The Expendables (2010)

Was hat das filmische Web 2.0 gejubelt, als „The Expendables“ angekündigt wurde. Alle Actionstars des 80er Jahre Kinos in einem Film versammelt. Entsprechend gierig wurde jedes noch so unscharfe Schauspielerfoto, jede noch so bedeutungslose News und jeder Kommentar von Sylvester Stallone aufgesogen und weiterverbreitet. Ein Hype für eine ganz bestimmte Zielgruppe. Ein Hype für alle, die mit „Rambo“, „Phantom Commando“ und Co. aufgewachsen sind. Ein Hype für uns.

Da auch ich mich immer noch an den meisten 80er Jahre Actionvehikeln erfreue, war die Erwartungshaltung entsprechend hoch und wurde erst durch diverse durchwachsene Kritiken gedämpft. Bis zur heutigen Sichtung ist dann allerdings etliche Zeit verstrichen, was mir wieder einen neutraleren Blickwinkel auf den Film erlaubte. Was ist nun also dran an dem Actionkracher des vergangenen Jahres? Konnte Stallone den selbst gesäten Vorschusslorbeeren gerecht werden oder haben die verbitterten Kritiker recht behalten, die anscheinend ihre filmischen Wurzeln vergessen haben?

Um es auf den Punkt zu bringen: Ja, der Film atmet die Luft des 80er Jahre Actionkinos. Nein, der Film ist keine tarantinoesque Hommage an das Genre. Und nein, Sylvester Stallone ist weder ein besonders guter Drehbuchautor noch ein sonderlich begabter Regisseur. Ich wollte den Film wirklich lieben. Warum auch nicht? Stallone hat nahezu alles was im Actionkino Rang und Namen hat(te) in seinem Film untergebracht. Mich stören nicht einmal die nur kurzen Gastauftritte von Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger. Alleine für diese Szene lohnt sich der Film. Nein, seine Fehler begeht Stallone woanders.

Die Geschichte ist völlig ausreichend. Hier hatte ich auch nicht mehr erwartet. Schließlich will man ja an seine Vorbilder anknüpfen. Das Problem ist folglich nicht was erzählt wird, sondern wie es erzählt wird. Die Dialoge sind spröde und oft kann man den Witz nur erahnen. Stallone beweißt leider absolut kein Händchen für Comic Timing oder einen gelungenen Spannungsaufbau. Selbst das worauf es ankommt – die lang erwarteten Actionsequenzen – werden durch abgedroschene Videoclipästhetik mit Wackelkamera und CGI-Blut erzählt. Auch wenn Handlung und Charaktere durchaus an die gute, alte Zeit erinnern – die Inszenierung macht hier viel wieder kaputt.

Insgesamt ist „The Expendables“ für Genrefans durchaus empfehlenswert. Es macht Spaß die altgedienten Haudegen noch einmal in Action zu sehen. Leider jedoch versagt der Film an vielen Stellen, an denen er wirklich hätte auftrumpfen können. Hier hätte Stallone das Ruder einmal lieber aus der Hand gegeben. Mit ihm als Produzent und einem fähigeren Regisseur hätte der Film genau das werden können, als das er im Vorfeld gefeiert wurde: Die Hommage an das 80er Jahre Actionkino. So bleibt es leider beim ehrenwerten, aber letztendlich ziemlich müden Versuch: 5/10 Punkte.

Fluch der Karibik 3: Am Ende der Welt – OT: Pirates of the Caribbean: At World’s End (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Pirates of the Caribbean: Am Ende der Welt“ am 9. September 2022 zum dritten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Heute Abend gab es mit „Fluch der Karibik 3: Am Ende der Welt“ bereits zum zweiten Mal das Finale der erfolgreichen Piratentrilogie. Nach der Sichtung bin ich – ebenso zum wiederholten Male – etwas ernüchtert, denn der Film konnte sich zum damaligen Kinobesuch leider nicht steigern. Etwas hat sich aber verändert: Die Hoffnung auf einen gelungenen vierten Teil ist deutlich gestiegen.

