Kill Bill: Vol. 2

Wie angekündigt, habe ich gestern endlich „Kill Bill: Vol 2“ gesehen. Die Erwartungen waren hoch. Sehr hoch. Leider schafft es Volume 2 nicht, diese einhundertprozentig zu erfüllen. Dennoch wirkt der Film mit seinen Brüchen zum ersten Teil im Schaffen Tarantinos nur konsequent. Zusammen ergeben beide Volumes dann tatsächlich das erhoffte Meisterwerk – zumindest für Zuschauer, die sich mit dieser Auffassung von Kino und Film identifizieren können.

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„Kill Bill: Vol. 2“ ist das genaue Gegenstück zu Volume 1. Hat der erste Teil von abgedrehten Actionsequenzen und einer überschschwänglichen Inszenierung gelebt, so findet man sich in Volume 2 eher in einem klassischen Tarantinofilm wieder. Lange Einstellungen. Langsame Kamerafahrten. Ausführliche Dialoge und ebensolche Monologe. War Volume 1 Martial Arts mit Italowesternanteilen, so ist Volume 2 Italowestern gespickt mit Martial Arts. Bereits die Eröffnungssequenz in der Kirche atmet die Opernhaftigkeit eines Sergio Leone Westerns. Unglaublich intensiv und wunderbar fotographiert. Diese Ruhe zieht sich durch den gesamten Film und wirkt – auch mit Volume 1 im Hinterkopf – nie fehlplatziert.

Neben der grandiosen Eröffnungssequenz haben es mir besonders die Szenen im Sarg, der Kampf im Trailer, sowie die Lehrstunden mit Meister Pei Mei angetan. Hier war ich fast noch überzeugt, der Film könnte Volume 1 noch übertreffen. Doch mit fortschreitender Laufzeit, gab es einige Szenen, die ich nicht mehr so hundertprozentig überzeugend fand. Allen voran der alternde Bordellbesitzer. Für sich genommen bestimmt nett und unterhaltsam, im Film aber eher störend und einfach unnötig für die Geschichte.

Dann endlich: Das Finale. Bill. Kill Bill. Das lange Vorspiel mit der Tochter und den Gesprächen fand ich zwar irgendwie sinnvoll, da hier das Dilemma (Töten des Vaters) kurz angeschnitten wurde und auch der Inhalt (Superman) durchaus ansprechend war. Doch letztendlich wurde ich emotional nicht so mitgerissen wie erhofft. Das gleiche gilt für den Schlusskampf. Sicher war es konsequent auch hier mit der Erwartungshaltung zu brechen und den lang erwarteten Kampf überraschend (und doch irgendwie erwartet) schnell enden zu lassen. Doch auch hier gilt: Irgendwie unbefriedigend und nicht so befreiend wie erhofft.

Insgesamt ist auch Volume 2 ein wirklich toller Film. Die Figuren bekommen endlich die nötige Tiefe und ihre Motivation wird klarer, wodurch sich die Braut auch endlich einen Namen verdient: Beatrix Kiddo. Auch ergeht es ihr nicht wie anderen Racheengeln, die sich nach getaner Arbeit leer und nutzlos fühlen (Budd und Elle Driver) – nein, sie ist jetzt Mutter und fällt dadurch nicht in das erwartete Loch. All dies ist schön konstruiert und teils gibt es wirklich fantastische Szenen, doch irgendwie wirkt der Film auf mich unrund und – wenn man das Ende betrachtet – emotional zu wenig mitreißend. Vielleicht würde eine Gesamtfassung „Kill Bill“ doch noch ein Stück nach vorne bringen. Mit vielleicht einer etwas anderen Chronologie der Szenen. Vielleicht. Ich kann es nicht sagen, würde mir aber auch diese Fassung auf jeden Fall ansehen.

Tarantino hat mit „Kill Bill“ ein höchstinteressantes und unterhaltsames Racheepos geschaffen. Tolle Bilder, tolle Figuren, grandiose Actionsequenzen. Müsste ich Volume 2 getrennt bewerten, würde ich nach der aktuellen Sichtung 8/10 Punkte vergeben. Das Gesamtwerk schafft es dagegen locker auf 9/10 Punkte – und das war schließlich erst der Anfang…

6 Gedanken zu “Kill Bill: Vol. 2

  1. Nix da! Vol. 2 ist mindestens genauso genial wie der erste Teil. Der Film ist tatsächlich mehr im Stil der vorangegangenen Tarantino-Filme, aber so brillant wie er diesen umsetzt, so hat er in meinen Augen keinen seiner Filme zuvor umgesetzt. Die vielen Dialoge erklären ja erst das Gemetzel des ersten Films und geben diesem einen Sinn. Wenn auch einen ziemlich abgedrehten Sinn.

