Batman Begins (2005)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 29. Januar 2011 veröffentlicht.

Gestern Abend bin ich endlich dazu gekommen, mir Christopher Nolans „Batman Begins“ anzuschauen. Die klassischen Tim Burton-Filme um den schwarzen Ritter haben mir recht gut gefallen, wenngleich die letzte Sichtung auch schon ewig zurückliegt und ich damals mit der düsteren Welt noch nicht so viel anfangen konnte, wie es heute wohl der Fall wäre. Joel Schumachers Versuche habe ich irgendwann einmal im TV verfolgt und glücklicherweise bereits wieder vergessen. Umso höher waren nun die Erwartungen für die aktuelle Adaption, zumal Christopher Nolan mit „Memento“ einen der interessantesten Filme der jüngeren Filmgeschichte abgeliefert hat. Von den überschwänglichen Kritiken einmal ganz zu schweigen.

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„Batman Begins“ setzt da an, wo der Titel vermuten lässt: Am Anfang. Man ist als Zuschauer live dabei, wenn Bruce Wayne zum mystisch angehauchten Superhelden aufsteigt. Wenn er sein Fledermaus-Trauma durchlebt. Wenn seine Eltern umgebracht werden. Nolan erzählt diese Gestaltwerdung in größtenteils ruhigen, doch eindringlichen Bildern. Im Mittelpunkt steht klar Bruce Wayne und seine innere Zerrissenheit. Es vergeht beinahe eine Stunde bis der Held das erste Mal sein Kostüm überstreift und das ist auch gut so. Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Film neu, spannend, großartig.

Ab der Verwandlung begibt sich Nolan wieder auf ausgetretenere Pfade: Batman kicks ass! Und das macht er besser denn je. Ich hatte das Gefühl das alles schon einmal in abgewandelter Form gesehen zu haben. Das Besondere des ersten Teils hat irgendwie gefehlt. Dennoch ist auch die weitere Geschichte spannend und äußerst unterhaltsam. Nur mit der Verfolgungsjagd im Batmobil wurde es meiner Meinung nach etwas übertrieben. Das Ende des Films ist dann mehr als befriedigend und breitet bereits die Geschichte des zweiten Teils vor den Füßen der Zuschauer aus: The Joker is back!

Erstaunt hat mich die Vielzahl an Stars, die in dem Film mitwirken. Christian Bale liefert einen grandiosen Bruce Wayne/Batman. Sein Spiel ist nuanciert und bringt eine enorme Tiefe in die bekannte Figur. Michael Caine gibt als Albert eine tolle Vaterfigur ab und ist mehr als reine Staffage. Ebenso Katie Holmes, bei der ich allerdings immer das Problem haben werde, sie als kleine Joey Potter aus „Dawson’s Creek“ zu sehen. Überraschend waren für mich die Auftritte von Morgan Freeman, Gary Oldman und besonders Rutger Hauer. Liam Neeson darf auch nicht vergessen werden, der am Ende gegen seinen bekannten Rollentypus anspielt. Eine wahrlich runde Sache.

Mir hat „Batman Begins“ gestern wirklich viel Spaß bereitet, wenngleich ich mich auch nicht so stark mit der Figur identifizieren kann, wie z.B. mit „Spider-Man“. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf die Fortsetzung, bei der wir anscheinend einen herrlich fiesen Joker erleben dürfen. Hierfür gibt es erst einmal 8/10 Punkte.

Die Anstalt (John Katzenbach)

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Nach über vier Monaten habe ich nun endlich meinen aktuellen Lesestoff – John Katzenbachs „Die Anstalt“ – beendet. Ich glaube damit habe ich einen neuen Nekativrekord erreicht. Aber was soll man auch machen, wenn man nur abends zum Lesen kommt und das Spannendste am Buch das Cover ist?

Die Geschichte um den Geisteskranken Francis „C-Bird“ Petrel, der in einen Mordfall verstrickt wird, ist interessant und stimmig erzählt. Leider verliert sich der Autor in unzähligen Einzelheiten und Beschreibungen, die die Geschichte um keinen Deut voranbringen. Somit wird die Handlung auf 750 Seiten gestreckt, was sich oftmals leider in ziemlicher Langeweile äußert. Auf 400 Seiten – und das ist für die Geschichte noch hoch gegriffen – komprimiert, wäre bestimmt eine spannende Sache daraus geworden. So habe ich mich leider über viele Seiten weiterquälen müssen.

