Cars (2006)

Aktualisierung: Ich habe „Cars“ am 2. Oktober 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Bisher habe ich jeden Pixar-Film gesehen und für grandios befunden. Die meisten davon sogar im Kino. Selbst den Animationsklassiker „Toy Story“ durfte ich im Kino bewundern. Ein Film des californischen Studios ist jedoch an mit vorbeigezogen: „Cars“ – und das obwohl hier einmal wieder John Lasseter auf dem Regiestuhl („Toy Story“, „Toy Story 2“, „Das große Krabbeln“) saß.

Cars (2006) | © Walt Disney

Cars (2006) | © Walt Disney

Warum ich auf „Cars“ nicht sonderlich heiß war, möchte ich kurz erklären: Zunächst einmal bin ich kein sonderlicher Autofreak. Wenn Freunde oder Kollegen in Ausstattungsmerkmale aktueller PS-Boliden schwelgen, entlockt mir das nur ein müdes Gähnen. Das ist irgendwie nicht meine Welt. Für mich ist ein Auto ein Fortbewegungsmittel – nicht mehr und nicht weniger. Zudem hat sich der Film in eine gänzlich andere Richtung bewegt, als von mir erwartet. Nach der ersten Ankündigung hatte ich bereits ein festes Bild im Kopf: Eine Welt in denen Autos – von Menschen unbemerkt – ein eigenes Leben führen. Ähnlich wie „Toy Story“ nur eben mit lebenden Autos anstelle von Spielzeugen. Als dann eine reine Autowelt präsentiert wurde, war ich schwer enttäuscht.

Da Pixar eben Pixar ist und mich noch nie enttäuscht hat, habe ich dem Film – trotz eher verhaltener Kritiken und meiner eigenen Vorbehalte – eine Chance gegeben. Die ersten 15 Minuten dachte ich dann: ‚Okay, das wird der erste Pixar-Film, der mich kalt lässt.‘ PS-Boliden rennen um die Wette, überall nur Autos, eine laute und tösende Inszenierung. Keine Charaktere. Nur Action. Schnitte im MTV-Stil. Und all das in einem Pixar-Film. Unglaublich.

Doch schon bald war der Spuk vorbei und es wurde klar, dass die Darstellung der Rennwelt so extrem inszeniert war um einen Kontrast zu dem darzustellen, was noch folgen sollte: Die ruhige Abgeschiedenheit von Radiator Springs. Hier gibt es noch wirklich Automobile mit Charakter – und plötzlich hat auch die Welt der Autos angefangen für mich zu funktionieren. Liebevolle Details (VW-Käfer), liebenswürdige Charaktere, grandiose Bilder. Plötzlich war wieder alles da, was einen Pixar-Film ausmacht. Allein die Geschichte gewinnt hier keinen Blumentopf. Sie wurde schon dutzende Male (u.a. in „Doc Hollywood“ mit Michael J. Fox) erzählt und bietet wenig Neues. Allerdings kann „Cars“ mit anderen Stärken Punkte sammeln: Die Animation der an sich starren Blechkarossen ist grandios. Ich konnte mich gar nicht daran satt sehen. Auch Landschaften, Licht und Ausstattung. Ein Traum für jeden CGI-Freund.

Fazit

„Cars“ ist sicherlich nicht der stärkste Pixar-Film. Vermutlich sogar der schwächste. Doch was bedeutet das schon? Ich war auf jeden Fall mehr als positiv überrascht und werde bestimmt noch öfter in dem kleinen Städtchen an der Route 66 vorbeischauen: 9/10 Punkte.

Before Sunset (2004)

Mit Richard Linklaters „Before Sunset“ habe ich gerade eine der wohl ungewöhnlichsten Fortsetzungen der Filmgeschichte gesehen. Neun Jahre – sowohl Film- als auch Realzeit – nach „Before Sunrise“ treffen sich Jesse und Celine wieder. Ein unverhofftes und doch erwartetes Wiedersehen. Am meisten wohl von den Fans des Vorgängers.

beforesunset.jpg

Das nächtliche Wien ist dem sonnendurchfluteten Paris gewichen. Jugendlicher Enthusiasmus erwachsenem Realismus. Die surreale Zwischenwelt dem wahren Leben. Neun Jahre. Eine lange Zeit. Celine und Jesse haben sich weiterentwickelt. Sie sind Erwachsen geworden. Haben ihre Träume den Verpflichtungen geopfert. Zumindest teilweise. Doch beide haben nie ihre gemeinsame Nacht vergessen.

