Jungfrau (40), männlich, sucht… – OT: The 40 Year Old Virgin

„Jungfrau (40), männlich, sucht…“ gehört zu den Filmen, die man sich aufgrund guter Mund-zu-Mund-Propaganda oder auch dem witzigen Trailer anschaut. Ich fand zudem die zugrunde liegende Idee ganz nett. Zwar nicht sonderlich innovativ, aber nett – etwas, das man vom eigentlichen Film leider nicht behaupten kann.

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Die erste Stunde war ich sogar ein paar Mal kurz davor abzuschalten. Ich habe mir von „The 40 Year Old Virgin“ sicherlich keine hochgeistige Unterhaltung erhofft, aber schon etwas mehr als einen schlechten „American Pie“-Abklatsch. Warum müssen sich die 30 bis 40jährigen Charaktere ununterbrochen über Schlampen und Muschis unterhalten? Wird das vom Publikum allgemein als lustig empfunden? Sprechen erwachsene Männer tatsächlich so über Frauen und Sex? Bin ich humormäßig da irgendwie falsch gepolt? Fragen über Fragen. Mich hat diese penetrant ordinäre Ausdrucksweise leider nur genervt. Zudem die Handlung auch nicht viel mehr Substanz vorweisen konnte.

Die zweite Hälfte war dann deutlich angenehmer. Weniger „Männergespräche“ und mehr Handlung. Hier kommt es sogar zu einigen richtig netten Szenen. Insgesamt ist dieser Teil des Films jedoch auch zu lang. So gezwungen gewagt die Produktion bei nackten Tatsachen und der Sprache erscheint, so zieht sie wenn es um die Handlung geht den – um es mit den Worten echter Männer zu sagen – Schwanz ein. Die Geschichte verläuft genauso, wie man es erwartet. Keine Überraschungen. Nichts. Dann jedoch kommt eine grandiose Musicalnummer, die mich meinen Groll beinahe vergessen lässt. „Hair“ war selten so unterhaltsam.

Zugute halten muss ich dem Film seine gut aufgelegten Darsteller. Allen voran Steve Carell, der wirklich komisches Potential besitzt. Neben ein paar wenigen Lachern und einem fantastischen Schluss hat der Film leider kaum etwas zu bieten, das ihn sehenswert machen würde: 5/10 Punkte (davon einer für die Tanznummer).

Kiss Kiss Bang Bang

Sehr ungewöhnlich. „Kiss Kiss Bang Bang“ ist wahrlich ein sehr ungewöhnlicher Film. Erwartet hatte ich einen Buddymovie im „Lethal Weapon“-Stil, doch gesehen habe ich eine Schwarze Komödie mit starken Film Noir-Anleihen. Ich war wirklich positiv überrascht, wie ideenreich und ungewöhnlich Shane Black sein Regiedebüt inszeniert hat.

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Die Geschichte wird aus der Sicht von Kleinganove Harry Lockhart (Robert Downey Jr.) erzählt, der nach einer Verwechslung plötzlich mitten im Interesse von Hollywood steht. Dies ist allerdings nur der Auslöser für ein paar wilde Eskapaden, die Harry fortan mit seinem neuen Partner, dem schwulen Privatdetektiv „Gay“ Perry, zu bestreiten hat. Fortan gibt es unzählige Leichen, eine Femme Fatale, sowie diverse Wortgefechte, die an Skurrilität teils nicht zu überbieten sind.

„Kiss Kiss Bang Bang“ macht Spaß, keine Frage. Doch irgendwie verrennt sich der Film meiner Meinung nach etwas in seinen unzähligen Ideen. Die Geschichte wartet mit Wendungen auf, die man aufgrund des hohen Tempos kaum wahrzunehmen im Stande ist. Zudem befindet man sich beinahe im Minutentakt an neuen Locations, die ebenso schnell wieder mit neuen Figuren aufgefüllt werden. Einerseits entsteht dadurch eine wirklich mitreißende Dynamik, doch andererseits kann man das Handeln der Identifikationsfiguren nicht wirklich nachvollziehen, wodurch eine Distanz zu ihnen entsteht. Diese wird durch die gewählt Erzählform noch größer. Harrys Voice Over beschränkt sich nicht nur auf die Geschichte an sich – nein, er spricht den Zuschauer direkt an, spult den Film vor und zurück und macht klar, dass man hier nur einen Film sieht. Einerseits wirklich innovativ und auch amüsant, doch leider wird hierbei völlig die Magie des Eintauchens in die Geschichte zerstört. Ich denke weniger wäre hier mehr gewesen.