Hervorheben muss man klar den Schreibstil. Dieser ist ungewöhnlich gut. Die Sätze ziehen sich teils über eine halbe Seite und entsprechen irgendwie dem verworrenen Klinikleben, das die Hauptfiguren durchleben müssen. Auch die Struktur des Romans (Francis erzählt die Geschichte und wird in der Gegenwart von den Geistern seiner Vergangenheit gequält) kann man durchaus als gelungen bezeichnen.

Gegen Ende habe ich einen großen Knall erwartet. Es wird soviel mit Geisteskrankheit und Wahrnehmung gespielt, zudem heißt das erste Kapitel „Der unzuverlässige Erzähler“ – ich hätte schwören können, dass letztendlich die Hauptperson selbst – oder zumindest ein Teil seiner schizophrenen Persönlichkeit – der Killer ist. Die eigentliche Auflösung ist dagegen unendlich schwach und langweilig. Schade, denn hier wurde wirklich Potential verschenkt.

Insgesamt ist „Die Anstalt“ ein gut geschriebener Roman, dessen Inhalt es leider nicht mit der Form aufnehmen kann. Mit viel gutem Willen vergebe ich 6/10 Punkte. Ob ich noch einmal etwas von John Katzenbach lesen werde: Ich wage es zu bezweifeln.

Mission: Impossible 3 (2006)

Nachdem ich vom direkten Vorgänger unendlich enttäuscht war, habe ich mich heute dennoch an J.J. Abrams „Mission: Impossible 3“ gewagt, den – zumindest bisher – finalen Teil der Filmreihe um Agent Ethan Hunt. Bereits nach den ersten Minuten war Aufatmen angesagt: Zwar ist auch der Abschluss der Trilogie ganz anders ausgefallen, als Brian De Palmas Erstling, doch darf man das – im Gegensatz zu Teil 2 – durchaus positiv werten.

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Ich weiß nicht, ob ich mir das nur eingebildet habe, oder ob ich aufgrund meiner Serien-Sichtungen vorbelastet bin, doch hatte ich teils wirklich das Gefühl einen „ALIAS“-Kinofilm vor mir zu haben. Schon allein die Geschichte – inklusive Handlungsklammer und Twist – scheint der Serie um Sydney Bristow entsprungen zu sein. Das IMF-Hauptquartier ähnelt vom Look zudem deutlich den Geheimdienstzentralen der Show. Die Einbindung von Ethan Hunts Privatleben – inklusive dem Aufrechterhalten seiner Geheimidentität – habe ich auch schon einmal gesehen und Simon Peggs Charakter entspricht 1:1 dem Computergenie Marshall. Zufall? Ich glaube nicht. Ebensowenig wie die Gastauftritte einiger „ALIAS“-Darsteller (inklusive Greg Grunberg).

J.J. Abrams hat das getan, was er am besten kann: Eine stimmige Geschichte packend inszenieren, sowie Handlung und Charaktere stets interessant gestalten. Also all das, was John Woo im zweiten Teil vergeigt hat. Zwar gewinnt auch hier der Plot um die Hasenpfote – dieses Mal übrigens ein echter MacGuffin – keinen Innovationspreis, doch bleiben die Aktionen des IMF-Teams stets interessant genug, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Überhaupt liegt der Schwerpunkt wieder mehr auf Teamarbeit, obwohl Tom Cruise natürlich immer noch im Vordergrund steht.

Im Gegensatz zum zweiten Teil gibt es unter J.J. Abrams Regie gute bis sehr gute Leistungen der Schauspieler zu beobachten. Philip Seymour Hoffman spielt ohne Zweifel alle an die Wand, doch auch Tom Cruise darf wieder mehr zeigen, als sein breites Grinsen. Dies kommt klar auch dem emotionalen Grundgerüst der Geschichte zugute und man ist als Zuschauer wieder wirklich an den Figuren und ihrem Schicksal interessiert.

