The Strangers

Gestern Abend habe ich mir seit langer Zeit einmal wieder einen Horrorfilm angesehen. Bryan Bertinos „The Strangers“ versprach mir ein spannender und harter Thriller alter Schule zu werden. Zu gewissen Teilen konnt er sein Versprechen auch durchaus einlösen.

Die erste Hälfte des Films ist wirklich wunderbar. Es wird eine sehr realistische Atmosphäre kreiert, welche sich sowohl in den Charakteren, als auch dem Setting wiederfinden lässt. Die auftauchende Bedrohung wird schleichend, aber doch heftig eingeführt und man leidet als Zuschauer ohne Frage mit den zwei Hauptfiguren. Die Entscheidung die Fremden als gesichtsloses Grauen hinter Masken zu verbergen war äußerst effektiv.

Vom Aufbau der Geschichte und seiner Inszenierung lässt der Film Erinnerungen an Nimród Antals „Motel“ wach werden. Ein verstrittenes Paar, eine abgelegende Location, eine undefinierte Bedrohung. Alles schon einmal gehabt. Im Gegensatz zu Antals äußerst gelungenem Genrebeitrag bleibt das Grauen in „The Strangers“ jedoch bis zum Ende gesichtslos, was einerseits durchaus verstörend, andererseits aber auch feige und langweilig ist.

Man sieht die Handlung den ganzen Film über durch die Augen der Charaktere. Warum also bleibt einem gegen Ende der Blick auf ihre Peiniger erspart? Hier wäre es viel schockierender gewesen, hätte Bertino die Willkür des Angriffs – Kristen: ‚Why are you doing this to us?‘ Stranger: ‚Because you were home.‘ – unterstrichen, indem er z.B. ein paar gelangweilte Teenager unter den Masken hätte auftauchen lassen. Überhaupt versinkt die zweite Filmhälft wieder in Horrorklischees. Sehr schade.

Insgesamt ist „The Strangers“ ein äußerst atmosphärischer Horrorfilm, der Genrefreunden durchaus Spaß machen wird. Wenn man sich darauf einlässt, kann man sich auch ziemlich gruseln. Leider jedoch bleibt das vorhandene Potential besonders gegen Ende ungenutzt, weshalb ich letztendlich nicht mehr als 6/10 Punkte geben kann.

Dollhouse – Season 2

Wieder einmal heißt es von einer Joss Whedon-Serie Abschied nehmen. Dieses Mal hat es die ungewöhnliche Sci-Fi-Serie „Dollhouse – Season 2“ erwischt. Wohl das bislang unpopulärste Werk des Autors. Dennoch eine äußerst sehenswerte Serie mit mehr (zugegebenermaßen teils ungenutztem) Potential, als die meisten anderen Genreserien der letzten Jahre.

Der Aufbau der zweiten – und leider letzten –  Staffel der Serie erinnert stark an den ihres ersten Jahres: Zu Beginn plätschern die Episoden viel zu beliebig vor sich hin, dann plötzlich zieht die Geschichte so stark an, dass man sich erst einmal neu orientieren muss und ehe man sich versieht flimmert bereits der Abspann der letzten Episode über den Screen. Unglaublich wieviel Potential zu Beginn verschenkt wurde und noch unglaublicher, was man aus den restlichen Episoden herausgeholt hat.

Man mag Joss Whedon hier einiges vorwerfen, doch Ideenarmut gehört definitiv nicht dazu. Über ihre Laufzeit bekommt die Geschichte eine solche Tiefe und Tragweite, dass man vermutlich tatsächlich noch etliche weitere Staffeln damit hätte füllen können. Die Frage nach Identität, kollektivem Bewusstsein, Mensch-Maschine-Kommunikation usw. sind alles ideale Themen um in solch einer Sci-Fi-Serie aufgearbeitet zu werden. Die späteren Episoden sind auch entsprechend düster und besitzen den typischen Whedon-Witz, so dass absolut keine Langweile aufkommen mag. Hier wäre wirklich noch viel drin gewesen.

