Rapunzel: Neu verföhnt – OT: Tangled

Disney’s back! Wie schön. Ich liebe ja die klassischen Disney-Filme. Doch irgendwann haben sie begonnen an Qualität zu verlieren und Pixar hat dem ehrwürdigen Animationsstudio – trotz offizieller Zusammenarbeit – den Rang abgelaufen. Ich weiß gar nicht mehr genau, was mein letzter Disney-Film war, doch nachdem ich eine Menge ausgelassen hatte, schien „Rapunzel: Neu verföhnt“ trotz des unschönen deutschen Titels sehr sehenswert geworden zu sein. Insofern war meine Vorfreude groß und ich sollte nicht enttäuscht werden…

„Tangled“ – so der um einiges gelungenere Originaltitel – ist ein klassischer Disney-Film, wie er im Buche steht. Es wird eine bekannte Märchenhandlung nacherzählt, es wird getanzt und gesungen, es gibt lustige Sidekicks, eine zarte Liebesgeschichte und einen eindeutigen Bösewicht. Dennoch wirkt der Film viel morderner als z.B. „Cindarella“ oder auch „Die Schöne und das Biest“, was aber weniger an der verwendeten Animationstechnik (ja, auch Disney ist schon seit Längerem im 3D-Zeitalter angekommen), als an der spritzigen Erzählweise der Geschichte. Das Tempo ist höher, die Dialoge gewitzter und dennoch fügt sich alles zu einem einheitlichen Bild zusammen. Wirklich sehr gelungen!

Auch wenn die Geschichte nicht mit großen Überraschungen auftrumpft, so sind es jedoch die Details, die überzeugen. Jeder Nebencharakter wirkt bewusst platziert und jeder auch noch so kleine visuelle Gag sitzt. Dabei sollte man aber nicht den Fehler machen eine Art „Shrek“ zu erwarten, denn „Tangled“ nimmt sich als klassischer Märchenfilm durchaus ernst, was zu einigen herrlich kitschig-schönen Einstellungen führt, die wir an Disney-Filmen eben so lieben. Davon gerne bitte wieder mehr.

Ebenso kann die Besetzung voll und ganz überzeugen. Mandy Moore klingt genauso süß und naiv, wie man sich Rapunzel eben vorstellt. Donna Murphy (Denise Goodman, „Trust Me“) weiß als böse Mutter Gothel zu brillieren und Zackary Levi (Chuck Bartowski, „Chuck“) gibt einen herrlich charmanten Tagedieb. Wahrlich famos! Mit Ron Perlman, Jeffrey Tambor und Brad Garrett seien dann nur einige der Nebendarsteller genannt. Ein wahres Fest also für Film- und Serienfreunde.

Zwar reicht „Tangled“ in meinen Augen noch nicht an die ganz großen Disney-Klassiker heran, doch der erste Schritt in die richtige Richtung ist getan. Der Film ist eigenständig und versucht weder Pixar zu kopieren, noch auf Teufel komm raus irgendwie anders modern zu sein. Er weiß seine Stärken geschickt auszuspielen und überzeugt somit auf ganzer Linie. Wie gesagt, äußerst gerne mehr davon: 8/10 Punkte.

127 Hours (2010)

Danny Boyle ist zurzeit wohl einer der wandlungsfähigsten Filmemacher. Egal ob stilbildender Drogenfilm, Zombie-Schocker oder Science-Fiction. Der Mann fühlt sich in jedem Genre zu Hause. Mit „Slumdog Millionär“ schuf er vor zwei Jahren sogar den großen Abräumer bei den Acadamy Awards. Auch sein jüngstes Werk „127 Hours“ ist bei der Kritik größtenteils gut angekommen und Danny Boyle erschließt für sich damit abermals ein neues Genre. Man darf gespannt sein, was uns der Mann in Zukunft noch bescheren wird.

