Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy – OT: Anchorman: The Legend of Ron Burgundy (2004)

Nachdem wir lange hin und her überlegt hatten, ob wir trotz der eher kühlen Temperaturen einen Abend auf der Terrasse verbringen sollen, haben wir uns letztendlich für einen Filmabend entschieden. Ganz konkret ist „Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy“ in den Player gewandert, der schon lange auf meiner Liste stand und von dem ich mir einen unterhaltsamen Abend erhoffte…

Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy (2004) | © Universal Pictures Germany GmbH

Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy (2004) | © Universal Pictures Germany GmbH

„Boy, that escalated quickly.“

Ich muss gestehen, das es mir zu Beginn schwer gefallen ist, mich mit dem Humor des Films anzufreunden. Typisch für das Frat Pack herrschen viele improvisierte Szenen vor, von denen einige sehr gut funktionieren, andere dagegen schmerzhaft ins Leere laufen. Dennoch mochte ich gerade die völlige Beliebigkeit des Humors wirklich gerne: In einem Moment ist die Szene noch in der Realität verhaftet, nur um im nächsten komplett in einen völlig überzogenen ZAZ-Stil (Zucker, Abrahams und Zucker) abzudriften. Auch hier sitzt nicht jede Idee, doch der Film ist so konsequent in seiner Sprunghaftigkeit, dass es ein wahres Vergnügen ist.

Neben dem teils grotesken Humor, lebt „Anchorman: The Legend of Ron Burgundy“ tatsächlich von seiner Geschichte, die gnadenlos den Machismo der 70er Jahre aufs Korn nimmt. Das ist weder sonderlich subtil, noch gibt es eine zweite Ebene. Nein, hier wird jeder Gag aufs Platteste ausgespielt und die Szenen hören erst auf, wenn es schmerzt. Getragen wird der Film dabei von seinem formidablen Cast rund um Will Ferrell, Christina Applegate, Paul Rudd, Steve Carell und David Koechner. Von den unzähligen Gaststars einmal ganz zu schweigen. Man sieht allen Beteiligten ihre Spielfreude förmlich an.

Fazit

Adam McKays „Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy“ ist ein großer Spaß, der mich teils an „Zoolander“ erinnerte. Der Film lebt mehr von seiner absurder Aneinanderreihung von Einzelszenen, als davon, eine wirklich treffende Satire auf die Medienwelt und den Zeitgeist der 70er Jahre zu sein. Das macht aber nichts, denn wenn man auch über platten Humor lachen kann, dann kann diese epische Rise-and-Fall-(and-Rise)-Geschichte unglaublich viel Spaß bereiten: 7/10 Punkte.

The O.C. – Season 2

Gerade einmal zwei Wochen habe ich für meine Rückkehr nach Orange County benötigt. So schnell bin ich in letzter Zeit kaum durch eine Serie gesprintet. Bedeutet dies nun, dass „The O.C. – Season 2“ eine unfassbar herausragende Serie ist? Das leider nicht. Es zeichnet eher ein trauriges Bild von meinen momentanen Abenden. Die Arbeit ist fordernd, viele Familienmitglieder gesundheitlich angeschlagen und ich schlafe regelmäßig ab 21 Uhr auf dem Sofa ein – und für diese Konstellation ist „O.C., California“ wahrlich die perfekte Serie…

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Nachdem der Status quo am Ende der ersten Staffel ein wenig durcheinander gewürfelt wurde, befindet sich bereits in der zweiten Episode wieder (fast) alles beim Alten. Sowieso klar. Das ist auch gar nicht so schlimm, denn etwas anderes hätten wir Zuschauer ja eh nicht sehen wollen. Im Laufe der Staffel wird dieser Aspekt ganz meta auch von den Charakteren, allen voran Seth Cohen, aufgegriffen und kommentiert. In solchen Momenten macht mir die Serie unglaublich viel Spaß. Da kann ich auch gerne über das beständige Soap-Opera-Gefühl und das Auf und Ab der Beziehungen unserer Hauptfiguren hinwegsehen. Zudem hat die Serie in ihrem zweiten Jahr auch noch andere Highlights zu bieten.

