Schändung (Jussi Adler-Olsen)

Knapp zwei Monate habe ich benötigt, um Jussi Adler-Olsens Roman „Schändung“ zu lesen. Früher wäre dies für meine Lesegewohnheiten ein ziemlich langer Zeitraum gewesen, doch im Moment ist das beinahe schon rekordverdächtig. Auch wenn ich abends meist recht müde war, so habe ich mich doch stets auf Carl Mørck und Assad gefreut. Einfach ein rundum sympathisches Ermittlerteam, das ab diesem Fall durch die resolute Rose ergänzt wird.

Im direkten Vergleich zum Vorgänger „Erbarmen“ habe ich die Handlung des Romans als zu vorhersehbar empfunden. Es gab kein Mysterium und die Geschichte rund um Kimmie und ihre Clique erschien mir etwas zu klischeehaft. Die unantastbare Oberschicht, die skrupellos ihre Gelüste auslebt und stets ungeschoren davonkommt. Bestechlichlichkeit und schmierige Beziehungen als Währung der Angst. Hier hätte es meiner Meinung nach mehr Feingefühl bei der Entwicklung der Figuren – speziell der Antagonisten – benötigt. Mehr Grauzone und weniger Schwarzweißmalerei.

Unterhaltsam bleibt „Schändung“ bis zum Schluss und auch wenn ich jetzt erst einmal eine kleine Pause einlegen werde, so freue ich mich dennoch schon darauf den neuen Jussi Adler-Olsen zu lesen. Gut geschrieben und trotz kleinerer Mängel mitreißend erzählt, weshalb ich auch für den zweiten Fall des Sonderdezernats Q meine Empfehlung für Krimifreunde aussprechen möchte: 8/10 Punkte.

Contact (1997)

Es gibt Filmerlebnisse, die stammen aus einer Zeit als das Leben noch völlig undefiniert vor einem lag. Vielleicht wohnt ihnen deshalb eine besondere Art von Magie inne. Robert Zemeckis „Contact“ ist ein solches Filmerlebnis. Inzwischen schon unzählige Male gesehen und immer wieder großartig. Ein Film aus einer Zeit der schier unendlichen Möglichkeiten und unbegrenzten Hoffnungen. Ein Ausflug zurück in eine Welt, aus der man schon längst aufgebrochen ist.

Auch abseits der rein persönlichen Assoziationen wohnt dem Film ein Wendepunkt inne. „Contact“ ist einer der letzten klassichen Filme von Robert Zemeckis, einem der großen Regisseure (u.a. „Zurück in die Zukunft“ und „Forrest Gump“) des Unterhaltungskinos. Seit „Cast Away“ hat er sich leider komplett darauf eingeschossen seine Geschichten mittels CGI und Performance Capture zu erzählen, was für mich einen großen Verlust für die Filmwelt darstellt. Doch zurück zu dem Film, der meine Liebe zu ernsthafter Science-Fiction weckte und den ich seit der ersten Sichtung zu meinen Lieblingsfilmen zähle.

„Contact“ funktioniert wunderbar auf zwei Ebenen. Einerseits als klassischer Wissenschaftsthriller mit Forschungsszenen, mysteriösen Entdeckungen sowie einer sympathisch-nerdigen Identifikationsfigur, und andererseits als groß angelegtes Spielfeld auf dem die Frage nach einer höheren Macht aufgeworfen sowie der ewige Kampf zwischen Glaube und Wissenschaft ausgetragen wird. All dies wird verpackt in einen mitreißend inszenierten Unterhaltungsfilm, der trotz seiner beinahe zweieinhalbstündigen Laufzeit zu keiner Sekunde langweilig wird.

Ich weiß noch genau, wie damals im Freundeskreis über den eigentlichen Kontakt diskutiert wurde. Besonders häufig ist die Beschreibung „2001: Odyssee im Weltraum“ light gefallen, was eigentlich auch recht treffend ist. Ich für meinen Teil war einerseits etwas enttäuscht und andererseits auch wirklich bewegt davon. Mit jeder weiteren Sichtung haben mir die Szenen des Kontakts allerdings besser gefallen. Man darf eben nicht unterschätzen, dass der Film bis dahin eine enorme Erwartungshaltung aufbaut, die zu erreichen bzw. zu übertreffen nahezu unmöglich ist. Heute jedoch könnte ich mir keinen besseren Weg vorstellen, wie man den Kontakt hätte darstellen können. Eine perfekte Leistung von Robert Zemeckis, Carl Sagan und Jodie Foster.