Nun aber zum Film, der hier besprochen werden soll: Die Geschichte von „127 Hours“ hat mich schon gereizt als ich das erste Mal davon hörte. Zum einen das Abenteuer und die wahre Begebenheit als Grundlage, die mich augenblicklich an den grandiosen „Into the Wild“ denken ließ. Zum anderen das begrenzte Setting und ein Schauspieler, der den gesamten Film tragen muss. Nicht zuletzt hat für mich auch die Regie einen großen Teil des Interesses ausgemacht. Was wird Danny Boyle wohl aus diesem Einpersonenstück zaubern? Ein intimes Rührstück? Wird die Prämisse nur Grundlage für eine größere Geschichte werden? Welchen Filmstil wird er wählen? Letztendlich hat „127 Hours“ dann ziemlich genau das geliefert, was man sich erhoffen durfte.

James Franco spielt den unbedachten Abenteurer Aaron Ralston wirklich äußerst überzeugend. Man kann mit ihm mitfühlen. In manchen Szenen sogar viel zu gut. Die digitale Handkamera bleibt stets sehr nah an der Hauptfigur. Normalerweise mag ich den überaus digitalen Look nicht, doch hier wird die – im wahrsten Sinne des Wortes – festgefahrene Situation durch die dynamische Kameraarbeit sehr effektiv aufgelockert. Auch der kunterbunte Prolog hat mir ausgezeichnet gefallen. Man lernt Aaron Ralston somit in seiner natürlichen Umgebung kennen und weiß, dass er trotz seines Übermuts ein erfahrener Kletterer ist.

Die Szenen im Canyon werden schließlich durch kurze Erinnerungsfragmente aufgebrochen, was oft etwas plakativ wirkt, doch ebenso ziemlich realistisch. Wer kennt diese kurzen Gedankenfetzen in Extremsituationen oder kurz vor dem Einschlafen nicht? Rein inszenatorisch gesehen nutzt Danny Boyle diese Szenen natürlich auch, um  das recht begrenzte Szenario aufzufrischen. Ich möchte ihnen jedoch keinesfalls ihren dramaturgischen Wert absprechen.

„127 Hours“ ist nach dem beinahe schon epischen „Slumdog Millionär“ ein eher kleiner und persönlicher Film, der jedoch so packend und mitreißend inszeniert wurde, dass er Boyles Oscar-Gewinner in nahezu nichts nachsteht. Die berüchtigte Amputationsszene empfand ich auch als sehr schwer anzusehen, doch war diese drastische Darstellung meiner Meinung nach nötig für den Film. In oberflächlichem Gore badet Boyle glücklicherweise zu keinem Zeitpunkt und der beinahe schon übermenschliche Eingriff wird auch nicht verharmlost.

In meinen Augen ist es Danny Bolye und James Franco gelungen aus einer kammerspielartigen Ausgangssituation ein mitreißendes und vor allem lebendiges sowie hoffnungsvolles Abenteuerdrama zu schaffen. Teils anstrengend, teils befremdlich, doch stets sehenswert. Sicher nicht Boyles bester Film, doch mit Sicherheit das Beste, was man aus der begrenzten Prämisse herausholen kann: 8/10 Punkte.

Cliffhanger: Nur die Starken überleben (1993) (WS1)

Da ich nach meinem Urlaub jetzt schon wieder die Berge vermisse, musste dringend Abhilfe gefunden werden. Welcher Film bietet sich da mehr an, als Renny Harlins „Cliffhanger“ mit Sylvester Stallone und John Lithgow? Keiner, ganz genau. Zudem liegt die letzte Sichtung auch schon wieder 5 Jahre zurück, was die Entscheidung für den 90er Jahre Actionkracher umso leichter machte.

Ich liebe es wie herrlich altmodisch der Film daherkommt – und das obwohl er damals mit den aufwendigsten Stuntszenen aufwarten konnte und neueste VFX-Techniken zum Einsatz kamen. Dennoch strahlt der Film eine sehr handgemachte Atmosphäre aus, was durch die brutalen Actioneinlagen nur noch unterstrichen wird. Da die Geschichte beinahe schon vernachlässigbar simpel – aber dennoch überzeugend und spannend – ist, hat sich Renny Harlin größtenteils auf die grandiose Naturkulisse verlassen, die auch enorme Schauwerte bietet.