„Before Sunset“ geht etwas die Spontanität des Vorgängers ab. Besonders die Rückblenden zu Beginn haben mich anfangs gestört. Doch spätestens wenn beim Durchstreifen der Pariser Gassen die Erinnerungen an die eine – von beiden unvergessene – Nacht aufleben, dann fällt die skeptische Distanz wie ein Vorhang. Man läuft mit durch die Stadt und beteiligt sich – wenn auch nur in Gedanken – an den grandiosen Dialogen. Ich habe mich mindestens ebenso wie Jesse und Celine über das Wiedersehen mit den beiden Charakteren gefreut.

Das Ende kommt ziemlich plötzlich und lässt mich als Zuschauer mindestens ebenso fragend zurück, wie nach dem ersten Teil. Dennoch ist es das einzig konsequente Ende. Das Weiterspinnen der Handlung – ob man nun Romantiker oder Zyniker ist, wie Jesse in seiner Lesung erwähnte – lässt die Figuren weiterleben.

„Before Sunset“ ist für mich eine absolut konsequente und gelungene Fortsetzung des Vorgängers. Die Entwicklung der Charaktere ist absolut glaubhaft und Inszenierung sowie Schauspiel und Dialoge fühlen sich richtig an. Ich habe mich sehr über das Wiedersehen gefreut und würde auch in weiteren neun Jahren wieder mit Celine und Jesse um die Häuser ziehen: 9/10 Punkte.

Keinohrhasen (2007)

Wer hätte gedacht, dass sich mein wohl letzter Kinobesuch dieses Jahr einen Platz unter meiner 2007er Kino-Top 3 sichern würde? Wer hätte gedacht, dass dies ein Film von und mit Til Schweiger sein könnte? Ich nicht! Ich bin mit der Erwartung in „Keinohrhasen“ gegangen, einen Kinobesuch für meine Frau zu absolvieren. Eine romantische Komödie eben. Eventuell nett, aber nichts besonderes. Nun holt sich hinter „Pans Labyrinth“ und „Ratatouille“ doch tatsächlich Til Schweiger die diesjährige Bronze-Medaille. Kaum zu glauben.

keinohrhasen.jpg

Meine Beziehung zu deutschen Beziehungskomödien habe ich ja bereits dargelegt. Dort konnte man auch lesen, dass ich Til Schweiger in „Wo ist Fred?“ überraschend gut fand. Was ich heute gesehen habe, hätte ich jedoch nicht für möglich gehalten. Herrn Schweiger ist tatsächlich die beste romantische Komödie gelungen, die ich seit „Notting Hill“ gesehen habe – und das mag etwas heißen! Vergesst die typische TV-Optik der deutschen Beziehungskomödien. Vergesst die Verklemmtheit der amerikanischen Pendants. Vergesst peinlichen Fäkalhumor. Hier paaren sich schmissige Dialoge mit urkomischen Slapstickeinlagen. Rührende Szenen mit bissiger Satire. Zudem durfte ich erstmals gelungene Gastauftritte von deutschen Komikern erleben. Wer hätte das gedacht!

Die Geschichte gewinnt sicherlich keinen Preis: Ein ungleiches Paar. Eine graue Maus findet die große Liebe. Ein Arschloch wandelt sich zum Traummann. Kurz vor Ende droht er die ganze Chose zu vermasseln, nur um dann genau das Richtige zu tun. Happy End. Doch wie heißt es so schön? Der Weg ist das Ziel. Und was für einen Weg „Keinohrhasen“ beschreitet! Bereits die Eröffnungsszene mit einem herrlich selbstironischen Jürgen Vogel ist das Eintrittsgeld mehr als wert. Weiterhin nimmt der Film kein Blatt vor den Mund. Egal ob es um Sex, Hollywood, deutsche TV-Stars oder ein berühmtes Boulevardmagazin geht. Wirklich erfrischend.