Shane Black hat mit „Kiss Kiss Bang Bang“ einen wirklich unterhaltsamen und mit bösen Späßen angereicherten Film geschaffen. Die Figuren – und ihre Darsteller – sind zudem überaus sympathisch. Doch leider hätte man sich mehr auf die Chemie zwischen ihnen und die Geschichte an sich verlassen sollen, dann wäre aus dem Film eine rundere Sache geworden: 7/10 Punkte.

A History of Violence (2005)

David Cronenbergs aktuellster Kinofilm „A History of Violence“ ist mir bereits durch den Trailer aufgefallen. Dieser Film schien so ganz anders zu sein, als seine vorangegangenen Werken, wie „eXistenZ“ oder „Naked Lunch“ – und so ist es tatsächlich: Das heißt in dieser Graphic Novel-Verfilmung gibt es keine Insektenmonster oder organische Implantate, keine Parallelwelten. Nur die brutale Realität.

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Ganz anders als bei den Vorgängern kommt „A History of Violence“ also ohne fantastisch anmutende Geschöpfe und diesbezügliche Effekte aus. Auch die Inszenierung erlaubt sich keinerlei Experimente und bleibt dem Realismus treu. Durch die langsamen Kamerafahrten und die langen Einstellungen verbreitet der Film Ruhe. Die Ruhe vor dem Sturm. Wenn es dann zur – bereits im Titel angekündigten – Gewalt kommt, bricht diese nicht nur auf den Zuschauer herein, sondern auch auf die Figuren im Film.

Mir hat in „A History of Violence“ besonders der ruhige Spannungsaufbau imponiert. Die geschaffene Atmosphäre ist unheilsschwanger und man weiß, das die Idylle jeden Moment in sich zusammenbrechen kann. Teils sind sogar Erinnerungen an David Lynchs „Blue Velvet“ wach geworden. Auch nach den ersten Gewaltakten bleibt der Film seiner Linie treu und verhältnismäßig realistisch. Leider hat mir die aktive Vergangenheitsbewältigung von Tom/Joey nicht sonderlich gefallen. Hier wirkt alles viel zu comichaft überzogen. Ich hätte mir eine wendungsreicheres oder auch offeneres Finale gewünscht.

Insgesamt ist „A History of Violence“ ein – aufgrund seiner ruhigen Inszenierung und seiner dichten Atmosphäre – toller Film. Die Geschichte ist einfach und realistisch. Leider fast schon zu einfach – und dem Realismus wird gegen Ende zudem etwas die Luft aus den Segeln genommen. Viggo Mortensen und Maria Bello können voll und ganz überzeugen. Ed Harris‘ und William Hurts Charaktere waren mir dagegen zu comichaft angelegt. Vermutlich funktioniert die Vorlage hier besser. Trotzdem sehr sehenswert: 7/10 Punkte.

Per Anhalter durch die Galaxis – OT: The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy

„Per Anhalter durch die Galaxis“ gehört zu den wenigen Büchern, die ich mehr als einmal gelesen habe. Sowohl in der Übersetzung, als auch im Original. Von den Fortsetzungen ganz zu schweigen. Douglas Adams ist mit dieser fünfteiligen Geschichte einfach außergewöhnliches gelungen. Ein unsterblicher Klassiker der intelligenten Unterhaltung. Nachdem ich mich gegen die BBC-Serie (ungesehenerweise) immer gesträubt habe, war ich umso gespannter auf die Kinoverfilmung. Doch wie das so oft ist, bin ich erst mit der DVD zur Sichtung gekommen.

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Ich kann gleich vorwegschicken, dass es Regisseur Garth Jennings glücklicherweise gelungen ist, den Geist und den Flair des Romans einzufangen. Dies liegt wahrscheinlich auch daran, dass Douglas Adams vor seinem Tod noch einen Großteil des Drehbuchs fertiggestellt hat. Eine vollständige Adaption darf man als Fan trotzdem nicht erwarten. Viel wurde gestrichen und noch mehr aufgrund des Budgets verändert. Allein Zaphods zweiter Kopf hat rein gar nichts mehr mit dem Roman gemein – und dennoch: Der Charakter funktioniert tadellos. Die Essenz ist vorhanden – und das macht eine gute Romanverfilmung aus.

