Trance: Gefährliche Erinnerung (2013)

Nach Wulfs euphorischer Besprechung im Medienjournal, wollte ich „Trance: Gefährliche Erinnerung“ unbedingt baldmöglichst nachholen; dass es letztendlich so schnell gehen würde, hätte ich allerdings auch nicht gedacht. Die Erwartungen waren ziemlich hoch, auch wenn ich – für einen Film von Danny Boyle in den letzten Jahren eher ungewöhnlich – im Vorfeld eher wenig über den Film gehört hatte. Für die Sichtung eines Mystery-Thrillers vielleicht auch nicht die schlechtesten Voraussetzungen…

trance_2013

Auch wenn „Trance“ äußerst hochwertig aussieht, so wirkt er jedoch wie ein kleineres Projekt Danny Boyles. Kein Opus magnum, kein zweiter „Slumdog Millionaire“, sondern einmal wieder ein gänzlich anderes Genre als seine bisherigen Filme: ein Mystery-Thriller mit starken Neo-noir anleihen. Der Film hätte sich wahrlich in jede nur erdenkliche Richtung entwickeln können, doch schon bald wird klar, dass das Element der Hypnose und die damit verbundene unzuverlässige Erzählung im Vordergrund steht. Als geneigter Genrefreund begann ich somit nach spätestens 15 Minuten mir alle möglichen Szenarien auszumalen: Sollte es sich bei den Gangsterkumpanen nur um verschiedene Aspekte einer einzelnen Persönlichkeit handeln? Befindet sich die Hauptfigur (toll gespielt von James McAvoy) von Beginn an in Hypnose? Die endgültige Auflösung hatte ich im Vorfeld allerdings nur in Teilaspekten erraten.

Die Inszenierung des Films ist unglaublich treibend. Weniger Neo-noir als Neon-noir. Einstellungen, Farben und Score bilden einen Neon-Alptraum, der nicht nur James McAvoys Figure in den Wahnsinn treibt. Am auffälligsten war wohl, dass man in nahezu jeder Einstellung die einzelnen Charaktere über Spiegel oder durch Glasflächen betrachtet. Ein starkes Stilmittel, das die traumhafte Atmosphäre unterstreicht. Trotz seiner verspielten Bildsprache wirkt „Trance“ unglaublich leicht und ohne Anstrengung inszeniert. Leider lässt sich dies nicht zu 100% auf die Handlung des Films übertragen.

So gerne ich filmische Mysterien mag, so schnell nutzen sich überkonstruierte Geschichten doch leider ab. Auch „Trance“ verliert sich irgendwann in seinen aufgeworfenen Mysterien, die zwar nicht sonderlich komplex sind, denen die Charaktere doch eindeutig untergeordnet werden. Somit glaube ich nicht, dass „Trance“ mich bei einer Zweitsichtung noch ebenso bei der Stange halten würde. Diese einmalige Sichtung hat mir jedoch enorm viel Spaß bereitet, was u.a. auch an Rosario Dawsons Darstellung der genretypischen Femme fatale liegt. Nicht nur für Fans des Ausnahmeregisseurs durchaus empfehlenswert: 7/10 Punkte.

6 Gedanken zu “Trance: Gefährliche Erinnerung (2013)

    • Zu sehr unterscheidet sich unsere Sicht auf den Film (Rosario Dawson einmal ausgenommen) dann auch wieder nicht. Vielleicht habe ich die Schwerpunkte in meiner Besprechung anders gesetzt, doch gehe ich d’accord, dass Bilder und Inszenierung weit über der Geschichte liegen.

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  1. Pingback: Media Monday #154 | Tonight is gonna be a large one.

  2. Mir fehlte bei dem Film vor allem Originalität. Der Film ist schön inszeniert, die Schauspieler sind gut, aber letztlich ist die Handlung dünn und es wird vor allem eine Idee beständig variiert. Außerdem glaube ich, dass bei der zweiten Sichtung die vielen Lücken insbesondere am Ende schmerzlich auffallen dürften, da das Tempo einen nicht mehr so mitreißt. Aber unterhalten hat er mich.

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    • Ich würde auch sagen der Film wirkt, oberflächlich betrachtet, origineller als er eigentlich ist. Dies hat für mich bei dieser ersten Sichtung ziemlich gut funktioniert, jedoch glaube ich auch, dass er einer zweiten Sichtung nicht standhalten würde. Somit werde ich es wohl auch dabei belassen… 🙂

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  3. Pingback: Review: Trance - Gefährliche Erinnerung (Film) | Medienjournal

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