Pirates of the Caribbean: Am Ende der Welt (2007) | © Walt Disney

Pirates of the Caribbean: Am Ende der Welt (2007) | © Walt Disney

Hat der erste Teil der Trilogie noch eine relativ abgeschlossene Geschichte erzählt, wurde im zweiten das Tor zu einem fantastischen Paralleluniversum aufgestoßen: Piraten, Kraken und düstere Versprechen. All dies wurde vor sonnendurchfluteter Kulisse mit viel Humor erzählt. Was hatte der Mittelteil der Trilogie jedoch nicht zu bieten? Einen Showdown – und diesen gibt es nun endlich in „At World’s End“ zu bestaunen. Ein beinahe dreistündiger Showdown, so man denn den zähen Spannungsaufbau dazuzählen mag.

Wenn auch die unnötig kompliziert erzählte Geschichte nicht wirklich viel hergibt, so muss man doch neidlos zugeben, dass das was auf der Leindwand bzw. dem Bildschirm zu sehen ist, auf jeden Fall zu beeindrucken vermag. Die See wirbelt herum, Fischmonster und Piraten sind in einen nicht enden wollenden Kampf verwickelt und die Kamera fliegt über tosende Strudel und klirrende Säbel, als wäre sie selbst Teil der Elemente. Visuell unglaublich beeindruckend, doch leider ebenso ermüdend.

Vor dem Showdown gibt es einige nette Szenen mit Capatain Jack Sparrow, denen jedoch die Leichtigkeit der vorhergehenden Späße abgeht. Überhaupt ist der gesamte Film sehr düster gehalten, was ungewohnt ist und doch eine ganz besondere Stimmung heraufbeschwört. Zu der bisherigen Filmreihe passt diese Weltuntergangsstimmung in meinen Augen jedoch nur bedingt und somit war ich richtig froh, als sich im Epilog wieder auf die wahren Stärken zurückbesinnt wurde: Lockere Späße mit unserem Lieblingscaptain. Ergo die Hoffnung auf „Fluch der Karibik 4: Fremde Gezeiten“.

Der Abschluss von Gore Verbinskis bombastischer Filmtrilogie ist leider deutlich schwächer, als seine beiden Vorgänger. Oft lässt der Film den Eindruck entstehen, als wäre das Drehbuch mit der heißen Nadel gestrickt worden und die Effekte seien nur Mittel zum Zweck. Dennoch weiß der Film zu gefallen und für Freunde düsterer Unterhaltung, gibt es zumindest ein für solch einen Blockbuster ungewohnt bittersüßes Ende zu bestaunen. Sehenswert, aber oft leider zu gewollt: 7/10 Punkte.

Fringe – Season 3

Als vor drei Jahren die neue J.J. Abrams-Serie startete war ich nach dem überragenden Eindruck, den „Lost“ bei mir hinterlassen hatte, zunächst fast etwas enttäuscht. Relative abgeschlossene Einzelepisoden und kein Mitfiebern bei einem großen Spannungsbogen. Dann gegen Ende der zweiten Staffel kam ein neues Element ins Spiel, das „Fringe – Season 3“ nicht nur prägte, sondern zu einer der besten Staffeln des aktuellen Serienjahres machte.

Die bereits mit dem Finale der zweiten Staffel eingeführte Erzählweise wird zunächst aufrechterhalten und man findet sich alternierend im richtigen sowie dem falschen Universum wieder. Allein dieser Kniff bringt die Serie auf ein ganz neues Level. Dieser Eindruck mag allerdings auch daran liegen, dass ich Geschichten rund um alternative Universen seit jeher faszinierend finde. Plötzlich hat man zwei Versionen von Olivia und Walter – die Originale sowie Fauxlivia und Walternate. Einfach herrlich wie die Serie die Bezeichnungen ihrer Fans angenommen hat. TV 2.0 im besten Sinn.

