Underworld: Aufstand der Lykaner – OT: Underworld: Rise of the Lycans (2009)

Zum Wochenendauftakt habe ich mir Patrick Tatopoulos „Underworld: Aufstand der Lykaner“ angesehen. Da ich die ersten beiden Teile recht gerne mag, waren die Erwartungen durchaus hoch. Leider jedoch konnte der jüngste Spross dieses Franchise sie nicht auch nur annähernd erfüllen.

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Bereits im Vorgänger „Underworld: Evolution“ gab es einige Szenen zu sehen, die in der Vergangenheit spielten. Diese machten wirklich enorm viel Spaß und zählen für mich zu den stärksten des gesamten Films. Insofern dachte ich, dass beim Prequel – welches die komplette Vorgeschichte erzählt – ja eigentlich nichts schief gehen kann. Falsch gedacht.

Zunächst einmal bekommt man rein gar nichts Neues präsentiert. Es wird hier nur die Vorgeschichte, welche bereits im ersten Teil innerhalb eines fünfminütigen Flashbacks erzählt wird, auf ca. 80 Minuten ausgebreitet. Für den Zuschauer gibt es somit keinerlei Überraschungen und trotz der relativ kurzen Laufzeit habe viel zu oft auf die Uhr schauen müssen. Wirklich kein gutes Zeichen.

Was dem Film an erzählerischer Finesse mangelt, kann leider auch die Inszenierung nicht wett machen. Die Düsteroptik mag anfangs noch überzeugen, doch irgendwann verliert sich die gesamte Welt nur noch in blauschwarzem Einerlei. Die Kämpfe sind zudem hektisch geschnitten und lassen jegleiches Gespür für eine effektive Montage vermissen.

Auf Seite der Schauspieler weiß allein Michael Sheen als Lucian zu überzeugen. Rhona Mitra ist nur ein schwacher Ersatz für Kate Beckinsale und Bill Nighy, den ich sonst sehr gerne sehe, verliert sich völlig in einem schrecklicken Anfall von Overacting. Regisseur Patrick Tatopoulos hätte wahrlich beim Kreaturendesign bleiben sollen.

Eine nette, jedoch leider gänzlich unepische Atmosphäre sowie einige visuell starke Szenen können den Film dann leider auch nicht vor der völligen Bedeutungslosigkeit retten. Selbst für Fans nur mit äußerster Vorsicht zu genießen: 3/10 Punkte.

Nachts im Museum – OT: Night at the Museum (2006)

Aktualisierung: Ich habe „Nachts im Museum“ am 19. November 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Als ich den Trailer zu Shawn Levys „Nachts im Museum“ damals im Kino sah, dachte ich nur: ‚So ein Schwachsinn!‘ In letzter Zeit las und hörte ich jedoch immer wieder überraschend gute Meinungen, woraufhin ich dem Film nun doch einmal eine Chance einräumen wollte.

Nachts im Museum (2006) | © 20th Century Fox

Nachts im Museum (2006) | © 20th Century Fox

Die Geschichte lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Die Ausstellungsstücke des American Museum of Natural History erwachen nachts zum leben. So einfach ist das. Nicht mehr und nicht weniger. Doch ist das genug um einen gesamten Film zu tragen? Ja. Die einfachsten Ideen sind ja bekanntlich die besten und „Nachts im Museum“ schöpft seine wahrlich zu genüge aus.

Was das Genre angeht, darf man sich natürlich keinen Illusionen hingeben. „Nachts im Museum“ ist ein astreiner Familienfilm, der zwar Erwachsenen auch Spaß macht, doch eher auf die Kleinen abziehlt. Wer damit allerdings keine Probleme hat, wird über gut 90 Minuten aber tadellos unterhalten. Toll getrickst und mit einem sympathisch aufspielenden Ben Stiller vergeht die Zeit wie im Flug.