J.J. Abrams hat mit „Mission: Impossible 3“ einen spannenden und äußerst unterhaltsamen Beitrag zur Agententrilogie geschaffen – wenn nicht sogar den unterhaltsamsten. Bei der nächsten Sichtung werde ich mich wohl auf die ungeraden Teile beschränken: 8/10 Punkte.

2001 Maniacs

Es ist angerichtet! Wieder einmal hat es mich zu einem Genrefilm hingezogen, dessen mangelnde Qualität mir schon bereits vor der Sichtung klar war: „2001 Maniacs“ – Tim Sullivans Remake des Hershell Gordon Lewis-Klassikers „Two Thousand Maniacs!“. Was reizt mich nur immer wieder an solchen Filmen?

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Die Handlung ist völlig nichtig und dient nur als Aufhänger möglichst viele pubertäre Fantasien à la „American Pie“ und teils deftige Goreszenen unter einen Hut zu bringen. Spaßig ist das ganze trotzdem. Die Atmosphäre in der Kleinstadt stimmt und mit Robert Englund („A Nightmare on Elmstreet“) wurde die perfekte Besetzung für den Bürgermeister gefunden. Diverse Spitzen gegen sowohl Süd- als auch Nordstaaten würzen die bunte Schlachtplatte zudem mit – flachen, aber dennoch – satirischen Spitzen.

An Schauspielern gibt es zudem noch Lin Shayne („Dead End“), Giuseppe Andrews (Germ aus „Two Guys and a Girl“), sowie Peter Stormare („Fargo“, „Prison Break“) zu entdecken. Überhaupt ist der Supportcast recht gut gewählt. Auf jeden Fall besser als die 08/15-Darsteller der Hauptfiguren. Aber das war hier auch nicht anders zu erwarten. Freunden des Genres dürfte zudem Eli Roths Auftritt als Justin gefallen. Eine Rolle, die er bereits in seinem – eher schwachen – Kinodebut „Cabin Fever“ gespielt hat.

Ansonsten gibt es nicht mehr viel zu sagen. Das Ende ist ganz nett, die Effekte auch. Insgesamt war mir der Film aber zu sehr auf Teenies ausgelegt. Schade. Dennoch hatte ich meinen Spaß. Der Film kommt sympathisch rüber und man merkt – wie auch bei den Werken von Eli Roth – dass die Macher mit Spaß und Liebe für das Genre bei der Sache waren. Kein wirklich guter Film, aber durchaus unterhaltsam: 5/10 Punkte.

Children of Men (2006)

Gestern Abend habe ich mir endlich Alfonso Cuaróns „Children of Men“ angesehen. Wieder ein Film, bei dem ich mich ärgere, ihn nicht auf der großen Leinwand gesehen zu haben. Doch hätte auch dieses Erlebnis kaum die Intensität der gestrigen Sichtung übertreffen können.

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Alfonso Cuarón hat mit „Children of Men“ eine düstere Zukunftsvision erschaffen. Eine Art von Film, wie sie seit den 70ern nicht mehr gemacht werden. Die Adaption von P.D. James‘ Roman erinnernt am ehesten an verstörende Utopien, wie „Soylent Green“ oder „Fahrenheit 451“. Der Film ist dreckig, es liegt eine beständige Hoffnungslosigkeit in der Luft und es gibt keine Helden. Damit erhebt sich „Children of Men“ über den Status eines reinen Unterhaltungsfilms. Er hat eine Aussage. Mag man ihn nun als Kommentar zur Globalisierung, als Warnung vor dem Klimawandel oder als Analogie zu heutigen Krisengebieten sehen. Der Film funktioniert. Er funktioniert auf all diesen Leveln.

