Searching for Sugar Man (2012)

Spätestens seit Philipp vom Celluleute-Podcast „Searching for Sugar Man“ zum Film des Jahres 2012 gewählt hat, steht der Dokumentarfilm auf meiner Liste. Auch wenn mich Filme dieser Erzählform stets begeistern, wie bereits „The Imposter“ oder auch „Man on Wire“ bewiesen haben, schaue ich viel zu wenige Dokus. Diese hier läuft zurzeit jedoch auf Amazon Prime, also gibt es keinen Grund die Sichtung länger aufzuschieben. Ein Tipp übrigens, den ich auch euch geben kann…

Das Leben schreibt die besten Geschichten

Wieder einmal bin ich überwältigt, wie unfassbar spannend sich die Geschichte um den mysteriösen Singer/Songwriter Rodriguez entwickelt. Ich muss jetzt vorsichtig sein, an dieser Stelle nicht zu viel zu verraten, denn schließlich sollt ihr den Dokumentarfilm noch genauso genießen können, wie ich es getan habe. Nur kurz und knapp: Es geht um einen Singer/Songwriter, der in den 70er Jahre zwei Platten veröffentlicht hat, die in den USA komplette Flops waren, jedoch in Südafrika bis heute in jedem Haushalt zu finden sind. Über den Künstler Rodriguez ist kaum etwas bekannt, nur dass er sich live auf der Bühne umgebracht haben soll.

Aus dieser Prämisse entspinnt sich eine detektivische Suche, die stets von Rodriguez‘ Musik begleitet wird. Diese erinnert tatsächlich an den großen Bob Dylan und es ist ein Mysterium, dass man hierzulande noch nie etwas von dem Musiker gehört hat. „Searching for Sugar Man“ behandelt noch weitere Themen, lässt uns an politischen Exkursen teilhaben und wird dann doch ganz persönlich. Am Ende bleibt Rodriguez ein Mysterium und man muss sich bewusst machen, dass man gerade kein Märchen gesehen hat, sondern eine wahre Geschichte. So unfassbar ist sie.

Fazit

Ich bin nun sehr froh, endlich „Searching for Sugar Man“ gesehen zu haben. Auch wenn ihr euch nicht für die Musik der 70er Jahre oder Detektivgeschichten interessiert, so kann ich euch den Film dennoch unbedingt ans Herz legen. Am besten hebt ihr ihn euch für einen Tag auf, an dem ihr dringend eine Aufheiterung benötigt. Diesen Dokumentarfilm solltet ihr wahrlich nicht verpassen: 9/10 Punkte.

Erlösung – OT: Flaskepost fra P (2016)

Nachdem es in meinem Blog in den letzten Wochen sehr still war, was Filme angeht, kann ich heute von meiner Sichtung des Thrillers „Erlösung“ berichten. Diese inzwischen schon dritte Verfilmung eines Jussi-Adler-Olsen-Romans ist zugleich auch der jüngste Neuzugang in meiner Sammlung und ich war gespannt, wie sie sich im Vergleich zur Vorlage schlägt. Diese habe ich erst vor drei Monaten gelesen und kann mich folglich noch sehr gut an die Details erinnern. Welches Medium liegt nur also vorne: Buch oder Film?

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Die beiden Vorgänger „Erbarmen“ und „Schändung“ haben mir trotz gewisser Abweichungen zu ihren Vorlagen sehr gut gefallen. Sie haben die Atmosphäre der Bücher perfekt getroffen und den Kern der Geschichte wunderbar destilliert. Auch der dritte Fall kann durchaus überzeugen, wenngleich mir die Handlung zum ersten Mal zu vereinfacht vorkam. Die Prämisse hat sich nicht verändert, jedoch fehlen viele Aspekte, welche die Geschichte des Romans für mich so spannend machten. Ich mag hier gar nicht allzu sehr ins Detail gehen, doch denke ich dabei z.B. an das frühe Involvieren der Ermittler, während im Buch eher die Nebenfiguren bzw. die augenscheinlichen Opfer ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen durften.

Auch die Vergangenheit und Motivation des Täters wird nur in sehr vereinfachter Form wiedergegeben, was ich sehr schade fand. Dadurch wurde viel von der Intensität genommen. Natürlich kann man von einem Spielfilm in Standardlänge nicht erwarten, dass er die Handlung eines Romans 1:1 widerspiegelt. Häufig sind Kürzungen auch sinnvoll und nicht jede Dramaturgie funktioniert in jedem Medium. Was der Film letztendlich erzählt funktioniert auch sehr gut und vermutlich würde mein Urteil mit ein wenig mehr Abstand milder ausfallen. So jedoch komme ich nicht umhin zu denken, dass auch hier einmal mehr die Serie das bessere Erzählmedium gewesen wäre.

