A World Beyond – OT: Tomorrowland (2015)

Mit diesem Artikel lest ihr meine letzte Filmbesprechung in diesem Jahr. Seid ihr ein wenig traurig? Keine Sorge, auch für 2018 habe ich mir fest vorgenommen, jeden gesehenen Film mit einer Rezension zu würdigen. Warum ist die Wahl für das filmische Finale ausgerechnet auf den Disney-Flop „A World Beyond“ gefallen? Weil ich große Hoffnungen hegte, dass mir der Film gefallen wird und er uns einen Blick in die Zukunft werfen lässt. War das die richtige Wahl?

A World Beyond (2015) | © Walt Disney

A World Beyond (2015) | © Walt Disney

Utopie oder Dystopie? Unsere Entscheidung.

Außer dem Trailer habe ich im Vorfeld nicht viel über „Tomorrowland“ in Erfahrung gebracht. Die Beteiligung von Brad Bird (u.a. „Der Gigant aus dem All“ und „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“) und George Clooney hat mir definitiv Lust gemacht und wenn wir ehrlich sind, hat auch die letzte Verfilmung eines Disney-Themenparks – ich spreche natürlich von „Fluch der Karibik“ – ausgezeichnet funktioniert. Und ja, auch „A World Beyond“ bietet wunderbares Unterhaltungskino, das mich in vielen Szenen sogar an die Disney-Realfilme der 50er bis 80er Jahre erinnert hat, die man bei uns in den frühen 90ern im Disney Club zu sehen bekam. Gerade die Road-Movie-Segmente haben mir unglaublich viel Spaß gemacht und dieses nostalgische Gefühl heraufbeschworen. Herrlich!

Warum war „Tomorrowland“ ein solcher Flop?

Wenn man sich den Trailer anschaut, könnte man davon ausgehen, dass die meisten Szenen in der Zukunft bzw. Parallelwelt spielen. Dabei bekommen wir nur einen kurzen Blick in diese Utopie. Für mich war das auch der deutlich geschicktere Ansatz, hat man dadurch Caseys Geschichte erzählen können, was ein großartiges Abenteuer ist. Casey muss kämpfen, innovative Lösungen finden und sich in einer feindseligen Welt behaupten – und darf bei all dem die Hoffnung nicht verlieren. Unterstützt wird sie dabei durch einen kauzigen George Clooney und einem Roboter (großartig gespielt von Raffey Cassidy). Die Jagd durch unsere Welt ist dabei so rasant und ideenreich inszeniert, dass es eine wahre Freude ist. Allerdings muss man als Zuschauer auch Spaß an diversen Sprüngen in der Handlung haben, die uns gegen Ende zusätzlich mit dem eigenen Gewissen konfrontiert: Sind wir es nicht selbst, die nur schlechte Nachrichten teilen? Horrormeldungen über den katastrophalen Zustand der Welt?

Für ein kunterbuntes Sci-Fi-Abenteuer ist „Tomorrowland“ teils zu düster und zu wirr in seiner Erzählung. Für anspruchsvolle Science-Fiction bietet der Film zu viel Jugendabenteuer. Das alles sind Anhaltspunkte, aber keinesfalls eine Erklärung, warum dieser tolle Film mit einer originellen Geschichte und starken Helden so unglaublich gefloppt ist. Wahrlich keine Glanzleistung des gemeinen Kinopublikums (und vermutlich auch der Marketing-Abteilung Disneys).

Fazit

Mir hat „A World Beyond“ extrem viel Spaß gemacht. Ich mochte das ungleiche Heldentrio Casey, Athena und Frank unglaublich gerne und hätte sie gerne bei weiteren Abenteuern begleitet. Die Welt von „Tomorrowland“ hätte Platz und Ideen für ein großes Franchise geboten, wozu es jedoch leider nicht kommen wird. Wenn ihr diesen Film (aus welchen Gründen auch immer) bisher gemieden habt, kann ich euch nur sagen: Schaut rein, denn es lohnt sich. Auf in die Zukunft: 8/10 Punkte.

Jupiter Ascending (2015)

Eine Woche, die rasend schnell vergangen ist und doch viel zu kurz war, liegt hinter mir. Morgen steht der Geburtstag des Zwergofanten an, weshalb sich heute die einzige Möglichkeit bot, einen Film zu schauen. Eigentlich war ich zu müde, weshalb der viel gescholtene „Jupiter Ascending“ eine gute Wahl zu sein schien. Ob mich das Werk der Wachowski-Geschwister letztendlich wachhalten konnte?

