Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia – OT: The Chronicles of Narnia: Prince Caspian (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“ am 16. Dezember 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend haben wir in gemütlicher Runde den zweiten Teil der C. S. Lewis-Saga „Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“ gesehen. Nach der verpassten Kinosichtung war ich wirklich sehr gespannt auf den Film zumal man überall lesen konnte, dass die Fortführung der Geschichte dem Vorgänger doch deutlich überlegen sein soll.

Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia (2008) | © Walt Disney

Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia (2008) | © Walt Disney

Mit der Verfilmung des ersten Buches „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“ verbinde ich stets eine heimelige Winteratmosphäre und das magische Gefühl des Aufbruchs in eine neue Welt. Ansonsten war mir der Film über weite Strecken zu unausgewogen und teils auch zu absurd – ich denke hier z.B. an den Weihnachtsmann mit seinen Waffen. Dennoch hatte mich der Film sehr gut unterhalten und die Vorfreude auf eine Rückkehr nach Narnia ist in der Zwischenzeit enorm gewachsen. Konnte die Fortsetzung nun die an sie gestellten Erwartungen erfüllen?

Eindeutig ja. Die Geschichte wirkt knackiger, die Figuren fühlen sich ausgearbeiteter an – was wohl auch daran liegt, dass man als Zuschauer nun ihren Hintergrund kennt – und die Inszenierung ist um einiges handfester. Ich war wirklich hocherfreut, wie gut der Film von Beginn an für mich funktioniert hat. Bereits die Einführung ins neue Herrschaftssystem von Narnia hat mir sehr gut gefallen. Düstere Bilder. Eine mitreißende Flucht. Zwerge. Was will man mehr?

Die Rückkehr der Geschwister wird anschließend ebenso wunderbar visualisiert und man bekommt mit der Ankunft in Narnia noch so einige optische Leckerbissen serviert. Natürlich dürfen auch die sprechenden Tiere wieder nicht fehlen, die den Niedlichkeitsfaktor doch extrem auf ihrer Seite haben – und diesen auch gekonnt ausreizen. Macht Spaß und passt zu dieser Welt.

Im weiteren Verlauf kann auch die Handlung überzeugen. Mein persönliches Highlight war die kurzzeitig drohende Auferstehung der Weißen Hexe. Sehr atmosphärisch und eine schöne Brücke zum ersten Teil. Leider jedoch versinkt der Film gegen Ende etwas im eigenen Schlachtengetümmel. Die Kämpfe dauern einfach zu lang und wirken im Vergleich zu „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ einfach schwach und zu sehr auf ein junges Publikum zugeschnitten. Als dann noch die Bäume aufwachen und der reißende Fluss die feindlichen Reiter verschlingt, musste ich öfter an eine dreiste Kopie denken, was man dem Film natürlich aufgrund der Vorlage nicht anlasten sollte. Dennoch hat es mich doch sehr gestört. Ebenso wie Aslans Auftauchen in letzter Sekunde. So bleibt am Ende leider ein etwas schaler Beigeschmack.

Fazit

„Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“ ist über weite Strecken ein famoses Fantasyspektakel, welches seinen Vorgänger in beinahe allen Belangen zu übertrumpfen vermag. Leider bricht die Handlung gegen Ende enorm ein und weist in Bezug auf das Genre vermehrt störende Redundanzen auf. Insgesamt eine Steigerung, aber kein wirklich großer Schritt nach vorne. Auf einen dritten Teil freue ich mich nun dennoch: 7/10 Punkte.

Tintenherz – OT: Inkheart (2008)

Als großer Freund von Cornelia Funkes Fantasytrilogie – die Romane „Tintenherz“, „Tintenblut“ und „Tintentod“ umspannend – war ich hocherfreut, als ich von einer Verfilmung las. Iain Softley sollte sich der Geschichte annehmen, welcher sein Können bereits mit dem wunderbaren Sci-Fi-Drama „K-PAX“ unter Beweis stellen konnte. Als ich dann noch las, dass sich Frau Funke ein Mitspracherecht bei der Adaption ihres „Tintenherz“ gesichert hat, dachte ich es könne nichts mehr schief gehen. Dann wurde der Kinostart in den letzten zwei Jahren immer wieder verschoben – was nie ein gutes Zeichen ist – und der finale Trailer sah mir zu sehr nach Effektspektakel aus. Konnte die Verfilmung die Magie der Vorlage nun in irgendeiner Form auf die Leinwand bannen?