Die Geschichte an sich ist eher einfach. Eine Rettungsmission. Von A nach B. Doch den Film darauf zu reduzieren wäre nicht nur oberflächlich, es wäre schlicht falsch. Man sieht die Welt durch die Augen von Theo Faron. Einem Mann ohne Zukunft. Ohne Hoffnung. Auf seiner Reise erhascht man unzählige Eindrücke einer kranken Welt. Einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Die im Jahre 2027 – in dem der Film angesiedelt ist – bereits seit langer Zeit aus den Fugen geraten ist. Durch das Aufkeimen von Hoffnung wird Theo wieder ein Sinn in seinem Leben gegeben. Er wandelt nicht mehr wie tot durch diese kranke Welt. Er hat ein Ziel und muss sich deshalb mit dieser Welt auseinander setzen.

Was mich bei „Children of Men“ wirklich umgehauen hat, ist die Inszenierung. Alfonso Cuarón erschafft eine Welt, wie sie glaubhafter und beängstigender nicht sein könnte. Man fühlt sich nicht wie 20 Jahre in der Zukunft. Das ist jetzt. Heute. Der Zuschauer ist live dabei. Wenn Bomben explodieren, wenn Immigranten über den Haufen geschossen werden, wenn es keine Hoffnung mehr gibt. Unglaublich. Unglaublich intensiv. Ich war selten so beeindruckt von der Art der Inszenierung. Ganz groß. Ich möchte nicht wissen, wie der Kameramann bei der finalen Häuserschlacht geschwitzt hat, die – mindestens 5 Minuten lang – ohne einen einzigen Schnitt auskommt. Ich kann es nur noch einmal sagen: Unglaublich!

Trotz seiner grandiosen Wirkung ist der Film nicht fehlerfrei. The Human Project als MacGuffin erschien mir etwas plump. Ebenso die Ehrfurcht der militärischen Einheit vor dem Baby. Auch das Ende hat mich letztendlich nicht 100%ig überzeugt. Doch das sind alles nur Nebensächlichkeiten in einem wirklich herausragenden Film.

Bei den Schauspielern überzeugt allen voran einmal wieder Clive Owen, dem man den gebrochenen Helden voll und ganz abnimmt. Auch Michael Caine als Althippie hat seine Momente und auch der Rest des Casts fügt sich grandios in diese düstere Zukunft ein. Erwähnen muss ich auch noch die grandiosen VFX. So ist z.B. in der Geburtsszene das Baby vollständig computeranimiert. Wirklich grandios gemacht und nicht – zumindest auf den ersten Blick – zu erkennen.

„Children of Men“ sollte man wirklich gesehen haben. Hinter der oberflächlichen Haupthandlung steckt so viel mehr. Alfonso Cuarón hat sich meiner Meinung nach selbst übertroffen. Ich hoffe der Film wirkt bei der nächsten Sichtung noch genauso intensiv: 9/10 Punkte.

The King of Queens

Zurzeit kommt es förmlich zu einer Schwemme von finalen Serienepisoden. Nun hat es auch den lustigen Dicken erwischt. Das Ende war in diesem Fall allerdings schon länger bekannt, was das Finale von „The King of Queens“ erträglicher macht, als so manch andere spontane Entscheidung. Für mich geht nun nach neun Jahren eine große Serienliebe zu Ende, die sich leider immer mehr – analog zur Serienhandlung – zu einer Hassliebe entwickelt hat.

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Das erste Mal habe ich die Heffernans bei einer der ersten Ausstrahlungen auf RTLII wahrgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war „The King of Queens“ hierzulande so unbekannt, wie es heute immer noch Larry David ist. Durch die interessante Ausstrahlungstaktik von RTLII, habe ich die ersten vier Staffeln des Kings bestimmt beinahe ein dutzend Mal gesehen – so oft, wie noch keine andere Serie zuvor. Zu dieser Zeit – zwischen Zivildienst und Studium – bin ich einer anspruchsvollen Tätigkeit in einer Kartonfabrik nachgegangen und habe die am Tag zuvor gesehenen Folgen teils im Geiste wieder 1:1 abrufen können. 10 Stunden können unglaublich lang sein. Die ersten vier bis fünf Staffeln von „The King of Queens“ werden bei mir immer einen ganz besonderen Stellenwert haben und ich sehe mir die Folgen auch heute noch sehr gerne an.

