Iron Man (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Iron Man“ am 26. Mai 2012 und am 9. März 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Nachdem der Film schon viel zu lange ungesehen im Regal steht, habe ich mich gestern Abend Jon Favreaus „Iron Man“ angenommen. Obwohl ich Comicverfilmungen generell mag, konnte ich mich zuvor nicht so recht zu einer Sichtung aufraffen. Warum auch immer. Nun bin ich aber froh, es getan zu haben.

Iron Man (2008) | © Walt Disney

Iron Man (2008) | © Walt Disney

„Iron Man“ ist das Musterbeispiel eines Superheldenfilms bzw. des ersten Films einer ganzen Reihe. Wie bereits in „Spider-Man“ oder „Batman Begins“ lernt die Hauptfigur ihre neu gewonnenen Fähigkeiten hier zunächst kennen und muss sich mit einer veränderten Lebenssituation auseinandersetzen. Dies geschieht hier einerseits in eher düsteren Szenarion (Tony Starks Gefangenschaft), andererseits in eher komödiantischen Gefilden (Tonys Privatlabor). Eine wahrlich unterhaltsame Mischung.

Die restliche Geschichte – abgesehen vom Erfinden und Zusammenschrauben des Anzugs – ist eher belanglos. Die Darstellung von Tony Starks Lebensstil macht dank eines grandiosen Robert Downey Jr. richtig Spaß, doch die Entstehung des Bösewichts sowie der obligatorische Endkampf stammen eher aus der Klischeekiste. Nett anzusehen, aber (noch) nicht wirklich sonderlich faszinierend. Immerhin musste ich anfangs zweimal hinschauen, um Jeff Bridges (mit Glatze und Vollbart) zu erkennen.

Fazit

Mir hat der Film enorm viel Spaß gemacht und ich kann mir gut vorstellen, den zweiten Teil nun schneller zu sichten. Favreaus Interpretation des Marvel-Comics spielt für mich zwar nicht ganz oben unter den Comicverfilmungen mit, ist aber doch ein mehr als nur gelungener Beitrag. Als Genrefreund sollte man auf jeden Fall reinschauen: 7/10 Punkte.

Stirb langsam 4.0 – OT: Live Free or Die Hard – Recut Version

Weiter geht es im Fortsetzungswahn. Len Wisemans „Stirb langsam 4.0“ ist das von Fans lange erwartete und gefürchtete Sequel zu den Actionklassikern der späten 80er und frühen 90er Jahre. Es lagen folglich Erwartungen vor, die unmöglich erfüllt werden konnten. Oder etwa doch?

Um es vorwegzunehmen: Len Wiseman ist mit seiner Modernisierung des Actionmythos ein durchaus würdiger Nachfolger gelungen. Stets unterhaltsam, mit einem herrlich aufspielendem Bruce Willis und ausreichend fetziger Action. Das eigentliche Kunstück war jedoch wohl John McClane glaubhaft in eine Bedrohungssituation zu bringen, die dem Kino des neuen Jahrtausends würdig ist und dementsprechend auch eine neue Generation von Kinogängern für den alternden Actionhelden begeistern kann.

Ich hatte wirklich befürchtet, dass die Cybercrime-Rahmenhandlung zu sehr an den Haaren herbeigezogen ist und vom Sujet her absolut unpassend für diesen klassischen Heldentypus. Doch die Sache funktioniert erstaunlich gut, besonders wenn man den Spagat zwischen alter und neuer Zielgruppe bedenkt. Zwar gibt es wieder unzählige dumme Computerklischees und Logiklücken, doch abgesehen davon wirkt die Bedrohung doch recht real im heutigen Zeitalter der globalen Vernetzung.

Die Aufstellung der Bösewichte erinnert tatsächlich an die der klassischen Filme. Timothy Olyphant hat mir erstaunlich gut gefallen. Vielleicht etwas schmierig, doch insgesamt ein passender Gegenspieler im Rahmen der Handlung. Auch McClanes Sidekick Matt Farrell (Justin Long) war nicht ganz so nervig, wie ich das nach den Trailern befürchtet hatte. Dennoch hat er den Fokus von der eigentlichen Hauptfigur abgelenkt, was ich schade fand.

