Krabat (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Krabat“ am 10. Dezember 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern habe ich nach einer langen Zeit des Wartens endlich die Realverfilmung von Otfried Preußlers Meisterwerk „Krabat“ gesehen. Den Roman hatte ich als Heranwachsender verschlungen und bis heute stellt das Werk für mich immer noch eines der spannendsten, atmosphärischsten und faszinierendsten Werke der Fantasyliteratur dar. Kann der Film der Vorlage gerecht werden?

Krabat (2008) | © 20th Century Fox

Krabat (2008) | © 20th Century Fox

Glücklicherweise ja. Zumindest über weite Strecken. Die Geschichte wurde – bis auf übliche Straffungen und kleinere Änderungen – nahezu 1:1 übernommen. Insofern gibt es hier weder positive, noch sonderlich negative Überraschungen. Als ich zum ersten Mal die Mühle sah, ist mir ein mittelgroßer Stein vom Herzen gefallen: So und nicht anders muss das Zentrum der schwarzen Magie im Koselbruch aussehen. Wirklich ein bis ins Detail gelungenes Setdesign. Auch die Umgebung rund um Schwarzkollm ist fantastisch getroffen. Ebenso wie die restliche Ausstattung samt Kostümen und Effekten. Alles wirklich wunderbar gelungen.

Meine größten Probleme hatte ich leider mit David Cross, dem Darsteller der Hauptfigur. Dieser besaß für mich einfach zu wenig Charisma und Spielkraft, um mich wirklich überzeugen zu können. Besonders als erfahrenerer Lehrling hat er auf mich immer noch viel zu sehr wie ein Milchbubi gewirkt. Vielleicht ist die Figur des Krabat aus meiner eigenen Fantasie aber auch nur noch viel zu stark vertreten. So oder so, hätte ich mir hier einen kraftvolleren Schauspieler gewünscht. Die Besetzung der anderen Rollen geht für mich voll in Ordnung. Einzig Robert Stadlober bleibt etwas blass. Ausgezeichnet hat mir Christian Redl als düsterer Meister gefallen. Eine abolut treffende Interpretation.

Wenn ich schon beim Kritisieren bin: Die Schlachtszene war für mich mehr als nur unnötig und zudem nervig montiert. Kurze Shuttergeschwindigkeiten sind ja immer noch Mode, doch hier hat man es wahrlich etwas übertrieben. Action, nur um der Action willen. Auch dass man den Herrn Gevatter unbedingt zeigen musste – und dafür den Imperator der „Star Wars“-Reihe als Gaststar eingeladen hat – war absolut unnötig. Aber nun gut. Zugeständnisse an das junge Publikum haben sich wohl auch bei dieser ansonsten recht werktreuen Adaption nicht vermeiden lassen. Anders lässt sich auch der abscheuliche Song während des Abspanns nicht erklären, der im krassen Gegensatz zum ansonsten sehr gelungenen Score steht.

Insgesamt bin ich aber wirklich zufrieden mit Marco Kreuzpaintners Inszenierung. In ihrer Gesamtheit erinnert sie mich etwas an die Verfilmung von Patrick Süskinds „Das Parfüm“ – damals bin ich mit einem ähnlichen Gefühl aus dem Kino gekommen. Insgesamt halte ich „Krabat“ wohl aber noch für einen Tick gelungener und beliebte Aussagen wie ‚Nun hat Deutschland auch einen Harry Potter!‘ sind für mich absolut irreführend und zeugen von der Unkenntnis sogenannter Kritiker.

Freunden des Romans sei ein Kinobesuch dringend ans Herz gelegt. Allen anderen rate ich dazu zuerst das Buch zu lesen. Die Wirkung des geschriebenen Wortes ist ungleich mächtiger und die Geschichte wird euch verzaubern – besonders an düsteren Herbstabenden. Danach steht einem Kinobesuch aber nichts im Wege: 7/10 Punkte.

Hogfather (Schweinsgalopp) (2006)

Die gestrige Sichtung von Terry Pratchetts „Hogfather“ (deutscher Titel: „Schweinsgalopp“) war für mich wie ein Trip in die Vergangenheit. Früher habe ich die Scheibenweltromane regelrecht verschlungen. Ich kannte jede Gasse in Ankh-Morpork, war Mitglied in jeder Gilde und bin in der Unsichtbaren Universität ein- und ausmarschiert, wie es mir gerade beliebte. In den letzten Jahren hatte ich dagegen kaum mehr Kontakt zu den skurrilen Figuren und die Erinnerungen an sie begannen zu verblassen – bis gestern Abend.

