Mein Freund, der Delfin – OT: Dolphin Tale (2011)

Nach einem verregneten Brückentag, an dem wir nachmittags die völlig verrückte Idee hatten, unbedingt eine Radtour zu unternehmen, waren wir abends alle nass, durchgefroren und kaputt. Da der letzte Filmabend mit den Kindern auch schon wieder fünf Monate zurückliegt, war es die perfekte Gelegenheit mit „Mein Freund, der Delfin“ dem privaten Heimkino einen gemeinsamen Besuch abzustatten…

Mein Freund, der Delfin (2011)

Mein Freund, der Delfin (2011) | © Warner Home Video

So richtig schön heile Welt

Wie zu erwarten, hat sich der Zwergofant ziemlich schnell ins Bett verzogen, weil er vom Tag doch arg müde war und der Film ihm zu aufregend erschien. Das Zappelinchen dagegen war von der ersten Sekunde an gefesselt, hat gelacht, gegluckst, mitgelitten und mitgefiebert. Eine wahre Freude! Da geht einem als filmliebender Vater so richtig das Herz auf. Es fällt mir somit nicht leicht, „Mein Freund, der Delfin“ objektiv zu betrachten. Im Grunde wird hier eine Coming-of-Age-Geschichte mit einer typischen Mensch-Tier-Freundschaft verwoben, was tatsächlich ausgezeichnet funktioniert. Umso beeindruckender, dass die Geschichte des Delfins einen wahren Kern besitzt und Winter, so ihr Name, auch die tierische Hauptrolle übernommen hat.

Völlig klar: „Mein Freund, der Delfin“ ist ein waschechter Kinderfilm. Die heile Welt wird nur selten angekratzt, was ich allerdings durchaus positiv verbuche. Es gibt keinen Bösewicht in der Geschichte, keine zynischen Sprüche, keine übertriebene Action. All das mag uns erwachsenen Zuschauern ungewohnt erscheinen, wenn man den Film allerdings mit Kinderaugen sieht, dann kann man sich seinem Charme kaum entziehen. Trotz hinzugedichteter dramaturgischer Elemente, funktioniert die Geschichte zudem im Kern wirklich gut. Winter schafft es Menschen zu inspirieren und zu ermutigen, mit ihrer Behinderung zu leben. Diese Botschaft kommt an und ist auch bei meiner Tochter hängengeblieben. Ich freue mich jetzt schon auf die morgigen Gespräche über das Filmerlebnis.

Fazit

Heute habe ich mich wieder gefragt, warum wir so selten als Familie einen Film schauen. Oft klappt es aus zeitlichen Gründen nicht und, auch wenn es auf meinem Blog oft anders wirkt, steht Medienkonsum meist ganz hinten an. Es gibt schließlich immer etwas anderes zu tun. Unsere gemeinsame Sichtung von „Mein Freund, der Delfin“ hat mir aber gezeigt, dass es für uns alle ein Zugewinn sein kann. Durch die rosarote Vater-Brille betrachtet vergebe ich: 8/10 Punkte.

Paterson (2016)

Nach einem Kindergeburtstag im nahen Familienkreis, sind wir abends ziemlich ausgelaugt aufs Sofa gefallen. Die Wahl für den heutigen Film ging nach einigem Hin und Her für „Paterson“ aus, den ich schon seit längerer Zeit sehen wollte. Da der Film von den Amazon Studios produziert wurde, findet man ihn auch (übrigens im korrekten Bildformat) auf Amazon Prime. Lohnt es sich auch, ihn dort anzuschauen?

Paterson (2016)

Paterson (2016) | © Weltkino Filmverleih GmbH (Vertrieb Universum Film)

Ein filmisches Plädoyer für mehr Achtsamkeit

Ich wusste bereits im Vorfeld, dass „Paterson“ ein ruhiger Film werden würde. Eben ein Film von Jim Jarmusch, der für seine lakonische Erzählweise bekannt ist. Zu Beginn habe ich jedoch an mir selbst festgestellt, wie ungeduldig ich ob der scheinbar unspektakulären Geschichte und der bewusst inszenierten Alltäglichkeit doch bin. Spätestens am Dienstag hatte mich „Paterson“ jedoch für sich eingenommen: Ich habe es regelrecht genossen, zusammen mit der titelgebenden Hauptfigur in den Tag hineinzuleben. Ohne Unterbrechungen. Ohne Smartphone. Ohne Vorausplanen. Achtsam sein und im Moment leben. Auf die kleinen Details achten. Ihnen gewahr werden und daraus am Ende sogar noch Kunst schaffen. Bewundernswert. So einfach, so klar – und doch unglaublich schwierig.

