The Killing (US) – Season 1

Normalerweise wird man so spät im Serienjahr selten positiv überrascht. Die US-Version von „The Killing – Season 1“ war für mich allerdings solch eine positive Überraschung. Auch wenn Krimiserien nicht zu meinen bevorzugten Genres zählen, so haben mich Vergleiche zu „Twin Peaks“ und die Tatsache, dass es sich um die Adaption einer skandinavischen Serie handelt doch neugierig gemacht. Ich sollte nicht enttäuscht werden.

Der Pilot gehört mit zum besten, was das Genre zu bieten hat. Unglaublich atmosphärische Bilder, mitreißend erzählt und verdammt nahe dran an den Charakteren. So mitgenommen hatte mich schon lange keine Serienepisode mehr. Dies mag natürlich auch daran liegen, dass die Ermordung eines Mädchens – einer Tocher – im Vordergrund steht und die Serie sich sehr intensiv mit der Trauer der Eltern auseinandersetzt. Wirklich harter Tobak. Das hätte ich in dieser Ausführlichkeit nicht erwartet.

Nach dem brillianten Piloten wurde allerdings ein paar Gänge heruntergeschaltet und einige Episoden lang wird von Verdächtigem zu Verdächtigem gejagt. Diese Erzählweise erschien mir bisweilen etwas redundant, doch konnte mich die Serie durch ihren ruhigen und dennoch spannenden Aufbau stets bei der Stange halten. Ein großer Verdienst gilt auch den Hauptdarstellern Mireille Enos und Joel Kinnaman, die ihren spröden Charakteren Leben einhauchen und dabei so herrlich anders wirken, als unsere Standardermittler. Sehr erfrischend.

Gegen Ende zieht die Spannungsschraube dann noch einmal ziemlich an, nur um uns Zuschauer letztendlich mit einem enorm fiesen Cliffhanger – im wahrsten Sinne des Wortes – hängen zu lassen. Auch wieder so eine Überraschung. Mich würde nun wirklich interessieren, ob man einfach nur die ersten 13 Episoden der ursprünglich 20 Episoden der skandinavischen Originalserie erzählt oder einen ganz anderen Weg eingeschlagen hat. Vielleicht kann jemand, der beide Versionen kennt ein wenig Licht – aber bitte spoilerfrei! – ins Dunkel bringen.

Verständlicherweise bin ich nun ziemlich heiß auf die Fortsetzung – auch wenn die Showrunner einen abgegriffenen Trick benutzt haben, um dieses Verlangen zu erzeugen. Krimifreunde sollten sich die Show auf jeden Fall merken. Oft gibt es hier wirklich großes TV-Kino zu bestaunen, wenngleich man auch (rein inhaltlich gesehen) den Vergleichen mit „Twin Peaks“ keinen Glauben schenken sollte. Diese Geschichte wirkt im Vergleich zu David Lynchs surrealistischem Albtraum nämlich viel zu bedrückend real: 8/10 (8.4) Punkte.

17 Gedanken zu “The Killing (US) – Season 1

  1. Wenn man die Serie in einem Wort beschreiben müsste: Regen 🙂
    Die Atmosphäre hat mir super gefallen, vor allem der Vater war sehr eindringlich gespielt. Für die Mutter hatte ich allerdings nicht sehr viel übrig.

    Und das Ende fand ich einfach nur schlimm. Also im schlimmen Sinne schlimm, das war einfach zu plump und negierte viel vom Charakteraufbau von Du weisst schon.

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  2. Der Pilot war gut, ja, aber ich hab die Serie dann in der Mitte irgendwann abgebrochen, weil mir ziemlich schnell egal war, wer jetzt das Mädchen aus welchen Gründen auch immer umgebracht hat. Was vielleicht auch daran lag, dass jede Folge „neue Wahrheiten“ (Schüler-Porno! Terroristen!) an die Oberfläche kamen und plötzlich die „alten Wahrheiten“ (Schüler-Porno, Terroristen) keine Rolle mehr spielte. Was für mich bedeutet: unerheblich für die Geschichte. Was wiederum bedeutet: hätte man gar nicht erzählen müssen (auch wenn ein klitzekleines Detail natürlich immer zu der nächsten, noch unglaublicheren „Entdeckung“ geführt hat), etc. pp. Und das, was ich über das Staffelfinale gelesen hab, lässt auch auf klassisches Hollywood-Overstatement schließen.

    Oder kurz gesagt: Ich konnte mit der Serie nichts anfangen.

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  3. @Sebastian: Ja, die Atmosphäre fand ich auch fantastisch eingefangen und den Umgang der Eltern mit dem Verlust ihrer Tochter äußerst eindringlich dargestellt. Nach dem Finale war ich erst einmal auch enttäuscht, da ich mir einen abgeschlossenen Fall erhofft hatte und für die zweite Staffel einen neuen.

