Das Relikt: Museum der Angst – OT: The Relic (1997) (WS1)

Da ich zurzeit einmal wieder einen Roman des Autorenduos Douglas Preston und Lincoln Child lese, den Nachfolger von „Dark Secret“, verspürte ich große Lust mir mit „Das Relikt: Museum der Angst“ noch einmal die bislang leider einzige Verfilmung eines ihrer Romane anzusehen. Im Gegensatz zur letzten Sichtung konnte ich dieses Mal Vorlage und Adaption besser trennen, was die Qualitäten des Films für mich noch greifbarer machte…

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Auch wenn es mir nach wie vor unverständlich ist, wie man die eigentliche Hauptfigur der Vorlage streichen konnte, so muss ich doch gestehen, dass Peter Hyams atmosphärisch recht nah an diese herankommt. Ich liebe den langsamen Spannungsaufbau und die pseudowissenschaftliche Note samt der archetypischen Hauptfiguren. Im besten Sinne werden hier Erinnerungen an „Der weiße Hai“, „Alien“ und „Jurassic Park“ wach – Regisseur Peter Hyams („Outland: Planet der Verdammten“) hat die großen Genrevorbilder genauestens studiert und weiß die einzelnen Versatzstücke effektiv einzusetzen.

Inszenatorisch kann man „The Relic“ auch aus heutiger Sicht kaum Vorwürfe machen. Mögen auch die CGIs ein wenig angestaubt wirken, so wird dies durch die geschickte Kombination mit praktischen Effekten wieder wett gemacht. Leider sieht man diese Vorgehensweise inzwischen immer seltener, was den inzwischen auch schon 17 Jahre alten Film beinahe schon klassisch wirken lässt. Die Handlung des Buches wurde dagegen stark komprimiert, was Fans der Vorlage erzürnen dürfte, doch obwohl ich mich zu diesen zähle, habe ich meinen Frieden mit der Adaption gemacht.

Für mich ist „Das Relikt“ nach wie vor einer meiner liebsten Monsterfilme und ich entdecke bei jeder Sichtung neue Aspekte. Dieses Mal ist mir im Finale besonders die Nähe zwischen Ellen Ripley und Margo Green aufgefallen. Eine weitere Referenz, die ich als Pluspunkt verbuche. Mal sehen, was die nächste Sichtung so ans Licht bringt: 8/10 Punkte.

The Illusionist (2006)

Nachdem ich gestern Abend noch spontan laufen war, hätte ich danach eigentlich sofort ins Bett gehen können. Doch es war ja Freitag und der letzte Film lag auch schon wieder zwei Wochen zurück – somit haben wir, als dann die Kinder verräumt waren, gegen 20:30 Uhr „The Illusionist“ in den Player geschoben. Um 21:30 Uhr konnten wir dann auch tatsächlich damit beginnen, hatte uns zuvor ein stark verschnupfter Zwergofant noch davon abgehalten. Ob sich das lange Aufbleiben gelohnt hat?

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Auch wenn er im zugehörigen Plauschangriff nicht behandelt wurde, so ist „The Illusionist“ doch ein klassische Stief-Zwilling zu Christopher Nolans „The Prestige“ – beide Filme sind 2006 erschienen und haben Illusionisten zum Thema. Neil Burgers („Ohne Limit“) Film blieb damals jedoch die große Kinoauswertung verwehrt, was nichts bedeuten muss, aber dennoch eine erster Hinweis auf die Qualität des Films sein könnte. Zunächst einmal besticht die Atmosphäre der gezeigten Bilder: Jede einzelne Einstellung wirkt wie schwerer Samt und könnte der Stummfilm- bzw. frühen Tonfilmära entsprungen sein. Eine extreme Vignettierung und starke Sepiatöne dominieren den visuellen Eindruck, was perfekt zum Inhalt des Films passt. Dieser ist leider bedeutend schwächer als die beeindruckende Inszenierung.