Die kleinen Geschichten, die Paterson (genial verkörpert von Adam Driver, „Girls“) beobachtet und erlebt, sind allesamt nicht spektakulär. Jedoch wirken sie echt und von den  Figuren wahrhaftig gelebt. Die Routine im Leben wird nicht negativ dargestellt, sondern akzeptiert, um dann eben doch die kleinen Besonderheiten und Unterschiede erkennen zu können. Paterson ist achtsam und ruht in sich. Selbst scheinbare Katastrophen können ihn nicht aus der Ruhe bringen. Beneidenswert. Wir sollten alle ein wenig mehr sein wie Paterson.

Fazit

Jim Jarmuschs „Paterson“ ist einer dieser wunderbaren Filme, die ohne spektakuläre Handlung oder Inszenierung auskommen. Hier wird die Beschreibung des Alltäglichen auf die Spitze getrieben und gerade darin liegt die Schönheit des Films. Zufriedenheit, Achtsamkeit, Selbstverwirklichung, Offenheit und Zuneigung. Große Themen, die uns alle bewegen, und hier so wunderbar unaufdringlich und tatsächlich unterhaltsam verarbeitet werden. Ein großer Film, der zu den wenigen Filmen gehören kann, die beim zweiten Mal noch stärker wirken: 9/10 Punkte.

Searching for Sugar Man (2012)

Spätestens seit Philipp vom Celluleute-Podcast „Searching for Sugar Man“ zum Film des Jahres 2012 gewählt hat, steht der Dokumentarfilm auf meiner Liste. Auch wenn mich Filme dieser Erzählform stets begeistern, wie bereits „The Imposter“ oder auch „Man on Wire“ bewiesen haben, schaue ich viel zu wenige Dokus. Diese hier läuft zurzeit jedoch auf Amazon Prime, also gibt es keinen Grund die Sichtung länger aufzuschieben. Ein Tipp übrigens, den ich auch euch geben kann…

Das Leben schreibt die besten Geschichten

Wieder einmal bin ich überwältigt, wie unfassbar spannend sich die Geschichte um den mysteriösen Singer/Songwriter Rodriguez entwickelt. Ich muss jetzt vorsichtig sein, an dieser Stelle nicht zu viel zu verraten, denn schließlich sollt ihr den Dokumentarfilm noch genauso genießen können, wie ich es getan habe. Nur kurz und knapp: Es geht um einen Singer/Songwriter, der in den 70er Jahre zwei Platten veröffentlicht hat, die in den USA komplette Flops waren, jedoch in Südafrika bis heute in jedem Haushalt zu finden sind. Über den Künstler Rodriguez ist kaum etwas bekannt, nur dass er sich live auf der Bühne umgebracht haben soll.

Aus dieser Prämisse entspinnt sich eine detektivische Suche, die stets von Rodriguez‘ Musik begleitet wird. Diese erinnert tatsächlich an den großen Bob Dylan und es ist ein Mysterium, dass man hierzulande noch nie etwas von dem Musiker gehört hat. „Searching for Sugar Man“ behandelt noch weitere Themen, lässt uns an politischen Exkursen teilhaben und wird dann doch ganz persönlich. Am Ende bleibt Rodriguez ein Mysterium und man muss sich bewusst machen, dass man gerade kein Märchen gesehen hat, sondern eine wahre Geschichte. So unfassbar ist sie.

Fazit

Ich bin nun sehr froh, endlich „Searching for Sugar Man“ gesehen zu haben. Auch wenn ihr euch nicht für die Musik der 70er Jahre oder Detektivgeschichten interessiert, so kann ich euch den Film dennoch unbedingt ans Herz legen. Am besten hebt ihr ihn euch für einen Tag auf, an dem ihr dringend eine Aufheiterung benötigt. Diesen Dokumentarfilm solltet ihr wahrlich nicht verpassen: 9/10 Punkte.

