Barfuss

Nach der überaus positiven Sichtung von „Keinohrhasen“ habe ich mir gestern Abend nun Til Schweigers Vorgängerfilm „Barfuss“ angesehen. Ich finde man merkt deutlich, dass diese beinahe schon sanfte Liebeskomödie dem deutschen Kinohit von 2007 vorausging. Schweiger hat anscheinend seinen Inszenierungsstil – der ihm in „Der Eisbär“ noch abging – gefunden.

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Die Geschichte ähnelt zunächst der des Nachfolgers: Ein scheinbar egoistischer Typ. Ein ungewollter Job. Eine gegensätzliche Beziehung. Jedoch merkt man schon bald, dass die Stimmung eine gänzlich andere ist. Zwar durchaus humorvoll, doch schwerer und tragikomischer als im lockeren und ziemlich direkten Nachfolger. „Barfuss“ lebt hier auch sehr von der anrührenden Naivität mit der Johanna Wokalek ihren neurotischen Charakter portraitiert. Auch Til Schweiger kann in gefühlvollen Szenen überzeugen – wenngleich die Figur des Nick Keller in großen Teilen doch wieder sehr seinem filmischen Archetypen entspricht.

So sehr sich „Barfuss“ in Sachen Inhalt von seinem Nachfolger unterscheidet, so sehr ähneln sich die Filme in Sachen Inszenierung. Erdige Herbsttöne treffen auf stimmungsvolle Einstellungen und werden mit einem ausgewählten Soundtrack garniert. Trotz aller Übereinstimmungen merkt man dem Film auch deutlich an, dass Schweiger bzw. sein Team hier noch viel probiert hat. In manchen Einstellungen fand ich das color grading nicht sauber genug oder die Montage teils zu holprig. In meinen Augen wirkte „Keinohrhasen“ ist Sachen Inszenierung bereits gefestigter und reifer. Ein deutlicher Fortschritt.

Die schöne Geschichte und die gelungene Inszenierung machen „Barfuss“ zu einer sehenswerten romantischen Komödie, die – im Gegensatz zu „Keinohrhasen“ – etwas Abseits vom Mainstream läuft: Körperliche Liebe wird hier nicht einmal am Rande thematisiert. Auf jeden Fall sehenswert: 7/10 Punkte.

9 Gedanken zu “Barfuss

  1. Den fand ich z.B. sehr viel gelungener als den grausigen KEINOHRHASEN, auch DER EISBÄR fand ich relativ unterhaltsam. Aber der Schweiger, ts, der gründet ja auch eigene Filmpreise, wenn er die normalen nicht gewinnt 😀

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  2. Ja, ich dachte mir schon, dass „Barfuss“ bei dir besser wegkommen würde, als „Keinohrhasen“. Er mag von der Handlung auch der erwachsenere bzw. anspruchsvollere Film sein – allerdings hatte ich bedeutend mehr Spaß mit den ohrenlosen Hasen… 😀

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  3. Hi, nachdem ich mich – unter anderem wegen deiner positiven Bewertung – an Keinohrhasen getraut habe und nicht enttäuscht wurde (danke dafür) werde ich wohl auch mal Barfuss probieren.

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  4. was für ein wunderschöner und berührender film. ich musste den einfach sehen – und bin jetzt gespannt auf Keinohrhasen. Falls der noch läuft…
    liebe grüsse

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  5. Habe am Montag auch Barfuss gesehen. Den Film an sich fand ich gut, allerdings schienen mir die Farben, konträr zu dem was du schreibst, doch noch ziemlich dunkel & düster. Da ist es bei KeinOhrHasen ein wenig lebendiger und intensiver 🙂

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  6. Also ich finde schon, dass man die Farbgebung und Inszenierung von „Barfuss“ als direkte Vorstufe zu „Keinohrhasen“ sehen kann. Bei Letzterem ist das ganze natürlich noch einmal um einiges weiter fortgeschritten. Die Herbsttöne überwiegen jedoch in beiden Filmen.

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  7. Pingback: Barfuss (2005) | Film-Blogosphäre

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