Der Sternwanderer – OT: Stardust (2007)

Mit Matthew Vaughns „Der Sternwanderer“ habe ich gestern einmal wieder einen Film nachgeholt, den ich im Kino leider verpasst hatte. Der Film hat damals ein recht geringes Medienecho hervorgerufen, was man wohl der verhältnismäßig großen Anzahl an mit ihm startenden Fantasyfilmen zuschreiben kann. Dennoch hätte der Film weit mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

„Stardust“ – so der Originaltitel – kann man wohl am besten mit Rob Reiners „The Princess Bride“ vergleichen. Es handelt sich folglich um keinen klassischen Fantasyfilm à la „Der Herr der Ringe“, sondern eher um eine Fantasykomödie. Bei meiner ersten Sichtung von „The Princess Bride“ war ich auch sehr enttäuscht, da ich den Humor nicht erwartet hatte. Ich hätte damals lieber etwas in der Art von Ron Howards „Willow“ gesehen. Im Nachhinein gesehen ist diese Wunschvorstellung natürlich sehr engstirnig: „The Princess Bride“ zählt zu recht zu den Klassikern des Fantasykinos – und „Der Sternwanderer“ schickt sich an in dessen Fußstapfen zu treten.

Von Anfang an besticht die märchenhafte Atmosphäre, die durch Ian McKellens Erzählstimme wunderbar unterstrichen wird. Oft wird vom Märchen für Erwachsene geredet. Meist sind dies verkappte Horrorfilme oder waschechte Fantasyschinken. „Stardust“ ist jedoch ein waschechtes Märchen. Und ja, Erwachsene werden an ihm ebenso viel Freude haben wie Kinder. Mindestens. Einen großen Teil des Unterhaltungswerts zieht der Film aus der treffsicheren Besetzung. Besonders Michelle Pfeiffer als Hexe, die der ewigen Jugend nachjagt und Robert De Niro als tuntiger Captain Shakespeare sind wahre Glücksgriffe. Doch auch der Maincast – Claire Danes und Charlie Cox – sowie die restlichen Nebendarsteller machen ihre Sache ausgezeichnet.

Neben den Schauspielern überzeugt die stringente Inszenierung. Trotz der ausschweifenden Handlung hatte ich nie das Gefühl die Übersicht zu verlieren oder gehetzt zu werden. Matthew Vaughn hat hier wirklich ein Gespür für Timing bewiesen, was – im Detail betrachtet – natürlich besonders dem Humor zugute kommt. Mein einziger Kritikpunkt ist der etwas übereifrige Effekteinsatz. Zwar wirklich immer gut gemacht, doch nach dem dutzendsten Zaubereffekt stellt sich langsam aber sicher ein Sättigungsgefühl ein.

Matthew Vaughns „Stardust“ macht richtig viel Spaß. Jedem Fantasyfreund sei der Film – die richtige Erwartungshaltung vorausgesetzt – wirklich ans Herz gelegt. Wenn „The Princess Bride“ zu euren Lieblingsfilmen zählt, dann führt an diesem Film sowieso kein Weg vorbei. Für mich einer der gelungensten Fantasyfilme der Post-„Der Herr der Ringe“-Ära: 8/10 Punkte.

Eragon

Ich liebe Fantasy – sowohl in der Literatur, als auch im Film. Es war folglich nur eine Frage der Zeit, bis ich über „Eragon“ stolperte. Den Roman hatte ich damals nur angelesen und war nicht wirklich überzeugt. Zu simpel schienen mir die Figuren und vermutlich war ich zu diesem Zeitpunkt nicht in der richtigen Stimmung für solch eine Fantasy-Saga. Der Film hatte mich aufgrund der vernichtenden Kritiken auch nie sonderlich interessiert. Gestern habe ich ihm auf DVD dennoch seine verdiente Chance gegeben.

Um es kurz zu machen: Der Film ist nicht so schlecht, wie man überall hört. Der größte Fehler ist wohl, dass man versucht hat auf der „Der Herr der Ringe“-Welle mitzuschwimmen. Um dies erfolgreich zu gestalten hätte man den Figuren und der Geschichte jedoch Zeit zum entfalten geben müssen – man hat es nicht. Somit wirkt der gesamte Film wie ein Trailer zu einer großen Saga, deren epische Breite jedoch nie zum Tragen kommen kann. Charaktere werden nur angerissen, zeitliche und örtliche Beziehungen werden völlig ignoriert und man stolpert als Zuschauer mehr schlecht als recht durch diese wunderbar anzusehende Welt. Das passiert eben, wenn man versucht einen 600-seitigen Roman in 90 Minuten zu pressen.