Ab der sechsten Staffel hat die Qualität – meiner Meinung nach – rapide abgebaut. Die Serie wurde unrealistischer und das gesunde Gleichgewicht aus abgedrehter Story und einer gewissen Nachvollziehbarkeit der Handlungen der Charaktere ist ins Wanken geraten. Doug und Carry haben sich plötzlich nur noch gestritten und das teils auf so bösartige Weise, dass ein weiteres Zusammenleben teils unglaubwürdig wurde. Die Serie war zwar immer noch unterhaltsam – besonders durch das verstärkte Auftreten von Nebenfiguren, wie z.B. Spence Olchin – doch hat das besondere Etwas gefehlt, das die ersten Staffeln so nachvollziehbar und liebenswert gemacht hat.

Gegen Ende wurde die Serie nun leider immer schlechter und ich denke, es war die richtige Entscheidung hier einen Schlussstrich zu ziehen. Im Gegensatz zu Serien wie „Friends“ gab es bei den Heffernans leider so gut wie keine Charakterentwicklung. Zudem haben die Geschichten angefangen sich zu wiederholen (z.B. Doug und Carrie suchen neue Freunde, Arthur wird abgeschoben). Man hat sich einfach zu sehr auf eingefahrenen Bahnen bewegt und den Zuschauern kein Interesse an einer sich weiterentwickelnden Geschichte zugetraut. Auf Nummer sicher gehen zahlt sich – zumindest qualitativ – nicht immer aus.

„The King of Queens“ ist eine grundsympathische Sitcom mit tollen Figuren und grandiosen Schauspielern (allen voran  Jerry Stiller und Kevin James). Leider wurde viel inhaltliches Potential verschenkt. Unterhaltsam ist die Serie aber zu jedem Zeitpunkt. Die ersten vier Staffeln würden ganz klar die Höchtwertung erhalten. Aufgrund der teils schwachen und uninspirierten nachfolgenden Episoden (inklusive dem durchwachsenen Serienfinale) springen am Ende leider nur 8/10 Punkte heraus. Mal sehen ob eine eventuelle Wiederholungssichtung der späteren Staffeln da noch mehr herausholen kann.

Gilmore Girls – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 7)

Vor einigen Jahren hat meine – damals noch – Freundin nachmittags stets eine Serie namens „Gilmore Girls“ verfolgt. Irgendwann hatten sich ihre Vorlesungszeiten insofern geändert, als sie die Serie aufnehmen und abends ansehen musste. So bin ich dann ab und zu auch in den Genuss der Girls gekommen. Zunächst noch widerwillig, da ich anfangs eine ähnlich simpel gestrickte Serie, wie die vor falscher Moral triefende „Eine himmlische Familie“ befürchtet hatte. Nichts könnte ferner von der Wahrheit sein. Spoiler zur 7. Staffel und zum Serienfinale habe ich im Folgenden größtenteils vermieden.

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Nun hat die Serie – nach 7 Jahren und Staffeln – ihr Ende gefunden. Auf dem Höhepunkt ihrer Popularität. Zumindest in Deutschland. Als wir damals mit der Sichtung begonnen hatten, kannte die Serie noch niemand. Man wurde – besonders als Mann – eher belächelt, wenn man von einer lustigen, gut geschriebenen, mit unzähligen Popkulturzitaten gespickten und mit tollen Figuren bevölkerten Serie namens „Gilmore Girls“ erzählt hatte. Aber so ging es mir schon damals bei „Ally McBeal“ – insofern hat das der Begeisterung keinen Abbruch getan.

„Gilmore Girls“ lebt von seinen skurrilen Charakteren und den unglaublich pointierten Drehbüchern. Die Dialoge sind schnell. Unglaublich schnell. In ein paar wenigen Sätzen sind da schon einmal locker ein dutzend popkulturelle Anspielungen versteckt. Man muss wirklich aufmerksam sein, um nichts zu verpassen – besonders im O-Ton. Neben den Figuren nimmt ganz klar die Location – die Kleinstadt Stars Hollow – einen besonderen Platz in der Serie ein. Man fühlt sich sofort wohl und irgendwie zuhause. Die Stadt umweht eine leicht traumartige Atmosphäre, was wirklich gut zum Stil der Serie passt. Trotz verschiedener Jahreszeiten, scheint es in Stars Hollow immer Herbst zu sein – ich glaube, das beschreibt es ganz gut.