Der größte Kritikpunkt ist für mich wohl die Vorhersehbarkeit der Geschichte. Typisch Familienfilm eben. Tut nicht weh, besitzt aber eben auch nur wenig Nachhaltigkeit. Dafür hat der Film wunderbar meinen eigenen letztjährigen Besuch des American Museum of Natural History aufleben lassen. Hierfür muss ich glatt Bonuspunkte vergeben. Es ist doch immer wieder schön, wenn man selbst schon einmal am Ort des Geschehens war.

Mich hat „Nachts im Museum“ wirklich gut unterhalten. Ein schöner Film zum Abschalten und Berieseln lassen. Hat Spaß gemacht und sollte der zweite Teil einmal in ähnliche Preisregionen rutschen, werde ich garantiert auch wieder reinschauen: 6/10 Punkte.

Harry Potter und der Halbblutprinz – OT: Harry Potter and the Half-Blood Prince (2009)

Aktualisierung: Ich habe „Harry Potter und der Halbblutprinz“ am 28. Dezember 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach beinahe zwei Jahren der Vorfreude habe ich mir gestern endlich die Verfilmung von  „Harry Potter und der Halbblutprinz“ angesehen. Zwar wurden die Erwartungen durch vermehrt auftauchende Kritikerschelte etwas gedämpft, was dem Filmerlebnis letztendlich jedoch keinen Abbruch tat.

Harry Potter und der Halbblutprinz (2009) | © Warner Home Video

Harry Potter und der Halbblutprinz (2009) | © Warner Home Video

Für mich fügte sich der Film wunderbar an seinen direkten Vorgänger an und übertraf diesen in meinen Augen noch um einige Längen. Bevor ich weiter auf den Film eingehe sollte ich erwähnen, dass mir die Handlung der Vorlage nur noch rudimentär im Gedächtnis ist. Müsste ich sie wiedergeben, wäre vermutlich noch weniger davon übrig geblieben, als David Yates letztendlich in seine Adaption einfließen ließ. Vermutlich kann ich deshalb auch so gut mit den Kürzungen leben.

Im Gegensatz zum vorhergehenden „Harry Potter und der Orden des Phönix“ hat Yates den Figuren wieder mehr Entwicklungsspielraum gegeben. Die Handlung wirkt – wohl auch aufgrund der Auslassungen – nicht mehr so gedrängt und lässt somit Platz für diverse Abschweifungen. In diesem Fall hauptsächlich die diversen Liebeleien unter den Zauberschülern. Auch wenn ich die cineastische Blogosphäre hier aufschreien höre muss ich zugeben, dass mir diese Szenen ziemlich gut gefallen haben. Man merkt in diesen schön, dass Harry und Co. eben doch nur Teenager sind und nicht in erster Linie großen Kämpfer gegen das Böse. Wunderbar waren besonders die Szenen zwischen Harry und Hermine. Lavender und Ron hätte dagegen etwas weniger Screentime gut getan.

Die verminderte Zahl der visualisierten Erinnerungen des dunklen Lords fand ich zwar schade, letztendlich aber durchaus gangbar. Irgendwo muss man eben kürzen und die Essenz dieses Handlungsstrangs wurde den Zuschauern dennoch mitgeteilt. Insgesamt empfand ich den Handlungsfluss als recht ausgewogen, wenngleich man an manchen Stellen durchaus gemerkt hat, dass es mehr zu erzählen gäbe. Allerdings hat sich dieses Gefühl nie zu sehr in der Vordergrund gedrängt und ich vermute auch Nichtkenner der Vorlage dürften kein Problem gehabt haben der Handlung zu folgen.

Inszenatorisch gibt es absolut nichts zu meckern. Einzig den abgeschwächten Angriff der Todesser am Ende des Films fand ich schade. Vielleicht wollte Yates den Film auf einer emotionaleren und weniger actionbetonten Note enden lassen. Hier hätte ich mir auf jeden Fall mehr gewünscht. Mehr bekommen hatte ich davor allerdings von Jim Broadbent, den ich als Professor Horace Slughorn wirklich wunderbar fand. Genau so hatte ich mir diese Figur vorgestellt. Wirklich sehr schön gespielt.

