Monsters (2010)

Nach einer der bisher anstrengendsten Wochen des Jahres, wollte ich dennoch nicht auf den Film am Freitagabend verzichten. Vermutlich ein Fehler, denn ich konnte schon zu Beginn von „Monsters“ kaum noch die Augen offen halten. Ob dieser Umstand dem Film geschadet hat, oder die Müdigkeit noch von ihm verstärkt wurde, lest ihr in der folgenden Besprechung…

monsters_2010

Obwohl ich Monsterfilme liebe, so war es nicht dieser Aspekt, der mich an Gareth Edwards Kinodebüt gereizt hat. Es ist vor allem die Entstehungsgeschichte, die bemerkenswert ist: In Personalunion hat Edwards den Film geschrieben, gedreht und die Postproduktion inklusive VFX durchgeführt. Die gesamte Filmcrew lässt sich an einer Hand abzählen und es gibt nur zwei Schauspieler, der Rest wurde spontan mit Laiendarstellern besetzt. Das Ergebnis ist für diese Rahmenbedingungen unglaublich beeindruckend – „Monsters“ wirkt zu keiner Sekunde billig, schlecht gespielt oder amateurhaft. Kein Wunder, dass Edwards kurze Zeit später die Neuverfilmung von „Godzilla“ angeboten wurde.

Abgesehen von seiner Entstehungsgeschichte präsentiert der Film ein interessantes Sci-Fi-Setting, das den Rahmen für ein erstaunlich intimes Roadmovie bildet. Die titelgebenden Monster sind zwar stets präsent, sorgen aber eher für Atmosphäre als für großartige Actionszenen. Ich mochte die langsame und charakterzentrierte Erzählweise, wenngleich der Aufbau der Geschichte – besonders zu Beginn – durchaus ein wenig holprig war. Die wirklich harmonisch spielenden Hauptdarsteller (übrigens im echten Leben verheiratet) machen allerdings glücklicherweise wieder einiges wett.

Die Bewertung des Films fällt mir nun tatsächlich ein wenig schwer. Einerseits müsste ich vor dem Hintergrund der unglaublichen Produktionsbedingungen mindestens die volle Punktzahl vergeben, allerdings hatte der Film doch einige strukturelle Schwächen. Zudem war ich unglaublich müde, so dass ich „Monsters“ nicht so genießen konnte, wie es der Film wohl verdient gehabt hätte. Den inhaltlich (Sci-Fi-Allegorie auf aktuelle soziopolitische Gegebenheiten) und interessanterweise auch aufgrund seiner Entstehungsgeschichte verwandten „District 9“ des Südafrikaners Neill Blomkamp fand ich insgesamt zwar überzeugender, aber nicht unbedingt sympathischer. Grund genug für eine weitere Sichtung: 7/10 Punkte.

Guardians of the Galaxy (2014)

Aktualisierung: Ich habe „Guardians of the Galaxy“ am 20. Februar 2016 und am 18. Mai 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nur ein gutes Vierteljahr ist seit meinem letzten Kinobesuch vergangen, kaum zu glauben! Mit „Guardians of the Galaxy“ stand erneut ein Blockbuster auf dem Programm, der entsprechend zelebriert werden wollte, sprich mit 3D und IMAX. Leider jedoch gab es keine Vorstellung im englischen Originalton, was ich bei diesem Film besonders schade fand. Ob er mich trotz Synchro überzeugen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Guardians of the Galaxy (2014) | © Walt Disney

Guardians of the Galaxy (2014) | © Walt Disney

Zunächst einmal hatte mich der Prolog fast ein wenig aus der Bahn geworfen – wer hätte gedacht, dass mich der Film bereits in den ersten Minuten emotional so packen kann? Ist vielleicht auch ein Elternding, doch damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Dieser Schock war jedoch schnell wieder vergessen, denn bereits die Eröffnungstitel sind so wunderbar unterhaltsam inszeniert, dass es eine wahre Freude ist! Man lernt Hauptcharakter Peter ‚Starlord‘ Quill kennen, indem wir ihn (mit 60er/70er Jahre Sound im Ohr) über einen lebensfeindlichen Alien-Planeten tanzen sehen. Großartig! Auch die restlichen Guardians werden zeitnah eingeführt, was glücklicherweise völlig organisch geschieht während die Geschichte fortschreitet – Charaktere, Action, Dialoge und Humor bilden dabei eine Einheit, die untrennbar miteinander verbunden ist.

