Die schrillen Vier auf Achse – OT: Vacation (1983)

Aktualisierung: Ich habe „Die schrillen Vier auf Achse“ am 4. August 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem ich mich jedes Jahr an „Schöne Bescherung“ erfreue, habe ich mir die restlichen Filme rund um die sympathische Chaosfamilie Griswold zugelegt. Mit „Die schrillen Vier auf Achse“ geht es im ersten Film der Urlaubstetralogie durch den amerikanischen Westen, wo etliche Abenteuer auf Clark und seine Familie warten.

Die schrillen Vier auf Achse (1983) | © Warner Home Video

Die schrillen Vier auf Achse (1983) | © Warner Home Video

Im Gegensatz zur Weihnachtsepisode habe ich das erste Abenteuer der Griswolds bisher nur drei- bis viermal gesehen, wobei die letzte Sichtung bestimmt schon 15 Jahre zurückliegt. Erinnern konnte ich mich noch an die grobe Geschichte sowie einige klassische Szenen, wie z.B. die verschlafene Fahrt, welche später wohl auch Matt Groening für eine Episode von „Die Simpsons“ inspiriert hat. Viele andere Details kamen mir bei der gestrigen Sichtung allerdings erfrischend neu vor.

Vergleicht man den Film mit „Christmas Vacation“ so fällt auf, dass die satirischen Elemente hier noch stärker ausgeprägt sind. Zwar gibt es auch etliche alberne und charakterbildende Szenen, doch werden die meisten Lacher noch durch satirische Übertreibung hervorgerufen. Besonders im Finale läuft der Film hier zur Höchstform auf.

So gut mich „Vacation“ gestern auch unterhalten hat, so kann er „Schöne Bescherung“ in meinen Augen nicht das Wasser reichen. Einerseits liegt das bestimmt in nostalgischen Gefühlen begründet, andererseits finde ich die zweite Fortsetzung einfach lustiger und ausgewogener, wobei dieser Film bei wiederholter Sichtung durchaus noch wachsen mag.

Wie man es auch dreht und wendet: „Die schrillen Vier auf Achse“ kann auch heute noch ausgezeichnet unterhalten, wenngleich man ein Faible für 80er Jahre Komödien mitbringen sollte. Dann jedoch wird man mit teils herrlich bösen, teils unglaublich doofen und doch immer sympathischen Szenen belohnt, welche zudem mit einem wunderbaren Soundtrack unterlegt sind. We’re all gonna have so much fucking fun we’ll need plastic surgeory to remove our godamn smiles: 7/10 Punkte.

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989) (WS2)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Adventszeit: Glühwein, Lebkuchen und gemütliches Zusammensein. Was darf da nicht fehlen? Natürlich der Weihnachtsfilmklassiker der 80er Jahre: „Schöne Bescherung“ nach einem Drehbuch von John Hughes und mit Chevy Chase als fanatisches Oberhaupt der Familie Griswold. Die gestrige Sichtung war insofern etwas Besonderes, als dass sie für ein Zuschauerpaar tatsächlich eine Premiere darstellte – unglaublich, oder?

Vielleicht liegt es auch an den beiden Neuzugängen, doch so viel Spaß wie gestern hatte ich schon lange nicht mehr mit dem Film – und das wohlgemerkt, obwohl ich nahezu jedes Jahr enorm viel Spaß mit „Schöne Bescherung“ habe. Der Film bietet einfach so viele unglaublich gelungene Gags und Slapstickeinlagen, dass man ununterbrochen lachen könnte. Daneben gibt es während der Vorbereitungen zum Weihnachtsfest der Griswolds aber durchaus besinnliche Momente, die einen wunderbar auf die Feiertage einstimmen.

„Christmas Vacation“ ist wohl der Film, den ich in meinem bisherigen Leben am häufigsten gesehen habe. 20 Sichtungen dürften es wohl mindestens gewesen sein. Umso erstaunlicher, dass ich immer noch lachen kann und sogar neue Details entedecke. So ist es mir bisher tatsächlich entgangen, dass Rusty Griswold von niemand geringerem als Johnny Galecki (Leonard Hofstadter, „The Big Bang Theory“) gespielt wird.

