Friday Night Lights – Season 1

Seit ich vor ein wenig über zwei Jahren erfuhr, dass sich Jason Katims (der Showrunner hinter „Parenthood“) auch für „Friday Night Lights – Season 1“ verantwortlich zeichnet, habe ich versucht an die Serie heranzukommen. Vor ein paar Monaten war es endlich soweit und in UK erschien eine preiswerte Komplettbox mit allen fünf Staffeln der Serie. Nach dem Ende von „Brothers & Sisters“ war mein nächstes Großprojekt also gesichtert…

fnl_s1_4

Auch wenn ich mich sehr auf die Serie gefreut habe, so war ich aufgrund der Thematik doch eher skeptisch. Eine Serie mit American Football als dem zentralen Thema? Nicht nur, dass ich mich nicht für American Football interessiere – nein, jeglicher im TV übertragener Massensport (allen voran Fußball) ist mir völlig fremd und lässt mich dementsprechend kalt. Kein Wunder also, dass mich die erste Episode ein wenig überforderte. In dieser stand der Sport zentral im Mittelpunkt – so kam es mir bei der Sichtung zumindest vor, wenngleich mich Julies wunderbarer Vergleich bereits hätte aufhorchen lassen müssen: ‚Moby Dick is actually the perfect metaphor for this town. The cold black sea representing the season in all its uncertainties. The magical white whale is the Holy Grail.‘

Ein paar Episoden später hatten mich die Charaktere gefesselt und spätestens nach der Hälfte der Staffel gab es kein Halten mehr. Ich war ein waschechter Fan der Dillon Pathers: Clear eyes, full hearts, can’t loose! Wer nun meint, ich hätte plötzlich meine Begeisterung für American Football entdeckt, der irrt. Das Spiel ist mir weiterhin fremd, ich verstehe die Spielzüge nicht – und doch schafft es die Serie diesen großen, aberwitzigen Zirkus auch für mich mitreißend und spannend zu inszenieren. Wie Julie in der ersten Episode korrekt festgestellt hatte, ist das Spiel für die Stadt Dillon ein völlig verklärtes und überstilisiertes Ziel. Eskapismus für die Massen. Absurd und doch auf seltsame Weise einnehmend.

In der Serie ist American Football jedoch nur das Setting für allzu menschliche Dramen. Es werden große Themenkomplexe, wie körperliche Behinderung, Sex unter Teenagern, die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, Drogenmissbrauch, Alkoholimus usw. angesprochen, ohne dass sich diese in den Vordergrund spielen oder die Charaktere der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Wie auch „Parenthood“ ist „Friday Night Lights“ sehr dokumentarisch inszeniert: Die Kamera ist in ständiger Bewegung, Dialoge überschneiden sich und man hat als Zuschauer das Gefühl stets live dabei zu sein. Sozusagen das „The Shield“ unter den Familienserien.

Am meisten begeistert haben mich jedoch die Charaktere, die wunderbar gezeichnet sind und von denen jeder einzelne wichtig für die Serie ist. Im Zentrum stehen natürlich Coach Eric Taylor (Kyle Chandler) und seine Frau Tami (Connie Britton), die unzweifelhaft das glaubwürdigste und sympathischste Serienpaar aller Zeiten sein dürften. Einfach nur großartig geschrieben. Doch auch die anderen Hauptfiguren besitzen Tiefe und Charakter. Was die Schauspieler angeht, so hat mich wohl Taylor Kitsch am positivsten überrascht, über den in „Battleship“ und „John Carter“ ja nur geschimpft wurde. Manchmal sind Serien für Schauspieler eben das bessere Kino.

Kritikpunkte konnte ich keine finden. Inzwischen sehe ich selbst die Football-Szenen recht gerne und würde mir sogar manchmal wünschen ein wenig mehr zu verstehen. Aber vermutlich ist das auch das größte Lob, das man der Serie machen kann: mich trotz einer Thematik, für die ich mich kein bißchen interessiere, bei der Stange zu halten, ist schließlich auch eine Kunst! Ohne die Anlaufschwierigkeiten während der ersten Episoden, wäre eine 10er Wertung durchaus denkbar gewesen – aber es ist auch schön noch Steigerungspotential zu haben: 9/10 (9.0) Punkte.