Schon die ausgewalzte, aber nett anzusehende Rückblende (einmal mehr ist der zurzeit omnipräsente Aaron Taylor-Johnson als junger Illusionist zu sehen) innerhalb der ersten 10 Minuten lässt aufmerksame Zuschauer erahnen, worauf am Ende alles hinausläuft. Und so kam es dann auch. Ich war wirklich erschrocken, wie formelhaft und vorhersehbar Neil Burger seinen Twist konstruiert – ganz besonders im Vergleich zum ungleich raffinierter erzählten Stief-Zwilling „The Prestige“. Als am Ende dann der großartige Paul Giamatti seine Erkenntnis hat und diese auch noch so inszeniert wird, dass selbst der dümmste Zuschauer jedes Detail versteht, grenzt das schon an Satire.

Neben der für das Genre erschreckend vorhersehbaren Handlung, hat mich der Rest des Films durchaus unterhalten. Edward Norton gibt einen glaubwürdigen Illusionisten und Jessica Biel ist zumindest nett anzusehen. Die Liebes- und Dialogszenen zwischen den beiden wirken dagegen ungemein hölzern, was leider die inhaltlichen Schwächen betont. Somit bleibt am Ende ein wirklich schön anzusehender Budenzauber, der leider viel zu wenig aus seiner Grundidee macht und sich seinem Stief-Zwilling in jeder Hinsicht geschlagen geben muss: 6/10 Punkte.

Der Staatsfeind Nr. 1 – OT: Enemy of the State (1998)

An manchem Filmen sieht man erschreckend deutlich, wie schnell doch die Zeit vergeht. Tony Scotts „Staatsfeind Nr. 1“ aus dem Jahr 1998 gehört unzweifelhaft zu dieser Art von Film. Dabei erinnere ich mich noch, als wäre es gestern gewesen, dass ich vor inzwischen über 15 Jahren aus dem Kino kam und mich ob der Bilderflut ein wenig überfordert fühlte. Überhaupt war mir die ganze Inszenierung zu modern und das Drehbuch zu übertrieben. Wie sieht es 2014 aus?

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Das Actionkino der späten 90er Jahre stand ganz im Zeichen von Jerry Bruckheimer. Auch in „Enemy of the State“ ist deutlich sein Einfluss spürbar, wenngleich auch die Handschrift Tony Scotts zu erkennen ist. Was mir damals noch zu modern und schnell geschnitten vorkam, wirkt heute eher zeitgemäß. Einzig an der verwendeten Technik – Computer, Mobiltelefone, Speichermedien – lassen sich die vergangenen 15 Jahre nur allzu deutlich ablesen. Und inhaltlich, ja inhaltlich hat die schöne neue Welt den Film wohl überholt:

The government’s been in bed with the entire telecommunications industry since the forties. They’ve infected everything. They get into your bank statements, computer files, email, listen to your phone calls… Every wire, every airwave. The more technology used, the easier it is for them to keep tabs on you. It’s a brave new world out there. At least it’d better be. (Gene Hackman als Brill)

Aus heutiger Sicht wirkt der Inhalt des Films somit weniger paranoid und auch nachvollziehbarer. Natürlich bleibt „Staatsfeind Nr. 1“ auch weiterhin ein recht glatt gebügelter Actionthriller, doch besitzt er weit mehr Substanz und Inhalt als so manch moderner Film des Genres. Die Schauspieler machen ihre Sache gut (Will Smith) bis sehr gut (Gene Hackman) und es ist erfreutlich zu sehen, dass selbst kleinste Nebenrollen mit bekannten Gesichtern (u.a. Jason Lee, Jack Black, Anna Gunn, Seth Green) besetzt sind.

Erstaunlicherweise hat mir „Enemy of the State“ heute deutlich besser gefallen, als noch damals vor 15 Jahren. Das Actionkino der 80er und 90er Jahre ist eben durch nichts zu ersetzen und wirkt aus heutiger Sicht angenehm klassisch. Zwei wirklich äußerst unterhaltsame Stunden – danke Tony Scott: 8/10 Punkte.

