The Illusionist (2006)

Nachdem ich gestern Abend noch spontan laufen war, hätte ich danach eigentlich sofort ins Bett gehen können. Doch es war ja Freitag und der letzte Film lag auch schon wieder zwei Wochen zurück – somit haben wir, als dann die Kinder verräumt waren, gegen 20:30 Uhr „The Illusionist“ in den Player geschoben. Um 21:30 Uhr konnten wir dann auch tatsächlich damit beginnen, hatte uns zuvor ein stark verschnupfter Zwergofant noch davon abgehalten. Ob sich das lange Aufbleiben gelohnt hat?

the_illusionist_2006

Auch wenn er im zugehörigen Plauschangriff nicht behandelt wurde, so ist „The Illusionist“ doch ein klassische Stief-Zwilling zu Christopher Nolans „The Prestige“ – beide Filme sind 2006 erschienen und haben Illusionisten zum Thema. Neil Burgers („Ohne Limit“) Film blieb damals jedoch die große Kinoauswertung verwehrt, was nichts bedeuten muss, aber dennoch eine erster Hinweis auf die Qualität des Films sein könnte. Zunächst einmal besticht die Atmosphäre der gezeigten Bilder: Jede einzelne Einstellung wirkt wie schwerer Samt und könnte der Stummfilm- bzw. frühen Tonfilmära entsprungen sein. Eine extreme Vignettierung und starke Sepiatöne dominieren den visuellen Eindruck, was perfekt zum Inhalt des Films passt. Dieser ist leider bedeutend schwächer als die beeindruckende Inszenierung.

Schon die ausgewalzte, aber nett anzusehende Rückblende (einmal mehr ist der zurzeit omnipräsente Aaron Taylor-Johnson als junger Illusionist zu sehen) innerhalb der ersten 10 Minuten lässt aufmerksame Zuschauer erahnen, worauf am Ende alles hinausläuft. Und so kam es dann auch. Ich war wirklich erschrocken, wie formelhaft und vorhersehbar Neil Burger seinen Twist konstruiert – ganz besonders im Vergleich zum ungleich raffinierter erzählten Stief-Zwilling „The Prestige“. Als am Ende dann der großartige Paul Giamatti seine Erkenntnis hat und diese auch noch so inszeniert wird, dass selbst der dümmste Zuschauer jedes Detail versteht, grenzt das schon an Satire.

Neben der für das Genre erschreckend vorhersehbaren Handlung, hat mich der Rest des Films durchaus unterhalten. Edward Norton gibt einen glaubwürdigen Illusionisten und Jessica Biel ist zumindest nett anzusehen. Die Liebes- und Dialogszenen zwischen den beiden wirken dagegen ungemein hölzern, was leider die inhaltlichen Schwächen betont. Somit bleibt am Ende ein wirklich schön anzusehender Budenzauber, der leider viel zu wenig aus seiner Grundidee macht und sich seinem Stief-Zwilling in jeder Hinsicht geschlagen geben muss: 6/10 Punkte.

17 Gedanken zu “The Illusionist (2006)

    • Das mag sein. Den Animationsfilm kenne ich jedoch (noch) nicht. An sich mag ich ja das Thema gerne, doch wie du schon sagst: Diesen Film werde ich wohl schnell wieder vergessen haben. Dann lieber noch einmal „The Prestige“ einlegen…

      Gefällt mir

      • Ja, mir fällt auch immer nur Texas Chainsaw Massacre ein (natürlich die Neuverfilmung). Aber ich glaub, die hat noch in anderen Filmen dieser Sorte als Opfer gedient. 😉

        Gefällt mir

      • Stimmt, da war sie ja die Scream-Queen. Schon wieder ganz vergessen, aber der Film war ja ohnehin nicht so prall bzw. mindestens genauso vergessenswert wie dieser hier…

        Gefällt mir

  1. „The Prestige“ ist besser, keine Frage. Aber es tat mir immer sehr Leid, dass sich der Illusionist damit messen musste. Ich fand den nämlich auch ziemlich toll. Der Erscheinungstermin war einfach wirklich schlecht gewählt. In einem anderen Jahr wäre es sicher ein größerer Erfolg geworden behaupte ich mal.

    Gefällt mir

    • Das stimmt natürlich. Der schlechtere bzw. unbekanntere Stief-Zwilling hat es wohl meist schwer, wenngleich er auch von der Publicity profitieren kann. Ich fand ja „The Illusionist“ auch keinesfalls schlecht, aber eben für das Genre viel zu vorhersehbar. Inhaltlich wäre da noch weit mehr möglich gewesen, dafür fand ich die Inszenierung wirklich sehr gelungen!

      Gefällt mir

  2. Ein großartiger Film. Für mich besser als Prestige. Da stehe ich zwar alleine da, aber ist halt so. Prestige konnte ich mir nur 1 oder 2 mal ansehen. The Illusionist hingegen lege ich immer mal wieder gerne ein. Da ist die Luft irgendwie nicht so schnell raus.

    Gefällt mir

    • Hmm, dazu kann ich (noch) nichts sagen, da ich beide Filme erst jeweils einmal gesehen habe. Allerdings hat mich die Handlung von „The Illusionist“ bereits beim ersten Mal fast schon gelangweilt, dass im Endeffekt nur die schönen Bilder geblieben sind. „The Prestige“ habe ich da als wesentlich ergiebiger in Erinnerung was Geschichte und Charaktere angeht.

      Gefällt mir

  3. Oh – das war eine meiner größeren Filmenttäuschungen, weswegen ich auch sehr gespannt auf deine Wertung war. Und ich stelle fest … wir sehen das ähnlich. Ich empfand den Film als dermaßen langweilig, das ging gar nicht.

    Gefällt mir

    • So furchtbar langweilig fand ich ihn gar nicht, aber eben so schrecklich vorhersehbar und uninspiriert was die Handlung angeht. Da war das Gleichgewicht zur Inszenierung irgendwie nicht gegeben.

      Gefällt mir

  4. Jap, kann ich voll und ganz mit dir übereinstimmen. Hatte mich eigentlich auf den Film gefreut, als ich erfahren habe, dass Edward Norton darin mitspielt, aber für mich war’s auch eher ein Sonntagsfilm, der für’s Einmal-Sehen völlig ausreicht.

    Gefällt mir

  5. Pingback: Die Unfassbaren: Now You See Me – OT: Now You See Me – Extended Edition (2013) | Tonight is gonna be a large one.

Deine Meinung? (Indem du die Kommentarfunktion nutzt, erklärst du dich mit der Verarbeitung deiner angegebenen Daten durch Automattic, Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden.)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.