„Contact“ ist für mich einer dieser Filme, die ich mir immer wieder anschauen kann. Großartige Unterhaltung, die immer wieder zum Nachdenken anregt und dabei jedoch nicht übermäßig verkopft wirkt. Hinzu kommt eine perfekte Inszenierung, fantastische Schauspieler und ein wunderschöner Score. Jedem Fan des Films kann ich übrigens die Blu-ray nur ans Herz legen, die zwar mit ganz neuen Produktionen nicht mithalten kann, den Film jedoch besser aussehen lässt als jemals zuvor. Meine unbedingte und zwingende Sehempfehlung: 10/10 Punkte. Kennt eigentlich jemand Carl Sagans Romanvorlage und mag ein paar Worte dazu verlieren?

Prädikat: Lieblingsfilm

The Killing (US) – Season 1

Normalerweise wird man so spät im Serienjahr selten positiv überrascht. Die US-Version von „The Killing – Season 1“ war für mich allerdings solch eine positive Überraschung. Auch wenn Krimiserien nicht zu meinen bevorzugten Genres zählen, so haben mich Vergleiche zu „Twin Peaks“ und die Tatsache, dass es sich um die Adaption einer skandinavischen Serie handelt doch neugierig gemacht. Ich sollte nicht enttäuscht werden.

Der Pilot gehört mit zum besten, was das Genre zu bieten hat. Unglaublich atmosphärische Bilder, mitreißend erzählt und verdammt nahe dran an den Charakteren. So mitgenommen hatte mich schon lange keine Serienepisode mehr. Dies mag natürlich auch daran liegen, dass die Ermordung eines Mädchens – einer Tocher – im Vordergrund steht und die Serie sich sehr intensiv mit der Trauer der Eltern auseinandersetzt. Wirklich harter Tobak. Das hätte ich in dieser Ausführlichkeit nicht erwartet.

Nach dem brillianten Piloten wurde allerdings ein paar Gänge heruntergeschaltet und einige Episoden lang wird von Verdächtigem zu Verdächtigem gejagt. Diese Erzählweise erschien mir bisweilen etwas redundant, doch konnte mich die Serie durch ihren ruhigen und dennoch spannenden Aufbau stets bei der Stange halten. Ein großer Verdienst gilt auch den Hauptdarstellern Mireille Enos und Joel Kinnaman, die ihren spröden Charakteren Leben einhauchen und dabei so herrlich anders wirken, als unsere Standardermittler. Sehr erfrischend.

Gegen Ende zieht die Spannungsschraube dann noch einmal ziemlich an, nur um uns Zuschauer letztendlich mit einem enorm fiesen Cliffhanger – im wahrsten Sinne des Wortes – hängen zu lassen. Auch wieder so eine Überraschung. Mich würde nun wirklich interessieren, ob man einfach nur die ersten 13 Episoden der ursprünglich 20 Episoden der skandinavischen Originalserie erzählt oder einen ganz anderen Weg eingeschlagen hat. Vielleicht kann jemand, der beide Versionen kennt ein wenig Licht – aber bitte spoilerfrei! – ins Dunkel bringen.

Verständlicherweise bin ich nun ziemlich heiß auf die Fortsetzung – auch wenn die Showrunner einen abgegriffenen Trick benutzt haben, um dieses Verlangen zu erzeugen. Krimifreunde sollten sich die Show auf jeden Fall merken. Oft gibt es hier wirklich großes TV-Kino zu bestaunen, wenngleich man auch (rein inhaltlich gesehen) den Vergleichen mit „Twin Peaks“ keinen Glauben schenken sollte. Diese Geschichte wirkt im Vergleich zu David Lynchs surrealistischem Albtraum nämlich viel zu bedrückend real: 8/10 (8.4) Punkte.