Fazit

Nach dem Film war ich beinahe geschockt, wie schnell diese 150 Minuten doch vergangen sind. Ich hätte am liebsten sofort weitergeschaut. Dies ist wohl das beste Zeichen für einen Film, der zwar nicht perfekt ist, doch wunderbar unterhält und den Geist der Vorlage atmet. Ein perfekter Fantasyblockbuster und damit eine nette Ergänzung zur Vorlage: 8/10 Punkte. Nun heißt es wieder warten… (Zappelinchen: 8/10 Punkte; Zwergofant: 9/10 Punkte.)

Harry Potter und der Orden des Phönix – OT: Harry Potter and the Order of the Phoenix (2007) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Harry Potter und der Orden des Phönix“ am 27. Dezember 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Bevor es heute Abend in den aktuell im Kino laufenden sechsten Teil geht, habe ich mein Gedächtnis mit „Harry Potter und der Orden des Phönix“ noch einmal aufgefrischt. Neue Erkenntnisse gibt es kaum, die Vorfreude ist aber auf jeden Fall gewachsen.

Harry Potter und der Orden des Phönix (2007) | © Warner Home Video

Harry Potter und der Orden des Phönix (2007) | © Warner Home Video

Im Vergleich zu den Vorgängern konzentriert sich Regisseur David Yates eher auf die Essenz der Geschichte, als auf die magische Atmosphäre von Hogwarts und der Zauberwelt im Allgemeinen. Das ist einerseits positiv zu sehen, da die Handlung verdichtet und ohne langatmiges Abschweifen erzählt wird, andererseits aber auch negativ, da viele Details auf der Strecke bleiben und es dem Film somit an Tiefe mangelt. Da ich Joanne K. Rowlings Vorlage über weite Strecken zu redundant und unfokussiert empfand, überwiegt bei mir die positive Einstellung in Bezug auf die filmische Adaption.

Wenn ich versuche „Harry Potter und der Orden des Phönix“ in die Gesamtgeschichte einzuordnen, dann fällt mir das nicht leicht. Es fehlt hier der Abenteueraspekt, der noch in den ersten beiden Teilen sowie dem vierten Teil vorherrschte, ebenso wie die vorantreibende Handlung eines „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“. Auch ist dieser fünfte Teil keine Exposition für das große Finale, wie sein direkter Nachfolger. Er befindet sich irgendwo zwischen den Welten. Für mich neben dem ersten Teil wohl der schwächste Abschnitt dieser epischen Geschichte.

Fazit

Wie bereits nach der letzten Sichtung bin ich durchaus positiv angetan von dieser Adaption und deshalb auch äußerst erfreut, dass David Yates auch in den letzten zwei bzw. drei Teilen auf dem Regiestuhl Platz nimmt. Ich hoffe nur, dass die Hauptdarsteller nicht noch älter wirken, als bereits in diesem Film. Die Frisuren (kein militärischer Kurzhaarschnitt mehr für Harry) versprechen zumindest schon einmal Besserung. Mehr zum aktuellen Teil dann morgen. Hierfür gibt es zunächst erneut verdiente – und so wie ich meine Leser kenne durchaus anfechtbare – 8/10 Punkte.

Eragon (WS1)

Nachdem ich nun dank Hörbuch die gesamte Geschichte kenne, habe ich mir gestern noch einmal die Verfilmung von Christopher Paolinis „Eragon“ angesehen. Wirklich neue Erkenntnisse hatte ich mir nicht erhofft, dennoch war es interessant zu sehen, wie sich meine Wahrnehmung des Films gewandelt hat.

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Durch die Kenntnis der Vorlage habe ich mich – im Gegensatz zur ersten Sichtung – sofort in Alagaesia zurechtgefunden. Orte, Figuren und Zusammenhänge, welche im Film nur angerissen werden, besitzen für mich nun eine Bedeutung, was auch der Adaption zugute kommt. Umso stärker fallen demzufolge auch die Kürzungen ins Gewicht. Besonders das Training von Eragon und Saphira, ihre wachsende Vertrautheit und die epische Reise verkommen zu reinen Bruchstücken. Da hätte man dem Film ruhig eine halbe Stunde mehr gönnen dürfen.