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Jein. Mit Tendenz zum Nein. Leider. Bereits in den ersten Minuten dachte ich einem schlechten Scherz beizuwohnen. Da wird doch tatsächlich das große Geheimnis, diese magische Eigenschaft des Vorlesens in einem billigen Epilog völlig entzaubert. Zack. Es gibt Zauberzungen, die Figuren aus Büchern herauslesen können. Zack. Hier bitte. Friss oder stirb. Im nächsten Moment befinden wir uns mit Mo und Meggie – den beiden Hauptfiguren – auf einem schön gestalteten Buchmarkt und prompt stolpert ihnen Staubfinger vor die Füße. Zack. Damit wurde eine meiner Lieblingsszenen der Vorlage entzaubert. Wie Staubfinger als düstere Gestalt im Regen vor dem Haus der Folcharts steht. Einfach in eine plumpe Begegnung gewandelt. Hier hatte ich bereits alle Hoffnung aufgegeben.

Glücklicherweise sind die Figuren recht gut getroffen. Besonders die Besetzung kann überzeugen. Brendan Fraser gibt einen wunderbaren Mo, der tatsächlich dem Buch entsprungen sein könnte. Auch Paul Bettany als Staubfinger gefällt, ebenso Hellen Mirren als Tante Elinor und Jim Broadbents Fenoglio ist herrlich kauzig. Selbst Andy Serkis hat als Capricorn seine Momente, wenngleich ich bei seiner Performance öfter mal an Gollum denken musste. Einzig Meggie und Farid fand ich zu alt gewählt. So hätte ich mir beide Figuren vielleicht am Ende von „Tintentod“ vorgestellt. Aber nun gut, das mag Interpretationssache sein.

Neben den Figuren können auch die Locations überzeugen. Capricorns Dorf ist sehr atmosphärisch und auch Elinors Anwesen atmet den Staub ihrer Bücher. Nach dem unverzeihlichen Einstieg in die Geschichte konnte ich teils sogar die Vorlage vergessen und mich völlig auf den Film einlassen. Der Mittelteil ist auch der brauchbarste der Umsetzung, wenngleich ich die Flucht unserer Helden durch die italienische Berglandschaft schwerlich vermisst hatte. Hier fehlen viele charakterbildende Momente und wenn ich denke, dass diese nur schnöden Actionszenen gewichen sind frage ich mich tatsächlich, wo denn Frau Funke bei solchen Entscheidungen war.

Das Finale ist zwar optisch imposant, jedoch gibt es auch hier unzählige grobschlächtige Änderungen, die es nicht benötigt hätte. Ich kann natürlich nachvollziehen, dass man dem Film einen anständigen Abschluss spendieren wollte, doch muss dieser so aufgesetzt und der Vorlage völlig entrückt wirken? Wirklich schade, dass besonders die wichtigen ersten und letzten Eindrücke so vermasselt wurden.

Für neue, unbefangene Besucher der Tintenwelt bietet „Tintenherz“ wohl einen gelungenen Ausflug in die Welt der Bücher und Zauberzungen. Es sind auch alle wichtigen Eckpfeiler der Geschichte vorhanden. Doch das, was die Magie ausmachte – die Charaktere und ihre vielschichtigen Beziehungen zueinander – bleibt auf der Strecke. So hatte ich bei der gestrigen Sichtung zwar durchaus meinen Spaß, doch musste ich zu oft an die verschenkten Chancen denken. Letztendlich bleibt ein durchschnittlicher Fantasyfilm, den ich stets mit Wehmut betrachten werde: 5/10 Punkte.

Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs – Special Extended Edition – OT: The Lord of the Rings: The Return of the King (2003)

Aktualisierung: Ich habe „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ am 28. Dezember 2016 und am 4. Januar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Jedes Mal wenn sich mein Besuch in Mittelerde mit „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ dem Ende neigt, werde ich ein wenig wehmütig. In den letzten Minuten denke ich als Zuschauer an das Miterlebte zurück, als wären es meine eigenen Abenteuer gewesen. Gibt es ein schöneres Kompliment für einen Film?

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Der finale Teil der Trilogie gewinnt wohl am meisten von den erweiterten Szenen der Special Extended Edition. Damals im Kino war ich zwar auch überwältigt, doch konnte sich die gesamte emotionale Kraft dieses Meisterwerks erst bei den späteren Sichtungen der Langfassung entfalten. Tolkiens Welt lässt mich auch nach deren Verlassen nur ungern wieder ziehen. Lange klammern sich meine Gedanken noch an Frodo und Sam, Merry und Pippin, Gandalf und die weiteren Gefährten dieser epischen Reise. Es entsteht ein Gefühl der  Verbundenheit mit den Figuren, welches wahrlich nur bei ganz besonderen Filmen – oder Geschichten im Allgemeinen – aufkeimt.