Savages – Extended Version (2012)

Wir befinden uns im Jahre 2014 n. Chr. Ganz Deutschland ist im WM-Fieber… Ganz Deutschland? Nein! Ein von einem unbeugsamen Filmfreund geführtes Blog hört nicht auf, dem Fußballwahn Widerstand zu leisten. Somit lief bei mir natürlich nicht das Deutschland-Spiel, sondern Oliver Stones „Savages“ in der erweiterten Fassung. Nach der euphorischen Besprechung des Medienjournals, war ich auf jeden Fall sehr gespannt – und zumindest mehr als ein Unentschieden ist bei der Sichtung herausgekommen… Spoiler sind zu erwarten.

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Auch wenn Oliver Stones Stern in den letzten Jahren am Sinken ist, so hat er meine filmische Laufbahn doch stark geprägt: Besonders „The Doors“, „JFK“, „Natural BornKillers“ und „U-Turn“ hatten mich in meiner Jugend ziemlich beeindruckt. Doch auch in den letzten Jahren habe ich mit „Platoon“ und „Wall Street“ seine Klassiker zu schätzen gelernt. Das George W. Bush-Biopic „W. – Ein missverstandenes Leben“ fand ich auch weit besser als seinen Ruf. Umso gespannter war ich nun, wie er sich in einem – wenn man dem Trailer glauben mag – hippen Gangsterfilm schlagen würde. Style over substance? Tarantino-Anbiederung? Eine sozialkritische Komponente? Auf was konnte diese an sich nur allzu bekannte Geschichte unter Stones Regie nur hinauslaufen?

Am stärksten hat mich der Film wohl an „True Romance“ erinnert, ohne auch wirklich mit ihm vergleichbar zu sein: Im Zentrum steht eine ungewöhnlich Liebesgeschichte, die durch brutale Gangster akut bedroht wird. Die Erzählperspektive liegt bei der weiblichen Hauptfigur und sie spielt bereits zu Beginn auf ein eventuell düsteres Ende an. Das tatsächliche Finale ist dann – wider Erwarten – positiv und es gibt sonnige Strandbilder, die unsere Charaktere glücklich und zufrieden zeigen. Na, wem kommt das bekannt vor? Die Themen sind unabstreitbar ähnlich, doch Inszenierung und Ton unterscheiden sich doch ziemlich von Tony Scotts Meisterwerk.

„Savages“ sieht aus wie ein Film von Oliver Stone: schnelle Schnitte, eingestreute Schwarz-Weiß-Szenen und grobkörnige Bilder. Zwar nicht annähernd in der Deutlichkeit und Frequenz von „Natural Born Killers“ oder selbst „U-Turn“, doch fällt Stones spezielle Ästhetik nach wie vor auf. So unstet dadurch oft die Bilder wirken, so uneben wirkt auch die Handlung. Lockerleichte Spaßszenen wechseln sich mit brutalsten Folterszenen ab. Zwischendurch geht es immer wieder um Geld und Verhandlungstaktiken. Vielleicht keine Satire auf den amerikanischen Traum, doch auf jeden Fall mehr als die offensichtliche Handlung vorzugeben scheint.

Erwähnenswert finde ich noch die Schauspieler, allen voran Aaron Taylor-Johnson, der in „Savages“ so unglaublich viel dynamischer spielt als in „Godzilla“, dass ich ihn beinahe nicht erkannt hätte. Unglaublich! Auch Taylor Kitsch hat mir recht gut gefallen, wenngleich ich nach wie vor der Meinung bin, seine besten Leistungen bereits als Tim Riggings in „Friday Night Lights“ gesehen zu haben. Richtig beeindruckt hat mich Benicio Del Toro, der mit Lado wohl den ekligsten Typen der letzten Kinojahre spielen durfte. Ansonsten geben noch John Travolta und Salma Hayek ihr Stelldichein – und Emile Hirsch wirkt abermals total verschenkt.

Insgesamt hat mich „Savages“ stets am Ball gehalten und teils auch verblüfft. Ich wurde auf oft seltsame Art und Weise gut unterhalten; dies unterstreicht auch das kontroverse Ende des Films. Vielleicht ist es ein wenig zuviel des Guten, aber das Traumende davor wäre auch nicht das Wahre gewesen. Somit funktioniert es für mich zumindest als „True Romance“-Referenz und bleibt in seiner Aussage wunderbar ungreifbar. Hat mir insgesamt doch recht gut gefallen – mit deutlicher Tendenz nach oben: 7/10 Punkte.

