Sex Education – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 4)

Über die letzten Wochen bzw. Monate habe ich mich einmal wieder einem größeren Serienprojekt gewidmet. Zunächst hat sich dieses ein wenig wie eine Zwischenlösung angefühlt, doch schon bald sollte sich „Sex Education“ in Sphären schrauben, die ich schon lange nicht mehr so enthusiastisch wahrgenommen habe. Ob ich eine neue Lieblingsserie entdeckt habe? Lest am besten selbst… 💞

Sex Education | © Netflix

Sex Education | © Netflix

Schon lange habe ich keine Serie mehr gesehen, die solch eine Vorfreude auf die kommende Episode in mir ausgelöst hat. Ich habe mich jeden Abend wirklich enorm darauf gefreut, wieder nach Moordale zurückzukehren. Eine wahre Wohlfühlserie, die viel von ihrem Charme auch daraus zieht, dass sie wie eine Show der späten 1980er bzw. 1990er Jahre wirkt. Ein Effekt, der durch das famose Produktionsdesign verstärkt wird. Bis inklusive der dritten Staffel beste Unterhaltung, die im finalen Jahr leider etwas strauchelt. Dennoch mehr als sehenswert:

Staffel 1: Viel Sex und noch mehr Herz

Ich kann es direkt vorweg nehmen: „Sex Education“ wurde den Vorschusslorbeeren mehr als gerecht. Bereits in der ersten Episode wird das Setting gesetzt, wir lernen die wichtigsten Figuren kennen und auch der besondere Ton der Serie wird bereits angeschlagen. Mit Otis und Maeve begleiten wir wunderbaren Hauptfiguren, die zwar extrem unterschiedlich wirken, im Kern aber doch nach ähnlichen Werten handeln. Die Serie wäre jedoch nichts ohne ihre Nebenfiguren, welche über den Verlauf der Staffel immer mehr ausgearbeitet werden. Hier muss ich natürlich Gillian Anderson (bekannt als Dana Scully aus „Akte X“) erwähnen, welche voll und ganz in ihrer Rolle als Sexualtherapeutin aufgeht. Fantastisch! Insgesamt wird die Serie ihrem Titel „Sex Education“ auch voll und ganz gerecht, denn Sex steht, in allen Facetten, im Zentrum. Das ist jedoch nur die oberste Ebene, denn unser Juniorsextherapeut Otis deckt stets auf, dass die Gründe für sexuelle Probleme meist tieferliegend sind. Das alles ist so erfrischend offen und ehrlich erzählt, dass es eine wahre Freude ist. Genau so muss eine Coming-of-Age-Dramedy aussehen. Fantastisch geschrieben, unfassbar witzig und doch tiefgründig und mit dem Herzen am richtigen Fleck: 10/10 (9.5) Punkte.

Staffel 2: Masturbation & Beziehungsdramen

Die zweite Staffel startet unglaublich witzig und man merkt sofort, dass die Serie ihren Rhythmus nicht nur gefunden hat, sondern diesen auch gekonnt ausspielt. Otis‘ sexuelle Erweckung, wenn auch nur in der Single-Player-Variante, schrammt gerade so am Rand der hemmungslosen Übertreibung vorbei, schafft es aber dennoch stets noch die Kurve zu bekommen. Alle Figuren entwickeln sich in der zweiten Staffel von „Sex Education“ weiter. Selbst eine Figur wie Jackson, die man leicht als vorübergehenden Love Interest von Maeve wieder hätte fallen lassen können, bekommt eine wundervolle Entwicklung spendiert. Hier zeigt sich auch wie wertschätzend und liebevoll die Serie mit ihren Figuren umgeht. Das beweist auch die von Anfang an zum Scheitern verurteilte Beziehung zwischen Otis und Ola sowie das Liebesdreieck rund um Eric, Adam und Rahim. Nicht zu vergessen natürlich Jean und Jakob. Weiterhin scheut sich die Serie nicht vor ernsten Themen, wie sexuell übertragbaren Krankheiten oder sexuellen Übergriffen. Überhaupt schafft die Serie gekonnt den Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und wirklich lustigen Elementen. Und all das mit unglaublich viel Fingerspitzengefühl. Da merkt man, dass die Serie von einer Frau, Laurie Nunn, erfunden und auch von Frauen geschrieben wurde. Weiterhin einfach fantastische Unterhaltung: 10/10 (9.6) Punkte.

Staffel 3: Völlig übertrieben und doch konsequent

Mir ist klar, dass die gesamte Serie „Sex Education“ nicht wirklich geerdet ist, doch die dritte Staffel fühlt sich in vielerlei Hinsicht noch übertriebener an. Es ist fast schon ein Kunststück, dass die Autor:innen ihre Figuren nicht aus den Augen verlieren. Viele Handlungsstränge drehen sich weiterhin um Beziehungen, so auch um Otis ungewöhnliche Beziehung mit Ruby. Das hätte so wohl niemand kommen sehen. Eric und Adam waren für mich abermals ein Highlight, auch wenn ihre Beziehung am Ende der Staffel zerbricht. Selbst Mr. Groff bekommt für einen kurzen Moment ein wenig Glück spendiert, was ich sehr schön fand. Die größte Herausforderung in Moordale ist allerdings die neue Schulleiterin Hope, welche von Jemima Kirke gespielt wird, die Serienfreund:innen aus der HBO-Show „Girls“ bekannt sein dürfte. Auch sie wird als Bösewichtin etwas zu plakativ gezeichnet und ich hätte mir, was durchaus in Teilen vorhanden ist, ein wenig mehr Grauzone gewünscht. Mit dem Auftritt der nicht-binären Person Cal wird die ohnehin schon wunderbar diverse Serie direkt noch diverser. Das fand ich sehr schön. Maeves Entwicklung hat mir auch gut gefallen und überhaupt hatte die Serie wieder ein paar wunderbar emotionale Elemente. Trotz aller Übertriebenheit. Ich kann verstehen, warum diese Mischung nicht bei allen Fans gut angekommen ist. Für mich jedoch hat die Serie auch im dritten Jahr wunderbar funktioniert: 10/10 (9.5) Punkte.