Der Film lebt vom Zusammenspiel der Charaktere. Wie bereits Marvels „The Avengers“ überzeugt auch „Guardians of the Galaxy“ hauptsächlich als Ensemblefilm, wofür Regisseur James Gunn mindestens ein ebenso geschicktes Händchen beweist wie Joss Whedon. Auch wenn ich ab und zu über die Synchro gestolpert bin, so sind die Dialoge doch frisch und pfeilschnell – ich freue mich jetzt schon unbandig auf die Sichtung im englischen Originalton! Die Schauspieler tragen ihren Teil zur gelungenen Chemie bei, allen voran der sympathische Chris Pratt (Andy Dwyer, „Parks and Recreation“), der es schafft dem draufgängerisch auftretenden Starlord auch die nötige emotionale Tiefe zu verleihen. Dies gilt übrigens für alle Figuren: selbst Rocket, Groot und Drax können als echte Charaktere überzeugen. Freunde von James Gunn werden übrigens einige Schauspieler aus seinen vorherigen Werken (u.a. „Slither“) entdecken.

Fazit

Der Film besitzt eine nahezu perfekte Balance in all seinen Versatzstücken. Man muss sich schon fast wundern, wie es sein kann mit einem Film, in dem ein sprechender Waschbär und ein laufender Baum tragende Figuren sind, solch einen großen Erfolg zu haben – zumal die meisten Zuschauer die Comicvorlage wohl nicht kennen dürften. Auch die stets präsenten 80er Jahre Anspielungen sind perfekt platziert – und ich bin mir sicher, dass wir als Kinder der 80er auch die eigentliche Zielgruppe von „Guardians of the Galaxy“ sind. Zumindest dürften wir am meisten Spaß mit dem Film haben. Und was für einen Spaß ich hatte! Schon lange war ich nicht mehr so überrascht, als der Film (übrigens mit einem grandiosen Finale) zu Ende ging. Das sollen 120 Minuten gewesen sein? Die wohl unterhaltsamsten 120 Minuten, die man zurzeit mit einem Film verbringen kann. Für mich der bisher gelungenste Marvel-Film. Unbedingt anschauen: 9/10 Punkte.

Olympus Has Fallen (2013)

Vermutlich hätte ich das mit dem Filmschauen heute lieber lassen sollen: Die ganze Familie war noch geschlaucht von der gestrigen Geburtstagsfeier und dank eines Handwerkertermins in aller Frühe mussten wir bereits nach nur wenigen Stunden Schlaf wieder aus den Federn. Dennoch schob ich abends mutig „Olympus Has Fallen“ in den Player, den Stief-Zwilling zu Roland Emmerichs ebenfalls 2013 erschienenen „White House Down“. Welcher Film sich letztendlich besser schlägt, wird sich vermutlich in den nächsten Tagen herausstellen…

olympus_has_fallen_1

Wie bereits erwähnt war ich ziemlich müde und musste während der Sichtung teils schwer mit dem Schlaf kämpfen. Dies sind nie die besten Voraussetzungen für einen Film, doch glaube ich seine negativen und positiven Aspekte dennoch recht gut wiedergeben zu können. Zunächst einmal liebe ich das Setting: Seit „The West Wing“ sehe ich gerne alles was in und um fiktive Weiße Häuser geschieht – und sei es nur um danach festzustellen, dass niemand Präsident Jed Bartlet das Wasser reichen kann. Die gebotene Prämisse („Stirb langsam“ im Weißen Haus) verprach zudem einen äußerst unterhaltsamen Actionfilm, der die ernstere Variante der beiden Stief-Zwillinge darstellen sollte.