Eigentlich hätte ich die Sichtung gerne näher zu Weihnachten verlagert, doch ist nahezu jeder Abend bis dahin schon verplant. Insofern war der gestrige Abend gar nicht schlecht gewählt, denn somit ist eines der jährlichen, vorweihnachtlichen Rituale – für mich zudem eines der schönsten – bereits vollzogen. Ich bin einmal gespannt, wann die restlichen Filmblogger mit ihren Einträgen folgen. We’re gonna have the hap hap happiest christmas since Bing Crosby tapdanced with Danny fucking Kaye: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Drachenzähmen leicht gemacht – OT: How to Train Your Dragon (2010)

Aktualisierung: Ich habe „Drachenzähmen leicht gemacht“ am 27. Dezember 2017 zum zweiten und am 11. September 2020 zum dritten Mal gesehen. Die neuen Besprechungen findet ihr jeweils hinter den Links.

Wenn es um Animationsfilme geht, dann geht für mich nichts über Pixar. Die Filme anderer Studios sind meist nett anzusehen, doch bleiben sie meist nicht wirklich lange im Gedächtnis. Mit „Drachenzähmen leicht gemacht“ hat DreamWorks Animation jedoch einen ziemlich heißen Kandidaten ins Rennen geschickt, um Pixar die Stirn zu bieten.

Die Geschichte ist simpel: Ein Stamm von Wikingern muss sich gegen die örtliche Plage – die titelgebenden Drachen – zur Wehr setzen. Der Sohn des Häuptlings ist jedoch nicht aus dem Holz geschnitzt, aus dem Drachentöter gemacht sind. Doch gerade dieser wird im Kampf gegen die Drachen die entscheidende Wendung herbeiführen. Entscheidend ist weniger was erzählt wird, als wie die Geschichte umgesetzt wurde. Mit viel Herz, Humor und noch mehr mitreißender Action.

„How to Train Your Dragon“ ist wohl der actionreichste Animationsfilm, der mir bisher untergekommen ist. Es kracht und scheppert an jeder Ecke, das Tempo ist unglaublich hoch und man weiß oft gar nicht an welche Stelle des Bildschirms man zuerst schauen soll. Diesen Film hätte ich wahrlich gerne in der 3D-Fassung gesehen. Doch glücklicherweise funktioniert er ebenso auf dem heimischen Fernseher, da man sich mit selbstzweckhaften 3D-Szenen glücklicherweise zurückgehalten hat.

Die Charaktere sind liebenswert trottelig, die Drachen feurig skurril und die computergenerierte Landschaft eine Augenweide. Hinzu kommt ein stimmungsvoller Score, der den Film auch emotional auf die richtigen Bahnen lenkt. Ein rundum stimmiges Paket. Stößt DreamWorks Animation damit Pixar vom Thron? Soweit ist es noch nicht, doch ist „Drachenzähmen leicht gemacht“ endlich einmal ein Film, der nicht auf allzu ausgetretenen Animationspfaden wandelt. Einfach nur ein großer, actionreicher Spaß für die ganze Familie (wenn auch nicht die ganz Kleinen).

Anfangs dachte ich noch, dass hiermit ein neues Franchise aufgebaut werden sollte, doch letztendlich wirkt die Geschichte des Films sehr abgeschlossen. Vielleicht ist das auch besser so. Dies würde zumindest die Sonderstellung des Films unter seinen Genrekollegen kräftigen. Bravo, DreamWorks Animation! Bitte weiter so: 8/10 Punkte.

