Der Herr der Ringe: Die zwei Türme – Special Extended Edition – OT: The Lord of the Rings: The Two Towers (2002)

Damals im Kino konnte mich Peter Jacksons „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“ nicht so sehr begeistern, wie sein direkter Vorgänger. Kein Wunder, hatte dieser für mich das Fantasygenre auch komplett neu definiert. Doch inzwischen ist der Mittelteil der Geschichte mit jeder Sichtung des Special Extended Edition stetig gewachsen und fügt sich qualitativ nahtlos in die Trilogie ein.

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Hat „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ noch eine eher persönliche Fantasygeschichte erzählt und konnte man das epische Ausmaß nur erahnen, so erweitert „Die zwei Türme“ Tolkiens Mittelerde um gewichtige Persönlichkeiten und ihr Reich. Die politische und strategische Bedeutung von Rohan und Gondor rückt immer mehr in den Fokus des Geschehens. Man merkt, wie viele Menschen tatsächlich an das Schicksal des Rings gebunden sind. Hier geht es um mehr, als nur die Waffe des Feindes – hier geht es um den Feind selbst.

Neben der Verdeutlichung des Schicksals von Mittelerde steht jedoch immer noch die persönliche Reise eines kleinen Hobbits im Vordergrund. Frodo und Sam treffen auf Gollum und müssen sich nicht nur mit den Widrigkeiten ihrer Aufgabe, sondern vor allem mit sich selbst und ihrer Bürde auseinandersetzen. Damals wie heute ist es für mich unglaublich, wie lebensecht die Darstellung Gollums gelungen ist. Ein vollwertiger Charakter. Menschlich. Perfekt zu sehen in der grandiosen Visualisierung seiner Schizophrenie. Ein Meilenstein für das digitale Kino.

Der dritte Handlungsstrang begleitet Merry und Pippin bei ihrer Reise nach Isengard. Hier steht vor allem die Ökobotschaft im Vordergrund, die ein beständiges Thema in Tolkiens Trilogie ist. Personifizierte Bäume zerstören die Quelle der Industrialisierung bzw. der Rüstungsindustrie und erobern ihr Land zurück. So flach sich dies in der reinen Beschreibung anhören mag, so visuell beeindruckend ist diese ungewöhnliche Schlacht jedoch. Zudem mag ich die ruhigen Szenen zwischen Baumbart und den beiden Hobbits.

Durch die drei parallel erzählten Handlungsstränge wird die Geschichte nie langweilig. Wohldosierte Höhepunkte zeugen zudem von einem guten Gespür für Timing, was der Romanvorlage durch ihre starre  Erzählstruktur zu großen Teilen leider abgeht. Irgendwann werde ich mich dennoch noch einmal daran wagen, denn trotz der enormen Laufzeit konnten im Film bestimmt nicht alle erzählenswerten Geschehnisse der Geschichte wiedergegeben werden.

„Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“ leidet für mich heute kaum noch daran der Mitteilteil einer Trilogie zu sein. Die Geschichte wirkt absolut rund und ich habe mich wirklich zu keiner Sekunde gelangweilt. Die Vorfreude auf den dritten Teil ist zudem noch weiter angewachsen. Ein wahrlich fantastischer Film: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Sam: ‚Those were the stories that stayed with you. That meant something, even if you were too small to understand why. But I think, Mr. Frodo, I do understand. I know now. Folk in those stories had lots of chances of turning back, only they didn’t. They kept going. Because they were holding on to something.‘

17 Gedanken zu “Der Herr der Ringe: Die zwei Türme – Special Extended Edition – OT: The Lord of the Rings: The Two Towers (2002)

  1. Ich habe so meine Probleme mit dem zweiten Teil, weil er mir doch zu langatmig ist und ich schwer mit meinem Durchhaltevermögen kämpfen muss. Vor allem das angesprochene „Enting“ ist in meinen Augen der Gipfel der Langweile und für die Handlung eher kontraproduktiv. Warum entscheiden sich die sprechenden Bäume erst gegen eine Intervention gegen Saruman – in einer ewig langen Sequenz – wenn sie dann innerhalb einer Sekunde Isengard stürmen? Das ist unlogisch. Es gibt noch eine Reihe weiterer Details, die ich nicht mag (Gimli, die Witzfigur; Frodo und Sam am Ende in Osgiliath; die etwas ausgewaltzte chlacht um Helms Klamm; Aragorns Sturz vom Felsen). Das sind zwar alles in allem nur kleinere Abstriche in einem fantastischen Film, aber das hat mir eben nicht ganz so gut gefallen.

    Den stärksten Punkt, den ich aber vermisst habe, war die Gemeinschaft, die so wunderbar im ersten Film funktioniert hat. Aber gut, das ist natürlich handlungsbedingt, dass es nun mehrere parallele Storyfäden gibt.

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  2. Stimmt, die fehlende Gemeinschaft habe ich bei den ersten Sichtungen auch immer vermisst. Inzwischen habe ich mich allerdings daran gewöhnt. Ich denke in Bezug auf abenteuerlichen Gemeinschaftsgeist wird die Verfilmung von „Der Hobbit“ noch einmal groß auftrumpfen können – was ich mich darauf freue!