Der Schatzplanet – OT: Treasure Planet (2002)

Aktualisierung: Ich habe „Der Schatzplanet“ am 22. August 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Für den gestrigen Abend hatte ich mir einen persönlichen Klassiker ausgesucht, der leider viel zu wenig geschätzt wird. Die modernisierte Literaturverfilmung „Der Schatzplanet“ ist einer der letzten klassisch animierten Disney-Filme, die vor der Ausrichtung auf 3D – und mit „Küss den Frosch“ aus dem Jahr 2009 der Rückkehr zu 2D – produziert wurden. Leider wird der Film oft gerne vergessen, wenn es um die großen Disney-Filme geht. Für mich gehört er allerdings unzweifelhaft zu meinen Lieblings-Disney-Filmen…

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Mit „Atlantis: The Lost Empire“ und auch der „Der Schatzplanet“ versuchte Disney einen etwas erwachseneren Ansatz bzw. schielte auf die Zielgruppe der Teenager. Das bedeutet auch kein Gesang und gleich mehrere Todesfälle – und hätte leicht in die Hose gehen können, doch haben die Autoren mit „Die Schatzinsel“ eine klassische Vorlage des Autors Robert Louis Stevenson genommen und sie erstaunlich originalgetreu in ein futuristisches Setting übertragen. Der jugendliche Held Jim Hawkins (gesprochen von Joseph Gordon-Levitt) ist ein typischer Draufgänger mit Herz, doch verzichtet Disney dankenswerter Weise darauf, eine zusätzliche Liebesgeschichte einzubauen. Der Film konzentriert sich ganz auf seine Beziehung zur Vaterfigur John Silver, durch die beide Charaktere definiert werden.

Disney wäre jedoch nicht Disney, wenn es nicht eine Vielzahl an Nebencharakteren gäbe, die einen großen Unterhaltungswert besitzen: Aus dem Einsiedler Ben Gunn wurde z.B. der verrückte Roboter B.E.N. und John Silvers Papagei ist dem Formwandler Morph gewichen. Überhaupt strotzt das steampunkig angehauchte Sci-Fi-Setting nur so vor visuellen Ideen, dass es eine wahre Freude ist! Besonders die Kombination aus 3D-Hintergründen und 2D-Charakteren ist wirklich gelungen und lässt den Film sehr dynamisch wirken: eine audiovisuelle Pracht.

Meine Lieblingsszene ist wohl die Montage zu John Rzezniks I’M STILL HERE, die mich emotional jedes Mal aufs Neue mitreißt. Überhaupt schafft es der Film in kürzester Zeit uns seine Charaktere ans Herz wachsen zu lassen. Mein einziger Kritikpunkt ist wohl, dass die erste Hälfte von „Der Schatzplanet“ noch ein wenig stärker ist als die zweite, die zu sehr auf Effekte und eine Auflösung der Geschichte setzt. Da mochte ich die Charakterszenen auf dem Schiff doch lieber, wenngleich diese Struktur natürlich durch die Vorlage bedingt ist.

Wer Disney-Animationsfilme mag und aufgrund diverser Vorurteile bisher einen großen Bogen um „Treasure Planet“ gemacht hat, der sollte diese spätestens jetzt schleunigst über Bord werfen und auf der R.L.S. Legacy anheuern. Für mich 90 Minuten perfekte Unterhaltung – und neben „Titan A.E.“ der zweite große Sci-Fi-Animationsfilm, den ich immer wieder gerne sehe: 9/10 Punkte.