Was Fall Out Boy für „One Tree Hill“ waren, sind Death Cab for Cutie für „The O.C.“ – kaum wurde ein Club als Schauplatz eingeführt, geben sich mehrere Indie-Bands die Klinke in die Hand. Na, wem kommt das bekannt vor? Mir scheint als hätten diese zwei parallel laufenden Teen-Dramen ziemlich exakt auf die gleichen Trends gesetzt, nur in unterschiedlicher Geschmacksrichtung. Funktioniert hat es auf jeden Fall und ich bin mir sicher, die popkulturelle Relevanz war einer der Erfolgsfaktoren für beide Serien. Auch heute ist das noch sehr angenehm zu schauen. George Lucas höchstpersönlich hat übrigens auch einen Gastauftritt.

Im letzten Drittel der Staffel driftet „The O.C.“ leider ziemlich ab. Die Geschehnisse werden immer übertriebener, Charaktere brechen aus ihren Rollen aus und das Drama wird auf unangenehme Art und Weise auf die Spitze getrieben. Irgendwie immer noch unterhaltsam, aber weit nicht mehr so gelungen, wie während der ersten 15 Episoden. Was man so liest, scheint es in der dritten Staffel leider so weiterzugehen. Dies stimmt mich nicht gerade positiv. Ich lasse mich überraschen: 8/10 (7.7) Punkte.

Alien vs. Predator – Extended Cut (2004) (WS1)

Während sich meine Familie heute auf der Weihnachtsfeier der Klasse meiner Frau tummelt, hatte ich ganz unverhofft einen freien Nachmittag. Was also fange ich mit meiner Zeit an? Richtig, ich wasche etliche Ladungen Wäsche (das Wochenende ist schließlich mit Weihnachten verplant) und habe die Chance nachmittags einen Film zu sehen. Um mit meiner Sichtung der „Predator“-Reihe weiterzukommen, habe ich „Alien vs. Predator“ in den Player geschoben. An meine erste Sichtung vor inzwischen über 10 Jahren konnte ich mich nur noch schemenhaft erinnern. Ob dies ein gutes Zeichen war, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Wenn ich mir meine damalige Besprechung des Films so durchlese, dann kann ich diese auch heute noch 1:1 unterschreiben: Ich mochte nach wie vor die Exposition mit den klischeehaften Charakteren sowie dem langsamen Spannungsaufbau. Auch wenn die Effekte inzwischen in die Jahre gekommen und recht eindeutig als CGI identifizierbar sind, so sorgen sie immer noch für so manch beeindruckendes Bild. Ich mag die Atmosphäre und kann selbst mit der simplen Prämisse des Films leben. Wenn dann jedoch die blauen Blitze über das Bild zucken wird klar, dass hier Paul W. S. Anderson am Werk ist und Erinnerungen an seinen B-Prügler „Mortal Kombat“ werden wach.

Natürlich ist „Alien vs. Predator“ für beide Franchises viel zu geleckt und lässt selbst in der erweiterten Fassung die nötigen Gewaltspitzen vermissen. Dennoch funktioniert der Film und der ausführlich visualisierte Kampf eines Predators gegen ein Alien im Mittelteil ist zweifellos famos anzusehen. Die menschlichen Figuren verkommen dabei zur Staffage und tatsächlich hatte ich das Gefühl sogar zu viel von den beiden nun nicht mehr ganz so mysteriösen außerirdischen Rassen zu sehen. Das Finale passt wiederum zum Franchise und erinnert sehr an „Predator 2“, jedoch auf einem völlig übertriebenen Level.

Insgesamt hat mich dieses Crossover mit den beiden Titanen unter den Filmmonstern erneut ausgezeichnet unterhalten. Es ist – auch wenn viele Kritiker das anders sehen – qualitativ gar nicht so weit weg von „Predators“ entfernt und eben für die Action-Liebhaber unter den Fans. Für mich tatsächlich weit besser als sein Ruf, was ich vom direkten Nachfolger leider nicht behaupten kann. Wie sich dieser wohl in einer Zweitsichtung schlägt? Hierfür gibt es völlig berechtigte: 6/10 Punkte.