Die Actionszenen fand ich größtenteils klasse inszeniert, doch – wie hätte es anders sein sollen? – zu übertrieben und teils auch zu CGI lastig. Besonders der Kampf gegen den Jet hätte dann doch nicht in all seiner Ausführlichkeit sein müssen. Wenn ich so etwas sehen will, dann schaue ich mir lieber noch einmal James Camerons „True Lies“ an.

Insgesamt bin ich mit „Stirb langsam 4.0“ durchaus zufrieden. Ich hatte zwei Stunden lang wirklich großen Spaß und habe mich letztendlich doch nicht an so vielen Sachen gestört, wie ich anfangs noch befürchtet hatte. Wer mit den Modernisierungen leben kann und keinen waschechten 80er bzw. 90er Jahre Actionfilm erwartet, der dürfte auch als Fan viel Spaß mit John McClane im neuen Jahrtausend haben: 7/10 Punkte.

Tropic Thunder – Director’s Cut (2008)

Gestern Abend habe ich mir den Director’s Cut von Ben Stillers „Tropic Thunder“ angesehen. Davor hörte ich schon viel Gutes, aber auch viel Schlechtes über den Film. Letztendlich fand ich die Grundidee des Films aber so überzeugend, dass ich selbst einmal einen Blick riskieren wollte.

Man muss dem Film zugute halten, dass er wirklich lustig ist. Oft musste ich laut auflachen, was – ausgelöst durch Filme – sowieso viel zu selten vorkommt. Es werden nahezu alle Klischees des Vietnamkriegsfilms bedient und auch abgesehen von genrespezifischen Gags wird ganz Hollywood durch den Kakao gezogen. Allein die Fake-Trailer zu Beginn des Films sind zum Brüllen komisch und bringen mal eben auf den Punkt, was an vielen Hollywood-Produktionen so daneben ist.

Ben Stiller mischt in „Tropic Thunder“ plattesten Humor mit treffsicherer Satire und überzogenem Actionfilm – und diese Mischung funktioniert überraschend gut! Der Film ist – bis auf einige Längen – stets unterhaltsam und oft bin ich aus dem Grinsen gar nicht mehr rausgekommen. Schon allein Robert Downey Juniors Charakter ist der Brüller! Auf solch eine Idee muss man auch erst einmal kommen: ‚I’m the dude playin‘ the dude, disguised as another dude!‘

Probleme hat „Tropic Thunder“ etwas mit dem Genre, welches er parodieren möchte. Selbst vor 10 Jahren, als Ben Stiller und Justin Theroux mit der Idee aufgekommen sind, wäre der Vietnamkriegsfilm beinahe schon zu sehr aus dem Bewusstsein des normalen Kinozuschauers verschwunden gewesen. Vielleicht aber zieht der Film auch gerade daraus seinen Reiz. Aus dem Bekannten, das bereits ins kulturelle Unterbewusstsein der weltweit größten Kinonation gesickert ist.

Durch die übertriebene Parodie kann man die Charaktere leider nicht wirklich ernst nehmen. Emotion und Identifikation bleiben dadurch ebenso oberflächlich, wie die Figurenzeichnung selbst. Ein von der Prämisse ähnlich gestalteter Film, dem all dies viel besser gelingt, ist Dean Parisots „Galaxy Quest“ aus dem Jahr 1999. Treffsichere Satire, eine eigenständige Geschichte und ausgearbeitete Charaktere. Da hätte sich Ben Stiller noch etwas abschauen können.

Für Kenner des parodierten Genres und mit ein wenig Hintegrundwissen über die Mechanismen Hollywoods macht „Tropic Thunder“ verdammt viel Spaß. Man darf nur keinen tiefsinnigen Humor oder eine anspruchsvolle Geschichte erwarten. Meiner Meinung nach wäre mehr drin gewesen, doch garantiert auch weniger. Für zwei Stunden bombige Unterhaltung kann man definitiv einmal reinschauen: 7/10 Punkte.

Der Mann, der niemals lebte – OT: Body of Lies

Nach einem anstrengenden Tag, habe ich ich mich heute mit der Blu-ray von Ridley Scotts „Der Mann, der niemals lebte“ belohnt. So zumindest der ursprünglich gefasste Plan. Letztendlich konnte mich der Film jedoch nicht ausreichend begeistern.