(500) Days of Summer (2009)

Es gibt diese Filme. Filme, die sich einem sofort ins Herz spielen. Als wären sie schon immer Teil des persönlichen, filmischen Mikrokosmos gewesen. Marc Webbs „(500) Days of Summer“ gehört ohne Zweifel zu diesen Filmen. Gerade erst gesehen und schon das Gefühl einen neuen Freund gewonnen zu haben. Was den Film so besonders macht? Findet es heraus…

Zunächst einmal muss ich die formalen Aspekte loben: Der Aufbau des Films ist zwar nicht unbedingt brandneu, aber im Rahmen doch Genres doch wunderbar erfrischend. Aufgrund der mäandernden Darstellung der Beziehung bekommt man als Zuschauer all die widersprüchlichen Gefühle präsentiert, die eine Beziehung eben so mit sich bringt. Wunderbar. Des Weiteren ist der Film wunderschön photographiert und besitzt den besten Soundtrack seit „Garden State“ – was ich als absolutes Kompliment verstanden haben will.

Auch inhaltlich ist der Film ganz groß. Selten habe ich solch eine natürliche Chemie zwischen zwei Schauspielern erlebt. Großartige Leistungen von Joseph Gorden-Levitt („Brick“, „Inception“) und Zooey Deschanel. Auch die Drehbuchautoren haben ihren Teil zum Gelingen der Geschichte beigetragen, wirken die Dialoge doch wunderbar aus dem Leben gegriffen. Gewürzt mit unzähligen popkulturellen Referenzen und der stilsicheren Inszenierung ergibt sich ein ganz besonderer, kleiner Film. Ein Film der es leicht unter meine Lieblingsfilme schaffen könnte.

Müsste ich einen Kritikpunkt nennen, dann eventuell die Erzählstimme, die doch ab und zu an „Die fabelhafte Welt der Amélie“ oder auch die TV-Serie „Pushing Daisies“ erinnert. Glücklicherweise wird sie in „(500) Days of Summer“ nur sehr gezielt eingesetzt und auch die anderen inszenatorischen Kniffe wirken nicht aufgesetzt, sondern fügen sich relativ nahtlos in die Geschichte ein.

Marc Webbs „(500) Days of Summer“ hat etwas in mir berührt, wohin es nur wenigen Filmen gelingt vorzudringen. Bereits nach ein paar Minuten fühlten sich die Charaktere wie alte Bekannte an. Vermutlich ist der Film aber nicht für jeden Zuschauertyp geeignet. Man muss wohl – zumindest zu geringen Teilen – ein Träumer oder zumindest mit britischer Popmusik aufgewachsen sein. Fantastisch: 9/10 Punkte.

Oben – OT: Up (2009)

Aktualisierung: Ich habe „Oben“ am 21. Mai 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern habe ich meinen ersten Film gesehen seit das Zappelinchen in unser Leben getreten ist. Der erste Film seit sieben Wochen. Ich glaube das ist ein neuer Rekord. Was lag also näher, als mit „Oben“ einen kinderfreundlichen (dazu später mehr) Pixarfilm zu sichten? Im Kino hatte ich das Werk meiner liebsten Animationsschmiede leider verpasst und somit war die Vorfreude auf die Heimkinopremiere umso größer.

Oben (2009) | © Walt Disney

Oben (2009) | © Walt Disney

Zunächst einmal muss ich den audiovisuellen Genuss herausstellen, den dieser Film bietet. Ein absoluter Augen- und Ohrenschmaus. Allein dafür hat sich die Anschaffung eines Blu-ray-Players gelohnt. Die Detailverliebtheit Pixars ist abermals unglaublich und ich hätte den Film am liebsten alle paar Minuten angehalten, nur um die Bilder zu bestaunen. Tatsächlich habe ich das auch getan, was allerdings weniger dem Film, als dem Töchterchen geschuldet ist. Filmschauen mit einem nicht schlafen wollendem Kind im Nebenzimmer ist eine ganz neue Erfahrung.

