Going Postal: Ab die Post (2010)

Gestern Abend stand endlich ein weiterer Besuch der Scheibenwelt auf dem Plan. Mit „Going Postal“ hatte man dieses Mal sogar wieder einen Roman verfilmt, dessen Vorlage mir bekannt ist. Bereits damals fragte ich mich, wie man die komplexe und technisch teils äußerst aufwendige Geschichte jemals verfilmen könnte. Umso überraschter war ich insofern, dass man sich gerade dieses Buch ausgesucht hatte – andererseits: Welches Terry Pratchett-Werk wäre aufgrund seiner überbordenden Fantasie nicht schwierig zu verfilmen?

Wie bereits zuvor „Hogfather“ und „The Color of Magic“ wurde auch diese dritte Scheibenwelt-Verfilmung vom britischen TV-Sender Sky One produziert. Demzufolge handelt es sich bei „Going Postal“ auch um einen TV- und keinen Kinofilm. Dies hat Vor- und Nachteile, doch meiner Meinung nach kann man als Zuschauer und Terry Pratchett-Fan wirklich froh sein, dass man sich bei der Adaption für dieses Format entschieden hat. So gibt es zwar deutliche Einschränkungen was das Budget angeht, doch kann man sich aufgrund der Laufzeit von gut drei Stunden wunderbar auf die Geschichte und die Charaktere konzentrieren. Und mal ehrlich: Würden sich Hochglanz-Effekte tatsächlich gut bei der Visualisierung von Ankh-Morpork machen?

Als Adaption funktioniert „Going Postal“ wirklich tadellos. Ich war wirklich überrascht, wie gut es gelungen ist das Gefühl, die Figuren und die Struktur der Vorlage abzubilden. Eine Verfilmung, die „Ab die Post“ – so der deutsche Titel der Vorlage – absolut gerecht wird. Natürlich gibt es Abweichungen und manche Charaktere sind nicht so gut ausgearbeitet, wie ich mir das gewünscht hätte. Insgesamt jedoch kann man sich auch als Freund und Kenner der Vorlage absolut nicht beschweren und auch wenn „Ab die Post“ nicht zu meinen Lieblingsbüchern der Scheibenwelt-Reihe zählt, so funktioniert der Film als Adaption doch noch einmal deutlich besser, als dies bei „The Color of Magic“ der Fall war. Bitte mehr davon, Sky One!

Neben der natürlich exzellent ausgearbeiteten Geschichte, die eine Satire auf das Unternehmertum, die moderne Telekommunikation und noch unzählige andere Elemente des modernen Leben ist, überzeugen vor allem die allesamt exzellent gewählten Schauspieler: So wird die Hauptfigur Feucht von Lipwig von Richard Coyle (Jeff, „Coupling“) gespielt, Charles Dance (Tywin Lannister, „Game of Thrones“) gibt einen herrlich undurchschaubaren Lord Vetinari und Tamsin Greig (Beverly Lincoln, „Episodes“) ist in einer Nebenrolle als Reporterin zu sehen. Auch die restlichen Darsteller passen erstaunlich gut ins Scheibenwelt-Setting und vermitteln das richtige Gefühl für diese herrlich absurde Welt.

Glaubt man den Gerüchten, so soll die nächste Scheibenwelt-Verfilmung bereits in den Startlöchern stehen. Sky One hat sich anscheinend „Unseen Academicals“ (deutscher Titel: „Der Club der unsichtbaren Gelehrten“) ausgesucht, das bereits in Buchform allerdings erstaunlich schlechte Kritiken bekommen hat. Ich bin dennoch gespannt und kann die Bemühungen des Senders weitere Verfilmungen zu produzieren nur unterstützen. Sie haben das Unmögliche möglich gemacht und Terry Pratchetts wunderbare Welt glaubhaft auf den Bildschirm gezaubert. Für Fans und solche, die es werden wollen eine großartige Erfahrung: 9/10 Punkte.