Das erste Drittel des Films kam meiner Vorstellung sogar ziemlich nahe. Arthur Dent war Arthur Dent, Ford Prefect war Ford Prefect und selbt Zaphod Beeblebrox stand meiner Fantasie – sieht man einmal von gewissen zusätzlichen Körperteilen ab – in nichts nach. Allein Marvin hat auf mich leider nicht sonderlich viel Eindruck gemacht und auch die Herz aus Gold hatte ich mir anders vorgestellt. Über den Verlauf der Geschichte will ich hier gar nicht viel schreiben. Nur, dass man den Roman hier wirklich drastisch zusammengestaucht und – zur Vereinfachung – eine Episode um Zaphods Konkurrenten bei der Präsidentschaftswahl eingebaut hat. Diese fand ich eher unnötig und nicht so amüsant wie den Rest, doch sonderlich gestört hat auch dieser Nebenplot nicht.

Grandios war die Visualisierung des titelgebenden Reiseführers „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“. Einfach, durchdacht und doch erfrischend und glaubwürdig. Wirklich fantastisch! Durch diese schöne Darstellungsweise konnten viele kleinere Episoden eingefügt werden, von denen ich niemals gedacht hätte, dass sie mit in den Film hinüber gerettet werden könnten.

Leider war „Per Anhalter durch die Galaxis“ als Film kein sonderlich großer Erfolg, so dass eine Verfilmung der weiteren Teile eher unwahrscheinlich ist. Schade, denn die Adaption ist wirklich gelungen und auch Fans des Romans, die denken sich mit den Änderungen nicht anfreunden zu können, sollten dem Film eine Chance geben. Allein aufgrund des eingängigen Titelsongs. Macht Spaß der Film: 8/10 Punkte – und wer die Bücher noch nicht kennt: Lesen, sofort!

Das Schwiegermonster – OT: Monster-in-law

Meine Schwester hat mir „Das Schwiegermonster“ (OT: „Monster-in-law“) bereits mit dem Hinweis geliehen, dass ich nicht zu viel erwarten sollte. Diese Äußerung und die Tatsache, dass mich der Film nie sonderlich interessiert hat, ist wahrscheinlich der Grund, warum er nun bereits seit Wochen ungesehen hier rumliegt. Eine spontane Sommergrippe hat jedoch den Ruf nach seichter Unterhaltung laut werden lassen und somit bin ich auch einmal dazu gekommen mir diesen Film anzusehen.

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Mit Jennifer Lopez ist das ja so eine Sache. Noch bevor ich sie als Pop-Nervensäge wahrgenommen habe, ist sie mir tatsächlich als ernsthafte Schauspielerin aufgefallen. Kaum zu glauben. In Steven Soderberghs „Out of Sight“ und Oliver Stones „U-Turn“ konnte sie mich voll und ganz überzeugen. Dann kam die Beschallung mit unsäglichen, sogenannten Sommerhits und Filmen à la „Wedding Planer“. Demzufolge ist Lopez für mich inzwischen leider schon fast so etwas wie ein Garant für nichtssagende, schnulzige 08/15-Unterhaltung.

In diese Kategorie fällt leider auch „Das Schwiegermonster“. Erst nach fast einer Stunde nimmer der Film etwas Fahrt auf. Davor ist alles schon tausend Mal dagewesen. Das Kennenlernen, erste Annäherungsversuche, tiefschürfende Gespräche mit Freunden usw. Erst nachdem Viola (klasse: Jane Fonda) bei Charlie (fade: Jennifer Lopez) einzieht kommt es zu einigen amüsanten Verstrickungen, die im Endeffekt leider alle so voraussehbar sind, dass jeglicher Überraschungseffekt im Keim erstickt wird. So zieht sich der Film bis zum unausweichlichen zuckersüßen Happy End. Aus und schon vergessen.

Aufgefallen ist mir einmal wieder ein Seriendarsteller: Michael Vartan, den ich zur Zeit parallel in „ALIAS“ sehe. Im Moment scheinen mich die Darsteller aus dieser Serie zu verfolgen – nur dass Bradley Cooper in „The Wedding Crashers“ wesentlich mehr aus seiner Rolle zu machen weiß.

Alles in allem bleibt „Das Schwiegermonster“ nicht im Gedächtnis. Ein paar nette Momente und eine wirklich wunderbare Jane Fonda können nicht über den Einheitsbrei aus Kitsch und Humor hinweghelfen: 4/10 Punkte.