Mad Love – Season 1

Da bin ich dieses Serienjahr doch tatsächlich über eine Serie gestolpert, die mich anfangs maßlos ärgerte, von der ich letztendlich aber doch nicht losgekommen bin. Handelt es sich bei „Mad Love – Season 1“ deshalb um eine gute Serie? Wohl eher nicht. Worin aber besteht der gewisse Charme, den die Serie bis zu ihrer Absetzung unweigerlich verbreitete?

Zunächst einmal möchte ich etwas näher auf meine unmittelbare Reaktion auf die Pilotfolge eingehen, denn ich dachte zunächst wirklich CBS hat sich einen schlechten Scherz erlaubt. Als hätte die Second Unit von „How I Met Your Mother“ in der Mittagspause eine eigene Sitcom abgedreht. Stimmung, Erzählform und Charaktere wirken wie eine 1:1-Kopie des erfolgreichen Vorbilds. Besonders die Figur des Ben Parr erinnert frapierend an einen uns nicht ganz unbekannten New Yorker Architekten. Wirklich ziemlich dreist.

Was hat mich nun also dazu bewogen dennoch dranzubleiben? Ohne Zweifel die Figuren der besten Freunde unseres glücklichen Paares. Judy Greer (u.a. „Arrested Development“) und Tyler Labine machen – auch wenn ihre Charaktere nicht gerade vor Innovation strotzen – wirklich Spaß. Die Hauptfiguren dagegen bleiben leider ziemlich blass. Umso erstaunlicher, da diese doch mit Jason Biggs und Sarah Chalke von äußerst erfahrenen Komödiendarstellern gespielt werden. Leider jedoch sind ihre Charaktere zu langweilig und vorhersehbar angelegt.

Im Laufe der Staffel steigert sich die Qualität der erzählten Geschichten ziemlich. Auch wenn größtenteils nur das Sitcom 101 abgearbeitet wird, so ist die Serie stets unterhaltsam und die empfundene Verwandschaft zu „How I Met Your Mother“ lässt glücklicherweise ziemlich schnell nach. Nach 13 Episoden ist die Show dann schon wieder vorbei und auch wenn ich sie nicht sonderlich vermissen werden, so bereue ich doch nicht drangeblieben zu sein – eben irgendwie doch ganz nett: 6/10 (6.1) Punkte.

Predators (2010)

Nachdem ich die Kinoauswertung verpasst hatte, war heute endlich der richtige Tag mich an Nimród Antals „Predators“ heranzuwagen. Auch wenn ich dem Franchise nicht so viel abgewinnen kann wie der „Alien“-Reihe, so weiß ich die ersten beiden Auftritte dieser Sci-Fi-Ikonen dennoch zu schätzen. Insofern war ich äußerst gespannt, inwieweit Produzent Robert Rodriguez der Reihe seinen Stempel aufzudrücken vermochte.

Meine Erwartungen waren trotz Vorfreude nicht sonderlich hoch, was unter anderem auch mit dem letzten offiziellen Auftritt der Predatoren im miserablen „Aliens vs. Predator: Requiem“ zusammenhängt. Seit dem ikonografischen Original mit Arnold Schwarzenegger waren immerhin bereits 23 Jahre vergangen und wie mau Anbiederungen an das 80er Jahre Actionkino ausfallen können, durfte ich ja erst vor knapp zwei Wochen mit Sylvester Stallones „The Expendables“ bewundern. Was also hat das (Beinahe-)Remake letztendlich zu bieten?

Zunächst einmal ist mir der herrlich altmodische Score aufgefallen, der tatsächlich sowohl an den Erstling als auch an „Alien“ erinnert. Sehr gelungen. Die Einführung der Charaktere fand ich auch schön, wenngleich man es – wie sollte es anders sein? – nur mit Abziehbildern zu tun hat. Der Cast (u.a. Danny Trejo und Laurence Fishburne in Nebenrollen) ist zwar brauchbar, doch sind die männlichen Hauptrollen mit Adrien Brody und Topher Grace (Eric Foreman, „That ’70s Show“) eher fragwürdig besetzt. Besonders Brody nimmt man den abgebrühten Söldner leider nicht wirklich ab.