Auf der Habenseite stehen eindeutig tolle VFX-Szenen, die tatkräftig die berufliche Herkunft des Regisseurs Stefen Fangmeier belegen. Auch die generelle Optik kann sich wirklich sehen lassen. Kräftige Farben, schönes Setdesign und imposante Kameraflüge versetzen einen recht gut in diese – inhaltlich leider nur oberflächlich angekratzte – fremde Welt. Alles in den Schatten stellt natürlich der Drache Saphira. Alleine er bzw. sie ist ein guter Grund sich den Film anzusehen – überhaupt: Es gibt viel zu wenig gute Filme mit Drachen. Drachen sind toll!

Schauspielerisch ist der Film äußerst durchwachsen. Bei Jeremy Irons haben sich bei mir anfangs die Nackenhaare nach oben gestellt, da ich an seine grottenschlechte Performance aus „Dungeons & Dragons“ denken musste – doch glücklicherweise spart er sich in „Eragon“ das Overacting und liefert so eine ziemlich überzeugende Darbietung ab. Wunderbar fand ich auch Robert Carlyle, der einen fiesen schwarzen Magier mimen darf. Recht verschenkt war dagegen John Malkovich, der nichts darf außer ein paar Mal grimmig zu schauen. Am schwersten wiegen jedoch die darstellerischen Defizite von Ted Speleers, der die Hauptfigur spielt. Ein Schönling, wie er im Buche steht – leider ohne jegliche Ausstrahlung.

„Eragon“ ist ein kurzweiliger Fantasy-Snack für Zwischendurch. Fans der Bücher werden den Film vermutlich zu recht verfluchen, doch als unbeeinflusster Fantasyfreund kann man durchaus einen unterhaltsamen Abend verbringen. Einen Abend mit einem Drachen. Alleine das ist doch grandios! Erwähnen sollte ich auch noch den schönen Score, der die Atmosphäre meisterlich zu unterstützen weiß. Kann man sich durchaus ansehen, wenn man „Der Herr der Ringe“, „Willow“ und Co. überdrüssig ist: 6/10 Punkte.

30 über Nacht – OT: 13 Going on 30 (2004)

Ostermontag habe ich seit Urzeiten einmal wieder einen Film aus dem regulären TV-Programm gesehen: „30 über Nacht“. Anfangs nur nebenbei, doch mit dem Erscheinen von Jennifer Garner (Sydney Bristow, „Alias“) hatte der Film meine Aufmerksamkeit auf seiner Seite.

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Die Geschichte ist wirklich nicht neu. Bereit Tom Hans hatte 1988 in „Big“ mit dem spontanen Erwachsensein zu kämpfen – wenngleich die Prämisse auch nicht 100%ig identisch ist. Jenna unternimmt in „30 über Nacht“ eher eine Zeitreise in die Zukunft ihres Lebens und altert nicht einfach an Ort und Stelle. Probleme und skurrile Situationen finden sich jedoch auch in dieser Variante en masse.

Gary Winicks Film bietet lockerleichte Unterhaltung und läuft damit nicht Gefahr im Langzeitgedächtnis hängen zu bleiben. Der große Pluspunkt des Films ist auf jeden Fall seine Hauptdarstellerin. Jennifer Garner spielt so naiv und losgelöst, dass es eine wahre Freude ist. Ohne sie hätte der Film leicht zu einer simplen Lachnummer werden können.

Leider setzt das Ende des Films so sehr auf Kitsch und Schmalz, dass der positive Gesamteindrück etwas geschwächt wird. Warum hat man noch einmal in die Zukunft blicken müssen? Nein, das hätte wahrlich nicht sein müssen.

„30 über Nacht“ bleibt mir somit als nette Komödie mit toller Jennifer Garner und etwas dümmlichen Ende im Gedächtnis. Kann man sich durchaus anschauen: 6/10 Punkte.

