Hellboy 2: Die Goldene Armee – OT: Hellboy II: The Golden Army (2008)

Nach einer mehr als nur turbulenten Woche, habe ich mir gestern Abend Guillermo del Toros „Hellboy 2: Die Goldene Armee“ angesehen. Nach der kürzlichen Sichtung des wunderbaren Vorgängers war ich wirklich heiß auf den Film und meine Erwartungshaltung war entsprechend aufgeheizt. Konnte das Sequel sein Versprechen einlösen?

hellboy_golden2

Diese Frage kann ich nach der Erstsichtung wohl noch nicht beantworten, was auch zu großen Teilen mit den äußeren Umständen zusammenhängt. So musste ich mich wirklich zusammenreißen nicht einzuschlafen, was ich allerdings weniger dem Film ankreiden möchte, als den energieraubenden letzten Tagen. Inszenatorisch ist die Rückkehr des roten Affen nämlich eine Wucht! Del Toros Handschrift ist deutlich zu erkennen und es wird auf die Leinwand geschleudert, was die Effektetüte so hergibt. Langweile ist insofern etwas, das man dem Film wirklich nicht vorwerfen kann.

Ich hatte teils fast schon damit zu kämpfen eine Verschnaufpause zwischen den Actionszenen zu finden. Besonders die erste Filmhälfte jagt von einem actionbetonten Schauplatz zum nächsten. Hier hätte ich mir sogar etwas mehr Zurückhaltung gewünscht oder besser gesagt mehr Charaktermomente, welche leider oft etwas auf der Strecke bleiben. Im Mittelteil des Films rücken diese glücklicherweise wieder etwas mehr in den Vordergrund und ich hatte eine Gänsehaut, als die grandiosen EELS mit BEAUTIFUL FREAK gespielt wurden – ein Song, den ich wohl seit meiner Jugend nicht mehr gehört habe. Fantastisch!

Die eigentliche Geschichte ist wohl der größte Schwachpunkt des Sequels. Zwar fand ich die Darstellung der Prämisse durch die Erzählung von Professor Broom sehr gelungen und auch die ersten Auftritte von Prinz Nuada konnten wirklich überzeugen, doch so richtig wollte sich der epische und bedrohliche Effekt nicht einstellen. Besonders das Finale fand ich eher schwach. Vielleicht war mir die Goldene Armee auch einfach zu mechanisch und plump dargestellt. Nein, das konnte mich nicht wirklich überzeugen.

Eine kleine Anmerkung noch für Monsterfreunde: „Hellboy 2: Die Goldene Armee“ setzt hier wohl neue Maßstäbe. Selbst wenn der Trollmarkt etwas wie eine Mischung aus der Winkelgasse und der Cantina aus „Star Wars“ wirkt, so gibt es hier doch selbst für eingefleischte Kreaturenfreunde einiges zu bestaunen. So viel sogar, dass eine Zweitsichtung wirklich nötig ist!

Für mich kann diese Fortsetzung leider nicht mit dem gelungenen Erstling mithalten. Diesen fand ich eine ganze Spur ausgewogener und auch unterhaltsamer. Dabei ist „Hellboy 2: Die Goldene Armee“ alles andere als schlecht, ich hatte mir nur einfach mehr erwartet. Potential nach oben ist aber auf jeden Fall vorhanden: 7/10 Punkte.

Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia – OT: The Chronicles of Narnia: Prince Caspian (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“ am 16. Dezember 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend haben wir in gemütlicher Runde den zweiten Teil der C. S. Lewis-Saga „Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“ gesehen. Nach der verpassten Kinosichtung war ich wirklich sehr gespannt auf den Film zumal man überall lesen konnte, dass die Fortführung der Geschichte dem Vorgänger doch deutlich überlegen sein soll.

Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia (2008) | © Walt Disney

Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia (2008) | © Walt Disney

Mit der Verfilmung des ersten Buches „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“ verbinde ich stets eine heimelige Winteratmosphäre und das magische Gefühl des Aufbruchs in eine neue Welt. Ansonsten war mir der Film über weite Strecken zu unausgewogen und teils auch zu absurd – ich denke hier z.B. an den Weihnachtsmann mit seinen Waffen. Dennoch hatte mich der Film sehr gut unterhalten und die Vorfreude auf eine Rückkehr nach Narnia ist in der Zwischenzeit enorm gewachsen. Konnte die Fortsetzung nun die an sie gestellten Erwartungen erfüllen?

Eindeutig ja. Die Geschichte wirkt knackiger, die Figuren fühlen sich ausgearbeiteter an – was wohl auch daran liegt, dass man als Zuschauer nun ihren Hintergrund kennt – und die Inszenierung ist um einiges handfester. Ich war wirklich hocherfreut, wie gut der Film von Beginn an für mich funktioniert hat. Bereits die Einführung ins neue Herrschaftssystem von Narnia hat mir sehr gut gefallen. Düstere Bilder. Eine mitreißende Flucht. Zwerge. Was will man mehr?

Die Rückkehr der Geschwister wird anschließend ebenso wunderbar visualisiert und man bekommt mit der Ankunft in Narnia noch so einige optische Leckerbissen serviert. Natürlich dürfen auch die sprechenden Tiere wieder nicht fehlen, die den Niedlichkeitsfaktor doch extrem auf ihrer Seite haben – und diesen auch gekonnt ausreizen. Macht Spaß und passt zu dieser Welt.

Im weiteren Verlauf kann auch die Handlung überzeugen. Mein persönliches Highlight war die kurzzeitig drohende Auferstehung der Weißen Hexe. Sehr atmosphärisch und eine schöne Brücke zum ersten Teil. Leider jedoch versinkt der Film gegen Ende etwas im eigenen Schlachtengetümmel. Die Kämpfe dauern einfach zu lang und wirken im Vergleich zu „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ einfach schwach und zu sehr auf ein junges Publikum zugeschnitten. Als dann noch die Bäume aufwachen und der reißende Fluss die feindlichen Reiter verschlingt, musste ich öfter an eine dreiste Kopie denken, was man dem Film natürlich aufgrund der Vorlage nicht anlasten sollte. Dennoch hat es mich doch sehr gestört. Ebenso wie Aslans Auftauchen in letzter Sekunde. So bleibt am Ende leider ein etwas schaler Beigeschmack.

Fazit

„Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“ ist über weite Strecken ein famoses Fantasyspektakel, welches seinen Vorgänger in beinahe allen Belangen zu übertrumpfen vermag. Leider bricht die Handlung gegen Ende enorm ein und weist in Bezug auf das Genre vermehrt störende Redundanzen auf. Insgesamt eine Steigerung, aber kein wirklich großer Schritt nach vorne. Auf einen dritten Teil freue ich mich nun dennoch: 7/10 Punkte.

Mimic (1997)

Es gab eine Zeit, da bin ich so oft ins Kino gegangen dass selbst unscheinbare Horrorfilme wie „Mimic“ auf dem Programm standen. Heute dagegen würde Guillermo del Toros wunderbarer Insektenschocker leider völlig unbemerkt an mir vorbeiziehen. Ein Film also, den ich stets mit meinen goldenen Kinojahren verbinden werde.

mimic

Natürlich ist der Film alles andere als das, was man allgemein als großes Kino bezeichnen würde. Die Mischung aus Wissenschaftsthriller und Tierhorror vermag vermutlich auch nur Genrefans zu begeistern – und da ich mich zu diesen zähle, funktioniert del Toros US-Frühwerk für mich heute noch genauso gut wie damals. Ein pseudowissenschaftlicher Unterbau, tolle Monstereffekte und eine grandiose Atmosphäre – viel mehr muss ein Monsterfilm für mich gar nicht besitzen.

