Black Rain (1989)

Für den heutigen Filmabend habe ich einmal wieder ein altbekanntes Werk aus dem Regal gezogen, das mich früher durch so manche Nacht begleitet hat. Ridley Scotts Yakuza-Thriller „Black Rain“ habe ich kurz nach „Blade Runner“ für mich entdeckt, was nicht von ungefähr kommt, besitzen beide Filme doch eine sehr ähnliche Ästhetik. Da es bislang nur eine qualitativ sehr schlechte DVD-Fassung gab, hatte ich den Film schon jahrelang nicht mehr gesehen. Mit der Blu-ray sollte sich das nun ändern…

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Schon innerhalb der ersten zehn Minuten weiß man als Zuschauer genau, mit wem man es in den folgenden zwei Stunden zu tun bekommt. Wirklich großartig, wie Scott seine Hauptfigur Nick Conklin (Michael Douglas) einführt. Da gibt es keine erklärenden Dialoge oder Texttafeln. Alles was man wissen muss, wird einem in der Handlung vermittelt. Auch die Zeit, in der „Black Rain“ spielt, ist unverkennbar: Sowohl Sountrack als auch Look versetzen einen (aus heutiger Sicht) zurück in die späten 80er Jahre. Das fängt bei Douglas‘ Frisur an und hört bei der Mode der Protagonisten auf. Dennoch wirkt der Film nicht altbacken, was an Ridley Scotts famosem Gespür für Bilder liegt. Kameramann Jan de Bont fängt das düstere Japan wahrlich perfekt ein.

Neben dem ästhetischen Hochgenuss fällt die Geschichte leider ein wenig ab. Letztendlich bekommt man einen Cop-Thriller zu sehen, der mit ein paar Buddy-Movie- und Culture-Clash-Elementen angereichert ist. Dabei ist die Stimmung betont düster und driftet nie groß in Richtung Comedy ab. Dieser Aspekt hebt „Black Rain“ letztendlich auch über vergleichbare Filme hinaus. Auch wenn sich Conklin und sein Partner Charlie Vincent (Andy Garcia) in dieser ihnen unbekannten Welt fremd fühlen, so siegt am Ende doch wieder einmal das amerikanische Draufgängertum. Dies war vermutlich nicht anders zu erwarten, doch letztendlich hätte ich mir ein wenig mehr Japan-Einfluss gewünscht. Immerhin müssen unsere Cops die Regeln dieser Welt auf schmerzhafte Art und Weise lernen, was für ein paar intensive Szenen sorgt.

Auch wenn ich den Film nun schon deutlich über zehn Jahre nicht mehr gesehen hatte, war mir seine Atmosphäre noch ziemlich präsent. Die Handlung dagegen hatte ich nicht mehr wirklich im Kopf, was wohl so einiges über den Film aussagt. Wer Lust am Actionkino der 80er Jahre hat und einen fantastisch fotografierten, aber nicht sonderlich innovativen Thriller sehen möchte, dem kann ich „Black Rain“ auch heute noch sehr ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Blutgletscher (2013)

Nach einer ziemlich turbulenten Arbeitswoche ist auch der zweite Monat des Jahres fast schon wieder vorbei. Zum Start in ein langes Wochenende habe ich mir mit „Blutgletscher“ einen österreichischen Genrefilm angeschaut, der schon länger auf meiner Liste stand. Ob unsere Nachbarn den filmischen Vorbildern gerecht werden, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Regisseur Marvin Kren hat mit „Blutgletscher“ ziemlich eindeutig seine Version von John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ geschaffen: eine abgelegene Forschungsstation, eine Gruppe von Wissenschaftlern und eklige Mutationen. Die Anleihen sind unverkennbar und doch besitzt „Blutgletscher“ durchaus eine gewisse Eigenständigkeit, die natürlich vom Lokalkolorit und den atmosphärischen Bildern lebt. Was den Erzählton angeht, schwankt Krens Horrorfilm zwischen Ernsthaftigkeit und Trash, was erstaunlich gut funktioniert. Wären die Charaktere ein wenig interessanter (leider kann nur Gerhard Liebmanns Janek überzeugen), dann hätte der Film durchaus mehr sein können als nur ein Monsterstreifen.

