Die schrillen Vier in Las Vegas – OT: Vegas Vacation (1997)

Gestern Abend habe ich mich erneut mit der Familie Griswold in den Urlaub begeben. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich „Die schrillen Vier in Las Vegas“ damit zum ersten Mal gesehen. Ganz im Gegensatz zu den Vorgängern, die mich durch meine filmische Jugend begleitet haben. Kann es der 8 Jahre später gedrehte Nachfolger mit den ersten drei Filmen aufnehmen?

Leider nein. Zwar war ich überrascht, wie sehr auch „Vegas Vacation“ noch den Geist der Filmreihe atmet, doch ist es vor allem das neue Reiseziel, das diesen Trip qualitativ deutlich abfallen lässt. Nach einem Roadtrip quer durch die USA, einer Reise durch Europa und der köstlichen Zelibrierung aller klischeehaften Weihnachtsrituale soll nun also eine Reise nach Las Vegas all das übetreffen? Das kann nicht so recht funktionieren. Somit sind es vor allem die Anreise, das Einchecken im Hotel und der Trip zum Hoover Dam, welche die guten alten Zeiten heraufbeschwören.

In Las Vegas selbst stagniert die Handlung enorm. Clarks Spielsucht sorgt kaum für Lacher, Ellens Techtelmechtel mit Wayne Newton empfand ich größtenteils als zu langweilig und Audreys Ausflug ins Nachtleben war viel zu brav inszeniert. Einzig Rustys Aufstieg zum großen Player hat mich als gesonderter Handlungsstrang überzeugt. Gefreut habe ich mich zudem über Cousin Eddie und Familie, deren Auftritt jedoch auch mehr Potential gehabt hätte.

Insgesamt ist „Vegas Vacation“ eindeutig der schwächste Teil der Filmreihe. Dennoch darf man ihn sich als Fan durchaus anschauen, bietet er zumindest in der ersten Filmhälfte einige nette Schmunzler und Anspielungen auf die klassischen Teile. Die Reihenfolge würde ich insgesamt folgendermaßen einordnen, wobei Platz zwei und drei nahezu austauschbar sind:

1. „Christmas Vacation“
2. „European Vacation“
3. „Vacation“
4. „Vegas Vacation“

Ein wenig Nostalgie sollte bei einer Sichtung von „Vegas Vacation“ schon mitschwingen, um dem Film etwas abgewinnen zu können. Spaß kann man mit den Griswolds durchaus auch in der Glücksspiel-Metropole haben, allerdings sollte man eine hohe Toleranz für dumme Witze und altmodische Erzählweise haben. Nett war es irgendwie dennoch: 5/10 Punkte.

Children of Men (2006) (WS1)

Manchmal hat man es als arbeitender Filmfreund und Vater nicht leicht (= Erste-Welt-Probleme). So bleiben meist nur wenige Abende, um seinem Hobby zu frönen. Nimmt jedoch die Arbeit überhand und verkürzen sich die Nächte aufgrund kränkelnden Nachwuchses auf ein paar Stunden, so fallen meist auch diese Abende der Müdigkeit zum Opfer. Trotz dieser denkbar schlechten Voraussetzungen habe ich mir gestern erneut Alfonso Cuaróns „Children of Men“ angesehen und war wieder begeistert – wenn auch nicht aufgrund der exakt gleichen Gesichtspunkte, wie noch bei der letzten Sichtung.

Eigentlich könnte ich meinen letzten Eintrag nahezu 1:1 übernehmen und müsste ihn nur um wenige Punkte ergänzen. Erneut hat mich die inszenatorische Wucht umgehauen, erneut hat mich der Film an die großen Dystopien der 70er Jahre erinnert und erneut hat mich die schiere Ausweglosigkeit beinahe erdrückt. Dennoch gibt es ein nicht zu vernachlässigendes Element, welches die gestrige Sichtung noch einmal deutlich intensiviert hat: die Geburt meiner Tochter. Erst jetzt konnte ich das volle Ausmaß des Entsetzens nachvollziehen, das mit dem komletten Fehlen menschlichen Nachwuchses einhergeht. Das Leben hört einfach auf zu existieren. Es gibt keine Hoffnung mehr. Keine Zukunft. Die Theorie war mir zwar auch schon beim letzten Mal klar, doch die emotionale Intensität dieser Prämisse konnte ich erst als Vater vollständig nachvollziehen.