Trance: Gefährliche Erinnerung (2013)

Nach Wulfs euphorischer Besprechung im Medienjournal, wollte ich „Trance: Gefährliche Erinnerung“ unbedingt baldmöglichst nachholen; dass es letztendlich so schnell gehen würde, hätte ich allerdings auch nicht gedacht. Die Erwartungen waren ziemlich hoch, auch wenn ich – für einen Film von Danny Boyle in den letzten Jahren eher ungewöhnlich – im Vorfeld eher wenig über den Film gehört hatte. Für die Sichtung eines Mystery-Thrillers vielleicht auch nicht die schlechtesten Voraussetzungen…

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Auch wenn „Trance“ äußerst hochwertig aussieht, so wirkt er jedoch wie ein kleineres Projekt Danny Boyles. Kein Opus magnum, kein zweiter „Slumdog Millionaire“, sondern einmal wieder ein gänzlich anderes Genre als seine bisherigen Filme: ein Mystery-Thriller mit starken Neo-noir anleihen. Der Film hätte sich wahrlich in jede nur erdenkliche Richtung entwickeln können, doch schon bald wird klar, dass das Element der Hypnose und die damit verbundene unzuverlässige Erzählung im Vordergrund steht. Als geneigter Genrefreund begann ich somit nach spätestens 15 Minuten mir alle möglichen Szenarien auszumalen: Sollte es sich bei den Gangsterkumpanen nur um verschiedene Aspekte einer einzelnen Persönlichkeit handeln? Befindet sich die Hauptfigur (toll gespielt von James McAvoy) von Beginn an in Hypnose? Die endgültige Auflösung hatte ich im Vorfeld allerdings nur in Teilaspekten erraten.

Die Inszenierung des Films ist unglaublich treibend. Weniger Neo-noir als Neon-noir. Einstellungen, Farben und Score bilden einen Neon-Alptraum, der nicht nur James McAvoys Figure in den Wahnsinn treibt. Am auffälligsten war wohl, dass man in nahezu jeder Einstellung die einzelnen Charaktere über Spiegel oder durch Glasflächen betrachtet. Ein starkes Stilmittel, das die traumhafte Atmosphäre unterstreicht. Trotz seiner verspielten Bildsprache wirkt „Trance“ unglaublich leicht und ohne Anstrengung inszeniert. Leider lässt sich dies nicht zu 100% auf die Handlung des Films übertragen.

So gerne ich filmische Mysterien mag, so schnell nutzen sich überkonstruierte Geschichten doch leider ab. Auch „Trance“ verliert sich irgendwann in seinen aufgeworfenen Mysterien, die zwar nicht sonderlich komplex sind, denen die Charaktere doch eindeutig untergeordnet werden. Somit glaube ich nicht, dass „Trance“ mich bei einer Zweitsichtung noch ebenso bei der Stange halten würde. Diese einmalige Sichtung hat mir jedoch enorm viel Spaß bereitet, was u.a. auch an Rosario Dawsons Darstellung der genretypischen Femme fatale liegt. Nicht nur für Fans des Ausnahmeregisseurs durchaus empfehlenswert: 7/10 Punkte.

The Descent 2: Die Jagd geht weiter (2009)

Ein anstrengender, aber vergnüglicher Tag im Schwimmbad, die Kinder endlich im Bett, die Frau unterwegs – folglich die Chance endlich einmal wieder einen Horrorfilm zu sehen. Die Wahl fiel letztendlich auf „The Descent 2“, der schon seit geraumer Zeit auf meiner Liste stand. Ob ich ich die Sichtung ohne Nervenzusammenbruch durchgestanden habe, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Neil Marshalls Vorgänger „The Descent“ zählt nach wie vor zu meinen Lieblingsfilmen des Genres. Das damalige Kinoerlebnis steckt mir heute noch in den Knochen – und das meine ich genauso, wie ich es schreibe. Der 2009er Nachfolger ignoriert das europäische Ende und greift die US-Schnittfassung auf, was Fans des Film schon einmal übel aufstoßen dürfte. Ich jedoch habe damit meinen Frieden gemacht und sehe das Sequel eher als alternative Fortführung der Geschichte, was in diesem Genre meiner Meinung nach ohnehin der einzig gangbare Weg ist, sich nicht den Spaß an so manchem Film verderben zu lassen. So oder so war ich gespannt auf die Handlung – und ob mich die Rückkehr in die Höhle genauso traumatisieren würde, wie mein erster Besuch.

