Mission: Impossible (1996)

Nach einem ziemlich stressigen Tag, habe ich gestern Abend gegen 21:30 Uhr beschlossen, mir doch noch einen Film anzusehen. Leider war ich dann doch so müde, dass ich beinahe eingeschlafen bin. Dennoch habe ich durchgehalten, was nur für die Qualität von Brian De Palmas „Mission: Impossible“ spricht. Ein Film, den ich bereits etliche Male gesehen habe und der mich trotzdem jedes Mal wieder gut unterhält.

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Ich muss voraus schicken, dass ich die zugrunde liegende Serie nicht kenne und somit keine Vergleichsmöglichkeiten habe. Am ehesten erinnert mich der Agententhriller heute an J.J. Abrams Erfolgsserie „Alias“. Vielleicht hat man Abrams aufgrund des ähnlichen Sujets auch die Regie für den dritten Teil angeboten. 1996 gab es noch kein „Alias“. Auch der übertriebene Inszenierungsstil von Michael Bay war noch eher dezent („The Rock“). Insofern war „Mission: Impossible“ 1996 äußerst modern und mit unvorstellbaren Actionsequenzen gespickt. Heute dagegen wirkt der Film beinahe angenehm ruhig und klassisch inszeniert. Es ist interessant zu sehen, wie sich die Wahrnehmung im Laufe der Zeit ändert.

Die Geschichte ist für diese Art von Film angenehm komplex, wenngleich einige Logikfehler nicht vermieden werden können und der Twist sehr vorhersehbar ist. Der Höhepunkt des Films ist eindeutig die Einbruchssequenz, die spätestens durch unzählige Parodien ihren Weg in die Filmgeschichte gefunden hat. Einfach perfekt inszeniert. Der zweite Höhepunkt (Helikopter im Tunnel) wirkt dagegen schon fast plump, hat aber damals schon gezeigt, in welche Richtung sich die Actionsequenzen der höher budgetierten Filme entwickeln werden.

Die Darsteller sind alle recht solide, wenngleich es keine besonders herausragenden Leistungen zu vermerken gibt. Tom Cruise macht seine Sache gut – nicht mehr und nicht weniger. Zudem fällt auf, dass er wirklich einmal der jugendliche Sunnyboy war, den er heute mehr als zwanghaft zu verkörpern versucht.

Insgesamt ist „Mission: Impossible“ immer noch bestes Unterhaltungskino, wenngleich erste Alterungserscheinungen nicht zu verleugnen sind. Aber das macht den Film aus heutiger Sicht fast noch sympathischer. Ich bin nun gespannt, was John Woo und J.J. Abrams aus dem Stoff gemacht haben. An den ersten Teil werden sie wohl nicht herankommen: 8/10 Punkte.

Trainspotting (1996)

Es gibt Filme, bei denen lässt sich nicht eindeutig sagen, was genau ihre Faszination ausmacht. Zu diesen gehört Danny Boyles „Trainspotting“. Ein Film über kaputte Typen. Junkies. Nicht neue Helden – wie die deutsche Tagline vermuten lässt – sondern verlorene Helden. Die Adaption von Irvine Welshs Romanvorlage hatte mich bereits bei der ersten Sichtung auf ihre Seite gezogen. Weitere Sichtungen folgten und der Soundtrack hat Kultstatus erlangt. Im Englisch LK war Irvine Welshs Kurzgeschichtensammlung „Acid House“ gleichermaßen abstoßend und faszinierend. Ich war gespannt, was mir „Trainspotting“ – der inzwischen überall als Kultfilm gehandelt wird – heute noch gibt.

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Ins Auge springt sofort die Inszenierung. Schnell. Roh. Hart. Modern. Danny Boyle hat das britische Kino durch „Trainspotting“ neu definiert. Ich vermute, dass die Filme von Guy Ritchie in dieser Form nicht existieren würden, hätte Boyle nicht den Wegbereiter gespielt. Doch das Junkiedrama ist mehr. Die klassischen Themen des britischen Kinos à la Ken Loach – Arbeitslosigkeit, mangelnde Perspektiven, soziale Missstände etc. – werden hier in eine neue Generation transportiert. Der Drogenkonsum zieht sich dabei wie ein roter Faden durch den Film. Er hat auch vom Erzähler Besitz ergriffen. Auch vom Zuschauer. Man steckt tief drin in dieser selbstzentrierten und hoffnungslosen Welt eines Junkies.

Dem Film wurde häufig vorgeworfen, er würde den Drogenkonsum glorifizieren. Zu positiv darstellen. Diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Ich kenne kaum einen Film, der die Auswirkungen der Sucht abstoßender darstellt als „Trainspotting“. Natürlich hört der Zuschauer aus dem Off, wie toll es ist auf Heroin zu sein. Natürlich wird man durch die audiovisuelle Gestaltung in andere Sphären getragen. Man erlebt den Film schließlich durch die Augen von Renton. Doch genauso lebt man den kalten Entzug. Die Schmach. Die Hoffnungslosigkeit. Den Identitätsverlust. Angst. Paranoia. Tod.