Nachdem wieder alle Figuren dort sind, wo sie hingehören (bei Peter kann man sich ja streiten), gibt es ein paar relativ unabhängige Einzelepisoden, die jedoch stets direkt mit der drohenden Katastrophe zusammenhängen. Aus einer relativ einfach gestrickten Serie mit dem obligatorischen Mystery-of-the-Week, ist eine äußerst mitreißende Gesamtgeschichte geworden. Das erlebt man wirklich selten. Im direkten Vergleich zu J.J. Abrams äußerst erfolgreicher Vorgängerserie „Lost“ ist die generelle qualitative Entwicklung hier äußerst positiv und ich hoffe auf eine gelungene Fortführung der Geschichte in Staffel 4.

Auch wenn es ein paar grandiose Episoden innerhalb der Staffel gab, so setzt das Finale noch einmal neue Maßstäbe: Neben dem Paralleluniversum wird eine weitere Zeitebene eingeführt. Hier bin ich wirklich gespannt, wie die Macher damit in Zukunft umgehen werden. Wird es weitere Zeitebenen geben? Was wird aus Peter? Wie wird die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Parteien aussehen? Am liebsten würde ich sofort weiterschauen.

Nachdem die ersten beiden Staffeln nur exzellente Mystery-Unterhaltung boten, ist „Fringe“ im aktuellen Jahr zu herausragender Science-Fiction herangereift. Alleine deshalb möchte ich die Serie allen Genrefreunden ans Herz legen. Die Verlängerung war damit wohl auch eine der besten Serien-Nachrichten der auslaufenden Saison. Großartig: 9/10 (8.8) Punkte.

The Office (US) – Season 7

Die Serie läuft zwar weiter, doch fühlt sich „The Office – Season 7“ in vielen Episoden wie die finale Staffel der Serie an, was natürlich hauptsächlich mit dem Ausscheiden des Hauptdarstellers Steve Carell und somit auch der Hauptfigur Michael Scott zusammenhängt. Wahrlich das Ende einer Ära – interessanterweise wirkten aber gerade die Episoden nach Carells Weggang mit am frischesten, was durchaus Hoffnung für die Zukunft macht.

Wenn ich „The Office“ sehe, dann fühlt sich das aufgrund des immergleichen Szenarios oft wie nach Hause kommen an. Arbeitsroutine, bekannte Menschen und bekannte Räume. Der Trott des Arbeitsalltags wird ziemlich gut eingefangen. Im siebten Jahr funktioniert das allerdings schon weit nicht mehr so gut, wie in den starken ersten Jahren. Die Komik wird immer absurder, die Charaktere verkommen immer mehr zur Karikatur und dennoch fehlt es an Innovationen. Spaß macht die Serie jedoch weiterhin, was in meinen Augen hauptsächlich den starken Darstellern geschuldet ist.

Die Bandbreite der Qualität ist in dieser Staffel ziemlich groß. Dennoch gibt es kaum richtige Ausfälle, wie z.B. die Episode „Todd Pecker“, noch herausragende Episoden, wie z.B. „Threat Level Midnight“. Michaels Weggang wurde in „Goodbye, Michael“ zwar recht emotional erzählt, doch hat mich die Folge nicht so sehr gepackt, wie ich mir das gewünscht hätte. Ebenso fand ich, dass man in „Dwight K. Schrute, (Acting) Manager“ nicht das volle Potential dieser Konstellation ausgespielt hat. Irgendwie schade. Das Staffelfinale hat mir dagegen ziemlich gut gefallen und ich hoffe sehr, dass die Showrunner bei der Besetzung des neuen Managers ein Ass aus dem Ärmel zaubern.