Brooklyn: Eine Liebe zwischen zwei Welten (2015)

Eigentlich hätte ich schwören können, dass ich heute keinen kompletten Film mehr durchhalte: In der vorangegangenen Nacht hatte ich nur fünf Stunden geschlafen und ich war heute Nachmittag 15 km laufen. Doch eine Woche so ganz ohne Film geht ja auch nicht, also habe ich „Brooklyn: Eine Liebe zwischen zwei Welten“ eingelegt, den ich schon lange sehen wollte. Ob es das Drama geschafft hat, mich trotz der schlechten Voraussetzungen wachzuhalten?

Wunderbar altmodisches Kino

Schon während der ersten paar Einstellungen hatte mich der Film gepackt. Speziell Michael Brooks zeitlos schöner Score hatte es mir angetan. Hinzu kommt ein historisches Setting, das gar nicht einmal so weit entfernt scheint und dabei doch wie aus einem anderen Jahrhundert wirkt. Das natürlich zurückgenommene Spiel Saoirse Ronans („Wer ist Hanna?“) trägt zudem viel zur Glaubwürdigkeit der Geschichte bei. Man ist als Zuschauer bei ihr und begibt sich mit ihr auf die Reise in eine unsichere Zukunft. Ronans Eilis ist mutig und zerbrechlich zugleich. Das Wichtigste ist jedoch die Entwicklung, die ihr Charakter durchmacht: wunderbar zurückhaltend und doch kraftvoll gespielt. Es ist eine Freude ihr zuzusehen.

Die Geschichte ist dabei weder sonderlich innovativ, noch einzigartig. Es ist die zurückhaltende und nicht auf Effekte oder Drama setzende Art der Inszenierung, die „Brookly“ so besonders macht. Einzig der Auslöser für Eilis‘ Entscheidung, ihre weitere Zukunft betreffend, wirkt ein wenig forciert. Im Kontext der Geschichte ist das aber auch egal, denn es ist die einzig logische Konsequenz, dass sie ihren eigenen Weg geht und ihre eigene Geschichte schreibt. Dass dies nicht ohne schmerzhaftes Zurücklassen und Abschiede funktioniert, zeigt Regisseur John Crowley auf herzzerreißende Weise.

Fazit

„Brooklyn: Eine Liebe zwischen zwei Welten“ ist ein unsentimentales, romantisches Drama, das voller wundervoller, kleiner Momente steckt. Man spürt sowohl Eilis‘ Verzweiflung als auch ihre Stärke und ihren Mut. Tatsächlich hat es mir zu keiner Sekunde die Augen zugezogen, was nur für den Film spricht. Wenn euch also der Sinn nach dieser Art von altmodischem Kino steht, dann kann ich euch John Crowleys Drama nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Der Indianer im Küchenschrank – OT: The Indian in the Cupboard (1995)

Seit einer halben Ewigkeit habe ich mir einmal wieder eine DVD gekauft. Der Film ist auf Blu-ray in Europa nicht greifbar, doch wollte ich „Der Indianer im Küchenschrank“ unbedingt meinen Kindern zeigen. Da ist eine deutsche Tonspur natürlich Pflicht. Also ganze 3,97 Euro investiert und die erste Gelegenheit (die Frau ist heute außer Haus) am Schopf gepackt. Ob Frank Oz‘  Märchen heute noch genauso wunderbar ist, wie ich es in Erinnerung habe?

Eine Reise zurück in die Kindheit

Ich erinnere mich noch genau an meine erste Sichtung des Films. Eigentlich war ich damals schon viel zu alt dafür. Ich muss 16 oder 17 gewesen sein, meine Familie war ohne mich verreist. Ich weiß noch, dass dies der letzte freie Abend war und meine Eltern samt meiner Schwester am nächsten Tag zurückkommen sollten. Cool und angesagt wie ich damals war, habe ich natürlich keine große Party geschmissen, sondern ein paar gute Freunde zu einem Filmabend eingeladen: Wir haben James Camerons „The Abyss“ in der Special Edition geschaut und ich war hin und weg. Als meine Freunde gegangen waren, hatte ich das Gefühl den vorangeschrittenen Abend (es war schon gegen Mitternacht) nutzen zu müssen, denn der Alltag stand ja wieder vor der Tür. Also habe ich die vorhandenen VHS-Kassetten durchgeschaut und unter diesen die Premiere-Aufzeichnung (mein Bruder versorgte uns damals damit) eines Films namens „Der Indianer im Küchenschrank“ gefunden.