Auch das Ende hat mir dieses Mal bedeutend besser gefallen. Nicht zwangsweise in Bezug auf The Human Project, doch die Hoffnung, die Theo Faron (Clive Owen) aus der reinen Existenz neuen Lebens schöpft, kam mir plötzlich sehr bekannt vor. Es geht weiter. Somit hat sich mein Wunsch bestätigt und diese Zweitsichtung war genauso intensiv, wie der erste Durchgang. Großartiges Kino, das man nicht nur als Genrefreund gesehen haben sollte: 9/10 Punkte.

Sanctum (2011)

Normalerweise kann ich ziemlich gut abschätzen, ob mir ein Film gefallen wird oder nicht. Der von James Cameron produzierte Abenteuerfilm „Sanctum“ schien wie gemacht für mich: Ich liebe Filme, die in weitläufigen Höhlen spielen, Unterwasserszenen werten für mich jeden Film auf und der Name James Cameron birgt für Qualität und hat mich bisher noch nie enttäuscht. Was soll da noch schief gehen? Leider so einiges, doch dazu später mehr…

Meine Erwartungshaltung war wirklich enorm und ich habe mich maßlos geärgert den Film im Kino verpasst zu haben. Auch eher durchschnittliche Kritiken konnten mich nicht abschrecken, hat mich doch z.B. auch der gerne verrissene „The Cave“ ausgezeichnet unterhalten. Die erste Enttäuschung kam als ich erfuhr, dass „Sanctum“ auf einer wahren Begebenheit beruhen soll. Soviel dann zum Thema – ich bin nun einmal ein Genrefreund – übernatürliche Elemente, doch war ich letztendlich auch hier guter Dinge, da mir die realistische erste Hälfte von „The Descent“ als äußerst beeindruckend in Erinnerung geblieben ist.

Was hat „Sanctum“ also zu bieten? Teils wirklich enorm schöne Bilder und einige schweißtreibende Szenen, die der klaustrophobischen Kombination aus räumlicher Enge und Wasser geschuldet sind. Leider jedoch war es das auch schon. Selten habe ich mich bei einem Film mehr über die Charaktere und ihre Entscheidungen aufgeregt. Ob nun der zurückgelassene Neoprenanzug und damit einhergehend das klischeehafte Frauenbild, das angespannte Vater-Sohn-Verhältnis oder der nervliche Zusammenbruch des Draufgängers. All dies hat man bereits dutzende Male so viel besser gesehen. Das Drehbuch ist wahrlich ein einziges Ärgernis.

Auch mit seiner Inszenierung gewinnt der „Sanctum“ keine Preise. Zwar sieht er größtenteils schon recht gut aus, doch lassen sich die beeindruckenden Einstellungen an einer Hand abzählen. Hier hatte ich mir – besonders im Vergleich zu den beiden oben genannten Filmen – deutlich mehr erwartet. Auf der Oberwelt sieht das Bild zudem übermäßig digital aus, was mir ohnehin nicht sonderlich zusagt. Auch erkennt man in vielen Einstellungen deutlich, dass der Film für 3D gedreht wurde. So gibt es seltsam anmutende Perspektiven oder unnötige Kamerafahrten zu sehen. Nicht wirklich störend, aber auffällig.

Insgesamt hat mich „Sanctum“ leider ziemlich enttäuscht, was natürlich auch mit meiner ursprünglichen Erwartungshaltung zusammenhängt. So habe ich gestern leider nicht das neue Standardwerk des Höhlentaucherfilms gesehen, sondern nur einen recht nett anzusehenden Abenteuerfilm mit teils drastischen Bildern und mauem Drehbuch. Genrefreunde (so es diese da draußen überhaupt gibt) können durchaus einen Blick riskieren, alle anderen können den Film links liegen lassen. Schade um die schöne Kulisse: 5/10 Punkte.

