TRON: Legacy

Sequels, die etliche Jahre – bzw. in diesem Fall beinahe zwei Jahrzente – nach dem Original erscheinen, sind oft leider mit Vorsicht zu genießen. Besonders wenn man die Originale liebt. So habe ich mich auf „TRON: Legacy“ zwar sehr gefreut, doch war ich gleichzeitig besorgt, dass die Fortsetzung nicht mehr viel mit einem meiner Lieblingsfilme aus sorgenfreien Jugendtagen gemein hat.

Der 1982er „TRON“ war ein Meilenstein für die VFX-Branche und generell für Filme, wie wir sie heute kennen. Auch wenn er heute teils sehr angestaubt und naiv wirkt, so besetzt er dennoch einen Dauerplatz in meinem persönlichen Filmolymp. Gelingt es „TRON: Legacy“ die übergroßen Fußstapfen der Vorgängers auszufüllen? Natürlich nicht. Wie sollte es auch? Selbst James Camerons „Avatar“ wird, rückblickend betrachtet, wohl nicht mit der gleichen Bedeutung in die Filmgeschichte eingehen, wie Steven Lisbergers „TRON“ – doch wenden wir uns nun der Fortsetzung zu.

Von der Handlung her betrachtet wirkt „TRON: Legacy“ größtenteils wohl ebenso befremdlich, wie sein Vorgänger. Eine lebendige Computerwelt. Menschen, die Programme darstellen. Spätestens an dieser Stelle steigen viele Zuschauer wohl bereits aus. Für mich war es jedoch nie ein Problem, diese Prämisse zu schlucken. Vermutlich, weil ich die Welt von „TRON“ kenne solange ich denken kann. Dass dem aktuellen Film zudem noch der naive Charme des Originals abgeht und er hypermodern inszeniert wurde, mag – trotz aggresivem Marketing – seine Schwierigkeiten beim normalen Kinopublikum erklären.

Audiovisuell ist der Film ein Genuss. Wahnsinn. Die Computerwelt wird durch ein Meer von Licht dargestellt. Glänzende Oberflächen, Spiegelungen und Licht. Soviel Licht. Absolut beeindruckend. Nicht minder imposant ist der fantastische Score des französischen Electronica-Duos DAFT PUNK, welcher den hypertechnisierten Look des Films perfekt unterstreicht. Erstaunlich dabei ist, dass sich die Welt von „TRON: Legacy“ dennoch wie ein nur weiterentwickelter Teil des damaligen Filmuniversums anfühlt. Eine erstaunliche Leistung.

Trotz meiner hier kundgetanen Begeisterung muss man ganz klar sagen, dass „TRON: Legacy“ durchaus seine Fehler hat. Die Geschichte ist nicht sonderlich innovativ, oft nimmt sich der Film zu ernst und auch die Dramaturgie hakt an so mancher Stelle. Dennoch wurde ich absolut positiv überrascht. Besonders da es doch etliche Verbindungen zum Original – inklusive teils mehr, teils weniger gelungenem CGI-Double des 1982er Jeff Bridges – gibt, kann ich den Film als absolut sehenswert einstufen: 8/10 Punkte.

16 Gedanken zu “TRON: Legacy

  1. Cool das du dir den auch mal gegeben hast.
    Kann ich, wie du bestimmt weißt, soweit unterschreiben.
    „It’s Bio-digital jazz man!“, Jeff Bridges rockt die Hütte einfach derbst.
    Feines Teil, toller Stil, gut inszeniert.
    Etwas zu „kühl“ vielleicht, aber insgesamt einfach ein passender Nachfolger.

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  2. Habe die Tage übrigens als „Benedikt“ über meinen Twitter-Account geposted, weiß nicht ob dir das klar war. Selbst mir fiel erst später auf, dass da ja nicht mehr „C4rter“ stand, lol

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  3. Ich sage dazu mal: meistens sehen sich die „älteren“ Jahrgänge die nachfolgenden Filme aus meist nostalgischen Gründen an, auch wenn man – dazu muss ich dir absolut zustimmen – geschichtliche Fehler gemacht hat oder der Inhalt der Fortsetzung eher lasch gehalten ist. Imho – fasziniert mich eigentlich bei Remakes oder Fortsetzungen die heutigen Möglichkeiten der Technik zb. die überarbeiteten Fassungen von Star Wars.