Jupiter Ascending (2015) | © Warner Home Video

Jupiter Ascending (2015) | © Warner Home Video

Wenn man alles in einen einzigen Film packt…

Schon nach ein paar Minuten drehte sich meine Frau zu mir um und sagte:

„Da wusste wohl jemand nicht, welche Geschichte er erzählen soll und hat einfach alles in den Film gepackt.“

Damit hat sie den Nagel ziemlich genau auf den Kopf getroffen, denn exakt so fühlt sich „Jupiter Ascending“ auch an. Der Film strotzt nur so vor Ideen, die alle angerissen aber selten zu Ende erzählt werden oder wirklich durchdacht wirken. Teils musste ich hier auch an Luc Bessons „Valerian: Die Stadt der tausend Planeten“ denken, der insgesamt jedoch viel stringenter inszeniert ist. Im Grunde wird eine typische  Fish-out-of-water-Geschichte erzählt, die letztendlich Dimensionen annimmt, die zu Beginn unvorstellbar wirken. Das mag nicht sonderlich elegant geschehen, hat für mich aber durchaus funktioniert, zumal der Unterhaltungswert stets gegeben war. Ganz unverhofft ist „Jupiter Ascending“ viel komödiantischer angelegt, als ich zuvor gedacht hatte – von der unfreiwilligen Komik einmal ganz abgesehen (ja, es war wohl die eine oder andere Space-Skate-Sequenz zu viel).

Auch wenn die Geschichte ziemlich hanebüchen erscheint, so geben sich die Wachowskis doch Mühe, dass zumindest ein Mindestmaß an Glaubwürdigkeit gegeben ist. Wenn bei Marvel, DC und Co. ganze Städte in Schutt und Asche gelegt werden und das kein normaler Mensch mitzubekommen scheint, dann wird dieser Punkt hier tatsächlich adressiert und erklärt. Das ist nur ein kleines Detail, doch die Welt (so verrückt sie auch erscheinen mag) ist dadurch in sich stimmig. Auch mochte ich die abgefahrenen Designs und die abgedrehten Ideen und Schauplätze. Kein großes Kino, nicht besonders gut geschrieben und doch unterhaltsam und vor allem sympathisch. Das hätte ich so nicht vermutet. Mila Kunis, Channing Tatum und Sean Bean sind zudem ein gutes Leinwand-Trio. Einzig Eddie Redmaynes Overacting ist oft hart an der Grenze, passt aber auch irgendwie zum trashigen Charme des Films.

Fazit

Wie ihr aus meiner bisherigen Besprechung schon herauslesen konntet, hat mir „Jupiter Ascending“ tatsächlich unerwartet viel Spaß gemacht. Ein nettes Weltraum-Abenteuer, das sich selbst nicht sonderlich ernst nimmt. Auch wenn ich mit dieser Meinung ziemlich alleine dastehe, so möchte ich doch eine Lanze für den Film brechen, schon alleine aufgrund seines Ideenreichtums. Traut euch: 7/10 Punkte.

Jurassic World (2015) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Jurassic World“ am 7. Dezember 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einem turbulenten Tag, den wir aufgrund des regnerischen Herbstwetters in einem Indoor-Spielplatz verbracht haben, sind wir abends müde aufs Sofa gefallen. Die perfekte Gelegenheit also, die 3D-Fähigkeiten des neuen Fernsehers zu testen. Im Player landete „Jurassic World“, den ich vor etwas mehr als zwei Jahren bereits im Kino gesehen hatte. Damals allerdings nur in 2D und mit mäßiger Begeisterung. Wie der Film bei der Zweitsichtung wirkt, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Jurassic World (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Jurassic World (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Ein Film wie ein Besuch im Freizeitpark

Dieses Mal wusste ich ja schon ziemlich genau, was mich erwartet. Somit blieb die Enttäuschung darüber aus, einen viel zu vollgestopften Film zu sehen, der sich an jede mögliche Zielgruppe anbiedert. Ich hatte sogar extrem viel Spaß damit: Wie bei einem Freizeitpark sollte man sich einfach auf die Attraktionen einlassen, denn dann weiß „Jurassic World“ auch zu unterhalten. Durch verschiedenste Meta-Anspielungen scheint durch, dass die Drehbuchautoren sich dessen auch bewusst waren. Für mich hat diese Mixtur heute sehr gut funktioniert, wenngleich einige Elemente, wie z.B. die trainierten Raptoren, immer noch ziemlich lächerlich wirken.