Bereits der Prolog trieft nur so vor Nationalgefühl und Foreshadowing auf die Ereignisse, die da noch kommen werden. Auch wenn ich übermäßigen US-Patriotismus in Filmen durchaus zwiespältig sehe, so fand ich die Kritik daran in diesem Film doch maßlos übertrieben. Speziell die erste halbe Stunde stellt sowohl Secret Service als auch alle anderen sicherheitsrelevanten Gruppen in Washington, D.C. als unfähige Trottel da. Kein Grund darauf stolz zu sein. Dennoch ist der Angriff auf das Weiße Haus bombastisch inszeniert und bildet gleichzeitig die beste Actionsequenz des Films. Der darauf folgende „Die Hard“-Verschnitt macht ebenfalls Spaß, doch sobald schwerere Geschütze ins Spiel kommen, zerstört der Film viel von seinen Pluspukten durch billigste CGI-Effekte und absolut dämliche Handlungselemente (u.a. ein plötzlich auftauchender Waffen-Prototyp oder ein globaler Zugangscode, um auf einen Schlag alle Atomwaffen der USA zu sprengen).

Ich hatte mir von dem Film wirklich einiges erwartet, wurde letztendlich jedoch ein wenig enttäuscht. Gerald Butler ist nur ein leidlich engagierter Bruce Willis-Ersatz, viele Szenen sind viel zu comichaft für den doch eher ernsten Ton des Films, und das Finale kann mit den eröffnenden Actionszenen in keinster Weise mithalten. Ich hatte zwar meinen Spaß mit „Olympus Has Fallen“, doch würde ich mein Geld inzwischen auf Roland Emmerichs Variante des Themas setzen – mal sehen, ob ich damit richtig liege: 6/10 Punkte.

Death Race (2008)

Nachdem ich mich gestern kaum bewegen konnte und abends auch keinen Film durchgehalten hätte, wollte ich es heute zumindest versuchen. Eine bequeme Sitzposition zu finden war nicht einfach, so dass ich froh war mit dem Action-Remake „Death Race“ nicht auch noch einer komplizierten Filmhandlung folgen zu müssen. Spaß hatte ich dennoch. So irgendwie.

death_race_2

Das Remake des von Roger Corman produzierten „Death Race 2000“ (bzw. „Frankensteins Todesrennen“ in der deutschen Fassung) stammt aus der Feder von Paul W. S. Anderson, was geneigte Kinogänger schon einmal abschrecken könnte. Anderson ist hauptsächlich bekannt für seine weichgespülten Adaptionen der „Resident Evil“-Reihe – 1997 hatte er aber auch den atmosphärisch dichten Sci-Fi-Horror „Event Horizon“ in Szene gesetzt. Von „Death Race“ erwartete ich mir nun nicht viel, erhoffte mir aber zumindest geradlinige Action-Unterhaltung.

Im Vergleich zum mir unbekannten Original empfinde ich es schon als Fehler, dass das Transkontinentale Straßenrennen räumlich auf einen Rundkurs begrenzt wurde. Somit atmet der Film weniger die Atmosphäre von „Mad Max“ bzw. „The Road Warrior“ als von Super Mario Kart. Dies ist zwar irgendwie auch witzig, doch letztendlich gleichen sich Schauplätze und Actionszenen doch zu sehr – bei einem Film, der so gut wie keine nennenswerte Handlung aufweist, ist dies leider kein gutes Zeichen.

Letztendlich hat mich „Death Race“ über seine gut 100 Minuten tatsächlich recht brauchbar unterhalten. Jason Statham passt in die Rolle des Einzelkämpfers, die Action ist gefällig inszeniert und eine gewisse Härte bietet der Film auch. Leider wirkt das alles (inklusive Geschichte samt deren Auflösung) so dermaßen glatt, dass die Härte nur umso aufgesetzter wirkt. Das alles ist ja irgendwie nett anzusehen, doch kann ich mich schon jetzt an keinen einzelnen Charakter mehr erinnern und morgen werde ich den Rest auch vergessen haben – und nein, das liegt nicht an den Schmerzmitteln: 5/10 Punkte.