Leider jedoch gab es zu Beginn wieder zu viel Leerlauf und reine Füllepisoden. Ich weiß auch nicht, was die Autoren hier geritten hat. Vermutlich Fox, aber das Thema wurde ja schon zu genüge diskutiert. Insgesamt kann die Serie nicht an den Kultstatus ihrer inoffiziellen Vorgänger anschließen. Dafür ist sie wohl zu speziell und komplex aufgebaut. Auch hat man offensichtlich versucht sich mit einem zu großen Spagat zwischen den Zielgruppen neue Zuschauer zu erschließen. Eine Maßnahme, die – wie wir heute wissen – ziemlich nach hinten los ging.

Ich für meinen Teil wurde grandios unterhalten, hätte mir aber eine purere Version der eigentlichen Geschichte gewünscht. Von mir aus auch gerne als Miniserie. Dennoch bin ich froh, dass Whedon die Geschichte – anders als damals bei „Firefly“ – zu einem richtigen Ende führen konnte. Somit ist „Dollhouse“ ein mehr als nur sehenswerter Seriensnack für alle Sci-Fi-Nerds da draußen: 8/10 Punkte.

Iron Man (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Iron Man“ am 26. Mai 2012 und am 9. März 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Nachdem der Film schon viel zu lange ungesehen im Regal steht, habe ich mich gestern Abend Jon Favreaus „Iron Man“ angenommen. Obwohl ich Comicverfilmungen generell mag, konnte ich mich zuvor nicht so recht zu einer Sichtung aufraffen. Warum auch immer. Nun bin ich aber froh, es getan zu haben.

Iron Man (2008) | © Walt Disney

Iron Man (2008) | © Walt Disney

„Iron Man“ ist das Musterbeispiel eines Superheldenfilms bzw. des ersten Films einer ganzen Reihe. Wie bereits in „Spider-Man“ oder „Batman Begins“ lernt die Hauptfigur ihre neu gewonnenen Fähigkeiten hier zunächst kennen und muss sich mit einer veränderten Lebenssituation auseinandersetzen. Dies geschieht hier einerseits in eher düsteren Szenarion (Tony Starks Gefangenschaft), andererseits in eher komödiantischen Gefilden (Tonys Privatlabor). Eine wahrlich unterhaltsame Mischung.

Die restliche Geschichte – abgesehen vom Erfinden und Zusammenschrauben des Anzugs – ist eher belanglos. Die Darstellung von Tony Starks Lebensstil macht dank eines grandiosen Robert Downey Jr. richtig Spaß, doch die Entstehung des Bösewichts sowie der obligatorische Endkampf stammen eher aus der Klischeekiste. Nett anzusehen, aber (noch) nicht wirklich sonderlich faszinierend. Immerhin musste ich anfangs zweimal hinschauen, um Jeff Bridges (mit Glatze und Vollbart) zu erkennen.

Fazit

Mir hat der Film enorm viel Spaß gemacht und ich kann mir gut vorstellen, den zweiten Teil nun schneller zu sichten. Favreaus Interpretation des Marvel-Comics spielt für mich zwar nicht ganz oben unter den Comicverfilmungen mit, ist aber doch ein mehr als nur gelungener Beitrag. Als Genrefreund sollte man auf jeden Fall reinschauen: 7/10 Punkte.

Titan A.E. (2000)

Aktualisierung: Ich habe „Titan A.E.“ am 5. Oktober 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Manchmal ist es wunderbar persönliche, beinahe vergessene Filmklassiker hervorzuholen. So habe ich mich seit viel zu langer Zeit einmal wieder Don Bluths „Titan A.E.“ gewidmet. Bereits bei der ersten Sichtung im Kino hatte mich der Film unwahrscheinlich begeistert. Nerdkino in Perfektion. Darauf folgten unzählige Sichtungen auf DVD und die traurige Erkenntnis, dass der Film zu unrecht komplett in der Versenkung verschwunden ist.

Titan A.E. (2000) | © 20th Century Studios

Titan A.E. (2000) | © 20th Century Studios

Die Geschichte um den vaterlosen Cale Tucker, der sich auf die Suche nach einem verschollenen Raumschiff begibt, welches die Menschheit retten soll, ist simpel aber mitreißend. Überhaupt lebt der Film eher von seinen Animationssequenzen, welche – auf für heutige Augen gewöhnungsbedürftige Art und Weise – klassische 2D-Animation mit computergenerierten Grafiken verbinden. Heute (immerhin 10 Jahre später) mag das alles etwas angestaubt wirken, doch lässt man sich darauf ein, wird man mit teils wunderschönen Szenen belohnt.