Es ist wirklich wunderbar zu sehen, wie hier handgemachte Effekte eingesetzt werden, die zwar ein wenig trashig wirken, dabei jedoch unglaublich effektiv sind. Unter diesem Aspekt funktioniert dieser österreichische Genre-Beitrag sogar besser als das CGI-lastige Prequel bzw. Remake „The Thing“ aus dem Jahr 2011: abstruse Monster in einer klassischen Horrorgeschichte, die vor dem Hintergrund des Klimawandels erzählt wird und dabei das für das Genre nötige Maß an Sozialkritik mitbringt. Zwar ist „Blutgletscher“ mehr eklig als spannend, geschweige denn unheimlich, doch ist dieser Umstand dem Unterhaltungswert kaum abträglich. Einzig ein paar Längen im Mittelteil schwächen den positiven Gesamteindruck ein wenig.

Insgesamt kann ich „Blutgletscher“ allen Genre-Freunden nur ans Herz legen. Das Rad wird zwar auch hier nicht neu erfunden, doch ist der Film auf jeden Fall erfrischender als die 08/15-Jump-Scare-Streifen aus der Traumfabrik. Bei der folgenden Wertung ist der nötige, erweiterte Lokalpatriotismus schon mit eingerechnet: 7/10 Punkte.

Der Gigant aus dem All – OT: The Iron Giant (1999)

Nach einem entspannten Samstag mit viel Hausarbeit, Lesen und Spielen, hatte ich Lust auf einen Animationsfilm. Seit ein paar Monaten steht „Der Gigant aus dem All“ in meinem Regal, der mich schon seit seinem Erscheinen im Jahr 1999 interessiert. Heute war es dann endlich soweit und ich habe Brad Birds Kinodebüt den längst überfälligen Besuch abgestattet…

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Die Erwartungen waren tatsächlich ziemlich hoch, wird „The Iron Giant“ doch häufig als einer der besten Animationsfilme bezeichnet. Und tatsächlich hat er es geschafft mich bereits mit den ersten Szenen für sich einzunehmen: Spätestens wenn unser junger Held Hogarth durch ein typisches 50er Jahre Städtchen radelt und seine Mutter im Diner besucht, ist mein Herz aufgegangen: so eine wunderbare Detailverliebtheit, handgezeichnete Animationen und ein Score zum Dahinschmelzen. Audiovisuell ein Traum für jeden Trickfilmfreund.

Auch inhaltlich zieht Brad Bird (u.a. „Ratatouille“ und „Mission Impossible: Phantom Protokoll“) in seiner Adaption von Ted Hughes „Der Eisenmann“ alle Register: Das Setting mitten im Kalten Krieg ist durchsetzt von Paranoia und popkulturellen Anspielungen. Es ist wahrlich wunderbar, wie behutsam die Beziehung zwischen Hogarth und seinem eisernen Freund mit Leben befüllt wird. All dies geschieht zudem unglaublich effizient: Jede Szene ist auf den Punkt genau inszeniert und es gibt keinen unnötigen Ballast. In nur 90 Minuten kreiert Bird eine Welt, in der man sich zu Hause fühlt und die angefüllt ist mit echten Charakteren, Leben und Emotionen. Fantastisch!

Da ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, kann ich nicht sagen inwiefern die neuen Szenen der Signature Edition einen Mehrwert schaffen. Inhaltlich machen sie Sinn und ich würde sie bei einer kommenden Sichtungen der Kinofassung vermutlich vermissen. Insofern eine lohnenswerte Erweiterung.