Als ich von der Realverfilmung des mir unbekannten Scheibenweltromans hörte, war ich einerseits begeistert, andererseits auch skeptisch. Konnte das funktionieren? Als TV-Zweiteiler? Die DVD steht schon seit ca. einem Jahr ungesehen in meinem Regal und gestern habe ich mich nun endlich an die Sichtung gewagt: Bereits die ersten paar Minuten haben so viele Erinnerungen zurückgebracht. Es ist fantastisch! Da sehe ich doch tatsächlich Groß A’Tuin majestätisch durchs All gleiten. Fliege auf Ankh-Morpork zu. Besuche die Unsichtbare Universität und höre Gevatter Tod in Großbuchstaben reden. Welche Freude!

Ich bin wirklich schwer begeistert, mit wie viel Liebe man die Atmosphäre der Scheibenwelt auf Film gebannt hat. Sicher sieht man dem Film an, dass er kein Budget von etlichen Millionen zur Verfügung hatte – doch hätte das vermutlich auch gar nicht zur Scheibenwelt gepasst. Die Liebe steckt hier wirklich im Detail und mein Herz hat jedesmal einen kleinen Hüpfer gemacht, wenn eine mir bekannte Figur aufgetreten ist oder ein mir bekannter Ort besucht wurde. Der Auftritt von Terry Pratchett als Schlussgag hat mir dann letztendlich bestätigt, dass die Adaption auch im Sinne des Autors ist.

Nun zur Geschichte: Diese ist – typisch für die Scheibenwelt – wieder einmal sehr abgefahren und recht komplex. Ich fand es teils schwierig und auch etwas ermüdend den absurden Erklärungen zu lauschen, die sich auf dem Papier so locker lesen. Besonders im zweiten Teil wird die Handlung im Schloss der Zahnfee etwas zu stark breitgetreten. Auch waren einige Szenen für mich zu ernst inszeniert und der absurde Humor der Scheibenwelt kam mir etwas zu kurz. Aber das sind alles keine wirklich schwerwiegenden Mängel. Ganz im Gegensatz zu deutschen Übersetzung, die im direkten Vergleich zum Original wirklich zum schlechtesten gehört, das ich jemals hören musste. Sinnverfälschend und einfach nur dumm. Ich kann jedem nur raten: Schaut den Film mit englischer Tonspur!

Insgesamt stellt „Hogfather“ einen wunderbaren Ausflug auf die Scheibenwelt dar. Wie gut die Geschichte selbst adaptiert ist, kann ich mangels Kenntnis der Vorlage leider nicht beurteilen. Dies wird mir – so mich mein Gedächtnis nicht schon im Stich gelassen hat – allerdings bei der Verfilmung von „The Color of Magic“ gelingen, auf die ich mich schon sehr freue! Rincewind ist sowieso immer noch eine meiner liebsten Scheibenweltfiguren. Hat wirklich Spaß gemacht: 8/10 Punkte.

Der Goldene Kompass – OT: The Golden Compass (2007) (WS1)

Gestern verspürte ich den dringenden Wunsch in das von Philip Pullman erschaffene Universum zurückzukehren. Mit Lyra über die Dächer von Jordan College zu streichen. Die Gypter zu besuchen. Panzerbären zu sehen. Die Sichtung von „Der Goldene Kompass“ war folglich die logische Konsequenz – auch wenn ich mir des bitteren Beigeschmacks von Beginn an bewusst war.

Im Gegensatz zu meiner ersten Sichtung – damals noch ohne Kenntnis der Vorlage – habe ich dieses Mal bemerkt, wie viele unscheinbare (und doch wichtige) Details die Macher des Films in das neue Medium übertragen haben. Man sieht deutlich, dass mit Regisseur Chris Weitz ein Kenner und Liebhaber der Vorlage am Werk war. In der Darstellung von Lyras Welt kann ich wirklich keinerlei Kritikpunkte finden. Magisch und angereichert mit unzähligen Details. Genau so muss dieses Universum aussehen.