Insgesamt hat mir auch die siebte Staffel von „The Office“ ziemlich gut gefallen. Ich wurde nahezu in jeder Episode gut unterhalten und die Charaktere gefallen mir nach wie vor ausgezeichnet. Die Abnutzungserscheinungen kann jedoch selbst ich nicht mehr ignorieren. Insofern bin ich wirklich gespannt, was die neue Staffel bringt. Die Anfangszeit mit Michael Scott als Manager von Dunder Mifflin (wohlgemerkt nicht Dunder Mifflin Sabre) werde ich jedoch stets in besonderer Erinnerung behalten: 7/10 (7.4) Punkte.

Fluch der Karibik 2 – OT: Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest (2006) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2“ am 31. August 2022 zum dritten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nun bin ich doch schneller als gedacht dazu gekommen mir „Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest“ erneut anzusehen. Auf dieses Erlebnis war ich ziemlich gespannt, hatte ich den Film nach der damaligen Kinosichtung doch überraschend gut bewertet. Oft ist es ja so, dass man sich von der spontanen Euphorie übermannen lässt und der Film bei genauerer Betrachtung den positiven Erinnerungen nicht stand hält. Doch trifft dies auch auf die Fortsetzung der Piratensaga zu?

Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2 (2006) | © Walt Disney

Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2 (2006) | © Walt Disney

Um es kurz und knapp zu machen: Ich hatte heute wieder genauso viel Spaß, wie vor fünf Jahren – unglaublich, oder? – im Kino. Der Film ist komischer als der erste Teil, um einiges düsterer und er hat mehr Schauwerte zu bieten. Die Figuren scheinen sich noch mehr gefunden zu haben und es gibt einen famosen Bösewicht. Einzig und allein die Geschichte bleibt etwas auf der Strecke bzw. man bekommt nur eine unnötig aufgeblasene Version der Handlung des Vorgängers präsentiert. Normalerweise müsste ich den Film nun abstrafen, doch feuert Gore Verbinski hier ein Feuerwerk an Actionszenen ab, dass es eine wahre Freude ist. Unterhaltungskino in Perfektion.

Schon alleine die Kannibaleninsel ist an Actionslapstick kaum zu überbieten. Herrlich überdreht und völlig absurd choreographiert bleibt hier kein Auge trocken. Überboten wird das Spektakel nur noch durch den Mühlenrad-Kampf, der ein grandioses comic timing besitzt und zu den unterhaltsamsten Filmszenen überhaupt zählt. Neben diesen lockerleichten Actioneinlagen stimmt der Film bereits ziemlich düstere Töne an, welche sich in „Fluch der Karibik 3: Am Ende der Welt“ letztendlich komplett durchsetzen werden. In diesem Teil stimmt die Mischung jedoch noch und macht das beste aus beiden Welten.

Beeindruckend fand ich auch bei der heutigen Sichtung die Effekte. Nicht so sehr den Kraken, als viel mehr Davy Jones und seine Crew. Selbst in strahlendstem Sonnenschein kann man hier keine CGIs ausmachen. Oberflächenbeschaffenheit, Licht und Animation – alles ist perfekt getroffen. Hinzu kommt, dass man den Schauspieler Bill Nighy tatsächlich hinter den Effekten erkennt. Ein lebendiger, atmender Charakter. Für mich eine der ganz großen Leistungen der VFX-Kunst.

Nun stellt sich mir natürlich die Frage, welchen Teil der Reihe ich bisher am besten finde. Der erste ist insgesamt wohl runder und erzählt die schlüssigere Geschichte. Der zweite dagegen quillt schon fast über vor fantastischen Szenen, die oft wohl auch außerhalb ihres Kontexts funktionieren würden. Unterhalten haben mich beide Filme ausgezeichnet und dabei möchte ich es auch belassen: 9/10 Punkte.