Die Kunst des Films ist ja gerade, dass Drogen nicht verteufelt werden. Dass man nicht von Anfang an die negativen Auswirkungen sieht. Könnte man sich sonst mit den Figuren identifizieren? Könnte man sonst nachvollziehen, was die Faszination ausmacht? Gerade die Verbindung von abgedrehtem Humor und grausamsten Bildern, die einem das Lachen im Hals stecken lassen, ist die Stärke des Films. Dadurch werden die kaputten Charaktere sympathisch und liebenswert. Man interessiert sich für sie und bekommt die Konsequenzen ihres Handelns umso unmittelbarer zu spüren.

Danny Boyle hat mit „Trainspotting“ ein kleines Meisterwerk geschaffen. Unbequem, hart und doch unterhaltsam. Eine Gradwanderung. Für die Beteiligten und den Zuschauer. Zudem spielt Ewan McGregor hier die Rolle seines Lebens. Ganz groß. Für mich einer der stärksten Filme der 90er: 9/10 Punkte.

From Dusk Till Dawn (1996)

Es gibt viele prägende Filme in meiner persönlichen Filmgeschichte. Doch kaum ein Film hat jemals soviel Eindruck hinterlassen, wie „From Dusk Till Dawn“. Ich erinnere mich noch genau an die erste Sichtung: Nach der überschwänglichen Empfehlung eines weiter entfernt wohnenden Freundes, habe ich – zusammen mit meinem damals besten Freund – den Film irgendwie aus der winzigen örtlichen Videothek geschmuggelt. Alleine das war für unter 18jährige schon ein kleines Abenteuer. Dann die Sichtung. Wow. Wir wurden förmlich überrumpelt. Dieser Film hat uns eine völlig neue Filmwelt eröffnet. Da mein Freund älter war und kurze Zeit später völlig legal die Videothek betreten durfte, folgten in den kommenden Wochen Filme wie „Braindead“ und alles weitere, was es von Tarantino oder Rodriguez gab. Mein Interesse am etwas anderen Film war geboren.

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„From Dusk Till Dawn“ war zudem einer der wenigen Filme, die ich auf VHS besessen habe – bzw. noch besitze: Die ungeschnittene Widescreen-Version aus UK, gekauft von besagtem 18jährigen Freund im WOM. Was war ich damals stolz. In den kommenden Jahren habe ich den Film unzählige Male gesehen, bis er sich irgendwann totgelaufen hatte. Nun – etliche Jahre später – die erneute Sichtung und ich kann immer noch verstehen, was mich damals so fasziniert hat.

Auch heute noch macht die Verbindung zweier Genres auf mich einen frischen und innovativen Eindruck. Doch im Gegensatz zu den ersten Sichtungen, gefällt mir die erste Hälfte deutlich besser. Diese ist typisch Tarantino und angereichert mit abgefahrenen Dialogen und dem schwärzesten Humor. Allein der Prolog. Fantastisch. Der Film ist hier wahrlich eine Gradwanderung zwischen An- und Entspannung. Er macht Spaß, doch es schwingt stets etwas Unangenehmes mit. Ich habe hier öfters an Rob Zombies „The Devil’s Rejects“ denken müssen – eine ähnliche Atmosphäre. Ab dem Titty Twister nimmt deutlich die Handschrift von Robert Rodriquez zu. Die nun folgenden Splattereinlagen machen immer noch Spaß – zumal auch hier der für Tarantino typische schwarze Humor vorherrscht – doch sind die Abnutzungserscheinungen etwas stärker, als in der ersten Hälfte.

Nachdem der Film in meinem Freundeskreis die Runde gemacht hatte, hat die Anzahl der an Halloween im schwarzen Anzug erscheinenden Jungs deutlich zugenommen. Die Zitate sind in den täglichen Wortschatz mit eingeflossen und Darsteller wie George Clooney oder Harvey Keitel wurden als Garant für gute Unterhaltung gewertet. Von Regisseur und Autor einmal gar nicht zu sprechen. Der Soundtrack wurde auf Parties rauf und runtergespielt und selbst heute höre ich ihn noch gerne. „From Dusk Till Dawn“ war ein Phänomen.

Nachdem ich nun unzählige Filme mehr gesehen habe, kann ich nur sagen, dass ich nach all den Jahren „From Dusk Till Dawn“ auch heute noch in mein Buch der coolen Filme aufnehmen würde: 9/10 Punkte.

Chungking Express – OT: Chung hing sam lam (1996)

Wie bereits in einem vorhergehenden Eintrag erwähnt, werde ich mit dem asiatischen Kino nicht sonderlich warm. Eine Ausnahme stellen die Filme von Wong Kar-Wai dar, so auch „Chungking Express“. Entdeckt habe ich seine Filme während meiner Zivildienstzeit. Da ich häufig von 13:30 bis 22:00 Uhr Dienst hatte, habe ich danach oft noch die dritten Programme nach unbekannten Filmperlen durchforstet. In der Beschreibung der TV-Zeitschrift hat mich damals am meisten die Betitelung von „Chungking Express“ als ein Lieblingsfilm Quentin Tarantinos gereizt. Ein Lob, das ich durchaus nachvollziehen kann.