The Raid: Redemption – OT: Serbuan maut (2011)

Früher habe ich gerne öfter mal Sammlereditionen von Filmen gekauft, doch in den letzten Jahren reichte mir stets die günstigste Veröffentlichung mit den besten technischen Daten. Da die Ultimate Edition zurzeit äußerst günstig zu haben ist, und der Film ohnehin schon lange auf meiner Liste steht, habe ich bei „The Raid: Redemption“ einmal wieder zum Luxuspaket gegriffen – durchaus riskant für einen Blindkauf. Was hat der Film nun also zu bieten, der die gesamte Riege an Actionfans (zumindest diejenigen abseits von „The Expendables“) in Ekstase versetzt?

the_raid_2

Während der ersten 10 Minuten ist es mir wieder schwer gefallen in den Film reinzukommen, da ich es nicht gewohnt bin nur asiatische Schauspieler zu sehen und eine Synchronfassung zu hören. Dies ist natürlich kein Fehler des Films, sondern mein Problem, da ich zu 99% Filme aus dem englischen Sprachraum sehe. Früher (sprich vor mindestens 10 Jahren) habe ich öfter asiatische Filme gesehen und teils eine Woche lang mit Wong Kar-Wai zugebracht oder John Woo-Filme nachgeholt. Inzwischen jedoch bin ich außer Übung – und doch hatte mich der Film schnell auf seiner Seite. Dialoge gibt es ohnehin kaum und die knackige Action reißt einen sofort mit. Wunderbar direkt und unmittelbar inszeniert – und doch gerade so übersteigert, dass man sich beim Zuschauen nicht schlecht fühlen muss. Ein Unterhaltungsfilm der anderen Art.

Im direkten Vergleich mit dem inhaltlich nahezu identischen „DREDD“ aus dem Jahr 2012, hat mir „The Raid: Redemption“ doch ein wenig besser gefallen. Auch wenn ich das Zukunftssetting sehr mochte, so hat mich die menschlichere Geschichte (obwohl es da auch nicht viel zu holen gibt) in der indonesischen Version doch mehr eingefangen. Vielleicht lag es aber auch an der Maske des Judges. Regisseur Gareth Edwards hat aus dem verhältnismäßig geringen Budget wirklich alles herausgeholt und beeindruckende Kampfwelten geschaffen. Auch wenn sich der Vergleich zu einem Videospiel aufdrängt, so fand ich gerade die körperlichen Leistungen imposant. Die Schauspieler haben bestimmt ebenso hart trainiert, wie die aktuellen Tanzsportweltmeister. Wirklich beeindruckend!

Inhaltlich hat der Film nicht viel zu bieten, aber mehr hätte meiner Meinung nach auch eher vom Konzept abgelenkt. Insofern bin ich sehr gespannt auf „The Raid 2“ bzw. „The Raid: Retaliation“, der ja eine deutlich komplexere Geschichte erzählen soll. Auch wenn ich mich den teils überbordenden Lobeshymnen nicht anschließen mag, so wurde ich jedoch über knapp 100 Minuten glänzend unterhalten. Ob ich mich morgen noch an den Film erinnern kann, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Actionkino einmal anders: 7/10 Punkte.