Die Atmosphäre des Films ist ziemlich dicht und auch wenn sich die Inszenierung nicht eindeutig für ein Zielpublikum entscheiden kann, so dürfte man als Jugendlicher oder jung gebliebener Erwachsener am meisten Spaß mit „Titan A.E.“ haben. Die grafische Gestaltung und die zusammengewürfelte Crew erinnern mich heute tatsächlich etwas an den grandiosen Sci-Fi-Western „Firefly“, was durch die pointierten Dialoge unterstützt wird. Man merkt hier deutlich, dass Joss Whedon am Drehbuch mitgeschrieben hat.

Eine besondere Erwähnung verdient der Soundtrack, den ich damals rauf und runter gehört habe. Auch wenn sich mein Musikgeschmack seitdem doch weiterentwickelt hat, wurde ich bei der gestrigen Sichtung wieder davon mitgerissen. Da werden Erinnerungen wach.

Fazit

Für mich zählt „Titan A.E.“ ganz klar zu den Geheimtipps zwischen den Genres. Ein Animationsfilm abseits von Disney und Anime, den man auch als Erwachsener mit viel Vergnügen schauen kann. Schade, dass von Don Bluth („In einem Land vor unserer Zeit“) in dieser Hinsicht nichts mehr kam. Einer meiner persönlichen Klassiker: 8/10 Punkte.

In meinem Himmel – OT: The Lovely Bones (2009)

Gestern war ich endlich einmal wieder im Kino und habe mir Peter Jacksons Verfilmung von „In meinem Himmel“ angesehen. Bereits seit seiner Ankündigung habe ich mich auf den Film gefreut, wenngleich mir die Vorlage auch unbekannt ist. Ich mag Jacksons Stil und spätestens seit „Heavenly Creatures“ traue ich ihm auch ernstes Drama zu.

Die Bewertung des Films bringt mich in eine Zwickmühle. Einerseits hatte er grandiose Szenen zu bieten, welche mir auch immer im Gedächtnis bleiben werden, andererseits habe ich mich aber auch selten so über gewisse Szenen geärgert. Zu Beginn der Vorstellung war ich mir noch sicher einen der besten Filme des Jahres zu sehen, nach der Vorstellung war ich dagegen bitter enttäuscht. Heute Nacht jedoch hat mich die Geschichte selbst bis in meine Träume verfolgt, was wiederum für die emotionale Kraft des Films spricht. Doch was hat Jacksons Werk nüchtern betrachtet zu bieten?

Der Anfang des Films hat mir ausgezeichnet gefallen. Toll inszeniert, geschrieben und gespielt. Der grausame Höhepunkt war schließlich die Szene in der Susie Salmon auf ihren Mörder trifft. Ich glaube solch einen Kloß hatte ich im Kino nur selten im Hals. Wirklisch erschreckend gut gemacht. Auch die weiteren Szenen in der realen Welt haben bei mir Eindruck hinterlassen. Besonders die Spannungsszenen sind Peter Jackson famos gelungen, was wohl auch Stanley Tuccis beängstigendem Portrait des Serienkillers George Harvey zu verdanken ist.

Neben den wirklich spannenden und emotional ergreifenden Szenen gibt es allerdings noch die Szenen in Susie Salmons persönlicher Zwischenwelt. Die Szenen, die den Film eigentlich hervorheben sollten. Szenen, wie man sie noch nie gesehen hat. Leider jedoch sind gerade diese überflüssig, kitschig und mehr als nur holprig in die Gesamthandlung eingebunden. Ab und zu gibt es ein paar schöne Bilder zu sehen, doch der Rest verkommt zu brachialem CGI-Kitsch. Wirklich enttäuschend. Da hätte ich lieber nur Susies Voice-over gelauscht. Eine Erzählform, die bereits in „American Beauty“ tadellos funktioniert hat.