Ich bin unglaublich froh „Der Gigant aus dem All“ endlich nachgeholt zu haben. Es ist ein wundervoller Film über eine ungewöhnliche Freundschaft und ein klares Statement gegen Paranoia und Fremdenfeindlichkeit, was heute bekanntlich wichtiger denn je ist. Meine Liste der besten Zeichentrickfilme würde ab heute auf jeden Fall um einen Platz erweitert werden. Solltet ihr den Film auch noch nicht kennen, kann ich nur eine dicke Empfehlung aussprechen: 9/10 Punkte.

Victoria (2015)

Freitagabend, die Kinder um halb acht im Bett: Zeit für einen Film. Die Wahl fiel heute auf „Victoria“, der schon unglaublich lange auf meiner Liste steht. Nicht unbedingt weil der Film in den letzten Jahren unglaublich viel Presse aufgrund seines One-Take-Kniffs bekommen hat, sondern weil ich Sebastian Schippers Filme liebe. Speziell „Absolute Giganten“ trage ich sehr nah an meinem Herzen, doch auch „Ein Freund von mir“ ist äußerst sehenswert. Umso gespannter war ich auf sein jüngstes Werk…

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Ich war wirklich verblüfft, was für einen Sog „Victoria“ entwickelt. Und das bereits nach ein paar Minuten. Ebenso schnell hatte ich das One-Take-Konzept vergessen bzw. nur noch unterbewusst wahrgenommen. Die erste Stunde – vom Club über das Dach bis ins Café – war ich auch sicher einen neuen Lieblingsfilm zu sehen: Die Darsteller spielen erfrischend echt und die Dynamik zwischen ihnen funktioniert perfekt. Auch einen der großen Kritikpunkte (warum schließt sich Victoria der Gruppe an?) konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht nachvollziehen. Von allen Beteiligten, speziell Laia Costa und Frederick Lau, wirklich herausragend und glaubwürdig gespielt. Dann jedoch kam das zweite Drittel des Films…

Mir war bereits im Vorfeld bekannt, dass sich die Geschichte Richtung Gangsterfilm entwickeln würde. Somit war ich nicht überrascht, doch hat die Szene in der Tiefgarage auch einiges vom gefühltem Realismus genommen. Der Gangsterboss war zu sehr Gangsterboss. Die Lakaien zu sehr Lakaien. Dennoch war ich nach wie vor von der Atmosphäre und den Darstellern gefangen. Dies hat sich bis zum Bankraub fortgesetzt und ich mochte die Beiläufigkeit der Inszenierung sehr gerne: Man bleibt bei Victoria und der unmöglichen Situation, in der sie sich inzwischen befindet. Auch wenn die nun folgende Partyszene sehr unterhaltsam und wunderbar ungestüm ist, so war spätestens hier jeglicher zuvor aufgebaute Realismus verschwunden. Bei der nun folgenden Actionsequenz hatte mich der Film dann leider auch kurzzeitig verloren: So imposant die Leistung des Kameramanns auch ist, so unpassend fand ich die Schießerei im Kontext des Films. Hier wäre weniger für mich mehr gewesen.

Auch das überdramatische Finale wollte erst in der Schlusseinstellung bei mir zünden: Ich mochte Victorias erneute Zusammenführung mit der Realität, der Stadt und dem Tag. Alles davor scheint nur noch wie ein Alptraum, der als Erinnerung leider besser funktioniert als im eigentlichen Ablauf der Geschichte. So wunderbar ich das erste Kennenlernen von Victoria, Sonne, Boxer, Blinker und Fuß auch fand, so sehr hätte ich mir gewünscht, dass Sebastian Schipper im weiteren Verlauf eine kleinere und undramatischere Geschichte erzählt. Dann hätte „Victoria“ bei mir wohl auch richtig gezündet.