Auf der positiven Seite gibt es blutige Kämpfe (der Schwertkampf ist wahrlich toll anzusehen), herrliche Landschaftsaufnahmen und etliche Auftritte der fiesen Predatoren zu vermerken. Negative Aspekte sind dagegen die äußerst sprunghafte Charakterentwicklung, welche besonders gegen Ende unsäglich aufgesetzt wirkt sowie einige Längen im Mittelteil. Doch insgesamt überwiegen glücklicherweise die sehenswerten Elemente mit teils schönen Reminiszenzen an das Schwarzenegger-Vehikel von 1987.

Hardcore-Fans des Franchise werden bestimmt über den Film jammern, doch mir hat er überraschend gut gefallen. Natürlich darf man nicht zuviel erwarten, doch wer nur 107 Minuten harte Sci-Fi-Action mit bekannten Monstern sucht, der sollte auf jeden Fall einmal reinschauen. Kein ganz großer Wurf, doch trotz seiner Mankos durchaus sehenswertes Genrekino und somit gibt es knappe 7/10 Punkte.

Better With You – Season 1

Manche Serien kommen und gehen ohne dass sie sonderlich viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die sympathische, aber harmlose RomCom „Better With You – Season 1“ ist so ein Fall. Nach der bereits beschlossenen Absetzung wird der Serie wohl auch kein langes Leben auf anderen Verbreitungswegen mehr beschehrt sein. Schade eigentlich.

Auch wenn ich in den letzten Jahren mindestens zwei Serien – nämlich „‚Til Death“ und „Rules of Engagement“ – mit ähnlicher Prämisse gesehen habe, so hat jedoch keine von diesen ihr Konzept so konsequent durchgezogen, wie der jüngste Sproß dieses Sitcom-Subgenres. Die Erweiterung um ein drittes Beziehungsstadium – frisch verliebt, einige Jahre zusammen und eingefahrenes Eheleben – liefert ein nahezu unerschöpfliches Humorpotential, welches im Rahmen des Genres auch ausreichend genutzt wird.

Anfangs erschien mir die Serie etwas altbacken und belanglos, doch schon nach einigen Episoden sind mir die Charaktere wirklich ans Herz gewachsen. Besonders das mittlere Pärchen (und hier besonder Josh Cooke als Ben) ist für einige Lacher gut. Die Chemie zwischen den Schauspielern stimmt einfach, wodurch es Spaß macht die Charaktere bei ihren Beziehungswirrungen zu begleiten. Sicher werden hier viele Klischees durchgekaut, doch geschieht dies so sympathisch und unterhaltsam, dass es dem Unterhaltungswert der Serie kaum abträglich ist.

Von allen Absetzungen hat mich die von „Better With You“ dieses Jahr wohl am härtesten getroffen. Eine wirklich nette Beziehungscomedy, die in meinen Augen durchaus das Potential gehabt hätte zwei oder drei weitere Staffeln zu laufen. Das Finale ist relativ abgeschlossen, weshalb ich sie Sitcomfreunden durchaus ans Herz legen kann: 7/10 (7.4) Punkte.

Modern Family – Season 2

Man kann die Serie ohne Zweifel zu den gelungensten Serienstarts des vergangenen Jahres zählen. Zumindest Comedy-Freunde dürften „Modern Family – Season 2“ somit wahrlich herbeigesehnt haben. Auch ich habe mich sehr auf ein Wiedersehen mit der Großfamilie Pritchett gefreut und sollte glücklicherweise nicht enttäuscht werden.

Wie bereits in der famosen ersten Staffel stehen erneut drei Familien im Zentrum dieser im Pseudodokustil erzählten Comedy: Familienoberhaupt Jay Pritchett (Ed O’Neill), der sich die heißblütige Gloria samt Sohn Manny angelacht hat, das schwule Paar Mitchell Pritchett und Cameron Tucker mit ihrer Adoptivtochter Lily und schließlich Claire – geborene Pritchett – und Phil Dunphy samt ihrer drei vorlauten Kinder. Eine bunte Mischung also, die auch in Staffel zwei erneut für allerlei unterhaltsame Geschichten sorgt.

Besondere Highlights konnte ich dieses Jahr ebensowenig ausmachen, wie sonderlich schwache Episoden. Generell bewegt sich der Unterhaltungsfaktor auf ziemlich hohem Niveau. Egal ob Slapstickeinlagen (hauptsächlich durch Phil Dunphy) oder Wortspiele (hauptsächlich Gloria und Manny) – der Humor sitzt und wird durch die wirklich tollen Schauspieler mühelos getragen. Ohne das grandiose Ensemble wäre die Serie in dieser Form wohl nicht möglich gewesen.