Wie zu erwarten, bekommt man ein typisches Sequel zu sehen: mehr vom bereits Bekannten, mehr unmotiviertes Blut und weit weniger Handlung. Rein atmosphärisch kann „The Descent 2“ nahtlos an seinen Vorgänger anschließen, auch wenn die Höhle ein wenig zu perfekt ausgeleuchtet ist, das Blut ein wenig zu rot spritzt und die Gruppendynamik dieses Mal nicht so recht funktionieren will. Wer bitte schickt denn eine Gruppe unerfahrener Armleuchter (inlusive traumatisiertem Opfer) in ein unerforschtes Höhlensystem? Natürlich wird unsere bunte Truppe demenstsprechend schnell dezimiert (besonders die Männer müssen zeitig dran glauben), so dass sich am Ende wieder eine reine Frauengruppe mehr oder weniger erfolgreich gegen die Crawler zur Wehr setzen darf. Weniger Klaustrophobie als beim Erstling, dafür mehr Gemetzel – wer hätte es gedacht?

Glücklicherweise wirkt der Film formal nicht viel billiger als der Vorgänger. Inhaltlich ist das eine andere Geschichte und man hat schon teils das Gefühl ein Remake zu sehen. Immerhin werden die vorangegangenen Geschehnisse direkt aufgegriffen, was zu einigen interessanten Überraschungen führt. Das endgültige Finale wirkte auf mich ein wenig aufgesetzt und war nur einfach nur fies, wenn auch leider ohne jeglichen Sinn dahinter. Irgendwie schade, da der Film gar keine solch platte zweite Ebene nötig gehabt hätte. Freunde des ersten Teils sollten lieber noch einmal diesen schauen, doch wer Lust auf noch mehr Höhlenhorror hat, der kann ruhig einmal einen Blick riskieren – gepackt hatte mich das Setting auch beim zweiten Mal: 5/10 Punkte.

Cloverfield (2008) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Cloverfield“ am 12. September 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Auch wenn mich Gareth Edwards „Godzilla“-Verfilmung nicht 100%-ig überzeugen konnte, so hat sie mir doch enorm Lust auf weitere Monsterfilme gemacht. Was war also naheliegender als mit „Cloverfield“ erneut der Zerstörung einer Metropole durch ein gigantisches Monster beizuwohnen? Spoiler sind zu erwarten.

Cloverfield (2008) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Cloverfield (2008) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Im Gegensatz zu meiner ersten Sichtung von „Cloverfield“ hatte ich dieses Mal tatsächlich realistische Erwartungen, die nicht durch eine großartig effektive Marketingkampagne in den Himmel geschraubt wurden. So wusste ich bereits im Vorfeld, dass der Film, um den im Vorfeld solch ein Hype geschürt wurde, letztendlich ein simpler Monsterfilm ist. Viel bessere Voraussetzungen also, als noch bei der Erstsichtung vor sechs Jahren. Ebenso spielt die Übersättigung an Found-Footage-Filmen – eine Genrebezeichnung, die es damals noch nicht gab – dem Film in die Hände. Man kennt die Mechanismen und weiß die J. J. Abrams-Produktion heute als ikonischen Wegbereiter zu schätzen.

Bei der heutigen Sichtung hat mich die Handkamera seltsamerweise überhaupt nicht gestört. Ich mochte die beinahe 20-minütige Introsequenz sowie die folgende Non-Stop-Action. Wenn man darauf achtet, ist es auch interessant zu sehen, wie minutiös Regisseur Matt Reeves („Let Me In“) den so spontan wirkenden Film durchinszeniert hat. Schon alleine die unzähligen anderen Schaulustigen, die das Geschehen filmen, fotografieren usw. verleihen dem Setting Glaubwürdigkeit, wenngleich man sich als Zuschauer natürlich auch auf die typische Found-Footage-Dauerfilmerei einlassen muss. Für mich ist dies allerdings ein ähnlich fester Bestandteil des Genres, wie z.B. der unverwundbare Held in Actionfilmen.

