Der Nebel – OT: The Mist (2007)

Bei einem spontanen DVD-Abend haben wir uns gestern Abend Frank Darabonts „Der Nebel“ angesehen. Leider stand ich mit meinem Vorschlag die Schwarzweiß-Fassung (also den Director’s Choice) anzusehen ziemlich alleine da. Doch auch in der farbigen Kinoversion sollte die Sichtung zu einem eindringlichen Erlebnis werden. Spoiler sind zu erwarten.

nebel_mist

Bereits die ersten Einstellungen zeugen von einer dichten Atmosphäre. So dicht, wie der titelgebende Nebel. Dabei beginnt der Film recht unspektakulär mit einer Situation, die jeder von uns kennt: Einkaufen im Supermarkt. Die vermeintliche Normalität wird abrupt unterbrochen, als ein verletzter Mann in den Laden stolpert und von einer tödlichen Gefahr im heraufziehenden Nebel berichtet. Niemand glaubt dem scheinbar halluzinierenden Mann. Kurze Zeit später hat der dichte Nebel den Supermarkt verschlungen – und damit beginnt die Fassade der Normalität zu bröckeln.

Auch wenn in dieser Stephen King-Verfilmung tatsächliche Monster im Nebel lauern, so stehen doch die inneren Dämonen jederzeit im Vordergrund. Wie jede gute Horrorgeschichte handelt der Film weniger von dem offensichtlichen Grauen, sondern wie die betroffenen Charaktere damit umgehen. Gruppendynamik ist hier das Stichwort. Sicherlich wird dieser Aspekt der Geschichte nicht gerade subtil angegangen, doch selbst die plakative Darstellung des Konfliktpotentials lässt einem als Betrachter öfter einmal einen kalten Schauer über den Rücken laufen.

Neben Darabonts ausführlicher Charakterzeichnung und intensiver Inszenierung, ist vor allem das drastische Ende herauszuheben. Nicht das, was man in einem Hollywoodfilm erwarten würde. Auch wenn ich es in letzter Konsequenz nicht hundertprozentig gelungen finde, so lässt es einen doch erst einmal sprachlos zurück. Absolut kein glückliches Ende. Was ich insgesamt besser gefunden hätte? Weniger Erklärung in Bezug auf die Ursache des Nebels. Das hat meiner Meinung nach viel von der Mysterie genommen.

Mich hat Darabonts Verfilmung von „Der Nebel“ absolut positiv überrascht. Nicht der übliche Horrorfilm. In der Schwarzweiß-Fassung zudem bestimmt noch einmal eine ganze Ecke intensiver und ich freue mich jetzt bereits auf die Wiederholungssichtung. Man sollte sich nicht von den unzähligen schlechten Kritiken abschrecken lassen: 8/10 Punkte.

15 Gedanken zu “Der Nebel – OT: The Mist (2007)

  1. Klasse, den hat mein Bruder mir neulich erst hingelegt mit der Empfehlung, mir den mal anzuschauen. Jetzt hab ich noch einen Grund mehr, ihn mir anzusehen. 🙂

    Hab jetzt aber aufgrund deiner Spoilerwarnung nur den ersten und letzten Absatz gelesen. 😉

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  2. Die S/W-Fassung ist in der Tat intensiver. Wobei mir scheint, dass du den Film ja so aufgenommen hast, wie Darabont das wollte. Für mich selbst war das Teil ja Trash Deluxe und hat deswegen so exzellent funktioniert. Von „Trash“ les ich hier aber nichts, was mich zu der Vermutung bringt, dass du den Film vielleicht doch anders aufgenommen hast (als ich).

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  3. @konna: Na, dann kann ich dir ja nur viel Freude mit dem Film wünschen!

    @Flo Lieb: Als Trash habe ich den Film wahrlich nicht aufgenommen. Eher als Verbeugung vor dem späten 50er bzw. frühen 60er Jahre Horrorkino. Sicherlich darf man die Monster nicht wirklich ernst nehmen und auch die Religionsfanatikerin war nahe dran an der Karikatur, doch mir kommt hier eher der Begriff Hommage in den Sinn, als Trash. Dafür war mir die Wirkung des Film zu eindringlich. Mit Trash verbinde ich eher lockeren Spaß.