Die Geschichten um die „Gilmore Girls“ drehen sich – neben den Nebensächlichkeiten des Lebens – hauptsächlich um Familie, Liebe und Beruf. Das hört sich wieder nach einer typischen Frauenserie – ein Begriff, den ich nicht gerne benutze – an, jedoch schafft es die Serie meist nicht im Kitsch zu versinken und den beschwingten Humor aufrecht zu erhalten. Besonders die ersten vier Staffeln meistern diese Gradwanderung perfekt. In der fünften hatten sich erste Abnutzungserscheinungen gezeigt und die sechste war teilweise alles andere als gelungen – jedoch nie so schlecht, dass man nicht weiterschauen wollte. Nach einem schwachen Start in die siebte Staffel, hat sich die Serie gegen Ende wieder zu alter Form aufgeschwungen – und wie das so ist, wenn eine Serie richtig viel Spaß macht, wurde sie abgesetzt.

Nach wochenlangen Gerüchten, kam die Absetzung ziemlich plötzlich. Kurz vor Ausstrahlung der letzten Episode, was mich nicht gerade auf ein gelungenes Serienfinale hoffen ließ. Glücklicherweise hatten die Autoren anscheinend alle Eventualitäten bedacht, so dass man jede Richtung hätte einschlagen können: Eine Fortführung mit beiden Girls, eine ohne Rory und eben das Ende. Man merkt trotzdem in jeder Minute, dass die Folge eher als Staffelfinale konzipiert war. Es ist nicht das Ende, das man sich nach 7 Jahren erhofft hatte. Die Folge wirkt zu vollgestopft und es fehlt doch so viel. Die letzte Szene in Lukes Diner war dann auch garantiert ein Nachdreh, der – als das Ende beschlossen war – angefügt wurde. Dennoch ist die finale Episode kein Desaster, da sie thematisch perfekt passt. Sie wirkt nur nicht rund und der Serie nicht wirklich würdig. Eine verkürzte 8. Staffel wäre meiner Meinung nach perfekt gewesen.

„Gilmore Girls“ ist eine wirklich besondere Serie. Sie kann ihre hohe Qualität fast durchgängig halten. Ebenso sind ihr ein paar tolle Schauspieler entsprungen. Allen voran natürlich Alexis Bledel und Lauren Graham. Doch auch Milo Ventimiglia (Peter Petrelli, „Heroes“) oder Jared Padalecki (Sam Winchester, „Supernatural“) wären ohne „Gilmore Girls“ garantiert nicht da, wo sie heute sind. Das Ende der Serie stimmt mich fast etwas wehmütig. Aber so ist das immer, wenn liebgewonnene Serien zu Ende gehen. Allen, die bis jetzt noch keinen Kontakt mit den Girls hatten, kann ich nur empfehlen doch einmal einen Abstecher nach Stars Hollow zu machen. Es lohnt sich: 9/10 Punkte.

Spider-Man 3 (2007)

Aktualisierung: Ich habe „Spider-Man 3“ am 27. Mai 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem sich in den letzten zwei Wochen kein Termin finden ließ, habe ich den gestrigen Kinotag endlich für einen Besuch von „Spider-Man 3“ genutzt. Aufgrund der kürzlichen Sichtung des Vorgängers, sowie diverser größtenteils doch recht positiver Berichte, war die Vorfreude mehr als groß. Da der Film noch aktuell in den Kinos läuft, werde ich einmal wieder eine Spoilerwarnung aussprechen: Weiterlesen demzufolge auf eigene Gefahr.

Spider-Man 3 (2007) | © Sony Pictures Entertainment

Spider-Man 3 (2007) | © Sony Pictures Entertainment

Peter Parker ist zurück – und mit ihm Spider-Man. Zu Beginn des Films befindet sich die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft – sowohl privat, als auch beruflich – auf einem Hoch. Wurde ja auch einmal Zeit, zudem die ganze Sache nicht allzu lange anhält. Neben privaten Problemen tauchen neue Bösewichte auf, die Spidey das Leben schwer machen. Doch damit nicht genug. Unser Held sieht sich plötzlich mit seiner dunklen Seite konfrontiert, was nicht nur sein Superheldensasein auf den Kopf stellt, sondern auch – bzw. besonders – Einfluss auf sein Privatleben hat.