Besonders hervorheben möchte ich die Inszenierung. Hier gibt es keine vollkommen willkürlichen Farbkombinationen, wie so oft im deutschen Kino. Die Farblichkeit orientiert sich an erdigen Herbsttönen. Die Kamera passt sich den warmen Farben an und zaubert stimmige Bilder auf die Leinwand. Der Soundtrack ist zudem perfekt darauf abgestimmt und weiß im richtigen Moment die richtigen Emotionen zu transportieren. Auch hier versteht Til Schweiger sein Handwerk, der übrigens auch als Schauspieler zu überzeugen weiß und gar famos mit der unglaublich erfrischenden Nora Tschirner harmoniert.

Ich kann jedem, den diese überschwängliche Kritik nun verwundert, nur empfehlen sich „Keinohrhasen“ anzusehen. Es mag an der weihnachtlichen Zeit liegen, doch wurde ich lange nicht mehr so gut und erfrischend unterhalten. Ich bin wahrlich glücklich und mit einem Grinsen auf dem Gesicht aus dem Kino gekommen. Til Schweiger hat sich für mich damit rehabilitiert und sein Name soll in Zukunft keine abschreckende Wirkung mehr in Bezug auf meine Filmwahl haben. Ich werde sogar Ausschau nach seinem vorherigen Film „Barfuss“ halten. Ein wirklich rundum gelungener Film: 9/10 Punkte.

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989) (WS1)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Neben „Die Feuerzangenbowle“ und „Ist das Leben nicht schön?“ gehört das Griswold-Abenteuer „Schöne Bescherung“ wohl zu den unbestrittenen Klassikern der Weihnachtsfilms. Als Kind verging für mich kaum ein Jahr ohne ein Wiedersehen mit Clark Griswold im vorweihnachtlichen Stress. Seitdem ich die DVD mein Eigen nenne, sind die Besuche im Hause Griswold auch heute wieder regelmäßiger geworden.

schoenebesch.jpg

Im Gegensatz zur letztjährigen Sichtung, habe ich mich dieses Mal wieder für die synchronisierte Variante entschieden. Es mag daran liegen, dass mir so manche Szenen doch recht platt vorgekommen sind. Doch das hat dem Film keinen Abbruch getan. So sind sie eben, die Griswolds. Albern, tollpatschig, sympathisch und stets mit einem Funken erschreckendem Realismus versehen. Die Tücken der Vorweihnachtszeit werden gnadenlos auf die Spitze getrieben und mit einem Hauch Schwachsinn garniert. Diese Mischung trifft dann auch ziemlich genau das, was mir in dieser angeblich so besinnlichen Zeit öfter durch den Kopf geht: Die Menschen scheinen noch einen Tick verrückter geworden zu sein.

Lange Rede, kurzer Sinn: „Schöne Bescherung“ ist immer noch bzw. immer wieder ein perfekter Weihnachtsfilm. Trotz all der aufgezeigten negativen Seiten wird eine angenehm wohlige Weihnachtsatmosphäre verbreitet – und ist es nicht das, was wir uns alle insgeheim von einem Weihnachtsfilm erwarten? Immer wieder schön: 9/10 Punkte.

Die Feuerzangenbowle (1944)

Manche Filme gehören einfach in bestimmte Jahreszeiten. So auch „Die Feuerzangenbowle“ (1944). Zwar besitzt der Film für mich keinen Eventcharakter, doch waren wir gestern bei Freunden eingeladen, die den Film jedes Jahr zur Weihnachtszeit mit Glühwein und Wunderkerzen an ihrer Uni gesehen hatten. Somit bin auch ich nach einigen Jahren einmal wieder in den Genuss dieses Komödienklassikers gekommen, der mir aus meiner Kindheit noch recht gut im Gedächtnis war.

feuerzangenbowle.jpg

Zum Inhalt muss ich hier wohl keine großen Worte verlieren. Ich vermute jeder Leser kennt die Geschichte um Doktor Johannes Pfeiffer mit drei F (Heinz Rühmann), der noch einmal die Schulbank drückt um dort verpasste Erfahrungen nachzuholen. Die Handlung wird entsprechend einfach erzählt und es gibt keine Überraschungen oder sonstige Auffälligkeiten. Der Film lebt von seinem Charme, seinen tollen Darstellern und seinem – wie ich finde – unglaublich guten comic timing. Da könnte sich so manch aktuelle Komödie einige Scheiben von abschneiden.