Nachdem mich der Film ästhetisch auf jeden Fall schon für sich gewinnen konnte, stellt sich natürlich die Frage nach dem Inhalt und diesbezüglich hat „Oben“ durchaus gemischte Kritiken bekommen. Alle Kritiker sind sich jedoch einig, dass die ersten zwanzig Minuten des Films das Anrührendste sind, was man je in einem Animationsfilm zu sehen bekam. Auch ich war zutiefst ergriffen und musste die eine oder andere Träne verdrücken. So unglaublich schön. Ich gehe sogar noch weiter und attestiere der gesamten ersten Filmhälfte unwahrscheinliche emotionale Reife, denn auch – oder sogar besonders – nach der Rückblende kann man für Carl Frederickson einfach nur tiefste Verbundenheit empfinden.

Auch die Reise gehört für mich unabdingbar zu den wichtigen Elementen des Films. Das Abenteuer steht für eine tiefe Sehnsucht und treibt unseren Helden unablässig voran. Für mich kam der Bruch mit dem Erscheinen der sprechenden Hunde. Ähnlich wie in „WALL·E“ fällt die zweite Filmhälfte etwas ab, da die neuen Handlungselemente doch etwas fremd in dem bisher eher emotional geprägten Film wirken. Doch nach einer gewissen Zeit machen auch diese Ansätze durchaus Sinn, wenngleich ich mir hier oft eine etwas dezentere Inszenierung gewünscht hätte. Die Szenen in denen Carl die fehlenden Seiten in Ellies Abenteuerbuch entdeckt und er endlich loslassen kann, sind dann einfach wieder nur zutiefst ergreifend.

Aufgrund seines Themas muss ich mich über die Freigabe des Films doch stark wundern. Kein Kind unter 6 Jahren wird die emotionale Tragweite des Films begreifen, geschweige denn verkraften können. Für mich ist „Oben“ – sieht man einmal von den sprechenden Hunden ab – bisher der reifste Film Pixars. Auch der Gewaltlevel hinterlässt bei jüngeren Kindern bestimmt Eindruck, da die bösen Hunde durchaus bedrohlich wirken und auch der Antagonist des Films dieses Mal – im Gegensatz zu den meisten anderen Animationsfilmen – nicht ungeschoren davon kommt.

Fazit

Insgesamt reiht sich „Oben“ für mich nahtlos in die makellose Filmographie Pixars ein. Einige Szenen haben sich sofort in mein Herz gespielt und zählen ab sofort zu meinen Animationsfavoriten. Daneben wirkt der Film teils etwas inkonsequent inszeniert, was jedoch dem Gesamtwerk kaum schadet. Wieder einmal ganz großes Kino: 9/10 Punkte.

Drag Me to Hell (2009)

Auf die Sichtung von Sam Raimis „Drag Me to Hell“ hatte ich mich schon sehr lange gefreut. Endlich einmal wieder ein vielversprechender Genrefilm, den besonders die Fans in den Himmel lobten. Ein ziemlich zuverlässiges Qualitätsmerkmal. Folglich konnten meine hohen Erwartungen nicht enttäuscht werden, oder etwa doch?

Zunächst einmal sollte ich vorausschicken, dass ich Sam Raimis frühe Genrebeiträge zwar durchaus gelungen finde, sie aber insgesamt nicht so ins Herz geschlossen habe, wie wohl die meisten Gernefreunde. Für mich ist seine „Evil Dead“-Trilogie dann am gelungensten, wenn sie den Zuschauer zum Lachen bringt. Überzogene Gewalt, hysterische Action und klamaukiger Slapstick. Vermutlich kann ich deshalb auch mit dem ersten Teil – dem in Deutschland zu trauriger Berühmtheit gelangten „Tanz der Teufel“ – am wenigsten anfangen.

Von vielen vergessen ist Raimis Rückkehr ins Genre aus dem Jahr 2000. „The Gift“ ist ein unspektakulärer, aber doch effektiver und atmosphärischer Gruselfilm, der mich damals unruhig auf der Kante des Kinosessels hin und her rutschen ließ. Sehr klassisch und ohne Humor inszeniert. Nach seiner „Spider-Man“-Trilogie kehrte Raimi mit „Drag Me to Hell“ nun erneut in sein Genre zurück und begab sich dabei wieder komplett zu seinen Wurzeln, sprich: Überzogene Gewalt, hysterische Action und klamaukiger Slapstick.

