischendurch geht es immer wieder um Geld und Verhandlungstaktiken. Vielleicht keine Satire auf den amerikanischen Traum, doch auf jeden Fall mehr als die offensichtliche Handlung vorzugeben scheint.

Erwähnenswert finde ich noch die Schauspieler, allen voran Aaron Taylor-Johnson, der in „Savages“ so unglaublich viel dynamischer spielt als in „Godzilla“, dass ich ihn beinahe nicht erkannt hätte. Unglaublich! Auch Taylor Kitsch hat mir recht gut gefallen, wenngleich ich nach wie vor der Meinung bin, seine besten Leistungen bereits als Tim Riggings in „Friday Night Lights“ gesehen zu haben. Richtig beeindruckt hat mich Benicio Del Toro, der mit Lado wohl den ekligsten Typen der letzten Kinojahre spielen durfte. Ansonsten geben noch John Travolta und Salma Hayek ihr Stelldichein – und Emile Hirsch wirkt abermals total verschenkt.

Insgesamt hat mich „Savages“ stets am Ball gehalten und teils auch verblüfft. Ich wurde auf oft seltsame Art und Weise gut unterhalten; dies unterstreicht auch das kontroverse Ende des Films. Vielleicht ist es ein wenig zuviel des Guten, aber das Traumende davor wäre auch nicht das Wahre gewesen. Somit funktioniert es für mich zumindest als „True Romance“-Referenz und bleibt in seiner Aussage wunderbar ungreifbar. Hat mir insgesamt doch recht gut gefallen – mit deutlicher Tendenz nach oben: 7/10 Punkte.

13 Gedanken zu “Savages – Extended Version (2012)

  1. Pingback: Run, Fatboy, Run (295) | Tonight is gonna be a large one.

    • Ich hätte nicht einmal gewusst, gegen wen Deutschland spielt… 😉

      Der Film ist wirklich sehenswert, wenn man auf Gangsterthriller steht und generell Oliver Stones hibbeligen Inszenierungsstil mag.

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  2. Der Film lief damals in der Sneak Preview und gefiel mir ähnlich gut wie dir! Aaron Taylor-Johnson ist toll in dem Film! Ich konnte hinterher kaum glauben, dass das Kick-Ass war!

    PS: Noch so ein Mann, der kein Fußball guckt! Und ich dachte, ich hätte eins der ganz außergewöhnlichen Exemplare abgekriegt: mich erwischt das Fußball-Virus ja nur alle 2 Jahre, mein Freund ist aber völlig immun; aber immerhin so tolerant, dass ich trotzdem bei ihm Fußball schauen darf. 😉

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    • Ja, Aaron Taylor-Johnson war für mich auch die Überraschung. Besonders da ich ihn in „Godzilla“ eher schwach fand. Mal sehen, ob er im nächsten Film wieder mehr zu bieten hat.

      PS: Ich kenne außer mir wirklich kaum Männer, die sich so gar nicht für die WM interessieren. In der filmischen Blogosphäre tummeln sich dagegen schon ein paar Exemplare. Kommt vielleicht mit dem Hobby. Wir brauchen halt eine Handlung, obwohl manche Fußballer ja auch große Schauspieler sein sollen… 😉

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      • „obwohl manche Fußballer ja auch große Schauspieler sein sollen…“ – OH JA! Darüber haben sich erst neulich meine Freundin (großer Fußball-Fan UND großer Film- und Serienfan) und ich unterhalten! Aber blöd ist halt, dass man die meisten schon auch durchschaut – so weit isses mit der Schauspielerei dann auch wieder nicht her… 😉

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  3. Trotz 1,5 Punkten Wertungsdifferenz scheinen wir uns auch bei diesem Film ziemlich einig zu sein. Freu ich mich ja, dass die Entscheidungsfindung zu dem Film unter Berücksichtigung meiner Kritik abgelaufen ist 😉 Ich kann der ganzen Fussball-Hysterie ja auch überhaupt nichts abgewinnen und mir auch gestern den Abend lieber mit Filmen um die Ohren geschlagen.

    Aber noch zum Film: „True Romance“ ist mir da gar nicht in den Sinn gekommen, aber vielleicht ist der Film bei mir auch einfach nicht mehr präsent genug gewesen. Aber in einem Punkt gebe ich dir Recht, Emile Hirsch wird total verschenkt in dem Streifen. Film-Tipp am Rande, wo er mal richtig auftrumpfen darf: „Killer Joe“ – Kritik findest du, na du weißt schon wo 😉

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    • Bei dir kommt natürlich noch die Kenntnis der Vorlage dazu, welche mich nun auch interessiert. Nach so vielen eher schlechten Kritiken war deine Besprechung ein deutlicher Auslöser für mich doch einmal reinzuschauen – insofern danke dafür! 🙂

      „True Romance“ ist einer meiner, auch wenn er in der Liste der letzten Blogparade fehlt, meistgesehenen Filme. Und er liegt mir sehr am Herzen, deshalb musste ich durchaus öfter an Alabama und Clarence denken. Hat „Savages“ für mich durchaus aufgewertet, wenngleich ich nicht weiß, ob dies Stones Intention war.

      Emile Hirsch wird leider oft verbraten, dabei war er in „Into the Wild“ richtig gut. „Killer Joe“ wandert somit auch auf die Liste…

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      • Bitte, gerne (mit der Besprechung). Versteht sich ja von selbst, dass mich sowas enorm freut, gerade wenn dir der Film dann auch gefällt.

        „True Romance“ habe ich früher sehr geschätzt, aber nachdem die letzte Sichtung sicherlich acht Jahre zurückliegt, ist die Erinnerung halt eher unscharf.

        „Into the Wild“ hätte ich dir auch empfohlen, wenn ich nicht gewusst hätte, dass du sowohl Buch als auch Film bereits kennst (so wie ich).

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      • Die letzte Sichtung von „True Romance“ liegt bei mir mindestens auch 8 Jahre zurück, sonst würde es eine Kritik hier geben. Es gab aber Zeiten, da habe ich den Film alle paar Wochen gesehen. Mindestens aber zwei bis drei Mal im Jahr. Insofern hat er sich schon stark in mein Gedächtnis eingebrannt. Für die nächste Sichtung warte ich noch auf die Blu-ray. Lust hätte ich aber schon.

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  4. Pingback: Review: Savages (Film) | Medienjournal

  5. Pingback: Media Monday #156 | Tonight is gonna be a large one.

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