Die in „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“ begonnenen Handlungsstränge verdichten sich in diesem letzten Kapitel der Geschichte. Es ergeben sich neue Figurenkonstellationen, bei denen besonders die Trennung von Merry und Pippin das Potential der beiden Hobbits völlig neu zu definieren weiß. Im weiteren Verlauf der Handlung wandelt sich insbesondere Aragorn, der den Waldläufer immer mehr hinter sich lässt und zum König der Menschen aufsteigt.

Neben der grandios inszenierten Schlacht um Minas Tirith – bei der wirklich alle Register gezogen werden – sticht natürlich besonders der letzte Abschnitt von Frodos persönlichem Leidensweg hervor. Absolut fantastisch. Frodo und Sam gegen den Rest der Welt – und vor allem gegen die Versuchung des Rings. Die letzten Sekunden mit dem Ring werden schließlich Gollum geschenkt, was der Kreatur eine seltsame Poesie verleiht und ihr absolut gerecht wird.

Die viel bescholtene letzte halbe Stunde ist für mich schließlich das Highlight der Trilogie. Besonders die Szenen an den Grauen Anfurten berühren mich doch jedes Mal aufs neue. Ich kann gar nicht verstehen, was man an diesem Epilog zu langatmig finden mag. Man kann eine solch epische Geschichte – immerhin über zehn Stunden Laufzeit – doch nicht mit einem fünfminütigem Ende abspeisen. Für mich der perfekte Abschluss eines nahezu perfekten Films.

„Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ schließt meine Lieblingstrilogie auf wunderbare Weise ab. Episches, bildgewaltiges Kino. Hier wird wahrlich der perfekte Eskapismus geboten und ich freue mich jetzt schon wieder auf meine Rückkehr nach Mittelerde – sei durch die Verfilmung von „Der Hobbit“, durch eine weitere Sichtung der Trilogie oder durch das Anpacken von J. R. R. Toliens Romanvorlage. Mittelerde wird stets zu meinen bevorzugten Reisezielen gehören: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Pippin: ‚I didn’t think it would end this way.‘
Gandalf: ‚End? No, the journey doesn’t end here. Death is just another path… One that we all must take. The grey rain-curtain of this world rolls back, and all turns to silver glass… And then you see it.‘
Pippin: ‚What? Gandalf?… See what?‘
Gandalf: ‚White shores… and beyond, a far green country under a swift sunrise.‘
Pippin: ‚Well, that isn’t so bad.‘
Gandalf: ‚No… No it isn’t.‘

Der Herr der Ringe: Die zwei Türme – Special Extended Edition – OT: The Lord of the Rings: The Two Towers (2002)

Aktualisierung: Ich habe „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“ am 27. Dezember 2016 und am 1. Januar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Damals im Kino konnte mich Peter Jacksons „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“ nicht so sehr begeistern, wie sein direkter Vorgänger. Kein Wunder, hatte dieser für mich das Fantasygenre auch komplett neu definiert. Doch inzwischen ist der Mittelteil der Geschichte mit jeder Sichtung des Special Extended Edition stetig gewachsen und fügt sich qualitativ nahtlos in die Trilogie ein.

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Hat „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ noch eine eher persönliche Fantasygeschichte erzählt und konnte man das epische Ausmaß nur erahnen, so erweitert „Die zwei Türme“ Tolkiens Mittelerde um gewichtige Persönlichkeiten und ihr Reich. Die politische und strategische Bedeutung von Rohan und Gondor rückt immer mehr in den Fokus des Geschehens. Man merkt, wie viele Menschen tatsächlich an das Schicksal des Rings gebunden sind. Hier geht es um mehr, als nur die Waffe des Feindes – hier geht es um den Feind selbst.

Neben der Verdeutlichung des Schicksals von Mittelerde steht jedoch immer noch die persönliche Reise eines kleinen Hobbits im Vordergrund. Frodo und Sam treffen auf Gollum und müssen sich nicht nur mit den Widrigkeiten ihrer Aufgabe, sondern vor allem mit sich selbst und ihrer Bürde auseinandersetzen. Damals wie heute ist es für mich unglaublich, wie lebensecht die Darstellung Gollums gelungen ist. Ein vollwertiger Charakter. Menschlich. Perfekt zu sehen in der grandiosen Visualisierung seiner Schizophrenie. Ein Meilenstein für das digitale Kino.

