Creep

Von „Creep“ gab es im Vorfeld nicht viel Gutes zu hören. Zu geschmacklos schimpften die Moralapostel, zu langweilig die Horrorfans. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und das macht Christopher Smiths Kinodebüt zu einem wirklich sehenswerten Genrefilm.

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Am meisten profitiert „Creep“ von seiner Location. Ich denke jeder war schon einmal in größeren U-Bahn-Labyrinthen wie Berlin, London oder Paris und kann deshalb das mulmige Gefühl nachvollziehen, das einen dort zu beschleichen droht: Dunkelheit. Einsamkeit. Seltsame Geräusche. Ratten. Und letztendlich ein Irrer, der aussieht wie Gollum. Das ist wahrlich der Stoff aus dem Albträume gemacht sind.

Der Regisseur weiß diese Elemente auch effizient einzusetzen. Anfangs kommt das Grauen noch langsam, dann steigern sich die Schockeffekte und die Enthüllung des Monsters kann es sogar fast mit „The Descent“ aufnehmen. Das Monster selbst übrigens auch. Scheint ein entfernter Verwandter der Crawler zu sein. Nachdem das Rätsel um den Killer gelöst ist, verändert sich der Film. Weniger Grusel, mehr Terror und Blut. Teils ist dies gelungen (Käfigszenen), teils wirkt das Treiben des verrückten Gynekologen eher aufgesetzt und ist zu gewollt schockierend (OP-Szene). Gegen Ende des Films nimmt unsere Hauptfigur (Franka Potente) dann noch ein paar geistige Auszeiten, nur um kurze Zeit später über sich selbst hinauszuwachsen und das Monster effektvoll in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Das alles lässt sich weit weniger unbefriedigend anschauen, als es hier eventuell den Eindruck macht. Liegt vermutlich an der angenehm kurzen Laufzeit des Schockers.

„Creep“ funktioniert. Er verbreitet bei der Sichtung ein ungutes Gefühl. Ein Horrorfilm eben. Technik und Kameraarbeit passen zum schmutzigen Look des Films. Die U-Bahn-Stimmung kommt wirklich perfekt rüber. Allein die Geschichte offenbart wieder einmal die typischen Schwächen des Genres: Schwache Figurenzeichnung, kaum Überraschungen und eine eher unbedriedigende – da nicht existente – Auflösung. Alles in allem jedoch weit entfernt von der Katastrophe, als die „Creep“ verschrieen ist. Sollte man sich als Genrefreund ruhig einmal ansehen: 6/10 Punkte.

6 Gedanken zu “Creep

  1. Ich fand den jetzt auch nicht sooo schlecht, wie er überall gemacht worden ist. Hängt wohl einerseits wirklich mit der kurzen Laufzeit und andererseits mit dem Deutschlandbonus der Hauptdarstellerin zusammen. Der Auftritt der Gollum-Kopie hat mich auch an „The Descent“ erinnert und aufgeschreckt.

    Richtig schlecht fand ich in letzter Zeit in dem Bereich „The Devil’s Rejects“, da war das Quälen durch die knapp zwei Stunden schlimmer als der gezeigte Horror.

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  2. So schlecht fand ich „The Devil’s Rejects“ eigentlich nicht. Wenn auch weniger klassischer Horrorfilm, als typischer 70er Jahre Exploiter.

    Rob Zombies Spiel mit den Identifikationsfiguren fand ich im Ansatz auch interessant, hat bei mir aber nicht so recht gezündet, da zu durchschaubar.

    Als technisch perfekte Hommage an dreckige 70er Jahre Filme durchaus konsumierbar.

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  3. Pingback: Severance « Tonight is gonna be a large one.

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  5. Pingback: Black Death « Tonight is gonna be a large one.

  6. Pingback: Media Monday #48 | Tonight is gonna be a large one.

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