Die Schauspieler (besonders Ted Speleers als Eragon) haben mich dieses Mal nicht mehr so sehr gestört. Sicher immer noch weit von einer Idealbesetzung entfernt, doch irgendwie hatte auch der Eragon der Vorlage diesen Hang zum naiven Heldentum. Dafür konnten mich die Szenen mit Saphira nicht mehr allzu sehr begeistern, da sie ihrem Romanpendant weit hinterherhinken und zu sehr auf effekthascherische Actionszenen gesetzt wird.

Richtig schlimm fand ich dieses Mal den finalen Endkampf. Warum man das Budget für den schwachsinnigen Schattendrachen nicht in die vollständige Reise zu den Varden gesteckt hat, wird mir ein ewiges Rätsel bleiben. Man muss doch als Filmproduzent annehmen, dass Fans der Vorlage solch ein elementarer Inhalt wichtiger ist, als vorlagenfremde VFX-Schlachten. Ansonsten bin ich mit der Umsetzung immer noch recht zufrieden. Hätte zumindest schlimmer kommen können, zumal die Vorlage auch weit davon entfernt ist perfekt zu sein.

Ein netter Fantasyfilm, aus dem man bestimmt mehr hätte machen können. Nun bleibt er nur ein weiterer unter viel zu lieblos heruntergekurbelten und deshalb erfolglosen Romanverfilmungen. Ich hätte mir die weiteren Teile dennoch gerne angesehen: 6/10 Punkte.

Verwünscht – OT: Enchanted

Ein Film, der schon seit langem auf meiner Liste der zu sehenden Filme steht ist „Verwünscht“ aus dem Hause Disney. Der Trailer versprach einen erfrischend neuen Ansatz und als alter Disney-Fan war es sowieso nur eine Frage der Zeit, bis die DVD ihren Weg in den heimischen Player findet.

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Die ersten zehn Minuten stimmen wunderbar auf die kitschige Zeichentrickwelt ein. Völlig übertrieben und klischeehaft, doch gerade so selbstständig, dass man sich nicht völlig in einer Parodie wähnt. Erst ab dem Übergang in die Realwelt kommt dann der erwartete Humor vollständig zum Tragen. Jedoch sollte man wahrlich keinen zweiten „Shrek“ erwarten, denn davon ist Disneys „Enchanted“ meilenweit entfernt. Diesen Umstand sollte man allerdings nicht zwangsweise negativ auslegen.

Anders als – zumindest von mir – erwartet ist „Verwünscht“ keine reine Culture-Clash-Komödie, sondern überträgt die Regeln der Zeichentrickwelt nahezu 1:1 in die Realität. Dies birgt ansich zwar weniger Humorpotential, doch bietet es mehr Spielraum für die Charaktere und macht Kevin Limas („Tarzan“) Film zu einem echten Disney-Werk. Samt übertriebenem Kitsch, Gesang und zuckersüßem Happy End. Dieser Umstand mag einige Zuschauer verschrecken, jene die jedoch mit den Klassikern – „Cindarella“, „Arielle, die Meerjungfrau“, „Dornrößchen“, „Susi und Strolch“ usw. – aufgewachsen sind, werden unzählige Déjà vus erleben.

Sicherlich hätte man mehr aus der Idee machen können, doch dann hätte man sich vermutlich mehr auf eine Zielgruppe einschießen und den klassischen Disney-Pfad verlasen müssen. Mutiger sein. Dann wäre vermutlich eine ganz andere Art von Film dabei herausgekommen. Besser? Schwer zu sagen. John McTiernans „Last Action Hero“ hatte bereits 1993 übrigens eine ähnliche Prämisse.

Disneys „Verwünscht“ ist eine humorvolle Kitschbombe, die allen Genrefans ein Lächeln auf das Gesicht zaubern wird. Und sei es allein aufgrund der bezaubernden Amy Adams. Kein neuer Klassiker aus der altehrwürdigen Animationsschmiede, doch eine wundervolle Hommage an eben solche. Wirklich schön: 8/10 Punkte. Doch Vorsicht: Kann Karies verursachen!