Der dritte Handlungsstrang begleitet Merry und Pippin bei ihrer Reise nach Isengard. Hier steht vor allem die Ökobotschaft im Vordergrund, die ein beständiges Thema in Tolkiens Trilogie ist. Personifizierte Bäume zerstören die Quelle der Industrialisierung bzw. der Rüstungsindustrie und erobern ihr Land zurück. So flach sich dies in der reinen Beschreibung anhören mag, so visuell beeindruckend ist diese ungewöhnliche Schlacht jedoch. Zudem mag ich die ruhigen Szenen zwischen Baumbart und den beiden Hobbits.

Durch die drei parallel erzählten Handlungsstränge wird die Geschichte nie langweilig. Wohldosierte Höhepunkte zeugen zudem von einem guten Gespür für Timing, was der Romanvorlage durch ihre starre  Erzählstruktur zu großen Teilen leider abgeht. Irgendwann werde ich mich dennoch noch einmal daran wagen, denn trotz der enormen Laufzeit konnten im Film bestimmt nicht alle erzählenswerten Geschehnisse der Geschichte wiedergegeben werden.

„Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“ leidet für mich heute kaum noch daran der Mitteilteil einer Trilogie zu sein. Die Geschichte wirkt absolut rund und ich habe mich wirklich zu keiner Sekunde gelangweilt. Die Vorfreude auf den dritten Teil ist zudem noch weiter angewachsen. Ein wahrlich fantastischer Film: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Sam: ‚Those were the stories that stayed with you. That meant something, even if you were too small to understand why. But I think, Mr. Frodo, I do understand. I know now. Folk in those stories had lots of chances of turning back, only they didn’t. They kept going. Because they were holding on to something.‘

Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Special Extended Edition – OT: The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring (2001)

Aktualisierung: Ich habe „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ am 16. Dezember 2016 und am 29. Dezember 2023 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Peter Jacksons monumentale Verfilmung von J. R. R. Tolkiens Fantasyklassiker „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ ist ohne Zweifel der Film des neuen Jahrtausends, den ich bisher am häufigsten gesehen habe. Neben zwei Kinobesuchen war die gestrige Sichtung auch schon die fünfte der Special Extended Edition. Stets in der Weihnachtszeit. Stets ein persönliches Highlight. Stets ein Event.

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Ich erinnere mich noch gut an die Vorfreude auf den Kinostart des Films. Als bekennender Peter Jackson-Fan hatte ich damals jeden winzigen Schnipsel an Information verschlungen. Das Internet wurde von mir beständig nach neuen Fotos durchforstet und der erste Trailer hat mich sprachlos zurückgelassen – das alles wohlgemerkt noch ohne DSL. Inzwischen sind drei Jahre seit der letzten Sichtung vergangen. Die Weihnachtszeit war stets zu überfüllt und ich hatte nicht genug Ruhe in mir, um mich völlig auf den Film einzulassen. Auch gestern hat mich die Arbeit unterbewusst noch viel zu sehr beschäftigt, doch schon bald hat die filmische Magie wieder zu wirken begonnen.

J. R. R. Tolkiens Romanvorlage ist mir zu diesem ersten Teil der Saga noch vertraut. Dennoch kann ich ihr nicht diesen beinahe schon unfehlbaren Kultstatus zusprechen, den ihr die meisten Fans einräumen. Ich bin auch nie über die erste Hälfte von „Die zwei Türme“ hinausgekommen, war mir Tolkiens Erzählweise doch oft zu weitschweifig und unfokussiert. „Der Hobbit“ zählt dagegen zu meinen Lieblingsbüchern. Insofern halte ich Peter Jacksons entschlackte Adaption der Geschichte für mehr als nur gelungen. Hier stimmt für mich von Tempo über Atmosphäre bis hin zu Casting und Score einfach alles. Man merkt, dass hier ein Fan der Vorlage am Werk war. Ein Fan, der das Medium Film versteht und somit beiden Erzählformen Tribut zollen kann.

