James Bond 007: Casino Royale (2006)

Nachdem alle Welt bereits über den neuen James Bond berichtet hat und Daniel Craig bereits zum zweiten Mal als 007 auf der Leinwand erschienen ist, ergreife nun auch ich die Gelegenheit, um „James Bond 007: Casino Royale“ zu besprechen. Ein neuer Bond, ein frischer Bond. Kein strahlender, charmanter Lebemann. Ein gebrochener Held, unter dessen harter Schale ein verletzlicher Kern zu finden ist. Ein James Bond für die 2010er Jahre.

Früher habe ich James Bond geliebt. Neben den Bud Spencer- und Terence Hill-Kloppereien gehörte die Reihe um den britischen Geheimagenten wohl zu den ersten Filmen, für die ich abends lange aufbleiben durfte. So sah ich in meiner Jugend alle Bond-Filme mit Sean Connery und Roger Moore wohl nicht nur einmal. Exotische Länder, geheimnisvolle Bösewichte und außergewöhnliche technische Gadgets waren der Mix, der die Serie für mich interessant machte. So etwas hatte ich zuvor noch nicht gesehen. Spätestens mit Pierce Brosnan habe ich jedoch das Interesse an der Reihe verloren und seit knapp 10 Jahren wohl auch keinen Bond mehr gesehen. Ob es Daniel Craig gelungen ist, das alte Interesse wieder zu wecken?

Ich muss zugeben, dass Herr Craig durchaus eine gute Figur macht. Besonders das erste Filmdrittel ist wunderbar inszeniert und gespielt. Bond ist körperlicher geworden. Die Actionszenen sind schnell und doch übersichtlich geschnitten. Oft las ich von Vergleichen zur Bourne-Trilogie, doch ist James Bonds Universum weit weniger in der Realität angesiedelt, als das von Jason Bourne. Die oft übertriebene und doch realistisch inszenierte Action steht dem Film gut zu Gesicht und ich wünschte mir sehr, dass die restliche Handlung etwas von dieser Überhöhung mitbekommen hätte.

Auch wenn der Antagonist in „Casino Royale“ wie ein typischer Bond-Bösewicht daherkommt, so fehlt diesem doch der beißende Witz und unserem Helden der lockere Spruch auf den Lippen. Zwar fand ich die deutlich brutaleren Kampfszenen und harten Actioneinlagen sehr gelungen, doch hätte ich z.B. auf die Folterszene durchaus verzichten können. Überhaupt fällt die Handlung im letzten Drittel etwas ab. Die teils schon übertrieben schmonzettige Liebesgeschichte sowie das undurchsichtige Finale hätte man – trotz einer fantastischen Eva Green – durchaus kürzer und prägnanter abhandeln können. Dennoch ist dieser Kritikpunkt nur ein geringer und ich wurde insgesamt ausgezeichnet unterhalten.

Für mich hat „Casino Royale“ tatsächlich wieder das Interesse an James Bond geweckt. So werde ich mir irgendwann demnächst garantiert auch „Ein Quantum Trost“ zu Gemüte führen – auch wenn diverse Kritiken befürchten lassen, dass man 007 noch mehr zum wortkargen Einzelkämpfer stilisiert hat. Vor der nächsten Sichtung sollte ich aber auf jeden Fall meine Poker-Kenntnisse auffrischen. Knappe 8/10 Punkte.

12 Gedanken zu “James Bond 007: Casino Royale (2006)

  1. Da frotzelt er gegen die Brosnan-Bonds, sowas. Klar, DIE ANOTHER DAY ist Müll, aber gerade GOLDENEYE und auch TOMORROW NEVER DIES gefielen mir doch sehr. Aber zu CASINO ROYALE kann ich zustimmen. Geht in Ordnung, am Ende wird’s ein bisserl lang mit Venedig und Tralala.

    Liken

  2. Ich fand „Goldeneye“ auch noch recht gelungen, doch irgendwie habe ich danach generell das Interesse an Bond verloren. Seitdem hatte ich auch keinen klassischen Bond mehr gesehen, da Agentengedöns bei mir eher von Serien („24“, „ALIAS“, „Chuck“ usw.) abgedeckt wurde. Vielleicht werde ich mich nun aber wieder der Bond-Reihe annähern. Mal sehen. Zeit ist ja auch immer eine knappe Ressource… 😉

    Liken

  3. Casino Royale ist für mich ein wirklich starker Film. Vor allem wie perfekt hier die Inszenierung des modernen Actionfilms mit den Elementen von Bond verknüpft wurde, war einfach toll. Die ganze Geschichte um das Poker-Turnier usw., das war einfach eine tolle, spannende Mischung. Ganz starkes Ding.
    Das ging bei Quantum ja dann weitestgehend in die Hose.

    Brosnan mochte ich, bis auf DIE ANOTHER DAY, aber sonst ziemlich gern. Würde gern mal wieder alle Filme mit ihm sehen, aber auf Blu tut sich da ja erstmal nix mehr. Besonders Golden Eye habe ich schon damals oft geguckt.

    Liken

  4. Das Problem ist doch irgendwie, dass „Casino Royale“ tierisch Bock auf Bond macht (ich fand den Film großartig), „Ein Quantum Trost“ macht’s dann aber wieder kaputt. Da wird aus Bond mehr Bourne als alles andere.

    Liken

  5. Erst einmal sorry für die lange Reaktionszeit, aber ich war die letzte Woche im wohlverdienten Urlaub und weit entfernt von jedweder digitalen Kommunikationsmöglichkeit (und das war auch gut so) – mehr zu dem Thema dann irgendwann die Tage in einem gesonderten Eintrag.

    @C4rter: Ich habe nun schon häufig gelesen, dass „Ein Quantum Trost“ leider ziemlich schwach sein soll. Sehr schade. Dennoch werde ich mir den Film bei Gelegenheit einmal anschauen. Auch auf die älteren Bonds habe ich richtig Lust bekommen. Mal sehen, ob ich mir diese irgendwann auch noch einmal zu Gemüte führe. Aber wenn ich jetzt auch noch anfange die „James Bond“-Filme zu sammeln, dann schmeißt mich die Frau raus… 😉

    @Dr. Borstel: Bei den alten Filmen habe ich die übertriebene Non-Stop-Action geliebt, aber das ist ja auch schon mindestens 15 Jahre her. Übrigens fand ich auch die Action in „Casino Royale“ oft ziemlich übertrieben.

    @donpozuelo: Schade, dass sich die Reihe so entwickelt. Ist eigentlich schon ein neuer Bond geplant?

    @Xander: Auf die Idee Bond zu lesen bin ich noch nicht gekommen. Ist aber keine blöde Idee. Wenn doch nur mein Bücherstapel kleiner wäre. Der könnte nämlich direkt meinem Filmstapel Konkurrenz machen…

    Liken

  6. Pingback: Media Monday #38 « Tonight is gonna be a large one.

  7. Pingback: Review: James Bond 007 – Casino Royale (Film)

  8. Pingback: James Bond 007: Casino Royale (WS1) | Tonight is gonna be a large one.

Deine Meinung? (Indem du die Kommentarfunktion nutzt, erklärst du dich mit der Verarbeitung deiner angegebenen Daten durch Automattic, Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden.)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.