The World’s End (2013)

Nachdem wir uns heute morgen um 8:00 Uhr bereits zum ersten Hausplanungstermin dieses Wochenendes aufgemacht hatten, war der Tag anstrengend und lang. Nachdem 12 Stunden später die Kinder im Bett waren, hätten wir direkt auf dem Sofa einschlafen können. Dennoch habe ich mit „The World’s End“ eine Blu-ray in den Player geschoben. Endlich das Finale der Cornetto-Trilogie! Der Film, den ich aufgrund seines Titels beständig mit „This Is the End“ verwechselt hatte. Wie schlägt sich im Vergleich nun dieser humoristische Weltuntergangsfilm?

the_worlds_end_4

Schon nach den ersten paar Minuten fühlte ich mich wieder sofort zu Hause in der Filmwelt von Edgar Wright, Simon Pegg und Nick Frost. Angefangen hatte damals alles mit der großartigen TV-Serie „Spaced“, die mir bis heute die unterhaltsamsten Stunden bescherte, die ich je vor dem Fernseher verbringen durfte. Kurz darauf folgte „Shaun of the Dead“ mit nahezu identischem Cast, die bisher wohl einzige romanische Komödie mit Zombies. Ein Film, der sich mir über die Zeit tief ins Herz gespielt hat. Mit „Hot Fuzz“ folgte der zweite Teil der Cornetto- bzw. Blood-and-Ice-Cream-Trilogie, den ich bisher jedoch nur einmal gesehen habe. „The World’s End“ stellt schließlich den Abschluss dieser ungewöhnlichen Filmreihe dar – und kann es nahezu voll und ganz mit seinen Vorgängern aufnehmen.

Ich muss ja zugeben, dass ich den Film anfangs eigentlich fast lieber ohne die außerirdische Invasion gesehen hätte. Einzig und allein die Kneipentour mit den fünf Jugendfreunden wäre unterhaltsam genug gewesen. Simon Peggs Gary King ist eine großartige Figur, die das Konzept des Film reichlich klischeehaft, aber absolut treffend gespielt, auf die Spitze treibt. Die Zwistigkeiten sind glaubhaft, lustig und die Pub-Atmosphäre trägt so einiges zum Unterhaltungswert des Films bei. Das erste Zusammentreffen mit den Nicht-Robotern wirkt deshalb vielleicht auch umso befremdlicher, doch Edgar Wright wäre nicht Edgar Wright hätte er daraus nicht eine völlig übertriebene Actionszene gezaubert. Herrlich!

Der Epilog des Films ist dann noch einmal so richtig abgefahren – und ich hätte am liebsten eine Fortsetzung gesehen, was natürlich nicht zum Konzept gepasst hätte. Dennoch ist der Abschluss, der mich auch an an „Shaun of the Dead“ erinnert, absolut passend für alle Charaktere. Neben den witzigen Dialogen und der mitreißenden Inszenierung gibt es auch Drama und tragische Elemente, die „The World’s End“ aber genau die richtige Würze geben. Zur endgültigen Qualitätseinordnung müsste ich nun noch einmal „Hot Fuzz“ sehen, doch so oder so ist diese Kneipentour ein famoses Finale der Cornetto-Trilogie: 8/10 Punkte.

Beginners (2010)

Bei manchen Filmen weiß ich schon im Vorfeld, dass sie mir gefallen werden. Und dennoch zögere ich die Sichtung aus irgendeinem Grund hinaus. Auch Mike Mills‘ „Beginners“ ereilte dieses Schicksal: Obwohl ich den Trailer großartig fand und die Blu-ray bereits seit Monaten im Regal steht, habe ich mich nie überwinden können den Film tatsächlich einzulegen. Heute jedoch war es endlich soweit…

beginners_4

Geschichten welche die Beziehung zwischen Vater und Sohn in den Mittelpunkt stellen, haben seit jeher eine starke emotionale Wirkung auf mich. Seit dem Tod meines Vaters vor nicht einmal drei Jahren umso mehr. Auch „Beginners“ stellt diese Beziehung in den Mittelpunkt der Geschichte. Der Film beginnt zudem damit, dass Oliver Fields (Ewan McGregor) die Wohnung seines verstorbenen Vaters ausräumt. Bereits während dieser ersten Szene hatte ich feuchte Augen – und das sollte sich über den Verlauf des Films nicht ändern, obwohl er alles andere als deprimierend oder hoffnungslos ist. Mills erzählt in seinem autobiographisch angehauchten Film eine Geschichte über das Alter, Neuanfänge und die pure Lust am Leben.

