Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn – OT: The Adventures of Tintin

Mit Hergés Comic-Universum rund um die Abenteuer des Reporters Tim und seines Hundes Struppi hatte ich bisher nur wenige Berührungspunkte. So kann ich mich zwar nicht daran erinnern die Comics gelesen zu haben, doch die Zeichentrickfilme wurden damals im örtlichen Kino zur Kindervorstellung aufgeführt. Kann Steven Spielbergs „Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn“ noch einmal das gleiche Gefühl von Abenteuer vermitteln, das ich damals empfunden habe? Nach den ersten Trailern war ich skeptisch, doch aufgrund der größtenteils äußerst positiven Kritiken wollte ich den Film dann doch sehen. Ins Kino habe ich es jedoch nicht geschafft, was ich nach der gestrigen Sichtung allerdings nicht als großen Verlust empfinde…

Anfangs konnte mich die fantastisch gestaltete Welt noch begeistern: äußerst detailgetreu und mit viel Liebe in Szene gesetzt. Als Beispiel sei hier z.B. der Straßenkünstler genannt, der Tim in der Hegré-Version aufs Blatt zaubert. Grandios! Während des Prologs hatte ich somit noch das Gefühl ein wahrlich fantastisches Filmerlebnis vor mir zu haben. Bereits an diesem Punkt ist mir jedoch einmal wieder aufgefallen, wie schwer es mir fällt zu real gestaltete Charaktere, die mittels Performance Capture aufgenommen wurden, zu akzeptieren ohne mir stets ihrer Künstlichkeit bewusst zu sein. Manche Bewegungen reißen mich immer wieder aus dem Film heraus und die Technik dominiert die Geschichte. So beeindruckend ich die oft fotorealistischen Renderings auch finde, so sind sie dem Film letztendlich doch abträglich. Insofern war ich beinahe schon etwas enttäuscht, dass Spielbergs Film noch mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat, wie bereits Zemeckis mit „Der Polarexpress“ oder auch „Die Legende von Beowulf“ – beide Filme fand ich zum damaligen Zeitpunkt allerdings zumindest technisch imposanter.

Inhaltlich macht „The Adventures of Tintin“ einiges richtig. Besonders in der ersten Filmhälfte kommt das Gefühl von Abenteuer schon ziemlich gut rüber. Durch die Figur des Captain Haddock wird das Ensemble um exakt den nötigen Grad von Wahnsinn bereichert, der für einen unterhaltsamen Abenteuerfilm nötig ist. So weit, so gut. In der zweite Hälfte verkommt der Film jedoch leider zu einem völlig überdrehten Actionspektakel. Bereits zuvor war mir die oft überstürzt wirkende Erzählweise aufgefallen, doch gegen Ende nimmt sich Spielberg überhaupt keine Zeit mehr für seine Figuren. Dies schlägt sich auch in der Inszenierung nieder. Die Kamera ist völlig losgelöst und richtet sich nur in den seltensten Fällen nach den bekannten Regeln der Montage. Anfangs mag das noch unterhaltsam wirken, doch schon nach kurzer Zeit hätte ich mir klassischere Einstellungen und Schnitte gewünscht.

In Bezug auf „Die Abenteuer von Tim und Struppi“ habe ich oft gelesen, dass Spielberg keine effekthascherischen 3D-Effekte verbaut habe. Doch selbst ohne 3D-TV ist mir in unzähligen Einstellungen aufgefallen, dass man hier nur nach dem 3D-Effekt geschielt hat. Die Kamera kreist beständig um unsere Protagonisten, der Spazierstock des Bösewichts wird stets mitten in die Kamera gehalten usw. Wirklich penetrant und für ein gelungenes Filmerlebnis überflüssig. Ohne den 3D-Effekt beständig im Hinterkopf zu haben, hätte man den Film zumindest inszenatorisch deutlich angenehmer gestalten können. Schade um die netten Ansätze und die aufwändig gestalteten Sets und Charaktere.