16 Gedanken zu “Going Postal: Ab die Post (2010)

  1. Ich war bei dem Film irgendwie nicht so ganz sicher, ob ich ihn wirklich gut finden soll, oder eher so „Meh“. Ich kannte (und bislang kenne) ich die Vorlage nicht. Aber die Tendenz war eher zu gut. Was mich allerdings ziemlich gestört hat… ein blonder Lord Vetinari. Schade, dass Jeremy Irons nicht erneut dafür gewonnen wurde. Wer weiß, was die Gründe waren (vielleicht das Budget;) )
    Aber alles in allem, Ankh-Morpork wurde hübsch umgesetzt, wenn man im Zusammenhang von AM das Wort hübsch benutzen kann 😀

    Was „The Unseen Academicals“ angeht… Ich brauchte ca. 80 Seiten, um mich in das Buch reinzufinden. An sich eine nette Story. Aber irgendwie… vermutlich keine super Story zum Film draus machen.

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  2. Lord Vetinari empfand ich eigentlich als sehr gut besetzt. Ich hatte aber auch bereits wieder vergessen, dass er in „The Color of Magic“ von Jeremy Irons gespielt wurde. Aber soweit ich weiß war das damals ja sowieso nur eine kleine Nebenrolle. Charles Dance gefällt mir seit „Game of Thrones“ auch sehr gut und ist für mich auch ein guter Lord Vetinari.

    Mein letzter Ausflug auf die Scheibenwelt war übrigens tatsächlich „Ab die Post“. Seitdem habe ich nichts mehr gelesen. Meine Hochzeit hatte Pratchett während meiner Schulzeit und während des Studiums. Danach habe ich ihn leider etwas aus den Augen verloren.

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  3. Ah, den habe ich auch noch auf meiner (bestimmt vierstelligen) Liste zum Ansehen. Bei der Besetzung rutscht er ein bisschen nach oben.

    Den absolut grässlichen und völlig falsch übersetzten deutschen Titel lassen wir mal unerwähnt.

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  4. Na, da bin ich ja mal gespannt was du zu der Verfilmung sagst – wenn es denn einmal soweit ist, dass du zur Sichtung kommst… 😉

    Den deutschen Titel der Vorlage erwähne ich bei diesen Verfilmungen immer ganz gerne, da etliche deutsche Terry Pratchett-Fans vermutlich nur diesen kennen.

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  5. Absolut starker Film und ein echter Geheimtipp! Als alter Pratchett-Fan habe ich ihn mir damals auf gut Glück gekauft, war auf Anhieb begeistert und habe ihn seitdem schon etliche Male gesehen – und mich immer bestens unterhalten gefühlt. Die Besetzung ist klasse (Charles Dance ist so gut, da blende ich die Haarfarbe einfach mal aus), der Scheibenwelt-Look überzeugend, die Story raffiniert. Aber: Unbedingt im Original anschauen, sonst geht wie ich finde eine Menge Flair verloren.

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  6. Ja, Originalton ist bei den doch sehr auf britischen Humor bauenden Scheibenwelt-Verfilmungen schon fast Pflicht. Kennst du auch die beiden anderen Sky One-Adaptionen? Falls nicht, kann ich sie dir auch nur ans Herz legen. „Going Postal“ mag die rundeste sein, doch auch „Hogfather“ und „The Color of Magic“ lassen uns einen äußerst unterhaltsamen Blick auf die Scheibenwelt werfen.

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  7. Schön eine so eindeutig positive Meinung zu „Unseen Academicals“ zu lesen. Wenn ich mit dem „A Song of Fire and Ice“-Zyklus durch bin – was durchaus noch dauern wird – werde ich hoffentlich die Zeit finden, mich auch einmal wieder der Scheibenwelt in Buchform zu widmen.

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  8. Da ich die beiden ersten Discworld-Verfilmungen für absolut grottig halte, habe ich mir diesen mal wohlweißlich gespart. Irgendwie blockiert da was bei mir, ganz ganz furchtbar …

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  9. Was genau sind denn deine Kritikpunkte? Sicher hätte man einiges besser machen können, doch wenn man den Rahmen (TV-Film mit begrenztem Budget) bedenkt, dann kann man auf jeden Fall zufrieden (bis beigeistert) sein. Zudem wirkt Terry Pratchett höchstpersönlich mit, was den Produktionen noch einen offizielleren Touch gibt.

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