Fluch der Karibik – OT: Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl (2003)

Aktualisierung: Ich habe „Fluch der Karibik“ am 27. August 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Der aktuellste Teil der Filmreihe dürfte wohl der in den letzten Wochen am häufigsten rezensierte Film der Blogosphäre sein. Der ideale Zeitpunkt also für mich mit „Fluch der Karibik“ noch einmal den Ursprung des bombastischen Franchise unter die Lupe zu nehmen. Ich war ja schon immer ein Freund der filmischen Freibeuter und so hatte ich mich damals enorm über die Ankündigung zu Gore Verbinskis Piratenabenteuer gefreut.

Fluch der Karibik (2003) | © Walt Disney

Fluch der Karibik (2003) | © Walt Disney

Nachem Renny Harlins „Die Piratenbraut“ im Jahr 1995 so gnadenlos gefloppt ist, darf man es schon beinahe als Wunder betrachten, dass Disney das Multi-Millionen-Dollar-Projekt überhaupt in Auftrag gegeben hat. Dazu noch eine Idee, die auf einer Freizeitparkattraktion beruht. Insofern also nicht sonderlich erstaunlich, dass „Fluch der Karibik“ darauf getrimmt wurde für nahezu jede Zielgruppe als perfekter Unterhaltungsfilm zu funktionieren – und noch erstaunlicher: Es ist ihm tatsächlich gelungen. Abenteuer, Humor, Action, Romantik, angenehmer Grusel und eine neue Kultfigur. Ein Traum made in Hollywood – und das sowohl für die Produzenten als auch die Zuschauer.

Auch bei meiner inzwischen dritten (vielleicht auch vierten) Sichtung hatte ich wieder enorm viel Spaß mit Captain Jack Sparrow und Co. Dieses Mal ist mir besonders aufgefallen, wie zielstrebig der Film darauf abziehlt möglichst viele Knöpfe bei seinem Publikum zu drücken. Keine Szene wirkt nebenbei erzählt oder überflüssig. Das Timing stimmt, die Charaktere sind ausformuliert, als hätte man sie bereits auf dutzenden von Abenteuern begleitet und die Handlung ist kompakt und mitreißend zugleich. Hinzu kommt Klaus Badelts unverkennbar aus der Schmiede Hans Zimmers stammender Score, der wohl die meistverwendeten Musikstücke der jüngeren Zeit geliefert haben dürfte.

Kritikpunkte gibt es zwar ein paar, doch insgesamt schmälern sie den ungemeinen Unterhaltungswert des Films kaum. So sind mir die Kampfszenen etwas zu dominant in die Handlung eingebaut. Da wäre weniger sicher mehr gewesen. Weiterhin hätte man dem Film ruhig ein wenig mehr Ecken und Kanten geben können, doch dann wäre vielleicht nicht genau diese Art Film dabei herausgekommen, was auch irgendwie schade gewesen wäre.

Was bleibt sonst noch zu erwähnen? Natürlich „Monkey Island“ – ein paar Szenen scheinen wie aus dem Spiel übernommen (das sich wiederum ebenso bei Disneys Freizeitparkattraktion bedient hat), doch letztendlich ist ein Will Turner eben kein Guybrush Threepwood und Captain Jack Sparrow steht sowieso auf einem anderen Blatt. Insofern wäre ich einer Verfilmung der originalen Computerspielreihe immer noch nicht abgeneigt (dann aber bitte mit dem originalen LucasArts-Score).

Wie bereits geschrieben, dürfte nahezu jeder Zuschauer gefallen an Gore Verbinskis Auftakt zu seiner Piratensaga finden. Nicht umsonst begann damit eine der größten Erfolgsgeschichten des vergangenen Kinojahrzehnts. Ich für meinen Teil freue mich nun auf die Wiederholungssichtungen des ersten und zweiten Sequels und hoffe, dass ich damit durch bin, bis der vierte Teil die Heimkinos erreicht. Nach wie vor ein bunter, lauter und vor allem sehenswerter Piratenspaß: 9/10 Punkte.