Breaking Bad – Season 3

Da ich aufgrund der aufwühlenden letzten Tage nur schwer Schlaf gefunden habe, war Ablenkung gefragt. So stellte die Sichtung von „Breaking Bad – Season 3“ meist den Abschluss meiner Abende dar. Ein wirklicher guter Weg um auf andere Gedanken zu kommen. Egal wie schlecht man sich gerade fühlt, mit Walter und Jesse will man nicht tauschen. Auf gar keinen Fall.

Die Eröffnungsszene der Staffel ist wahrlich äußerst verstörend. Jedoch wird dieses seltsame Bild der kriechenden Killer schon bald aufgelöst. Was bleibt ist nicht weniger erschreckend. An plötzlichen Gewaltexzessen und überraschenden Wendungen mangelt es der dritten Staffel wahrlich nicht und dennoch sind es eher die charakterlichen Schwächen bzw. Entwicklungen, die mich teils sprachlos zurückließen. Zwischen dem Walter der ersten Staffel und dem skrupellosen Soziopathen, den man im dritten Jahr zu sehen bekommt, liegen wahrlich Welten – und eine grandiose Schauspielleistung von Bryan Cranston.

Im direkten Vergleich zur zweiten Staffel stagniert die Charakterentwicklung jedoch etwas. Besonders Jesse fällt wieder in alte Verhaltensmuster zurück, was die Handlung zwar auf beängstigende Art und Weise vorantreibt, den Charakter jedoch klischeehafter erscheinen lässt, als ich mir das noch zu Beginn der Serie erhofft hatte. Besonders in den finalen Episoden der Staffel eröffnet sich dadurch eine völlig neue Dimension der Ausweglosigkeit und ich bin wirklich froh nun nicht noch ein Jahr auf die kommende Staffel warten zu müssen.

Insgesamt hat mich auch die dritte Staffel der Serie ausgezeichnet unterhalten. Ob sie nun besser als die vorangegangene ist? Vielleicht etwas. Der Schwerpunkt liegt anders. Ich bin nun auf jeden Fall schon sehr gespannt auf das vierte Jahr, das nahezu einstimmig als der bisherige Höhepunkt der Serie gesehen wird. Nur hoffe ich, dass man den Charakteren in Zukunft nicht alle sympathischen Züge streicht. Auf jeden Fall äußerst spannend und wirklich sehr sehenswert: 9/10 (8.7) Punkte.

X-Men: Erste Entscheidung – OT: X-Men: First Class (2011)

Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich mir heute einmal wieder einen Film angesehen. Endlich. Matthew Vaughns „X-Men: Erste Entscheidung“ war zudem eine sehr gute Wahl. Ins Kino hatte ich es damals – wie so oft – leider nicht geschafft und da mich die „X-Men“-Reihe größtenteils ausgezeichnet zu unterhalten wusste, hatte ich mich trotz des mittelmäßigen „X-Men Origins: Wolverine“ schon sehr auf die Heimkinoauswertung gefreut.

Der jüngste Spross der niemals enden wollenden Superhelden-Saga wirkt über weite Strecken wunderbar altmodisch. Das 60er Jahre Gefühl wird perfekt eingefangen und spätestens mit dem Auftritt von January Jones (Betty Draper, „Mad Men“) war ich in diesem alternativen Universum angekommen. Auch die Inszenierung passt zum Look des Films. Zwar gibt es durchaus modern inszenierte Actionszenen, doch bleibt die Kamera dabei wunderbar bodenständig und ordnet sich der Handlung unter.

Oft hat mich „X-Men: First Class“ mehr an die „James Bond“-Abenteuer der 60er Jahre erinnert, als an einen Superheldenfilm. Unterstützt wird dieser Eindruck wohl durch die geschickte Verknüpfung der fiktiven Handlung mit der Kubakrise. Etliche Elemente dieses Handlungsstrangs könnten direkt in den Sets eines 007-Films gedreht worden sein. Ein Auftritt des jungen Sean Connerys hätte mich demnach kaum verwundert. Ungewöhnlich für heutige Sehgewohnheiten, aber gerade deshalb herausragend.