I, Robot (2004)

Da wir den Vatertag aufgrund eines, um es euphemistisch auszudrücken, unfertigen Gartens noch nicht mit einer Grillfeier ausklingen lassen konnten, stand heute ein Film auf dem Programm. Da ich seit meiner Sichtung von „Ex Machina“ letzte Woche auf dem Roboter-Trip bin, habe ich den thematisch verwandten „I, Robot“ eingelegt. Dies war bereits meine zweite Sichtung des Films und tatsächlich hat sich meine damals gefasste Meinung verfestigt…

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Alex Proyas hat mit seiner düsteren Comic-Verfilmung „The Crow“ einen Film geschaffen, der aufgrund Brandon Lees tödlichen Unfalls einen fast schon mythischen Ruf hatte. So richtig beeindrucken konnte er mich aber erst mit „Dark City“, einem unheimlichen und teils etwas konfusen Sci-Fi-Drama. Mit „I, Robot“ hatte er sich dem Mainstream zugewandt und es ist auch der letzte Film, den ich von ihm gesehen habe. Mir ist der Sci-Fi-Actioner als recht geradliniger Krimi in Erinnerung geblieben, der eben nur ein außergewöhnliches Setting hat – und so ist es tatsächlich auch. Wovon der Film vor allem lebt, ist seine detailreich aufgebaute Welt, die wirklich überzeugend ausgearbeitet ist – zumindest wenn man über das aufdringliche Product-Placement hinwegsehen kann.

Ich habe  mich abermals gefragt, wie der Film wohl mit einem anderen Hauptdarsteller ausgesehen hätte. Will Smith funktioniert zwar gut in dieser Rolle, doch verkommt der Film durch ihn ein wenig zum Action-Reißer. Die angesprochenen Themen und die explizite Integration von Isaac Asimovs Robotergesetzen bieten viel Spielraum für faszinierende philophische Fragestellungen. Hier hätte wahrlich ein zweiter „Blade Runner“ entstehen können, doch hat sich 20th Century Fox offensichtlich für einen weiteren Action-Blockbuster entschieden, der inhaltlich eher auf Sparflamme kocht.

Auch wenn „I, Robot“ weniger ist als er hätte sein können, kann er doch zu weiten Teilen überzeugen. Die inzwischen vergangenen 12 Jahre merkt man dem Film nur an wenigen Stellen an und Proyas inszeniert die Action zumindest gefällig. Letztendlich komme ich jedoch nicht umhin die verpassten Chancen zu bemängeln. Für echtes Science-Fiction-Kino bietet der Film leider einfach zu wenig. Als flotten Actioner im Sci-Fi-Setting kann man ihn sich alle paar Jahre aber gut anschauen: 7/10 Punkte.

The Wire – Season 3

Mit der Sichtung von „The Wire – Season 3“ habe ich bereits den Großteil dieser fantastischen Serie gesehen. Da sich jede Episode jedoch anfühlt wie ein kompletter Film, freue ich mich zunächst auf weitere 23 Stunden famose Unterhaltung, bevor ich den Abschied beklage. Warum die dritte Staffel bisher mein persönliches Highlight ist und die Serie in die obersten Wertungsregionen katapultiert, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung. You feel me?

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Nachdem die zweite Staffel mit dem Containerhafen von Baltimore ein komplett neues Setting etablierte, geht es im dritten Jahr zurück auf die Straße. Auch wenn die Ausrichtung auf politische Machtkämpfe einen etwas anderen Fokus setzt, so fühlt man sich als Zuschauer doch stark an die erste Staffel erinnert. Somit ist mir der Einstieg auch wieder viel leichter gefallen, zumal der Ausgangspunkt für nahezu alle Charaktere mit dem Finale der vorhergehenden Staffel übereinstimmt. Natürlich betreten auch neue Figuren die (politische) Bühne, allen voran Tommy Carcetti, gespielt von Aidan Gillen (Littlefinger, „Game of Thrones“), der stets zwischen ehrlicher Ambition und Machthunger schwankt. Ziemlich großartig!