Leider ist das Bild der deutschen DVD dermaßen schlecht, dass man in den dunklen U-Bahntunneln außer Pixelbrei oft nicht wirklich etwas erkennt. Da müsste dringend einmal Abhilfe her! Doch selbst mit den technischen Einschränkungen hat mir „Mimic“ wieder sehr viel Freude bereitet – und mich an eine Zeit zurückdenken lassen, in der es keinen hochgejubelten Blockbuster brauchte, um mich ins Kino zu locken: 7/10 Punkte.

Cypher

Gestern Abend habe ich nach langem Überlegen einmal wieder einen Film aus der Anfangszeit meiner DVD-Sammlung angesehen. Vincenzo Natalis „Cypher“ ist ein eher unbekannter Sci-Fi-Thriller, der Vergleiche zu Genrehits wie „Equilibrium“ jedoch nicht zu scheuen braucht.

cypher2

Beeindruckend ist vor allem die erste Stunde des Films. Eine sehr ruhige, ausdrucksstarke Inszenierung wird mit einer Handlung gepaart, die Philip K. Dicks Kurzgeschichten entsprungen scheint. Düster und faszinierend. Die dabei vorherrschende Kälte und Distanz findet ihren Ausdruck in faszinierenden Bildern. Bis hier wirklich großes Kino.

In der letzten halben Stunde kippt der Film leider etwas und Actionsequenzen halten Einzug in die zuvor so faszinierende Zukunftswelt. Plötzlich verliert die Inszenierung an Ausdruckskraft und obwohl die finale Wendung wirklich zu überraschen vermag – selbst bei der zweiten Sichtung – kann sie emotional nicht überzeugen. Die letzten Minuten wirken dann nur noch aufgesetzt und beinahe schon lächerlich. Schade.

Über weite Strecken ist „Cypher“ ein wahres Genrejuwel, welches ein größeres Publikum verdient gehabt hätte. Die gegen Ende zu konstruiert wirkende Geschichte und mangelndes Feingefühl bei der Inszenierung hinterlassen beim Film des „Cube“-Regisseurs leider einen schalen Beigeschmack. Dennoch wirklich sehenswert: 7/10 Punkte. Kennt jemand eigentlich Natalis „Nothing“ und kann eine kurze Einschätzung abgeben?

Doomsday (2008)

Bereits bei der Kinoauswertung hatte ich mich für Neil Marshalls Endzeitschocker „Doomsday“ interessiert, doch da die deutsche Kinofassung – wie so oft in letzter Zeit – geschnitten war wollte ich auf die DVD warten. Da diese nun auch nur verstümmelt auf den Markt geschmissen wurde, bin ich letztendlich auf die australische Fassung ausgewichen.

doomsday

Neben der Tatsache, dass „Doomsday“ der neue Film von Neil Marshall – Regisseur des äußerst gelungenen „The Descent“ – ist, hat mich besonders die Endzeitatmosphäre gereizt. Bereits beim Trailer wurden äußerst angenehme Erinnerungen an „Mad Max“ und „Escape from New York“ wach. Umso gespannter war ich, womit Marshall nun den bunten Mix noch aufgepeppt hat.

Der Einstieg ist sehr stimmungsvoll inszeniert und erinnert an aktuelle Kracher wie „28 Days Later“ – selbst Versatzstücke von „ALIENS“ ließen sich finden. Versatzstück beschreibt den Film sowieso ganz gut. Nach der atmosphärisch dichten Einführung von Ausgangssituation und Charakteren wird in ein „Mad Max“ ähnliches Szenario gewechselt, das lauter und bunter kaum sein könnte. Danach geht es sofort weiter in eine Mittelalterwelt, nur um am Ende „Mad Max 2: The Road Warrior“ zu huldigen. Dazwischen gibt es einige Abstecher in eine Verschwörungsgeschichte, die nicht unbedingt nötig gewesen wäre.