Nun ist der kunterbunte Besuch bei den Pritchetts schon wieder vorüber und das Warten auf Jahr drei beginnt. Auch wenn sich so manche Konstellation im Vergleich zur ersten Staffel bereits etwas abgenutzt anfühlt, so freue ich mich jetzt schon wieder auf weitere familiäre Abenteuer. Immer in der richtigen Balance zwischen Familienleid und -freude, denn ohne geht es eben einfach nicht. Knappe 9/10 (8.5) Punkte.

Running Wilde – Season 1

Was hatte ich mich auf diese Serie gefreut! Endlich neues Futter von den Machern einer der besten Comedy-Serien der letzten Jahre. Als jemand, der den Verlust von „Arrested Development“ immer noch nicht so ganz überwunden hat, habe ich meine ganze Hoffnung auf „Running Wilde – Season 1“ projiziert und somit einen zweiten Geniestreich erwartet – zumal mit Will Arnett und David Cross zwei Mitglieder des begnadeten „Arrested Development“-Casts mit am Start waren.

Die Comedy rund um den exzentrischen Milliardärssohn Steven Wilde und die Umweltaktivistin Emmy Kadubic erinnert oft an das große Serienvorbild „Arrested Development“, ohne jedoch dessen Klasse zu erreichen. Besonders die ersten Episoden haben bei mir noch die Hoffnung geweckt ein ähnliches Serienjuwel vor mir zu haben, doch leider stellte sich schon bald Ernüchterung ein. Die Figurenkonstellation ist zu begrenzt, das Voice-over durch Puddle Kadubic ist größtenteils leider ziemlich nichtssagend und die erzählten Geschichten könnten definitiv lustiger sein.

Ich muss ehrlich gestehen, dass mich die frühe Absetzung von „Running Wilde“ nicht sonderlich verwundet. Dennoch handelt es sich keinesfalls um eine schlechte Serie. In jeder Episode gab es ein paar herrliche Lacher und absurde Situationen zu bestaunen. Zudem sehe ich Will Arnett, David Cross und auch Keri Russell (Felicity Porter, „Felicity“) einfach sehr gerne. Wenn ich dagegen aber an „Arrested Development“ denke, dann ist Mitchell Hurwitz‘ jüngste Serie leider eine mittelgroße Enttäuschung.

Als kurzer Snack zwischendurch ist die Serie fast schon zu anstrengend und als Fan der Vorgängerserie wird man zwangsläufig enttäuscht. Wem ist die Show also zu empfehlen? Wenn man seine Erwartungen niedrig hält und nicht den ständigen Vergleich sucht, dann macht „Running Wilde“ durchaus Spaß. Tolle Schauspieler und absurde Situationskomik in einem etwas missglücktem Szenario – kann man sehen, muss man aber nicht: 6/10 (6.4) Punkte.

Hangover 2 – OT: The Hangover Part II

Da hatte ich einen ruhigen Serienabend geplant, doch dann werde ich ins Kino entführt. Das erste Mal seit einer halben Ewigkeit. Zu sehen gab es „Hangover 2“ im Fremdsprachenkino, wo ich bereits den Vorgänger erleben durfte. Auch wenn die audiovisuelle Präsentation (mangelnde Schärfe, fies knacksende Lautsprecher) wirklich zu wünschen übrig lässt, so wird dies durch den Originalton und das angenehme Publikum mehr als nur ausgeglichen.

Eigentlich stehe ich Remakes äußerst skeptisch gegenüber und als solches muss man „Hangover 2“ fast schon betrachten. Nicht nur wird die Geschichte ohne große Änderungen vom Vorgänger übernommen, sogar einzelne Figuren und Gags werden nahezu 1:1 recycelt. Statt einem Baby gibt es nun einen Affen, statt fehlendem Zahn gibt es ein Tattoo und statt Doug wird nun Teddy vermisst. Alles Gründe die mangelnde Kreativität der Autoren und den Wunsch der Produzenten auf schnellen Gewinn anzuprangern. Was denken die sich nur?