Bei der Struktur der Handlung gibt es dagegen etliche Abweichungen zur Romanvorlage – was zu großen Teilen allerdings zu erwarten war. Straffungen wurden recht nachvollziehbar eingebaut (so erfährt Lyra z.B. bereits von Mrs. Coulter, dass Iofur Raknison sich für einen Menschen hält und gerne einen Dæmon hätte) und stören das Gesamtbild nicht wirklich. Richtig schwerwiegend sind dagegen komplette Umstrukturierungen in der Handlungsabfolge bzw. das Weglassen kompletter Plotpunkte. Unverzeihlich.

Bevor ich hier aushole sollte erwähnt werden, dass alle fehlenden Elemente bereits gedreht wurden und sogar komplett durch die Postproduktion gegangen sind. Doch New Line war das Ende zu düster und zudem wollte man den Film nicht auf Svalbard enden lassen. Warum auch immer. Hier sehe ich auch den einzigen Fehler des – für Filme solchen Budgets – noch unerfahrenen Chris Weitz: Er hat dem Studio wohl zu schnell nachgegeben und einen Producer’s Cut angefertigt. In diesem wurde Bolvangar ans Ende des Films gestellt und Svalbard vorgezogen, was für Kenner der Vorlage mehr als nur befremdlich wirkt. Vom Fehlen des Endes einmal gar nicht zu sprechen. Wirklich – um es einmal platt auszudrücken – ein Griff ins Klo.

All dies sind gravierende Fehler, welche jedoch durch einen Director’s Cut problemlos ausgeglichen werden könnten – zumal die Szenen schon komplett fertig sind. Warum noch keine solche Schnittversion auf den Markt geworfen wurde? Ich sehe hier die größte Hoffnung für eine Verfilmung der Nachfolger: Das Studio möchte sich den Director’s Cut noch aufheben, sollten „Das Magische Messer“ und „Das Bernstein-Teleskop“ doch noch ihren Weg auf die große Leinwand finden. Falls dies geschieht, geht einer meiner – filmtechnisch gesehen – größten Wünsche in Erfüllung.

„Der Goldene Kompass“ ist eine äußerst gelungene Romanverfilmung, die leider jedoch zwei große Schwachpunkte aufweist. Dennoch kann man durch den Film Lyras Welt mit allen Sinnen erleben und es kommt einem vor, als würde man alten Freunden bei ihren Abenteuern zusehen. Ich bin wirklich begeistert und der Director’s Cut könnte es endgültig unter meine Lieblingsfilme schaffen: 8/10 Punkte.

Der Sternwanderer – OT: Stardust (2007)

Mit Matthew Vaughns „Der Sternwanderer“ habe ich gestern einmal wieder einen Film nachgeholt, den ich im Kino leider verpasst hatte. Der Film hat damals ein recht geringes Medienecho hervorgerufen, was man wohl der verhältnismäßig großen Anzahl an mit ihm startenden Fantasyfilmen zuschreiben kann. Dennoch hätte der Film weit mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

„Stardust“ – so der Originaltitel – kann man wohl am besten mit Rob Reiners „The Princess Bride“ vergleichen. Es handelt sich folglich um keinen klassischen Fantasyfilm à la „Der Herr der Ringe“, sondern eher um eine Fantasykomödie. Bei meiner ersten Sichtung von „The Princess Bride“ war ich auch sehr enttäuscht, da ich den Humor nicht erwartet hatte. Ich hätte damals lieber etwas in der Art von Ron Howards „Willow“ gesehen. Im Nachhinein gesehen ist diese Wunschvorstellung natürlich sehr engstirnig: „The Princess Bride“ zählt zu recht zu den Klassikern des Fantasykinos – und „Der Sternwanderer“ schickt sich an in dessen Fußstapfen zu treten.

Von Anfang an besticht die märchenhafte Atmosphäre, die durch Ian McKellens Erzählstimme wunderbar unterstrichen wird. Oft wird vom Märchen für Erwachsene geredet. Meist sind dies verkappte Horrorfilme oder waschechte Fantasyschinken. „Stardust“ ist jedoch ein waschechtes Märchen. Und ja, Erwachsene werden an ihm ebenso viel Freude haben wie Kinder. Mindestens. Einen großen Teil des Unterhaltungswerts zieht der Film aus der treffsicheren Besetzung. Besonders Michelle Pfeiffer als Hexe, die der ewigen Jugend nachjagt und Robert De Niro als tuntiger Captain Shakespeare sind wahre Glücksgriffe. Doch auch der Maincast – Claire Danes und Charlie Cox – sowie die restlichen Nebendarsteller machen ihre Sache ausgezeichnet.

