The Town – Extended Cut (2010)

Damals im Kino hatte mich der Trailer zu Ben Afflecks „The Town“ ziemlich umgehauen. Endlich einmal wieder ein klassischer Gangsterfilm. Wie bei den meisten anderen Zuschauern wurden auch bei mir Erinnerungen an Michael Manns „Heat“ wach. Dennoch habe ich es nicht geschafft, mir den Film im Kino anzusehen. Umso größer war die Vorfreude auf die Heimkinoauswertung, bei der es – wie so häufig – eine erweiterte Fassung zu sehen gibt.

Ben Affleck wird gerne als Nichtskönner abgetan. Mir selbst ist er nie sonderlich positiv oder negativ aufgefallen. Einzig sein Mitwirken in einigen Kevin Smith-Filmen hat in meiner persönlichen Filmhistorie eine gewisse Relevanz. Seit seinem 2007er Regiedebüt „Gone Baby Gone“ ist er jedoch auch auf dem Radar diverser Filmkritiker aufgetaucht. Spätestens mit „The Town“ dürfte sich sein Ruf als ernsthafter Regisseur weiter gefestigt haben – auch wenn einige Kritiker meinen, den Vergleich mit „Heat“ zu Tode strapazieren zu müssen.

Im Gegensatz zu Michael Manns ikonografischem Gangsterfilm, steht bei „The Town“ nicht das Duell zweier Gegenspieler im Vordergrund. Al Pacinos und Robert De Niros Vermächtnis bleibt also unangetastet. Ben Affleck konzentriert sich in seinem Film eher auf den – wenn man es hochtrabend ausdrücken will – soziogeographischen Hintergrund seiner Charaktere und die damit verbundene Ausweglosigkeit. Daneben wird eine Liebesgeschichte erzählt, die innerhalb dieses Genres teils etwas befremdlich wirkt, aber den Film gerade deshalb außergewöhnlich erscheinen lässt.

Gesehen habe ich den ca. 30 Minuten längeren Extended Cut, der den Charakteren mehr Tiefe verleiht und die Liebesgeschichte ausführlicher erzählt. Vermutlich wirkt die Kinofassung deutlich actionreicher, doch kann ich mir kaum vorstellen, dass sie dadurch an Kurzweiligkeit gewinnt. Die zweieinhalb Stunden der gestrigen Sichtung sind auf jeden Fall wie im Flug vergangen, was neben den exzellenten Schauspielern – u.a. Jon Hamm (Don Draper, „Mad Men“) und Jeremy Renner (William James, „The Hurt Locker“) – vor allem der mitreißenden Inszenierung zu verdanken ist.

Freunde von Gangsterfilmen sollten sich „The Town“ auf jeden Fall merken. Auch wenn der Film nicht den Stellenwert von „Heat“ erreichen wird, so sollte man Ben Afflecks Werk eine gewisse Eigenständigkeit zugestehen. Mit ungetrübtem Blick sind die Qualitäten leichter zu erkennen und man wird die Reise nach Charlestown, Boston auf keinen Fall bereuen. Gar wunderbar altmodisch erzähltes Gangsterkino: 8/10 Punkte.

17 Gedanken zu “The Town – Extended Cut (2010)

  1. Sehr gut, Zustimmung meinerseits!
    Der Extended Cut ist um einiges besser, da halt wirklich mehr von den Chrakteren gezeigt wird und die ganze Liebesgeschichte dadurch auch nachvollziehbarer wird. Und trotz der 2,5 Stunden ist es immer noch sehr kurzweilig, toller Film =)

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  2. @Khitos: Ja, ich fand auch, dass der Film durch die ruhigeren, dialoglastigen Szenen auf jeden Fall gewinnt. Wird bestimmt auch nicht meine letzte Sichtung gewesen sein. Aber das sage ich bei den meisten Filmen, die mich begeistert haben… 😉

    @Sorkin: Dann wird der Film bei dir sicher noch einmal gewinnen. Bin auf deine Kritik dazu gespannt!

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  3. Hmm, von GTA habe ich vor Urzeiten nur einmal den ersten Teil gespielt. Du weißt schon: Vogelperspektive und so. Insofern kann ich da keine großen Vergleiche anstellen.

    „Gone Baby Gone“ habe ich bisher noch nicht gesehen, doch was er hier abgeliefert hat, macht durchaus Lust auf mehr.

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  4. Ich habe nur den Extended Cut gesehen. Guter Film, kleine Längen, nichts wirklich neues, hat mich aber gut unterhalten. Die Entdeckung ist sicherlich, dass Jeremy Renners Performance in „The Hurt Locker“ keine Eintagsfliege war, in „The Town“ ist er nämlich besser.

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  5. Ich fand ihn sowohl in „The Hurt Locker“ als auch „The Town“ richtig gut. In welchem Film er mir nun besser gefallen hat, könnte ich gar nicht sagen. Aber wir werden von ihm in den nächsten Jahren bestimmt noch einiges sehen…

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