Ich wusste nur, dass es sich um einen Kinderfilm handelt, sonst nichts. Dennoch war ich neugierig und habe die VHS-Kassette eingelegt. Bis 2 Uhr morgens sollte ich somit in eine magische Geschichte entführt werden. Warum der Film damals so gut für mich funktioniert hat, kann ich gar nicht mehr sagen. Vermutlich hängt es auch mit dieser einen Nacht und dem damit verbundenen Gefühl der Freiheit zusammen (es dürfte wohl das erste Mal gewesen sein, dass ich nicht auf den Familienurlaub mitgefahren bin). Auf jeden Fall hat sich der Film in mein Herz gespielt und ich war sehr gespannt, wie ihn meine Kinder wohl wahrnehmen würden.

Toll getrickste Menschlichkeit

Ich kann gleich vorausschicken, dass ich den Zwergofanten als Zuschauer recht bald verloren habe: Er war platt von der Radtour und hatte Angst vor dem Indianer. Also ist er recht bald ins Bett verschwunden, jedoch nicht ohne mich versprechen zu lassen, ihm morgen den Film zu erzählen. Das Zappelinchen dagegen war Feuer und Flamme, hat viele Fragen gestellt und war emotional komplett involviert. Einfach toll. Auch ich war abermals begeistert und mag es sehr, wie stinknormal die Kinder in dem Film sind. Keine aufgesetzte Coolness oder übertriebenes Außenseitertum. Hal Scardino spielt die Hauptfigur Omri wirklich großartig und es ist schade, dass er kaum noch etwas danach gemacht hat. Bekannte Gesichter gibt es ohnehin kaum zu sehen. Einzig Richard Jenkins („Six Feet Under“) und Vincent Kartheiser („Mad Men“) sind mir hier aufgefallen. Und natürlich kennt man Regisseur Frank Oz, der sich für einige Klassiker (u.a. „Der dunkle Kristall“ oder „Der kleine Horrorladen“) verantwortlich zeichnet.

Obwohl der Film bereits 22 Jahre auf dem Buckel hat, überzeugen seine Effekte immer noch. Der titelgebende Indianer Little Bear wirkt selten in die Szenen hineinkopiert, was speziell für die Kinder eine großartige Immersion bedeutet. Auch ich habe mich erneut sehr an der Tricktechnik erfreut, bei der man noch keine CGI-Charaktere animiert hat – und das kommt dem Film rückblickend betrachtet bestimmt zugute.

Fazit

Zu den meisten Filmen, über die ich hier schreibe, habe ich eine besondere emotionale Bindung und versuche sie auch herauszustellen. Auf „Der Indianer im Küchenschrank“ trifft das besonders zu. Wenn ich die IMDb-Bewertung mit 5,9 Punkten sehe, kann ich nur den Kopf schütteln. Das ist so ein herzerwärmend schöner Kinderfilm, dass ich das nicht verstehen kann. Ein Erfolg an der Kinokasse war der Film leider auch nicht, weshalb ihm Fortsetzungen verwehrt blieben. Ich jedoch liebe ihn sehr und kann ihm jeden (auch zur Sichtung mit Kindern) nur ans Herz legen. Das Zappelinchen und ich waren begeistert: 9/10 Punkte.

Once (2006)

Schon seit über einem Jahr versuche ich diesen Film zu sehen und nun hat es endlich geklappt. Schon vor ein paar Monaten war ich aus dem Häuschen, dass es „Once“ endlich zu Amazon Prime geschafft hat, doch dann lief John Carneys Film dort nur in der synchronisierten Fassung. Wer macht denn bitte so etwas? Also war ich hoch erfreut kürzlich die Blu-ray-Box der drei bisherigen Musik-Filme des Regisseurs zu erstehen. Ob sein Debüt den hohen Erwartungen gerecht werden konnte?