Fazit

Grandios fand ich erneut das Monster sowie die Mittendrin-Atmosphäre. Gerade in diesem Setting, das man bereits unzählige Male aus der Vogelperskeptive verfolgt hat, ist solch ein intimer Blick tatsächlich ein aufregender Twist. Einzig das Finale fand ich zu vorhersehbar und generisch. Vielleicht aber auch gerade deshalb passend, da der Film bereits zuvor plötzlich von lockeren Sprüchen zu panischer Ausweglosigkeit schwenkt. Insgesamt hat mir „Cloverfield“ noch einmal deutlich mehr Spaß gemacht, als bei der Erstsichtung. Auch wenn der Film nicht perfekt ist, sollten Monsterfilmfreunde unbedingt einmal reinschauen: 8/10 Punkte.

Godzilla (2014)

Aktualisierung: Ich habe „Godzilla“ am 24. April 2021 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Der Mai ist noch nicht einmal vorbei – und schon habe ich es zum ersten Mal in diesem Jahr ins Kino geschafft. Unglaublich! Mit der Neuinterpretation von „Godzilla“ fiel die Wahl auf einen Film, für den sich Kino auch richtig lohnt. Mit Dolby Atmos und 3D wurde folglich auch genug Schnick-Schnack geboten, um den Preis von 12 Euro(!) zu, ähm, rechtfertigen. Die Kritiken, die ich im Vorfeld überfolgen hatten, ließen entweder den Film des Jahrhunderts oder die größte Gurke aller Zeite erwarten – die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo dazwischen… Spoiler sind zu erwarten.

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Auch wenn ich zu Godzilla als Filmmonster keine besonders tiefe Beziehung habe, so erinnere ich mich doch noch gut an regnerische Sonntagnachmittage, an denen ich mich von den japanischen Originalfilmen habe berieseln lassen. An die Handlung der Filme kann ich mich nicht mehr erinnern, doch hatte ich Spaß an den Monstern und Effekten – zumindest bis ich 1993 „Jurassic Park“ im Kino sah. Auch mit Godzilla sollte ich 5 Jahre später noch eine Begegnung auf der großen Leinwand haben: Nachdem mich Roland Emmerichs „Independence Day“ 1996 in einen Actionrausch versetzte, ließ ich es mir natürlich nicht nehmen 1998 auch seine stark amerikanisierte Interpretation von „Godzilla“ zu sehen. Auch wenn der Film viel Kritik einstecken musste, so hatte ich doch Spaß mit der großen, albernen Monsterhatz. Gut 16 Jahre später wählt Gareth Edwards einen gänzlich anderen Ansatz, der das Düsterkino moderner Blockbuster, wie z.B. „The Dark Knight“, mit dem Setting und den Themen der klassischen „Godzilla“-Filme kombiniert.

Man merkt dem Film an, dass Edwards seine Vorbilder genau studiert hat. Der eröffnende Helikopterflug erinnert unweigerlich an Steven Spielbergs „Jurassic Park“ und lässt in Gedanken John Williams eingängigen Score erklingen. Welch Freude! Auch die Ankuft der Wissenschaftler an der Ausgrabungsstätte weckt diese Assoziation – herrlich altmodisch erzählt und auf Ereignisse anspielend, die ihren Schatten vorauswerfen. Auch der familienlastige Teil der Geschichte weiß anfangs zu gefallen: Bryan Cranston (Walter White, „Breaking Bad“) als Nuklearwissenschaftler, der seine Frau bei einem Unfall verliert und daraufhin manisch nach den Gründen für das Unglück sucht. Da hätte man wirklich etwas draus machen können. Leider lässt man mit ihm einen der wenigen interessanten Charaktere des Films viel zu früh (und ohne Grund oder emotionale Wirkung) sterben und verlagert den Fokus vollkommen auf seinen Sohn; dargestellt von Aaron Taylor-Johnson (Kick-Ass, „Kick-Ass“), der mit leerem Blick unter seinen Muskelbergen leider immer ein wenig dümmlich wirkt. Da ich leider nur die synchronisierte Fassung gesehen habe, mag ich aber auch nicht zu harrsch mit der Schauspielleistung ins Gericht gehen. Toll war es jedoch nicht.