Neben den enttäuschenden Zwischenwelt-Szenen hat sich die Handlung auch noch einige Ausreißer erlaubt, welche für mich einfach nur unpassend wirkten. Das beste Beispiel ist hier der Kuss. Ich habe ja nichts gegen Kitsch, doch muss dieser auch angemessen in eine Geschichte integriert werden. Überhaupt hatte der Film teils das Problem die Waage zwischen Drama, Humor und Thriller zu halten. Hier hätten Peter Jackson, Fran Walsh und Philippa Boyens etwas mehr Fingerspitzengefühl beweisen müssen. Das Ende des Films war für mich schließlich auch unbefriedigend. Zwar weiß ich, dass es aus der Vorlage übernommen wurde, doch schien mir der CGI-lastige Absturz einfach nur platt und aufgesetzt. Wirklich schade.

Letztendlich hat mich „In meinem Himmel“ wirklich enttäuscht, besonders nach der wunderbar intensiven Eröffnung. Ich bereue die Sichtung jedoch nicht, denn in seinen besten Momenten liefert der Film famoses Drama sowie beklemmende Spannung. Dazwischen wirkt der Film jedoch wie eine billige Kopie von Vincent Wards „Hinter dem Horizont“, was leider nicht als Kompliment zu verstehen ist. Schade, dass man hier das Potential der Geschichte nur ansatzweise genutzt hat: 6/10 Punkte.

The War at Home – Season 1

Zu Weihnachten bekam ich mit „The War at Home – Season 1“ eine mir bis dahin unbekannte Sitcom geschenkt. Obwohl mein Interesse an typischen Familiensitcoms in den letzten Jahren deutlich nachgelassen hat, war ich dennoch höchst erfreut über einen erneuten Ausflug in dieses Subgenre.

Die Freude hielt jedoch nicht sonderlich lange an. Wäre die Serie kein Geschenk gewesen, wäre ich wohl bereits nach den ersten Episoden ausgestiegen. Der Humor rangiert irgendwo zwischen zynisch und einfach nur platt. Hinzu kommen seltsam oberflächliche und unsympathische Charaktere, was für mich in dieser Konstellation einfach nicht so recht funktionieren will. Die Show legt es ganz klar darauf an zu provozieren und anders zu sein, als andere Familiensitcoms, doch leider mag ihr das auch nicht wirklich gelingen.

Nachdem ich mich durch ungefähr 10 Episoden gequält hatte, war ich jedoch erstaunt wie flüssig sich die weiteren Folgen wegschauen ließen. Es gab mehr Schmunzler und man wusste bereits im Vorfeld, welche Gags man zu erwarten hatte. Der typische Sitcom-Gewöhnungseffekt eben. Abgesehen von angestaubten Storylines à la Hilfe, meine Frau will nicht eifersüchtig werden! und unzähligen Klischees hatte ich somit durchaus meinen Spaß mit der Serie. Die direkt in die Kamera gesprochenen Kommentare fand ich zudem durchaus nett anzusehen.

Auch wenn „The War at Home“ nicht der befürchtete Totalausfall war, so gibt es aufgrund der starken Konkurrenz in diesem Genre jedoch keinen guten Grund die Serie weiterzuverfolgen. Im allerbesten Fall durchschnittliche Unterhaltung und mal ehrlich: Braucht man das wirklich? 5/10 Punkte.

In die Wildnis: Allein nach Alaska (Jon Krakauer)

Nachdem ich von Sean Penns Verfilmung mehr als nur begeistert war, habe ich direkt im Anschluss Jon Krakauers Vorlage „In die Wildnis: Allein nach Alaska gelesen. Auffällig beim Lesen war, wie genau sich Penn doch an die Struktur von Krakauers Tatsachenbericht gehalten hat. Einzig Auslassungen und Straffungen sind mir aufgefallen, welche dem Film jedoch zugute kamen.

Die Person des Christopher McCandless wird von Krakauer sehr genau beschrieben. Sowohl seine Herkunft, als auch seine Vorstellungen und Ideale. In meinen Augen entsteht dadurch ein recht realistisches Bild des jungen Abenteurers, welches seine Handlungen für den Leser – aufgrund von McCandless‘ Charakter – durchaus nachvollziehbar macht. Ebenso fand ich nicht, dass Krakauer McCandless – so wie es ihm häufig vorgeworfen wird – zum tragischen Helden stilisiert. Natürlich wird er sympathisch gezeichnet, doch ebenso stark wird darauf eingegangen, dass sich der Reisende nicht ausreichend auf sein Abenteuer vorbereitet sowie sich und seine Fähigkeiten maßlos überschätzt hat.