Der Film sieht auch heute noch fantastisch aus und wird zur nächsten Sichtung garantiert auf Blu-ray angeschafft. Einige Einstellungen lassen zwar ihre Studioherkunft nicht verleugnen, doch sind mir diese weit weniger störend aufgefallen, als noch bei der letzten Sichtung. Überhaupt hat mich die Handlung dieses Mal wieder sehr mitgerissen, was vielleicht auch daran lag, dass ich den Film wohl zum ersten Mal im englischen Originalton gesehen habe.

Renny Harlin ist mit „Cliffhanger“ wahrlich ein Actionmeisterwerk gelungen. Sicher nichts was sehr lange in Erinnerung bleibt, doch mit jeder Sichtung eine verdammt unterhaltsame Achterbahnfahrt mit einem herrlichen Bösewicht und fantastischen Bildern. Auch Trevor Jones Score ist nicht zu unterschätzen und rundet das Gesamtbild stimmig ab. Sollte man als Actionfreund ruhig öfter als alle 5 Jahre einmal sehen: 8/10 Punkte.

James Bond 007: Casino Royale (2006)

Aktualisierung: Ich habe „James Bond 007: Casino Royale“ am 8. Mai 2013 und am 22. Februar 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem alle Welt bereits über den neuen James Bond berichtet hat und Daniel Craig bereits zum zweiten Mal als 007 auf der Leinwand erschienen ist, ergreife nun auch ich die Gelegenheit, um „James Bond 007: Casino Royale“ zu besprechen. Ein neuer Bond, ein frischer Bond. Kein strahlender, charmanter Lebemann. Ein gebrochener Held, unter dessen harter Schale ein verletzlicher Kern zu finden ist. Ein James Bond für die 2010er Jahre.

James Bond 007: Casino Royale (2006) | © Warner Bros (Universal Pictures)

James Bond 007: Casino Royale (2006) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Früher habe ich James Bond geliebt. Neben den Bud Spencer- und Terence Hill-Kloppereien gehörte die Reihe um den britischen Geheimagenten wohl zu den ersten Filmen, für die ich abends lange aufbleiben durfte. So sah ich in meiner Jugend alle Bond-Filme mit Sean Connery und Roger Moore wohl nicht nur einmal. Exotische Länder, geheimnisvolle Bösewichte und außergewöhnliche technische Gadgets waren der Mix, der die Serie für mich interessant machte. So etwas hatte ich zuvor noch nicht gesehen. Spätestens mit Pierce Brosnan habe ich jedoch das Interesse an der Reihe verloren und seit knapp 10 Jahren wohl auch keinen Bond mehr gesehen. Ob es Daniel Craig gelungen ist, das alte Interesse wieder zu wecken?

Ich muss zugeben, dass Herr Craig durchaus eine gute Figur macht. Besonders das erste Filmdrittel ist wunderbar inszeniert und gespielt. Bond ist körperlicher geworden. Die Actionszenen sind schnell und doch übersichtlich geschnitten. Oft las ich von Vergleichen zur Bourne-Trilogie, doch ist James Bonds Universum weit weniger in der Realität angesiedelt, als das von Jason Bourne. Die oft übertriebene und doch realistisch inszenierte Action steht dem Film gut zu Gesicht und ich wünschte mir sehr, dass die restliche Handlung etwas von dieser Überhöhung mitbekommen hätte.

Auch wenn der Antagonist in „Casino Royale“ wie ein typischer Bond-Bösewicht daherkommt, so fehlt diesem doch der beißende Witz und unserem Helden der lockere Spruch auf den Lippen. Zwar fand ich die deutlich brutaleren Kampfszenen und harten Actioneinlagen sehr gelungen, doch hätte ich z.B. auf die Folterszene durchaus verzichten können. Überhaupt fällt die Handlung im letzten Drittel etwas ab. Die teils schon übertrieben schmonzettige Liebesgeschichte sowie das undurchsichtige Finale hätte man – trotz einer fantastischen Eva Green – durchaus kürzer und prägnanter abhandeln können. Dennoch ist dieser Kritikpunkt nur ein geringer und ich wurde insgesamt ausgezeichnet unterhalten.