Wie die meisten guten Horrorfilme greift auch „Drag Me to Hell“ aktuelle sozialkritische Tendenzen auf und verarbeitet diese auf mehr oder minder dezente Art und Weise. Dieses Mal sind herzlose Bänker der Auslöser für das über die Charaktere hereinbrechende Böse und man darf sich auf einen besonders kreativen Ansatz zur Tilgung von Hypothekenschulden freuen. Die Geschichte bleibt dabei äußerst oberflächlich und lebt vor allem von ihren herrlich überzeichneten Schockszenen. Absolut ekelerregend und stets unterhaltsam. Der Übergang vom ersten Erschrecken zu hysterischem Lachen ist bei diesem Film wirklich nahtlos.

Kritisieren kann man natürlich die einfach konstruierte Geschichte samt vorhersehbarer Wendung, doch dank des trashigen Charmes mag ich dem Film nicht wirklich böse sein. Bis auf einige schlechte CGI-Effekte ist „Drag Me to Hell“ herrlich altmodisch und nimmt sich selbst alles andere als ernst. Für Genrefreunde kann ich insofern nur eine dicke Empfehlung aussprechen: 7/10 Punkte.

Fanboys (2009)

Zum 30. Jubiläum von „Star Wars“ wurden zwei Filme angekündigt, die sich dem Thema aus Sicht der Fans annehmen sollten. Der erste war Patrick Read Johnsons – bisher immer noch unveröffentlicher – „77“ (ehemals „25-5-77“) und der zweite Kyle Newmans „Fanboys“, welcher eine äußerst turbulente Entstehungsgeschichte hinter sich hat. Sieht man diese dem Film an?

Zum Hintergrund: Kurz bevor der Film veröffentlicht werden sollte, wurde dieser von seiner Produktionsfirma The Weinstein Company umgeschnitten und um einen der Haupthandlungsstränge erleichtert. Nach schlechter Publicity aufgrund dieser Kürzung wurde letztendlich entschieden eben diesen gekürzten Handlungsstrang doch wieder in den finalen Schnitt des Films aufzunehmen. Ob mit der aktuellen Version nun ein echter Director’s Cut vorliegt oder nur eine annähernd rekonstruierte Fassung scheint jedoch niemand so genau zu wissen. Ob es das Drama überhaupt wert war?

In meinen Augen nicht. Ich kann durchaus verstehen, warum den Weinsteins der Handlungsstrang um die tödliche Krebserkrankung nicht ins Konzept passte. Er fügt sich einfach nicht in den restlichen Film ein. Emotional passiert da nichts. Die Geschichte geht im restlichen Klamauk völlig unter und man hätte die Schwerpunkte von Grund auf anders verteilen müssen. Dann jedoch wäre der Film in Richtung emotionales Drama gekippt und so wie „Fanboys“ vermarktet wurde, wäre dies wohl auch keine Lösung gewesen. Ich möchte die Praktiken der Weinsteins hiermit nicht gutheißen – und offensichtlich war deren nachbearbeitete Version noch inkonsistenter – doch hier haperte es einfach bereits am Drehbuch.

Abgesehen von der Unstimmigkeit in der Prämisse (man hätte wahrlich irgendeinen Grund zwischen tödlicher Krankheit und reiner Schnapsidee finden können) bietet der Film teils wirklich fantastische Unterhaltung. Die Gags werden zwar oft mit der Brechstange präsentiert, doch treffen sie fast immer ins Schwarze. Die Helden sind genau so nerdig, wie sie eben sein müssen und werden zudem von einer wunderbaren Kristen Bell („Veronica Mars“) unterstützt. Herrlich sind ebenso die Cameos, allen voran William Shatner.