Der gute Gesamteindruck des Reiseberichts wird leider etwas durch Krakauers abschweifende Erzählweise getrübt. So zieht er nicht nur etliche weitere Abenteurer als Vergleich heran, sondern schweift besonders im Bezug auf seine eigene Wildniserfahrung leider ziemlich ab. Diese Vergleiche machen inhaltlich zwar durchaus Sinn, hätten aber durchaus kürzer erzählt und geschickter in McCandless‘ Odyssee eingeflochten werden können.

Am Ende bleibt ein beeindruckes Zeugnis eines außergewöhnlichen Menschen. Auch wenn ich persönlich etliche Charakterzüge und Handlungen McCandless‘ nicht nachvollziehen kann, so hat mich Krakauers Nacherzählung seiner Geschichte doch wirklich berührt. Beinahe ebenso sehr, wie die in meinen Augen noch gelungenere Verfilmung: 9/10 Punkte.

Bones – Season 3

Als kleinen Seriensnack zwischendurch habe ich in letzter Zeit immer mal wieder eine DVD von „Bones – Season 3“ in den Player geschoben. Auch wenn mich juliaL49 vorgewarnt hatte, erhoffte ich mir insgeheim doch eine fröhliche Serienkillerjagd. Doch gab es diese auch zu sehen?

Leider nein. Definitiv nicht. So vielversprechend die Staffel mit einem episodenübergreifenden Handlungsbogen um einen kannibalistischen, einem Geheimbund entsprungenen Serienkiller auch beginnt, als so enttäuschend entpuppt sich dieser Erzählstrang leider im weiteren Verlauf. Anfangs wirkt die Geschichte viel zu konstruiert, nur um nach einigen Episoden wieder komplett zu verschwinden und am Ende mit einer an den Haaren herbeigezogenen Auflösung ins Staffelfinale zu gehen.

Zwischen den leider enttäuschenden Episoden mit durchgehender Handlung gab es die übliche „Bones“-Serienkost: Unterhaltsame Fälle, nette Charaktere, einfach unterhaltsam. Daneben wurde jedoch wieder das große Familiendrama thematisiert, welches mir bereits in der vorangegangenen Staffel nicht sonderlich zusagte. Aufgrund des Autorenstreiks bietet die dritte Staffel auch nur 15 Episoden, was für einen mehr als nur holprigen Gesamteindruck sorgt.

Freunde der Serie können auch im dritten Jahr getrost reinschauen, man sollte seine Erwartungen nur deutlich herunterschrauben. Die Staffel wirkt unfertig und gehetzt, wofür ich jedoch auch den Autorenstreik verantwortlich mache. Ob es nun qualitativ wieder aufwärts geht? Ich hoffe es. Hierfür sind mehr als 6/10 Punkte jedoch leider nicht drin.

The Sopranos – Season 6

Mit dem Finale von „The Sopranos – Season 6“ geht mein letzter großer Serienmarathon zu Ende. Zumindest soweit ich das aktuell abschätzen kann. Die letzten drei Monate mit Tony Soprano und seinen zwei Familien waren ein echter Erlebnis. Brutal und nierderschmetternd, doch ebenso komisch und mitreißend. Eine großartige Serie.

Diese sechste und letzte Staffel ist wohl auch die ungewöhnlichste der Serie. Man hat die eingeschlagenen Pfade öfter einmal verlassen, um sich dem Spiel hinzugeben. Ich denke hier nur an die eröffnende Storyline, welche einfach nur unglaublich gut geschrieben und inszeniert ist. Ein echter Höhepunkt der Seriengeschichte. Im weiteren Verlauf gab es unzählige weitere verstörende Szenen zu bewundern, welche letztendlich im Finale gipfelten. Davon werde ich mich erst noch erholen müssen.

Es ist erstaunlich wie konsequent und kohärent die staffelübergreifende Geschichte erzählt wird. Ereignisse geschehen nicht einach ohne Grund und selbst in der letzten Episode werden noch Gegebenheiten aufgegriffen, welche etliche Staffeln zurückliegen. Dadurch ist auch die Entwicklung der Charaktere absolut glaubhaft und man erkennt so deutlich wie selten zuvor: Man hat es in „The Sopranos“ fast ausnahmslos mit Soziopathen zu tun.