Insgesamt bin ich sehr froh diesen ungewöhnlichen Film endlich gesehen zu haben. Der One-Take-Ansatz ist kein Gimmick, sondern lässt uns viel intensiver in die Geschichte eintauchen. Selten hatte ich solch ein immersives Filmerlebnis. Leider wird es jedoch immer wieder durch mangelnden Realismus in der Handlung gebrochen. Da gingen für mich Inhalt und Form einfach nicht immer zusammen. Trotz meiner Kritikpunkte werde ich „Victoria“ in guter Erinnerung behalten und bewundere den Mut der Filmemacher ein solch außergewöhnliches Projekt auf die Beine zu stellen. Die große Liebe ist es jedoch leider nicht geworden: 8/10 Punkte.

10 Cloverfield Lane (2016)

Heute habe ich einmal wieder einen Film gesehen, der brandneu im Programm von Amazon Prime erschienen ist – und das sogar im richtigen Bildformat. Tatsächlich stand „10 Cloverfield Lane“ schon lange auf meiner Liste und es war eine gute Gelegenheit, mir selbst eine Meinung zu dem Film zu bilden, der – speziell in Hinsicht auf sein Finale – wild diskutiert wurde. Alles Weitere in der folgenden Besprechung…

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J. J. Abrams hat es einmal wieder geschafft ein großes Mysterium um einen Film zu stricken: Nachdem er mit „Cloverfield“ einen Hype um Teaser, Trailer und jede neue Information zu dem Film geschaffen hatte, bleibt bei diesem ähnlich klingenden Werk die Frage offen, ob es sich nun um ein offizielles Sequel handelt oder der Titel nur zufällig gewählt wurde. Natürlich wurde er das nicht. Dies sollte allen Zuschauern auch bewusst sein, doch der nagende Zweifel schwingt eben immer mit. Nach „Super 8“ also ein weiterer Film aus seiner Schmiede Bad Robot, der im Vorfeld bewusst ungreifbar bleibt. Bei mir hat es funktioniert und ich war sehr gespannt auf das Ergebnis.

Inzwischen ist es auch ein offenes Geheimnis, dass der Film ursprünglich auf einem Drehbuch namens „The Cellar“ beruht und erst in der Vorproduktionsphase zu „10 Cloverfield Lane“ umgeschrieben wurde. Schaut man sich den Film an, ist diese Tatsache nicht weiter verwunderlich und ich kann mir ziemlich gut vorstellen, an welchen Stellen Abrams und Co. geschraubt haben, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Die ersten 90 Minuten sind ein ziemlich dichtes Kammerspiel, in dem Mary Elizabeth Winstead, John Goodman und John Gallagher Jr. („The Newsroom“) zu brillieren wissen. Sehr dicht inszeniert, teils unerwartet humorvoll und zugleich extrem schockierend. Danach folgt die Auflösung, die mich keinesfalls überrascht hat, doch nicht so ganz zu dem vorherigen Film passen will. Ich verstehe die Diskussion darüber, jedoch kann eigentlich niemand behaupten damit nicht gerechnet zu haben.

Ich frage mich gerade, ob mir der Film als „The Cellar“ nicht besser gefallen hätte. Vermutlich hätte er das. Dennoch funktioniert er auch als Geschichte aus dem „Cloverfield“-Universum ziemlich gut, was jedoch hauptsächlich den Mystery- und Thriller-Elementen in den ersten beiden Filmdritteln zuzuschreiben ist. Regisseur Dan Trachtenberg schafft es eine extrem dichte Atmosphäre zu kreieren und die drei Schauspieler liefern exzellente Arbeit ab. Bis ins letzte Detail perfekt ist der Film nicht, doch ließ mich schon lange kein Thriller mehr so stark mitfiebern: 8/10 Punkte.

Ghostbusters – OT: Ghostbusters: Answer the Call – Extended Edition (2016)

Eine weitere anstrengende Arbeitswoche geht zu Ende. Zeit für einen Film. Am besten für einen der Neuzugänge in meiner Sammlung. Die Wahl fiel letztendlich auf den Reboot von „Ghostbusters“ in der erweiterten Fassung und somit auf einen der am meisten diskutierten Filme des letzten Jahres. Als großer Fan des Franchises war ich auch eher skeptisch, doch wollte ich möglichst unbefangen an die Neuauflage herangehen. Ob das geklappt hat?