Im Gesamtkontext war „Die Gefährten“ lange mein liebster Teil der Trilogie. Ich liebe die idyllische Darstellung des Auenlandes. Die Flucht vor den Ringgeistern. Das magische Bruchtal. Die Minen von Moria gehören auch heute noch zu meinen Lieblingsschauplätzen. Howard Shores THE BREAKING OF THE FELLOWSHIP ist mein Lieblingsstück aus dem gesamten Score. Unzählige magische Momente. Dennoch hat für mich mit den letzten Sichtungen besonders „Die zwei Türme“ an Qualität gewonnen, was dem ersten Teil der Trilogie seinen Status als herausragende Exposition jedoch nicht nimmt.

Für mich ist Peter Jacksons „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ immer noch der Archetyp eines Fantasyfilms. Zusammen mit seinen beiden Nachfolgern erreicht er einen Status in seinem Genre, welcher ihm noch in 10 Jahren zugesprochen werden wird. Für mich die perfekte Kinomagie: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Gandalf: ‚All we have to decide is what to do with the time that is given to us.‘

Die Legende von Beowulf – Director’s Cut

Als ich von Robert Zemeckis Verfilmung von „Die Legende von Beowulf“ hörte, war ich einerseits angetan und andererseits abgeschreckt. Nach „Der Polarexpress“ also erneut ein Film, der komplett auf die Performance-Capture-Technik setzt. Dennoch hatte ich mir vorgenommen den Film im Kino (IMAX 3D) zu sehen, was mir leider durch akuten Zeitmangel jedoch nicht gelang.

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Nun habe ich nach langem Zögern doch noch zur DVD gegriffen, die – nach dem Wegfallen des 3D-Erlebnisses – wenigstens den Director’s Cut enthält. Von der Handlung her hatte mich der Film noch nie so richtig interessiert und nach dem eher flachen „Der Polarexpress“ hatte ich in dieser Hinsicht auch nicht sonderlich viel erwartet. Umso überraschter war ich folglich, dass es neben den auf 3D getrimmten Actionsequenzen auch einige ruhige Szenen gab und der Geschichte doch eine tragische Düsternis innewohnte. Insofern konnte mich der Film inhaltlich schon einmal überzeugen.

Die technische Seite ist natürlich wieder ein ganz anderes Kapitel. Seit der 2004er Weihnachtsgeschichte hat sich die Technik noch einmal extrem weiterentwickelt. In manchen Szenen kann man wirklich nicht mehr sagen, ob man eine Animation oder reale Aufnahmen vor sich hat. Unglaublich beeindruckend. Dennoch ist die Gradwanderung zwischen Realismus und Animation immer noch nicht wirklich so perfekt, als dass man von ihr nicht abgelenkt würde. Besonders Handbewegungen und die Ganzkörperanimation in den Totalen wecken Erinnerungen an die Cartooncharaktere aus „Shrek“ und nehmen demnach einen großen Teil der wirklich gelungenen Atmosphäre.

Doch trotz technischer Mängel ist der Film weit mehr als eine beeindruckende Technikdemo: Die Figuren besitzen wirklich Leben und besonders die Actionszenen sind unglaublich beeindruckend! Der erste Angriff von Grendel muss in der IMAX 3D-Version wirklich atemberaubend gewesen sein. Man sieht hier auf jeden Fall gut, in welche Richtung sich das digitale Kino mit großen Schritten bewegt. Faszinierend und erschreckend zugleich.

Ich kann den Film jedem Technikfreak, der etwas für blutrünstiges Fantasykino übrig hat nur empfehlen. Man darf kein Meisterwerk erwarten, doch der Film ist weit besser als sein Ruf: 7/10 Punkte.

The Color of Magic: Die Farben der Magie & Das Licht der Phantasie (2008)

Als wohl letzten Film meiner filmreichen Urlaubswoche habe ich mir gestern Abend „The Color of Magic“ nach den beiden Terry Pratchett-Romanen „Die Farben der Magie“ und „Das Licht der Phantasie“ angesehen. Im Gegensatz zur Verfilmung von „Hogfather“ kenne ich dieses Mal die Vorlage, wenngleich ich zugeben muss, dass ich mich nicht mehr an allzu viel erinnern konnte.

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Auf der Scheibenwelt ist er wohl meine Lieblingsfigur. Die Rede ist von Rincewind, dem glücklosen Zauberer. Nicht nur habe ich die Scheibenweltromane, in denen er eine tragende Rolle spielt, regelrecht verschlungen – ich habe ihm auch schon bei zwei Abenteuern zur Seite gestanden: „Discworld“ und „Discworld II: Missing Presumed…!?“ gehörten damals zu meinen Lieblingsadventures und haben meine Vorstellung von Rincewind maßgebend geprägt. Insofern war es anfangs schwierig sich den doch schon etwas in die Jahre gekommenen David Jason in der Rolle des chaotischen Rincewind vorzustellen.