Neben den Schauspielern überzeugt die stringente Inszenierung. Trotz der ausschweifenden Handlung hatte ich nie das Gefühl die Übersicht zu verlieren oder gehetzt zu werden. Matthew Vaughn hat hier wirklich ein Gespür für Timing bewiesen, was – im Detail betrachtet – natürlich besonders dem Humor zugute kommt. Mein einziger Kritikpunkt ist der etwas übereifrige Effekteinsatz. Zwar wirklich immer gut gemacht, doch nach dem dutzendsten Zaubereffekt stellt sich langsam aber sicher ein Sättigungsgefühl ein.

Matthew Vaughns „Stardust“ macht richtig viel Spaß. Jedem Fantasyfreund sei der Film – die richtige Erwartungshaltung vorausgesetzt – wirklich ans Herz gelegt. Wenn „The Princess Bride“ zu euren Lieblingsfilmen zählt, dann führt an diesem Film sowieso kein Weg vorbei. Für mich einer der gelungensten Fantasyfilme der Post-„Der Herr der Ringe“-Ära: 8/10 Punkte.

Eragon

Ich liebe Fantasy – sowohl in der Literatur, als auch im Film. Es war folglich nur eine Frage der Zeit, bis ich über „Eragon“ stolperte. Den Roman hatte ich damals nur angelesen und war nicht wirklich überzeugt. Zu simpel schienen mir die Figuren und vermutlich war ich zu diesem Zeitpunkt nicht in der richtigen Stimmung für solch eine Fantasy-Saga. Der Film hatte mich aufgrund der vernichtenden Kritiken auch nie sonderlich interessiert. Gestern habe ich ihm auf DVD dennoch seine verdiente Chance gegeben.

Um es kurz zu machen: Der Film ist nicht so schlecht, wie man überall hört. Der größte Fehler ist wohl, dass man versucht hat auf der „Der Herr der Ringe“-Welle mitzuschwimmen. Um dies erfolgreich zu gestalten hätte man den Figuren und der Geschichte jedoch Zeit zum entfalten geben müssen – man hat es nicht. Somit wirkt der gesamte Film wie ein Trailer zu einer großen Saga, deren epische Breite jedoch nie zum Tragen kommen kann. Charaktere werden nur angerissen, zeitliche und örtliche Beziehungen werden völlig ignoriert und man stolpert als Zuschauer mehr schlecht als recht durch diese wunderbar anzusehende Welt. Das passiert eben, wenn man versucht einen 600-seitigen Roman in 90 Minuten zu pressen.

Auf der Habenseite stehen eindeutig tolle VFX-Szenen, die tatkräftig die berufliche Herkunft des Regisseurs Stefen Fangmeier belegen. Auch die generelle Optik kann sich wirklich sehen lassen. Kräftige Farben, schönes Setdesign und imposante Kameraflüge versetzen einen recht gut in diese – inhaltlich leider nur oberflächlich angekratzte – fremde Welt. Alles in den Schatten stellt natürlich der Drache Saphira. Alleine er bzw. sie ist ein guter Grund sich den Film anzusehen – überhaupt: Es gibt viel zu wenig gute Filme mit Drachen. Drachen sind toll!

Schauspielerisch ist der Film äußerst durchwachsen. Bei Jeremy Irons haben sich bei mir anfangs die Nackenhaare nach oben gestellt, da ich an seine grottenschlechte Performance aus „Dungeons & Dragons“ denken musste – doch glücklicherweise spart er sich in „Eragon“ das Overacting und liefert so eine ziemlich überzeugende Darbietung ab. Wunderbar fand ich auch Robert Carlyle, der einen fiesen schwarzen Magier mimen darf. Recht verschenkt war dagegen John Malkovich, der nichts darf außer ein paar Mal grimmig zu schauen. Am schwersten wiegen jedoch die darstellerischen Defizite von Ted Speleers, der die Hauptfigur spielt. Ein Schönling, wie er im Buche steht – leider ohne jegliche Ausstrahlung.

„Eragon“ ist ein kurzweiliger Fantasy-Snack für Zwischendurch. Fans der Bücher werden den Film vermutlich zu recht verfluchen, doch als unbeeinflusster Fantasyfreund kann man durchaus einen unterhaltsamen Abend verbringen. Einen Abend mit einem Drachen. Alleine das ist doch grandios! Erwähnen sollte ich auch noch den schönen Score, der die Atmosphäre meisterlich zu unterstützen weiß. Kann man sich durchaus ansehen, wenn man „Der Herr der Ringe“, „Willow“ und Co. überdrüssig ist: 6/10 Punkte.