    Die Erben von Tolkin haben ebenfalls einen guten Zeitpunkt gewählt um die Verfilmung von Herr der Ringe zu erlauben.
    Je weiter sich unsere Technik entwickelt desto fantastischer werden die Ergebnisse, besonders angetan hat es mir „Avatar“.
    Wobei ich mich wohlgemerkt fast die ganze Zeit gefragt habe wie sie diese extrem realistischen Szenen hinbekommen haben ohne den von früher gewohnten *Comic-Style*.

    Gegenteilig haben wir die Jugend, der es mehr um Action und epischen Szenen geht als um Inhalt. Aber… *hüstel* auch sie werden älter und ebenso wie wir in Erinnerungen schwelgen und dann den geschichtlichen Inhalt von erneuten Remakes und Fortsetzungen kritisieren 🙂

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  4. @C4rter: Ja, ich habe deine Kritik auch noch einmal gelesen. Anscheinend ist der Film bei uns ja ähnlich gut angekommen. Jeff Bridges ist schon wirklich klasse. Insgesamt für einen 18 Jahre später erschienenen Nachfolger wirklich gelungen.

    Übrigens hatte ich Benedikt sofort als C4rter identifiziert, da dein offizieller Name ja unter der URL bzw. E-Mail-Adresse von Twitter erschienen ist… 😉

    @rohanna4wow: Ja, die technischen Möglichkeiten sind heute wahrlich fantastisch. Dennoch sehe ich am liebsten wohl immer noch Filme aus meiner Jugend, sprich 80er und 90er Jahre. Heute sind viele Filme einfach zu überladen, was Effekte angeht. Da können mich Werke, wie z.B. „Jurassic Park“, mit ihrer perfekten Mischung aus CGI und handgemachten Effektszenen immer noch am meisten überzeugen.

    Mal sehen wie sich das Kino so in den nächsten Jahrzehnten entwickelt und ob wir bei dieser Bilderflut dann überhaupt noch mitkommen… 😉

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  5. Ja, wie gesagt, kein Vergleich zum Original. Doch trotz Schwächen hat mich das Gesamtpaket auf nahezu ganzer Linie überzeugt. Auch die Schauspieler fand ich okay. Der Film wird sicherlich kein Kultfilm werden, aber ich bin mir sicher doch noch ein paar Mal reinzuschauen…

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  6. Ich habe deine Kritik gerade noch einmal gelesen. An sich alles durchaus gangbare Argumente, doch rein gefühlsmäßig funktioniert der Film für mich einfach. Die gestrige Sichtung war einfache in rundum gelungenes Erlebnis. Ich hätte aber das Original zuvor noch einmal anschauen sollen…

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  7. Ging mir ähnlich. Der Film bietet außer guter Musik und guten Effekten erstaunlich wenig, macht aber trotzdem Spaß. Was einerseits schade ist, andererseits aber ausnahmsweise mal ausreicht.

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  8. Ich mag zudem immer noch das Konzept der real abgebildeten virtuellen Landschaft. Hat mir bereits im Original ausgezeichnet gefallen. Ich würde mir auch jederzeit ein weiteres Sequel anschauen, doch das wird es wohl mit ziemlicher Sicherheit nicht geben.

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  9. Nachdem ich den Film gesehen hatte, habe ich mir das erste Mal in meinem Leben gewünscht, sie hätten ein Remake statt ner Fortsetzung draus gemacht. Mit der Technik von heute wäre das sicherlich etwas spannender gewesen.

    Also ich bleibe lieber beim alten „Tron“, der war wenigstens noch richtig innovativ.

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  10. @donpozuelo: Der Film ist ja größtenteils ein Quasiremake. Alle großen Szenen des Originals werden abgehandelt: Das Light-Cycle-Race, der Diskus-Kampf, die Fahrt auf dem Transporter usw.

    Ich glaube nicht, dass ich mit einem reinen Remake glücklicher gewesen wäre. Der alte „TRON“ ist garantiert gelungener, doch für ein so spätes Sequel schlägt sich „TRON: Legacy“ in meinen Augen ziemlich gut.

    @Willems: Yep! Finde ich auch… 🙂

    Dir hatte ja leider der erste schon nicht so richtig zugesagt, wenn ich mich richtig erinnere (okay, ich habe nachgelesen).

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