Horton hört ein Hu! – OT: Horton Hears a Who!

Nach einem recht straffen Tag ging es mit der Dr. Seuss-Adaption „Horton hört ein Hu!“ endlich in den wohlverdienten Feierabend. Die Vorlage ist mir übrigens vollkommen unbekannt, weshalb ich in dieser Richtung keinerlei Vergleich anstellen kann.

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Der Film besticht zunächst einmal mit seiner herrlichen Optik. Die Flora und Fauna von Nool bzw. Whoville ist quietschbunt und alles andere als realistisch. Herrlich! Da konnten sich die Animatoren von Blue Sky Studios („Ice Age“ & „Ice Age 2: Jetzt taut’s“) einmal so richtig austoben. Besonders für Kinder müssen die verrückten Lebewesen eine wahre Freude sein. Überhaupt ist „Horton hört ein Hu!“ wohl in erster Linie ein Kinderfilm und als solcher funktioniert er auch tadellos. Eine schöne Botschaft wird formal absolut überzeugend transportiert. Äußerst gelungen!

Für Erwachsene bietet die Geschichte nur wenig Neues. Der Welt-in-der-Welt-in-der-Welt-Aspekt ist schön herausgearbeitet und die Zwiegespräche zwischen Horton und dem Bürgermeister von Whoville bergen so einige Schmunzler. Alles andere ist vermutlich zu kindgerecht, was ich dem Film aber nicht ankreiden möchte. Etwas sauer aufgestoßen ist mir nur die Anime-Sequenz, welche sich einer etwas älteren Zielgruppe anzubiedern scheint. Das hätte man knapper fassen können.

Für mich ist „Horton hört ein Hu!“ zwar kein neuer Animationshit, doch bleibt der Film vor allem durch seine überzeugende visuelle Gestaltung sowie die famosen Sprecher (u.a. Steve Carell und Jim Carrey) im Gedächtnis. Würde ich definitiv mit meinen Kindern anschauen: 7/10 Punkte.

Hellboy 2: Die Goldene Armee – OT: Hellboy II: The Golden Army (2008)

Nach einer mehr als nur turbulenten Woche, habe ich mir gestern Abend Guillermo del Toros „Hellboy 2: Die Goldene Armee“ angesehen. Nach der kürzlichen Sichtung des wunderbaren Vorgängers war ich wirklich heiß auf den Film und meine Erwartungshaltung war entsprechend aufgeheizt. Konnte das Sequel sein Versprechen einlösen?

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Diese Frage kann ich nach der Erstsichtung wohl noch nicht beantworten, was auch zu großen Teilen mit den äußeren Umständen zusammenhängt. So musste ich mich wirklich zusammenreißen nicht einzuschlafen, was ich allerdings weniger dem Film ankreiden möchte, als den energieraubenden letzten Tagen. Inszenatorisch ist die Rückkehr des roten Affen nämlich eine Wucht! Del Toros Handschrift ist deutlich zu erkennen und es wird auf die Leinwand geschleudert, was die Effektetüte so hergibt. Langweile ist insofern etwas, das man dem Film wirklich nicht vorwerfen kann.

Ich hatte teils fast schon damit zu kämpfen eine Verschnaufpause zwischen den Actionszenen zu finden. Besonders die erste Filmhälfte jagt von einem actionbetonten Schauplatz zum nächsten. Hier hätte ich mir sogar etwas mehr Zurückhaltung gewünscht oder besser gesagt mehr Charaktermomente, welche leider oft etwas auf der Strecke bleiben. Im Mittelteil des Films rücken diese glücklicherweise wieder etwas mehr in den Vordergrund und ich hatte eine Gänsehaut, als die grandiosen EELS mit BEAUTIFUL FREAK gespielt wurden – ein Song, den ich wohl seit meiner Jugend nicht mehr gehört habe. Fantastisch!