Die Geschichte des Films läuft relativ überraschungsfrei ab und man darf sich als Zuschauer an diversen Mutanten und ihren Fähigkeiten erfreuen. Kevin Bacon gibt einen netten Bösewicht und James McAvoy entwickelt eine schöne Dynamik mit Michael Fassbender. Überhaupt ist die Besetzung sehr gelungen und macht Lust auf mehr. Über ein 70er oder 80er Jahre Abenteuer der „X-Men“ wäre ich wahrlich nicht traurig. Endlich ein Prequel, das dem Original in nichts nachsteht: 8/10 Punkte.

Two and a Half Men – Season 8

Nach 8 Jahren bester Sitcom-Unterhaltung hieß es nun Abschied nehmen von Onkel Charlie. Kein wirklich schwerer Abschied, hat die Serie doch noch nie zu meinen Lieblingen gezählt und besonders in den letzten Jahren deutlich nachgelassen. Dennoch stellt „Two and a Half Men – Season 8“ unzweifelhaft einen Wendepunkt in der Geschichte der Serie dar, ist es doch die letzte Staffel mit Charlie Sheen. Ein Grund um traurig zu sein?

Ehrlich gesagt bin ich ganz froh, dass man die Sitcom nun gezwungenermaßen auf neue Pfade lenken muss. Teils musste ich mich schon recht durch die immer gleichen Handlungsstränge quälen. Zwar gab es meist ein paar Schmunzler pro Episode, doch würden nun keine Veränderungen anstehen, hätte ich die Sichtung wohl tatsächlich abgebrochen. Im Grunde setzt sich der bereits vor zwei Staffeln begonnene Trend fort und man bekommt als Zuschauer vermehrt Furz- und Fäkalhumor präsentiert. Ich hoffe sehr, dass man auch in dieser Hinsicht einen Neuanfang wagt.

Ist das achte Jahr ein kompletter Reinfall? Glücklicherweise nicht. Es gibt durchaus einige amüsante Episoden und Handlungsstränge. Im Großen und Ganzen aber nichts, was man aufgrund der starken Konkurrenz in dem Genre wirklich sehen müsste. Dem Reboot werde ich zwar noch eine faire Chance geben, doch kann es gut sein, dass dies der letzte Eintrag zu „Two and a Half Men“ gewesen ist: 5/10 (5.4) Punkte.

Das Wunder Leben – OT: Life

Wenn die Abende wieder länger werden (und die Erkältungszeit beginnt), verbringt man unweigerlich noch mehr Zeit vor dem heimischen Bildschirm. Für Abwechslung im Serieneinerlei bin ich demnach stets dankbar, weshalb sich „Das Wunder Leben“ schon bald als fester Programmpunkt in unserem Abendprogramm etablieren konnte.

Auf die Sichtung von „Das Wunder Leben“ musste ich sehr lange warten. Viel zu lange. Dabei ist die UK-Ausgabe schon seit geraumer Zeit relativ günstig zu haben. Ihr mangelt es jedoch an einer deutschen Tonspur, was für mich normalerweise kein Argument darstellt, da ich sowieso meist dem Originalton lausche. Mit Kind im Haus plant man jedoch auch für dessen mediale Zukunft, weshalb ich auf die deutsche Ausgabe gewartet habe. Dank der Veröffentlichungsstrategie von Polyband (Halbstaffelboxen mit je nur 5 Episoden) werde ich in Zukunft aber wohl lieber frühzeitig in Englischstunden investieren.

Nun aber zum Inhalt: Wie bereits mit „Unser blauer Planet“ oder auch insbesondere „Planet Erde“, definiert die BBC mit „Das Wunder Leben“ die Qualität von Tierdokumentationen wieder einmal neu. Zwar ist der Sprung nicht mehr ganz so imposant, wie beim indirekter Vorgänger, doch auch was man hier zu sehen bekommt, darf von Freunden des Genres  durchaus als atemberaubend bezeichnet werden. Man ist heute als Zuschauer eben schon viel zu verwöhnt.