Auch unsere Gangster treibt es immer mehr in Richtung Politik. Dies findet einerseits direkt auf der Straße statt, wo neue Bündnisse geknüpft werden, andererseits aber auch im politischen Umfeld Baltimores. Daraus entsteht auch das wohl spannendste Konfliktpotential dieser Staffel: Mit Avon Barksdales vorzeitiger Entlassung wird Stringer Bells mühsam aufgebaute Vergrößerung (und teils Legalisierung) ihres Imperiums extrem gefährdet. Es prallen zwei Welten aufeinander: Avon sucht Reputation auf der Straße und stagniert in dieser alten Welt, Stringer dagegen hat die Straße hinter sich gelassen und entwickelt das Geschäft beständig weiter. Ergänzt man diesen Konflikt noch um zwei Spieler, den Emporkömmling Marlo, der an einen jungen Avon erinnert, sowie Omar, dann gibt es keine einzige Szene, die nicht extrem spannungsgeladen wäre. Die Auflösung dieses Handlungsstrangs war für mich unerwartet und schockierend – und passt damit perfekt zu dieser Serie.

Ein weiterer spannender Aspekt der dritten Staffel ist natürlich Hamsterdam sowie alle damit zusammenhängenden sozialen, politischen und persönlichen Implikationen. Was als interessantes, aber doch eher einfaches Projekt beginnt, entwickelt sich schon bald zum zentralen Fokus der Staffel und hält ausnahmslos alle Charaktere auf Trab: von den Dealern selbst, bis hin zur Polizei, Politikern und den Anwohnern. Man stellt sich als Zuschauer unweigerlich selbst die Frage, was hier wohl der richtige Weg wäre. Eines ist sicher: Der Umgang der politischen Spitze Baltimores mit dem Thema ist an opportunistischer Dreistigkeit kaum zu überbieten.

Insgesamt hat mir die dritte Staffel der Serie bisher am besten gefallen, vermutlich auch weil sie die in der ersten Staffel begonnenen Handlungsstränge konsequent weitererzählt. Am Ende fühlt man sich erstmals tatsächlich so als wäre etwas erreicht worden, zumal auch McNulty und andere Charaktere ihren Frieden gefunden zu haben scheinen. Auf den Straßen und in der Politik geht der Kampf aber zweifellos weiter – und ich bin besonders gespannt, welche Rolle das Schulsystem in der folgenden Staffel spielen wird. Viel besser kann es nicht mehr werden: 10/10 (9.5) Punkte.

One Tree Hill – Season 2

Wie zu erwarten habe ich auch „One Tree Hill – Season 2“ in kürzester Zeit verschlungen. Trotz etlicher Filmsichtungen während meines Urlaubs, wollten wir auf einen kurzen Abstecher nach Tree Hill nicht verzichten. Ob sich die Serie im Vergleich zu ihrem ersten Jahr steigern konnte, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Nachdem die erste Staffel mit mehr Cliffhangern endete als das durchschnittliche „Lost“-Staffelfinale, gaben sich die Autoren größte Mühe den Status quo möglichst schnell wieder herzustellen. Typisch für Drama-Serien dieser Art. Trotz dieses auf Dauer etwas nervigen Schachzugs, wurde ich schnell wieder in die Handlung hineingezogen. Nachdem ich zu Beginn befürchtete Dan Scott hätte aufgrund seiner Krankheit an Biss verloren, wurde ich schnell eines besseren belehrt: Der Meister der Manipulation ist zurück – und das stärker denn je! Es ist einfach großartig, wie konsequent die Autoren diese Figur mit allen Charaktereigenschaften eines typisch klischeehaften Filmbösewichts ausgestattet haben. Herrlich!

In der sonstigen Handlung wird es auch dramatischer, da Beziehungen auf dem Spiel stehen, Figuren von ihrer Vergangenheit eingeholt und auch neue Charaktere eingeführt werden. Auch wenn „One Tree Hill“ oft sehr durchschaubar bleibt, so ist der Rhythmus, in dem gewisse Ereignisse passieren bzw. Figuren wieder auftauchen, einfach perfekt gewählt. Auch wenn dies stets negative Assoziationen weckt, so haben die Showrunner den süchtig machenden Soap-Opera-Stil in dieser Serie perfektioniert.