„Die Feuerzangenbowle“ (1944) ist übrigens ein Remake des 1934 entstandenen Films „So ein Flegel“ – ebenfalls mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle. Man sieht also: Bereits damals waren gute Geschichten nicht davor gefeit noch einmal erzählt zu werden – manchmal sogar mit großem Erfolg.

Dieser deutsche Filmklassiker überzeugt heute noch genauso, wie vor Jahren und wie er weiterhin überzeugen wird. Ein Film für die Ewigkeit, der eine besser restaurierte DVD-Veröffentlichung verdient hätte. Absolut sehenswert: 9/10 Punkte.

Die fetten Jahre sind vorbei (2004)

Es gibt wenige Bereiche in meinem Leben, in denen ich mich als Patriot sehe. Film gehört definitiv dazu. Meiner Meinung nach ist der deutsche Film weit besser, als sein Ruf. Es fehlt oft einzig und allein an Geld und Mut – zwei Faktoren, die leider untrennbar miteinander verknüpft sind. Das Ergebnis sind daher meist uninspirierte Komödien oder zu schwere Dramen. Umso mehr freue ich mich daher über Filme, wie Hans Weingartners „Die fetten Jahre sind vorbei“. Filme, die Mut beweisen. Die anders sind. Die aktuell und aufwühlend sind – und sich in kein vorgegebenes Genre pressen lassen. So sollte der junge, deutsche Film aussehen.

fettenjahre.jpg

„Die fetten Jahre sind vorbei“ handelt im Grunde von einer Idee. Zwar verpackt in Revolution, Freundschaft und Liebe. Letztendlich bleibt nach dem Film aber vor allem eines bestehen: eine Idee. Ein Gedanke. Ein Anstoß. Der Film präsentiert keine Lösung. Er ist nur in zweiter Instanz als Kapitalismuskritik zu verstehen – wenn überhaupt. Es werden hier Argumente für beide Parteien präsentiert. Es entsteht ein Dialog. Ideen werden ausgetauscht. Ideale vehement verteidigt. Hier liegt auch die wahre Stärke von Weingartners Film. Der Zuschauer wird zum Mitdiskutieren eingeladen. Zum Finden seines Standpunkts. Zum aktiven Denken. Am Ende bleibt eine Idee. Eine Vorstellung. Zumindest mich hat der Film immer noch nicht losgelassen.

Auch vom inszenatorischen Standpunkt her gesehen, fand ich den Film sehr gelungen. Durch die Verwendung von digitalem Video und Handkameras fühlt man sich mittendrin. Unmittelbar dabei. Ein sehr gelungenes Beispiel für die Art der dokumentarischen Inszenierung. Ebenso frisch und lebensecht wirkt das Spiel der Darsteller. Das Ensemble (Daniel Brühl, Julia Jentsch, Stipe Erceg und Burghart Klaußner) ist grandios und vermittelt die verschiedenen Stimmungen absolut glaubwürdig. Auch die Musikuntermalung kann voll und ganz überzeugen. Der Einsatz von HALLELUJAH – in der schönen Cover-Version von JEFF BUCKLEY – mag etwas berechnend erscheinen, doch letztendlich passt der Song hier wie die Faust aufs Auge. Man wird die Szenen der inneren Umbrüche nicht so schnell vergessen.