Insgesamt bin ich wirklich etwas enttäuscht von Spielbergs Abenteuerspektakel. Besonders Kritiken, die ihn auf nahezu eine Stufe mit den alten „Indiana Jones“-Filmen heben, kann ich nun wirklich nicht nachvollziehen. Da hat mir ja sogar der vielgescholtene „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ besser gefallen. Trotz großer Kritikpunkte ist „The Adventures of Tintin“ größtenteils unterhaltsames Actionkino, das – aufgrund seiner Ambitionen im technischen Bereich – inhaltlich weit hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Schade um die netten Ansätze. Das können Sie besser Mr. Spielberg: 6/10 Punkte.

13 Gedanken zu “Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn – OT: The Adventures of Tintin

  1. Hey, endlich mal eine „schlechte“ Kritik (im Vergleich zu vielen anderen). Also, nicht die Kritik ist schlecht, you know what I mean…. 😀
    Ein Freund sagte erst kürzlich, der sei so toll gewesen. Wobei ich da eher deinen Eindruck nachvollziehen kann, auch wenn ich den Film nicht gesehen habe. Denn das was ich davon gesehen habe, hat mich nicht mal ansatzweise gereizt, ihn mir anzuschauen.

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  2. Weniger eine schlechte Kritik, als eine enttäuschte… ich hatte mir besonders von der Kooperation Spielberg/Jackson mehr erwartet, da ja beide große Erfahrungen auf dem Gebiet des Abenteuerfilms aufweisen. War in meinen Augen aber leider nur ein halbherziger Versuch, der sich zu sehr der verwendeten Technik anbiedert. Wirklich schade.

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  3. Wundert mich nicht, dass der Film „nix“ ist. Dass der Feuilleton pro-Spielberg ist, ist ja bekannt. Aber es hat schon seinen Grund, weshalb ich mir seine Filme nicht mehr antue.

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  4. Naja, „nix“ ist ein bißchen hart. Der Film hat durchaus gelungene Elemente, doch ist er eben weit von dem gelungenen Abenteuer entfernt, als das ihn die meisten Kritiker feiern – und das sage ich als, wie du weißt, Spielberg-Freund.

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  5. Schön. Bin eh kaum noch am Bloggen, jetzt kann ich mir sogar die Kritik zu diesem Film sparen, weil du schon alles geschrieben hast. Seh ich genau so wie du, besonders den zweite Absatz, wenns um die Technik geht.

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  6. Bin ja schon länger kein Spielberg-Fan mehr und kenne auch die Vorlage nicht (ich habe das Gefühl, dass vor allem Fans von Tim & Struppi von dem Film begeistert waren) – von daher darf ich mir die Sichtung wohl sparen.

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  7. Ich bin ja meist beharrlicher Spielberg-Verfechter, doch diesen Film werde ich wohl schon bald wieder vergessen haben. Vermutlich hast du recht und man muss sich genauer mit der Vorlage auseinandergesetzt haben. Ich glaube du verpasst hier nichts…

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  8. Pingback: Media Monday #40 « Tonight is gonna be a large one.

  9. 😀 Ich hoffe, du hast meine Kritik zum Film nicht gelesen. Denn ich gehöre zu denen, die „Indy 4“ schelten und „Tim und Struppi“ mit den alten Indy-Filmen verglichen hat… naja, nicht ganz, aber in einigen Ansätzen. Z.B., dass mir bei „Tim und Struppi“ dieser ganze Schatzsuch-Prozess einfach besser gefallen hat.

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  10. Ich habe deine Kritik inklusive der Kommentare darunter gerade gelesen und diese sind ja allesamt äußerst positiv. Mir hat der Abenteueraspekt auch gefallen und Haddock fand ich toll gespielt und animiert, doch das ganze Außenrum war mir viel zu viel Show und zu wenig Inhalt. Aber ich mochte ja auch den vierten „Indiana Jones“ recht gerne, da dieser neben den pompösen Effekten doch wenigstens etwas in der guten, alten Zeit verwurzelt war.

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  11. Pingback: Review: Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn (Film)

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