30 über Nacht – OT: 13 Going on 30 (2004)

Ostermontag habe ich seit Urzeiten einmal wieder einen Film aus dem regulären TV-Programm gesehen: „30 über Nacht“. Anfangs nur nebenbei, doch mit dem Erscheinen von Jennifer Garner (Sydney Bristow, „Alias“) hatte der Film meine Aufmerksamkeit auf seiner Seite.

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Die Geschichte ist wirklich nicht neu. Bereit Tom Hans hatte 1988 in „Big“ mit dem spontanen Erwachsensein zu kämpfen – wenngleich die Prämisse auch nicht 100%ig identisch ist. Jenna unternimmt in „30 über Nacht“ eher eine Zeitreise in die Zukunft ihres Lebens und altert nicht einfach an Ort und Stelle. Probleme und skurrile Situationen finden sich jedoch auch in dieser Variante en masse.

Gary Winicks Film bietet lockerleichte Unterhaltung und läuft damit nicht Gefahr im Langzeitgedächtnis hängen zu bleiben. Der große Pluspunkt des Films ist auf jeden Fall seine Hauptdarstellerin. Jennifer Garner spielt so naiv und losgelöst, dass es eine wahre Freude ist. Ohne sie hätte der Film leicht zu einer simplen Lachnummer werden können.

Leider setzt das Ende des Films so sehr auf Kitsch und Schmalz, dass der positive Gesamteindrück etwas geschwächt wird. Warum hat man noch einmal in die Zukunft blicken müssen? Nein, das hätte wahrlich nicht sein müssen.

„30 über Nacht“ bleibt mir somit als nette Komödie mit toller Jennifer Garner und etwas dümmlichen Ende im Gedächtnis. Kann man sich durchaus anschauen: 6/10 Punkte.

Das Mädchen aus dem Wasser – OT: Lady in the Water (2006)

Für seinen letzten Film musste M. Night Shyamalan viel Schelte einstecken. Lange hat es auch gedauert, bis ich mich an „Lady in the Water“ herangewagt habe – und das obwohl ich bisher jedem Film des Regisseurs etwas abgewinnen konnte. Mit „The Sixth Sense“ hat mir Shyamalan sogar einen der erinnerungswürdigsten Kinobesuche meines bisherigen Lebens beschert. Sollte sein aktueller Film wirklich so schlecht sein?

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Um die Frage gleich einmal zu beantworten: Nein, er ist nur anders. Aber das war auch schon „The Village“ – ein Film, der ebenfalls unter falschen Erwartungen gelitten hat. „Lady in the Water“ ist genauso wenig ein Grusel- oder Horrorfilm, wie „The Village“ es ist. Dieses Mal hat sich Shyamalan zudem vom Drama entfernt und ist in Richtung Fantasy gegangen. Humorvolle Fantasy. Skurrile Fantasy. Er erzählt eine Gutenachtgeschichte.

Zwei große Teile dominieren den Film: Auf der einen Seite sind da die Einwohner der Apartmentanlage. Hier gibt es dutzende verschrobene Figuren zu bewundern. Jede einzelne wird ausführlich vorgestellt, während wir mit Cleveland Heep – dem Hausmeister – seine Runde drehen. Diese Szenen sind wahrlich untypisch für Shyamalan und scheinen eher einer bittersüßen Komödie entsprungen. Auf der anderen Seite wird eine Fantasygeschichte erzählt. Hier entsteht eine komplette Welt mit eigenen Regeln und uns unbekannten Wesen. Diese beiden Welten werden stetig miteinander verwoben, was den Märchenaspekt deutlich unterstreicht. Hier erinnert mich der Film von der Struktur deutlich an „Donnie Darko“ – auch dort werden in der Realität verankerten Personen besondere Fähigkeiten zugesprochen, die für den weiteren Verlauf der fantastischen Handlung von äußerster Bedeutung sind.

Insgesamt halte ich den Film für wirklich gelungen. Allein in der Dramaturgie kommen ein paar Schwachstellen zu Tage. Hier wirkt der Film oft nicht wirklich rund und es wäre bestimmt mehr drin gewesen. Wenn man sich jedoch klar macht, dass Shyamalan hier eine Gutenachtgeschichte verfilmt hat, die er am Bett seiner Kinder erfunden hatte – und den Film auch als solche wahrnimmt – dann kann man mit „Lady in the Water“ durchaus ein paar magische Kinomomente erleben: 7/10 Punkte.