„Fallen From The Sky“

Während der ersten paar Minuten hat mich die Video-Optik des Films doch ein wenig abgeschreckt. Kein Vergleich zum polierten Eindruck, den „Can a Song Save Your Life?“ hinterlassen hatte. Glücklicherweise ist dieses Gefühl schnell verflogen, unterstützt die rohe Art der Inszenierung doch tatsächlich die Geschichte. Man fühlt sich mit Glen Hansard auf den Straßen Dublins und bei mir wurden Erinnerungen an meine eigene Dublin-Reise im Jahr 2008 wach. Der Film wirkt dabei herrlich spontan und improvisiert, was wohl auch den beteiligten Personen zuzuschreiben ist, die alle einen gemeinsamen, musikalischen Hintergrund besitzen. Selbst Regisseur John Carney hat mit Hauptdarsteller Glen Hansard in seiner Band gespielt.

„When Your Mind’s Made Up“

Wie man es hätte erwarten können, spielt Musik die Hauptrolle in „Once“. Irischer Singer-Songwriter-Pop, wie er schöner nicht sein könnte. Das Wundervolle daran ist natürlich, dass die Songs eine Geschichte erzählen und somit fast schon ein Musical-Erlebnis heraufbeschwören. John Carney schwelgt dabei in langen Montagen, die in der Video-Optik ein wenig befremdlich aber vielleicht deshalb umso intensiver wirken. Man ist nahe dran an den Figuren und ich habe jeden Moment mit ihnen genossen. Die Lieder besitzen Ohrwurm-Qualitäten und sind dabei dennoch um einiges roher als ihre Pendants in John Carneys zweitem Film. Man merkt, dass die Handlung sehr nahe an der Lebensrealität der Schauspieler und des Regisseurs dran ist. Eine Qualität, die man vermutlich kaum planen kann, die den Film aber zu etwas ganz Besonderem macht.

„Once“ erzählt auch eine Liebesgeschichte. Eine herrlich unkonventionelle Liebesgeschichte. Es gibt ein Happy End – und das obwohl die beiden Protagonisten nicht zusammenfinden. Ihre Zuneigung wirkt wahrhaftig und nachvollziehbar und ich musste in so mancher Szene die eine oder andere Träne verdrücken. Daneben gibt es kein aufgesetztes Drama, nur unzählige wundervolle zwischenmenschliche Momente. Nicht nur zwischen den beiden Hauptfiguren, sondern auch darüber hinaus.

„Say It to Me Now“

Alle Befürchtungen, die ich noch während der ersten Einstellung hegte, sind schnell verflogen und ich habe jede der nur 86 Minuten genossen. Den Soundtrack werde ich in den kommenden Tagen wohl rauf und runter hören und John Carneys „Sing Street“ ist jetzt schon fest in meinem Programm eingeplant. Viele Filme bekommen ja das Label Feel-Good-Movie, doch dieser hier hat es wirklich verdient: 9/10 Punkte.

Toy Story (1995) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Toy Story“ am 23. Mai 2025 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Als wir heute früh vom Regen geweckt wurden, hatte ich den Kindern leichtfertig versprochen, dass wir heute ja einen Film zusammen anschauen könnten. Kurz darauf waren die Wolken verschwunden und wir verbrachten den ganzen Tag im Freien. Das Gedächtnis der Zwerge ist jedoch exzellent. Somit haben wir uns gegen 18 Uhr auf dem Sofa eingefunden und ich habe „Toy Story“ in den Blu-ray-Player geschoben. Den Kindern war die Filmreihe bisher noch nicht bekannt, ich jedoch freute mich schon enorm auf ein Wiedersehen mit Woody, Buzz Lightyear und Co.

Toy Story (1995) | © Walt Disney

Toy Story (1995) | © Walt Disney

Wie bereits in meiner ersten Besprechung des Films beschrieben, verbinde ich sehr persönliche Erinnerungen mit der Filmreihe: 1995 im Kino hat mich dieser erste vollständig 3D-animierte Film noch ziemlich kalt gelassen, doch während der Nachtschichten meines Zivildienstes haben mir die ersten beiden „Toy Story“-Filme ein paar wunderbar unterhaltsame Stunden geschenkt. Nun war es also für mich soweit, die Freude daran an meine Kinder weiterzugeben – und ich selbst war tatsächlich gespannt, ob „Toy Story“ auch heute noch für mich funktioniert. Wenn man sich Filmbilder anschaut, fällt doch auf wie beinahe schon altmodisch Texturen, Licht und Modelle inzwischen wirken – gerade im Vergleicht zu „Toy Story 3“ und anderen modernen Animationsfilmen.