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Für mich zählt Ridley Scott zu den wirklich großen Regisseuren. Keine Frage. Ob „Alien“ oder „Blade Runner“, „Gladiator“ oder „Königreich der Himmel“. Große Filme eines Kinovisionärs. Bilder, die ich wohl nie vergessen werde. Ganz einfach großes Kino. Sein 2008er Actionthriller „Body of Lies“ hat mich im Kino dagegen völlig kalt gelassen. Kein Interesse für einen weiteren Post-9/11-Film. Doch dank des günstigen Preises, hat der Film nun doch seinen Weg ins heimische Heimkino gefunden. Wohl nicht das beste Argument für eine Sichtung.

Zum Film selbst: Er ist toll inszeniert, gut gespielt und stellenweise wirklich atmosphärisch. Leider jedoch gelingt es der Geschichte – außer in Einzelszenen – überhaupt nicht mitzureißen. Die Figuren bleiben viel zu blass und der Kern des Konflikts wird nur leicht angekratzt. Dafür wird von einer Ecke der Welt in die nächste gesprungen, ohne jedoch wirklich nachvollziehbare Gründe dafür zu liefern. Showeffekte einer sprunghaften Handlung. Nett anzusehen, aber ohne jede Nachhaltigkeit.

Hat mich der Film unterhalten? Gewiss. Wird er mir länger im Gedächtnis bleiben? Mit Sicherheit nicht. Ridley Scott hat mit „Body of Lies“ einen relativ seichten Actionthriller abgeliefert, der an seinem eigenen Anspruch scheitert. Dann lieber noch einmal Stephen Gaghans „Syriana“ anschauen und mehr als nur eine x-beliebige Spionagegeschichte sehen. Leider nicht viel besser als erwartet: 6/10 Punkte.

X-Men 2 – OT: X2 (2003)

Als Auftakt zu meinem spontanen Kurzurlaub habe ich mir gestern Abend Bryan Singers Comicverfilmung „X-Men 2“ angesehen. Die letzte Sichtung hatte ich dabei noch sehr gut im Gedächtnis, was auch gut so war, denn mit meiner Konzentration war es gestern wirklich nicht mehr weit her.

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Bei der damaligen Sichtung war ich schwer begeistert von dem Sequel. Mehr Action, mehr Charakterszenen und eine mitreißende Geschichte. Auch gestern hatte ich viel Spaß mit dem Film, wenngleich der gefühlte Vorsprung zum Vorgänger doch deutlich geschrumpft ist. Famos fand ich erneut den Angriff auf den Präsidenten, den Kampf in Xaviars Schule für Hochbegabte sowie das Finale im unterirdischen Labor. Wirklich packend inszeniert.

Nicht so gut gefallen haben mir dieses Mal dagegen die übertriebenen Tornadoszenen im Jet sowie die Selbstaufopferung von Jean Grey, welche jedoch – wenn man den Endmonolog bedenkt – durchaus noch Sinn erlangen könnte. Wirkliche Schwachpunkte gab es allerdings nicht. Zudem hinterlassen die neu eingeführten Figuren – allen voran Nightcrawler – einen zu guten Eindruck, um sich von schwächeren Szenen in den Hintergrund drängen zu lassen.

Mit „X-Men 2“ schuf Bryan Singer ein dem Vorgänger absolut ebenbürtiges Sequel, das die Vorfreude auf den leider nicht mehr von ihm inszenierten dritten Teil schürt. Lauter und charakterstarker Comicspaß: 8/10 Punkte.

Der Nebel – OT: The Mist (2007)

Bei einem spontanen DVD-Abend haben wir uns gestern Abend Frank Darabonts „Der Nebel“ angesehen. Leider stand ich mit meinem Vorschlag die Schwarzweiß-Fassung (also den Director’s Choice) anzusehen ziemlich alleine da. Doch auch in der farbigen Kinoversion sollte die Sichtung zu einem eindringlichen Erlebnis werden. Spoiler sind zu erwarten.