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  4. Ich sehe das mehr wie der Flo Lieb. Für mich ist der Film auch mehr ’ne Trash Galore aller erster Güte. Den Film konnte man doch zu keiner Zeit ernst nehmen, vor allem das Ende des Films. Da gab es zumindest bei uns im Kinosaal großes Gelächter, statt Entsetzen. Aber es scheint der Fall zu sein, dass der Film desöfteren mal so, mal so aufgenommen wurde Da geben sich die Verrisse und Lobpreisungen quasi die Klinke in die Hand.

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  5. @Inishmore: Ja, sehe ich ganz genauso.

    @Nachtfalke/@Flo Lieb: Dieses trashige Element ist zu mir irgendwie nicht durchgedrungen. Lächerlich konnte ich den Film wirklich nicht finden. Schon interessant, wie unterschiedlich manche Filme aufgenommen werden.

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  6. Also ich habe den Film auch nicht als Trash wahrgenommen. Kurz vor dem Kinostart noch schnell die Kurzgeschichte gelesen und danach den Film dazu – gelacht habe ich eher weniger und das Ende fande ich, grade im Bezug auf das Ende im Buch – erschreckend.

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  7. Na, wenigstens noch jemand, der den Film nicht als Trash wahrgenommen hat! Da fühle ich mich ja gleich bestätigt… 😉

    Die Kurzgeschichte muss ich bei Gelegenheit auch einmal lesen. Habe mich da aber in Bezug auf das Ende schon gespoilert. Mist! Ähem… 😉

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  8. Von mir gibt es auch keinen Trash-Stempel. Es gab sicher schon ausgefeiltere Monster, aber darauf kommt es in diesem Film auch gar nicht an. Im Rahmen seines Genres erzaehlt der Film eine durchaus schluessige Geschichte mit interessanten Charakteren. Und das Ende war ziemlich starker Tobak und hat mich nun nicht unbedingt zu einem beherzten Lachen verfuehren koennen.

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  9. Von meinen drei Mitsehern hat während des Films auch niemand gelacht. Die Monster fand ich übrigens recht gelungen! Man konnte sich meiner Meinung nach gut vorstellen, dass diese aus einer fremdartigen Welt mit gänzlich anderer Flora und Fauna stammen. Nach dem Film saßen wir noch während des Abspanns schweigend da. Nicht unbedingt selbstverständlich bei einem DVD-Abend.

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  10. Also.. Naja.. 1-2 Mal hab ich doch geschmunzelt, nicht direkt gelacht.
    Ich fand den Film jetzt nicht wirklich schlecht, war aber auch definitiv kein Meisterwerk. Aber auch ich war nach dem Ende leicht sprachlos.
    Leider ist das dann wie bei Fight Club. Einmal gesehen, beim 2. Mal lange nicht mehr so… wie soll ich sagen, überrumpelnd? (Wobei man Fight Club immer wieder sehen kann, ohne dass er schlecht wird 😉
    Hab übrigens nur die S/W-Fassung gesehen, fand das aber ziemlich cool. Da kam wirklich ein gewisser Trash-Faktor raus.
    Wäre die Collector´s Edition nicht so verdammt teuer, würd ich sie mir wohl doch kaufen, einfach nur der Box wegen. Aber bei dem Preis…

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  11. Schmunzeln kann ich nachvollziehen. Musste ich auch ein paarmal. Doch besonders gegen Ende hat dann eindeutig die Ausweglosigkeit überhand genommen. Vielleicht stört mich auch nur der negativ belegte Begriff ‚Trash‘ – ich finde da passt Hommage viel besser.

    In der Liga von „Fight Club“ spielt „Der Nebel“ natürlich nicht – selbst mit diesem Ende. Dennoch war ich äußerst positiv überrascht, ganz besonders wenn man den restlichen Horroreinheitsbrei so bedenkt, der einem zurzeit kredenzt wird.

    Der Preis der Collector’s Edition ist tatsächlich gesalzen, aber lohnt sich meiner Meinung nach. Aber ich habe ja auch leicht reden, denn meine Box war ein Geschenk… 😉

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