Outsourced – Season 1

Workplace-Comedys liegen zurzeit voll im Trend. Auch die Filmadaption „Outsourced – Season 1“ konzentriert sich auf diesen nicht unbedeutenden Lebensbereich, mit dem sich wohl jeder Zuschauer irgendwie identifizieren kann. Bei dieser Serie gibt es allerdings den Dreh, dass die Handlung – ebenso wie die Vertriebsabteilung der fiktiven Firma – kurzerhand nach Indien verlagert wurde.

Im Prinzip lebt die Serie komplett vom Zusammenprall der Kulturen, dem Todd Dempsy – ein typischer US-Amerikaner – im farbendrohen Indien samt seiner Einwohner (und speziell seiner Callcenter-Mitarbeiter) ausgeliefert ist. Die Missverständnisse gehen hier glücklicherweise in beide Richtungen und so darf man über mindestens ebenso viele USA- wie Indien-Klischees lachen. Der Humor ist dabei durchwachsen und nur selten feinfühlig. Dennoch hatte ich nahezu durchgehend meinen Spaß mit dem exotischen Setting und den erzählten Geschichten.

Wie bei vielen Serien im Comedy-Bereich sind es auch hier eher die Nebencharaktere, welche die Serie besonders machen. So sind mir speziell Gupta (Parvesh Cheena) und Rajiv (Rizwan Manji) ans Herz gewachsen: Zwei herrlich geschriebene Figuren, die ein großes Humorpotential besitzen. Die Besetzung weiß auch zu überzeugen, besonders weil man es größtenteils mit unbekannten Schauspielern zu tun hat. Einzig Diedrich Bader hatte ich schon zuvor gesehen und Sacha Dhawan ist mir aus „The Deep“ in eher schlechter Erinnerung geblieben. Hier macht er seine Sache aber durchwegs gut.

Insgesamt gesehen hat mich kaum eine Episode (bis auf das übertriebene Finale) wirklich enttäuscht. Mal gab es mehr, mal weniger zu lachen, doch insgesamt bin ich jede Woche gerne zu meinem Kurztrip nach Indien aufgebrochen. Nun ist die Serie auch schon wieder abgesetzt. Werde ich sie vermissen? Rajiv und Gupta auf jeden Fall und auch sonst wird mir die Serie zumindest positiv in Erinnerung bleiben: 7/10 (7.1) Punkte.

Community – Season 2

Oh nein! Wie kann es schon wieder vorbei sein? Die letzten beiden Episoden von „Community – Season 2“ waren – wie bereits eine gewisse letztjährige Episode – erneut ganz großes Kino. Doch auch schon davor gab es unzählige Highlights zu bestaunen. Ich kenne kein anderes Autorenteam, das so inflationär mit Ideen umgeht. Für jeden auch nur annähernd popkulturell interessierten Menschen eine wahre Fundgrube an Anspielungen. Großartig!

In vielen Kritiken habe ich gelesen, dass die Serie qualitativ stark abgebaut hätte – eine Einschätzung, der ich so nicht zustimmen kann. Ich vermute eher, dass die Serie stets ein Grundwissen über Filme, Serien und andere popkulturelle Ereignisse erfordert, um den maximalen Unterhaltungswert zu liefern – und dieses bringt eben nicht jeder Zuschauer mit. Wenn man die Serie unter diesen Gesichtspunkten betrachtet und zudem die Charaktere sowie die Art des Humors mag, dann macht die zweite Staffel ebenso viel Spaß, wie auch schon die erste. Bevor ich weiter schwärme, möchte ich jedoch etwas konkreter auf die einzelnen Episoden dieser zweiten Staffel eingehen.