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Bereits die ersten Einstellungen zeugen von einer dichten Atmosphäre. So dicht, wie der titelgebende Nebel. Dabei beginnt der Film recht unspektakulär mit einer Situation, die jeder von uns kennt: Einkaufen im Supermarkt. Die vermeintliche Normalität wird abrupt unterbrochen, als ein verletzter Mann in den Laden stolpert und von einer tödlichen Gefahr im heraufziehenden Nebel berichtet. Niemand glaubt dem scheinbar halluzinierenden Mann. Kurze Zeit später hat der dichte Nebel den Supermarkt verschlungen – und damit beginnt die Fassade der Normalität zu bröckeln.

Auch wenn in dieser Stephen King-Verfilmung tatsächliche Monster im Nebel lauern, so stehen doch die inneren Dämonen jederzeit im Vordergrund. Wie jede gute Horrorgeschichte handelt der Film weniger von dem offensichtlichen Grauen, sondern wie die betroffenen Charaktere damit umgehen. Gruppendynamik ist hier das Stichwort. Sicherlich wird dieser Aspekt der Geschichte nicht gerade subtil angegangen, doch selbst die plakative Darstellung des Konfliktpotentials lässt einem als Betrachter öfter einmal einen kalten Schauer über den Rücken laufen.

Neben Darabonts ausführlicher Charakterzeichnung und intensiver Inszenierung, ist vor allem das drastische Ende herauszuheben. Nicht das, was man in einem Hollywoodfilm erwarten würde. Auch wenn ich es in letzter Konsequenz nicht hundertprozentig gelungen finde, so lässt es einen doch erst einmal sprachlos zurück. Absolut kein glückliches Ende. Was ich insgesamt besser gefunden hätte? Weniger Erklärung in Bezug auf die Ursache des Nebels. Das hat meiner Meinung nach viel von der Mysterie genommen.

Mich hat Darabonts Verfilmung von „Der Nebel“ absolut positiv überrascht. Nicht der übliche Horrorfilm. In der Schwarzweiß-Fassung zudem bestimmt noch einmal eine ganze Ecke intensiver und ich freue mich jetzt bereits auf die Wiederholungssichtung. Man sollte sich nicht von den unzähligen schlechten Kritiken abschrecken lassen: 8/10 Punkte.

Hellboy – Director’s Cut (2004)

Als ich Guillermo del Toros Comicverfilmung „Hellboy“ – bereits damals im Director’s Cut – zum ersten Mal sah, wusste ich nicht so recht was ich zu erwarten hatte. Die Vorlage war mir fremd und ich konnte den Film anfangs nur schwer einordnen. Eines stand jedoch ohne Zweifel fest: Ich hatte verdammt viel Spaß mit dem roten Affen!

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Aus der Vielzahl an Comicverfilmungen ist mir „Hellboy“ eindeutig als die sympatischste in Erinnerung geblieben. Auch wenn die Hauptfigur wohl – oberflächlich betrachtet – weit weniger menschlich erscheinen mag als die „X-MEN“ oder „The Hulk“, so steckt hinter der harten roten Schale doch der menschlichste aller Superhelden. Dieser Eindruck ist wohl vor allem auch Ron Perlmans grandiosem Spiel zu verdanken, der unter der Maske zur Höchstform aufläuft. Als hätte Mike Mignola die Vorlage nur für ihn geschrieben.

Stilistisch erinnert „Hellboy“ eher noch an „Blade II“, als an „Pans Labyrinth“ und ist somit seinen Comicwurzeln absolut treu geblieben. Für mich als Monsterfreund ist der Film sowieso eine kleine Offenbarung: Sammael gibt einen wunderbaren Höllenhund ab und Karl Ruprecht Kroenen ist ein absolut faszinierender Bösewicht. Selbst das riesige Schleimmonster – das sowohl H. P. Lovecrafts Phantasie, als auch Katsuhiro Otomos „Akira“ entsprungen sein könnte – passt perfekt in diese Welt. Comicfantasy at its best!

Nun bin ich mehr als gespannt auf „Hellboy II: The Golden Army“, welcher sich – wenn man nach dem Trailer urteilt – vom Kreaturendesign her gesehen stark bei „Pans Labyrinth“ bedient. Ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass „Der Hobbit“ bei Guillermo del Toro in guten Händen ist. Ein beruhigendes Gefühl. Dieser höllisch unterhaltsame Ausflug in die bunte Comicwelt ist mir auf jeden Fall 8/10 Punkte wert.