Die Wahl Sean Astins für die Rolle von Twoflower hat mir dagegen sofort zugesagt. So und nicht anders habe ich mir den ersten Touristen der Scheibenwelt stets vorgestellt. Ebenso wunderbar wurde Zweiblums Truhe in Szene gesetzt. Da habe ich mich sofort heimisch gefühlt. Einfach wunderbar! Mit der Zeit ist mir auch David Jasons Interpretation von Rincewind ans Herz gewachsen und als dann noch Cohen der Barbar aufgetaucht ist, war ich endlich komplett auf der Scheibenwelt angekommen.

Wie bereits erwähnt, kann ich mich an die Vorlage nicht mehr sonderlich gut erinnern und demnach nur schwerlich eine Aussage in Bezug auf die Qualität der Adaption treffen. Für sich genommen funktioniert der Film allerdings tadellos. Trotz seiner Lauflänge von gut 3 Stunden erscheint er teils vielleicht etwas gehetzt, aber dennoch gibt es genug Zeit für satirische Spitzen und liebenswerte Details – ich denke hier allein an den Picture Imp oder den Bibliothekar.

Etwas zu knabbern hat der Film an seinem begrenzten TV-Film-Budget, welches die Effektszenen (Drachen, Troll usw.) leider etwas billig erscheinen lässt. Darüber kann man allerdings wirklich hinwegsehen, denn der Rest des Films ist absolut stimmig inszeniert und man kann die Achtung vor der Vorlage in jeder Szene spüren. Ich würde mir wirklich weitere Verfilmungen wünschen. Gibt es diesbezüglich schon irgendwelche Informationen?

„The Color of Magic“ ist wohl der wahrgewordene Traum aller Scheibenwelt-Reisenden. Endlich kann man Rincewinds Abenteuer auch in Bewegtbildern verfolgen. Mich hat die Verfilmung noch weit mehr begeistert, als dies bereits „Hogfather“ konnte. Also macht es wie Twoflower und begebt euch nach Ankh-Morpork! Ihr werdet es nicht bereuen: 9/10 Punkte.

Krabat (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Krabat“ am 10. Dezember 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern habe ich nach einer langen Zeit des Wartens endlich die Realverfilmung von Otfried Preußlers Meisterwerk „Krabat“ gesehen. Den Roman hatte ich als Heranwachsender verschlungen und bis heute stellt das Werk für mich immer noch eines der spannendsten, atmosphärischsten und faszinierendsten Werke der Fantasyliteratur dar. Kann der Film der Vorlage gerecht werden?

Krabat (2008) | © 20th Century Fox

Krabat (2008) | © 20th Century Fox

Glücklicherweise ja. Zumindest über weite Strecken. Die Geschichte wurde – bis auf übliche Straffungen und kleinere Änderungen – nahezu 1:1 übernommen. Insofern gibt es hier weder positive, noch sonderlich negative Überraschungen. Als ich zum ersten Mal die Mühle sah, ist mir ein mittelgroßer Stein vom Herzen gefallen: So und nicht anders muss das Zentrum der schwarzen Magie im Koselbruch aussehen. Wirklich ein bis ins Detail gelungenes Setdesign. Auch die Umgebung rund um Schwarzkollm ist fantastisch getroffen. Ebenso wie die restliche Ausstattung samt Kostümen und Effekten. Alles wirklich wunderbar gelungen.

Meine größten Probleme hatte ich leider mit David Cross, dem Darsteller der Hauptfigur. Dieser besaß für mich einfach zu wenig Charisma und Spielkraft, um mich wirklich überzeugen zu können. Besonders als erfahrenerer Lehrling hat er auf mich immer noch viel zu sehr wie ein Milchbubi gewirkt. Vielleicht ist die Figur des Krabat aus meiner eigenen Fantasie aber auch nur noch viel zu stark vertreten. So oder so, hätte ich mir hier einen kraftvolleren Schauspieler gewünscht. Die Besetzung der anderen Rollen geht für mich voll in Ordnung. Einzig Robert Stadlober bleibt etwas blass. Ausgezeichnet hat mir Christian Redl als düsterer Meister gefallen. Eine abolut treffende Interpretation.