Neben ein paar nur unterhaltsamen Episoden, gab es dieses Jahr etliche Highlights zu bewundern: In „Basic Rocket Science“ wird ein Raumflug so herrlich absurd dargestellt, dass es eine wahre Freude ist. Ganz groß. Mit „Epidemiology“ gab es dann die fast schon obligatorische Zombie-Episode, aber eben mit dem speziellen Greendale-Twist. Die wunderbare Stop-Motion-Episode „Abed’s Uncontrollable Christmas“ entließ die Serie dann schließlich in die verdiente Winterpause, bevor uns „Advanced Dungeons & Dragons“ in die Welt der Rollenspiele entführte. Kurz vor dem großen Finale hat man mit „Paradigms of Human Memory“ dann noch eine Variante der Clip Show geschaffen, von der sich andere Shows durchaus mehr als nur eine Scheibe abschneiden dürfen.

Zum Finale möchte ich noch ein paar gesonderte Worte verlieren: Letztes Jahr hat mich „Modern Warfare“ wirklich umgehauen. Eine grandiose Idee, perfekt inszeniert. Wohl die unterhaltsamsten 20 Minuten des US-Serienfernsehens. Umso gespannter war ich natürlich, was sich Dan Harmon und Co. dieses Jahr haben einfallen lassen. Anfangs war ich etwas enttäuscht, dass man wieder nur auf das bekannte Paintball-Element zurückgegriffen hat. Dann aber eroberte das Finaldoppel „A Fistful of Paintballs“ und „For a Few Paintballs More“ mein Herz im Sturm. Einfach unglaublich, wie konsequent die Charaktere immer wieder in abstruse Situationen geworfen werden und die Serie (zumindest innerhalb ihrer Regeln) dabei absolut glaubwürdig bleibt.

Auch dieses Jahr hatte ich – wie man merkt – wieder enorm viel Spaß am Greendale Community College. Wer von euch da draußen noch nicht auf den Geschmack gekommen ist, der sollte unbedingt einmal reinschauen – dann aber am besten mit der ersten Staffel beginnen, um die komplette Erfahrung zu bekommen. Ich kann das dritte Jahr nun kaum noch abwarten und hoffe auf viele weitere verrückte Ideen: 9/10 (9.1) Punkte.

The Road (2009)

Ich liebe postapokalyptische Filme. Ihnen wohnt eine Art von Abenteuer inne, das es erst noch zu erleben gilt. Zombiefilme und Weltuntergangsszenarien sehe ich selbst als Unterart des Genres. Neben Klassikern wie „Mad Max“ gibt es unzählige Varianten des immer gleichen Szenarios (u.a. den ebenso aktuellen, aber ungleich schwächeren „The Book of Eli“). John Hillcoats „The Road“ ist anders. Kein Abenteuer, keine Hoffnung, kein Erbarmen. Wohl einer der beeindruckendsten Filme, die ich bisher gesehen habe – auf jeden Fall einer der deprimierendsten. Spoiler sind zu erwarten.

Auch ich hatte vor der Sichtung einige Meinungen über den Film gehört und gelesen. Er sei schwer zu verdauen, düster und hoffnungslos. Was für eine Untertreibung. „The Road“ packt einen da, wo es weh tut. Er rüttelt auf und lässt einen nicht mehr los. Man wir durch die oft schon hypnotischen Bilder hineingesogen in diese immergraue Welt. Dieses leblose Etwas, das einmal voller Leben war. Doch die ungenannte Katastrophe samt ihrer unheilvollen Hinterlassenschaften ist eigentlich nur Beiwerk. Der Film ist eine Vater-Sohn-Geschichte. Eine Geschichte über Menschlichkeit und Verlust derselben. Ein Film über das Leben und den Tod.

Die dominierenden Themen des Films geben den Rhythmus vor. Bleibst du, stirbst du. Keine Frage. Und wie in dem Film gestorben wird. Die letzten 15 Minuten haben mir zugesetzt, wie schon lange kein Film mehr. Auch jetzt, da ich daran denke, fühle ich mich wie benommen. Doch schon vor dem traurigen, aber nicht hoffnungslosen Finale, hält „The Road“ unzählige Szenen bereit, bei denen ich schwer schlucken musste – und sei es allein, wie der Junge sein Stofftier stets bei sich trägt. Hier mag der (zumindest noch relativ) frischgebackene Vater aus mir sprechen, doch ich habe selten etwas Herzzereißenderes gesehen.