Die Fremde in dir – OT: The Brave One (2007)

Am gestrigen Filmfreitag habe ich mich für die Sichtung von Neil Jordans „Die Fremde in dir“ entschieden. Den Film hatte damals nur aufgrund des günstigen Preises und der Mitwirkung Jodie Fosters mitgenommen. Insofern waren die Erwartungen nicht all zu hoch und der positive Eindruck des Films konnte umso stärker wirken.

„The Brave One“ ist ein Selbstjustizthriller. Die Geschichte ist altbekannt: Eine Person aus dem privaten Umfeld eines unbescholtenen Staatsbürgers wird zum Opfer eines Gewaltverbrechens, woraufhin dieser rot sieht. Insofern hat sich seit den 70ern nicht viel geändert. Nur die Darsteller: Charles Bronson macht Platz für Jodie Foster. Der Vigilante ist schon lange im Mainstream angekommen.

Was Neil Jordans Film so außergewöhnlich macht ist das, was hinter der Fassade geschieht. Wäre es die Handlung eines Buches, man würde von dem sprechen was zwischen den Zeilen steht. Hier steht es auf Jodie Fosters Gesicht. Man sieht als Zuschauer deutlich, wie ihre Figur immer mehr in den Sog der Gewalt gerät. In einen Rausch. Macht. Verzweiflung. Rache. Ein gebrochener Charakter, der sich selbst verloren hat.

Über das Ende wurde viel geredet. Ich wäre auch der erste, der Selbstjustiz verurteilt. Doch kann ich das  beurteilen? Wie kann man das als Außenstehender überhaupt beurteilen? Der Film manipuliert den Zuschauer insofern, als dass er ihn in einen emotionalen Zustand der Anteilnahme versetzt. Doch würde das nicht geschehen, was bliebe dann? Keine moralischen Bedenken. Kein Hinterfragen der Dinge, die auf der Leinwand geschehen. Ebenso ist das Ende einzuordnen: Wäre Erica Bain (Jodie Foster) gestellt worden hätte man sich wieder auf der sicheren Seite gefühlt. Das Gute – das Gesetz – hätte gewonnen. Man hätte seine eigenen Gedanken nicht hinterfragen müssen. So aber bleibt das ungute Gefühl, dass man Ericas Handlungen als emotional gerechtfertigt ansieht.

Fazit

Mit „The Brave One“ hat Neil Jordan einen formidabel gefilmten Revenge-Thriller abgeliefert. Die schauspielerischen Leistungen von Jodie Foster überzeugen einmal mehr auf ganzer Linie. Trotz Ansiedlung im Mainstream, verbreitet der Film eine teils wirklich unangenehme Eindringlichkeit – weniger in der Aktion, als in der Reflektion. Trotz altbekannter Geschichte sehr sehenswert: 8/10 Punkte.

Der Sternwanderer – OT: Stardust (2007)

Mit Matthew Vaughns „Der Sternwanderer“ habe ich gestern einmal wieder einen Film nachgeholt, den ich im Kino leider verpasst hatte. Der Film hat damals ein recht geringes Medienecho hervorgerufen, was man wohl der verhältnismäßig großen Anzahl an mit ihm startenden Fantasyfilmen zuschreiben kann. Dennoch hätte der Film weit mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

„Stardust“ – so der Originaltitel – kann man wohl am besten mit Rob Reiners „The Princess Bride“ vergleichen. Es handelt sich folglich um keinen klassischen Fantasyfilm à la „Der Herr der Ringe“, sondern eher um eine Fantasykomödie. Bei meiner ersten Sichtung von „The Princess Bride“ war ich auch sehr enttäuscht, da ich den Humor nicht erwartet hatte. Ich hätte damals lieber etwas in der Art von Ron Howards „Willow“ gesehen. Im Nachhinein gesehen ist diese Wunschvorstellung natürlich sehr engstirnig: „The Princess Bride“ zählt zu recht zu den Klassikern des Fantasykinos – und „Der Sternwanderer“ schickt sich an in dessen Fußstapfen zu treten.