Die eigentliche Geschichte ist wohl der größte Schwachpunkt des Sequels. Zwar fand ich die Darstellung der Prämisse durch die Erzählung von Professor Broom sehr gelungen und auch die ersten Auftritte von Prinz Nuada konnten wirklich überzeugen, doch so richtig wollte sich der epische und bedrohliche Effekt nicht einstellen. Besonders das Finale fand ich eher schwach. Vielleicht war mir die Goldene Armee auch einfach zu mechanisch und plump dargestellt. Nein, das konnte mich nicht wirklich überzeugen.

Eine kleine Anmerkung noch für Monsterfreunde: „Hellboy 2: Die Goldene Armee“ setzt hier wohl neue Maßstäbe. Selbst wenn der Trollmarkt etwas wie eine Mischung aus der Winkelgasse und der Cantina aus „Star Wars“ wirkt, so gibt es hier doch selbst für eingefleischte Kreaturenfreunde einiges zu bestaunen. So viel sogar, dass eine Zweitsichtung wirklich nötig ist!

Für mich kann diese Fortsetzung leider nicht mit dem gelungenen Erstling mithalten. Diesen fand ich eine ganze Spur ausgewogener und auch unterhaltsamer. Dabei ist „Hellboy 2: Die Goldene Armee“ alles andere als schlecht, ich hatte mir nur einfach mehr erwartet. Potential nach oben ist aber auf jeden Fall vorhanden: 7/10 Punkte.

Der seltsame Fall des Benjamin Button – OT: The Curious Case of Benjamin Button (2008)

Als ich das erste Mal von David Finchers „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ hörte, war mein Interesse sofort geweckt. Bisher hatte mich noch kein Film des Regisseurs enttäuscht und die Geschichte versprach zudem seine Fähigkeiten in einem ganz neuem Genre zu fordern. Dann kam die Zeit vor den Academy Awards und der Film war plötzlich in aller Munde. Größtenteils war der Tenor eher negativ und mit dem aufkommenden Hype ist mein Interesse beinahe völlig verschwunden.

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Die gestrige Sichtung war auch nur eine Notlösung, da wir ins Kino eingeladen wurden und uns die restlichen Filme noch weniger interessierten. Die Erwartungshaltung hätte folglich geringer nicht ausfallen können. Ich erwartete einen typischen Oscar-Film: Ohne Herz und mit viel Kalkül inszeniert (spontan fällt mir hier z.B. „A Beautiful Mind“ ein). Was ich jedoch zu sehen bekam war Kino in seiner reinsten Form. Bildgewordene Nostalgie, eine epische Liebesgeschichte und technische Perfektion, die in ihrer subtilen Erhabenheit noch unzählige Filme nach „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ prägen wird.

Ich mag Filme, in denen man Charaktere aufwachsen sieht. Ihr Leben verfogt. Eine Beziehung zu ihnen aufbaut. Filme die Nostalgie unvermittelt an ihre Betrachter weitergeben können. Wenn Benjamin seinen Vater zum Sterben an den Lieblingsort seiner Kindheit bringt, dann berührt mich das. Ebenso wie dutzende andere Szenen, die vielleicht nebensächlich erscheinen mögen, für das emotionale Wachstum der Figuren aber unerlässlich sind. Überhaupt handelt der Film weniger davon, dass Benjamin immer jünger wird, sondern wie die Menschen in seiner Umwelt auf ihn reagieren und von ihm beeinflusst werden. Ihr Bewusstsein in Bezug auf das Leben, das Altern und das Sterben wird geweckt. Sehr schön in diesem Zusammenhang fand ich die Episode in der Benjamin auf Elizabeth Abbott (Tilda Swinton) trifft und die unvermittelte spätere Auflösung.

Benjamins Lebensgeschichte wird in die Rahmenhandlung seiner sterbenden großen Liebe eingebettet. Hier sehe ich auch die einzigen Kritikpunkte, da mir die Übergänge teils etwas holprig und zu forciert (z.B. Hurrikan Katrina) erschienen. Ein ähnliches emotionales Gerüst, wie es bereits Tim Burton in „Big Fish“ verwendet hatte. Durch die immer wieder unterbrochene Handlung konnten zumindest Zeitsprünge relativ flüssig eingebaut werden und es war jedes Mal ein Ereignis Benjamin Button (bzw. Brad Pitt) in weiter verjüngter Form zu sehen.