Wie man sieht gibt es auch in „Spider-Man 3“ die bekannten Zutaten: Der allzu menschliche Held kämpft nicht nur gegen neue Feinde, sondern hat mit Alltagsproblemen, seiner Vergangenheit und sich selbst zu kämpfen. All das wirkt – besonders in Bezug auf die Vorgänger – nicht mehr sonderlich neu und innovativ. Glücklicherweise lebt der Film – meiner Meinung nach – eher von den kleinen, charakterbezogenen Szenen, die mir immer noch ein Lächeln auf das Gesicht zaubern können. Peter Parkers Wechsel zur dunklen Seite ist wirklich urkomisch und herrlich übertrieben inszeniert. Der Auftritt von Bruce Campbell ist göttlich und viele andere Details (z.B. Marschkapelle spielt Theme der TV-Serie) machen den Film wieder einmal wirklich sehenswert.

Die Haupthandlung hat dieses Mal mit drei Bösewichtern zu kämpfen. Meiner Meinung nach wäre hier weniger mehr gewesen. Zwar gibt es einige spektakuläre Kampfszenen zu bewundern, doch fühlt sich der Film hier zu vollgestopft an. Die Vorgänger wirken in der Haupthandlung somit um einiges harmonischer. Ein weiterer Kritikpunkt ist die übertriebene Rührseligkeit, welche mir zumindest zuvor nicht so negativ aufgefallen ist. Allerdings habe ich hier etwas die Synchro im Verdacht, die – besonders in gefühlvollen Szenen – öfters einmal zu versagen scheint.

Fazit

Alles in Allem ist „Spider-Man 3“ ein wirklich gelungener Abschluss. Tolles Popcornkino, das sich – und seinen Helden – selbst nicht zu ernst nimmt. Die Geschichte wirkt nun abgeschlossen und ich weiß nicht, inwiefern ein vierter Teil neue Aspekte zum Spinnendasein beitragen könnte. Sam Raimi hat mit den drei Teilen – meiner Meinung nach – die bisher unterhaltsamste Superheldentrilogie der Filmgeschichte geschaffen. Allen Freunden von Spidey sei der dritte Teil hiermit noch einmal ausdrücklich ans Herz gelegt: 8/10 Punkte.

Mission: Impossible 2 (2000)

Beinahe zwei Monate nach Sichtung des Vorgängers bin ich gestern nun endlich dazu gekommen, mir „Mission: Impossible 2“ anzusehen. Der Film hat ja bereits bei Erscheinen einiges an Schelte einstecken müssen. Ich wollte jedoch unbefangen an die Fortsetzung herangehen und habe mir im Vorfeld vorgenommen, dem Film trotz überzogener Actionsequenzen eine faire Chance zu geben. Gar nicht so einfach, zumal die Action noch das Beste an diesem Werk darstellt.

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Wo fange ich nun an? Am besten mit der Action. Diese ist – typisch für John Woo – bombastisch inszeniert. Der Mann hat tatsächlich ein Auge für solche Szenen. Das kann man ihm wirklich nicht nehmen. Ob die übertriebene Action nun zu „Mission: Impossible“ passt oder nicht, kann man finde ich schlecht sagen. Brian De Palma hat im ersten Teil gegen Ende ja auch bereits auf Action dieser Art gesetzt, weshalb ich John Woo an dieser Stelle nicht den Vorwurf machen will, den Film aufgrund seiner Actionregie an die Wand gefahren zu haben.