So herrlich absurd das Coming-out des 75jährigen Hal Fields (Christopher Plummer) teils wirkt, so schwingt doch beständig eine Ernsthaftigkeit mit, die uns die Last der gesellschaftlichen Konventionen stets vor Augen hält. Der Film umspannt Generationen, was uns durch wunderbare Stillbild-Montagen nahe gebracht wird. Zutiefst tragische Momente wechseln sich mit solchen der Glückseeligkeit ab, was zu Beginn – ebenso wie die unterschiedlichen Zeitebenen – ein wenig anstrengend wirkt. Doch mit jeder weiteren Minute zeigt sich, dass jede fragmentarisch angehauchte Erinnerung ihren Platz in der Geschichte hat. Der Film fügt sich letztendlich wie ein großes Puzzle der Emotionen zusammen.

Die drei vier Hauptdarsteller Ewan McGregor, Christopher Plummer, Mélanie Laurent sowie Hund Cosmo spielen allesamt fantastisch und es war eine Freude ihnen beim Lachen, Weinen und Herumalbern zuzusehen. Das Ende hat mich emotional noch einmal so richtig mitgenommen, wenngleich es auch eine positive Art der Traurigkeit war. Schwierig zu erklären. Schon lange hat mich kein Film mehr so im tiefsten Inneren packen können. Mike Mills hat mit „Beginners“ ein kleines Meisterwerk geschaffen, das auch aufgrund seiner naturalistischen Inszenierung zu packen weiß: 9/10 Punkte.

Elysium (2013)

In den letzten Jahren konnten sich Sci-Fi-Freunde über eine wahre Welle an Genrefilmen freuen. Zu diesen gehört auch „Elysium“ von Regisseur Neill Blomkamp, der bereits 2009 mit „District 9“ einen beeindruckenden Genrebeitrag abgeliefert hatte. Nachdem die Verfilmung des Videospiels „Halo“ unter seiner Regie nicht zustande kam, waren die Erwartungen für das Nachfolgeprojekt immens hoch. Kann das Ergebnis mit dem außergewöhnlichen Kinodebüt mithalten?

elysium_2

Die Prämisse gefällt mir trotz der wenig subtilen Umsetzung nach wie vor: Die Erde ist drastisch überbevölkert, die Kluft zwischen Arm und Reich ist nicht nur soziopolitisch unüberbrückbar – die Reichen haben sich folglich auf eine im Orbit der Erde schwebenden Luxus-Raumstation zurückgezogen; die Armen dagegen hausen in postapokalyptisch angehauchten Slums in einer Art Polizeistaat. Alleine das Setting lässt Erinnerungen an die sozialkritischen Sci-Fi-Klassiker der 70er Jahre wach werden: „Soylent Green“, „Logan’s Run“ oder „Rollerball“ – die Filme waren inhaltlich relevant und dennoch unterhaltsam. Auch der 2011er „In Time“ hatte sich an einem ähnlichen Ansatz versucht, konnte die Kritiker jedoch nicht überzeugen. Mir hatte er dagegen ziemlich gut gefallen.

Auch „Elysium“ zeigt ein erschreckendes Zukunftsszenario, das größtenteils leider zum reinen Setting für brachiale Action verkommt. Man sieht wenig von den beiden Welten und die Eindrücke bleiben blass. Die Handlung rund um Max (Matt Damon), der nach einer tödlichen Strahlendosis die Heilung auf Elysium sucht, hätte durchaus Potential gehabt eine größere Geschichte zu erzählen, doch der Fokus auf die Konfrontation mit einem Söldnertrupp, die den Großteil des Films einnimmt, hat außer Krawall nur wenig zu bieten. Wirklich schade, denn die formalen Aspekte sind wirklich famos. Gerne hätte ich noch mehr vom Leben auf Elysium und der Erde erfahren.