17 Gedanken zu “Friday Night Lights – Season 1

    • Eine Synchro vermisse ich nicht, das würde wohl viel von der Atmosphäre nehmen, bei dem wunderbar breiten Südstaatenakzent. Auf jeden Fall bin ich sehr froh um die UK-Komplettbox, davor war es wirklich schwierig an die Serie heranzukommen.

      Liken

  1. Jason Katims – der Mann, dem wir (sprich: ich) „Roswell“ verdanken. FNL hab ich nie gesehen, interessiert mich aber auch nur bedingt, da schon der Film pretty generic war. Aber freut mich dennoch – auch wenn es mich nicht überrascht – dass hier wieder die für ‚TIGBALO‘ typische 9/10-Bewertung gezogen wurde 🙂

    Liken

    • Ich glaube, du hattest es schon einmal erwähnt, aber da ich es in der Zwischenzeit wieder vergessen habe, ist das auch gut so! Werde „Roswell“ mal auf meine imaginäre Serienliste packen. Jason Katims Herangehensweise Geschichten zu erzählen ist irgendwie genau mein Ding. Ja mei, die 9 Punkte sind halt auch immer gerechtfertigt. Ich habe eben einen erlesenen Geschmack… 😉

      Liken

  2. „Das ‚The Shield‘ der Familienserien“… 😀
    Ich bin auf die folgenden Staffelbewertungen gespannt. Ohne zuviel zu verraten: Es wird vor allem in der zweiten Staffel ziemlich abwechslungsreich. Das zurückbehaltene Steigerungspotential kann man im Serienverlauf meiner Meinung nach noch gut gebrauchen.

    Und wegen dem fehlenden Footballverständnis: Einfach mal ein Lernvideo schauen. 😉

    Liken

    • Ich habe gestern schon mit der zweiten Staffel angefangen – und ja, da tut sich bereits in der ersten Episode sehr viel. Fand ich teils ein wenig gewöhnungsbedürftig, bin aber gespannt wie es weiter geht!

      Hehe, ja das Video werde ich mir mal geben. Wenn Goofy das kann… 😉

      Liken

  3. Was die Footballthemen und Szenen angeht wurden die übrigens auch richtig gut umgesetzt.
    Wenn man sich also mit dem Sport auskennt, dann denkt man sich nicht „was für ein Quatsch“.
    Auch wenn mein Wissen beim College-Football endet, aber das dürfte schon ganz gut den High School Football darstellen.

    Liken

    • Ja, die Footballszenen finde ich auch sehr gut umgesetzt. Wirkt sehr realistisch und nah dran – auch wenn ich von dem Spiel keine Ahnung habe. Kann sich aber im Lauf der Serie noch ändern… 😉

      Liken

    • Ist auch wirklich exzellent. Wenn du auf Charakterdrama mit viel Emotion und gefühltem Realismus stehst, dann viel Spaß mit der Serie! Solltest du noch football- bzw. generell sportbegeistert sein, dann könnte das dein Ding sein…

      Liken

  4. Pingback: Media Monday #138 | Tonight is gonna be a large one.

  5. Pingback: Friday Night Lights – Season 2 | Tonight is gonna be a large one.

  6. Pingback: Battleship (2012) | Tonight is gonna be a large one.

  7. Pingback: Friday Night Lights – Season 4 | Tonight is gonna be a large one.

  8. Pingback: Friday Night Lights – Season 5 | Tonight is gonna be a large one.

  9. Pingback: One Tree Hill – Season 1 | Tonight is gonna be a large one.

  10. Pingback: Blogparade Serien: Friday Night Lights | Tonight is gonna be a large one.

Deine Meinung? (Indem du die Kommentarfunktion nutzt, erklärst du dich mit der Verarbeitung deiner angegebenen Daten durch Automattic, Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden.)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.