Australia (2008)

Als ich damals in der Schule erklärte, dass mir Baz Luhrmanns Verfilmung von „Romeo + Juliet“ außerordentlich gut gefällt wurde ich belächelt. Auch wenn ich heute erwähne, dass „Moulin Rouge“ zu meinen absoluten Lieblingsfilmen zählt werde ich oft noch schief angesehen. Mir fällt es leicht mich von Luhrmanns konstvoll inszeniertem Kitsch einfangen zu lassen. So hätte es wohl auch kein anderer Regisseur geschafft, mich mit der Prämisse von „Australia“ ins Kino zu locken. Ein schwülstiger Liebesfilm vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Doch „Australia“ ist so viel mehr.

australia

Wenn man ein Epos mit einem Titel wie „Australia“ dreht, dann schürt man gewisse Erwartungen. Wenn man dann noch ein dunkles Kapitel der australischen Geschichte aufschlägt und es in die romantische Abenteuerhandlung einbettet, dann wird dem Film eine zusätzliche Bedeutung verliehen. Warum die unterschiedlichen Ansätze dennoch so gut zusammenspielen liegt wohl zu großen Teilen auch an der Erzählperspektive des Films: Erzählt werden die Ereignisse von Nullah. Nullah ist ein Kind, das zwischen den Welten aufwächst. Nicht Aborigine. Nicht Weißer. Dass er dennoch selbstbestimmt sein Leben führen kann, davon handelt dieser Film. Diese Geschichte, die man am besten selbst mit großen Kinderaugen betrachtet.

„Australia“ lebt von seinen Bildern. Weite Ebenen. Rauhe Felsen. Grüne Landstriche. Hier läuft der Film wirklich zu seiner Höchstform auf – und erliegt gleichzeitig seiner größten Schwäche. Manche Einstellungen erscheinen so zauberhaft erhöht, dass deren künstlicher Ursprung zu sehr in den Vordergrund tritt. Auch einige Actionszenen können ihren artifizielle Entstehung nicht verbergen, was mir teils wirklich bitter aufgestoßen ist. Hier fühlte ich mich oft aus dem Film herausgerissen, was schade ist da ich Luhrmanns Intention Australien als beinahe schon magischen Kontinent darzustellen durchaus verstehen kann.

Im weiteren Verlauf der Handlung konzentriert sich die Geschichte verstärkt auf das Kriegsgeschehen, was ich teils auch zuviel des Guten fand. Aber das ist wohl Geschmackssache. Insgesamt kann man sich sowieso glücklich schätzen, dass es Luhrmann gelang die doch sehr begrenzte Handlung ohne gefühlte Längen auf zweieinhalb Stunden zu dehnen. Es ist wohl auch ein Verdienst der Schauspieler, die ihre beinahe schon naiven und klischeehaften Charaktere so wundervoll ausfüllen, dass es auch am Ende des Films noch Freude macht ihnen zuzusehen. Eine tolle Leistung von Nicole Kidman, Hugh Jackman und ganz besonders auch Brandon Walters.

Für mich ist „Australia“ der wohl schwächste von mir gesehene Film des Regisseurs. Vielleicht waren meine Erwartungen nach „Moulin Rouge“ auch nur zu hoch. Wirklich enttäuscht bin ich dennoch nicht, hat mich der Film doch exzellent unterhalten und tatsächlich etwas Fernweh in mir ausgelöst. Wer eine rührende, klassische Abenteuerromanze mit historischen Hintergrund sehen möchte, dem kann ich „Australia“ nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.

12 Gedanken zu “Australia (2008)

  1. Ich war gestern drinnen und habe mich auf den Film aufgrund der anstehenden Hochzeitsreise nach Australien riesig gefreut. Leider wurde ich herb enttäuscht: Aus den zwei Handlungssträngen (Liebe zwischen Lady Ahsley und Drover; Geschichte von Nullah) hätte man wesentlich mehr machen können und so manche Einzelheiten besser ausarbeiten können (z.B. der Kuss der gerade gewordenen Witwe Ashley und Drover). Der Film war im Endeffekt eine schnulzige und flache Liebesgeschichte mit einigen schönen Eindrücken von Australiens Outback! 5 von 10 Punkten

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  2. Aus der Geschichte hätte man gewiss mehr machen können, doch das war bereits bei „Moulin Rouge“ der Fall. Für mich steht hier abermals die pompöse Inszenierung im Vordergrund, welche Luhrmann – sieht man von den teils offensichtlichen CGIs ab – wirklich wieder sehr gekonnt hinbekommen hat. Auch emotional konnte mich der Film wirklich mitreißen.

    Dir wünsche ich dann, dass die Hochzeitsreise gelungener ausfällt, als deine Sichtung von „Australia“!

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  3. Auch wenn ich heute erwähne, dass “Moulin Rouge” zu meinen absoluten Lieblingsfilmen zählt werde ich oft noch schief angesehen.

    Was soll ich da sagen, mich schaut man in der Bloggersphäre dumm an, weil ich die Lyrics mitsingen kann.

    Finde den Film sehr gelungen und sehe ihn nicht als Enttäuschung an, da er weitaus mehr versucht zu sein, als es bei den vorherigen beiden der Fall war. Genauso wie mit der CGI, die hier nur Mittel zum Zweck ist und nicht perfekt sein möchte. Ganz großer Film in meinen Augen, der auch bei der Zweitsichtung kein bisschen nachgelassen hat. 🙂

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  4. Auf unserer Hochzeit haben befreundete Sänger sogar COME WHAT MAY in der Kriche vorgetragen, so sehr ist uns „Moulin Rouge“ ans Herz gewachsen. Da kommt für mich lange kein Musical – insbesondere kein Musicalfilm – ran.

    Auch „Australia“ gefällt mir lange nicht so sehr. Sicher hatte Luhrmann hier mehr vor, als nur zu unterhalten. Dennoch fand ich den Film in manchen Teilen einfach zu unausgewogen und über die CGIs komme ich einfach nicht hinweg. Dennoch ein wirklich starker Film, doch für mich eben kein zweiter „Moulin Rouge“.

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  5. Ha, war gestern auch drin (wie das so ist, wenn man zu mehreren ins Kino geht) und deine Kritikpunkte sind mir auch aufgefallen und ich sehe sie negativer und stimme fahnenmeier zu.
    Besonders die extrem kitschigen Aufnahmen von Jackman waren wirklich zu viel des Guten. Der Mann sieht gut aus, aber das soll man mir das nicht so ins Gesicht drücken, sondern subtil streuen, dass man nach mehr verlangt.

    Du meintest, dass das dunkle Kapitel der verlorenen Generation ein gutes Thema war. Richtig, doch dann hätte man sich darauf konzentrieren sollen und die Liebesgeschichte etwas runterfahren sollen (denn sowas hat man schon Trillionen Mal gesehen und zusammengekürzt auf ein Viertel hätte man auch alles verstanden).

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  6. Da bin ich wohl empfänglicher für den Luhrmann’schen Kitsch, als die meisten anderen Kinobesucher… 😉

    Ich fand es eher gelungen, dass er aus diesem dunklen Kapitel kein bierernstes Drama gemacht hat. Luhrmanns Intention war ja eine große Abenteuerromanze im Stil der Klassiker zu gestalten, was ihm meiner Meinung nach auch über weite Strecken gelingt. Ich hätte insgesamt nur noch einen Tick mehr erwartet, um „Australia“ als großes Nationalepos zu etablieren.

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