Land of the Dead – Director’s Cut

Nun habe ich auch George A. Romeros letzten Beitrag zu dem Genre gesehen, das er – zumindest in seiner modernen Form – erfunden und geprägt hat: Den Zombiefilm. „Land of the Dead“ (Director’s Cut) ergänzt seine „Living Dead“-Trilogie um einen vierten Teil, was viele Fans zunächst kritisch gesehen haben, da ein Mitschwimmen auf der aktuell angesagten neuen Härte und Zombiefilm-Welle ein nur zu offensichtliches Ziel gewesen zu sein schien.

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Nach der Sichtung kann ich diesen Vorwurf – zumindest teils – als berechtigt sehen, denn ohne Filme wie das „Dawn of the Dead“-Remake und das neu erwachte Interesse am Genre wäre der Film so wohl nie in die Kinos gekommen. Dennoch will ich „Land of the Dead“ eher als genutzte Chance von Romero sehen. Er hat einfach den richtigen Zeitpunkt abgewartet und zugegriffen, als die Rahmenbedingungen günstig waren. Im Stil hat er sich dem modernen Horror angenähert ohne jedoch seine Eigenheiten zu vernachlässigen. Die Zombies schlurfen nach wie vor, es gibt keine unübersichtlichen Schnittgewitter und selbst die Charaktere sind old school. Das alles noch garniert mit einer mehr als aufdringlichen sozialpolitischen Botschaft und fertig ist Romeros Zombiefilm.

Der größte Vorwurf, den ich dem Altmeister machen kann ist Stagnation. Zwar lernen die Zombies dazu und wirken dadurch bedrohlicher, doch der Rest hat sich eigentlich nicht geändert. Der Film funktioniert zwar auch ohne Innovationen, doch wenn ich solche in diesem Genre erwartet hätte, dann eben von Romero. Insofern schon etwas enttäuschend.

Auffällig und typisch für Romero ist der hohe Blutgehalt. Eine 18er bzw. KJ-Freigabe wäre noch vor einigen Jahren unmöglich gewesen. Auch hier merkt man, wie sich das moderne Horrorkino gewandelt hat. Mehr Mainstream und höhere Budgets, doch mit der Grimmigkeit des 70er und 80er Jahre Kinos. Leider zu selten mit den oben genannten Innovationen.

Als Film an sich macht „Land of the Dead“ wirklich Spaß. Alle nötigen Zutaten sind enthalten und es kommt eine schöne Endzeitatmosphäre auf. Allein die letzten zehn Minuten wirken so, als wäre dem Film vorzeitig die Luft ausgegangen. Eigentlich schade. Hier hätte ich mir noch ein paar ikonographische Bilder gewünscht, die es in das kollektive filmische Langzeitgedächtnis schaffen.

Für die netten Gastauftritte (Tom Savini, Simon Pegg) und eine Hommage an Peter Jacksons „Braindead“ will ich den Sympathiefaktor überwiegen lassen und zücke im Bewusstsein der leichten Überbewertung 8/10 Punkte.

Die Hochzeits-Crasher – OT: The Wedding Crashers

Es gibt sie ja sowieso kaum: Gute Übersetzungen von – insbesondere englischen – Filmtiteln. Doch warum man sich so etwas wie „Die Hochzeits-Crasher“ (nur echt mit Bindestrich; OT: „The Wedding Crashers“) einfallen lässt? Das Wissen wohl nur die Marketingstrategen von Warner Deutschland.

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Der Film an sich bietet ausgezeichnete Unterhaltung. Nichts intellektuell wertvolles, aber das erwartet auch niemand von einem Frat-Pack-Film. Owen Wilson und Vince Vaughn zeigen sich wie erwartet sehr spielfreudig und auch der Rest der Besetzung scheint für jeden Spaß bereit gewesen zu sein. Allein Christopher Walken wirkte etwas unterfordert. Da ich mir zur Zeit die erste Staffel von „ALIAS“ ansehe, ist mir ansonsten besonders Bradley Cooper aufgefallen, der hier eine Rolle spielen darf, in der ich gerne Ben Stiller gesehen hätte. Doch Cooper erweist sich als würdiger Ersatz und sorgt für manchen Lacher.

Ein Schwachpunkt des Films ist die Geschichte. Zu voraussehbar und ohne Überraschungen. Besonders das letzte Drittel zieht sich etwas und hätte meiner Meinung nach von kleineren Straffungen profitiert. Dass der Film trotzdem funktioniert ist den wirklich witzigen Einzelszenen (das Essen, der nächtliche Besuch etc.) und dem fantastischen Ensemble zuzuschreiben.