Das Mädchen aus dem Wasser – OT: Lady in the Water (2006)

Für seinen letzten Film musste M. Night Shyamalan viel Schelte einstecken. Lange hat es auch gedauert, bis ich mich an „Lady in the Water“ herangewagt habe – und das obwohl ich bisher jedem Film des Regisseurs etwas abgewinnen konnte. Mit „The Sixth Sense“ hat mir Shyamalan sogar einen der erinnerungswürdigsten Kinobesuche meines bisherigen Lebens beschert. Sollte sein aktueller Film wirklich so schlecht sein?

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Um die Frage gleich einmal zu beantworten: Nein, er ist nur anders. Aber das war auch schon „The Village“ – ein Film, der ebenfalls unter falschen Erwartungen gelitten hat. „Lady in the Water“ ist genauso wenig ein Grusel- oder Horrorfilm, wie „The Village“ es ist. Dieses Mal hat sich Shyamalan zudem vom Drama entfernt und ist in Richtung Fantasy gegangen. Humorvolle Fantasy. Skurrile Fantasy. Er erzählt eine Gutenachtgeschichte.

Zwei große Teile dominieren den Film: Auf der einen Seite sind da die Einwohner der Apartmentanlage. Hier gibt es dutzende verschrobene Figuren zu bewundern. Jede einzelne wird ausführlich vorgestellt, während wir mit Cleveland Heep – dem Hausmeister – seine Runde drehen. Diese Szenen sind wahrlich untypisch für Shyamalan und scheinen eher einer bittersüßen Komödie entsprungen. Auf der anderen Seite wird eine Fantasygeschichte erzählt. Hier entsteht eine komplette Welt mit eigenen Regeln und uns unbekannten Wesen. Diese beiden Welten werden stetig miteinander verwoben, was den Märchenaspekt deutlich unterstreicht. Hier erinnert mich der Film von der Struktur deutlich an „Donnie Darko“ – auch dort werden in der Realität verankerten Personen besondere Fähigkeiten zugesprochen, die für den weiteren Verlauf der fantastischen Handlung von äußerster Bedeutung sind.

Insgesamt halte ich den Film für wirklich gelungen. Allein in der Dramaturgie kommen ein paar Schwachstellen zu Tage. Hier wirkt der Film oft nicht wirklich rund und es wäre bestimmt mehr drin gewesen. Wenn man sich jedoch klar macht, dass Shyamalan hier eine Gutenachtgeschichte verfilmt hat, die er am Bett seiner Kinder erfunden hatte – und den Film auch als solche wahrnimmt – dann kann man mit „Lady in the Water“ durchaus ein paar magische Kinomomente erleben: 7/10 Punkte.

Der Goldene Kompass – OT: The Golden Compass

Für Fantasy-Freunde sind seit Peter Jacksons grandioser Verfilmung von J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“-Trilogie wahrlich bessere Zeiten angebrochen. Stellte das Genre für Filmstudios zuvor nur ein unkalkulierbares Risiko dar, so scheint heute jeder Fantasyfilm das große Geld abzuwerfen. Auch wenn die Qualität häufig auf der Strecke bleibt und auf ausgetretenen Pfaden gewandelt wird, so freue ich mich dennoch über jeden neuen Film des Genres. Mit „Der Goldene Kompass“  ist Chris Weitz („American Pie“, „About a Boy“) ein überzeugender Auftakt zur Verfilmung von Philip Pullmans „His Dark Materials“-Trilogie gelungen.

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Anders als bei „Der Herr der Ringe“ oder „Die Chroniken von Narnia“ besuchen wir in „Der Goldene Kompass“ kein klassisches Fantasy-Universum. Die Welt erinnert an das Zeitalter der Aufklärung. Große Universitäten prägen das Bild. Forschung und die Verneinung derselben sind ein zentrales Thema. Eine regierungsähnliche Einrichtung – das Magisterium – versucht den freien Willen der Menschen einzuschränken. Die Menschen in dieser Welt sind zudem anders. Ihre Seele wohnt in Dæmonen. Tieren. Vertrauten. Untrennbar verbunden.