Im Gegensatz zu „Planet Erde“ wird in „Life“ – sowohl inhaltlich als auch audiovisuell – mehr ins Detail gegangen. Oft überwiegen extreme Zeitlupenaufnahmen und man bekommt Tiere und Situationen zu sehen, die in dieser Form wohl noch nie von einer Kamera eingefangen wurden. Reduziert wurden dagegen extreme Totalen und Massenszenen, was die Doku auch visuell von ihrem Vorgänger abgrenzt. Als Freund von Naturdokumentationen sollte man sich „Life“ so oder so auf keinen Fall entgehen lassen. Großartig: 9/10 Punkte.

Falling Skies – Season 1

Letztes Jahr wurden zwei von Steven Spielberg produzierte Serien angekündigt, die beide auf großes Interesse bei mir stießen. Mit dem Finale von „Falling Skies – Season 1“ hat sich die erste der beiden Serien auch schon wieder vom Bildschirm verabschiedet – zumindest für dieses Jahr. Eine zweite Staffel wurde trotz mäßiger Kritiken auch schon bestellt. Eine lohnenswerte Investition?

Zunächst einmal muss ich festhalten, dass auch ich von der Serie enttäuscht war. Dabei dachte ich: Spielberg, Aliens und Endzeit. Was kann da noch schief gehen? Das schreibe ich wohlgemerkt als großer Freund von Spielbergs Schaffen. Ich mag das starke Familienmotiv, das sich in all seinen Filmen findet, seine Art der Inszenierung und natürlich seine beinahe schon kindliche Vorliebe für Aliengeschichten. All dies findet sich auch in „Falling Skies“ wieder und nachdem die erste Ernüchterung verflogen war, hatte ich auch durchaus meinen Spaß mit der Serie.

Am meisten Probleme hatte ich wohl mit der recht trägen Erzählweise. Mit dem Aufschlagen des Hauptquartiers in einer verlassenen Schule stagnierte nicht nur das Voranschreiten unserer Truppe, sondern auch die Handlung. Die Serie erinnerte mich hier oft an TV-Serien aus den 90er Jahren. Etwas Lagerleben, alle paar Episoden ein paar Erkundungen in die nähere Umgebung und persönliche Konflikte. Also nichts, das an die großen Serienerfolge der letzten Jahre erinnern würde.

Die Hauptcharaktere sind leidlich interessant und zumindest sympathisch gezeichnet. Selbst beim grimmigen Militärchef scheint das Herz am rechten Fleck sitzen. Wie schön. Die Aliens selbst sind als Gegenspieler zumindest brauchbar und gegen Ende der Staffel zeichnet sich ab, dass unsere Helden im kommenden Jahr gegen einen deutlich unberechenbareren Gegner zu kämpfen haben, als zunächst angenommen.

Eine unbedingte Sehempfehlung kann ich für die erste Staffel von „Falling Skies“ leider nicht aussprechen. Spielberg- und Genrefans dürfen aber durchaus einen Blick riskieren und sollten sich von den teils sehr harrschen Kritiken nicht abschrecken lassen. Die letztjährige Invasionsserie „V“ übertrumpft die Spielberg-Variante auf jeden Fall: 7/10 (6.6) Punkte.

Sherlock – Season 1

Nachdem der Hype um die deutsche TV-Ausstrahlung schon wieder verflogen ist, möchte auch ich meinen Senf zu „Sherlock – Season 1“ abgeben. Eigentlich bin ich ja kein großer Krimifreund und auch Sir Arthur Conan Doyles Held hat nie eine sonderlich große Anziehungskraft auf mich ausgeübt. Hat sich der Kauf der englischen Blu-ray dennoch gelohnt?

Oh ja. Auch ich bin begeistert. Nachdem mich die 2009er Kinoverfilmung mit Robert Downey Jr. zwar gut unterhalten, aber sonst keinerlei Eindruck hinterlassen hat, wirkt die modernisierte Serienversion äußerst erfrischend und dabei doch herrlich altmodisch. Die ins heutige London verlegte Handlung ist spritzig erzählt und lädt zum Mitraten ein. Interessanter als die drei Fälle ist jedoch die Beziehung zwischen Sherlock Holmes und Dr. John Watson, welche von Benedict Cumberbatch und Martin Freeman auch äußerst spielfreudig und sehr treffend portraitiert werden.