Wenn ich schon beim Kritisieren bin: Die Schlachtszene war für mich mehr als nur unnötig und zudem nervig montiert. Kurze Shuttergeschwindigkeiten sind ja immer noch Mode, doch hier hat man es wahrlich etwas übertrieben. Action, nur um der Action willen. Auch dass man den Herrn Gevatter unbedingt zeigen musste – und dafür den Imperator der „Star Wars“-Reihe als Gaststar eingeladen hat – war absolut unnötig. Aber nun gut. Zugeständnisse an das junge Publikum haben sich wohl auch bei dieser ansonsten recht werktreuen Adaption nicht vermeiden lassen. Anders lässt sich auch der abscheuliche Song während des Abspanns nicht erklären, der im krassen Gegensatz zum ansonsten sehr gelungenen Score steht.

Insgesamt bin ich aber wirklich zufrieden mit Marco Kreuzpaintners Inszenierung. In ihrer Gesamtheit erinnert sie mich etwas an die Verfilmung von Patrick Süskinds „Das Parfüm“ – damals bin ich mit einem ähnlichen Gefühl aus dem Kino gekommen. Insgesamt halte ich „Krabat“ wohl aber noch für einen Tick gelungener und beliebte Aussagen wie ‚Nun hat Deutschland auch einen Harry Potter!‘ sind für mich absolut irreführend und zeugen von der Unkenntnis sogenannter Kritiker.

Freunden des Romans sei ein Kinobesuch dringend ans Herz gelegt. Allen anderen rate ich dazu zuerst das Buch zu lesen. Die Wirkung des geschriebenen Wortes ist ungleich mächtiger und die Geschichte wird euch verzaubern – besonders an düsteren Herbstabenden. Danach steht einem Kinobesuch aber nichts im Wege: 7/10 Punkte.

Hogfather (Schweinsgalopp) (2006)

Die gestrige Sichtung von Terry Pratchetts „Hogfather“ (deutscher Titel: „Schweinsgalopp“) war für mich wie ein Trip in die Vergangenheit. Früher habe ich die Scheibenweltromane regelrecht verschlungen. Ich kannte jede Gasse in Ankh-Morpork, war Mitglied in jeder Gilde und bin in der Unsichtbaren Universität ein- und ausmarschiert, wie es mir gerade beliebte. In den letzten Jahren hatte ich dagegen kaum mehr Kontakt zu den skurrilen Figuren und die Erinnerungen an sie begannen zu verblassen – bis gestern Abend.

Als ich von der Realverfilmung des mir unbekannten Scheibenweltromans hörte, war ich einerseits begeistert, andererseits auch skeptisch. Konnte das funktionieren? Als TV-Zweiteiler? Die DVD steht schon seit ca. einem Jahr ungesehen in meinem Regal und gestern habe ich mich nun endlich an die Sichtung gewagt: Bereits die ersten paar Minuten haben so viele Erinnerungen zurückgebracht. Es ist fantastisch! Da sehe ich doch tatsächlich Groß A’Tuin majestätisch durchs All gleiten. Fliege auf Ankh-Morpork zu. Besuche die Unsichtbare Universität und höre Gevatter Tod in Großbuchstaben reden. Welche Freude!

Ich bin wirklich schwer begeistert, mit wie viel Liebe man die Atmosphäre der Scheibenwelt auf Film gebannt hat. Sicher sieht man dem Film an, dass er kein Budget von etlichen Millionen zur Verfügung hatte – doch hätte das vermutlich auch gar nicht zur Scheibenwelt gepasst. Die Liebe steckt hier wirklich im Detail und mein Herz hat jedesmal einen kleinen Hüpfer gemacht, wenn eine mir bekannte Figur aufgetreten ist oder ein mir bekannter Ort besucht wurde. Der Auftritt von Terry Pratchett als Schlussgag hat mir dann letztendlich bestätigt, dass die Adaption auch im Sinne des Autors ist.

Nun zur Geschichte: Diese ist – typisch für die Scheibenwelt – wieder einmal sehr abgefahren und recht komplex. Ich fand es teils schwierig und auch etwas ermüdend den absurden Erklärungen zu lauschen, die sich auf dem Papier so locker lesen. Besonders im zweiten Teil wird die Handlung im Schloss der Zahnfee etwas zu stark breitgetreten. Auch waren einige Szenen für mich zu ernst inszeniert und der absurde Humor der Scheibenwelt kam mir etwas zu kurz. Aber das sind alles keine wirklich schwerwiegenden Mängel. Ganz im Gegensatz zu deutschen Übersetzung, die im direkten Vergleich zum Original wirklich zum schlechtesten gehört, das ich jemals hören musste. Sinnverfälschend und einfach nur dumm. Ich kann jedem nur raten: Schaut den Film mit englischer Tonspur!