Tatsächlich begeistert war ich vom 3D-Effekt, der das Freizeitpark-Gefühl noch einmal mehr unterstreicht. Hat mir deutlich besser gefallen, als meine bisherigen Erfahrungen mit 3D im Kino. Vielleicht liegt es am kleineren Bild oder der generell besseren Qualität. Da werde ich bestimmt noch den einen oder anderen Film in 3D nachholen. Selbst meine Frau war begeistert.

Fazit

Auch wenn von „Jurassic World“ nur wenig hängen bleibt, so war die Fahrt selbst äußerst unterhaltsam. Bryce Dallas Howard und Chris Pratt harmonieren sehr gut zusammen, die Effekte wissen zu überzeugen und es gibt massenhaft Dinos zu sehen. Das aufdringliche Drehen an der Nostalgie-Schraube hätte sich Colin Trevorrow sparen können, ich komme jedoch nicht umhin zuzugeben, dass es auch bei mir wieder funktioniert hat. Nun freue ich mich tatsächlich auf den zweiten Teil: 7/10 Punkte.

Alien: Covenant (2017)

Gestern hat es sich ziemlich spontan ergeben, dass die Kinder bei den Großeltern übernachteten und wir somit „Alien: Covenant“ im Kino sehen konnten. Neben „Blade Runner 2049“ der Film, den ich dieses Jahr am meisten herbeigesehnt habe. Speziell aufgrund meiner kürzlichen Zweitsichtung von „Prometheus: Dunkle Zeichen“ war ich extrem gespannt, wie Ridley Scott die mysteriöse Geschichte um die Ingenieure und ihre Schöpfungen fortführt. Ob sich das Warten (und dass ich mich mit fieser Erkältung ins klimatisierte Kino geschleppt habe) gelohnt hat? Spoiler sind zu erwarten.

Zwischen „Prometheus“ und „Alien“

Auf den ersten Blick hat „Alien: Covenant“ alles zu bieten, was ich mir von einer Fortsetzung erhofft hatte. Der Look erinnert so sehr an den ursprünglichen „Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“, dass es eine wahre Freude ist. Ridley Scott hat die filmische Brücke also nicht nur inhaltlich (z.B. Zusammensetzung der Crew), sondern auch formal geschlagen. Somit verwundert es auch nicht, dass sowohl das erste Drittel wie auch das letzte Drittel des Films beinahe schon wie ein Remake des Originals von 1979 anmuten. Ich habe es wirklich sehr genossen einmal mehr in dieses wunderbar ausgearbeitete Universum einzutauchen und bekannte Klänge zu vernehmen sowie auch Mechanismen zu erleben. Doch einen Moment, bitte. Was ist nun eigentlich aus Elisabeth Shaw, dem Androiden David und ihrer Reise zum Planeten der Ingenieure geworden? Stimmt, da gibt es ja noch den Mittelteil des Films…

Typisch „Alien“-Sequel: Alles wird auf Null gesetzt

Gerade im inhaltlich interessanten Mittelteil krankt die Geschichte leider. Ich habe mich gefühlt wie damals, als ich das erste Mal „Alien 3“ gesehen habe: Jegliche inhaltliche Entwicklung wird ignoriert und die Ausgangssituation einfach auf Null gesetzt, damit man abermals die gleiche Geschichte erzählen kann. Über die Jahre habe ich den Film dennoch lieben gelernt. Ob mir das bei „Alien: Covenant“ auch gelingen wird? Wie gern hätte ich mehr über die Abenteuer von Shaw und David auf dem Heimatplaneten der Ingenieure erfahren. Aber nein: Shaw ist tot, David entpuppt sich als wahnsinniger Androide mit Gotteskomplex, der einfach mal so alle Ingenieure auslöscht. Keine Antworten, keine weiteren Mysterien, einfach alles auf Null gesetzt.