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Ich liebe den originalen „Ghostbusters“ und seine Fortsetzung. Beide Filme waren damals ein Mythos auf dem Schulhof der Grundschule. Angst vor Spoilern kannte man noch nicht und bevor ich die Filme zum ersten Mal sah, habe ich bereits jedes Detail gekannt. Die Erzählungen und bildhaften Schilderungen ließen die Grusel-Komödien zur Legende werden. Zuletzt habe ich sie vor über 10 Jahren gesehen und sie funktionierten immer noch. Es sind Filme, die ich stets nahe an meinem Herzen tragen werde. Umso skeptischer hätte ich nach der Ankündigung, dass Paul Feig die Regie des Reboots übernimmt, eigentlich sein müssen. Seinen „Brautalarm“ fand ich allenfalls nett und hatte Angst vor einer Überdosis Fäkalhumor.

Als bekannt wurde, dass es einen weiblichen Cast geben solle, ging ein Shitstorm durch das Internet. An mir ging dieser glücklicherweise vorüber, da ich mich größtenteils unter euch bewege, der netten Ecke der filmischen Blogosphäre. Ich fand den Ansatz spannend, denn wenn es schon keine offizielle Fortsetzung geben sollte (eine solche war spätestens mit Harold Ramis‘ Ableben keine Option mehr), dann doch bitte etwas Neues. Ich mag Kristen Wiig und selbst Melissa McCarthy hat ihre Momente. Also einfach einmal abwarten. Dann kam der erste Trailer und erneut flippte das Internet aus, dann irgendwann der Film und die Besprechungen gingen in alle nur erdenklichen Richtungen. Nun gut. Also musste ich mir doch selbst eine Meinung bilden…

Zunächst einmal war ich erstaunt, wie sehr sich der Film teils wie die damalige Reihe anfühlt. Ich kann das nicht einmal an etwas Konkretem festmachen, denn weder die Effekte, noch die Musik oder die Darstellerinnen haben sonderlich viel mit den Originalen gemeinsam. Nein, es liegt auch nicht an den erzwungenen Referenzen. Vermutlich ist es Paul Feig und Co. einfach gelungen – Achtung, Wortspiel! – den Geist von „Ghostbusters“ einzufangen: Ja, ich hatte Spaß mit dem Film. Ich mochte die Dynamik unter den Geisterjägerinnen und auch der Humor hat größtenteils gezündet. Nein, die Geschichte nicht und der Song von Fall Out Boy war eine Katastrophe (und ich mag Fall Out Boy). Wo ist nur Ray Parker, Jr. wenn man ihn braucht?

Was für ein Wirbel wurde um diesen Film gemacht! Dabei zerstört er weder das Original, noch ist er eine Beleidigung für Neueinsteiger. Tatsächlich ist der 2016er „Ghostbusters“ eine unterhaltsame Fantasy-Komödie, die einfach Spaß macht. Ich würde mich tatsächlich über eine Fortsetzung freuen, auch wenn diese vermutlich nie gedreht werden wird. Wie kann man einen Film nur so hassen? Dafür ist er viel zu belanglos und nein, er wird keine neue Welle für die Geisterjäger lostreten. Schade eigentlich: 7/10 Punkte.

Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste – OT: Maze Runner: The Scorch Trials (2015)

Aktualisierung: Ich habe „Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth“ am 18. August 2020 und am 11. Januar 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

An diesem langen Wochenende, an dem alles anders kommt als geplant, habe ich es zumindest auch heute geschafft einen Film zu schauen. Wenn auch mit mehreren Unterbrechungen. Die Wahl fiel auf „Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste“, der bereits seit geraumer Zeit ungesehen im Regal stand. Seit meiner Sichtung des ersten Teils „Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth“ habe ich auch die Trilogie fertig gelesen und war somit gespannt, wie Regisseur Wes Ball den zweiten Teil auf die große Leinwand transportiert…

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Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste (2015) | © 20th Century Fox

Bereits im Vorfeld habe ich davon gelesen, dass der Film ziemlich von James Dashners Vorlage „Die Auserwählten in der Brandwüste“ abweicht. Dies hat meine Vorfreude nicht gerade gesteigert, speziell da ich auch von den Änderungen des ersten Films im Vergleich zur Vorlage nicht sonderlich begeistert war. Und ja, außer den Figuren, dem Setting und der groben Rahmenhandlung hat „The Scorch Trials“ nicht mehr viel mit dem Roman gemein. Erstaunlicherweise funktioniert der Film dennoch – oder gerade deshalb? – ziemlich gut und ließ auch mich als Buchkenner mitfiebern. Hier zeigt sich einmal mehr, dass es kaum einen richtigen oder falschen Weg gibt, wenn Romane adaptiert werden. Der Kern der Geschichte muss rüberkommen, alles andere richtet sich wohl nach der Art des Buches und der Vision des Regisseurs.

Im Grunde erzählt auch die Verfilmung eine typische Dystopie, streut ein paar Monster ein, die einmal mehr an Zombies erinnern, und lässt uns an der Reise unserer Helden zum vermeintlich sicheren Hafen teilhaben. Das alles ist flott inszeniert und zu keiner Sekunde langweilig. Speziell möchte ich die Spezialeffekte loben, für die Wes Ball definitiv ein Händchen hat. Obwohl vieles dem Computer entspringt, wirkt die Welt doch echt und dreckig. Auch wenn keine komplett neuen Bilder geschaffen werden, so habe ich mich daran doch nicht satt gesehen. Unser Ensemble wird durch etliche neue Schauspieler ergänzt, so geben unter anderem Aiden Gillen („Game of Thrones“), Giancarlo Esposito („Breaking Bad“) und Alan Tudyk („Firefly“) ihr Stelldichein.

Fazit

Auch wenn die Verfilmung in Teilen stark von ihrer Vorlage abweicht, so hatte ich doch das Gefühl eine würdige Umsetzung zu sehen. Viel Neues gibt es nicht in der Young-Adult-Welt, doch hatte ich damit mehr Spaß als mit dem Finale der „The Hunger Games“-Reihe. Wenn sich auch der dritte Teil seine Eigenständigkeit bewahrt, könnte er mir sogar besser gefallen als der Abschluss der Vorlage. Ich werde auf jeden Fall reinschauen und hoffe auf ebenso gelungene Unterhaltung: 7/10 Punkte.

Wild: Der große Trip – OT: Wild (2014)

Der erste Monat des Jahres ist vorüber. Es war ein beruflich sehr anstrengender Monat. Auf privater Seite hätten es gerne weniger Krankheitsphasen sein können. Immerhin habe ich fünf Filme gesehen, was zumindest ein Anfang ist. Also gleich weitermachen: Heute Abend fiel die Wahl mit „Wild: Der große Trip“ auf einen weiteren Wanderfilm. Ist das überhaupt ein Genre? Dies ist wohl auch ein Ausdruck davon, dass ich manchmal selbst einfach gerne draufloslaufen würde…

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Bei filmischen Selbstfindungstrips, die den Helden in die Wildnis führen, denke ich immer sofort an den großartigen „Into the Wild“ – und tatsächlich erinnert der namensverwandte „Wild“ in einigen Szenen durchaus an Sean Penns Meisterwerk. Auch hatte ich mich an „Dein Weg“ erinnert gefühlt, in dem auf dem Jakobsweg ebenfalls eine Eltern-Kind-Beziehung verarbeitet wird. Die Motive von „Der große Trip“ sind also nicht neu, doch wirklich eindringlich und sehr emotional erzählt, was wohl auch an der engen Beteiligung der echten Cheryl Strayed lag.