Betrachtet man den Film als Hommage an das 70er/80er Jahre Actionkino, wird man seine Freude haben. Es gibt viel Gewalt, viel Action und nur wenig Handlung. Die Atmosphäre ist meist äußerst gelungen und ab und zu schleicht sich sogar ein selbstironischer Witz in die Dialogzeilen. Alles in allem war es das auch. Eine nette Hommage, die sich jedoch nie zur Eigenständigkeit aufschwingen kann.

Ob ich nun enttäuscht bin? Vielleicht etwas. Nach „The Descent“ hätte ich wohl mehr von Neil Marshall erwartet. Doch Spaß macht auch „Doomsday“ auf jeden Fall, man wird in einigen Jahren jedoch kaum mehr von dem Film sprechen – denn wer braucht schon eine Ansammlung von Versatzstücken, wenn die Originale nicht weniger bieten? Für Fans des Genres aber durchaus sehenswert: 7/10 Punkte.

Die Legende von Beowulf – Director’s Cut

Als ich von Robert Zemeckis Verfilmung von „Die Legende von Beowulf“ hörte, war ich einerseits angetan und andererseits abgeschreckt. Nach „Der Polarexpress“ also erneut ein Film, der komplett auf die Performance-Capture-Technik setzt. Dennoch hatte ich mir vorgenommen den Film im Kino (IMAX 3D) zu sehen, was mir leider durch akuten Zeitmangel jedoch nicht gelang.

beowulf_2

Nun habe ich nach langem Zögern doch noch zur DVD gegriffen, die – nach dem Wegfallen des 3D-Erlebnisses – wenigstens den Director’s Cut enthält. Von der Handlung her hatte mich der Film noch nie so richtig interessiert und nach dem eher flachen „Der Polarexpress“ hatte ich in dieser Hinsicht auch nicht sonderlich viel erwartet. Umso überraschter war ich folglich, dass es neben den auf 3D getrimmten Actionsequenzen auch einige ruhige Szenen gab und der Geschichte doch eine tragische Düsternis innewohnte. Insofern konnte mich der Film inhaltlich schon einmal überzeugen.

Die technische Seite ist natürlich wieder ein ganz anderes Kapitel. Seit der 2004er Weihnachtsgeschichte hat sich die Technik noch einmal extrem weiterentwickelt. In manchen Szenen kann man wirklich nicht mehr sagen, ob man eine Animation oder reale Aufnahmen vor sich hat. Unglaublich beeindruckend. Dennoch ist die Gradwanderung zwischen Realismus und Animation immer noch nicht wirklich so perfekt, als dass man von ihr nicht abgelenkt würde. Besonders Handbewegungen und die Ganzkörperanimation in den Totalen wecken Erinnerungen an die Cartooncharaktere aus „Shrek“ und nehmen demnach einen großen Teil der wirklich gelungenen Atmosphäre.

Doch trotz technischer Mängel ist der Film weit mehr als eine beeindruckende Technikdemo: Die Figuren besitzen wirklich Leben und besonders die Actionszenen sind unglaublich beeindruckend! Der erste Angriff von Grendel muss in der IMAX 3D-Version wirklich atemberaubend gewesen sein. Man sieht hier auf jeden Fall gut, in welche Richtung sich das digitale Kino mit großen Schritten bewegt. Faszinierend und erschreckend zugleich.

Ich kann den Film jedem Technikfreak, der etwas für blutrünstiges Fantasykino übrig hat nur empfehlen. Man darf kein Meisterwerk erwarten, doch der Film ist weit besser als sein Ruf: 7/10 Punkte.

Krabat (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Krabat“ am 10. Dezember 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern habe ich nach einer langen Zeit des Wartens endlich die Realverfilmung von Otfried Preußlers Meisterwerk „Krabat“ gesehen. Den Roman hatte ich als Heranwachsender verschlungen und bis heute stellt das Werk für mich immer noch eines der spannendsten, atmosphärischsten und faszinierendsten Werke der Fantasyliteratur dar. Kann der Film der Vorlage gerecht werden?