Neben den inhaltlichen Aspekten kann ich vor allem die bewusste und den Schauspielern Raum gebende Inszenierung hervorheben. Ruhige Bilder, lange Einstellungen und das Wissen, wann man wegblenden muss. Auch wenn die Kamera nie wirklich explizite Bilder einfängt, so ist „The Road“ härter und brutaler als jeder Horrorfilm. So bedrohlich habe ich Kannibalismus wahrlich noch nie wahrgenommen, wie er in John Hillcoats Film auf die Leinwand gebannt wurde. All diese Eigenschaften sind natürlich auch zu großen Teilen Viggo Mortensen und Kodi Smit-McPhee zuzuschreiben, die beide spielen als ginge es um ihr Leben. Fantastisch.

Wie ihr lest, hat mich „The Road“ voll und ganz gepackt. Ich weiß jetzt schon, dass der Film noch lange nachwirken wird. Kann ich ihn deshalb bedenkenlos empfehlen? Seht euch den Film nur an, wenn ihr eine gewisse Finsternis ertragt. Ich habe mir selten so sehr gewünscht, dass ein Film endlich vorbei ist. Ob ich ihn mir jemals wieder anschauen werde? Im Moment bezweifle ich es noch und so sehr sie mich interessieren würde, so werde ich mich wohl nie an die Vorlage von Cormac McCarthy heranwagen. „The Road“ ist ein großer Film, ein bewegender Film und ein menschlicher Film, doch er wird gewiss keiner meiner Lieblingsfilme werden: 10/10 Punkte.

V – Season 2

Wieder einmal heißt es von einer Serie Abschied nehmen. Die letztjährige Sci-Fi-Hoffnung findet mit „V – Season 2“ ihren endgültigen Abschluss. Traurig bin ich deswegen nicht sonderlich und wenn die Serie nicht in einer verkürzten Staffel mit nur 10 Episoden gelaufen wäre, hätte ich wohl auch nicht bis zum – wortwörtlich – bitteren Ende durchgehalten.

Die Handlung setzt ziemlich genau da an, wo wir die erste Staffel verlassen hatten. Somit geht es fröhlich weiter mit dem Widerstand gegen die Besucher. Qualitativ bewegen sich die meisten Episoden auf einem ähnlichen Niveau, wie die des letzten Jahres – zudem hatte ich anfangs wirklich noch die Hoffnung endlich etwas mehr von den Vs zu sehen. Leider jedoch tröpfelt die Handlung größtenteils vor sich hin und führt ein neues Element ein: Die Alien-Großmutter. Was sich die Autoren wohl dabei gedacht haben?

Mit dieser neuen Figurenkonstellation verkommt „V“ dann leider auch ziemlich schnell zur intergalaktischen Seifenoper. Jeder hintergeht jeden, mal wird dieser, mal jener Seite Allianz geschworen und so wirklich mitreißend ist keiner der Handlungsstränge. Umso trauriger, da wirklich Potential vorhanden gewesen wäre. Warum sehen z.B. alle Vs immer aus wie Menschen, selbst wenn sie unter sich sind? Was soll die Alien-Großmutter? Warum konnte man aus der spannenden Ausgangsidee keine packendere Serie machen? Fragen über Fragen.

Nun ist die Serie vorbei. Natürlich endet sie mit einem ordentlichen Knall – sprich es gibt etliche Cliffhanger – und lässt uns Zuschauer somit ziemlich unschlüssig zurück. Aber so wirklich interessiert es mich auch gar nicht, wie es nun weitergeht. Zu blass waren die Charaktere und zu unspektakulär die erzählte Geschichte. Somit versinkt die Serie im Durchschnitt und wird wohl schnell vergessen werden: 5/10 (5.3) Punkte.