Nick Hornbys Drehbuch (genau, der Autor von „About a Boy“) bricht die Geschichte in unzählige kurze Rückblenden auf, die auch für uns Zuschauer wie spontane Erinnerungsschnipsel wirken. Ebenso werden Dialogzeilen, Zitate und Musikstücke eingebunden, die fragmentarisch entlang des Pacific Crest Trails verstreut wirken. Dadurch entfaltet der eigentlich sehr geradlinige Film (eben eine Reise von A nach B) eine ziemlich imposante Sogwirkung. Vergessen darf man auch nicht das famose Spiel Reese Witherspoons: Ihre gefallene Heldin ist völlig uneitel und doch wunderbar kraftvoll und bewahrt sich trotz ihrer Vergangenheit einen durchaus positiven Blick auf das Leben. Ich glaube ihr, dass diese Wanderung ihr Leben verändert.

Auch wenn „Wild“ nicht ganz an die vergleichbaren Filme heranreicht, so hat er mich doch tief bewegt und über zwei Stunden famos unterhalten. Auch mag ich die Idee sehr, dass man seine Vergangenheit durch solch eine Erfahrung verarbeiten kann und daran wächst. Letztendlich kann ich auf jeden Fall eine Empfehlung für all diejenigen aussprechen, die diesen Gedanken nachvollziehen können und selbst gerne in der Natur unterwegs sind: 8/10 Punkte.

Manche mögen’s heiß – OT: Some Like It Hot (1959)

Ich sollte häufiger ins Theater gehen. Dadurch komme ich auch immer wieder dazu so manchen Filmklassiker nachzuholen. Vor ein paar Jahren hatte ich dies schon mit „Arsen und Spitzenhäubchen“ erlebt und nachdem ich gestern die Musical-Version gesehen hatte, wollte ich unbedingt den Vergleich zu Billy Wilders Original „Manche mögen’s heiß“ ziehen. Nach der Sichtung kann ich nur wieder feststellen, dass ich mich viel häufiger den Klassikern zuwenden sollte…

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Da die Musical-Fassung mit dem Titel „Sugar: Manche mögen’s heiß“ wohl nur den wenigsten bekannt sein dürfte, möchte ich gar nicht viele Worte dazu verlieren. Es sei nur soviel gesagt: Ich hatte meinen Spaß damit und sah Potenzial, dass eine filmische Inszenierung den Stoff noch einmal aufwerten könnte. Und so ist es tatsächlich. Es ist unglaublich, wie temporeich und gewitzt Billy Wilder diese Screwball-Komödie auf die Leinwand bringt. Die Actionszenen sind mitreißend und das Timing von Wortwitz und Slapstick absolut famos. Alles fügt sich zu einem runden Bild zusammen – und doch darf man nicht vergessen, dass der Film vor allem von seinen drei Hauptdarstellern getragen wird: Tony Curtis, Jack Lemmon und natürlich Marylin Monroe.

Tatsächlich musste ich während der Sichtung feststellen, dass dies wohl mein erster Film mit Marylin Monroe gewesen ist. Bisher kannte ich sie nur aus Dokumentationen und Geschichten, wie z.B. der Musical-Serie „Smash“, in denen sie als Ikone inszeniert wird. Sie passt perfekt in die Rolle der Sugar Kane ich kann gut verstehen, warum ihr Joe und Jerry (bzw. Josephine und Daphne) so schnell verfallen. Heutzutage wirken Travestie-Elemente in Komödien oft billig und sind ein Zeichen des flachsten Humors. In „Some Like It Hot“ dagegen macht dieser Themenschwerpunkt Sinn, sorgt für echte Lacher und ist wunderbar in die Geschichte eingewoben. Natürlich auch weil Tony Curtis und Jack Lemmon die beiden Damen einfach wunderbar mimen. Da kann sich so manche moderne Komödie die eine oder andere Scheibe abschneiden.