Herausragend fand ich erneut die Musikwahl. So viele tolle Bands, so viele perfekte Montagen, von denen mir besonders der Einsatz von Jimmy Eat Worlds „23“ in der Episode „Don’t Take Me for Granted“ in Erinnerung geblieben ist. Kein Wunder also, dass die Episode „The Tide That Left and Never Came Back“ mein persönliches Highlight war: Die gesamte Episode wird parallel zu einem Jimmy Eat World-Konzert erzählt, was absolut großartig ist und auch schön mit der Handlung verknüpft wurde. Fantastisch!

Das Finale zieht dann wieder alle Register in Sachen Cliffhanger; fast schon zuviel des Guten, aber doch irgendwie passend – und dabei einfach unglaublich unterhaltsam. In all dem Beziehungschaos, den leichteren Momenten und dem teils aufgesetzt wirkenden Drama, hat die Serie inzwischen ihre Balance gefunden. Sie funktioniert und die Charaktere sind mir ans Herz gewachsen. Zwar kein zweites „Friday Night Lights“, doch wunderbare Unterhaltung für verregnete Abende: 8/10 (7.9) Punkte.

That ’70s Show – Season 7

So langsam aber sicher geht es straff auf das Ende zu: Nachdem ich „That ’70s Show – Season 7“ innerhalb nur eines Monats verschlungen habe, bleibt nur noch die finale Staffel, welche leider ohne zwei der Hauptcharaktere auskommen muss. Somit stellt sich jetzt schon ein wenig Wehmut ein – auch wenn die Qualität der Serie inzwischen nicht mehr mit ihren Anfangsjahren mithalten kann… Spoiler sind zu erwarten.

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Im Vergleich zur sechsten Staffel gab es im siebten Jahr einige Versuche neuen Schwung in die Serie zu bringen: Red kauft einen Auspuff-Laden (was es nicht alles gibt!) und Hyde lernt endlich seinen richtigen Vater kennen, der ihn sogleich zum Leiter eines Plattenladens befördert. Neue Schauplätze, neue Charakter – altbekannte Geschichten. Obwohl die Neuerungen für Abwechslung sorgen, so empfand ich sie teils als Fremdkörper in der Serie. Hinzu kommt, dass die restlichen Geschichten rund um Erics Auszeit äußerst konstruiert wirken und man merkt, dass den Autoren so langsam die Gründe ausgehen, die gesamte Clique in Point Place zu halten.

Auch was die Charakterzeichnung angeht werden die Brüche stärker. Während der ersten Staffeln war „Die wilden Siebziger!“ gerade deshalb so großartig, weil man die Figuren ernst genommen hat und die Comedy dennoch funktionierte. Inzwischen wird so manche liebgewonnene Eigenschaft dem schnellen Lacher geopfert. Ich denke hier besonders an Kitty und Red, die immer mehr zu – um es beinahe schon zu hart auszudrücken – Witzfiguren verkommen. Der Weggang von Eric und Kelso in der kommenden Staffel wird die Situation bestimmt nicht einfacher machen.

Trotz abnehmender Qualität hatte ich auch im siebten Jahr wieder viel Spaß mit der Gang rund um Eric Forman. Es gab ein paar fantastische Episoden und ein paar schwächere – wirklich schlecht war allerdings keine. Die letzten vier Folgen, die den Abschied von Eric vorbereitet haben, fand ich zudem wirklich fantastisch und beinahe auf dem Niveau vorangegangener Staffeln. Dem Abschluss der Serie sehe ich nun mit gemischten Gefühlen entgegen und hoffe, dass die Autoren es irgendwie schaffen einen Totalschaden zu vermeiden: 8/10 (7.9) Punkte.

The Shield – Season 3

Auch wenn ich mich seit Sichtung der zweiten Staffel eher auf aktuell laufende Serien konzentriert habe, so hat mich „The Shield – Season 3“ doch stets begleitet. Am liebsten hätte ich wohl die ganze Staffel am Stück gesehen (und vor ein paar Jahren hätte ich das vermutlich auch noch gemacht), doch das Angebot ist zu groß und die Zeit zu knapp. Dabei war ich so neugierig darauf, was aus Vic und Co. nach dem großen Coup des Vorjahres wurde…