Von Anfang an besticht die märchenhafte Atmosphäre, die durch Ian McKellens Erzählstimme wunderbar unterstrichen wird. Oft wird vom Märchen für Erwachsene geredet. Meist sind dies verkappte Horrorfilme oder waschechte Fantasyschinken. „Stardust“ ist jedoch ein waschechtes Märchen. Und ja, Erwachsene werden an ihm ebenso viel Freude haben wie Kinder. Mindestens. Einen großen Teil des Unterhaltungswerts zieht der Film aus der treffsicheren Besetzung. Besonders Michelle Pfeiffer als Hexe, die der ewigen Jugend nachjagt und Robert De Niro als tuntiger Captain Shakespeare sind wahre Glücksgriffe. Doch auch der Maincast – Claire Danes und Charlie Cox – sowie die restlichen Nebendarsteller machen ihre Sache ausgezeichnet.

Neben den Schauspielern überzeugt die stringente Inszenierung. Trotz der ausschweifenden Handlung hatte ich nie das Gefühl die Übersicht zu verlieren oder gehetzt zu werden. Matthew Vaughn hat hier wirklich ein Gespür für Timing bewiesen, was – im Detail betrachtet – natürlich besonders dem Humor zugute kommt. Mein einziger Kritikpunkt ist der etwas übereifrige Effekteinsatz. Zwar wirklich immer gut gemacht, doch nach dem dutzendsten Zaubereffekt stellt sich langsam aber sicher ein Sättigungsgefühl ein.

Matthew Vaughns „Stardust“ macht richtig viel Spaß. Jedem Fantasyfreund sei der Film – die richtige Erwartungshaltung vorausgesetzt – wirklich ans Herz gelegt. Wenn „The Princess Bride“ zu euren Lieblingsfilmen zählt, dann führt an diesem Film sowieso kein Weg vorbei. Für mich einer der gelungensten Fantasyfilme der Post-„Der Herr der Ringe“-Ära: 8/10 Punkte.

Das Vermächtnis der Tempelritter – OT: National Treasure (2004)

Gestern Abend war es soweit und ich habe meine neuen Begleiter Toshi und Oppo endlich standesgemäß eingeweiht. Zu sehen gab es Jon Turteltaubs „Das Vermächtnis der Tempelritter“ – inzwischen die dritte Sichtung. Damals im Kino war ich begeistert, bei der Zweitsichtung eher enttäuscht. Und gestern? Einfach nur großartige Unterhaltung.

Das Vermächtnis der Tempelritter (2004) | © Walt Disney

Das Vermächtnis der Tempelritter (2004) | © Walt Disney

Der Film aus der Schmiede von Jerry Bruckheimer hat mein Interesse nur wieder entfacht, da ich vor kurzem nahezu alle Originalschauplätze des Films besucht hatte. Alleine dadurch hat „National Treasure“ (so der Originaltitel) einige Punkte wett machen können. Es war einfach ein tolles Erlebnis die National Archives, das Lincoln Memorial und noch unzählige weitere Locations in Washington D.C. wiederzuerkennen. Eine wirklich ganz neue Erfahrung.

Die Handlung des Films wird dadurch natürlich nicht beeinträchtigt. Diese bietet weiterhin eine leicht patriotisch angehauchte Disneylandversion eines Abenteuerfilms. Den Vergleich mit „Indiana Jones“ möchte ich hier bewusst nicht ziehen, denn außer dem Genre haben beide Filmwelten nahezu nichts gemein. Losgelöst betrachtet bietet „Das Vermächtnis der Tempelritter“ lockerleichte Unterhaltung, bei der man – wie bei allen Produktionen aus dem Hause Bruckheimer – nicht nach Logik fragen darf. Unterlegt mit dem typischen Score von Hans Zimmer (oder einem seiner Schüler) und bombastischer Inszenierung, ist „National Treasure“ ein Popcorn-Film, wie er im Buche steht – und als solcher funktioniert er tadellos.

Ich habe mich gestern so gut wie schon lange nicht mehr asmüsiert. Dies mag zu großen Teilen am Wiedererkennungseffekt der Locations sowie der grandiosen Bild- und Soundqualität des neuen Heimkinos gelegen haben, doch so ganz unschuldig ist wohl auch „National Treasure“ nicht daran. Hat enorm viel Spaß gemacht: 8/10 Punkte.