Ich fand es zwar durchaus interessant, David – nachdem er in „Prometheus: Dunkle Zeichen“ noch eher eine ambivalente Figur war – als verrückten Wissenschaftler inszeniert zu sehen, der mit seinem Bruder Walter über Schöpfung und Götter philosophiert (wenngleich die Flötenszene auch ein wenig albern war). Letztendlich hat David durch seine Genexperimente Eier, Facehugger und Xenomorphs erschaffen. Hier hatte ich tatsächlich einen kleinen Midi-Chlorianer-Moment, der viel von der Faszination für diese Kreaturen genommen hat. Nein, mir hat diese Entwicklung wirklich nicht gefallen und ich finde es unendlich schade, dass Scott und Co. die gesamte Mythologie, die sie noch im Vorgänger mühevoll aufgebaut hatten, einfach über Bord werfen. Glücklicherweise spielt Michael Fassbender wieder unglaublich gut, so dass es trotz der enttäuschenden inhaltlichen Entwicklungen eine wahre Freude ist, seinem verrückten Androiden (und das passt inhaltlich natürlich wieder perfekt zum Franchise) zuzusehen.

Fazit

Ich hatte hohe Erwartungen an „Alien: Covenant“ und mir eine deutlichere Entwicklung in Richtung „Prometheus: Dunkle Zeichen“ gewünscht. Leider haben sich Scott und 20th Century Fox jedoch für den sichereren Weg entschieden und übereilt die Brücke zu den beliebten Originalen geschlagen. Was nun noch in den nächsten beiden Filmen gezeigt werden soll? Auch wenn die Enttäuschung auf inhaltlicher Sicht wohl überwiegt, so war ich jedoch zu jeder Sekunde gefangen von den Bildern und der Atmosphäre. Der Film atmet das „Alien“-Franchise noch viel stärker als der Vorgänger und ja, tatsächlich bin ich dem jüngsten Neuzugang in dieser Hinsicht völlig verfallen. Ein spannendes und auf jeden Fall lohnendes Kinoerlebnis, bei dem sich noch zeigen muss, ob es überdauert: 7/10 Punkte.

Prometheus: Dunkle Zeichen – OT: Prometheus (2012) (WS1)

Gerade ist „Alien: Covenant“ angelaufen und ich hege die zarte Hoffnung, dass ich den Film tatsächlich noch im Kino sehen werde. Folglich war es nach fünf Jahren auch an der Zeit, meine Erinnerungen an „Prometheus: Dunkle Zeichen“ aufzufrischen. Der Vorgänger hatte mir damals exzellent gefallen. Allerdings habe ich inzwischen so viele vernichtende Worte über den Film gehört und gelesen, dass ich leichte Zweifel hatte, ob er mir auch heute noch gefallen würde, doch lest selbst…

Ein selbstbewusster Neuanfang

Das „Alien“-Franchise zeichnet sich nicht gerade durch Konsistenz aus. Ob spontane Genre-Wechsel von Horror („Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“) zu Action („Aliens: Die Rückkehr“) oder unzählige Male umgeschriebene Drehbücher („Alien 3“) – als Fan der Reihe hat man schon so einiges mitgemacht. Dennoch war der Ruf nach einer Fortsetzung zu „Alien: Die Wiedergeburt“ stets da. Neun Jahre später war es dann endlich soweit und im Vorfeld herrschte viel Unklarheit darüber, um was es sich bei „Prometheus“ eigentlich handeln sollte: ein Sequel oder ein Prequel? Gar ein Reboot? Oder doch etwas ganz Anderes? Letztendlich ist Ridley Scotts Sci-Fi-Epos eine Mischung aus alldem und doch etwas ganz Eigenes: eine Geschichte im „Alien“-Universum, die mit den Versatzstücken des Franchises spielt und doch viel größer ist. Und ich kann Ridley Scott nur dafür danken, diesen Weg eingeschlagen zu haben, denn auch bei der heutigen Sichtung hat mich sein Film wieder enorm gepackt.

Woher kommen wir eigentlich?

„Prometheus“ macht es einem als Zuschauer nicht leicht: Einerseits ist der Film ein typischer Sci-Fi-Reißer mit Monstern, klischeehaft geschriebenen Redshirts und teils sehr blutigen Szenen. Dem gegenüber steht der philosophische Unterbau, der Fragen nach Schöpfung, Glaube und einer größeren Mythologie aufmacht. Für viele Zuschauer mag das nicht zusammenpassen, doch für mich funktioniert es einfach wunderbar. Ich liebe die Space-Trucker-Atmosphäre, die Scott im ersten Drittel des Films wieder sehr gekonnt einfängt, ebenso wie horrorlastigen Actionszenen sowie die Fragen, die in der Geschichte aufgemacht werden. Im Zentrum der Handlung steht, ganz in Tradition der Reihe, abermals eine Frau, doch neben ihr rückt ein Androide in den Fokus. Auch ein solcher hatte in den ersten beiden Filmen eine tragende Rolle, hier spiegelt er zudem den Kern der Geschichte wider, was ich ganz und gar famos fand. Dies hätte leicht nach hinten losgehen können, doch Michael Fassbender spielt David so eindringlich und doch nuanciert, dass es eine wahre Freude ist.