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Wong Kar-Wai erzählt in seinem wohl populärsten Film zwei Geschichten über ungewöhnliche Begegnungen. Über unerfüllte Sehnsüchte. Über Liebe. Seine Figuren durchstreifen die neon erleuchteten Nächte Hongkongs auf der Suche nach Nähe und Zuneigung. Und manchmal auch nach einer Dose Ananas mit dem Verfallsdatum 01. Mai 1994. Dem Tag des 25. Geburtstags von Polizist 223 und dem Tag, an dem auch das Haltbarkeitsdatum seiner Liebe zu seiner Freundin May abgelaufen ist, die sich einen Monat zuvor von ihm getrennt hat. Solche Themen herrschen in Wong Kar-Wais Universum vor. Erzählt werden die Geschichten jeweils durch die handelnden Personen selbst. Hier wird die Melancholie fast schon greifbar und es entsteht eine Atmosphäre, die man nur in Kar-Wais Filmen findet.

Es ist diese Atmosphäre, die seine Filme so besonders machen. Man kann sie nicht beschreiben. Man muss sie selbst fühlen. Zudem gibt es unzählige von kleinen Szenen, die „Chungking Express“ so unvergesslich machen. Wer kann nach diesem Film schon CALIFORNIA DREAMING hören, ohne an die im Schnellimbiss tanzende Faye Wong zu denken? Mein absoluter Magic Moment ist jedoch der Übergang zwischen den beiden Episoden. Wunderschön.

Was mir nicht so gefallen hat, ist der Sideplot um die Drogenschmugglerin. Zwar waren diese Szenen auch sehr interessant inszeniert und haben den Rhythmus des Films noch einmal beschleunigt, doch kommen sie mir immer etwas vor wie Fremdkörper. Zudem hat das Ende der zweiten Geschichte meiner Meinung nach zu sehr auf Melancholie gesetzt. Aber das ist auch so ziemlich die einzige Szene, die in diesem Film zu gewollt erscheint.

Insgesamt ist „Chungking Express“ wirklich ein fantastischer Film. Mir gefällt jedoch Wong Kar-Wais direkter Nachfolger „Fallen Angels“ noch eine Spur besser. Jeder, der sich auch nur etwas im Arthouse-Kino zu Hause fühlt und Geschichten über Menschen und ihre Beziehungen zueinander liebt, sollte „Chungking Express“ eine Chance geben: 8/10 Punkte.

The Gingko Bed – OT: Eunhaengnamoo chimdae

Ich werde mit dem asiatischen Kino einfach nicht warm. Nicht weil die Filme schlecht wären, sondern eher weil ich selten den Mut oder die Geduld aufbringe mich dieser oft so fremden Welt zu öffnen. Meinen aktuellsten Vorstoß habe ich mit „The Gingko Bed“ gewagt, was sich durchaus gelohnt hat.

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In seinen schwächsten Momenten erinnert mich der Film etwas an eine asiatische Mischung aus „Highlander“ und „Terminator“. Wenn der finster dreinblickende Bösewicht sich durch Nichts aufhalten lässt und mit überholten Effekten durch das falsche Jahrhundert poltert, dann werden solche Assoziationen einfach wach. Glücklicherweise verlässt der Film diese Schiene bald und stattet seine Figuren mit einer gesunden Portion Tiefe aus. Die Charaktere werden sogar so greifbar, dass man bereit ist ihnen auf eine wilde Reise durch die Zeit zu folgen und ihnen so manch – zumindest für westliche Zuschauer – recht seltsam anmutende Handlung abkauft.

Wirklich erstaunt hat mich hier die – sowohl visuelle, als auch narrative – Stärke der tragischen Liebesgeschichte. Diese ist mir doch ungewohnt nahe gegangen. Leider werden hier viele Momente durch das Auftauchen des – zumindest in der Gegenwart – recht polternd auftretenden Bösewichts verschenkt, der allerdings ziemlich gut in das Liebesgeflecht mit eingesponnen wird. Total verschenkt wird meiner Meinung nach aber die Figur der Ärztin, die immer mehr zum Mittel zum Zweck verkommt und ihre anfangs noch starken Charakterzüge immer lächerlicheren Handlungen opfert.

„The Gingko Bed“ erzählt trotz aller Schwächen eine wirklich wunderschöne und fast schon epische Liebesgeschichte, die gekonnt von einem erzählerischen Rahmen zusammengehalten wird. Wieder einmal ein guter asiatischer Film, bei dem ich mir jedoch viele Folgesichtungen nicht wirklich vorstellen kann: 6/10 Punkte.