Kritik muss ich etwas am Ende üben. Es war zu losgelöst. Zu aufgesetzt. Zu einfach. Ich hätte es vermutlich am besten gefunden man wäre a) mit Eintreten der Türe aus dem Film gegangen – auch wenn hier die Charaktere der Erziehungsberechtigten etwas gelitten hätten – oder b) mit dem Auffinden der letzten Botschaft. Variante b) stellt übrigens das Ende der internationalen Fassung (Titel: „The Edukators“) dar. Das deutsche Ende ist erst in einem Nachdreh entstanden, den ich – zumindest meiner Meinung nach – als unnötig erachte.

„Die fetten Jahre sind vorbei“ ist sicherlich einer der besten deutschsprachigen Filme der letzten Jahre. Ich bin nun neugierig auf die weiteren Werke Hans Weingartners geworden und werde meine Augen nach „Das weiße Rauschen“ offen halten. Ein – trotz nicht perfektem Ende – wahrlich beeindruckender Film: 9/10 Punkte.

The Prestige (2006)

Nach der verpassten Sichtung im Kino und dem letzten erfolglosen Versuch auf DVD, bin ich gestern endlich dazu gekommen mir Christopher Nolans „The Prestige“ anzusehen. Neben Nolans Meisterwerk „Memento“ und der sehenswerten Comicverflimung „Batman Begins“ reiht sich nun ein weiterer Pflichtfilm in die Filmographie des Regisseurs. Ein Pflichtfilm für all jene, die an die Magie des Kinos glauben.

prestige3.jpg

Die Geschichte um zwei rivalisierende Magier wird wunderbar erzählt. Es gibt Rückblenden innerhalb von Rückblenden, Zeitsprünge und alternative Handlungsabläufe. Man muss schon dabei bleiben, wenn man der Handlung folgen will. Ist man aufmerksam, so wird man mit einer äußerst interessanten Erzählstruktur belohnt, die einem zum Mitdenken und Mitraten einlädt. Die jedoch nie aufgesetzt und bewusst verwirrend wirkt. Obwohl sie das ist. Sie leitet bewusst in die Irre. Lenkt vom Wesentlichen ab. Zeigt das Offensichtliche. Film. Eine Illusion.

Neben der nicht chronologisch erzählten Geschichte überzeugt vor allem die Inszenierung. Düstere Bilder des viktorianischen Londons beschwören eine unheilsschwangere Atmosphäre herauf. Trotz der bewusst klassischen Inszenierung wirkt der Film seltsam modern. Nicht wie ein typischer Kostümfilm. Ist er auch nicht. Doch unterstützt die Atmosphäre die Geschichte auf perfekte Art und Weise. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass hier jede eingesetzte Technik – ob narrativ oder audiovisuell – der Geschichte zugute kommt. Dem Trick. Der Illusion.

Wenn ich einen Kritikpunkt habe, dann den dass der aufmerksame Zuschauer die Illusion zu leicht durchschaut. Die letzte Kamerafahrt wirkt so, als wollte Nolan noch eine großartige Enthüllung vornehmen. Eine Enthüllung, die jedoch spätestens seit dem zweiten Besuch bei Tesla (gespielt von David Bowie) offensichtlich ist. Vielleicht fällt das aber auch gar nicht so sehr ins Gewicht, denn die Morbidität der Geschehnisse wächst vermutlich mit dem Wissen um sie.

Christpher Nolan ist mit „The Prestige“ – nach „Memento“ – ein weiteres Meisterwerk gelungen. Fantastisch gespielt, toll ausgestattet und grandios erzählt. Absolut sehenswert: 9/10 Punkte.

Living in Oblivion (1995)

Tom DiCillos „Living in Oblivion“ habe ich zum ersten Mal gesehen als ich selbst noch keine Ahnung vom Filmemachen hatte. Damals hat mich der Film recht gut unterhalten und ich war von der dynamischen Atmosphäre und der ungewöhnlichen Erzählstruktur angetan. In der Zwischenzeit habe ich selbst etwas praktische Erfahrung sammeln können, was die Satire auf die Arbeitsweise bei einem Filmdreh noch einmal in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.

