Wo ist Fred?

Gestern habe ich in unserem kleinen Kino die deutsche Komödie „Wo ist Fred?“ gesehen. Deutsche Komödie. Deutsche Komödie mit Til Schweiger. Noch vor einigen Jahren hätten bei mir jetzt alle Alarmglocken geschrillt. Doch die Post-„Der bewegte Mann“-Ära ist lange vorbei und die Geschichte hat in meinen Ohren sehr interessant geklungen. Ich war also guter Dinge, habe aber dennoch nicht solch einen superlustigen Film erwartet.

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Die von amerikanischen Drehbuchautoren geschriebene Geschichte hat im Vorfeld anscheinend für einigen Wirbel gesorgt. In den USA wollte niemand sich an das – angeblich – heikle Thema heranwagen. Umso besser! Ich möchte gar nicht wissen, was aus diesem Film geworden wäre, hätten z.B. die Farrellys das Drehbuch in die Hände bekommen. Dennoch verstehe ich die ganze Aufregung nicht: Wo ist das Problem? In dem Film wird nicht über Behinderte gelacht, sondern über das Verhalten ihrer Mitmenschen. Zudem finde ich es gut, dass nicht die Mitleidsschiene gefahren wird, so wie in den meisten Filmen über Behinderte. Ich habe während meiner Zivizeit viele Behinderte kennen gelernt und bin mir sicher, sie alle hätten sich bei „Wo ist Fred?“ köstlich amüsiert und sich in keinster Weise angegriffen gefühlt.

Die Geschichte ist simpel, steckt aber voller Witz und wirklich lustiger Einfälle. Zudem ist sie toll inszeniert und erstklassig besetzt. Ich habe gestern festgestellt, dass ich Til Schweiger eigentlich doch ganz gerne sehe, Jürgen Vogel selbst in Nebenrollen zur Hochform aufläuft, Christoph Maria Herbst vielseitiger ist, als ich dachte, und Alexandra Maria Lara einfach supersüß ist. Ergänzt werden die Kernschauspieler durch famose Nebendarsteller, die den Film erst lebendig machen. Sehr sympathisch.

Insgesamt bin ich besonders vom Humor des Films sehr angetan. Da trifft Slapstick auf Situationskomik und beides wird in eine klassiche Screwballkomödie eingebettet. Hat bei mir einen Nerv getroffen. Schön auch die eher versteckten Anspielungen: So hängt in Freds Wohung (Anmerkung: Fred bowlt gerne) ein Poster von „The Big Lebowsky“ oder bei der Erpressung des AKs (denkt mal alle an Mittermeier) läuft im Hintergrund „Das kleine Arschloch“. Solche subtilen Details füllen die Lücken in der Geschichte locker auf und machen einfach Spaß.

Schön fand ich auch die Musikuntermalung. Als dann im Abspann CHASING CARS von SNOW PATROL lief, war ich vollends zufrieden. Leider steht zu befürchten, dass der Film ziemlich untergeht – bzw. schon untergegangen ist. Ich empfehle deshalb jedem, der noch die Chance hat, den Film in einem vollen Kino zu sehen, diese Möglichkeit auch wahrzunehmen: 8/10 Punkte.

10 Gedanken zu “Wo ist Fred?

  1. Da warst Du mutiger als ich. Mich hat allein schon Til Schweiger abgeschreckt. Der Typ macht auf mich einen so superhohlen Eindruck, daß ich mich automatisch aufregen muß, wenn ich ihn sehe. Zudem bestätigte mich der Trailer eher in dem Eindruck, daß hier wohl kaum mein Humor getroffen würde. Ein bißchen mieses Marketing kann man den Machern wohl schon vorwerfen.

    Ins Kino rennen werde ich deswegen nicht mehr, aber im TV kriegt er auf jeden Fall eine Chance.

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  2. Ja, den Eindruck macht Til Schweiger auch auf mich. Liegt wohl vor allem an seiner nuscheligen Aussprache. War gestern aber wirklich überrascht, wie sypathisch er in der Rolle auf mich gewirkt hat.

    Der Humor ist nichts hochgeistiges, aber wenn man auf klassische Screwballkomödien steht und zudem etwas Slapstick verträgt, wird man gute 100 Minuten lang ausgezeichnet unterhalten.

    Ich war wirklich positiv überrascht und bin jetzt schon auf deine TV-Meinung gespannt… so in ein paar Jahren. 😉

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  3. Ach, bei deutschen Filmen dauert das ja naturgemäß nicht so lange. Manchmal laufen die schon auf ARTE und gleichzeitig noch in ein paar verschlafenen Kinos. Na gut, der hier läuft jetzt vielleicht nicht auf ARTE…

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  4. Aaargh, deutscher Film. Kömodie. Mit Til Schweiger!
    Andererseits aber mit der süßen Anna Maria Lara (ich habe eine Schwäche für Frauen ohne Nachnamen) und Christoph Maria Herbst. Und jetzt auch noch eine 8/10 Bewertung von dir, das steigert sich bei mir in eine Konfliktsituation epischen Ausmaßes.

    Wenn er auf DVD rauskommt, leih ich ihn vielleicht aus und guck weg, wenn Schweiger im Bild ist 😉

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  5. Wer hätte gedacht, dass ich es jemals schaffe zu einer Konfliktsituation epischen Ausmaßes beizutragen?

    Bin auch auf deine Meinung gespannt und hoffe, dass ich mit meiner dann nicht alleine dastehe werde… 😉

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  6. Heißt die süße Dame nicht Alexandra Maria Lara? Tja, das passiert wohl, wenn man zu süß ist, die Herren können sich den Namen halt nicht mehr merken… 😉

    Abgesehen davon lasse ich die Finger aber auch eher von deutschen Komödien…

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  7. Meiner Meinung nach gibt es schon ein paar durchaus lohnende deutsche Komödien. „Bang Boom Bang“ finde ich nach wie vor grandios. „Absolute Giganten“ ist zwar nicht unbedingt eine Komödie, hat aber Humor und ist einer meiner Lieblingsfilme. Auch „Wer früher stirbt, ist länger tot“ fand ich – auf seine spezielle Art – klasse.

    So generell habt ihr aber schon recht. Besonders bei Auswüchsen à la „7 Zwerge“ ergreife ich die Flucht…

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