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Wie bereits in der vorhergehenden Staffel gibt es unzählige Handlungsstränge, die sich teils über die gesamte Staffel ziehen, teils nach wenigen Episoden abgehandelt sind und teils erst etliche Episoden später wieder aufgegriffen werden. Dieser Aufbau sorgt für eine unglaubliche Dynamik, da man auch als Zuschauer nie weiß, welcher Fall nun wirklich bedeutend ist, und welcher Fall nach 20 Minuten relativ unspektakulär geköst wird. Im Hintergrund steht stets bedrohlich der Coup, der Vic und seinem Strike Team am Ende der zweiten Staffel gelungen ist. Man hört es ja oft, doch dieses Geld macht wirklich nicht glücklich…

Neben dem großen Handlungsstrang um die Nachwehen des Überfalls auf den Money Train, hält auch die dritte Staffel wieder einige Prüfungen für ihre Charaktere parat. Detective Wachenbach sieht sich mit einem Serienvergewaltiger (übrigens gespielt von Clark Gregg, Agent Coulson aus „The Avengers“) konfrontiert, der ihn nicht nur beruflich bis aufs Äußerste fordert, sondern auch sein ganz persönliches Weltbild erschüttert und ihn Grenzen überschreiten lässt. Captain Aceveda wird selbst Opfer eines sexuellen Übergriffs und muss danach lernen damit umzugehen, was ihm auf überraschend unspektakuläre und deshalb doch umso imposantere Art und Weise gelingt. Und Detective Wyms kämpft voller Überzeugung gegen die Windmühlen der Polizeirealität.

Im Strike Team entwickelt sich nach dem Coup eine ganz neue Dynamik, was in erster Linie daran liegt, dass auch das Privatleben der Mitglieder immer stärker in die Gruppe hineinspielt. Egal ob Shanes Verlobte oder Vics Familie – man spürt die Anspannung in vielen Szenen fast körperlich. Mit Ankunft der Decoy Squad steht das Strike Team auch beruflich immer mehr unter Druck, da sich diese Einheit von Undercover-Spezialisten ebenfalls im Gang-Milieu bewegt und somit eine direkte Konkurrenz zu Vics Team bildet. Nach dem Finale steht nicht nur das Strike Team vor dem Aus, es zerbrechen auch Freundschaften.

Für mich hat sich „The Shield“ im dritten Jahr noch ein wenig gesteigert und liefert die bisher überzeugendste Staffel ab. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie sich die Serie in Zukunft noch steigern soll. Das Potential ist auf jeden Fall vorhanden und ich hoffe bzw. befürchte, dass die Autoren noch weiter in die menschlichen Abgründe hinabsteigen werden. Nach wie vor großartige Unterhaltung: 9/10 (8.9) Punkte.

Six Feet Under – Season 4

Es geht mit viel zu großen Schritten auf das Finale zu. Kaum sind zwei Wochen vergangen, habe ich „Six Feet Under – Season 4“ auch schon verschlungen. Doch bevor das letzte Kapitel im Leben der Fishers aufgeschlagen wird, gilt es das vierte Jahr Revue passieren zu lassen. Es war kein einfaches Jahr und die Charaktere der Serie sind in einem seltsamen Zustand zwischen Fortschritt und Stillstand gefangen…

So langsam beschleicht mich das Gefühl, dass ich die bisherigen Staffeln zu schlecht bewertet habe. Zu bedeutsam erscheinen vergangene Ereignisse und die behutsam ausgelegte Fährten, die im vierten Jahr wieder aufgenommen werden. Was zufällig wirken mag, kann jedoch nicht ohne sorgsame Planung erfolgt sein. Dennoch beginnt das vierte Jahr eher unspektakulär und setzt den düsteren Kurs der vorangegangenen Staffel weiter fort. Besonders der Werdegang von Peter Krauses Charakter Nate ist oft nur schwer mit anzusehen – ganz besonders, wenn man sich die lebensfrohe Figur der ersten Staffel ins Gedächtnis ruft. Beeindruckend gespielt und exzellent geschrieben.