„Living in Oblivion“ ist eine absolute Low-Budget-Produktion. Mit der Unterstützung von Freunden und Bekannten ist es Tom DeCillo gelungen, ein Budget von 500.000 Dollar zusammenzukratzen. Man merkt dem Film seine unabhängige Produktionsweise an. Aber nicht, weil er weniger professionell wäre, sondern weil das Thema in keiner großen Hollywood-Produktion Platz gefunden hätte. Es gibt unzählige Anspielungen auf den Starwahn der Traumfabrik und diverse andere Spitzen gegen Big-Budget-Produktionen. Dabei wird der unabhängige Film jedoch keinesfalls verschont, was das Werk unglaublich sympathisch erscheinen lässt.

Die Dynamik am Set ist – neben diversen technischen Hürden – das Hauptthema des Films. Man merkt deutlich, dass sich DeCillo in seiner Branche auskennt. Jede Nebensächlichkeit wird auf die Spitze getrieben – und sei es nur das Mikro, das einmal wieder ins Bild hängt. Starallüren sind an der Tagesordnung und bringen den Regisseur an den Rande eines Nervenzusammenbruchs. Durch die Erzählstruktur des Films wird die übertriebende Darstellung etwas abgeschwächt, was der Glaubwürdigkeit letztendlich zugute kommt.

„Living in Oblivion“ macht verdammt viel Spaß. Die Darsteller (u.a. Steve Buscemi und Catherine Keener) sind pefekt gecastet und liefern – im Rahmen der Handlung – eine absolut glaubwürdige Leistung. Für Leute, die auch nur annähernd mit der Film- bzw. Videoproduktion vertraut sind – und sei es nur im Amateurbereich – bietet die Satire noch einmal einen deutlichen Mehrwert. Eine kleine Perle des Independant-Kinos: 9/10 Punkte.

Planet der Affen – OT: Planet of the Apes (1968)

Mit „Planet der Affen“ verbinde ich viele Kindheitserinnerungen. Die Filmreihe lief sonntags häufig am späten Nachmittag im Fernsehen und ich erinnere mich – obwohl mein TV-Konsum damals sehr eingeschränkt war – doch an einige Sichtungen. Besonders das Ende hat mich lange beschäftigt. Mein erster großer story twist – ein denkwürdiges Ereignis.

planetofapes.jpg

Seit meiner Kindheit habe ich der Filmreihe keinerlei Beachtung mehr geschenkt. Ganz im Gegensatz zu anderen wichtigen Filmen – „Zurück in die Zukunft“, „Indiana Jones“, „Star Wars“ etc. – dieser Zeit. Das liegt vielleicht auch daran, dass „Planet der Affen“ schon immer düsterer und nicht auf die reinen Unterhaltungsaspekte ausgelegt war. Er fügt sich somit eher in die Reihe düsterer Zukunftsvisionen, wie „Logan’s Run“ oder „Soylent Green“, ein und spart nicht an Gesellschaftskritik und Doppeldeutigkeiten.

Auch heute noch gelingt es Franklin J. Schaffners Film mich mitzureißen. Allerdings aus anderen Gründen. Ich kenne die Geschichte und bin mir deren Wendung bewusst. Charlton Hestons Charakter erscheint mir nicht mehr wie ein strahlender Held, sondern tatsächlich wie ein Relikt aus der Hochzeit der gewaltbereiten Menschen. Allerdings kann ich nicht klar abschätzen inwiefern dies beabsichtigt war, denn das harte, machohafte Auftreten – das heute etwas antiquiert wirkt – war in den Filmen der 60er/70er Jahre oft noch typisch für die Zeichnung des Helden. Egal wie man es sieht: Im Film funktioniert es tadellos und es dient – wenngleich auch unter eventuell anderen Gesichtspunkten – der Geschichte.

Besonders fasziniert war ich von der grandiosen Inszenierung. Speziell in der ersten halben Stunde fühlt man sich wahrlich wie auf einem anderen Planeten. Tolle Weitwinkeleinstellungen und außergewöhnliche Perspektiven schaffen eine fremdartige Atmosphäre. Wirklich sehr gelungen. Neben der Kamera sind vor allem die Masken grandios gelungen. Zu großen Teilen absolut glaubwürdig und mit Leben erfüllt.

