Brücke nach Terabithia – OT: Bridge to Terabithia

Lange hat es gedauert, bis die Verfilmung von „Brücke nach Terabithia“ ihren Weg in meinen DVD-Player fand – dabei hätte mich der Film bereits im Kino interessiert. Doch wie es leider immer öfter der Fall ist, kam ich nicht dazu. Letztendlich bin ich jedoch ganz froh, dass ich den Film in heimischer Ruhe genießen konnte. Spoiler sind übrigens zu erwarten.

Anders als das Marketing dem potentiellen Zuschauer glauben machen wollte, handelt es sich bei „Brücke nach Terabithia“ keineswegs um einen Fantasy-Blockbuster à la „Der Herr der Ringe“ oder „Die Chroniken von Narnia“. Der Film erinnert eher an Jugendfilmklassiker, wie „Stand by Me“ – weniger in der Handlung, als in Atmosphäre und Aussage. Man merkt, dass hier mehr dahinter steckt als die reine Beschreibung einer schwierigen Kindheit.

Freundschaft. Verlust. Fantasie. Selbstfindung. Toleranz. Liebe. Geborgenheit. Familie. Dies sind nur einige der Themen, die unter der Oberfläche schlummern. Die Einbettung dieser Themen in die Geschichte ist selbstverständlich nicht frei von Klischees, doch sind diese absolut nicht störend. Man wird als Zuschauer sofort in die Geschichte hineingesogen und – wie bereits bei „Stand by Me“ – gibt es mehrere Szenen, bei denen ich an meine eigene Kindheit denken musste. Wer hat nicht im Wald Lager gebaut, mit unsichtbaren Gegner gekämpft und eigene Welten erschaffen? Von den Unwägbarkeiten der kindlichen Realität einmal ganz abgesehen.

Emotional ist der Film wirklich enorm stark. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so mit den Tränen kämpfen musste – dabei ist die Inszenierung wirklich alles andere als schnulzig oder übertrieben ergreifend. Der Verlust kommt plötzlich. Wie ein Schock. Das Unfassbare muss nicht nur von Jess erst einmal verarbeitet werden.

„Brücke nach Terabithia“ ist kein perfekter Film. So habe ich mich an den Fantasy-Sequenzen teils doch etwas gestört. Zwar waren diese nett in den Film eingebunden, doch wirkten sie dennoch stets wie Fremdkörper und ich bin mir nicht sicher, ob sie wirklich nötig waren. Auch hatte ich teils das Gefühl, die Handlung wäre etwas gehetzt. Ich denke ein paar Minuten mehr hätten dem Film nicht geschadet. Insgesamt sind das aber nur kleinere Schönheitsfehler.

Ich wurde – trotz meines Vorwissens um die grobe Handlung – wirklich überrascht. Ich hätte mir kein solch ernstes und mitreißendes Drama erwartet. Schade, dass der Film – zumindest in unseren Breiten, in denen die Vorlage kaum bekannt ist – wohl kein großes Publikum finden wird. Verdient hätte er es: 8/10 Punkte.

6 Gedanken zu “Brücke nach Terabithia – OT: Bridge to Terabithia

  1. Ich bin seinerzeit auch voll in die „das wird ein Fantasyfilm“-Falle getappt und habe die ganze Zeit auf ein schickes CGI-Monster gewartet. Mit der Einstellung trifft einen der „Schock“ des Films dann natürlich umso heftiger. Hat mich auch einiges an Mühe gekostet, keine Heulboje ins Wasser zu lassen.

    Ich will nicht wissen, wieviele Eltern damals mit ihren Kids da reingingen und das Kino mit einem anderen Gefühl als erwartet verließen.

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  2. Es ist schon erstaunlich wie viel falsches Marketing kaputt machen kann. Hätte man den Film als das beworben, was er ist – ein eher klassisches Jugenddrama – dann wäre er wohl auch positiver aufgenommen worden. Aber selbst das DVD-Cover schreit ja noch Fantasy-Epos.

    Trotzdem schön zu sehen, dass der Film an sich zu überzeugen weiß. 🙂

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  3. Oh, was dieser Film für fürchterliche Dinge mit unserer Videothek angestellt hat! Ich habe ihn bisher nie gesehen, aber viele Eltern haben sich beschwert, dieser Film hätte weinende Kinder zurück gelassen, und wie man das überhaupt als „Kinderfilm“ beschreiben könnte (wir haben ihn absichtlich NICHT zu den Kinderfilmen gestellt, aber das Marketing scheint wohl doch übergreifender zu sein)… naja. Nach deiner Beschreibung könnte ich mir ihn doch mal anschauen, ich habe bisher immer gezögert, auch ziemlich verunsichert von dieser Fantasy-Film Sache, die ja überhaupt nicht mein Ding ist.

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  4. Ich würde schon sagen, dass „Brücke nach Terabithia“ sehr gut als Kinderfilm funktioniert. Nicht für die ganz kleinen – welcher Film tut das schon? – doch generell sehe ich da kein Problem. Ich habe mich teils auch an „My Girl“ erinnert gefühlt, bei dem ich früher auch nur schwer an mich halten konnte.

    Gib dem Film ruhig eine Chance, aber wenn ich mich recht entsinne hat dir „Stand by Me“ nicht so gut gefallen und „Brücke nach Terabithia“ schlägt schon eine ähnliche Richtung ein…

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  5. Dieser Film ist einer der wenigen, die ich bis zum Ende selbst im Flugzeug absolut gefesselt und bewegt verfolgt habe. Auf dem naechsten Flug ein paar Monate spaeter war der Film immer noch im Angebot und selbst beim zweiten Mal war ich wieder sehr beruehrt.

    Die Geschichte ist schoen und gradlinig, die jungen Darsteller fantastisch und die Inszenierung gelungen. Von mir 9 von 10 Punkten.

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