Innerhalb der gesamten Serie spielt die finale Staffel erstaunlich weit vorne mit, wenngleich man die Qualitätsunterschiede wirklich mit der Lupe suchen muss. Eine Zweitsichtung würde dann eventuell zu einem ganz anderen Ergebnis führen. Im Moment sehe ich die Rangfolge der einzelnen Staffeln jedoch folgendermaßen:

1. „The Sopranos – Season 5“
2. „The Sopranos – Season 6“
3. „The Sopranos – Season 3“
4. „The Sopranos – Season 2“
5. „The Sopranos – Season 4“
6. „The Sopranos – Season 1“

Auch wenn der Einstieg in die Serie am Anfang nicht ganz einfach war, so wurde ich doch mit einem herausragenden TV-Ereignis belohnt. „The Sopranos“ endete wirklich auf dem Höhepunkt des Erfolgs und ich kann David Chase zu dieser Entscheidung nur beglückwünschen, wenngleich ich auch gerne noch weitere Geschichten aus New Jerseys Unterwelt gesehen hätte. Ein Meilenstein: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

GoodFellas: Drei Jahrzehnte in der Mafia (1990)

Kurz bevor meine Sichtung von „The Sopranos“ in die letzte Runde geht, habe ich mit Martin Scorseses „GoodFellas: Drei Jahrzehnte in der Mafia“ noch einen echten Klassiker des Genres zwischengeschoben. Die letzte Sichtung liegt inzwischen Jahre zurück und somit war ich überrascht wie viele Parallelen es zwischen den beiden Ganstersagas doch gibt.

Für mich ist „GoodFellas“ seit jeher der Inbegriff des modernen Gangsterfilms. Auch heute noch kann ihm sein Alter nichts anhaben. Der Film hat Stil. So unglaublich viel Stil. Was Martin Scorsese zusammen mit Michael Ballhaus hier auf die Leinwand gezaubert hat, ist wahrlich ein Augen- und Ohrenschmaus. Elegant und dennoch authentisch. Bilder für die Ewigkeit der Kinogeschichte.

Die Verfilmung der Lebensgeschichte von Henry Hill mitreißend zu nennen wäre – zumindest für Freunde des Genres – wohl die Untertreibung des Jahrhunderts. Man wird hineingesogen in die Welt des organisierten Verbrechens und es gibt kein Zurück mehr. Die Mischung aus Coming-of-Age Drama und knallharter Mileustudie besitzt eine unglaubliche Dynamik und Energie, der man sich nur schwer entziehen kann. Scorsese ist der perfekte Gegenentwurf zu Coppolas „Der Pate“ gelungen und steht somit sinnbildlich für eine neue Generation der Mafia.

Sowohl inszenatorisch, als auch inhaltlich muss man bei der Sichtung von „GoodFellas“ zwangsläufig an „The Sopranos“ denken. Seit der gestrigen Sichtung war mir nie bewusst, wie sehr der Film David Chase bei der Entwicklung seiner Serie beeinflusst haben musste. Neben inhaltlicher Parallelen erinnern selbst manche Figuren an das große Vorbild. Ich denke hier nur an Joe Pantolianos Ralph Cifaretto, für den ohne Zweifel Joe Pescis Tommy DeVito Pate gestanden hat.

Eine weitere Bestätigung des Einflusses von Scorseses Meisterwerk ist die unglaubliche Anzahl an Schauspielern, die in die Mafiaserie übernommen wurden. So ist Michael Imperioli (Christopher Moltisanti) als Handlanger Spider zu sehen, Lorraine Bracco (Dr. Jennifer Melfi) spielt an der Seite von Ray Liotta die weibliche Hauptrolle, Tony Sirico (Paulie Gualtieri) und Tony Lip (Carmine Lupertazzi) sind in kleineren Nebenrollen zu sehen und Frank Vincent (Phil Leotardo) gibt eine denkwürdige Vorstellung als Billy Batts. Zudem bin ich mir sicher auch irgendwo Vincent Pastore (Pussy Bonpensiero) gesehen zu haben.

Für Freunde des modernen Gangsterfilms gehört „GoodFellas“ ganz klar zum Pflichtprogramm. Doch auch abseits der Genregrenzen ist Martin Scorsese ein beeindruckendes Kunstwerk gelungen, das jeder Filmfreund gesehen haben sollte. Ganz großes Kino: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm