Harry Potter und die Kammer des Schreckens – OT: Harry Potter and the Chamber of Secrets (2002)

Aktualisierung: Ich habe „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ am 13. Dezember 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach der kürzlichen Sichtung des ersten Teils, habe ich mich heute an „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ gemacht. Aufgrund der verstümmelten deutschen Schnittfassung habe ich – bis zum Erhalt der schweizer Version – weitgehend auf den Film verzichtet, was die Abnutzungserscheinungen um einiges geringer hält, als beim Vorgänger.

Harry Potter und die Kammer des Schreckens (2002) | © Warner Home Video

Harry Potter und die Kammer des Schreckens (2002) | © Warner Home Video

Chris Columbus zweiter – und letzter – Beitrag zur Reihe hat es meiner Meinung nach leichter, als die folgenden Verfilmungen: Die Vorlage ist relativ kompakt und bietet genug Stoff für eine gelungene filmische Umsetzung. Ganz im Stil des Vorgängers zaubert Columbus auch erneut eine recht werktreue Adaption auf die Leinwand. Durch die dichtere und erwachsenere Handlung hat der Film – trotz seiner Lauflänge – deutlich mehr Tempo, als der erste Teil, der mit Schwächen im Handlungsablauf zu kämpfen hatte.

Lange ist mir „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ als unbedeutendes Abenteuer im Gesamtwerk erschienen, doch seit dessen Abschluss weiß ich es besser: Es gibt unzählige Details zu entdecken und selbst Blicke und Gesten können anders interpretiert werden. Wirklich schön. Hier zahlt sich die strikte Werktreue aus, die die Nachfolger etwas vermissen lassen.

Fazit

Für mich ist Chris Columbus zweite Zauberei wohl die – bisher! – gelungenste Adaption der Romane. Sie liefert sich demnach ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Alfonso Cuaróns „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, der andere Stärken besitzt. Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn Columbus noch einmal auf den Regiestuhl im Potterschen Universum zurückkehren würde: 9/10 Punkte.

A Scanner Darkly (2006)

Mit „A Scanner Darkly“ habe ich gestern einen der beeindruckendsten Filme meines bisherigen, persönlichen Filmjahres gesehen. Richard Linklater ist ja bekannt dafür nicht auf ein Genre festgelegt zu sein – wie er mit „Dazed and Confused“, „Before Sunrise“ oder „School of Rock“ bewiesen hat. Seine Philip K. Dick-Adaption fällt dennoch aus der Reihe – und das nicht nur durch den außergewöhnlichen visuellen Ansatz.

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Dennoch ist es – auf den ersten Blick – vor allem der Look des Films, der ihn von der Masse abhebt. Die Technik nennt sich Rotoscoping und wird bereits seit Jahren genutzt. Ralph Bakshis Version von Tolkiens „Der Herr der Ringe“ ist wohl einer der bekanntesten Vertreter dieses Subgenres des Animationsfilms. „A Scanner Darkly“ treibt diese Technik jedoch auf die Spitze: Klar definierte Linien. Harte Farbübergänge. Reduzierte Details. Und dennoch: Die zugrunde liegenden Darsteller sind stets eindeutig zu erkennen. Die Performance bleibt erhalten. Die Realität weicht allerdings den Zeichnungen. Das Ergebnis ist eine faszinierende Mischung, die künstlerisch absolut zu überzeugen weiß. Grandios. Besonders wenn man den Arbeitsaufwand bedenkt: Jeder Frame musste per Hand nachgezeichnet werden. Jeder. Wenn man bedenkt, wieviel Aufwand es alleine ist, eine exakte Maske über ein paar Frames hinweg zu zeichnen, bleibt mir nur den Künstlern meine Hochachtung auszusprechen: Das Ergebnis ist wahrlich famos!

Nun zum Inhalt: Philip K. Dick-Adaptionen gibt es wie Sand am Meer. Wenige können die Atmosphäre ihrer Vorlage einfangen (bestes Beispiel: „Blade Runner“) und noch wenigeren gelingt eine werkgetreue Umsetzung der Geschichte. „A Scanner Darkly“ funktioniert erstaunlich gut. Anfangs hatte ich etwas befürchtet, der Film würde sich (so wie teils „Fear and Loathing in Las Vegas“) in reinen Drogenepisoden verlieren. Doch es steckt mehr dahinter. Das Ende ist zudem erschreckend schlüssig. Typisch Philip K. Dick. Überhaupt kommt die düstere Atmosphäre Dicks recht gut rüber, was sich weniger in der Inszenierung und Farbgebung äußerst, sondern hauptsächlich durch Schauspiel, Dialoge und Stimmung transportiert wird – umso beeindruckender bei einem Film, der oberflächlich betrachtet besonders durch seine Optik hervorsticht.

Ich bin schwer begeistert von „A Scanner Darkly“. Ich hätte mir einzig einen etwas größeren Schwerpunkt auf den titelgebenden Scannern gewünscht und dafür ein paar weniger Drogenszenen. Trotz dieser kleinen Einschränkung, kann ich den Film dennoch jedem empfehlen, der sich auch einmal auf außergewöhnliche Seherfahrungen einlässt – auch inhaltlich, denn auch dort ist „A Scanner Darkly“ alles andere als Mainstream: 9/10 Punkte.

Fred: ‚What does a scanner see? Into the head? Into the heart? Does it see into me? Clearly? Or darkly?‘

Die Zeitmaschine – OT: The Time Machine (1960)

Wie nach der Sichtung der Neufassung angekündigt, habe ich mir zum Vergleich noch einmal George Pals „Die Zeitmaschine“ angesehen. Diese gestrige Sichtung werde ich wohl noch länger in Erinnerung behalten, da sich zu den stroboskobartigen Effekten der Zeitreise die stroboskobartigen Effekte eines Gewitters gesellt hatten. Film in der dritten Dimension sozusagen. Wer braucht da schon ein 3D-Kino?

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Natürlich sind mir bei der gestrigen Sichtung besonders die Unterschiede zur Version von Simon Wells aufgefallen – und derer gibt es gar viele. Interessant fand ich, dass die Qualitätskurve der beiden Filme nahezu gleich ist – wenn auch auf gänzlich unterschiedlichem Niveau. Auch bei George Pal konnten mich besonders die Szenen vor dem Auftauchen der Morlocks mitreißen. Die Einleitung ist grandios erzählt und die Zeitreisen gefallen mir – trotz veralteter Tricktechnik – noch um einiges besser als in der 2002er Version. Der Kampf in der Höhle ist meiner Meinung nach auch hier der schwächste Teil des Films, wenngleich er auch nie den qualitativen Abgründen des Remakes nahe kommt. Zusammenfassend kann man sagen, dass Pals Adaption die von H.G. Wells Urgroßenkel in jeder Hinsicht meilenweit schlägt.

Der größte Unterschied der beiden Filme zeigt sich in der Motivation des Zeitreisenden: Hat er bei Simon Wells rein persönliche Gründe, so sucht er bei George Pal gerade einmal nach einer Lösung für die Probleme der Menschheit. Dadurch bekommt der Film eine ganz andere Tragweite. Eigentlich sollte man meinen, dass man sich mit dem pesönlichen Verlust von Alexander Hartdegen (2002)  eher identifizieren könnte, als mit dem wissenschaftlichen Ehrgeiz von George (1960) – doch mitnichten. Durch die Erzählstruktur mit umschließender Klammer und das daraus resultierende Voice-over ist man viel näher mit dem Zeitreisenden verbunden und kann seine Motivation besser nachvollziehen.

Es gibt unzählige weitere Beispiele, warum die 1960er Fassung der von 2002 überlegen ist. Um nur ein paar zu nennen: Die Masken der Morlocks, die Darstellung der Eloi, das komplexere Verhältnis von Eloi und Morlock etc. Man sieht, wer als deutlicher Gewinner aus diesem Rennen geht. Im Nachhinein müsste ich die Neufassung wohl auch abwerten.

Auch für sich betrachtet kann „Die Zeitmaschine“ heute noch in allen belangen überzeugen. Eine fantastische Ausstattung trifft auf den Sci-Fi-Charme der 60er Jahre. Wer sich auch nur etwas für den phantastischen Film interessiert, sollte George Pals Version der H.G. Wells-Geschichte zum Pflichtprogramm zählen: 9/10 Punkte.

Das Reich der Sonne – OT: Empire of the Sun

Steven Spielberg gehört für mich zu den größten Regisseuren aller Zeiten. Kaum ein anderer versteht es die verschiedensten Zuschauertypen – vom Cineasten bis zum Gelegenheitskinogänger – gleichermaßen in seinen Bann zu ziehen. Zudem mag ich die – oft kritisierte –  Bedeutung der Familie und die damit verbundene Hoffnung, die sich wie ein roter Faden durch all seine Filme zieht. Umso gespannter war ich deshalb auf „Das Reich der Sonne“ – einen der letzten mir unbekannten Filme des Regisseurs. Ich sollte nicht enttäuscht werden.

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In „Das Reich der Sonne“ erleben wir die Wirren des Krieges aus den Augen eines 11jährigen Jungen. Welche Perspektive könnte besser sein um das Unbegreifliche begreifbar zu machen? Der Film hebt sich dadurch auch von allen anderen Antikriegsfilmen ab. Ihn als solchen zu bezeichnen wäre sowieso falsch. Spielberg zeigt eine Reise. Eine Reise von der Kindheit zum Erwachsenwerden. Eine Reise, die Jamie Graham – aufgrund der äußeren Umstände – viel zu schnell durchleben muss.

Der Junge wird nicht von irgendeinem (heute unbekannten) Schauspieler gespielt: Er wird vom – damals gerade einmal – 13jährigen Christian Bale („Batman Begins“) verkörpert. Dieser liefert eine unglaubliche Leistung. Fantastisch. Eindringlich. Großartig. Ich bin schwer begeistert. Der von mir stets gern gesehene John Malkovich spielt Basie, einen Glücksritter, der sich dem Jungen – zumindest zeitweise – annimmt. Ansonsten ist mir besonders Ben Stiller in einer kleinen Nebenrolle aufgefallen. Man merkt an den Schauspielern, dass der Film doch schon 19 Jahre auf dem Buckel hat. Ansonsten weist er glücklicherweise noch keine Alterungserscheinungen auf – so wie eigentlich alle Filme Spielbergs.

Neben der toll erzählten Geschichte, den beeindruckenden Bildern und den grandiosen Schauspielern sticht besonders der wunderschöne Score von John Williams hervor. Das Gesamtbild, das sich durch all diese Faktoren ergibt, ist rund und macht „Das Reich der Sonne“ zu einem äußerst sehenswerten – wenngleich auch nicht allzu bekannten – Film für alle Freunde Spielbergs.

Ich bin schwer begeistert und hoch erfreut spät – aber dennoch – auf diese Perle gestoßen zu sein. Das schöne 2-DVD-Set gibt es zur Zeit übrigens für knappe 5 Euro. Wer da nicht zuschlägt, ist selbst schuld. Dies war garantiert nicht meine letzte Sichtung: 9/10 Punkte.

Children of Men (2006)

Gestern Abend habe ich mir endlich Alfonso Cuaróns „Children of Men“ angesehen. Wieder ein Film, bei dem ich mich ärgere, ihn nicht auf der großen Leinwand gesehen zu haben. Doch hätte auch dieses Erlebnis kaum die Intensität der gestrigen Sichtung übertreffen können.

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Alfonso Cuarón hat mit „Children of Men“ eine düstere Zukunftsvision erschaffen. Eine Art von Film, wie sie seit den 70ern nicht mehr gemacht werden. Die Adaption von P.D. James‘ Roman erinnernt am ehesten an verstörende Utopien, wie „Soylent Green“ oder „Fahrenheit 451“. Der Film ist dreckig, es liegt eine beständige Hoffnungslosigkeit in der Luft und es gibt keine Helden. Damit erhebt sich „Children of Men“ über den Status eines reinen Unterhaltungsfilms. Er hat eine Aussage. Mag man ihn nun als Kommentar zur Globalisierung, als Warnung vor dem Klimawandel oder als Analogie zu heutigen Krisengebieten sehen. Der Film funktioniert. Er funktioniert auf all diesen Leveln.

Die Geschichte an sich ist eher einfach. Eine Rettungsmission. Von A nach B. Doch den Film darauf zu reduzieren wäre nicht nur oberflächlich, es wäre schlicht falsch. Man sieht die Welt durch die Augen von Theo Faron. Einem Mann ohne Zukunft. Ohne Hoffnung. Auf seiner Reise erhascht man unzählige Eindrücke einer kranken Welt. Einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Die im Jahre 2027 – in dem der Film angesiedelt ist – bereits seit langer Zeit aus den Fugen geraten ist. Durch das Aufkeimen von Hoffnung wird Theo wieder ein Sinn in seinem Leben gegeben. Er wandelt nicht mehr wie tot durch diese kranke Welt. Er hat ein Ziel und muss sich deshalb mit dieser Welt auseinander setzen.

Was mich bei „Children of Men“ wirklich umgehauen hat, ist die Inszenierung. Alfonso Cuarón erschafft eine Welt, wie sie glaubhafter und beängstigender nicht sein könnte. Man fühlt sich nicht wie 20 Jahre in der Zukunft. Das ist jetzt. Heute. Der Zuschauer ist live dabei. Wenn Bomben explodieren, wenn Immigranten über den Haufen geschossen werden, wenn es keine Hoffnung mehr gibt. Unglaublich. Unglaublich intensiv. Ich war selten so beeindruckt von der Art der Inszenierung. Ganz groß. Ich möchte nicht wissen, wie der Kameramann bei der finalen Häuserschlacht geschwitzt hat, die – mindestens 5 Minuten lang – ohne einen einzigen Schnitt auskommt. Ich kann es nur noch einmal sagen: Unglaublich!

Trotz seiner grandiosen Wirkung ist der Film nicht fehlerfrei. The Human Project als MacGuffin erschien mir etwas plump. Ebenso die Ehrfurcht der militärischen Einheit vor dem Baby. Auch das Ende hat mich letztendlich nicht 100%ig überzeugt. Doch das sind alles nur Nebensächlichkeiten in einem wirklich herausragenden Film.

Bei den Schauspielern überzeugt allen voran einmal wieder Clive Owen, dem man den gebrochenen Helden voll und ganz abnimmt. Auch Michael Caine als Althippie hat seine Momente und auch der Rest des Casts fügt sich grandios in diese düstere Zukunft ein. Erwähnen muss ich auch noch die grandiosen VFX. So ist z.B. in der Geburtsszene das Baby vollständig computeranimiert. Wirklich grandios gemacht und nicht – zumindest auf den ersten Blick – zu erkennen.

„Children of Men“ sollte man wirklich gesehen haben. Hinter der oberflächlichen Haupthandlung steckt so viel mehr. Alfonso Cuarón hat sich meiner Meinung nach selbst übertroffen. Ich hoffe der Film wirkt bei der nächsten Sichtung noch genauso intensiv: 9/10 Punkte.

Gremlins 2: Die Rückkehr der kleinen Monster – OT: Gremlins 2: The New Batch (1990)

Oft sind Fortsetzungen nur ein müder Abklatsch des Originals. Manchmal – besonders bei persönlichen Klassikern – ist die Fortsetzung dem Original aber auch ebenbürtig. So wie „Gremlins 2 – Die Rückkehr der kleinen Monster“. Joe Dante konnte wieder das gesamte Team des ersten Teils versammeln und hat sich bei der Geschichte und Inszenierung auf die Stärken des Vorgängers konzentriert.

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Das neue Setting scheint anfangs ungewohnt, doch durch die bekannten Figuren lebt man sich relativ schnell in der Großstadt ein. Das Clamp Center scheint anfangs auch etwas übertrieben dargestellt, doch passt dieser fast schon satirische Tonfall ausgezeichnet zur „Gremlins“-Atmosphäre. Es gibt hier unzählige Filmanspielungen (u.a. „King Kong“, „Dracula“) und der schwarze Humor wurde ich Vergleich zum Vorgänger noch einmal gesteigert. Zwar wiederholt sich die Geschichte aus Kingston Falls nahezu 1:1, doch wirkt alles noch eine Spur größer, böser und unterhaltsamer. Zudem haben sich die bekannten Charaktere konsequent weiterentwickelt und durch Daniel Clamp, Forster und Doctor Catheter gibt es genügend Frischfleisch für die kleinen Monster.

Auffällig sind in „Gremlins 2“ besonders die verbesserten Effekte. Die Bewegungen wirken noch eine Spur runder und glaubwürdiger. Gizmo noch knuddeliger. Die platzenden Gremlins noch ekliger. Auch technisch macht die Fortsetzung folglich einen deutlichen Schritt nach vorne.

Hätte sich auch der zweite Film um die kleinen Monster nicht schon längst einen Platz in meinem filmischen Herzen gesichert, würde ich die – teilweise – Ideenlosigkeit der Fortsetzung vermutlich strenger beurteilen. „Gremlins 2“ macht jedoch auch heute noch genauso viel Spaß wie früher und erscheint mir keinen Deut schwächer als der Vorgänger: 9/10 Punkte.

Gremlins: Kleine Monster (1984)

Vermutlich kennt jeder Phasen, in denen es als besonders cool gilt, bestimmte Filme zu sehen. Als Teenager sind das dann Werke wie „Tanz der Teufel“, „Dawn of the Dead“ oder „Braindead“. Doch auch in der Grundschule gab es bereits solch angesagte Filme. Neben den „Ghostbusters“-Filmen („Voll der eklige Schleim und gruselige Monster!“) stand Joe Dantes „Gremlins“ („Da wird ein Monster in den Mixer gesteckt und es zerplatzt ganz eklig!“) ganz oben auf der Liste. Ob es ein Zufall ist, dass die angesagten Filme stets aufgrund ihres besonders hohen Schleim- und Ekelfaktors cool waren?

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Manche Filme aus dieser Zeit überdauern den momentanen Hype. Dazu gehört auch „Gremlins“. Der Spannungsaufbau ist ruhig und langsam. Es herrscht die typsiche 80er Jahre Atmosphäre und – als Kenner des Films – fühlt man sich sofort wieder wohl in dieser besonderen Weihnachtsnacht. Die Figuren sind allesamt sehr sympathisch und werden von ihren Schauspielern glaubwürdig dargestellt. Aufgefallen ist mir wieder einmal besonders Corey Feldman, der sich anscheinend in all meinen liebsten Filmen aus der Kindheit rumtreibt.

Die eigentlichen Hauptdarsteller sind allerdings eindeutig die Kreaturen. Was hier allein durch Puppentricks entsteht, ist – aus heutiger Sicht – der pure Wahnsinn. Sicher merkt man den Effekten ihr Alter an, doch mich können die süßen Mogwais und die fiesen Gremlins auch heute noch überzeugen. Wirklich fantastisch und irgendwie zeitlos. Vielleicht sehe ich das auch nur so, weil mich diese Art von Film durch die Kindheit begleitet hat. Schwer zu sagen.

Die Geschichte lockt heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Allerdings weiß ich noch ganz genau, wie ich damals mit leuchtenden Augen einem Freund zugehört hatte, der von den „Gremlins“ erzählte. Die drei Regeln: Nicht mit Wasser in Kontakt bringen, nicht dem Sonnenlicht aussetzen und niemals nach Mitternacht füttern. Allein durch die Erzählung haben sich diese Regeln bei mir ins Gedächtnis gebrannt und ich war so unglaublich gespannt auf diesen Monsterfilm.

„Gremlins“ hat fast nichts von seinem Charme verloren. Auch heute noch zündet das Feuerwerk aus bösem, schwarzem Humor und Familienfilm. Um jedoch in den vollen Genuss zu kommen, muss man wohl eine persönliche Bindung zu den kleinen, (anfangs) pelzigen Tieren haben: 9/10 Punkte.

Brick (2005)

Gestern Abend gab es wieder einmal einen Film, der mich bereits im Kino sehr interessiert hätte: Mein diesjähriges Ostergeschenk „Brick“. Rian Johnsons Kinodebut hatte mich bereits mit seinem wunderbaren Trailer gefangengenommen. Mysteriös und anders. Ungewöhnlich und fremd – und doch irgendwie vertraut. Umso gespannter war ich bei der gestrigen Sichtung, wie denn wohl der Film hinter dem Trailer aussehen wird, den ich bereits unzählige Male gesehen hatte.

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„Brick“ ist eine klassische Detektivgeschichte. Ein Film noir par excellence. Sprache, Lichtstimmung, Kameraführung. Alles scheint der Hochzeit der Schwarzen Serie entsprungen. Doch „Brick“ ist anders. Die Handlung ist an einer amerikanischen Highschool angesiedelt. Hauptfiguren sind allesamt Schüler. Rian Johnson gelingt hier das Unglaubliche: Er schafft es beide Elemente mit einer Ernsthaftigkeit zu verbinden, die ihresgleichen sucht. An einigen wenigen Stellen droht der Film in die Parodie zu rutschen (z.B. Mutter von Pin), doch der Film reißt sich stets im letzten Moment zusammen und kriegt die Kurve. Die Atmosphäre, die der Film verbreitet, ist wirklich grandios. Muss man gesehen haben.

Die Geschichte selbst hätte ohne Probleme in die Erwachsenenwelt verlagert werden können. Entfernt man die inszenatorischen Feinheiten und die besondere Situation, bleibt letztendlich eine typische Film noir Kriminalgeschichte übrig. Diese ist stets interessant, doch letztendlich weit weniger mysteriös und überraschend, wie uns der Film das teils glauben machen mag. Hier war ich gegen Ende beinahe etwas enttäuscht, wenngleich Johnson natürlich seiner Linie treu geblieben ist und auf neumodischen Schnickschnack weitgehend verzichtet wurde.

„Brick“ ist wahrlich faszinierend. Auch was seine Entstehungsgeschichte angeht: So hat der Regisseur sein eigenes Drehbuch verfilmt. Das Geld dafür hat er von Verwandten und Bekannten zusammengekratzt. Letztendlich sind ca. 500.000 Dollar zusammengekommen. Wirklich grandios, dass solch ein kleines Meisterwerk für diesen Betrag entstehen kann. Meine Hochachtung an Rian Johnson. Man merkt dem Film sein niedriges Budget zu keiner Zeit an. Es gibt bekannte Schauspieler zu sehen: Joseph Gordon-Levitt kennt man evtl. aus „Hinter dem Mond gleich links“ (OT: „Third Rock from the Sun“), Nora Zehetner aus „Heroes“ und Emilie de Ravin aus „Lost“. Auch der Score ist fantastisch und beschwört eine ganz eigene Atmosphäre herauf. Audiovisuell ist der Film wahrlich eine Pracht.

Ich kann „Brick“ nur weiterempfehlen. Es ist ein ungewöhnliches Erlebnis. Kann man sich allerdings darauf einlassen, wird man garantiert belohnt werden. Es sollte mehr solcher Filme geben, die vom Mut, dem Engagement und der Kreativität seiner Macher zeugen: 9/10 Punkte.

Spider-Man 2 – Extended Version (2004)

Aktualisierung: Ich habe „Spider-Man 2“ am 20. Mai 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Kurz vor dem Kinostart des dritten Teils, habe ich gestern meine Erinnerungen an „Spider-Man 2“ – dieses Mal in der erweiterten Fassung – etwas aufgefrischt. Mit Comicverfilmungen konnte ich lange Zeit nichts anfangen. Bevor sich meine große Filmleidenschaft entwickelt hat, fand ich die alten „Superman“-Filme zwar ganz nett, aber zu altbacken. Burtons „Batman“ war mir zu düster und artifiziell. Schumachers „Batman“ einfach zu billig. Die neue Superheldenwelle brachte schließlich „X-Men“ und „Hulk“. Beides interessante Filme, doch sie haben mich nicht wirklich mitgerissen. Mit Sam Raimis „Spider-Man“ kam 2002 schließlich der Film in die Kinos, der mir neue und alte Comichelden wieder zugänglich gemacht hat. Für mich ein – dieses Genre betreffend – wahrer Türöffner.

Spider-Man 2 (2004) | © Sony Pictures Entertainment

Spider-Man 2 (2004) | © Sony Pictures Entertainment

Was die „Spider-Man“-Filme für mich so zugänglich macht, ist die Ausgangssituation: Ein ganz normaler Junge stolpert in dieses Superheldenleben – ob er nun will, oder nicht. Die Alltagsprobleme bleiben jedoch bestehen. Sie bleiben für die Figur bestimmend und auch stets der Antrieb für sein Superheldendasein. Die Identifikation fällt unglaublich leicht. Zudem enthält die Welt genau den richtigen Grad an Realismus um zu funktionieren. Die Welt der alten „Batman“-Verfilmungen waren hier teils zu künstlich, bei „X-Men“ wurde teils zu sehr auf Realismus gepocht. Sam Raimi hat mit der Welt von „Spider-Man“ genau meinen Geschmack getroffen und – wie ich bereits erwähnte – damit auch die Türen zu den anderen Welten der Superheldenverfilmungen geöffnet.

Die Geschichte ist einfach und doch mitreißen. Es gibt unglaubliche Actionszenen, doch nehmen diese nicht überhand und spielen sich in den Vordergrund. Dort steht stets Peter Parker, seine Familie, seine Freunde und M.J. Dadurch wirkt die Geschichte – trotz Vorhersehbarkeit – sehr ausgewogen und schlüssig. Der Verlauf gleicht dem des ersten Teils zwar verdächtig, doch aufgrund der Figurenkonstellationen und persönlichen Probleme Parkers (Verlust von Selbstbewusstsein und damit Verlust seiner Fähigkeiten etc.) ergeben sich völlig neue Eindrücke.

Fazit

Ich freue mich nun wirklich sehr auf den dritten Teil. Sam Raimi wird die Spinne schon schaukeln. Ebenso habe ich nach der gestrigen Sichtung Lust auf „Batman Begins“ bekommen, der immer noch ungesehen im Schrank steht. Auch „X-Men 3“ wartet noch auf seine Sichtung. Man merkt: Das Superheldenfieber wurde durch „Spider-Man 2“ erneut entfacht. Perfektes Popcornkino: 9/10 Punkte.

Anmerkung zur neuen Schnittfassung von „Spider-Man 2.1“: Mir sind – außer ein paar Szenen – keine sonderlichen Veränderungen zur Kinofassung aufgefallen. Die Sichtung liegt allerdings auch schon länger zurück. Wenn man noch keine Fassung sein Eigen nennt, ist man mit der 2.1-Version sicher gut beraten. Ansonsten kann man die Scheibe getrost im Regal stehen lassen.

Master and Commander: Bis ans Ende der Welt – OT: Master and Commander: The Far Side of the World (2003)

Manche Filme wecken das Interesse. Allerdings nicht genug. Zu diesen zählt Peter Weirs „Master and Commander: Bis ans Ende der Welt“. Die DVD steht nun bestimmt schon ein Jahr ungesehen im Regal. Ich hatte sie schon oft in der Hand, habe mich jedoch stets für einen anderen Film entschieden. Doch gestern war es endlich soweit. Und wie das oft ist mit Filmen, deren Sichtung man immer wieder verschiebt, wurde ich überrascht – und das durchaus positiv!

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„Master and Commander“ ist ein klassischer Historienfilm. Leider wird er nie mit den sonstigen (modernen) Genregrößen („Gladiator“ etc.) genannt. Dabei hätte er es wirklich verdient. Der einzige Unterschied zu den anderen großen Epen: Der Handlungsraum wird auf ein Segelschiff begrenzt. Das Leben auf diesem wird akribisch genau dargestellt. Es ist dreckig, ungemütlich und fordernd. Die Crew ist bunt zusammengewürfelt und wird nur durch ihren Captain zusammengehalten. Dieser wird von Russell Crowe meisterlich verkörpert. Crowe ist einer der Darsteller, mit denen ich eigentlich nichts anfangen kann. Sicher macht er seine Sache meist gut, aber er ist mir weder sympathisch, noch fand ich seine Leistungen bisher besonders herausragend. Für die Rolle des Capt. Jack Aubray ist er aber eindeutig die perfekte Wahl. Sein Gegenpart – Schiffsarzt Dr. Stephen Maturin – wird ebenso grandios von Paul Bettany verkörpert. Beide Figuren harmonieren auf eine interessante Art und Weise. Die Beziehung bildet das Zentrum des Films und stellt die Bindung zum Zuschauer her.

Die Geschichte ist simpel: Die Surprise soll die französische Fregatte Acheron abfangen und unschädlich machen. Leichter gesagt als getan, denn die Acheron ist das deutlich stärkere Schiff. Nach der beeindruckenden Anfangssequenz beginnt eine Jagd auf Leben und Tod, während der sich weitere Handlungsstränge entwickeln, die das Leben auf dem Schiff beschreiben und teils doch von essentieller Bedeutung für die Haupthandlung sind. Schön gemacht. Stets interessant und nie beiläufig erzählt.

Inszenatorisch ist der Film eine Wucht. Man wähnt sich teils wirklich auf dem Schiff und fühlt das Meer um sich herum. Auf Spielereien verzichtet Peter Weir glücklicherweise, denn die klassiche Inszenierung trägt den Film perfekt. Durch die feine Chrarakterarbeit ist die Identifikation stets gegeben. Trotz der enormen Anzahl an Figuren auf dem Schiff wird es für den Zuschauer nie unübersichtlich oder uninteressant. Eine Tatsache, die nicht jeder Historienfilm von sich behaupten kann.

„Master and Commander“ ist ganz großes Kino. Interessant und unterhaltsam. Audiovisuell eine Bombe. Ich bin schwer beeindruckt von der Leistung aller Beteiligten: 9/10 Punkte.