Am Ende lässt mich der Film – obwohl ich im Mittelteil wirklich viel Spaß mit ihm hatte – doch etwas unbefriedigt zurück, was zum größten Teil an der emotional unstimmigen Rahmenhandlung liegt. Auch wenn der Film für echte Fanboys durchaus den einen oder anderen Blick wert ist, hätte ich mir insgesamt irgendwie mehr erwartet: 6/10 Punkte. Nun wäre es an der Zeit, dass „77“ einmal zeigt, wie man es besser macht…

96 Hours – OT: Taken (2008)

Zu Beginn der Feiertage habe ich mir mit Pierre Morels „96 Hours“ – oder „Taken“ wie der Originaltitel lautet – einen nicht gerade friedfertigen Film ausgewählt. Die Produktion aus dem Hause Luc Besson macht keine Gefangenen und bietet einen Adrenalinrausch, wie ich ihn auf dem heimischen Bildschirm schon lange nicht mehr erlebt habe.

Die Geschichte ist simpel: Die Tochter eines Ex-Agenten wird entführt, woraufhin sich dieser auf die Suche macht und nach Rache sinnt. Während der relativ ausführlichen Exposition lernt man die Charaktere ziemlich gut kennen und kann somit dem Schmerz und die Wut des Vaters bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Somit ist die wichtigste Voraussetzung für einen effektiven Selbstjustizthriller gegeben, der sich glücklicherweise nicht mit Moralfragen aufhält, sondern sofort zur Sache kommt.

Sicher kann man den Film als reaktionäre Gewaltfantasie mit offen propagiertem Fremdenhass sehen, doch dann dürfte man sowieso nicht zur Zielgruppe gehören und seit den 80er Jahren jeden Actionfilm gemieden haben. Ein Film braucht nun einmal Bösewichte. Hier sind hat es eben Albaner, Franzosen und Araber getroffen und das nicht zu knapp, womit ich auch zum nächsten Punkt kommen möchte: Liam Neesons Bryan Mills. Der Mann, der rot sieht. Blutrot. Selten habe ich solch einen kompromisslosen und übertriebenen Rachefeldzug gesehen. Jegliche Diskussion moralischer Fragen hätte die treibende Handlung völlig zerstört. Kritik dieser Art schießt für mich völlig am Ziel vorbei, zudem es sich um eine französische und eben keine US-Produktion handelt.

Für Actionfreunde ist „Taken“ eine kleine Offenbarung. Hart, dreckig und unglaublich treibend inszeniert. Pierre Morel sollte man sich als Genrefan wahrlich merken. Auch Liam Neeson („Rob Roy“) hat mich endlos begeistert. Sicher verliert sich die Geschichte – besonders gegen Ende – in immer phantastischeren Regionen, doch mochte mich das nicht wirklich stören, denn schließlich ist dies ein herrlich altmodischer Actionkracher und kein Politdrama.

Wer 90 Minuten im Zeitraffer verfliegen sehen möchte und dem Genre zudem nicht abgeneigt ist, der sollte „Taken“ dringend auf seine Liste setzen. Ein Adrenalinrausch in 24 Bildern pro Sekunde: 8/10 Punkte.

Titan A.E. (2000)

Aktualisierung: Ich habe „Titan A.E.“ am 5. Oktober 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Manchmal ist es wunderbar persönliche, beinahe vergessene Filmklassiker hervorzuholen. So habe ich mich seit viel zu langer Zeit einmal wieder Don Bluths „Titan A.E.“ gewidmet. Bereits bei der ersten Sichtung im Kino hatte mich der Film unwahrscheinlich begeistert. Nerdkino in Perfektion. Darauf folgten unzählige Sichtungen auf DVD und die traurige Erkenntnis, dass der Film zu unrecht komplett in der Versenkung verschwunden ist.

Titan A.E. (2000) | © 20th Century Studios

Titan A.E. (2000) | © 20th Century Studios

Die Geschichte um den vaterlosen Cale Tucker, der sich auf die Suche nach einem verschollenen Raumschiff begibt, welches die Menschheit retten soll, ist simpel aber mitreißend. Überhaupt lebt der Film eher von seinen Animationssequenzen, welche – auf für heutige Augen gewöhnungsbedürftige Art und Weise – klassische 2D-Animation mit computergenerierten Grafiken verbinden. Heute (immerhin 10 Jahre später) mag das alles etwas angestaubt wirken, doch lässt man sich darauf ein, wird man mit teils wunderschönen Szenen belohnt.