Fazit

Für mich hat „Casino Royale“ tatsächlich wieder das Interesse an James Bond geweckt. So werde ich mir irgendwann demnächst garantiert auch „Ein Quantum Trost“ zu Gemüte führen – auch wenn diverse Kritiken befürchten lassen, dass man 007 noch mehr zum wortkargen Einzelkämpfer stilisiert hat. Vor der nächsten Sichtung sollte ich aber auf jeden Fall meine Poker-Kenntnisse auffrischen. Knappe 8/10 Punkte.

TRON: Legacy (2010)

Aktualisierung: Ich habe „TRON: Legacy“ am 6. Juli 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Sequels, die etliche Jahre – bzw. in diesem Fall beinahe zwei Jahrzente – nach dem Original erscheinen, sind oft leider mit Vorsicht zu genießen. Besonders wenn man die Originale liebt. So habe ich mich auf „TRON: Legacy“ zwar sehr gefreut, doch war ich gleichzeitig besorgt, dass die Fortsetzung nicht mehr viel mit einem meiner Lieblingsfilme aus sorgenfreien Jugendtagen gemein hat.

TRON: Legacy (2010) | © Walt Disney

TRON: Legacy (2010) | © Walt Disney

Der 1982er „TRON“ war ein Meilenstein für die VFX-Branche und generell für Filme, wie wir sie heute kennen. Auch wenn er heute teils sehr angestaubt und naiv wirkt, so besetzt er dennoch einen Dauerplatz in meinem persönlichen Filmolymp. Gelingt es „TRON: Legacy“ die übergroßen Fußstapfen der Vorgängers auszufüllen? Natürlich nicht. Wie sollte es auch? Selbst James Camerons „Avatar“ wird, rückblickend betrachtet, wohl nicht mit der gleichen Bedeutung in die Filmgeschichte eingehen, wie Steven Lisbergers „TRON“ – doch wenden wir uns nun der Fortsetzung zu.

Von der Handlung her betrachtet wirkt „TRON: Legacy“ größtenteils wohl ebenso befremdlich, wie sein Vorgänger. Eine lebendige Computerwelt. Menschen, die Programme darstellen. Spätestens an dieser Stelle steigen viele Zuschauer wohl bereits aus. Für mich war es jedoch nie ein Problem, diese Prämisse zu schlucken. Vermutlich, weil ich die Welt von „TRON“ kenne solange ich denken kann. Dass dem aktuellen Film zudem noch der naive Charme des Originals abgeht und er hypermodern inszeniert wurde, mag – trotz aggressivem Marketing – seine Schwierigkeiten beim normalen Kinopublikum erklären.

Audiovisuell ist der Film ein Genuss. Wahnsinn. Die Computerwelt wird durch ein Meer von Licht dargestellt. Glänzende Oberflächen, Spiegelungen und Licht. Soviel Licht. Absolut beeindruckend. Nicht minder imposant ist der fantastische Score des französischen Electronica-Duos DAFT PUNK, welcher den hypertechnisierten Look des Films perfekt unterstreicht. Erstaunlich dabei ist, dass sich die Welt von „TRON: Legacy“ dennoch wie ein nur weiterentwickelter Teil des damaligen Filmuniversums anfühlt. Eine erstaunliche Leistung.

Fazit

Trotz meiner hier kundgetanen Begeisterung muss man ganz klar sagen, dass „TRON: Legacy“ durchaus seine Fehler hat. Die Geschichte ist nicht sonderlich innovativ, oft nimmt sich der Film zu ernst und auch die Dramaturgie hakt an so mancher Stelle. Dennoch wurde ich absolut positiv überrascht. Besonders da es doch etliche Verbindungen zum Original – inklusive teils mehr, teils weniger gelungenem CGI-Double des 1982er Jeff Bridges – gibt, kann ich den Film als absolut sehenswert einstufen: 8/10 Punkte.