    Die von dir angesprochenen Kritikpunkte sind natürlich voll und ganz nachvollziehbar und haben mich auch schon gestört. Doch ich muss sagen, dass sie für mich immer mehr in den Hintergrund gerückt sind und mir nun kaum noch negativ auffallen. Vermutlich sollte man die Trilogie sowieso nur als großes Ganzes betrachten und als solches kann ihr – zumindest aus meiner Sicht – kein anderes Epos auch nur annähernd das Wasser reichen.

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  3. Ja, aber wer hat schon Zeit das „große Ganze“ auf einmal an einem Tag/Abend zu schauen. Aus Zeitgründen muss das ja zwangsläufig auf drei Tage verteilt werden, weshalb da immer ein kleiner Bruch drin ist.

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  4. Natürlich ist eine zusammenhängende Sichtung ziemlich unmöglich, fordern die aktuellen drei bis vier Stunden Laufzeit ja schon immer ihren Tribut. Dennoch denke ich, dass wenn es eine Trilogie gibt, die problemlos als Gesamtwerk betrachtet werde könnte, dann ist das eindeutig Peter Jacksons „Der Herr der Ringe“.

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  5. was der Romanvorlage durch ihre starre Erzählstruktur zu großen Teilen leider abgeht.

    Bei sowas schüttelt’s mich bis ins Mark. Ich stimme thwidras Kritikpunkten zu, nur stören diese den Film weitaus gravierender als bullion einzugestehen bereit ist. Die gesamte Entpassage macht im Film überhaupt keinen Sinn, Aragorns Sturz ins Überflüssig par excellence, Frodos Darstellung rutscht bisweilen ins Lächerliche ab und was Jackson aus Faramir gemacht hat, entbärt jeglichem Verständnis und Respekt. Von den Effekten her ein überzeugender Film, mit der einen oder anderen wirklich gelungenen Szene (Gandalfs Sturm auf Helm’s Klamm), ansonsten aber nur durchschnittlich.

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  6. Auch wenn es ein Film ist, der einen Weltbestseller zur Vorlage hat, vergleiche ich bei HdR ungern Buch mit Film.
    Ich weiß nicht, wieso.
    Beides sind meiner Meinung nach Meisterwerke.
    Man muss halt auch immer bedenken, dass man Bücher nie 1:1 umsetzen kann. Schon gar nicht HdR. Da wären wir ja bei… Minimum 8 Stunden pro Film? =))

    „Natürlich ist eine zusammenhängende Sichtung ziemlich unmöglich… “ Betonung auf ziemlich. Unser Kino hat nen HdR-Tag eingelegt, als der 3. rauskam =))
    Habs mir auch vorgenommen, alle nacheinander anzuschauen. Bislang hats leider nicht geklappt. Aber naja, wer weiß, wie aufnahmefähig man nach 2 Teilen noch ist. ^^

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  7. @ TheRudi: Dass du mit meiner Sichtweise so deine Probleme haben wirst, dachte ich mir schon. Zu den von thwidra geäußerten Kritikpunkten kann ich (noch) nicht wirklich viel sagen, da mir einfach der Vergleich zur Vorlage fehlt. Im Film haben diese auf mich nicht störend gewirkt. Für die Handlung überflüssig sind – besonders in der erweiterten Fassung – zudem ja so einige Szenen, jedoch bestimmen diese ganz stark die wunderbare Atmosphäre von Jacksons Mittelerde. Ich bleibe dabei: Für mich ein rundum gelungener Film!

    Mal sehen, ob ich meine Meinung nach dem Lesen der Bücher ändern werde – ich bezweifle es jedoch.

    @ Lars: Ja, von den „Der Herr der Ringe“-Tagen im Kino habe ich schon gehört. Jedoch kann ich mir das nicht so recht vorstellen, da ich die Filme lieber genießen möchte – zudem könnte ich mir die Kinofassung wohl nicht mehr so wirklich anschauen: Ich würde einfach zu viele liebgewonnene Szenen vermissen!

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  9. Erstaunlicherweise finde ich ja, dass die EE des zweiten Teils eben jenen selbigen um einiges aufwertet. Die zusätzlichen Szenen hier sind meiner Meinung nach wirklich sinnvoll und relativeren z.B. ein wenig die im Vergleich zum Buch gegensätzliche Darstellung Faramirs. Beim Rest bleibe ich aber dabei, dass es für mich Kritikpunkte sind – wenn auch insgesamt gesehen sehr kleine im Vergleich zum gesamten Rest des Films. 😉

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  10. Versteh mich nicht falsch, ich finde die erweiterten Szenen stellen auf jeden Fall einen deutlichen Mehrwert dar! Ob dagegen alle für die Handlung nötig sind steht auf einem anderen Blatt – für mich sind es aber gerade die charakterbildenden oder Atmosphäre schaffenden Szenen, die ich als wichtig erachte. Insofern fällt auch die Darstellung Faramirs unter diesen Aspekt.

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