Man sollte allerdings bedenken, dass „Hangover 2“ wohl so ziemlich der letzte Film ist, den man überanalysieren sollte. Ist hier kalte Kalkulation im Spiel? Garantiert. Funktioniert der Film dennoch? Aber hallo! Schon ab der ersten Szene stellt sich wieder dieses wunderbare verdrehte Gefühl ein, das uns während des ersten Teils begleitete. Was ist hier nur passiert? Die gefundenen Erklärungen sind dann meist auch wirklich lustig und während des Abspanns habe ich mir erneut gedacht, dass ich die verpasste Nacht auch gerne als Film gesehen hätte.

Natürlich ist der Film neben seiner Formelhaftigkeit auch eine typische Fortsetzung, d.h. alles ist noch etwas krasser, überdrehter und brutaler. Für mich ging das allerdings in Ordnung, da die Schauspieler auch die abstrusesten Szenen glaubwürdig getragen haben. Besonders Zach Galifianakis (Ray Hueston, „Bored to Death“) ist einmal mehr eine kleine Offenbarung. Doch auch Ed Helms und Bradley Cooper wissen mehr als nur zu überzeugen. Vom wunderbaren Ken Jeong (Señor Chang, „Community“) einmal ganz zu schweigen. Die Gastauftritte von Nick Cassavetes und Mike Tyson fand ich dagegen etwas verschenkt.

Wem ist „Hangover 2“ nun also zu empfehlen? Sicher nicht selbsterklärten Cineasten, denen das System Hollywood seit jeher ein Dorn im Auge ist. Wem allerdings bereits der erste Teil gefallen hat und wer erneut einfach nur eine gute Zeit im Kino haben möchte, der wird auch diese Fortsetzung begeistert annehmen. Ich für meinen Teil würde mich sogar über einen dritten Teil freuen. Nur wie sollte man erklären, dass darin Alan die Frau fürs Leben gefunden hat? Ich lasse mich gerne überraschen: 8/10 Punkte.

The Big Bang Theory – Season 4

Wieder einmal geht auch die unterhaltsamste klassische Sitcom in die Sommerpause. Davor hatte ich mit „The Big Bang Theory – Season 4“ jedoch erneut enorm viel Spaß. Im aktuellen Jahr wurde das bekannte Ensemble durch bereits bekannte Charaktere erweitert, was der Gruppendynamik einen etwas anderen Drall gab und für so manch komische Verwicklung sorgte.

Einige Kritiker hatten so ihre Probleme mit der neuen Figurenkonstellation, was auch durchaus verständlich ist. Besonders Amy Farrah-Fowler war von Anfang an zu sehr darauf angelegt eine weibliche Version von Sheldon Cooper abzugeben. Nachdem sich sowohl Amy als auch Bernadette in die Gruppe eingefunden hatten, gab es jedoch ein paar herrliche Episoden, die von der weiblichen Sichtweise profitierten. Als Beispiel sei hier nur „The Agreement Dissection“ genannt, in der Sheldon einen Mädelsabend verlebt, was für unzählige komische Verwicklungen sorgt.

Wie immer haben mir besonders die nerdigen Episoden gefallen. Herausragend fand ich besonders „The Cruciferous Vegetable Amplification“, in der Sheldon seinen Verstand in einen Computer packt (herrlich!) und „The 21-Second Excitation“, in der einmal wieder Sheldons Erzfeind Wil Wheaton auftritt und eine verschollen geglaubte Fassung von „Raiders of the Lost Ark“ im Mittelpunkt steht. Doch auch die anderen Episoden weisen eine ziemlich hohe Gagdichte auf und zuedem gibt es absolut keine Totalausfälle.

Wie man sieht bietet „The Big Bang Theory“ wie bereits im letzten Jahr erneut fantastische Unterhaltung für Sitcom-Freunde. Wer also auf Nerdhumor steht und mit gewissen Redundanzen in der Erzählform leben kann, der dürfte auch mit dieser Staffel wieder enorm viel Freude haben. Ich für meinen Teil bin begeistert und freue mich auf das fünfte Jahr mit Sheldon und Co. Bazinga! 9/10 (8.8) Punkte.