Krabat (2008) | © 20th Century Fox

Krabat (2008) | © 20th Century Fox

Glücklicherweise ja. Zumindest über weite Strecken. Die Geschichte wurde – bis auf übliche Straffungen und kleinere Änderungen – nahezu 1:1 übernommen. Insofern gibt es hier weder positive, noch sonderlich negative Überraschungen. Als ich zum ersten Mal die Mühle sah, ist mir ein mittelgroßer Stein vom Herzen gefallen: So und nicht anders muss das Zentrum der schwarzen Magie im Koselbruch aussehen. Wirklich ein bis ins Detail gelungenes Setdesign. Auch die Umgebung rund um Schwarzkollm ist fantastisch getroffen. Ebenso wie die restliche Ausstattung samt Kostümen und Effekten. Alles wirklich wunderbar gelungen.

Meine größten Probleme hatte ich leider mit David Cross, dem Darsteller der Hauptfigur. Dieser besaß für mich einfach zu wenig Charisma und Spielkraft, um mich wirklich überzeugen zu können. Besonders als erfahrenerer Lehrling hat er auf mich immer noch viel zu sehr wie ein Milchbubi gewirkt. Vielleicht ist die Figur des Krabat aus meiner eigenen Fantasie aber auch nur noch viel zu stark vertreten. So oder so, hätte ich mir hier einen kraftvolleren Schauspieler gewünscht. Die Besetzung der anderen Rollen geht für mich voll in Ordnung. Einzig Robert Stadlober bleibt etwas blass. Ausgezeichnet hat mir Christian Redl als düsterer Meister gefallen. Eine abolut treffende Interpretation.

Wenn ich schon beim Kritisieren bin: Die Schlachtszene war für mich mehr als nur unnötig und zudem nervig montiert. Kurze Shuttergeschwindigkeiten sind ja immer noch Mode, doch hier hat man es wahrlich etwas übertrieben. Action, nur um der Action willen. Auch dass man den Herrn Gevatter unbedingt zeigen musste – und dafür den Imperator der „Star Wars“-Reihe als Gaststar eingeladen hat – war absolut unnötig. Aber nun gut. Zugeständnisse an das junge Publikum haben sich wohl auch bei dieser ansonsten recht werktreuen Adaption nicht vermeiden lassen. Anders lässt sich auch der abscheuliche Song während des Abspanns nicht erklären, der im krassen Gegensatz zum ansonsten sehr gelungenen Score steht.

Insgesamt bin ich aber wirklich zufrieden mit Marco Kreuzpaintners Inszenierung. In ihrer Gesamtheit erinnert sie mich etwas an die Verfilmung von Patrick Süskinds „Das Parfüm“ – damals bin ich mit einem ähnlichen Gefühl aus dem Kino gekommen. Insgesamt halte ich „Krabat“ wohl aber noch für einen Tick gelungener und beliebte Aussagen wie ‚Nun hat Deutschland auch einen Harry Potter!‘ sind für mich absolut irreführend und zeugen von der Unkenntnis sogenannter Kritiker.

Freunden des Romans sei ein Kinobesuch dringend ans Herz gelegt. Allen anderen rate ich dazu zuerst das Buch zu lesen. Die Wirkung des geschriebenen Wortes ist ungleich mächtiger und die Geschichte wird euch verzaubern – besonders an düsteren Herbstabenden. Danach steht einem Kinobesuch aber nichts im Wege: 7/10 Punkte.

Beim ersten Mal – OT: Knocked Up

Da ich heute Lust auf eine Komödie hatte, habe ich mir Judd Apatows „Beim ersten Mal“ angesehen. Anfangs noch etwas skeptisch – „The 40 Year Old Virgin“ war mir noch als ziemlich großer Reinfall in Erinnerung – doch schon bald mit wachsendem Vergnügen.