Alle Sorge war völlig unbegründet: Die weniger detaillierten Texturen fallen überhaupt nicht auf und vermitteln zudem einen ganz besonderen Charme, der perfekt zur kreierten Spielzeugwelt passt. Was Animationen, Licht, Tempo und Handlung angeht, kann es „Toy Story“ auch heute noch mit jedem Animationsfilm aufnehmen. Einzig die Modelle der Menschen und das des Hundes fallen ein wenig aus der Reihe, allerdings macht es sogar inhaltlich Sinn, dass diese Lebewesen wie Fremdkörper in der Welt der Spielzeuge wirken. Tatsächlich jedoch macht man sich während des Films auch überhaupt keine Gedanken dazu, denn die Geschichte ist so temporeich und mit Anspielungen versetzt, dass es eine wahre Freude ist!

Fazit

Nach knapp 80 Minuten ist der Spaß auch schon wieder vorbei und jede Sekunde ist, wie man es von Pixar kennt, wichtig für die Handlung. Ich liebe die Figuren und die kreierte Welt. Der Zwergofant ist nach der Hälfte ausgestiegen, waren ihm die Szenen beim Nachbarsjungen samt Hund und entstelltem Spielzeug doch zu gruselig. Das Zappelinchen jedoch war ähnlich begeistert wie ich und fragte mich nach dem Film:

„Papa, werden meine Spielzeuge vielleicht auch lebendig, so wie in dem Film?“ (Das Zappelinchen nach dem Film)

Mehr muss man vermutlich nicht sagen. Die Magie ist übergesprungen und am liebsten hätte sie sofort den zweiten Teil angeschaut. Das heben wir uns dann aber wirklich für einen der bestimmt kommenden, verregneten Nachmittage auf: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Ich bin dann mal weg (2015)

Da unser Zwergofant am heutigen Rosenmontag unbedingt in den Kindergarten wollte (als Batman wohlgemerkt), haben wir den Nachmittag ganz entspannt auf einem Waldspielplatz verbracht. Mehr war heute nicht drin. Morgen steht dafür, sollte das Wetter mitspielen, ein Tagesausflug auf dem Programm. Der Jakobsweg wäre etwas weit, weshalb wir ihm mit „Ich bin dann mal weg“ zumindest einen filmischen Besuch abgestattet haben. Hape Kerkelings Vorlage kenne ich nicht, doch finde ich die Idee dieser Wanderung durchaus faszinierend. Was also hat der Film zu bieten?

ich-bin-dann-mal-weg

Wenn es um die filmische Verarbeitung von Selbstfindungstrips geht, dann habe ich in dieser Nische durchaus einiges an Erfahrung: Bereits 2010 hat Emilio Estevez seinen Vater in „Dein Weg“ auf den Jakobsweg geschickt und ich muss sagen, dass mir diese Reise wirklich ausgezeichnet gefallen hat. Zuletzt habe ich Cheryl Strayed in „Wild: Der große Trip“ begleitet und war von diesem Abenteuer ebenso angetan. Nun also Julia von Heinz‘ Verfilmung des Bestsellers „Ich bin dann mal weg“. Wie zu erwarten ist die Fallhöhe deutlich geringer als bei den oben genannten Werken: Hape Kerkeling muss nicht den Tod seines Sohnes bzw. eine durch einen persönlichen Verlust ausgelöste Drogensucht verarbeiten. Er ist nur ausgebrannt. Tatsächlich war mir das als Beweggrund aber völlig ausreichend.

Devid Striesow spielt Hape Kerkeling wirklich überzeugend und ich bin mit ihm gerne auf diese Reise gegangen. Auch die eingestreuten Rückblenden in Kerkelings Kindheit und Jugend empfand ich als gelungen und schön in die Wanderung eingeflochten. Das Voice-over war mir dagegen ein wenig zu viel des Guten (dabei stehe ich auf Voice-over) und die auf dem Weg geflochtenen Beziehungen schienen mir viel zu gewollt und dennoch oberflächlich. Auch viele Bilder wirkten viel zu künstlich und nachbearbeitet, was wirklich schade ist, denn die Landschaft hätte auch ohne exzessive Farbkorrektur gewirkt. In Summe lässt das den Film leider zu sehr wie einen Film wirken. Hier hätte ich mir gerne mehr ruhige Momente, die nicht alles bis ins letzte Detail erklären oder zu sehr nach Postkartenidylle schreien, gewünscht.