„Planet der Affen“ zählt nicht ohne Grund zu den Klassikern des Sci-Fi-Kinos. Auch wenn der Film heute etwas angestaubt wirkt – was hauptsächlich dem antiquierten Heldentypus zuzuschreiben ist – weiß die Geschichte immer noch voll und ganz zu überzeugen und funktioniert in beinahe jeder Hinsicht besser, als Burtons Remake. Pflichtprogramm für Kinofreunde: 9/10 Punkte.

Die Tiefseetaucher – OT: The Life Aquatic with Steve Zissou (2004)

Bei manchen Filmen fragt man sich unweigerlich, wie sie es schaffen auf die große Leinwand zu kommen. Zu diesen gehört Wes Andersons „Die Tiefseetaucher“ – und das meine ich absolut positiv! Ein Film über einen schrulligen Ozeanographen, der den Jaguar-Hai sucht, welcher seinen besten Freund gefressen hat? Ein Film über eine komplexe Vater-Sohn-Beziehung? Ein Film mit Piraten? Dem Look von 70er Jahre Dokus? Mit surrealen Stop-Motion-Meereswesen? Dazu noch R-Rated und mit einem Soundtrack, der vornehmlich aus portugisischen Coverversionen diverser David Bowie-Hits besteht? Wer auch immer das produziert hat, beweist Mut und gibt mir den Glauben an die Filmindustrie zurück.

lifeaquatic.jpg

Es ist anfangs zugegebenermaßen nicht einfach sich in den Film einzufinden. Ich wusste wirklich nicht, ob ich gerade den größten Schwachsinn vor mir habe, der je gedreht wurde oder ein Meisterwerk unglaublichen Einfallsreichtums. Glücklicherweise habe ich den Film letztendlich als Letztgenanntes wahrgenommen. Ich bin mir jedoch sicher, dass es da draußen unzählige Zuschauer gibt, die absolut nichts mit diesem skurrilen Humor, den verschrobenen Charakteren, den kulissenhaften Sets sowie der Geschichte an sich anfangen können – und ich kann es ihnen nicht einmal verdenken. Ein klarer Fall von lieben oder hassen.

Deutliches Vorbild für den Film war Jacques-Yves Cousteau, dessen Lebensgeschichte eindeutig das Grundgerüst für die Hauptfigur Steve Zissou bildet. Samt roter Wollmütze und allem was dazu gehört. Man könnte Wes Anderson nun unterstellen eine reine Parodie abgeliefert zu haben. Allerdings könnte nichts ferner von der Wahrheit entfernt sein. Die Charaktere sind komplett eigenständig und handeln – innerhalb der Grenzen ihres Universums – absolut glaubwürdig und ernsthaft. Die Gefühle sind echt und der reichliche Humor ist – wenngleich ich auch ein paarmal laut lachen musste – eher leise und hintergründig.

Grandios ist natürlich das Ensemble. Allen voran Bill Murray, dem man den verrückten Meeresforscher sofort abkauft. Auch Owen Wilson hat mich sehr positiv überrascht. Eine ganz andere Rolle für ihn. Cate Blanchett überzeugt einmal wieder auf ganzer Linie und Willem Dafoe hat als das deutsche Besatzungsmitglied namens Klaus Daimler die meisten Lacher auf seiner Seite. Von Jeff Goldblum, Anjelica Huston, Michael Gambon etc. will ich gar nicht erst angfangen. Neben der Besetzung sticht vor allem das fantastische Produktionsdesign hervor. Ungewöhnlich, doch perfekt zum Inhalt des Films passend.

„Die Tiefseetaucher“ ist kein Film für jeden Zuschauertyp. Ich könnte nicht einmal sagen für welchen. Man sollte offen für außergewöhnliche Ideen sein und sich leicht in fremde Welten einfinden können. Wenn man zudem noch in der richtigen Stimmung ist und der richtige Nerv getroffen wird, dann erlebt man mit Steve Zissou ein wahrlich fantastisches Abenteuer: 9/10 Punkte.