    Besonders beeindruckend und genial war die Sargszene, die ich gestern auch meinte. So intensiv habe ich glaube ich noch nie irgendwo mitgelitten, jetzt weiß man, wie es ist, lebendig begraben zu sein. Zudem ist dieser Kick, mit dem sich die Braut aus dem Sarg befreit, zu meinem Lieblingskick geworden, den ich gerne in spaßiger Form gerne bei geschlossenen Türen und Kaffeeautomaten anwende. *breitgrins*

    Gut, ich gehe noch dahin mit, dass der Storypart um den Bordellbesitzer etwas aufgesetzt ist, hier wäre etwas spannenderes sicher besser gewesen. Aber das Aufeinandertreffen mit dem kleinen Mädchen, wie B. sie zu Bett bringt und die vorherhigen Dialoge mit Bill beim Abendbrot sind in meinen Augen eine Glanzleistung. Später ist diese Szene auch mit brillanter Musik untermalt, als B. wieder zu Bill herunterkommt. Ich empfinde diese Szenen als sehr stimmungsvoll, emotional und atmosphärisch und es passt absolut als Ende zu dem Zweiteiler.

    Ich schätze mal, du hast die beiden Filme jetzt „nur“ auf DVD gesehen. Ich weiß nicht genau, aber ich finde, die Filme wirken im Kino besser. Die beiden Filme habe ich damals im OpenAir-Kino bei den Filmfestspielen am Elbufer bei uns in Dresden auf der größten mobilen Leinwand Europas gesehen. Da hat man im Hintergrund die Elbe und auf der anderen Flußseite die historische Altstadt von Dresden mit Frauenkirche, Brühlsche Terrasse, Semperoper usw. Das war natürlich insgesamt schon ein sehr stimmungsvolles Erlebnis. Ich denke jedenfalls, dass die Filme auf einer großen Leinwand mit entsprechender Soundtechnik noch deutlich besser wirken.

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  2. Wieso nur der Anfang?
    Und ich bin nicht so beeindruckt gewesen von „Kill Bill“, muss ich gestehen. Obwohl ich durchaus ein Tarantino-Fan bin. Aber wer weiß? Vielleicht wär das anders, wenn ich die Filme nochmal sehen würde. Auf jeden Fall haben mich deine Rezensionen dazu gebracht, das in Erwägung zu ziehen 😉

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  3. Ich finde auch, dass der comichaft übertriebene erste Teil durch Volume 2 noch einmal kräftig an Qualität gewinnt. Keine Frage. Die Dialoglastigkeit und Ruhe des zweiten Films stellt für mich auch kein Problem dar. Eher die emotionale Wirkung auf mich. Da hat das Finale für mich nicht wirklich gezündet. Aber das macht gar nichts, denn Tarantinofilme wirken – zumindest für mich – mit jeder Sichtung stärker. Ich bin mir auch sicher, dass Volume 2 in Zukunft nur an Kraft gewinnen kann, deshalb sehe ich die gestrige Sichtung auch als Anfang.

    Die buried alive Szene fand ich auch grandios und ziemlich intensiv. Hat mich sehr an die „CSI“-Episode „Gravedanger“ erinnert, die ja auch von Tarantino inszeniert wurde und selbst für Nichtfans der Serie interessant sein dürfte.

    Das mit der Sichtung stimmt. War nur auf DVD. Ich finde sowieso, dass viele Filme mit dem Außenrum wachsen können. Den Rahmenbedingungen der Sichtung. Solche Details bleiben dann in der Erinnerung untrennbar mit dem Film verbunden und werten ihn auf. Das sind dann rückblickend immer die schönsten Erlebnisse. Meine Sichtung war gestern leider 08/15. Dennoch blicke ich zuversichtlich in meine zukünftige Beziehung mit „Kill Bill“. 😉

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  4. In Alias gibt es in der 4. Season ja auch so eine burried alive-Szene. Die hat man garantiert auch von Kill Bill abgekupfert. 😉 Tarantino ist ja auch in Season 1 und 3 als Gaststar aufgetreten. CSI wiederum kenne ich leider nicht.

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  5. Stimmt, die „Alias“ Folge war auch nett. Glücklicherweise kam ja Marshall zur Rettung herbeigeeilt und hat Sydney erlöst.

    Die „CSI“-Doppelfolge ist wirklich zu empfehlen und auch einzeln auf DVD erhältlich. Man spürt teils mehr als deutlich die Handschrift Tarantinos.

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