In dieser Welt wird die Geschichte von Lyra – einem selbstbewussten, kleinen Mädchen – erzählt. Anscheinend gibt es eine Prophezeiung, die ihr einen besonderen Stellenwert in diesem Universum einräumt. Und nicht nur in diesem. Durch sogenannten Staub scheint eine Reise in Paralleluniversen möglich. Das Magisterium versucht jedoch dessen Existenz zu verheimlichen. Viel mehr Licht wird in diesem ersten Teil der Trilogie jedoch nicht ins Dunkel gebracht. Die Geschichte konzentriert sich vorerst darauf, die verschiedenen Völker der Welt vorzustellen und Lyra auf ihrer Suche nach ihren verschwunden Freunden zu begleiten.

Für mich als Zuschauer, dem die Vorlage unbekannt ist, ist es anfangs schwierig sich in der Welt mit ihren Regeln zurecht zu finden. Zudem schien mir vieles etwas gehetzt und vernachlässigt. So muss es auch dem Teil des Publikums ergangen sein, das die Vorlage zu „Harry Potter und der Orden des Phönix“ nicht kannte. Da ich generell jedoch empfänglich für Fantasy bin, konnte ich mir einige Zusammenhänge selbst erklären und die Lücken somit auffüllen.

Besonders gut hat mir diese andere Welt gefallen, die ihre ganz eigenen Regeln besitzt und so gar nicht in typische Schemas passen will. Leider jedoch ist der Aufbau des Films umso mehr nach Schema F gestrickt: Die bedeutungsschwangere Stimme, die uns in die Welt einführt. Die lange Reise. Und der obligatorische Schlusskampf. Hier hat sich New Line leider zu sehr an bekannte Strukturen geklammert. Natürlich kann das auch an der Vorlage liegen, doch hätte ich mir hier etwas mehr Eigenständigkeit gewünscht.

Insgesamt kann ich „Der Goldene Kompass“ allen Fantasy-Freunden empfehlen. Für die kommenden Teile hege ich große Hoffnungen. Ein durchaus gelungener Auftakt: 7/10 Punkte.

Der Zauberer von Oz/Das zauberhafte Land – OT: The Wizard of Oz (1939)

Gestern Abend habe ich einmal wieder eine filmhistorische Lücke geschlossen. Ich habe „Der Zauberer von Oz“ gesehen. Ausschließen, dass irgendwann in meiner Kindheit bereits eine Sichtung erfolgt ist, kann ich allerdings nicht. Wie sollte ich das auch? Die Geschichte um Dorothy ist bereits so im kollektiven popkulturellen Bewusstsein verankert, dass ich nicht mehr sagen könnte, wo und wann ich bestimmte Ausdrücke, Musikstücke, Szenen, Figuren etc. schon einmal gesehen habe.

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Oft sieht man sich sogenannte Klassiker an und denkt: Schön und gut. Ist ja alles ganz nett, aber wenn dies kein Klassiker wäre, dann hätte ich mich da niemals durchgequält. Dann wiederum gibt es Klassiker, in denen man sich sofort zu Hause fühlt. Man versteht instinktiv, warum sich dieser spezielle Film im Bewusstsein der Zuschauer festgesetzt hat. Zu dieser Art von Film gehört „Der Zauberer von Oz“. Ein naives, unglaublich charmantes und grandios inszeniertes Märchen.

Allein im filmhistorischen Kontext ist der Film höchst interessant. Ein Technicolor-Film, dessen kompletter erster Akt in Sepia gehalten wird. Damals bestimmt eine gewagte Entscheidung, die das Betreten der zauberhaften Welt von Oz für Millionen von Zuschauern unvergesslich gemacht hat – eine Szene, die ihre Entsprechung in Mamoru Oshiis „Avalon“ (2001) fand. Der Einsatz von leinwandfüllenden Matte Paintings und anderen tricktechnische Meisterleistungen (z.B. der Tornado) macht den Film heute für SFX/VFX-Interessierte zu einem wahren Fundus an umgesetzten Innovationen. Von Masken, Kostümen, Kamerafahrten und und und einmal gar nicht zu reden. Allein diese Aspekte machen „Der Zauberer von Oz“ – zumindest filmhistorisch gesehen – zu einem Klassiker.

Die erzählte Geschichte ist inzwischen so in unserem Bewusstsein verankert, dass sie sich nicht mehr so leicht objektiv beurteilen lässt. Aber das muss sie auch nicht werden. Die Bilder und die Musik sprechen direkt unsere Emotionen an. Man taucht ein in dieses fremde, bunte Land und lässt die Eindrücke auf sich einwirken. Man betritt die Yellow Brick Road und begibt sich auf die Reise in das fremde und doch so bekannte Oz. Eine zauberhafte Reise mit zauberhafter Musik. Mit Witz und viel naivem Charme, der dem Film aber zugute kommt.