Es ist wahrlich kein feiner Humor, den man hier serviert bekommt. Die Zoten sind grobschlächtig und die Witze landen öfter als unter der Gürtellinie als die Schmerzgrenze manchmal erträgt – aber dennoch: Der Film samt Figuren und Darstellern ist einfach sympathisch. Zudem gibt es unzählige Gaststars aus bei mir beliebten TV-Serien – wie z.B. „The Office“ oder „How I Met Your Mother“ – zu sehen, was den Film für mich noch einmal deutlich aufwertet.

Die Geschichte erfindet das Rad nicht neu, ist aber doch essentiell für den Film, da sie die Triebfeder für die Charakterentwicklungen darstellt. Zudem bleibt sie über die – für eine Komödie doch recht ausufernde – Laufzeit von über zwei Stunden stets unterhaltsam. Die Balance zwischen Schenkelklopfern und leichtem Drama ist zudem recht angenehm und wirkt nicht aufgesetzt.

Warum ich „Knocked Up“ – so der passende Originaltitel – um so viele besser bewerte, als den inoffiziellen Vorgänger „The 40 Year Old Virgin“? Wahrscheinlich weil ich damals den unverzeihlichen Fehler gemacht hatte und die totsynchronisierte Fassung sah. Das soll nicht wieder vorkommen, denn der anfangs etwas eigenwillige Humor besitzt eine ganz eigene – und wirklich unterhaltsame – Komik.

In Zukunft werde ich Judd Apatow wieder in meine engere Wahl was Komödien angeht mit einbeziehen. Hiermit hat er wirklich unterhaltsame und grundsympathische Feierabendunterhaltung abgeliefert. Kann was, der Film: 7/10 Punkte.

Beste Gegend (2008)

Gestern Abend haben wir uns „Beste Gegend“ – den zweiten Teil von Marcus H. Rosenmüllers Coming-of-Age-Trilogie – angesehen. Eigentlich hätte ich jedoch lieber einen Thriller oder anderweitiges Spannungskino gesehen – und vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum mich die Fortführung der sympathischen Geschichte aus dem tiefsten Bayern nicht mehr so restlos überzeugen konnte.

Als Zuschauer bekommen wir so ziemlich genau das, was wir nach „Beste Zeit“ wohl erwartet hatten: Die Figuren haben sich etwas weiterentwickelt, ihre Konstellation hat sich etwas verschoben, aber im Grunde ist alles beim Alten. Es gibt neue Zukunftsängste, große Pläne und natürlich die Liebe. Angereichert mit etwas Drama und Humor – und fertig ist die Fortsetzung. Habe ich nicht das gleiche – nur um einiges positiver formuliert – über den ersten Teil gesagt? Warum erscheinen mir dessen Stärken nun wie Schwächen?

Zum Einen mag es wirklich daran liegen, dass ich gestern nicht in der richtigen Stimmung war – und es ist ja auch überhaupt nicht so, als hätte ich keinen Spaß mit dem Film gehabt oder als hätte mich die Geschichte nicht berührt. Nein. Ganz und gar nicht. Als Katis Opa in einer wunderschönen Szene von ihr gegangen ist, musste ich sogar ein paar Tränen verdrücken. Gelacht habe ich auch mehr als einmal. Wo liegt also das Problem?

Es gibt zu wenige Veränderungen zum ersten Teil. Wieder will Kati in die große Welt aufbrechen und wieder bleibt sie in letzter Sekunde zu Hause. Letztendlich ist wirklich alles beim Alten – und auch wenn der Film Veränderung und Weiterentwicklung propagiert, so erlebe ich als Zuschauer doch nur Stillstand. Das ganze macht den Film nicht schlecht, doch er wirkt dadurch in seinen Aussagen (Freiheit, Veränderung etc.) eher forciert und es fehlt etwas die sympathische Leichtigkeit, die den Vorgänger so stark machte.