Nach dem schönen Prolog ist der restliche Handlungsaufbau leider ein wenig schleppend. Auch der zweite große Handlungsstrang, der die Wissenschaftler um Ken Watanabe (in seiner Rolle leider völlig verschenkt) verfolgt, bleibt seltsam ereignislos, erinnert dabei aber stark an die Originalfilme um die Riesenechse. Ich hätte gerne mehr abenteuerliche und unterhaltsame Set Pieces gesehen, die der Film durchaus zu bieten hat (z.B. die Szenen auf der Eisenbahnbrücke), welche jedoch hinter etlichen bemüht wirkenden Dialogszenen hintenanstehen. Und jetzt komm mir keiner mit „Der weiße Hai“, „Jurassic Park“ oder ähnlichen Vergleichen, denn Spielberg spielte damals in einer ganz anderen Liga. Wenn es allerdings zur Sache geht, dann zieht Edwards wirklich alle Register und schafft unglaublich atmosphärische Bilder, die großartig komponiert sind. Die Action bleibt stets überschaubar und die Monster sind beeindruckend in Szene gesetzt. Ein audiovisueller Hochgenuss.

Insgesamt ist die 2014er Neuauflage von „Godzilla“ somit ein inhaltlich relativ flacher Actionfilm, der gerne mehr sein würde als er eigentlich ist. Wenn man über das schwache Drehbuch hinwegsehen kann und auch nicht mehr Anspruch erwartet, als bei den alten „Godzilla“-Filmen, dann sollte man sich zurücklehnen und ein mit ca. 2 Stunden Laufzeit etwas zu lang geratenes Bombastkinoerlebnis genießen. Auch wenn mir Guillermo del Toros vergleichbarer Kaiju-Klopper „Pacific Rim“ noch einmal deutlich besser gefallen hat, so haben sich mir manche Bilder des gestrigen Kinobesuchs doch eingebrannt. Kein Überflieger, aber für Monsterfreunde wirklich gute Unterhaltung: 7/10 Punkte.

Stichtag – OT: Due Date (2010)

Freitagabend, Zeit für einen Film. Dabei würde es unendlich viele andere Dinge zu erledigen geben. Hausplanungen vertiefen, Studienarbeiten bewerten. Solche Sachen eben. Aber da die letzte Filmsichtung schon wieder zwei Wochen zurückliegt, habe ich die Todd-Phillips-Komödie „Stichtag“ aus dem Regal gezogen. Übrigens verfasse ich mit dieser Besprechung erstmals einen Eintrag auf meinem neuen 23-Zoll-Monitor und alles sieht sehr anders aus, deshalb bitte nicht wundern, sollte die Kritik a) viel ausführlicher oder b) viel knapper ausfallen als sonst…

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Ich muss ja zugeben, dass ich Todd Phillips „Hangover“-Trilogie ziemlich gelungen finde (selbst dem dritten Teil konnte ich noch etwas abgewinnen). Auch Zach Galifianakis sehe ich ich spätestens seit der TV-Serie „Bored to Death“ sehr gerne und finde ihn, selbst in repetitiv angelegten Rollen, stets lustig. Da bin ich sehr einfach gestrickt. Insofern gute Voraussetzungen für „Stichtag“, in dem Galifianakis an der Seite von Robert Downey Jr. auf einen Roadtrip durch die USA geschickt wird. Eine simple Prämisse, unter 100 Minuten Laufzeit und starke Schauspieler. Was soll da bei einer Komödie noch schief gehen?

Die Kritiken zu „Stichtag“ waren nicht sonderlich positiv, weshalb meine Erwartungen nicht besonders hoch waren. Letztendlich hat dies auch ziemlich perfekt zum Film gepasst, der tatsächlich nicht überragend ist. Ich musste ein paar Mal laut lachen, habe die tollen Landschaftsbilder genossen und ansonsten eine mehr oder minder mittelmäßige Komödie gesehen. Ganz nett, aber eben auch nicht mehr. Downey Jr. und Galifianakis harmonieren recht gut, es gibt ein paar schöne Gastauftritte, doch letztendlich ist der Film kurz nach dessen Ende auch schon wieder vergessen. Zum einmal Schauen durchaus geeignet, doch beim nächsten Filmabend lieber noch einmal „Hangover“ einlegen: 6/10 Punkte.