Mit George Sibley stößt zudem ein neuer Charakter zu den Fishers, der wirklich irritierend ist. Vielleicht passt er deshalb so gut in dieses bizarre und dennoch liebevolle Familienumfeld. Bevor ich mit der Sichtung der Serie angefangen hatte, dachte ich übrigens, dass James Cromwell die Hauptfigur der Serie spielen würde – so kann man sich täuschen. Trotz der Weiterentwicklung nahezu aller Charaktere, kann sich bis zum Finale niemand aus seiner aktuellen Situation befreien. Diese Stagnation wirkt auch auf den Zuschauer bisweilen quälend, was jedoch eine interessante Erfahrung ist.

Am meisten beeindruckt hat mich in dieser Staffel wohl die Episode „That’s My Dog“, die sich so ganz anders entwickelt, als man dies zu Beginn noch angenommen hätte. Großartig und verstörend. Auch das Staffelfinale samt unerwarteter Entwicklung fand ich fantastisch und es ist anzunehmen und zu hoffen, dass zumindest zwei Charaktere wieder positiver nach vorne blicken können – zumindest für ein paar kurze Augenblicke, denn mehr scheint in der Welt von „Six Feet Under“ nicht drin zu sein. Nun steht nur noch eine einsame Staffel im DVD-Regal. Der Entzug wird nicht einfach werden und doch blicke ich positiv nach vorne und freue mich auf das große Finale: 9/10 (8.7) Punkte.

King Arthur – Director’s Cut (2004)

Kurz nach der Jahrtausendwende lagen epische Stoffe voll im Trend. Ob Fantasy- oder Historienfilm, alles was auch nur annähernd nach großen Schlachtszenen roch wurde auf die Leinwand gebracht. Auch die Disney-Produktion „King Arthur“ (gesehen im Director’s Cut) schwamm auf dieser Welle mit und erzählt eine pseudohistorische Version der Legende um König Artus und seinen Rittern der Tafelrunde.

Wie bereits Wolfgang Petersons „Troja“ wurden auch der Geschichte um Artus, Merlin und Co. jegliche mythische Elemente entrissen. Antoine Fuqua macht von Beginn an klar, dass man es hier mit der angeblich wahren Geschichte hinter der Legende zu tun hat. Dies ist natürlich grober Unfug und deshalb sollte man sich auch nicht über historische Ungereimtheiten aufregen und den Film eher als moderne Interpretation der Legende sehen. Inhaltlich sollte man auch weniger einen Monumentalfilm erwarten, als einen historischen Abenteuerfilm mit Roadmovie-Anleihen und ausufernden Schlachtszenen.

Erzählt wird somit eine klassische Geschichte, die gnadenlos auf modern getrimmt wurde. Wackelkamera, hektische Schnitte und eine derart penetrante Farbkorrektur, dass ich ob der artifiziellen Qualität der durchaus sehenswerten Bilder mehr als einmal aus dem Film gerissen wurde, inklusive. Diese dreckig-moderne Inszenierung mag oft nicht zu den pathosschwangeren Dialogen passen, die trotz des emotional dominierenden Scores nie ins Herz treffen – doch damit möchte ich meine Kritik an dem Film nun auch beenden.

Sieht man von den teils unrunden Aspekten hab, kann man durchaus viel Spaß mit „King Arthur“ und seiner Bande an Raufbolden haben. Gerade die Gruppendynamik hat mir gut gefallen, da trotz des großen Ensembles jeder Figur genügend Platz eingeräumt wird und man sich gerne mit ihnen auf die Reise begibt. Überhaupt sind die ersten zwei Drittel die gelungeneren, da man in diesen ein Abenteuer erleben darf, das durch wirklich atmosphärische Bilder und spannende Einzelszenen erzählt wird. Die Endschlacht dagegen hätte meiner Meinung nach durchaus kürzer ausfallen dürfen.

Letztendlich kann man festhalten, dass ich den Film durchaus mochte – trotz Waldschrat-Merlin und Amazonen-Guinivere. Für starke Frauenrollen bin ich ohnehin immer zu haben und Keira Knightley macht hier wahrlich keine Gefangenen. Schade nur, dass sie unseren Till Schweiger als kahlrasierten Sachsen nicht kleinkriegen konnte. Ihr seht schon: Allzu ernst nehmen sollte man den Film nicht, doch wenn ihr euch an Historienschinken immer noch nicht satt gesehen habt, dann bietet „King Arthur“ durchaus nette Abwechslung – und somit gibt es knappe 7/10 Punkte.