Sehr gut gefallen hat mir zudem der Soundtrack. Besonders der Einsatz der WEAKERTHANS in den End Credits hat den Film in meinen Augen noch einmal deutlich nach vorne gebracht.

„The Wedding Crashers“ macht Spaß – ich denke in einer Wiederholungssichtung ist vielleicht sogar noch mehr drin. Deshalb gibt es von mir vorerst einmal 7/10 Punkte.

In den Schuhen meiner Schwester – OT: In Her Shoes

Der zweite Film unseres kleinen DVD-Abends war – auf vielfachen Wunsch – ein Komödie: „In den Schuhen meiner Schwester“. Der Film war mir bisher unbekannt. Ich wusste zwar, dass es ihn gibt, habe mich aber nie sonderlich dafür interessiert, oder mich damit beschäftigt worum es eigentlich geht. Glücklicherweise hat er sich letztendlich nicht als Teenie- oder Fäkalklamotte herausgestellt, sondern als erwachsener Film, dem die Gratwanderung zwischen Humor und ernsten Tönen ausgezeichnet gelingt.

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Sowohl Toni Collette, als auch Cameron Diaz spielen das ungleiche Schwesternpaar sehr natürlich und überzeugend. Da stimmt die Chemie. Getoppt wird das ganze nur noch von einer erstaunlich fidelen Shirley MacLaine. Es ist eine Freude dem bunten Treiben zuzusehen, wenngleich der Geschichte auch etwas die Stringenz fehlt, was sich durch Längen im hinteren Mittelteil bemerkbar macht. Doch glücklicherweise schafft es Regisseur Curtis Hanson den Zuschauer mit netten Einfällen bei der Stange zu halten. Ebenso tragen die ausgefeilten und glaubwürdigen Charaktere dazu bei, dass es nicht langweilig wird. Man merkt hier einfach, dass eine ausgefeilte Romanvorlage die Basis bildet.

Mehr gibt es eigentlich auch nicht zu sagen. Der Film weiß zu unterhalten und leistet sich keine Fehler. Zudem werden typische Frauenfilmklischees vermieden, wenngleich „In den Schuhen meiner Schwester“ auch gar keinen Hehl daraus macht ein solcher zu sein. Wer eine nette Komödie für einen Abend zu zweit sucht, macht hier nichts falsch: 7/10 Punkte.

The Descent: Abgrund des Grauens (2005)

Seit Langem hatten wir gestern einmal wieder einen Video- bzw. DVD-Abend im kleinen Kreis. Zur Einstimmung gab es Neil Marshalls „The Descent“. Ich hatte große Angst, dass der Film bei der erneuten Sichtung an Wirkung einbüßt, was er auch tat – doch wenn man die Rahmenbedingungen betrachtet (Umgebungslicht viel zu hell, Sound zu leise, Abspielprobleme des DVD-Players), dann ist es doch erstaunlich wie effektiv der Film immer noch ist. Nicht zu Vergleichen mit der Erstsichtung im Kino, aber dennoch sehr gelungen, zumal mir dieses Mal andere Qualitäten aufgefallen sind.

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Seit der letzten Sichtung habe ich einen Roman gelesen, dessen Titel im Original ebenfalls „The Descent“ lautet und der ebenfalls garstige unterirdisch lebende Höhlenkreaturen zum Inhalt hat: „Im Abgrund“ von Jeff Long. Die Ähnlichkeiten sind teilweise sogar so frappierend (besonders der Anfang des Romans), dass man „The Descent“ (den Film) als Spin-Off von Jeff Longs epischer Geschichte betrachten könnte. Wer den Film mochte dürfte also durchaus auch gefallen an einer größeren Version haben, die Jeff Long spannend, aber nicht immer mit eleganter Dramaturgie, präsentiert.

Zurück zum Film: Gestern ist mir besonders der dramaturgisch spannungsfördernde Aufbau ins Auge gesprungen. Wirklich fantastisch, wie Marshall die Spannung konsequent in die Höh(l)e treibt. Dabei setzt er glücklicherweise weniger auf Effekthascherei – der er leider gegen Ende etwas erliegt – sondern auf die Beziehungen zwischen den Figuren, sowie ausgefeiltes Licht- und Sounddesign. Man steht förmlich mit in der Höhle. Die beste Szene ist für mich nach wie vor der Rundumblick im Nightvision-Modus. Eigentlich mag ich charaktergeführte Videokameras in Filmen überhaupt nicht, doch hier: Der pure Wahnsinn. Selbst meine Freundin, die Horrorfilme eher nüchtern betrachtet und sich dementsprechend schockresistent gibt, ist mir beinahe auf den Schoß gesprungen. Der letzte Teil war dann immer noch sehr spannend und effektiv inszeniert, doch leider auch nicht mehr so anders und gelungen, wie die ersten zwei Drittel des Films. Besonders die Charakterzeichnung leidet enorm. Schade, aber immer noch zwei Stufen besser, als in den meisten anderen Horrorfilm der letzten Jahre.