Immerhin inszeniert Blomkamp die Action wunderbar roh und direkt; der Gewaltlevel ist hoch, was zum verzweifelten Setting passt. Dennoch ist die nicht enden wollende Verfolgungsjagd irgendwann ermüdend und selbst Sharlto Copley (bekannt aus „District 9“) als psychopathischer Söldner kann die fehlende Handlungstiefe nicht mit reinem Unterhaltungswert aufwiegen. Auch wenn man die Charaktere nicht so gut kennenlernt, wie ich mir das gewünscht hätte, so fand ich das vorhersehbare Ende doch ziemlich bewegend. Ich bin mit sowas aber auch immer leicht zu kriegen.

Letztendlich bleibt „Elysium“ ein imposanter Actionstreifen mit interessantem Setting und dem Gefühl nicht genutzter Chancen. Wie auch Genrekollege „Oblivion“ aus dem gleichen Jahr, kann der Inhalt mit der formalen Umsetzung leider nicht mithalten. Für Genrefans dennoch absolut sehenswert. Neill Blomkamp kann aber mehr, da bin ich mir ganz sicher: 7/10 Punkte.

Das ist das Ende – OT: This Is the End (2013)

Nach einem langen Tag (u.a. Fliesenmarkt, Terrarium und Freibad) sind wir auch heute wieder viel zu spät auf das Sofa gekommen. Filme jenseits der 120 Minuten sind somit schon einmal flach gefallen, was „Das ist das Ende“ mit seinen knapp 110 Minuten nach ganz oben auf die Liste der möglichen Filme katapultierte. Ich war mir der gewagten Wahl aufgrund des Spiels mit der Metaebene durchaus bewusst, was meine bessere Hälfte letztendlich auch schnell im Traumland verschwinden ließ. Wäre das auch für mich die bessere Wahl gewesen?

this_is_the_end_2013

Mit Humor ist das so eine Sache. Entweder er zündet, oder eben nicht. Besonders Komödien aus dem Dunstkreis um Seth Rogen funktionieren bei mir nicht immer, doch mag ich es wenn auch in diesem Genre die üblichen Konventionen gesprengt werden. Vielleicht hatte ich deshalb auch Gefallen am Genremix „Your Highness“ gefunden, an den diese Komödie teils erinnert. Doch zum Anfang: In „This is the End“ begleiten wir diverse Hollywood-Stars, die sich selbst spielen (u.a. Seth Rogen, James Franco, Jonah Hill, Jay Baruchel, Danny McBride, Craig Robinson, Michael Cera, Emma Watson), auf eine wilde Party, die plötzlich in der wortwörtlichen Apokalypse endet. Nun geht es um das reine Überleben. Sollte man meinen. Doch der Film bewegt sich so beständig am puren Wahnsinn, dass man sich als Zuschauer nie sicher sein kann. Eine Anarcho-Komödie par excellence!

Wie bereits beschrieben war ich nach ca. 15 Minuten allein mit dem Film. Komödien leben jedoch oft vom gemeinsamen Seherlebnis – dennoch hatte ich unglaublich viel Spaß und mich oftmals weggeschmissen vor Lachen. Wie mag der Film erst zünden, wenn man ihn mit jemandem schaut, der, wie man selbst, alle Schauspieler und ihre Film- oder Serienrollen kennt? In dieser Hinsicht ist der Film so meta, dass man ihn dem normalen deutschen Kinozuschauer wohl kaum zumuten mag. Ich jedoch war schon aufgrund der Anspielungen entzückt, welche durch völlig abgedrehte Entwicklungen (z.B. Michael Cera oder Danny McBride mit Channing Tatum) auf die Spitze getrieben wurden.