Kenner der Vorlage werden in „Erlösung“ die wichtigsten Aspekte der Vorlage wiederfinden und einen spannenden Film sehen. Die Charaktere sind nach wie vor sehr nahe an den Figuren des Romans dran und die Schauspieler machen ihre Sache wirklich gut. Die Kameraarbeit ist gelungen und lässt diesen Krimi tatsächlich nach Kino aussehen. Auch inhaltlich wird nach wie vor eine packende Geschichte erzählt, die jedoch nur an der Oberfläche des Möglichen kratzt. Für mich leider die bisher schwächste Verfilmung der Reihe, auch wenn die meisten Kritiker das anders sehen: 7/10 Punkte.

Verblendung – OT: The Girl with the Dragon Tattoo (2011)

Vor ein paar Tagen hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass ich bis zum Wochenende durchhalte. Eine Woche Magen-Darm-Hölle zwischen schlaflosen Nächten, Home Office und Hausbau. Nun ist es Freitag und ich habe es tatsächlich geschafft einen Film zu schauen. Mit David Finchers Neuinterpretation von „Verblendung“ sogar einen ziemlich langen – und ich bin nicht eingeschlafen, was an dieser Stelle wohl das größte Kompliment ist, das man einem Film machen kann. Wie sich die 2011er Fassung gegen das skandinavische Original aus dem Jahr 2009 schlägt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Schon während des Vorspanns wird es klar, dass man dabei ist einen Film von Davin Fincher zu sehen: alptraumhafte Bilder, Trent Reznors Cover von Led Zeppelins „Immigrant Song“ dröhnt aus den Boxen und eine düstere Stimmung macht sich breit. Die Antithese einer „James Bond“-Eröffnungssequenz, was umso passender ist, spielt doch Mr. 007 höchstpersönlich die männliche Hauptrolle. Wo wir schon einmal bei den Schauspielern sind: Daniel Craig hat mir in der Rolle von Mikael Blomkvist von Anfang an besser gefallen als Michael Nyqvist, da er den Charakter in den richtigen Momenten stärker erscheinen lässt. Rooney Mara als Lisbeth Salander fand ich in den ersten Szenen bedeutend schwächer als Noomi Rapace, was sich jedoch über die Laufzeit des Films deutlich relativiert hat. Sie wirkt zugänglicher und weicher und gibt der Figur eine etwas andere Ausrichtung. Bei den Nebendarstellern konnte mich besonders Stellan Skarsgård überzeugen, der eine wahrlich beängstigende Performance bietet.

Rein inhaltlich unterscheiden sich die Filme, so ich die skandinavische Produktion richtig in Erinnerung habe, nicht sonderlich voneinander. Obwohl Finchers Version länger ist, kam die mir deutlich kürzer und schneller vor. Es passiert viel und doch bleibt der Thriller in seiner Narration stets klar und verwirrt nicht. An die erzählerische Tiefe von Stieg Larssons Vorlage kommt jedoch auch Finchers Film nicht heran, was ich aber nicht als Mangel sehe, funktioniert er für sich genommen als düsterer Thriller doch tadellos. Die Inszenierung ist zudem über jeden Zweifel erhaben: Jede Einstellung wirkt wohlüberlegt und es gibt keine einzige Szene, die beliebig oder redundant wirkt. Der straffer erzählte Epilog erschien mir zudem als eine sinnvolle Änderung im Vergleich zum Original.

Letztendlich hat mir Finchers Herangehensweise an „The Girl with the Dragon Tattoo“ noch einmal besser gefallen, als die ohnehin schon sehr gute Fassung von Niels Arden Oplev. Hätte ich die Geschichte nicht bereits so gut gekannt, wäre bestimmt noch ein Punkt mehr drin gewesen. So bleibt letztendlich ein formal perfekt durchkomponierter Thriller, dessen Fortsetzungen ich nur zu gerne sehen würde – besonders da die skandinavischen TV-Filme qualitativ nicht mit dem ersten Akt mithalten konnten. Leider sieht es für eine Fortführung der Geschichte wohl leider nicht sonderlich gut aus, was den Status von „Verblendung“ als absolut gelungenes Remake jedoch nicht mindern kann: 8/10 Punkte.

Vergebung – OT: Luftslottet som sprängdes

Nachdem ich mich nun schon seit einem dreiviertel Jahr immer wieder mit Stieg Larssons „Millennium“-Triliogie beschäftige, habe ich diese mit der Sichtung von „Vergebung“ nun auch filmisch erst einmal abgeschlossen. Es war ein rundum lohnenswerter Ausflug in die düstere Schattenwelt Schwedens, der mir wohl noch länger im Gedächtnis bleiben wird.