Zum Ende: Hat mir deutlich besser gefallen als bei der letzten Sichtung. Da ich den Verlauf schon kannte, habe ich über den gesamten Film viele kleine Hinweise zu Sarahs Geisteszustand ausmachen können. Will man ganz frei in der Interpretation sein, so könnte man die Angriffe in der Höhle durchaus als ein Produkt von Sarahs Fantasie sehen und die Höhle selbst als ihr inneres Gefängnis. Doch dazu fand ich die Geschichte viel zu straight forward erzählt. Für mich beginnt die Traumsequenz – betrachtet man auch ihre Kleidung und Ausrüstung – nach Sarahs zweiten Sturz, kurz nachdem sie Juno sich selbst überlassen hat. Eigentlich ganz simpel.

„The Descent“ konnte mich immer noch voll und ganz überzeugen und wären die Rahmenbedingungen besser gewesen, hätte der Film noch mehr gerockt. Klare 9/10 Punkte. Ob ich mir doch einmal Marshalls „Dog Soldiers“ zulegen sollte?

Be Cool

Mit „Be Cool“ habe ich gestern die Fortsetzung von „Schappt Shorty“ gesehen. Durch diverse Kritiken war ich schon vorgewarnt, dass ich dieses Mal keinen eleganten Gangsterfilm mit Stil und echter Coolness erwarten durfte. Meine Erwartunen waren dementsprechend niedrig und konnten somit auch (fast) nicht mehr entäuscht werden.

„Be Cool“ präsentiert sich tatsächlich nicht mehr als Gangsterfilm – dazu fehlt ihm eine ausgefeilte Handlung. Vielmehr steht die Parodie im Mittelpunkt. War diese Ausprägung im ersten Teil noch eher dezent und auf die Filmbranche gemünzt, muss dieses Mal das Musikbusiness dran glauben. Ich war teils wirklich sehr erstaunt, wie gut der Film als Parodie funktioniert. Figuren wie Raji (Vince Vaughn), Elliot Wilhelm (The Rock), Nick Carr (Harvey Keitel) und selbst die Truppe um Sin LaSalle (Cedric the Entertainer) sind so grenzenlos überzeichnet, dass ich teils wirklich laut lachen musste – und das obwohl (oder gerade weil) ich ansonsten überhaupt nichts mit dem ach so coolen Gangster-Hip-Hop-Getue anfangen kann. Am besten hat mir doch tatsächlich The Rock gefallen. Ein Darsteller, den ich bisher gemieden habe, wo es nur geht. Hier spielt er jedoch so sympathisch und selbstironisch, dass es eine wahre Freude ist. Wirklich klasse!

So gut diese einzelnen Szenen auch funktionieren, sie tragen jedoch kaum zur – sowieso schon fast nicht vorhandenen – Handlung bei. Die Geschichte um Chili Palmer und Edie Athens verkommt völlig zum reinen Bindeglied zwischen Gastauftritten von Größen in der Musikbranche und parodistischen Einlagen. Zwar wissen John Travolta und Uma Thurman wie (fast) immer zu überzeugen, doch können sie die mangelhafte Geschichte nicht aufwiegen – auch wenn ihre Tanzszene bei mir sehr nostalgische Gefühle geweckt hat.

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Supernervig fand ich dann die Gesangseinlagen – wiel zu lang und breitgetreten. Das schlimmste jedoch: Völlig ohne Witz inszeniert. Ich habe mich schon fast in einer Castingshow gewähnt. Der Auftritt mit AEROSMITH ist zwar ganz nett, hatte aber eher was von „Wayne’s World“ und ich fand ihn im Chili Palmer-Universum eher unpassend. Richtig übel war auch das Ende bei den MTV-Music-Awards. So zuckersüß und ernsthaft, dass es den Film in meinen Augen fast noch einmal um ein Level heruntergerissen hätte – doch die positiven Erinnerungen an Vince Vaughn und The Rock haben dann doch überwogen und den Film auf 6/10 Punkte gerettet.