Natürlich darf man den Film nicht ernst nehmen. Einige der improvisierten Szenen zünden nicht immer 100%ig, was durchaus zu Längen führt, doch andere Szenen haben mich vor Lachen nach Luft schnappen lassen. Der Film ist zotig und oft auch kindisch, doch weit nicht so platt, wie man dies eventuell erwarten würde. Die übersteigerten Versionen der Schauspieler harmonieren fantastisch miteinander und besitzen sogar so etwas wie Tiefe. Das Finale setzt dem zuvor Gezeigten zudem noch die Krone auf, was jeden Glauben an eine Botschaft, die der Film eventuell vermitteln will, hinfällig werden lässt. Wenn ihr euch so glücklich schätzen könnt und in eurem Freundeskreis Filmfans habt, die auch nur ein Drittel der Darsteller kennen, dann schnappt sie, legt „Das ist das Ende“ ein – und ihr werdet eine äußerst vergnügliche Zeit verleben. Unglaublich unterhaltsam. Wer hätte es gedacht? 8/10 Punkte.

Prisoners (2013)

Nach einer kurzen Nacht und einem noch längeren Tag hat der entspannte Teil des Abends eigentlich viel zu spät begonnen, um noch einen Film zu schauen. Dennoch wollte ich endlich den viel gelobten „Prisoners“ sehen, was mit einer Laufzeit von über 150 Minuten ein gewagtes Unterfangen war. Um 23:30 Uhr saßen meine Frau und ich schließlich wie gebannt vor dem Fernseher und mussten das Gesehe erst einmal verdauen. Ein besseres Zeichen kann es für einen gelungenen Film wohl nicht geben – doch lest selbst die spoilerfreie Besprechung…

prisoners_2

Glücklicherweise wusste ich zuvor kaum etwas über den Film, außer seiner groben Prämisse und dass er eben sehr gelungen sein soll. Ich bin jemand, der bei mehr oder weniger klassischen Whodunits beständig am Rätseln ist – und meist treffen meine Theorien dann auch ziemlich früh ins Schwarze. Auch bei „Prisoners“ hatte ich mir mehrmals eingebildet, den Film durchschaut zu haben. Fehlanzeige. Aaron Guzikowskis Drehbuch wartet mit etlichen Wendungen auf, die ich meist nur mit kurzem Vorsprung erkennt hatte – wenn überhaupt. Äußerst angenehm fand ich zudem Denis Villeneuves zurückgenommene Inszenierung, die den Schauspielern und den von Kameramann Roger A. Deakins‘ wunderbar trostlos eingefangenen Bildern entsprechend viel Freiraum gibt. Die letzte große Wendung, mag man sie als solche bezeichnen, wird zudem völlig nebenbei und im Sinne der Geschichte erzählt. Keine Effekte, kein Tusch, kein erzwungener Aha!-Effekt. Nur die Emotionen der Charaktere. Großartig!

Ich habe schon lange keinen Film mehr gesehen, bei dem ich unter solch konstanter Spannung stand. Dabei gibt es kaum Actionszenen oder Schockmomente. Der Film ist stets sehr nah an seinen Figuren dran und lässt uns Zuschauer an ihrer Innenwelt teilhaben, ohne jedoch jeden Gedanken auszuformulieren. Themen wie Glaube, Determinismus, Selbstjustiz und Schuld bestimmen die kargen Bilder, doch gibt „Prisoners“ weder seinen Figuren noch uns Zuschauern eindeutige Lösungsansätze an die Hand. Einzig das oft wiederholte Zitat ‚Pray for the best, but prepare for the worst.‘ scheint stellvertretend für den gesamten Film zu stehen und hat mich beinahe über die gesamte Laufzeit an der Sofakante sitzen lassen.

Da ich nicht mehr zum Inhalt verraten möchte – schaut euch den Film einfach selbst an! –, bleibt mir nur noch seine formalen Aspekte, die großartigen Schauspieler und das packende Drehbuch zu loben. Obwohl, oder gerade weil, die Geschichte sehr langsam erzählt wird, entfaltet sie einen Sog, dem ich mich nur schwer entziehen konnte. Solltet ihr dieses Jahr nur einen Thriller schauen, dann legt „Prisoners“ in den Player – ihr werdet es nicht bereuen: 9/10 Punkte.