Hangover 2 – OT: The Hangover Part II

Da hatte ich einen ruhigen Serienabend geplant, doch dann werde ich ins Kino entführt. Das erste Mal seit einer halben Ewigkeit. Zu sehen gab es „Hangover 2“ im Fremdsprachenkino, wo ich bereits den Vorgänger erleben durfte. Auch wenn die audiovisuelle Präsentation (mangelnde Schärfe, fies knacksende Lautsprecher) wirklich zu wünschen übrig lässt, so wird dies durch den Originalton und das angenehme Publikum mehr als nur ausgeglichen.

Eigentlich stehe ich Remakes äußerst skeptisch gegenüber und als solches muss man „Hangover 2“ fast schon betrachten. Nicht nur wird die Geschichte ohne große Änderungen vom Vorgänger übernommen, sogar einzelne Figuren und Gags werden nahezu 1:1 recycelt. Statt einem Baby gibt es nun einen Affen, statt fehlendem Zahn gibt es ein Tattoo und statt Doug wird nun Teddy vermisst. Alles Gründe die mangelnde Kreativität der Autoren und den Wunsch der Produzenten auf schnellen Gewinn anzuprangern. Was denken die sich nur?

Man sollte allerdings bedenken, dass „Hangover 2“ wohl so ziemlich der letzte Film ist, den man überanalysieren sollte. Ist hier kalte Kalkulation im Spiel? Garantiert. Funktioniert der Film dennoch? Aber hallo! Schon ab der ersten Szene stellt sich wieder dieses wunderbare verdrehte Gefühl ein, das uns während des ersten Teils begleitete. Was ist hier nur passiert? Die gefundenen Erklärungen sind dann meist auch wirklich lustig und während des Abspanns habe ich mir erneut gedacht, dass ich die verpasste Nacht auch gerne als Film gesehen hätte.

Natürlich ist der Film neben seiner Formelhaftigkeit auch eine typische Fortsetzung, d.h. alles ist noch etwas krasser, überdrehter und brutaler. Für mich ging das allerdings in Ordnung, da die Schauspieler auch die abstrusesten Szenen glaubwürdig getragen haben. Besonders Zach Galifianakis (Ray Hueston, „Bored to Death“) ist einmal mehr eine kleine Offenbarung. Doch auch Ed Helms und Bradley Cooper wissen mehr als nur zu überzeugen. Vom wunderbaren Ken Jeong (Señor Chang, „Community“) einmal ganz zu schweigen. Die Gastauftritte von Nick Cassavetes und Mike Tyson fand ich dagegen etwas verschenkt.

Wem ist „Hangover 2“ nun also zu empfehlen? Sicher nicht selbsterklärten Cineasten, denen das System Hollywood seit jeher ein Dorn im Auge ist. Wem allerdings bereits der erste Teil gefallen hat und wer erneut einfach nur eine gute Zeit im Kino haben möchte, der wird auch diese Fortsetzung begeistert annehmen. Ich für meinen Teil würde mich sogar über einen dritten Teil freuen. Nur wie sollte man erklären, dass darin Alan die Frau fürs Leben gefunden hat? Ich lasse mich gerne überraschen: 8/10 Punkte.

The Town – Extended Cut (2010)

Damals im Kino hatte mich der Trailer zu Ben Afflecks „The Town“ ziemlich umgehauen. Endlich einmal wieder ein klassischer Gangsterfilm. Wie bei den meisten anderen Zuschauern wurden auch bei mir Erinnerungen an Michael Manns „Heat“ wach. Dennoch habe ich es nicht geschafft, mir den Film im Kino anzusehen. Umso größer war die Vorfreude auf die Heimkinoauswertung, bei der es – wie so häufig – eine erweiterte Fassung zu sehen gibt.