Das größte Problem von „Mission: Impossible 2“ ist ganz klar das verkorkste Drehbuch. Die Geschichte ist so unglaublich simplel, dass man sie locker in einer halben Stunde hätte erzählen können. Zusammen mit der Action wäre man nun bei einer Stunde Film. Was also passiert in der restlichen Stunde? Da gibt es endlose Gespräche. Sinnlose Gespräche. Langweilige Gespräche. Dieses Nichts an Inhalt wird von John Woo zudem mit der opernhaften Theatralik seiner Hongkong-Filme inszeniert. Ein Zusammenspiel, das hinten und vorne nicht passt. Da ich jedoch stets an das Gute in den Filmemachern glaube, habe ich einen Blick ins Making Of geworfen, um Begründunge für die Defizite in der Geschichte zu finden. Dort erzählt der Drehbuchautor dann tatsächlich, was für eine anspruchsvolle Arbeit es war, eine Geschichte um die vorab festgelegten Actionssequenzen zu basteln. Zudem ist er furchtbar stolz auf seine Idee mit dem Virus, den er allen Ernstes als MacGuffin bezeichnet. Hitchcock würde sich im Grabe umdrehen.

Ich war wirklich guter Dinge. Wirklich. Auch habe ich kein Problem damit, dass bei einer Fortsetzung neue Wege eingeschlagen werden. Doch „Mission: Impossible 2“ demontiert seinen Vorgänger. Ethan Hunt ist nicht mehr Ethan Hunt. Er ist nur noch Tom Cruise – und dieser Film ist das deutlichste Beispiel für den schlechten Ruf des Schauspielers. Gelackte Oberfläche und ein Grinsen. Mehr ist da – zumindest in diesem Werk – nicht zu holen.

„Mission: Impossible 2“ ist kein Totalausfall. Die Actionszenen machen wirklich Spaß, doch der Rest? Kann man getrost vergessen. Das Schlimmste ist: Ich habe nun nichtmal mehr groß Lust auf den dritten Teil. What did you do, John Woo? So sehr ich seine ersten Hollywood-Ausflüge („Operation: Broken Arrow“ und „Face/Off“) mag, so deutlich zeigt sich mit „Windtalkers“ und „Mission: Impossible 2“ nun der Untergang des besonderen Talents dieses Regisseurs. Schade: 4/10 Punkte.

Gremlins 2: Die Rückkehr der kleinen Monster – OT: Gremlins 2: The New Batch (1990)

Oft sind Fortsetzungen nur ein müder Abklatsch des Originals. Manchmal – besonders bei persönlichen Klassikern – ist die Fortsetzung dem Original aber auch ebenbürtig. So wie „Gremlins 2 – Die Rückkehr der kleinen Monster“. Joe Dante konnte wieder das gesamte Team des ersten Teils versammeln und hat sich bei der Geschichte und Inszenierung auf die Stärken des Vorgängers konzentriert.

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Das neue Setting scheint anfangs ungewohnt, doch durch die bekannten Figuren lebt man sich relativ schnell in der Großstadt ein. Das Clamp Center scheint anfangs auch etwas übertrieben dargestellt, doch passt dieser fast schon satirische Tonfall ausgezeichnet zur „Gremlins“-Atmosphäre. Es gibt hier unzählige Filmanspielungen (u.a. „King Kong“, „Dracula“) und der schwarze Humor wurde ich Vergleich zum Vorgänger noch einmal gesteigert. Zwar wiederholt sich die Geschichte aus Kingston Falls nahezu 1:1, doch wirkt alles noch eine Spur größer, böser und unterhaltsamer. Zudem haben sich die bekannten Charaktere konsequent weiterentwickelt und durch Daniel Clamp, Forster und Doctor Catheter gibt es genügend Frischfleisch für die kleinen Monster.

Auffällig sind in „Gremlins 2“ besonders die verbesserten Effekte. Die Bewegungen wirken noch eine Spur runder und glaubwürdiger. Gizmo noch knuddeliger. Die platzenden Gremlins noch ekliger. Auch technisch macht die Fortsetzung folglich einen deutlichen Schritt nach vorne.

Hätte sich auch der zweite Film um die kleinen Monster nicht schon längst einen Platz in meinem filmischen Herzen gesichert, würde ich die – teilweise – Ideenlosigkeit der Fortsetzung vermutlich strenger beurteilen. „Gremlins 2“ macht jedoch auch heute noch genauso viel Spaß wie früher und erscheint mir keinen Deut schwächer als der Vorgänger: 9/10 Punkte.