Die Atmosphäre des Films ist ziemlich dicht und auch wenn sich die Inszenierung nicht eindeutig für ein Zielpublikum entscheiden kann, so dürfte man als Jugendlicher oder jung gebliebener Erwachsener am meisten Spaß mit „Titan A.E.“ haben. Die grafische Gestaltung und die zusammengewürfelte Crew erinnern mich heute tatsächlich etwas an den grandiosen Sci-Fi-Western „Firefly“, was durch die pointierten Dialoge unterstützt wird. Man merkt hier deutlich, dass Joss Whedon am Drehbuch mitgeschrieben hat.

Eine besondere Erwähnung verdient der Soundtrack, den ich damals rauf und runter gehört habe. Auch wenn sich mein Musikgeschmack seitdem doch weiterentwickelt hat, wurde ich bei der gestrigen Sichtung wieder davon mitgerissen. Da werden Erinnerungen wach.

Fazit

Für mich zählt „Titan A.E.“ ganz klar zu den Geheimtipps zwischen den Genres. Ein Animationsfilm abseits von Disney und Anime, den man auch als Erwachsener mit viel Vergnügen schauen kann. Schade, dass von Don Bluth („In einem Land vor unserer Zeit“) in dieser Hinsicht nichts mehr kam. Einer meiner persönlichen Klassiker: 8/10 Punkte.

Hellbound: Hellraiser II (1988)

Wie kann man den letzten Urlaubstag am besten nutzen? Da gibt es wohl einige Möglichkeiten, ich jedoch habe eine angebrochene Filmreihe weiterverfolgt. Tony Randels „Hellbound: Hellraiser II“ besitzt unter Genrefreunden einen exzellenten Ruf und wird in einem Atemzug mit dem Original genannt. Ich kann mich an meine erste Sichtung kaum noch erinnern, wodurch sich mir ein nahezu neuer Film präsentierte.

Die Fortsetzung des 80er Jahre Horrorklassikers „Hellraiser: Das Tor zur Hölle“ macht genau dort weiter, wo der Vorgänger aufhört. Und das in ausnahmslos jedem Aspekt. War der erste Teil eher ein bedrückendes Kammerspiel mit schockierenden Horrorelementen, so öffnen sich hier die Tore der Hölle meilenweit. Auch wenn viele Horrorfreunde es nicht gerne hören werden: „Hellbound: Hellraiser II“ ist eine typische Genrefortsezung. Mehr Gewalt, mehr Sex, mehr Blut und weniger Handlung. Insofern kann ich mich den Jubelstürmen leider nicht anschließen.

Grenzüberscheitende Elemente, welche den ersten Teil noch so frisch und unkonventionell wirken ließen, gibt es hier auch zu sehen. Als Beispiel nenne ich hier nur den Kuss, welcher wirklich äußerst verstörend anzusehen ist. Große Klasse! Leider bleiben solch relativ subtile Szenen in der Unterzahl und es wird zunehmen auf Blut und Ekel gesetzt. Die Geschichte bleibt dabei leider völlig nebensächlich und wirkt selbst wie ein großes Puzzle für das es keine Lösung gibt. Besonders gegen Ende mit dem Auftritt des Channard Cenobiten driften sowohl Effekte als auch Handlung in die Lächerlichkeit ab.

So intensiv manche Szenen (besonders in der ersten Filmhälfte) sind und so sehr ich die leider unterbudgetierte Visualisierung der Höllenwelt mochte, so sehr leidet der Film jedoch unter seinen Versatzstücken. Für mich kann dieses Sequel leider nicht mit seinem Vorgänger mithalten. Weniger wäre wohl eben doch mehr gewesen. Aber so ist das ja oft bei Fortsetzungen und das nicht nur in diesem Genre: 5/10 Punkte.