Insgesamt stellt „Hogfather“ einen wunderbaren Ausflug auf die Scheibenwelt dar. Wie gut die Geschichte selbst adaptiert ist, kann ich mangels Kenntnis der Vorlage leider nicht beurteilen. Dies wird mir – so mich mein Gedächtnis nicht schon im Stich gelassen hat – allerdings bei der Verfilmung von „The Color of Magic“ gelingen, auf die ich mich schon sehr freue! Rincewind ist sowieso immer noch eine meiner liebsten Scheibenweltfiguren. Hat wirklich Spaß gemacht: 8/10 Punkte.

Der Goldene Kompass – OT: The Golden Compass (2007) (WS1)

Gestern verspürte ich den dringenden Wunsch in das von Philip Pullman erschaffene Universum zurückzukehren. Mit Lyra über die Dächer von Jordan College zu streichen. Die Gypter zu besuchen. Panzerbären zu sehen. Die Sichtung von „Der Goldene Kompass“ war folglich die logische Konsequenz – auch wenn ich mir des bitteren Beigeschmacks von Beginn an bewusst war.

Im Gegensatz zu meiner ersten Sichtung – damals noch ohne Kenntnis der Vorlage – habe ich dieses Mal bemerkt, wie viele unscheinbare (und doch wichtige) Details die Macher des Films in das neue Medium übertragen haben. Man sieht deutlich, dass mit Regisseur Chris Weitz ein Kenner und Liebhaber der Vorlage am Werk war. In der Darstellung von Lyras Welt kann ich wirklich keinerlei Kritikpunkte finden. Magisch und angereichert mit unzähligen Details. Genau so muss dieses Universum aussehen.

Bei der Struktur der Handlung gibt es dagegen etliche Abweichungen zur Romanvorlage – was zu großen Teilen allerdings zu erwarten war. Straffungen wurden recht nachvollziehbar eingebaut (so erfährt Lyra z.B. bereits von Mrs. Coulter, dass Iofur Raknison sich für einen Menschen hält und gerne einen Dæmon hätte) und stören das Gesamtbild nicht wirklich. Richtig schwerwiegend sind dagegen komplette Umstrukturierungen in der Handlungsabfolge bzw. das Weglassen kompletter Plotpunkte. Unverzeihlich.

Bevor ich hier aushole sollte erwähnt werden, dass alle fehlenden Elemente bereits gedreht wurden und sogar komplett durch die Postproduktion gegangen sind. Doch New Line war das Ende zu düster und zudem wollte man den Film nicht auf Svalbard enden lassen. Warum auch immer. Hier sehe ich auch den einzigen Fehler des – für Filme solchen Budgets – noch unerfahrenen Chris Weitz: Er hat dem Studio wohl zu schnell nachgegeben und einen Producer’s Cut angefertigt. In diesem wurde Bolvangar ans Ende des Films gestellt und Svalbard vorgezogen, was für Kenner der Vorlage mehr als nur befremdlich wirkt. Vom Fehlen des Endes einmal gar nicht zu sprechen. Wirklich – um es einmal platt auszudrücken – ein Griff ins Klo.

All dies sind gravierende Fehler, welche jedoch durch einen Director’s Cut problemlos ausgeglichen werden könnten – zumal die Szenen schon komplett fertig sind. Warum noch keine solche Schnittversion auf den Markt geworfen wurde? Ich sehe hier die größte Hoffnung für eine Verfilmung der Nachfolger: Das Studio möchte sich den Director’s Cut noch aufheben, sollten „Das Magische Messer“ und „Das Bernstein-Teleskop“ doch noch ihren Weg auf die große Leinwand finden. Falls dies geschieht, geht einer meiner – filmtechnisch gesehen – größten Wünsche in Erfüllung.

„Der Goldene Kompass“ ist eine äußerst gelungene Romanverfilmung, die leider jedoch zwei große Schwachpunkte aufweist. Dennoch kann man durch den Film Lyras Welt mit allen Sinnen erleben und es kommt einem vor, als würde man alten Freunden bei ihren Abenteuern zusehen. Ich bin wirklich begeistert und der Director’s Cut könnte es endgültig unter meine Lieblingsfilme schaffen: 8/10 Punkte.