Ben Affleck wird gerne als Nichtskönner abgetan. Mir selbst ist er nie sonderlich positiv oder negativ aufgefallen. Einzig sein Mitwirken in einigen Kevin Smith-Filmen hat in meiner persönlichen Filmhistorie eine gewisse Relevanz. Seit seinem 2007er Regiedebüt „Gone Baby Gone“ ist er jedoch auch auf dem Radar diverser Filmkritiker aufgetaucht. Spätestens mit „The Town“ dürfte sich sein Ruf als ernsthafter Regisseur weiter gefestigt haben – auch wenn einige Kritiker meinen, den Vergleich mit „Heat“ zu Tode strapazieren zu müssen.

Im Gegensatz zu Michael Manns ikonografischem Gangsterfilm, steht bei „The Town“ nicht das Duell zweier Gegenspieler im Vordergrund. Al Pacinos und Robert De Niros Vermächtnis bleibt also unangetastet. Ben Affleck konzentriert sich in seinem Film eher auf den – wenn man es hochtrabend ausdrücken will – soziogeographischen Hintergrund seiner Charaktere und die damit verbundene Ausweglosigkeit. Daneben wird eine Liebesgeschichte erzählt, die innerhalb dieses Genres teils etwas befremdlich wirkt, aber den Film gerade deshalb außergewöhnlich erscheinen lässt.

Gesehen habe ich den ca. 30 Minuten längeren Extended Cut, der den Charakteren mehr Tiefe verleiht und die Liebesgeschichte ausführlicher erzählt. Vermutlich wirkt die Kinofassung deutlich actionreicher, doch kann ich mir kaum vorstellen, dass sie dadurch an Kurzweiligkeit gewinnt. Die zweieinhalb Stunden der gestrigen Sichtung sind auf jeden Fall wie im Flug vergangen, was neben den exzellenten Schauspielern – u.a. Jon Hamm (Don Draper, „Mad Men“) und Jeremy Renner (William James, „The Hurt Locker“) – vor allem der mitreißenden Inszenierung zu verdanken ist.

Freunde von Gangsterfilmen sollten sich „The Town“ auf jeden Fall merken. Auch wenn der Film nicht den Stellenwert von „Heat“ erreichen wird, so sollte man Ben Afflecks Werk eine gewisse Eigenständigkeit zugestehen. Mit ungetrübtem Blick sind die Qualitäten leichter zu erkennen und man wird die Reise nach Charlestown, Boston auf keinen Fall bereuen. Gar wunderbar altmodisch erzähltes Gangsterkino: 8/10 Punkte.

Die Legende der Wächter – OT: Legend of the Guardians: The Owls of Ga’Hoole (2010)

Während alle Welt über Zack Snyders „Sucker Punch“ diskutiert, habe ich mir gestern mit „Die Legende der Wächter“ seinen wenig beachteten Ausflug ins klassische Fantasygenre angesehen. Die Kritiken waren durchaus gemischt, weshalb meine Erwartungen nicht sonderlich hoch waren. Was ich letztendlich jedoch zu sehen bekam, hat mich – vielleicht auch deshalb – äußerst positiv überrascht.

Bisher stehe ich Zack Snyders Schaffen eher skeptisch gegenüber. Besonders seine Verfilmung von „Watchmen“ hinterließ bei mir keinen sonderlich guten Eindruck. Dennoch gehöre ich zu den Rezipienten, die seiner Art der Inszenierung durchaus etwas abgewinnen können. Auch wenn die Sichtung schon lange zurückliegt, so habe ich „300“ immer noch als äußerst bildgewaltig in Erinnerung und die Eröffnung von „Watchmen“ sieht einfach nur großartig aus. Das Problem war bisher einfach immer, dass die Bilder zu artifiziell waren, um einen Film auch emotional über die gesamte Laufzeit zu tragen.