Neben dem Inhalt ist bei Ridley Scott natürlich die Form extrem wichtig und hier überzeugt „Prometheus“ auf ganzer Linie: Ich liebe die Weyland-Yutani-Designs, die Raumschiffe und Uniformen, die technischen Spielereien und natürlich die von H. R. Giger inspirierte Welt auf LV-223. Was Monster angeht, so gibt es auch in diesem Film einiges zu sehen, wobei nichts auch nur annähernd den ikonografischen Facehuggern oder Xenomorphs das Wasser reichen kann. Am meisten beeindruckt haben mich wohl tatsächlich die humanoiden Engineers und ich bin gespannt, wie in der Fortsetzung letztendlich der Bogen zu den klassischen Aliens gespannt wird.

Fazit

Meine Sorge mich aufgrund etwaiger Beeinflussungen in Drehbuchschwächen oder   Logiklöchern zu verlieren, war völlig unbegründet. Ich habe „Prometheus“ genossen, wie damals bei der ersten Sichtung im Kino. Einzig das famose 3D habe ich tatsächlich vermisst. Wer hätte das gedacht? Auch dieses Mal werde ich wieder viel über die Geschichte nachdenken und mir eigene Erklärungen zurechtlegen. Ich mag es sehr, dass der Film nicht alles erklärt und uns Zuschauern Spielraum für Spekulationen lässt. Dabei funktioniert „Prometheus“ auch wunderbar als audiovisuell starker Sci-Fi-Trip, mit dem man einfach viel Spaß haben kann. Falls ihr die alten Filme liebt und um diesen Neuanfang bisher einen bogen gemacht habt: Lasst euch nichts erzählen und macht euch selbst ein Bild. Ein toller Film: 9/10 Punkte.

 

The Big Short (2015)

Nachdem wir heute aufgrund des famosen Wetters zum ersten Mal in diesem Jahr draußen zu Abend gegessen haben, sind wir nur widerwillig ins Haus zurückgekehrt. Sommer ist es dann eben doch noch nicht. Somit bin ich aber endlich in den Genuss von „The Big Short“ gekommen, der mir bereits häufig ans Herz gelegt wurde. Spätestens seit Wulfs Besprechung wartete Adam McKays Film nun an vorderster Position in meinem Filmregal auf seine Sichtung…

Inzwischen habe ich mit „Wall Street“ und „The Wolf of Wall Street“ bereits mehrere Filme über die gierige Finanzwelt gesehen. Dieser hier unterscheidet sich von den beiden genannten und ähnelt ihnen zugleich. Adam McKay beschreibt ziemlich genau, wie es zur Finanzkrise 2008 kommen konnte und begleitet dabei eine Gruppe von Außenseitern, die als einzige die platzende Blase vorausgesehen haben. Oder besser, die zuvor nicht davon profitiert und die Immobilienblase somit nicht leichtfertig hingenommen haben. Wie es überhaupt soweit kommen konnte, ist auch nach der Sichtung des Films nur schwer verständlich. Diese Art von ungezähmter Gier in einer Welt ohne Moral wohnt allen drei Filmen inne.

Auch die Helden dieser Geschichte profitieren vom Platzen der Blase – und doch werden sie reflektierter gezeichnet als Gordon Gekko oder Jordan Belfort: Es gibt keine Exzesse, doch das große Geld lockt auch sie. Mit Christian Bale, Steve Carell und Ryan Gosling in den Hauptrollen, ist „The Big Short“ hochkarätig besetzt und weiß seine Trümpfe auch auszuspielen. Geschickt flechtet McKay bewusst vereinfachende Erklärbär-Clips ein, die uns Zuschauer unterhaltsam komplexe Sachverhalte beschreiben. Dennoch hätte ich mir an mancher Stelle mehr Tiefe gewünscht, schienen mir die Zusammenhänge oft doch zu vereinfacht dargestellt.

Auch vor den Auswirkungen der Finanzkrise scheut der Film nicht zurück. Hier bleibt er jedoch sehr plakativ und behält seinen oft zynischen Ton bei. Teils erinnerte mich der Film hier ein wenig an „Lord of War“, auch wenn dieser ein komplett anderes, wenn auch nicht weniger verruchtes Geschäft in den Mittelpunkt stellt. Die Balance aus Unterhaltung, Erklärung und leichtem Drama hält „The Big Short“ auf jeden Fall famos.

