Masters of Sex – Season 1

Nach einem Ausflug zu den Anfängen meiner Serienleidenschaft ins Jahr 1993, ging es mit „Masters of Sex – Season 1“ wieder zurück zum modernen Serienkino der 2010er Jahre. Bei dem Titel (und zugegebenermaßen auch Pay-TV-Sender Showtime) könnte man leicht eine Serie mit Schmuddel-Touch erwarten, doch bekommt man ein historisches Drama präsentiert, das am ehesten an „Mad Men“ erinnert. Sex gibt es dennoch zu genüge, jedoch ist dieser tatsächlich ausnahmsweise relevant für die Handlung. Alles nur Show oder tatsächlich ernsthaftes Drama?

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Während der ersten paar Episoden war ich wirklich schwer begeistert: eine absolut famose Ausstattung, grandiose Schauspieler sowie ein spannendes und ungewöhnliches Thema. Man ist es heutzutage ja gewohnt recht explizite Sexszenen in TV-Serien zu sehen, doch sind diese meist selbstzweckhaft und dienen oft nicht wirklich der Handlung. Aufgrund der Thematik der Serie ist dies in „Masters of Sex“ natürlich nicht so, wenngleich man sich auch fragen könnte, ob nicht das Thema an sich schon einen gewissen Selbstzweck verfolgt. Egal wie man es dreht und wendet, die Serie stellt nicht nur Sex wunderbar offensiv in den Mittelpunkt, sondern auch das damit einhergehende Beziehungsgeflecht: Sex, Liebe, Vertrauen. Es lässt sich eben nicht alles durch pure Zahlen beschreiben.

Mit Michael Sheen und Lizzy Caplan hat die Serie zwei fantastische Hauptdarsteller, welche die Geschichte mühelos tragen. Dies ist auch bitter nötig, denn speziell ihre Beziehung untereinander könnte schlechter gespielt leicht ins Unglaubwürdige abdriften. So aber ist es eine Freude den beiden Charakteren dabei zuzusehen, wie sie für ihre Studie kämpfen und, im wahrsten Sinne des Wortes, alles dafür geben. Doch auch was die Nebendarsteller angeht (u.a. Beau Bridges und Allison Janney als dysfunktionales Ehepaar) hat die Serie einiges zu bieten. Auch Ausstattung und Inszenierung sind über jeden Zweifel erhaben und wirken, wie die meisten heute produzierten Serien, eher wie für die große Leinwand gemacht.

Zu Beginn habe ich „Masters of Sex“ mit „Mad Men“ verglichen, was aufgrund der formalen Aspekte auch unbedingt nahe liegt. Über den Verlauf der Staffel musste ich jedoch feststellen, dass Drehbuch und Handlung nicht ganz mit dem fantastisch geschriebenen AMC-Drama mithalten können. Die Serie bleibt stets unterhaltsam, doch so manche Charakterentwicklung wirkt überhastet und auch die Dialoge könnten geschliffener sein. Letztendlich schadet das dem Unterhaltungswert kaum, doch überstrahlt das soapig anmutende Beziehungsdrama oft die eigentlich spannendere Handlung rund um die Studie und größere Themen.

Auch wenn „Masters of Sex“ nicht das große neue Drama ist, so weiß das historische Setting, das komplexe Beziehungsgeflecht und – wie sollte es anders sein? – das Thema Sex, aus mehr oder weniger wissenschaftlicher Sicht, bestens zu unterhalten. Man sollte sich aber keine Illusionen machen, dass das Gezeigte historisch besonders fundiert wäre; es ist eine fiktionale Serie, die ein gewisses historisches Setting sowie reale Personen aufgreift. Der Rest ist pure Unterhaltung in hochwertigstem Gewand: 9/10 (8.5) Punkte.

16 Gedanken zu “Masters of Sex – Season 1

  1. Hatte damals leider nur die ersten beiden Folgen gesehen, war aber ebenfalls vom Charme der Serie angetan! Die Optik ist toll, Darsteller sowieso. Ist nur die Frage, wie lange sich die Geschichte am eigentlichen Thema festklammern kann, ohne sich abzunutzen.

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    • Warum hattest du aufgehört zu schauen? Ich finde sogar das Thema würde noch viel mehr hergeben und man beschränkt sich ein wenig zu sehr auf Beziehungsdrama, doch Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden. Die zweite Staffel werde ich irgendwann bestimmt noch schauen…

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      • Hatte die erste Hälfte der ersten Folge damals nicht ganz mitbekommen und musste es daher aufschieben, um in den vollen Genuss der Serie zu kommen.
        Über die zweite Staffel hört man unterschiedliches, soll wohl nicht mehr an das Niveau der ersten anknüpfen können. Aber du wirst ja dann sicherlich berichten… 😉

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      • Ist ja häufig so. Speziell bei Showtime ist ein Abfall der Qualität mit zunehmender Laufzeit leider häufiger gegeben (siehe z.B. „Californication“ oder „Dexter“). Da merkt man dann doch noch den Unterschied zu HBO.

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  2. Ich finde auch, dass die Serie einiges her macht und viel Potenzial hat – zumal die Geschichte der realen Charaktere ja auch eine sehr lange ist. Ich bin gerade inmitten der 2. Staffel und kann diese nur empfehlen (an manchen Stellen gibt es zwar die befürchteten Abnutzungserscheinungen, dafür entschädigen aber neue Handlungsstränge und Figuren). In dem Kontext empfehle ich auch den Film „Sex and the Single Girl“ (am besten in der engl. Originalfassung) aus dem Jahr 1964 – der ist zwar eine Komödie, sagt aber viel über den Fortschritt der damaligen Zeit aus und handelt von Helen Gurley Brown, die mit einem Buch, das damals zum Bestseller avancierte, für das sexuelle Selbstbewusstsein von Frauen eintrat (mehr zum Film: http://www.filmkuratorium.de/filme/sex-and-the-single-girl-1964/). In der Bundesrepublik durfte damals das Wort „Sex“ in der dt. Titelversion allerdings nicht vorkommen…

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    • Danke für den kurzen Einblick in die zweite Staffel. Ich werde sie mir beizeiten auch noch anschauen. Auch wenn die Geschichte auf realen Charakteren basiert, so scheint es doch etliche Freiheiten zu geben, die sich die Autoren genommen haben. Ist für mich aber auch okay, da ich mir von einer solchen Serie keinen tatsächlichen Geschichtsunterricht erwarte.

      „Sex and the Single Girl“ hört sich gut an. Überhaupt sollte ich mehr Filme aus den 60ern schauen, da scheint mir dies ein guter Einstieg zu sein.

      Dein Blog gefällt übrigens und ist frisch abonniert! 🙂

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