Die Verfilmung des finalen Teils erinnert in seiner Inszenierung stark an den Vorgänger „Verdammnis“, was auch kein Wunder ist, wurden beide Teile doch vom selben Regisseur ursprünglich für das Fernsehen umgesetzt. Insofern leidet auch der Abschluss der Trilogie unter dem TV-Look, der bereits den Vorgänger visuell bestimmte. Dies ist wirklich schade, denn die Geschichte hätte durchaus das Potential für größere Bilder.

Inhaltlich konzentriert sich der Film auf die wesentlichen Elemente der Romanvorlage. Natürlich gibt es Kürzungen, welchen ich in diesem Fall auch nicht abgeneigt war. So wurde der gesamte Nebenhandlungsstrang um Erika Bergers Weggang von Millennium gestrichen und auch die Verschwörung wurde auf ein Minimum reduziert. Da mir diese Elemente bereits im Buch zu ausschweifend waren, empfand ich die inhaltlichen Anpassungen hier als weniger schwerwiegend, als in den Vorgängern.

Nach dem Ende dieses Films komme ich nicht umhin zu glauben, dass eine stringter erzählte Version der Geschichte dem Filmerlebnis gut getan hätte. Diese hätte selbstverständlich aufwendiger inszeniert werden müssen, was mit dem Budget aber wohl nicht möglich gewesen ist. Insofern habe ich durchaus große Hoffnungen für David Finchers Remake.  Andererseits bietet der Stoff auch genug Material für eine ausschweifendere, gemächlichere Erzählweise in Form einer TV-Serie. In Schweden hat man dies durch die jeweils 90-minütige, sechsteilige TV-Fassung der Kinofilme auch umgesetzt, was für die Geschichte wiederum nur gut sein kann.

Wenn man sich die geplanten bzw. bereits produzierten Umsetzungen des Stoffs ansieht, kommt man nicht umhin den Hype hinter der Trilogie zu sehen. Lässt man diesen außen vor, bleibt eine äußerst spannend erzählte Geschichte, die in ihrer ursprünglichen Form auf jeden Fall lesenswert ist und auch auf der Leinwand zu überzeugen weiß. Das Finale bekommt von mir 7/10 Punkte und ich bin tatsächlich gespannt, wie sich die anderen Auswertungen der Geschichte im Vergleich schlagen werden.

Verdammnis – OT: Flickan som lekte med elden

Kaum für das Heimkino erhältlich, habe ich Daniel Alfredsons Verfilmung des Stieg Larsson Bestsellers „Verdammnis“ auch schon gesehen. Wie bei den meisten Adaptionen mir bekannter Bücher waren die Erwartungen relativ hoch, wenngleich mir auch durchaus bewusst war, wie leicht es doch ist enttäuscht zu werden.

Im Gegensatz zur Verfilmung von „Verblendung“ – dem ersten Teil der „Millenium“-Trilogie – waren die allgemeinen Kritiken zum Nachfolger eher verhalten. Auch ich sah dem Film mit gemischten Gefühlen entgegen, da die beiden Fortsetzungen ursprünglich für das Fernsehen geplant waren und nur aufgrund des großen Erfolgs ihres Vorgängers eine Kinoauswertung erfahren haben. Ob sich dies – samt Wechsel auf dem Regiestuhl – tatsächlich auf die Qualität der Umsetzung ausgewirkt hat?

Leider ja. Daniel Alfredson filmte seine Version von Stieg Larssons düsterer Welt deutlich uninspirierter als noch Niels Arden Oplev den Vorgänger. Die Kamera scheint immer ein unbeteiligter Beobachter zu sein. Kühl und distanziert. Auch die Figuren bleiben deshalb auf Distanz zum Zuschauer, was der Geschichte nicht zugute kommt. Durch die fehlende Vision des Regisseurs sieht „Verdammnis“ leider tatsächlich ziemlich oft nach TV-Krimi aus, wenngleich er – aufgrund seiner Romanvorlage – ungleich drastischere Szenen zu bieten hat.

Inhaltlich kann man dem Film keine allzu großen Vorwürfe machen. Die Geschichte wird bis auf das nötigste heruntergekocht, die spannenden Recherchen fehlen natürlich, doch was gezeigt wird macht durchaus Sinn und wird mit viel Liebe zum Detail erzählt. Kenner der Vorlage dürfen sich über größtenteils stimmungsvolle Locations sowie einen spannenden Schlussakt freuen. Neueinsteiger werden dagegen wohl so einige Probleme haben der Geschichte zu folgen.