Der Goldene Kompass – OT: The Golden Compass

Für Fantasy-Freunde sind seit Peter Jacksons grandioser Verfilmung von J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“-Trilogie wahrlich bessere Zeiten angebrochen. Stellte das Genre für Filmstudios zuvor nur ein unkalkulierbares Risiko dar, so scheint heute jeder Fantasyfilm das große Geld abzuwerfen. Auch wenn die Qualität häufig auf der Strecke bleibt und auf ausgetretenen Pfaden gewandelt wird, so freue ich mich dennoch über jeden neuen Film des Genres. Mit „Der Goldene Kompass“  ist Chris Weitz („American Pie“, „About a Boy“) ein überzeugender Auftakt zur Verfilmung von Philip Pullmans „His Dark Materials“-Trilogie gelungen.

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Anders als bei „Der Herr der Ringe“ oder „Die Chroniken von Narnia“ besuchen wir in „Der Goldene Kompass“ kein klassisches Fantasy-Universum. Die Welt erinnert an das Zeitalter der Aufklärung. Große Universitäten prägen das Bild. Forschung und die Verneinung derselben sind ein zentrales Thema. Eine regierungsähnliche Einrichtung – das Magisterium – versucht den freien Willen der Menschen einzuschränken. Die Menschen in dieser Welt sind zudem anders. Ihre Seele wohnt in Dæmonen. Tieren. Vertrauten. Untrennbar verbunden.

In dieser Welt wird die Geschichte von Lyra – einem selbstbewussten, kleinen Mädchen – erzählt. Anscheinend gibt es eine Prophezeiung, die ihr einen besonderen Stellenwert in diesem Universum einräumt. Und nicht nur in diesem. Durch sogenannten Staub scheint eine Reise in Paralleluniversen möglich. Das Magisterium versucht jedoch dessen Existenz zu verheimlichen. Viel mehr Licht wird in diesem ersten Teil der Trilogie jedoch nicht ins Dunkel gebracht. Die Geschichte konzentriert sich vorerst darauf, die verschiedenen Völker der Welt vorzustellen und Lyra auf ihrer Suche nach ihren verschwunden Freunden zu begleiten.

Für mich als Zuschauer, dem die Vorlage unbekannt ist, ist es anfangs schwierig sich in der Welt mit ihren Regeln zurecht zu finden. Zudem schien mir vieles etwas gehetzt und vernachlässigt. So muss es auch dem Teil des Publikums ergangen sein, das die Vorlage zu „Harry Potter und der Orden des Phönix“ nicht kannte. Da ich generell jedoch empfänglich für Fantasy bin, konnte ich mir einige Zusammenhänge selbst erklären und die Lücken somit auffüllen.

Besonders gut hat mir diese andere Welt gefallen, die ihre ganz eigenen Regeln besitzt und so gar nicht in typische Schemas passen will. Leider jedoch ist der Aufbau des Films umso mehr nach Schema F gestrickt: Die bedeutungsschwangere Stimme, die uns in die Welt einführt. Die lange Reise. Und der obligatorische Schlusskampf. Hier hat sich New Line leider zu sehr an bekannte Strukturen geklammert. Natürlich kann das auch an der Vorlage liegen, doch hätte ich mir hier etwas mehr Eigenständigkeit gewünscht.

Insgesamt kann ich „Der Goldene Kompass“ allen Fantasy-Freunden empfehlen. Für die kommenden Teile hege ich große Hoffnungen. Ein durchaus gelungener Auftakt: 7/10 Punkte.

Der Zauberer von Oz/Das zauberhafte Land – OT: The Wizard of Oz (1939)

Gestern Abend habe ich einmal wieder eine filmhistorische Lücke geschlossen. Ich habe „Der Zauberer von Oz“ gesehen. Ausschließen, dass irgendwann in meiner Kindheit bereits eine Sichtung erfolgt ist, kann ich allerdings nicht. Wie sollte ich das auch? Die Geschichte um Dorothy ist bereits so im kollektiven popkulturellen Bewusstsein verankert, dass ich nicht mehr sagen könnte, wo und wann ich bestimmte Ausdrücke, Musikstücke, Szenen, Figuren etc. schon einmal gesehen habe.