Insgesamt hat mir auch Hape Kerkelings Reise auf dem Jakobsweg gut gefallen, doch war mir diese manchmal einfach zu viel. Gerade im Vergleich zu „Dein Weg“ offenbaren sich die Schwächen deutlich und ich würde Emilio Estevez‘ Film jederzeit den Vorzug geben. Dennoch mochte ich auch Kerkelings Geschichte und bin davon überzeugt, dass in der Vorlage mehr drin steckt als in der sehr poliert wirkenden Verfilmung: 6/10 Punkte.

Vaiana: Das Paradies hat einen Haken – OT: Moana (2016)

Ich habe „Vaiana: Das Paradies hat einen Haken“ am 6. April 2019 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Wie bereits in der Besprechung des Vorfilms „Inner Workings“ geschrieben, hat es mich am vorletzten Urlaubstag doch noch einmal ins Kino verschlagen. Davor hat es aus verschiedenen Gründen nicht geklappt (selbst „Rogue One: A Star Wars Story“ ging an mir vorüber) und auch der heutige Besuch hing am seidenen Faden: Man sollte sein Auto nicht zwei Wochen unbewegt lassen, wenn es um die -20 °C hat. Lange Rede, kurzer Sinn: Dank Ladegerät für die Autobatterie und gnadenlosem Optimismus haben wir uns dann doch aufgemacht, um „Vaiana: Das Paradies hat einen Haken“ zu sehen…

Vaiana: Das Paradies hat einen Haken (2016) | © Walt Disney

Vaiana: Das Paradies hat einen Haken (2016) | © Walt Disney

Von dem jüngsten Film der Walt Disney Animation Studios hatte ich im Vorfeld viel Gutes gehört, dabei war ich anfangs noch skeptisch, hat mir alles doch zu sehr nach „Die Eiskönigin“ im Inselreich Polynesiens ausgesehen. Eine Prinzessin, ein lustiger Sidekick, Tiere und Gesang. Ich mag diese klassische Disney-Formel ja, doch ob ich dafür einen der seltenen Kinobesuche opfern sollte? Es lief aber auch nichts anderes, was für das Zappelinchen passend gewesen wäre und nachdem wir beim letzten Kinobesuch mit „BFG: Big Friendly Giant“ einen Realfilm ausprobiert hatten, war es durchaus angebracht sie in die Welt des animierten Kinos zu entführen. Dazu kam erstmals das 3D-Erlebnis, was bei meiner Kleinen für so allerlei Verwirrung sorgte. Warum jetzt die Brillen? Gute Frage, geliebte Tochter!

Tatsächlich ist „Moana“ (der Titelwechsel im Deutschen ist wieder einmal sehr befremdlich) ein klassischer Disney-Märchenfilm. Die Struktur ist klassisch, die Geschichte auch und doch wusste mich das Südseeabenteuer zu überraschen. Wie Pixar mit „Merida“ bereits vorgemacht hat, ist auch Vaiana alles andere als die klassische Prinzessin. Nein, sie ist die Tochter des Stammeshäuptlings. Und ja, sie widersetzt sich natürlich den Wünschen ihres Vaters. Sie ist ein starker Charakter, der sich niemandem unterordnet und selbst den vor Selbstbewusstsein strotzenden Halbgott Maui in die Schranken weist. All das mag ein wenig, nun ja, gewollt wirkten, doch ist es kraftvoll und glaubwürdig inszeniert. Ja, Vaiana (oder Moana) ist eine tolle Figur und es macht Spaß, sie bei ihren Abenteuern zu begleiten.