Ob ich nun bereits in Oz gewesen bin oder nicht. Für mich war die gestrige Sichtung ein echtes Erlebnis und ich kann jedem, der nun neugierig geworden ist, nur die grandios restaurierte Warner Special Edition empfehlen. Ein Klassiker, der diese Bezeichnung wirklich verdient hat: 10/10 Punkte.

Harry Potter und die Kammer des Schreckens – OT: Harry Potter and the Chamber of Secrets (2002)

Aktualisierung: Ich habe „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ am 13. Dezember 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach der kürzlichen Sichtung des ersten Teils, habe ich mich heute an „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ gemacht. Aufgrund der verstümmelten deutschen Schnittfassung habe ich – bis zum Erhalt der schweizer Version – weitgehend auf den Film verzichtet, was die Abnutzungserscheinungen um einiges geringer hält, als beim Vorgänger.

Harry Potter und die Kammer des Schreckens (2002) | © Warner Home Video

Harry Potter und die Kammer des Schreckens (2002) | © Warner Home Video

Chris Columbus zweiter – und letzter – Beitrag zur Reihe hat es meiner Meinung nach leichter, als die folgenden Verfilmungen: Die Vorlage ist relativ kompakt und bietet genug Stoff für eine gelungene filmische Umsetzung. Ganz im Stil des Vorgängers zaubert Columbus auch erneut eine recht werktreue Adaption auf die Leinwand. Durch die dichtere und erwachsenere Handlung hat der Film – trotz seiner Lauflänge – deutlich mehr Tempo, als der erste Teil, der mit Schwächen im Handlungsablauf zu kämpfen hatte.

Lange ist mir „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ als unbedeutendes Abenteuer im Gesamtwerk erschienen, doch seit dessen Abschluss weiß ich es besser: Es gibt unzählige Details zu entdecken und selbst Blicke und Gesten können anders interpretiert werden. Wirklich schön. Hier zahlt sich die strikte Werktreue aus, die die Nachfolger etwas vermissen lassen.

Fazit

Für mich ist Chris Columbus zweite Zauberei wohl die – bisher! – gelungenste Adaption der Romane. Sie liefert sich demnach ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Alfonso Cuaróns „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, der andere Stärken besitzt. Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn Columbus noch einmal auf den Regiestuhl im Potterschen Universum zurückkehren würde: 9/10 Punkte.

Harry Potter und der Stein der Weisen – OT: Harry Potter and the Sorcerer’s Stone (2001)

Aktualisierung: Ich habe „Harry Potter und der Stein der Weisen“ am 29. Mai 2020 und am 6. Dezember 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach dem endgültigen Finale der Abenteuer des Jungmagiers hatte ich noch einmal Lust an den Anfang zurückzukehren. Somit gab es gestern Abend zum wiederholten Male die Verfilmung von „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Nach der ersten Kinosichtung war ich wirklich begeistert, wie werktreu Chris Columbus den Roman umgesetzt hatte. Nach ein paar weiteren Sichtungen wurde allerdings schnell klar, wie groß die Abnutzungserscheinungen dieses Prologs sind. Gestern jedoch wurde ich wieder wirklich gut unterhalten.

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Harry Potter und der Stein der Weisen (2001) | © Warner Home Video

Chris Columbus hat mit „Harry Potter und der Stein der Weisen“ das Buch nahezu 1:1 auf die Leinwand gebracht. Dies war auch noch leicht möglich, da der Inhalt sich nahezu auf die Exposition – d.h. Vorstellung der Charaktere und ihrer Welt – beschränkt und demnach einen relativ einfachen und – im Gegensatz zu den Nachfolgern – nur wenig komplexen Inhalt bietet. Diese Szenen, in denen Harry Potter seine Zauberwelt entdeckt, sind meiner Meinung nach auch ganz famos gelungen. Mit unglaublicher Liebe zum Detail ausgestattet und und mit viel Verspieltheit inszeniert.