Insgesamt bin ich wahrlich sehr angetan davon, wie spielerisch es dem Film gelingt eine komplexe Geschichte temporeich, äußerst unterhaltsam und doch packend zu erzählen. Er bietet famose Schauspieler und ein paar wirklich denkwürdige Szenen. Ob er mir darüber hinaus jedoch noch lange im Gedächtnis bleiben wird, muss sich erst noch zeigen: 8/10 Punkte.

Black Rain (1989)

Für den heutigen Filmabend habe ich einmal wieder ein altbekanntes Werk aus dem Regal gezogen, das mich früher durch so manche Nacht begleitet hat. Ridley Scotts Yakuza-Thriller „Black Rain“ habe ich kurz nach „Blade Runner“ für mich entdeckt, was nicht von ungefähr kommt, besitzen beide Filme doch eine sehr ähnliche Ästhetik. Da es bislang nur eine qualitativ sehr schlechte DVD-Fassung gab, hatte ich den Film schon jahrelang nicht mehr gesehen. Mit der Blu-ray sollte sich das nun ändern…

black-rain-1989

Schon innerhalb der ersten zehn Minuten weiß man als Zuschauer genau, mit wem man es in den folgenden zwei Stunden zu tun bekommt. Wirklich großartig, wie Scott seine Hauptfigur Nick Conklin (Michael Douglas) einführt. Da gibt es keine erklärenden Dialoge oder Texttafeln. Alles was man wissen muss, wird einem in der Handlung vermittelt. Auch die Zeit, in der „Black Rain“ spielt, ist unverkennbar: Sowohl Sountrack als auch Look versetzen einen (aus heutiger Sicht) zurück in die späten 80er Jahre. Das fängt bei Douglas‘ Frisur an und hört bei der Mode der Protagonisten auf. Dennoch wirkt der Film nicht altbacken, was an Ridley Scotts famosem Gespür für Bilder liegt. Kameramann Jan de Bont fängt das düstere Japan wahrlich perfekt ein.

Neben dem ästhetischen Hochgenuss fällt die Geschichte leider ein wenig ab. Letztendlich bekommt man einen Cop-Thriller zu sehen, der mit ein paar Buddy-Movie- und Culture-Clash-Elementen angereichert ist. Dabei ist die Stimmung betont düster und driftet nie groß in Richtung Comedy ab. Dieser Aspekt hebt „Black Rain“ letztendlich auch über vergleichbare Filme hinaus. Auch wenn sich Conklin und sein Partner Charlie Vincent (Andy Garcia) in dieser ihnen unbekannten Welt fremd fühlen, so siegt am Ende doch wieder einmal das amerikanische Draufgängertum. Dies war vermutlich nicht anders zu erwarten, doch letztendlich hätte ich mir ein wenig mehr Japan-Einfluss gewünscht. Immerhin müssen unsere Cops die Regeln dieser Welt auf schmerzhafte Art und Weise lernen, was für ein paar intensive Szenen sorgt.

Auch wenn ich den Film nun schon deutlich über zehn Jahre nicht mehr gesehen hatte, war mir seine Atmosphäre noch ziemlich präsent. Die Handlung dagegen hatte ich nicht mehr wirklich im Kopf, was wohl so einiges über den Film aussagt. Wer Lust am Actionkino der 80er Jahre hat und einen fantastisch fotografierten, aber nicht sonderlich innovativen Thriller sehen möchte, dem kann ich „Black Rain“ auch heute noch sehr ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Take Shelter (2011)

Da wir gestern Abend mit den Kindern noch ins Hallenbad gefahren sind (ja, zurzeit sind tatsächlich einmal alle gesund), ist der Freitagsfilm ausgefallen. Heute jedoch war es dann soweit – und das war auch bitter nötig, denn in letzter Zeit sammeln sich viele neue Filme bei mir an. Die Wahl fiel heute auf „Take Shelter“, den ich schon länger auf dem Schirm habe. Immerhin konnte mich Regisseur Jeff Nichols mit „Mud“ extrem überzeugen und auch Michael Shannon und Jessica Chastain versprachen Großes…