Das größte Manko der Serie ist wohl ihre kurze Dauer. Man hat nur drei Episoden Zeit sich an der fantastisch inszenierten Ermittlungsarbeit Sherlock Holmes zu erfreuen. Aber von englischen Serien ist man ja nichts anderes gewohnt. Glücklicherweise hat man sich entschieden die einzenen Episoden in Spielfilmlänge – d.h. als 90-Minüter – zu inszenieren, was sowohl der Lösung der Fälle, als auch der Charakterentwicklung den nötigen Freiraum gibt. Als Zuschauer darf man sich somit über drei größtenteils kinowürdige Detektivfilme freuen.

Der einzige Kritikpunkt, den ich nennen kann, ist, dass zumindest die ersten beiden Fälle gegen Ende etwas zu konstruiert auf Professor bzw. Jim Moriarty verweisen. Das hätte man durchaus subtiler lösen können. Das Finale der dritten Episode ist dagegen wirklich enorm mitreißend und hätte nicht zwangsweise mit einem Cliffhanger enden müssen – als würde ich mich nicht schon ohne diesen genug auf die zweite Staffel freuen. Ich kann diese Serie jedem auch nur annähernd interessierten Serienfreund wirklich nur ans Herz legen: 9/10 (8.7) Punkte.

Breaking Bad – Season 2

Es ist wirklich erstaunlich, wie lange sich die Sichtung von „Breaking Bad – Season 2“ hingezogen hat. Verantwortlich dafür ist einerseits akuter Zeitmangel, andererseits die sich aktuell häufenden Serien- und Staffelstarts. So sind Walter und Jesse leider etwas vernachlässigt worden, was vielleicht auch ein Grund dafür ist, dass ich die Staffel nicht ganz so euphorisch wahrgenommen habe, wie die meisten anderen Zuschauer.

Inhaltlich schließt Walters zweites Jahr als vielversprechendes Talent im Drogengeschäft absolut nahtlos an die erste Staffel an. Sogar so nahtlos, dass es eine gewisse Überlappung mit dem Finale der vorhergehenden Staffel gibt. Ein netter Kniff, der uns Zuschauer sofort in diese seltsame Welt zwischen Familie, Freundschaft Drogenkriminalität und Gewalt zurückwirft. Der Verfall der bürgerlichen Existenz setzt sich in der zweiten Staffel gnadenlos fort. Die Trennlinie zwischen gut und böse verschwimmt immer mehr. In diesem Zwielicht haben Walter und Jesse ihren Platz gefunden.

Am faszinierendsten war für mich wohl die konsequente Weiterentwicklung der Charaktere. Hat Walter bereits in der ersten Staffel Anzeichen von großer krimineller Energie und Machtmissbrauch gezeigt, so steigern sich diese Charaktereigenschaften bis ins – zumindest vorerst – letzte Extrem. Jesse dagegen wandelt sich vom stereotypen Loser hin zur beinahe schon tragischen Heldenfigur. Auch wenn beide Hauptfiguren jenseits der üblichen Rollenklischees wandeln, so hat Jesse die Sympathien der Zuschauer doch erstaunlicherweise öfter auf seiner Seite, als Walter.

Von den Gefühlen her gesehen, welche die Serie bei mir als Zuschauer auslöst, erinnert mich „Breaking Bad“ öfter an „The Sopranos“, ohne jedoch in letzter Konsequenz deren Klasse zu erreichen. Auch dort war man hin und hergerissen zwischen Sympathie und Abscheu – dennoch wirkten die meisten Handlungsstränge nicht so konstruiert, wie mir dies hier öfter der Fall zu sein scheint. So oder so entwickelt sich die Serie konsequent weiter und könnte in der dritten Staffel zu ihrer neuen Höchstform auflaufen.

Alles in allem hat mich auch das zweite Jahr „Breaking Bad“ ausgezeichnet unterhalten und vermutlich hätte die Serie gewonnen, wenn ich sie nur in drei oder vier Blöcke unterteilt gesehen hätte. So kann ich den Hype um diesen – zugegebenermaßen – äußerst spannenden bis absurden Drogenthriller noch nicht 100%-ig nachvollziehen. Gesehen haben sollte man die Show als Serienfreund aber auf alle Fälle: 9/10 (8.5) Punkte.