Staffel 4: Nicht perfekt, aber doch sehenswert

Im Vorfeld hatte ich schon viel negatives Feedback zur vierten Staffel von „Sex Education“ gelesen oder gehört. Noch bevor ich selbst angefangen hatte, die Serie zu schauen. Tatsächlich fühlt sich die vierte Staffel sehr anders an, als die vorherigen drei, was vor allem am veränderten Setting liegt: Unsere bekannten Figuren wechseln auf das Cavendish College und dort wird Diversität auf 11 gedreht. Mir war nicht ganz klar, was das Ziel dieser Änderung sein sollte. Eine komplette Utopie zeigen? Oder die Normalität dessen? Für mich hat das in vielerlei Hinsicht zu übertrieben und künstlich gewirkt und damit irgendwie auch am eigentlichen Ziel vorbei. Als einzelner Handlungsstrang in einer beliebigen Staffel vermutlich recht interessant, doch als zentrales Setting im Finale vielleicht doch zu viel gewollt. Ebenso schade fand ich es, dass tolle Figuren, wie Jakob, Ola oder Lily, einfach nicht mehr auftauchen. Sie fehlen der Serie mehr als ich noch während der ersten drei Staffeln vermutet hätte. Davon abgesehen bietet aber auch die vierte Staffel von „Sex Education“ gute Unterhaltung, welche sich einfach nicht mehr in die qualitativ unfassbar hohen Sphären der ersten drei Jahre aufschwingen kann. Die Geschichte rund um Cal geht zu Herzen und ich hätte mir mehr Zeit mit dieser Figur gewünscht. Alles in allem wirkt die finale Staffel zu vollgestopft und ich hätte sie lieber auf zwei Staffeln aufgeteilt gesehen, um den einzelnen Charakteren mehr Raum zum Atmen zu geben. Dennoch weit nicht so schlecht, wie die Staffel häufig gemacht wird: 8/10 (7.8) Punkte.

Fazit

„Sex Education“ ist eine wahrlich herausragende Coming-of-Age-Serie, die man als Fan des Genres gesehen haben muss. Gerade nun, da sie abgeschlossen ist, bietet sie für 32 Episoden ein Eintauchen in eine Welt, die zwar nicht perfekt ist, aber doch stets offen für Neues. Nicht für jede Figur gibt es ein Happy End, doch auf jeden Fall eine subtile bis welterschütternde Weiterentwicklung. Einfach fantastisch, dass es diese Serie gibt, was ich Netflix hoch anrechne: 9/10 (9.1) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

13 Gedanken zu “Sex Education – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 4)

  1. Die ersten beiden Staffeln fand ich auch toll. Die dritte hatte für mich aber nicht mehr funktioniert, was vor allem an der völlig übertriebenen Schulleiterin lag. Seit dem schiebe ich auch die vierte Staffel etwas lustlos für mich her.

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    • Ich kann nachvollziehen, was du meinst. Mir hat die dritte Staffel dennoch wunderbar gefallen, selbst die übertriebene Antagonistin. Von den vielen wunderbaren kleinen Nebengeschichten einmal abgesehen. Daher kam für mich der Einbruch erst mit der vierten Staffel, die ich insgesamt aber immer noch mochte.

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  2. Ach, wie schön, dass du diese wunderbare Serie geguckt hast – und ich kann dir im Grunde genommen bei allem zustimmen. Ich liebe einfach die Figuren SO SEHR! Und für dich als Freund von Coming-of-age-Geschichten musste es eigentlich auch funken.

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    • Ach, das freut mich, dass dir die Serie auch so gut gefällt. Wie kamst du mit der vierten Staffel klar? Die mögen viele ja so gar nicht (was ich auch bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen kann).

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    • So geht es ja vielen bzw. den meisten, was ich so lese. Mir hat Staffel 3 noch ausgesprochen gut gefallen und der kleine Einbruch kam bei mir erst mit der finalen Staffel. Dennoch insgesamt eine tolle Serie, die tatsächlich stark vom famosen Cast lebt.

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  3. Also ich finde die Serie hat sich kontinuiertlich gesteigert und ist dann auf dem Höhepunkt zu Ende gegangen. Natürlich habe ich Lilly und Ola in Staffel 4 auch vermisst. Die übermäßige, diverse Utopie hat zwischenzeitlich auch ihre Risse bekommen. Ich finde einfach die Botschaft der Serie so wichtig: niemand ist perfekt, aber wenn wir miteinander reden und zusammenhalten, dann können wir gemeinsam die Probleme lösen.
    Aber freut mich, dass dich die Serie auch sehr begeistern konnte. Das allgemein eher negative Echo zur finalen Season ist meiner Ansicht nach ungerechtfertigt. Ich war selten bei einem Finale so bewegt und emotional dabei.

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    • Freut mich, dass sich die Serie für dich kontinuierlich steigern konnte. Was die Botschaft angeht, bin ich auch komplett bei dir. Dennoch finde ich die vierte Staffel zu voll und einzelne Geschichten zu wenig auserzählt. Da war das Pacing in den ersten drei Staffeln deutlich besser. Aber ist vermutlich einfach Ansichtssache. Einig sind wir uns, dass es eine herausragende Serie ist.

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