take-shelter-2011

Zunächst einmal muss ich anmerken, dass ich es unfassbar finde, wie unglaublich schlecht das deutsche Verleih-Cover ist. Was habt ihr euch dabei nur gedacht, Ascot Elite? Das lässt den Film wie die letzte B-Movie-Produktion wirken. Aber egal. Soll der Gelegenheitskäufer im Elektrofachmarkt ruhig enttäuscht werden. Es kommt ja schließlich auf den Inhalt an und dieser ist wahrlich famos. Selten habe ich einen Film gesehen, der eine solch unfassbar dichte Atmosphäre heraufbeschwört. Ohne große Effekte, ohne aufgesetztes Drama oder Thriller-Elemente. „Take Shelter“ lebt von seinen Schauspielern und der ruhigen Erzählweise, die sich in der Kameraführung widergespiegelt. Dadurch entsteht eine Sogwirkung, der ich mich nur schwer entziehen konnte.

Neben dem auf den Punkt geschriebenen Drehbuch, ist es wohl vor allem Michael Shannon (Nelson Van Alden, „Boardwalk Empire“) zu verdanken, dass sein Charakter Curtis stets glaubhaft als liebevoller Familienvater und manisch Getriebener rüberkommt ohne dabei Sympathiepunkte zu einzubüßen. Eine großartige Leistung. Auch Jessica Chastain, die im gleichen Jahr auch für „The Tree of Life“ vor der Kamera stand, überzeugt als Ehefrau, die hinter ihrem Mann steht und das ohne jeglichen Realismus über Bord zu werfen. Jeff Nichols hatte hier wahrlich ein Händchen für die richtige Besetzung. Der Film ist voll von Andeutungen und Themen, die unaufdringlich mit der eigentlichen Handlung verknüpft werden. Das Finale ist einerseits mehrdeutig, anderseits aber auch klar in seiner Inszenierung und hat mich ein wenig an die letzten Minuten von „The Sopranos“ erinnert.

Ich bin begeistert und sicher, dass „Take Shelter“ bei mir noch lange nachwirken wird. Ebenso freue ich mich nun schon sehr auf Jeff Nichols „Midnight Special“, auch wenn dieser durchwachsene Kritiken bekommen hat. Filme wie diese sind es, die mich zum Filmfreund machen. Filme, wie man sie leider viel zu wenig sieht – und die deshalb umso wichtiger sind. Famose Unterhaltung, die zum Nachdenken anregt. Ich kann nur eine große Empfehlung aussprechen: 9/10 Punkte.

Everest (2015)

Aktualisierung: Ich habe „Everest“ am 30. August 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem ich den gestrigen Abend mit Quentin Tarantinos „The Hateful Eight“ bereits in einem Schneesturm verbrachte, dachte ich, dass eine Besteigung des „Everest“ der naheliegende nächste Schritt sei. Von Baltasar Kormákur Bergsteigerdrama hatte ich im Vorfeld schon einiges gehört, wobei sich positive und negative Besprechungen ziemlich die Waage hielten. Insofern war ich sehr gespannt, was mich in den nächsten zwei Stunden erwarten würde…

Everest (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Everest (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Was die Berge als Setting angeht, so hat mich der Film damit schon fast immer auf seiner Seite. Egal ob „Cliffhanger“ oder „Vertical Limit“ – wenn die Kulisse stimmt, kann ich auch so manch inhaltliche Schwäche verzeihen. Mit „Everest“ nun also der Versuch eines realistischen Bergsteigerdramas – und was soll ich sagen? Der Film hat bei mir ziemlich gezündet. Die Dramaturgie wird dabei jedem x-beliebigen Katastrophenfilm entliehen, doch das macht nichts: Regisseur Baltasar Kormákur inszeniert sehr effizient und gibt eine hohe Taktung vor, ohne jedoch die Charaktere zu vernachlässigen. Ein Kritikpunkt, den ich häufig gelesen habe, war zum Beispiel, dass man die Figuren nicht unterscheiden könne, was ich absolut nicht nachvollziehen kann. Für mich wurden die Abenteurer mehr als ausreichend detailliert charakterisiert und waren selbst im größten Schneegestöber eindeutig identifizierbar.