Auch der Look von „Die Legende der Wächter“ ist sehr stilisiert, jedoch passen die übertrieben lichtdurchfluteten Bilder perfekt zum Fantasysetting und der komplett aus dem Rechner stammenden Welt samt ihrer Figuren. Der Film sieht dabei einfach unglaublich gut aus, ohne jedoch die oft irritierende Diskrepanz zwischen Realbild und CGI-Shot zu beinhalten, die Snyders vorherige Filme (und wohl auch „Sucker Punch“) auszeichneten. Natürlich gibt es auch in diesem Film die für den Regisseur typischen Zeitlupen, welche jedoch weniger aufgesetzt wirken und während der Flugsequenzen einfach nur großartig aussehen.

Neben dem audiovisuellen Hochgenuss, gibt es natürlich noch eine Geschichte zu bewerten. Auch diese hat es mir durchaus angetan. Ich mag Fantasyfilme ohnehin und „Die Legende der Wächter“ enthält viele klassische Elemente des Genres, wie die Wanderung bzw. den Flug der Helden, epische Schlachten und klischeehafte Bösewichte. Zwar wird hier nichts wirklich neu erfunden, doch Eulen als Helden? Da hatte der Film bei mir ohnehin schon fast gewonnen. Die geschaffene Welt ist zudem stimmig und ich hätte mich gerne noch länge in ihr aufgehalten. Hier sind wir auch schon beim größten Kritikpunkt: Der Film wirkt viel zu gehetzt und die Charaktere bleiben oft leider entsprechend blass. Eine halbe Stunde mehr Laufzeit und eine bessere Charakterzeichnung hätten dem Film auf jeden Fall gut getan.

Ich war nach der Sichtung selbst überrascht, wie gut mir der Film gefallen hat. Da hatte ich zuvor wahrlich nicht erwartet. Der Film ist dabei weit davon entfernt perfekt zu sein, doch wer sich in fantastischen Welten zu Hause fühlt und ein Faible für wunderschöne CG-Bilder hat, der sollte auf jeden Fall einmal in „Die Legende der Wächter“ reinschauen. Für mich nach dem „Dawn of the Dead“-Remake auf jeden Fall Zack Snyders gelungenster Film: 8/10 Punkte.

Pandorum (2009)

Was für eine Wundertüte von einem Film! Da erwartete ich mir wirklich nicht viel, doch dann bot „Pandorum“ genau die Art von Unterhaltung, wie ich sie im Kino viel zu lange vermisst habe. Christian Alverts atmosphärischer Sci-Fi-Horror ist dabei kein großes Kino (und will es auch nicht sein), bedient aber Genrefreunde so gut, wie kaum ein zweiter Film der letzten Jahre.

Als Freund von Filmen, die auf Raumschiffen spielen, hatte man in den letzten Jahren wahrlich keine große Auswahl. Sollten diese Raumschiffe dann noch Schauplatz eines Horrorszenarios sein, so kann man die Filme an einer Hand abzählen: Viel mehr als die „Alien“-Reihe und „Event Horizon“ hat dieses Subgenre leider nicht zu bieten. Für mich unverständlich, denn was gibt es unheimlicheres, als verlassene Raumschiffe mit irgendeiner mysteriösen Bedrohung in der unendlichen Einsamkeit des Weltalls?

Natürlich bin ich mir durchaus bewusst, dass dieses Subgenre auf ein sehr spezielles Publikum zielt und deshalb freut es mich umso mehr, dass Alverts Film sich auch voll und ganz auf seine Zielgruppe einlässt, ohne zu versuchen den Rest der Zuschauer auch noch irgendwie mitzunehmen. Hier gibt es wirklich alles, was das Herz von uns Genrefans höher schlagen lässt: Von psychologischem Horror, über klassische Geisterhaus-Atmosphäre bis hin zu Monsteraction mit hohem Splatterfaktor. Das alles vor dem Hintergrund einer epischen Sci-Fi-Geschichte, welche mit sehr persönlichen Schicksalen verknüpft ist. Wie gesagt, eine wahre Wundertüte von einem Film.