Ich bin wahrlich begeistert, wie frech und doch alles andere als platt Billy Wilder seine Geschichte erzählt. Ebenso davon wie ernst er seine Figuren trotz der irrwitzigen Ausgangssituation nimmt. Einfach famos. Auch habe ich mich gefreut, dass der Film bei Amazon Prime (im Gegensatz zu so manch anderen Filmen) tatsächlich im korrekten Bildformat (1,66:1) und im Orginalton läuft. Somit steht einer Sichtung, solltet ihr auch zu denjenigen gehören, die den Klassiker noch nicht kennen, nichts mehr im Wege. Also schleunigst anschauen, es lohnt sich: 9/10 Punkte.

Midnight Special (2016)

Nachdem ich letzte Woche Jeff Nichols „Take Shelter“ gesehen habe und davon begeistert war, stand heute mit „Midnight Special“ konsequenterweise der jüngste Film des Regisseurs  auf dem Programm. Wie in den Kommentaren zum Vorgänger bereits festgestellt wurde, gehen die Meinungen zu diesem Film deutlich weiter auseinander. Umso gespannter war ich also, wie er mir denn gefallen würde…

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Wie mir bereits von Flo Lieb prophezeit wurde, erinnerte mich „Midnight Special“ tatsächlich an Filme wie „Unheimliche Begegnungen der dritten Art“ und „E.T. – Der Außerirdische“. Darüber hinaus musste ich noch an weitere Filme der 80er Jahre denken, in denen Kinder und Außerirdische im Mittelpunkt stehen. Prominente Vertreter sind zum Beispiel „Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen“ (mit Bud Spencer) oder „Der Flug des Navigators“. All diese Filme setzen auch stark auf Verfolgungen durch das Militär oder die Polizei und spiegeln somit die Kernelemente von Nichols‘ Film wieder. Das Finale hat mich wiederum an James Camerons „The Abyss“ erinnert, was auch nicht die schlechteste Referenz ist.

Im Mittelpunkt von „Midnight Special“ steht jedoch eine Familiengeschichte. Man kann den gesamten Film auch als Allegorie auf das Elternsein lesen. Kinder verändern sich, lösen sich irgendwann von der Familie und man ist als Elternteil machtlos und versucht dennoch sie bei ihrem Weg zu begleiten:

Alton: „You don’t have to worry about me.“
Roy: „I like worrying about you.“
Alton: „You don’t have to anymore.“
Roy: „I’ll always worry about you Alton. That’s the deal.“

Das ist wohl der Kern der Geschichte. Sicher nicht sonderlich innovativ, doch gerade im Verbund mit den fantastischen Elementen und der packenden Verfolgungsjagd ein emotionaler Kern, der einfach funktioniert. Besonders wenn man selbst Kinder hat.

Trotz aller positiven Elemente wirkt „Midnight Special“ ein wenig beliebig. Mir kam es teils so vor als hätte ich nur die letzte Doppelfolge einer TV-Serie gesehen. Das hat nicht zwangsweise damit zu tun, dass ich gerne jedes Geheimnis gelüftet gesehen hätte, doch bleibt auch so manche Beziehung unter den Charakteren ein wenig luftleer im Raum hängen. Hier hätte Nichols gerne ein wenig mehr in die Tiefe gehen können. Auch Adam Drivers NSA-Mann Sevier verkommt zum reinen Mittel zum Zweck. Hier wäre mehr möglich gewesen.

Insgesamt hat mich „Midnight Special“ sehr gut unterhalten und emotional gepackt. Dennoch ist es bisher der schwächste von Jeff Nichols‘ Filmen. Für mich hätte er vermutlich noch besser funktioniert, wenn das fantastische Element nicht komplett ausformuliert gewesen wäre und dafür die Charaktere mehr Aufmerksamkeit bekommen hätten. Doch auch in seiner jetzigen Form kann ich den Film allen Genre-Freunden nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.