Während der Vorstellung der Bergsteiger musste ich bei der Erwähnung des Namens Jon Krakauer aufhorchen. Das war doch der Autor, der die Vorlage „In die Wildnis: Allein nach Alaska“ zu Sean Penns grandiosem „Into the Wild“ geschrieben hatte. Ich überlegte, ob „Everest“ vielleicht sogar eine weitere Verfilmung eines von Krakauers Büchern sein könnte, doch musste ich nach ein wenig Recherche feststellen, dass sich der Autor sogar von dem Film distanziert hatte. Zu der Katastrophe sind neben Krakauers „In eisigen Höhen“ mehrere Bücher entstanden, welche die Ereignisse aufarbeiten und teils zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Wenn man den Produzenten des Films glauben mag, haben sie versucht eine möglichst neutrale Perspektive einzunehmen und sich an den belegbaren Fakten (z.B. dem damals aufgezeichneten Funkverkehr) orientiert. Wer sich für das Thema interessiert, für den ist die Wikipedia-Seite zum Unglück bestimmt ein guter Einstieg.

Was die Inszenierung angeht, so bedient sich Kormákur einer Mischung aus realen Aufnahmen, Sets und CGI. Diese Mischung funktioniert meist erstaunlich gut, nur in einzelnen Einstellungen ist der Greenscreen aufgrund von nicht perfekt gesetztem Licht deutlich erkennbar. Dies ist störend, kommt aber glücklicherweise nur selten vor und ist kein Vergleich zu den aus heutiger Sicht teils katastrophalen VFX in „Vertical Limit“, in denen man den Greenscreen förmlich vor sich sieht.

Fazit

Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit meinem bequemen Ausflug auf den „Everest“ von der Couch aus. Es gibt tolle Landschaftsaufnahmen, zu Herzen gehende Schicksale und unglaublich spannende Szenen: Ich hätte nach dem Film vermutlich auch eine Sauerstoffflasche gebrauchen können. Wer sich ein wenig für das Thema interessiert, der findet in Baltasar Kormákurs Film eine wirklich sehenswerte dramatische Umsetzung: 8/10 Punkte.

Kingsman: The Secret Service (2014)

Nach ein paar wirklich herausfordernden Wochen, beginnt für mich heute eine kurze Auszeit: Die Herbstferien stehen vor der Tür. Normalerweise kann ich ganz gut abschalten, doch der heutige Tag lieferte Gedankenkarussell bis zum bitteren Ende. Somit fiel die Wahl heute Abend mit „Kingsman: The Secret Service“ auch auf einen Film, für den ich keine hohen Erwartungen hegte, mir jedoch zumindest anspruchslose Action-Unterhaltung erhoffte. Umso erstaunlicher, dass er mich für gut zwei Stunden alles andere tatsächlich vergessen ließ…

kingsman-2014

Meine bisherigen Erfahrungen mit Matthew Vaughn waren tatsächlich immer positiv: egal ob „Der Sternwanderer“, „Kick-Ass“ oder „X-Men: Erste Entscheidung“ – die Filme konnten in ihrem Genre stets überzeugen und hatten einen gewissen Kniff. Bereits bei Vaughns Beitrag zum „X-Men“-Franchise musste ich stets an die „James Bond“-Filme der 60er Jahre denken. Mit „Kingsman: The Secret Service“ hat er dieses Genre nun erfolgreich in die Neuzeit transferiert: Sein Werk wirkt in manchen Szenen mehr wie ein 007-Abenteuer als die Daniel-Craig-Filme. Dabei ist die Actionkomödie keine Parodie, sondern nimmt sich und ihre Welt – trotz einiger urkomischer Szenen – durchaus ernst, was im Endeffekt den Charakteren und dem Setting zugute kommt.

Am meisten hat mich wohl beeindruckt, dass Vaughn und sein Team immer einen Schritt weiter gehen, als man es in solch einem Big-Budget-Actioner erwarten würde. Nicht nur was den durchaus respektablen Gewalt-Level angeht, sondern auch wie Themen verarbeitet werden oder mit der Erwartungshaltung gebrochen wird. Ein subversiver Geist wohnt „Kingsman“ inne, der den Film in Kombination mit dem Blockbuster-Budget sowie dem Auftritt diverser Hollywood-Stars unglaublich frisch wirken lässt. Das Action-Abenteuer lebt vom ausgefallenen Setting, übertriebener Gewalt und abstrusem Humor. Dabei ist er meta, ohne zu selbstverliebt zu sein. Eine angenehme und äußerst unterhaltsame Mischung.

Vielleicht lag es an meinem Gemütszustand, doch hat mich „Kingsman: The Secret Service“ wirklich positiv überrascht. Die Sichtung des zweiten Teils würde ich nicht mehr so lange vor mir herschieben. Ein rundum gelungener Spaß, der unter der glänzenden Oberfläche an den genau richtigen Stellen ein paar Ecken und Kanten hervorblitzen lässt: 8/10 Punkte.