Meine Einschätzung mag sich nun weit negativer lesen, als ich den Film letztendlich wahrgenommen habe. Doch seine positiven Eigenschaften hatte ich ja bereits in der Besprechung zu „Beste Zeit“ aufgezählt. Insgesamt ein Rückschritt, der die Vorfreude auf „Beste Chance“ leider etwas dämpft: 7/10 Punkte.

Cloverfield (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Cloverfield“ am 29. Mai 2014 und am 12. September 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern habe ich seit einer Ewigkeit eine DVD am Erscheinungstag gekauft und am selben Abend noch angesehen. Welchem Film wird diese große Ehre zuteil? Matt Reeves „Cloverfield“ – produziert von niemand geringerem, als der Serienlegende J.J. Abrams („Felicity“, „ALIAS“, „Lost“ und demnächst „Fringe“).

Cloverfield (2008) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Cloverfield (2008) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Das erstaunlichste an „Cloverfield“ ist wohl seine Vermarktung gewesen: Bereits Monate vor dem Kinostart tauchten kurze Clips in diversen Videoportalen auf. Niemand wusste so recht, was genau man da sah – aber man hat darüber berichtet. Überall. Als J.J. Abrams mit dem Film in Verbindung gebracht wurde, gab es dann kein halten mehr. Das Geheimprojekt war in aller Munde. Am Ende hat man – natürlich völlig überrschend – selbst den Arbeitstitel des Films übernommen. Perfektes Marketing im Zeitalter des Web 2.0 – absolut zielgruppenkonform und effizient. Alleine dafür meinen Respekt.

Der Film selbst lässt sich am besten als „Blair Witch Projekt“ im Genre des Monsterfilms bezeichnen. Hätte ich vor kurzem nicht erst den vergleichbar inszenierten Horrorthriller „[Rec]“ gesehen, so hätte mich diese Art des Geschichtenerzählens wohl mehr begeistert. Gestern hat mich das Kameragewackel allerdings etwas genervt. Vor allem zu Beginn, da es hier absolut keinen Grund für solch eine unruhige Kameraführung gibt. Dagegen sehen meine Urlaubsvideos aus wie Hollywood-Produktionen. Unglaublich.

Trotz nerviger Kameraführung fand ich die Einführung recht gelungen. Man lernt alle wichtigen Personen kennen und fühlt sich sofort heimisch – was auch etwas an den klischeebehafteten Figuren liegen mag. Dann geht es endlich los und die Handkamera bekommt einen Sinn. Natürlich darf man sich auch hier nicht die Frage stellen, wieso denn all dies mitgefilmt wird – aber so ist das ja stets bei Filmen dieser Art. Ich habe mich gestern gefragt, ob es nicht einmal netter wäre eine Geschichte einfach aus den Augen einer Person zu erzählen. Dann hätte man auch nicht ständig das nervige Gezoome, sondern stets ein schönes – wackelresistentes – Weitwinkelbild. Außerdem würde man sich die ewig gleiche Schlusspointe sparen.

Die Geschichte selbst schlägt leider sehr ausgetretene Pfade ein – wenngleich die Art, wie wir sie als Zuschauer erleben, natürlich schon etwas besonderes ist. Das Monster ist wirklich grandios gelungen und die VFX sind wohl mit die besten, die ich dieses Jahr irgendwo bewundern durfte. Trotz wilder Zooms und Reißschwenks stets perfekt im Bild integriert. Meine Hochachtung!

Fazit

Insgesamt hatte ich mir von „Cloverfield“ etwas mehr erwartet. Letztendlich bleibt einfach nur ein Monsterfilm aus einer neuen Perspektive. Die Wirkung ist allerdings nicht zu verachten, wenngleich ich „[Rec]“ hier noch um einiges intensiver fand (was aber am Genre liegen mag). Für Monsterfilmfreunde auf jeden Fall eine klare Empfehlung: 7/10 Punkte.