Manchmal übertreibt es der Film ein wenig mit der Ausschöpfung der Genrekonventionen. Da gibt es plötzlich Kampfszenen, die an Martial Arts erinnern und manche Figuren wirken auch etwas deplatziert. Doch alles in allem bleibt die Atmosphäre schön dicht und die Geschichte ist mitreißend und unkonventionell genug, um aus dem Film mehr als nur eine Ansammlung von Versatzstücken zu machen. Zudem hat Alvert das Ende wirklich schön hinbekommen und ich finde es sehr schade, dass die ursprünglich geplante Trilogie wohl nicht umgesetzt wird.

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie sich „The Descent“ im Weltall anfühlt oder wie wohl ein Spin-off der Serie „Firefly“ bzw. „Serenity“ ausgesehen hätte, das die Reaver ins Zentrum der Handlung stellt, der dürfte ziemlich viel Spaß mit „Pandorum“ haben. Auch allen anderen Genrefreunden – und wirklich auch nur diesen – kann ich den Film nur wärmstens ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Vielleicht, vielleicht auch nicht – OT: Definitely, Maybe

Nach langer, langer Zeit habe ich mich doch tatsächlich zu einem Blindkauf hinreißen lassen. Adam Brooks „Vielleicht, vielleicht auch nicht“ schien mir eine gute Wahl zu sein, um dem Genre der romantischen Komödie einmal wieder einen Besuch abzustatten. Doch wie wir wissen, gibt es bei Blindkäufen nur eine 50:50-Chance tatsächlich einen guten Film zu erwischen. Zu welcher Gruppe darf sich „Definitely, Maybe“ zählen?

Normalerweise spare ich mir bei meinen Filmbesprechungen eine Zusammenfassung der Handlung. Schließlich gibt es dafür genügend Webseiten. Doch dieser Film macht mir leicht: Mit „Definitely, Maybe“ erlebt der Zuschauer die Prämisse von „How I Met Your Mother“ – nur eben in Film- statt Serienform. Ryan Reynolds (Berg, „Two Guys and a Girl“) spielt Will Hayes, einen Vater, der sich gerade in der Scheidung befindet und seiner Tochter zu erklären versucht, warum das mit ihm und ihrer Mutter nicht so ganz einfach ist. Der Clou bei der Sache: Er erzählt von drei Frauen in seinem Leben und lässt die Tochter raten, welche von diesen letztendlich ihre Mutter ist. Eine Mystery-RomCom sozusagen.

Die Geschichte umspannt beinahe 20 Jahre und entführt den Zuschauer somit ins New York der 90er Jahre. Man erlebt, wie Will Hayes in der New Yorker Wahlkampfzentrale Bill Clintons mitarbeitete, wie er seine eigene Firma aufbaut und natürlich wie er die drei Frauen kennenlernte, die die romantische Seite seines Leben prägten. Ich war wirklich erstaunt und erfreut, wie wenig auf den Beziehungskisten herumgeritten wird und wieviel Freiraum der eigentlichen Charakterentwicklung eingeräumt wurde. Sehr gelungen.

Gegen Ende gelingt es jedoch auch „Definitely, Maybe“ nicht den für romantische Komödien obligatorischen Kitsch komplett zu umschiffen. Doch mich hat das nicht weiter gestört, denn auch der Kitsch gehört eben zum Genre. Zudem hat der Film mit seiner Vater-Tochter-Beziehung bei mir natürlich voll in eine Kerbe geschlagen. Somit konnte ich auch über diverse Logikfehler und Ungereimtheiten hinwegsehen.

Wenn man sich darauf einlässt, bietet Adam Brooks „Vielleicht, vielleicht auch nicht“ wunderbare Unterhaltung mit tollen Darstellern (u.a. Isla Fisher, Kevin Kline), einem gut geschriebenen Drehbuch und einem von Florian Ballhaus toll eingefangenem Big Apple. Ich kann nicht verstehen, warum der Film – im Gegensatz zu anderen, weit klischeehafteren Vertetern des Genres – so untergegangen ist. Einfach nur gute, kurzweilige Unterhaltung: 8/10 Punkte.