Audiovisuell ist der Film eine Bombe. Gerade wenn man die zurzeit herrschenden Außentemperaturen im zweistelligen Minusbereich bedenkt, war es eine Freude die kunterbunte Inselwelt zu besuchen. Ich mochte auch die Songs, wenngleich der deutsche Text manchmal schon schmerzhaft mit der Brechstange ins Reimschema gepresst wirkte. Da erhoffe ich mir von der englischen Originalversion noch einmal deutlich mehr. Das Wichtigste jedoch: Mein Zappelinchen war begeistert, hat sich an den richtigen Stellen vor Lachen weggeschmissen und an anderen ehrfürchtig Fragen zur Handlung gestellt. So muss das sein.

Fazit

Für mich war „Vaiana: Das Paradies hat einen Haken“ eines der kurzweiligsten Filmerlebnisse, an das ich mich erinnern kann. Die knapp zwei Stunden vergingen wie im Fluge und ich hätte mich gerne noch länger auf Motunui aufgehalten. Das Beste kam jedoch zum Schluss: Mein Auto ist danach ohne Probleme angesprungen. Somit wird mir der Kinobesuch als nahezu perfekter Abschluss des Weihnachtsurlaubs 2016/2017 in Erinnerung bleiben: 9/10 Punkte.

Meru (2015)

Ich bin komplett im Bergfieber. Seit ich vor ein paar Tagen den Spielfilm „Everest“ geschaut habe, hat mich diese Welt für sich vereinnahmt. Gleich nach der Sichtung habe ich begonnen Jon Krakauers Buch „In eisige Höhen“ zu lesen und bin schon zur Hälfte durch. Nach ein wenig Recherche habe ich den Dokumentarfilm „Meru“ auf Amazon Prime entdeckt und war sofort Feuer und Flamme mit ihm eine neue Herausforderung (bequem vom Sofa aus) verfolgen zu können – und dabei ein paar bekannte Gesichter aus Krakauers Buch kennenzulernen…

meru-2015

Zunächst einmal muss ich festhalten, dass ich selbst verwundert bin, wie sehr mich das Thema Extrembergsteigen doch beschäftigt. Ich bin zwar gern in den Bergen wandern, doch habe ich keinerlei Klettererfahrung – vom Hochseilgarten einmal abgesehen. Allerdings erinnere ich mich noch gut daran, dass der Vater eines Grundschulfreundes beim Klettern abgestürzt und tödlich verunglückt ist. Das hatte mich damals stark beschäftigt. Meine heutige Faszination für das Thema ergibt sich wohl aus der Frage, was der Reiz dieser extremen Form des Kletterns ist sowie aus den Personen, die sich in diesem Umfeld bewegen. Jon Krakauer, der auch in „Meru“ zu Wort kommt, kannte ich bereits von seinem Buch „In die Wildnis“ und Conrad Anker, der die Expedition hier leitet, findet auch in „In eisige Höhen“ Erwähnung. Es sind spannende Schicksale, die sich in diesem feinen Grat zwischen Extremleistung und Risiko bewegen.

„Meru“ beginnt mit beeindruckenden Kletteraufnahmen, die uns direkt an den Berg bringen. Doch schon bald verlässt der Dokumentarfilm dieses bekannte Setting und stellt uns seine drei Protagonisten näher vor. Es kommt zu einem Unglück und die gesamte Expedition steht plötzlich auf dem Spiel. Der Umgang damit und was für alle drei Beteiligten (und ihre Familien und Angehörigen) auf dem Spiel steht, wird im weiteren Verlauf ziemlich genau analysiert. Das ist spannend und gibt ein wenig mehr Aufschluss darüber, was so faszinierend an diesem Sport bzw. der damit verbundenen ganz besonderen Lebenseinstellung ist.

Ich bin wirklich froh „Meru“ entdeckt zu haben. Der Dokumentarfilm kam für mich genau zur richtigen Zeit und ich hätte gerne noch mehr davon gesehen. Teils hatte ich das Gefühl der eigentliche Aufstieg kam am Ende ein wenig zu kurz. Da alle Szenen davor jedoch auch wichtig sind, hätte ich mir einfach noch eine halbe Stunde mehr Film gewünscht. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich momentan mit „In eisige Höhe“ viel detailliertere Informationen gewöhnt bin. Für jeden Freund von dieser Art von Dokumentarfilm, oder einer Faszination für das Bergsteigen, kann ich jedoch meine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen: 8/10 Punkte.