Ich für meinen Teil bin insgesamt doch recht zufrieden mit dieser Adaption. Etwas mehr Budget und vor allem ein mutigerer Regisseur wären natürlich wünschenswert gewesen. So allerdings kann „Verdammnis“ seinen TV-Look nie ganz abstreifen, was vielen Szenen leider ihre Intensität nimmt. Nicht schlecht, doch da wäre mehr drin gewesen: 6/10 Punkte.

Verblendung – OT: Män som hatar kvinnor (2009)

Meist liegt bei mir zwischen dem Lesen eines Romans und der Sichtung dessen Verfilmung ein gewisser Zeitraum. Nötiger Abstand um das Gelesene zu verarbeiten. Insofern stellt die Sichtung von Niels Arden Oplevs „Verblendung“ eine kleine Premiere für mich dar. Nur einen Tag nach dem Beenden der Vorlage hatte der Film somit eine ganz eigene Wirkung. Eine wahrlich seltsame Erfahrung.

In den ersten Minuten des Films tat ich mir teils schwer mich von Stieg Larssons wunderbarer Vorlage zu lösen. Beständig suchte ich nach Abweichungen und verglich die Bilder meines Kopfkinos mit Niels Arden Oplevs Inszenierung. Doch schon bald gelang es dem Film mich auf seine ganz eigene Art gefangen zu nehmen, was nicht zuletzt an seinen grandiosen Darstellern liegt. Besonders Noomi Rapace als Lisbeth Salander ist eine kleine Offenbarung.

Oplev gelingt es wahrlich famos die düstere und eiskalte Atmosphäre in äußerst bedrückenden Bildern festzuhalten. Besonders Lisbeths Geschichte wird nahezu 1:1 aus der Vorlage übernommen und ist teils wirklich hart anzuschauen. Drastisch, brutal und dabei sehr europäisch. Die Gewalt dient – wie bereits in Larssons Roman – der Geschichte und besonders der Charakterisierung und nicht, wie so oft in amerikanischen Thrillern, dem reinen Selbstzweck.

Im Vergleich zur Vorlage lässt die Verfilmung natürlich viele Details aus. Wie könnte es auch anders sein? Immerhin werden hier 700 Seiten in knapp zweieinhalb Stunden gepackt. Trotz seiner für einen Thriller langen Laufzeit wirkt der Film zu keiner Zeit langweilig und als Kenner der Vorlage hätte ich mir sogar noch mehr Zeit für gewisse Handlungsstränge gewünscht. Besonders die letzte halbe Stunde rund um die Auflösung von Harriets Verschwinden wirkt viel zu gehetzt und nebensächlich erzählt. Im Buch hatte mich ihre Geschichte wirklich erschüttert, im Film dagegen ist nur ein Bruchteil der beklemmenden Intensität zu spüren.

Trotz leichter Schwächen im Finale ist „Verblendung“ eine absolut gelungene Verfilmung von Stieg Larssons Bestseller, welche sowohl Kennern der Vorlage als auch Neulingen gefallen dürfte. Ich war besonders angetan von der unterkühlten Bildsprache und den herausragenden Schauspielern. Von mir gibt es eine dicke Empfehlung: 8/10 Punkte.

Kops – OT: Kopps

Gestern habe ich seit langer Zeit einmal wieder einen aus dem TV aufgenommenen Film gesehen: „KOPS“ – ein Film, an dem ich wohl nie Interesse gezeigt hätte, wäre er nicht die unbedingte Empfehlung eines Freundes gewesen.

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Von Anfang an auffällig ist die unglaublich sympathische Stimmung, die „KOPS“ vebreitet. Alle Charaktere wachsen einem sofort ans Herz und man würde am liebsten in das kleine schwedische Dorf einziehen – wäre es dort nicht nur so langweilig. Mit diesem Problem haben auch unsere Polizisten zu kämpfen: Es geschieht einfach nichts und als ihre Wache geschlossen werden soll, sehen sie sich gezwungen gewisse Maßnahmen zu ergreifen. Das ist im Grunde auch schon der gesamte Plot des Films.

Die kaum vorhandene Geschichte wird glücklicherweise nicht in die Länge gezogen – es stehen die Figuren und ihre Aktionen im Vordergrund. Besonders Bennys Träumereien und Erzählungen sind den ein oder anderen Lacher wert, wenngleich sie auch etwas over the top erscheinen. Die ergänzende Liebesgeschichte um Jacob und Jessica ist nett anzusehen und nervt nicht, lässt aber größtenteils den Humor des Haupterzählstrangs vermissen.

Der erwartete – und versprochene – Knüller ist „KOPS“ leider nicht, dafür haben bei mir zu wenige Gags wirklich gezündet. Dennoch ist der Film absolut sehenswert, schon allein wegen seiner entspannten Atmosphäre und seiner sympathischen Charaktere – hier könnten sich viele andere Komödien ein paar Scheiben abschneiden: 7/10 Punkte.