    Vorsicht Spoiler!
    Allerdings muss Holders Charakter nicht zwangsweise demontiert sein. Er sagt am Ende ja nur: „The photo worked. He’s going down.“ Das bedeutet ja nicht, dass er von der Fälschung wusste. Er könnte genauso gut mit seinem AA Sponsor über den Fall geredet haben und man hat diese Art der Inszenierung bewusst gewählt, um uns Zuschauer in die Irre zu führen. Insofern werde ich erst einmal den Anfang von Staffel 2 abwarten, bevor ich hier ein Urteil fälle.
    Ende Spoiler.

    @Flo Lieb: Die ersten paar Episoden nach dem Piloten waren sicher nur eine Aneinanderreihung von verschiedenen Verdächtigen und falschen Fährten. Keine Frage. Ich fand es dennoch spannend, da man noch gar nicht wusste wohin sich die Serie bewegt. Dann im Mittelteil wurde eine Spur ja schon immer über mehrere Episoden verfolgt. Ich fand selbst die Episode, die gar nichts mit dem Fall zu tun hatte und nur der Charakterbildung von Linden und Holder zugute kam, sehr gelungen.

    Am Ende konnte die Serie zwar nicht ganz das einlösen, was der Pilot noch versprochen hatte, doch wurde ich über alle 13 Folgen sehr gut unterhalten.

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  4. Krimi ist nicht so meins, ich hänge immer noch mit Castle hinterher. Aber was ich so flüchtig über das Ende und die Reaktionen darauf gelesen habe, kam das nicht ganz so gut an.

    http://fuckthekilling.com/

    Wäre bei mir wohl auch der Fall gewesen, wenn ich meine Zeit dort hinein investiert hätte.

    Wenn du schon aMC-Serien guckst, gib Breaking Bad eine Chance. Habe mir vor ein paar Tagen die dritte Staffel als DVD-Box gekauft (Blu-ray gibt es nur als US-Version mit Regionalsperre, grmbl), um vor der 4. Staffel fit zu sein und bin immer noch absolut begeistert.

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  5. Ich finde es nicht so dramatisch, dass man den Fall noch nicht aufgelöst hat. Sicher kann man sich darüber ärgern, aber Reaktionen wie die in dem von dir geposteten Link, sind einfach übertrieben. So hätte man auch nach jeder „Lost“-Staffel reagieren können, oder „Fringe“ oder, oder, oder…

    Mit „Breaking Bad“ habe ich übrigens vor ein paar Wochen angefangen und bin gerade noch gegen Ende erste Staffel. Im Moment fordert „Mad Men“ wieder verstärkt meine Aufmerksamkeit, da ich mir Staffel 3 und 4 auf UK Blu-ray gegönnt habe. Welch ein Genuss!

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  6. Das Problem ist eher, dass ich nur wenig Zeit habe. Mit Kind bleibt man abends ja doch meist zu Hause und was machen, wenn die Kleine im Bett ist? Richtig. Eben noch ein oder zwei Serienfolgen schauen, da wir für einen Film meist doch schon zu platt sind.

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  7. Also ich fand The Killing auch sehr gut.
    Aber ganz klar keine Serie für Jedermann aufgrund der behäbigen Erzählweise.
    Klar es gibt sicher genug zu kritteln. So zB die komplett lineare Struktur an, die von einem Verdächtigen zum Nächsten führt. Nicht unbedingt ein Ausbund an Genialität, aber es erfüllt seinen Zweck die Spannung von Folge zu Folge zu halten.
    Wobei die Serie mE hauptsächlich von der Atmosphäre lebt, und der melancholischen Sicht auf die Abgründe des Lebens.
    Ich denke mal, in Staffel 2 müssen sich die Macher noch etwas steigern, da es mit Dauerregen alleine auch nicht getan ist. ^^

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  8. Willkommen Sarge! Wie ich hier so rauslese hat dir „The Killing“ ähnlich gut gefallen, wie mir. Ich fand gerade die gemächliche und detaillierte Erzählweise sehr gelungen und erfrischend. Die Struktur der Serie ist natürlich nicht sonderlich innovativ, doch das verregnete Seattle und die Charaktere haben da wieder einiges rausgeholt. Ich bin nun auch schon sehr gespannt, wie sich Staffel 2 entwickeln wird…

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  11. Und hast du Staffel 2 schon gesehen? Ich fand das Ende eine ziemliche Frechheit! Vor allem, weil es im Mittelteil doch deutliche Längen gab. Ich fand die Schauspieler und die Atmosphäre sehr gelungen, deswegen war ich von dem Verlauf der Handlung etwas enttäuscht.
    Joel Kinnaman spielt übrigens „Robocop“ in dem Reboot von Jose Padilha. Da bin ich gespannt drauf!

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    • Nein, die zweite Staffel kenne ich noch nicht. Ich werde hier wohl auf die DVD warten und die Folgen dann in einem Rutsch schauen, was das Sichtungserlebnis noch einmal deutlich steigern könnte. Danach folgt natürlich mein Bericht zur Staffel…

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