Der zweite Teil – die Geschichte um den Stein der Weisen – wirkt dann etwas sehr konstruiert und gehetzt. Die Aufgaben gegen Ende sind zwar nett anzuschauen, doch ist die Struktur zu geradlinig um auch beim wiederholten Anschauen eine Faszination auf mich auszuüben. Allerdings wirkte dieser Teil auch in der Vorlage noch etwas unausgegoren. Den Vorwurf – wenn man es überhaupt so nennen mag – möchte ich hier auch nicht Chris Columbus machen, der meiner Meinung nach eine vorbildliche Adaption geschaffen hat, sondern eher dem nicht ganz ausgereiften Drehbuch.

Als Einstieg in die Welt des Harry Potter ist der erste Teil der Filmreihe auf jeden Fall gelungen. Die liebevolle Inszenierung zieht den geneigten Zuschauer in die Welt und bereitet ihn darauf vor, was noch kommen mag. Schwächen in der Struktur der Geschichte und teils unausgereifte VFX trüben den Spaß nur bedingt. Ein durchaus netter Anfang: 7/10 Punkte.

Harry Potter und der Orden des Phönix – OT: Harry Potter and the Order of the Phoenix (2007)

Aktualisierung: Ich habe „Harry Potter und der Orden des Phönix“ am 18. Juli 2007 und am 27. Dezember 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend habe ich es auch endlich ins Kino geschafft, um die – zumindest unter Fans – kontrovers diskutierte Verfilmung von „Harry Potter und der Orden des Phönix“ zu sehen. Nach der Sichtung kann ich den hohen Diskussionsbedarf nun zumindest teilweise verstehen, wenngleich ich mich doch etwas wundern muss, warum die vorhergehenden Filme meist anstandslos akzeptiert wurden.

Harry Potter und der Orden des Phönix (2007) | © Warner Home Video

Harry Potter und der Orden des Phönix (2007) | © Warner Home Video

Für mich ist „Harry Potter und der Orden des Phönix“ – neben dem ersten Teil, der allerdings auch nur eine Einführung in diese Welt war – der bisher schwächste Roman der Reihe. Zu viele Subplots, die auch um einiges knackiger erzählt hätten werden können, zu viel bedeutungsschwangeres Gerede und erst gegen Ende wurde wieder Fahrt aufgenommen. Wahrlich kein schlechtes Buch, aber meiner Meinung nach verbesserungswürdig. Insofern war ich ganz guter Dinge in Bezug auf die Verfilmung, da das Potential für sinnvolle Kürzungen durchaus vorhanden war.

Nach dem Film kann ich nun sagen: Sehr gelungen. Atmosphärisch dicht, toll inszeniert und visuell einfach atemberaubend. Zudem wurde die Balance zwischen heimeligen Hogwarts-Szenen und epischen Actionszenen ziemlich gut gehalten. Meiner Meinung nach wurde – wie bereits bei „Harry Potter und der Feuerkelch“ – die Essenz der Geschichte auf die Leinwand gebannt und diese funktioniert auch im neuen Medium tadellos.

Ich bin nun ein Film- und Buchliebhaber. Zudem weiß ich, dass beide Medien nicht auf die gleiche Art und Weise Geschichten erzählen können. Dennoch gibt es selbstverständlich gute und schlechte Adaptionen. Viele „Harry Potter“-Fans beklagen sich nun darüber, dass so viel fehlt. Ist auch so. Keine Frage. Doch wie sonst soll man einen ca. 1000-seitigen Roman in knapp zweieinhalb Stunden Film pressen? Kein Studio der Welt würde einen vierstündigen „Harry Potter“ ins Kino bringen – man bedenke alleine die Zielgruppe. Man muss kürzen – und das ist „Harry Potter und der Orden des Phönix“ nicht schlechter oder unbedachter gemacht worden, als in den Vorgängern.

Fazit

Ich für meinen Teil bin sehr zufrieden. Ich wurde grandios unterhalten und mein Gedächtnis wurde wieder etwas aufgefrischt. Wenn ich in die komplexe Geschichte der Vorlage in allen Facetten eintauchen will, lese ich eben das Buch. Wenn ich einen Film sehen will, sehe ich einen Film. Zwei Medien, unterschiedliche Regeln. Eigentlich ganz einfach. Nun vergeht leider wieder erst einmal enorm viel Zeit, bis „Harry Potter und der Halbblutprinz“ auf der Leindwand zu bewundern sein wird. Zeit, die ich mir mit dem aktuellen Roman vertreiben werde: 8/10 Punkte.