Hier komme ich nun auch auf die Technik zu sprechen, die einen neuen Meilenstein für die Branche darstellt dürfte. Es ist wirklich unglaublich, was die VFX-Magier hier geschaffen haben. Selten habe ich so perfekte und absolut subtile Effektarbeit gesehen. Der Film wirkt in jedem Einzelbild wie aus einem Guss und wüsste man es nicht besser, man würde annehmen Brad Pitt und Cate Blanchett seien während der Dreharbeiten stark gealtert, nur um kurze Zeit später den Jungbrunnen gefunden zu haben. Einfach unglaublich und schon jetzt ein Grund mich auf die hoffentlich erscheindende Special Edition der DVD mit vielen Hintergrundberichten zu den Effekten zu freuen.

Was David Finchers jüngstes Werk abgesehen von seiner technischen Perfektion für mich wirklich zu einem besonderen Film macht, ist seine emotionale Wirkung. Die meiste Zeit war ich tatsächlich mit einem Lächeln auf den Lippen im Kino gesessen. Ich konnte den Film miterleben, was leider viel zu selten vorkommt. Zudem musste ich mehr als nur einmal eine Träne verdrücken und das nicht etwa, weil Fincher inszenatorisch besonders auf die Tränendrüse gedrückt hätte, sondern weil man mit den Charakteren mitgeliebt, mitgelebt und mitgelitten hatte. Es ist eine echte Bindung entstanden und das ist für mich großes Kino.

Für mich ist „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ schon jetzt eine der positivsten Überraschungen des noch jungen Kinojahres. Allen nostalgischen Träumern da draußen kann ich nur empfehlen sich nicht aufgrund der unzähligen schlechten Kritiken von einer Sichtung abhalten zu lassen. Der Film ist großes Kino. Kino fürs Herz: 9/10 Punkte.

Hellboy – Director’s Cut (2004)

Als ich Guillermo del Toros Comicverfilmung „Hellboy“ – bereits damals im Director’s Cut – zum ersten Mal sah, wusste ich nicht so recht was ich zu erwarten hatte. Die Vorlage war mir fremd und ich konnte den Film anfangs nur schwer einordnen. Eines stand jedoch ohne Zweifel fest: Ich hatte verdammt viel Spaß mit dem roten Affen!

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Aus der Vielzahl an Comicverfilmungen ist mir „Hellboy“ eindeutig als die sympatischste in Erinnerung geblieben. Auch wenn die Hauptfigur wohl – oberflächlich betrachtet – weit weniger menschlich erscheinen mag als die „X-MEN“ oder „The Hulk“, so steckt hinter der harten roten Schale doch der menschlichste aller Superhelden. Dieser Eindruck ist wohl vor allem auch Ron Perlmans grandiosem Spiel zu verdanken, der unter der Maske zur Höchstform aufläuft. Als hätte Mike Mignola die Vorlage nur für ihn geschrieben.

Stilistisch erinnert „Hellboy“ eher noch an „Blade II“, als an „Pans Labyrinth“ und ist somit seinen Comicwurzeln absolut treu geblieben. Für mich als Monsterfreund ist der Film sowieso eine kleine Offenbarung: Sammael gibt einen wunderbaren Höllenhund ab und Karl Ruprecht Kroenen ist ein absolut faszinierender Bösewicht. Selbst das riesige Schleimmonster – das sowohl H. P. Lovecrafts Phantasie, als auch Katsuhiro Otomos „Akira“ entsprungen sein könnte – passt perfekt in diese Welt. Comicfantasy at its best!

Nun bin ich mehr als gespannt auf „Hellboy II: The Golden Army“, welcher sich – wenn man nach dem Trailer urteilt – vom Kreaturendesign her gesehen stark bei „Pans Labyrinth“ bedient. Ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass „Der Hobbit“ bei Guillermo del Toro in guten Händen ist. Ein beruhigendes Gefühl. Dieser höllisch unterhaltsame Ausflug in die bunte Comicwelt ist mir auf jeden Fall 8/10 Punkte wert.