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Oft sieht man sich sogenannte Klassiker an und denkt: Schön und gut. Ist ja alles ganz nett, aber wenn dies kein Klassiker wäre, dann hätte ich mich da niemals durchgequält. Dann wiederum gibt es Klassiker, in denen man sich sofort zu Hause fühlt. Man versteht instinktiv, warum sich dieser spezielle Film im Bewusstsein der Zuschauer festgesetzt hat. Zu dieser Art von Film gehört „Der Zauberer von Oz“. Ein naives, unglaublich charmantes und grandios inszeniertes Märchen.

Allein im filmhistorischen Kontext ist der Film höchst interessant. Ein Technicolor-Film, dessen kompletter erster Akt in Sepia gehalten wird. Damals bestimmt eine gewagte Entscheidung, die das Betreten der zauberhaften Welt von Oz für Millionen von Zuschauern unvergesslich gemacht hat – eine Szene, die ihre Entsprechung in Mamoru Oshiis „Avalon“ (2001) fand. Der Einsatz von leinwandfüllenden Matte Paintings und anderen tricktechnische Meisterleistungen (z.B. der Tornado) macht den Film heute für SFX/VFX-Interessierte zu einem wahren Fundus an umgesetzten Innovationen. Von Masken, Kostümen, Kamerafahrten und und und einmal gar nicht zu reden. Allein diese Aspekte machen „Der Zauberer von Oz“ – zumindest filmhistorisch gesehen – zu einem Klassiker.

Die erzählte Geschichte ist inzwischen so in unserem Bewusstsein verankert, dass sie sich nicht mehr so leicht objektiv beurteilen lässt. Aber das muss sie auch nicht werden. Die Bilder und die Musik sprechen direkt unsere Emotionen an. Man taucht ein in dieses fremde, bunte Land und lässt die Eindrücke auf sich einwirken. Man betritt die Yellow Brick Road und begibt sich auf die Reise in das fremde und doch so bekannte Oz. Eine zauberhafte Reise mit zauberhafter Musik. Mit Witz und viel naivem Charme, der dem Film aber zugute kommt.

Ob ich nun bereits in Oz gewesen bin oder nicht. Für mich war die gestrige Sichtung ein echtes Erlebnis und ich kann jedem, der nun neugierig geworden ist, nur die grandios restaurierte Warner Special Edition empfehlen. Ein Klassiker, der diese Bezeichnung wirklich verdient hat: 10/10 Punkte.

Harry Potter und die Kammer des Schreckens – OT: Harry Potter and the Chamber of Secrets (2002)

Aktualisierung: Ich habe „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ am 13. Dezember 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach der kürzlichen Sichtung des ersten Teils, habe ich mich heute an „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ gemacht. Aufgrund der verstümmelten deutschen Schnittfassung habe ich – bis zum Erhalt der schweizer Version – weitgehend auf den Film verzichtet, was die Abnutzungserscheinungen um einiges geringer hält, als beim Vorgänger.

Harry Potter und die Kammer des Schreckens (2002) | © Warner Home Video

Harry Potter und die Kammer des Schreckens (2002) | © Warner Home Video

Chris Columbus zweiter – und letzter – Beitrag zur Reihe hat es meiner Meinung nach leichter, als die folgenden Verfilmungen: Die Vorlage ist relativ kompakt und bietet genug Stoff für eine gelungene filmische Umsetzung. Ganz im Stil des Vorgängers zaubert Columbus auch erneut eine recht werktreue Adaption auf die Leinwand. Durch die dichtere und erwachsenere Handlung hat der Film – trotz seiner Lauflänge – deutlich mehr Tempo, als der erste Teil, der mit Schwächen im Handlungsablauf zu kämpfen hatte.

Lange ist mir „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ als unbedeutendes Abenteuer im Gesamtwerk erschienen, doch seit dessen Abschluss weiß ich es besser: Es gibt unzählige Details zu entdecken und selbst Blicke und Gesten können anders interpretiert werden. Wirklich schön. Hier zahlt sich die strikte Werktreue aus, die die Nachfolger etwas vermissen lassen.

Fazit

Für mich ist Chris Columbus zweite Zauberei wohl die – bisher! – gelungenste Adaption der Romane. Sie liefert sich demnach ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Alfonso Cuaróns „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, der andere Stärken besitzt. Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn Columbus noch einmal auf den Regiestuhl im Potterschen Universum zurückkehren würde: 9/10 Punkte.