Harry Potter und der Feuerkelch – OT: Harry Potter and the Goblet of Fire (2005)

Aktualisierung: Ich habe „Harry Potter und der Feuerkelch“ am 26. Dezember 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Wieder einmal hinke ich dem derzeit herrschenden „Harry Potter“-Wahn etwas hinterher. So habe ich bis jetzt weder den finalen Roman gelesen, noch den aktuellen Kinofilm gesehen. Zur Einstimmung auf letzteren gönnte ich mir gestern Abend zumindest noch einmal die Verfilmung von „Harry Potter und der Feuerkelch“ – wieder einmal ein äußerst unterhaltsames und positives Filmerlebnis.

Harry Potter und der Feuerkelch (2005) | © Warner Home Video

Harry Potter und der Feuerkelch (2005) | © Warner Home Video

Anfangs konnte ich mit „Harry Potter“ überhaupt nichts anfangen. Schon allein der Hype hat mich davon abgehalten die Bücher anzurühren. Nach der ersten großen Erfolgswelle – irgendwann zwischen Band 2 und 3 – habe ich mich dann doch einmal an den Erstling gewagt. Ich war überrascht vom mitreißenden Schreibstil J. K. Rowlings und wurde schneller in die fantastische Welt der Zauberei hineingezogen, als ich jemals vermutet hätte. Seitdem gehört „Harry Potter“ für mich zur Pflichtlektüre. Spätestens ab Band 3 kann sich die Reihe sowieso nicht mehr den Vorwurf machen lassen, weichgespülte Kinderfantasy zu sein. Ich war auf jeden Fall erstaunt und hocherfreut, wie erwachsen die Geschichte geworden ist. Das gleiche gilt uneingeschränkt für die Filmreihe.

Die ersten beiden Teile waren deutlich kindlicher und harmloser inszeniert als ihre Nachfolger, wenngleich – besonders in Teil 2 – auch kein Halt vor Grausamkeiten gemacht wurde. Beide Teile haben grandios die Atmosphäre der Bücher eingefangen und konnten mich ausgezeichnet unterhalten. Mit „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ wurde die Filmreihe schließlich erwachsen und Regisseur Alfonso Cuarón („Children of Men“) hat einen eigenen Stil eingeführt, der zwar etwas mehr von der Buchvorlage abgewichen ist, aber deutlich besser zum Medium Film gepasst hat. Mike Newells („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“) vierter Teil erscheint stilistisch nun wie eine Mischung aus den beiden Vorgängern, ohne jedoch eine wirkliche Eigenständigkeit zu erreichen. So kannt sich „Harry Potter und der Feuerkelch“ zwar nicht den vordersten Platz unter den J. K. Rowling-Verfilmungen sichern – als Adaption des Romans funktioniert er dennoch tadellos.

Zur Geschichte kann ich nun gar nicht viel sagen, ohne zu weit ausholen zu müssen. Sie ist stimmig erzählt, deutlich kompakter als im Buch und – auch für nicht Eingeweihte – durchaus nachvollziehbar. Besonders das letzte Drittel ist unglaublich spannend und atmosphärisch dicht. Spätestens hier wäre es an der Zeit, den lieben Kleinen die Augen zuzuhalten, liebe Eltern, denn hier wird gemordet, es werden Körperteile abgetrennt usw. Die FSK12-Freigabe ist folglich durchaus ernst zu nehmen. So sehr die spannende und düstere Inszenierung auch das erwachsene Publikum erfreut, so geht ihr doch etwa die Magie ab, die in den ersten drei Teilen noch allgegewärtig war. Das liegt vermutlich auch am Weggang von John Williams, der für „Harry Potter“ wieder einmal einen magischen und unvergesslichen Score geschrieben hatte und hier durch Patrick Doyle ersetzt wurde. Wirklich sehr schade.

Fazit

Ich kann „Harry Potter und der Feuerkelch“ für alle Fantasyfreunde nur empfehlen. Der Film bietet eine grandiose Optik und eine – für Buchkenner fast schon zu – schlüssige Handlung in der Welt der Zauberei. Nun freue ich mich erst einmal auf „Harry Potter und der Orden des Phoenix“ und das gedruckte letzte Kapitel in dieser epischen Geschichte: 8/10 Punkte.