Children of Men (2006) (WS1)

Manchmal hat man es als arbeitender Filmfreund und Vater nicht leicht (= Erste-Welt-Probleme). So bleiben meist nur wenige Abende, um seinem Hobby zu frönen. Nimmt jedoch die Arbeit überhand und verkürzen sich die Nächte aufgrund kränkelnden Nachwuchses auf ein paar Stunden, so fallen meist auch diese Abende der Müdigkeit zum Opfer. Trotz dieser denkbar schlechten Voraussetzungen habe ich mir gestern erneut Alfonso Cuaróns „Children of Men“ angesehen und war wieder begeistert – wenn auch nicht aufgrund der exakt gleichen Gesichtspunkte, wie noch bei der letzten Sichtung.

Eigentlich könnte ich meinen letzten Eintrag nahezu 1:1 übernehmen und müsste ihn nur um wenige Punkte ergänzen. Erneut hat mich die inszenatorische Wucht umgehauen, erneut hat mich der Film an die großen Dystopien der 70er Jahre erinnert und erneut hat mich die schiere Ausweglosigkeit beinahe erdrückt. Dennoch gibt es ein nicht zu vernachlässigendes Element, welches die gestrige Sichtung noch einmal deutlich intensiviert hat: die Geburt meiner Tochter. Erst jetzt konnte ich das volle Ausmaß des Entsetzens nachvollziehen, das mit dem komletten Fehlen menschlichen Nachwuchses einhergeht. Das Leben hört einfach auf zu existieren. Es gibt keine Hoffnung mehr. Keine Zukunft. Die Theorie war mir zwar auch schon beim letzten Mal klar, doch die emotionale Intensität dieser Prämisse konnte ich erst als Vater vollständig nachvollziehen.

Auch das Ende hat mir dieses Mal bedeutend besser gefallen. Nicht zwangsweise in Bezug auf The Human Project, doch die Hoffnung, die Theo Faron (Clive Owen) aus der reinen Existenz neuen Lebens schöpft, kam mir plötzlich sehr bekannt vor. Es geht weiter. Somit hat sich mein Wunsch bestätigt und diese Zweitsichtung war genauso intensiv, wie der erste Durchgang. Großartiges Kino, das man nicht nur als Genrefreund gesehen haben sollte: 9/10 Punkte.

11 Gedanken zu “Children of Men (2006) (WS1)

  1. Den Streifen hab ich erst einmal gesehen und das ist auch mit Sicherheit schon vier bis fuenf Jahre her. Im großen und ganzen gefiel mir der Film auch sehr gut, soweit ich mich erinnern kann, was mir aber nicht zusagte war das Ende. Empfand ich damals als zu weit hergeholt, uebertrieben oder etwas kitschig.
    Werde den Film aber definitiv nochmal sichten muessen, da ich mir recht sicher bin, dass ich das heute, auch wenn ich fuer meinen Teil kein Vater bin, anders sehen werde und der Film somit sicher eine Ecke besser abschneiden wird.

    Dass der Film fuer dich noch intensiver wird, das kann ich in gewissem Maße sogar nachvollziehen, denn, wenn man gewisse Erfahrungen teilen kann oder auf den Film beziehen kann, schwindet die Objektivitaet immer und der emotionale Bezug wird stets groeßer, was gut ist.

    Gefällt mir

  2. Beim ersten Durchgang empfand ich die Ehrfurcht der Soldaten vor dem neugeborenen Leben auch als zu kitschig in Szene gesetzt, doch gestern hat das für mich funktioniert. Das letztendliche Finale dagegen war angemessen offen und hat mich als Zuschauer wenigstens mit einem kleinen Hoffnungsschimmer aus dieser düsteren Welt entlassen.

    Gefällt mir

  3. Ich hab ihn auch erst einmal gesehen und kann mich -seltsamerweise, da ich andere Szenen noch bestens vor Augen habe – an das Ende überhaupt nicht erinnern. Dürfte ein schlechtes Zeichen sein, aber ansonsten hat „Children of Men“ ja einen ausnehmend guten Eindruck hinterlassen, und das, obwohl ich mit Clive Owen bis heute nicht viel anfangen kann.

    Gefällt mir

  4. Der Film endet auch nicht mit einem Knall, sondern eher auf einer ruhigen Note, was besonders in Bezug auf Clive Owens Charakter aber zumindest emotional mitzureißen weiß. Der inzenatorische Rausch davor war natürlich erinnerungswürdiger. Keine Frage.

    Gefällt mir

  5. Pingback: Media Monday #47 | Tonight is gonna be a large one.

  6. Pingback: Children of Men (2006) | Film-Blogosphäre

  7. Pingback: Gravity (2013) | Tonight is gonna be a large one.

  8. Pingback: Media Monday #228 | Tonight is gonna be a large one.

  9. Pingback: Media Monday #231 | Tonight is gonna be a large one.

  10. Pingback: Blogparade: My 100 Greatest Films of the 21st Century (So Far) | Tonight is gonna be a large one.

  11. Pingback: Gravity (2013) | Tonight is gonna be a large one.

Deine Meinung? (Indem du die Kommentarfunktion nutzt, erklärst du dich mit der Verarbeitung deiner angegebenen Daten durch Automattic, Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden.)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.